Dr. rer. nat. Sarah Wilker

Dr. rer. nat. Sarah Wilker
Institut für Psychologie und Pädagogik
Abt. Klinische & Biologische Psychologie

»Gene × Environment Interactions in the Etiology and Treatment of Posttraumatic Stress Disorder (PTSD)«

Terroranschläge und Kriege, sowie die verzweifelten Versuche von Geflüchteten nach Europa zu gelangen, sind in den Nachrichten allgegenwärtig. Die Erinnerungen an solche traumatischen Erfahrungen können psychisch krank machen – eine häufige Traumafolgestörung ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Betroffene erleben die traumatischen Ereignisse beispielsweise in Form von Alpträumen oder sich aufdrängenden Bildern, Gedanken oder Gefühlen wieder. Somit bleibt der erlebte Schrecken allgegenwärtig. Die  PTBS verläuft oft chronisch und steht mit einem erhöhten Risiko für Selbstmord sowie körperliche Erkrankungen in Verbindung. Obwohl effektive Psychotherapien für die PTBS zur Verfügung stehen, spricht ca. ein Drittel der Betroffenen nicht auf die Behandlung an. 

Doch wer entwickelt nach dem Erleben traumatischer Ereignisse eine PTBS und wer nicht? Wie kann man unterschiedlichen Menschen mit PTBS ein individuell zugeschnittenes, optimales Therapieangebot machen? Und welche biologischen Mechanismen stehen mit der PTBS und dem erhöhten Risiko für körperliche Erkrankungen in Verbindung?  Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen, indem sie das Zusammenspiel von Umweltbedingungen und genetischen Faktoren in der Entstehung und Therapie der PTBS erforscht. Die Studien der Dissertation wurden in der Postkonfliktregion Norduganda durchgeführt. Dabei konnte die Preisträgerin parallel zu ihren Forschungsarbeiten mithelfen, eine dauerhafte Traumatherapie-Ambulanz in Norduganda aufzubauen.

In einem ersten Schritt wurde untersucht, wie der relevante Umweltfaktor, nämlich die Traumabelastung am besten erfasst werden kann. Es konnte gezeigt werden, dass eine relativ einfache Erhebung in Form einer Checkliste bereits eine sehr zuverlässige Einschätzung der Traumalast ermöglicht. Die nächste Studie untersuchte, ob genetische Variationen im gedächtnisrelevanten Gen WWC1 das Risiko der PTBS beeinflussen. Unter Berücksichtigung der Traumalast zeigt sich ein deutlicher Effekt der Genetik auf das PTBS Risiko, der in zwei unabhängigen, großen Stichproben gefunden wurde. Die folgende Studie untersuchte, ob eine genetische Variation im FKBP5-Gen, das ebenfalls mit Gedächtnisbildung unter Stress in Verbindung gebracht wird, die Effektivität von trauma-fokussierter Psychotherapie beeinflusst. Tatsächlich zeigten Individuen mit der genetischen Risikovariante langfristig den schlechteren Therapieerfolg. In einer letzten Studie wurden die biologischen Mechanismen, die der PTBS zugrunde liegen, genauer auf Ebene des Metaboloms (das Endprodukt der zellulären Stoffwechselprozesse, das eine enge Kopplung mit dem individuellen Gesundheitsstatus aufweist) untersucht. Mit dieser innovativen Methode konnten neue biologische Pfade aufgedeckt werden, die mit der PTBS in Zusammenhang stehen, wie beispielsweise Metabolite des Endocannabinoid-Systems. Dieses System wird ebenfalls mit Stressregulation und Gedächtnisbildung in Verbindung gebracht. 

Insgesamt legen die Ergebnisse der Arbeit nahe, dass gedächtnisrelevante biologische Systeme eine zentrale Rolle bei der Entstehung traumatischer Erinnerungen spielen, und ebenfalls relevant für die Bearbeitung dieser Erinnerungen durch Traumatherapie sind. Langfristig könnten die gewonnenen Erkenntnisse über die beteiligten biologischen Systeme dazu beitragen, Psychotherapien zu individualisieren, und gegebenenfalls durch Medikation oder Lebensstiländerungen zu unterstützen.

Abbildung: Der Einfluss des FKBP5-Genotypes auf den Verlauf der PTBS Symptomschwere. Träger des Risiko T-Allel zeigen 10 Monate nach Therapie eine Symptomverschlechterung, während Individuen in der protektiven Genotypgruppe eine kontinuierliche Verbesserung zeigen. Aus Wilker, S. et al. (2014). The Role of FKBP5 Genotype in Moderating Long-Term Effectiveness of Exposure-Based Psychotherapy for Posttraumatic Stress Disorder. Translational Psychiatry, 4 (e403), doi:10.1038/tp.2014.49.

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