Dr. rer. nat. Christian Winkler

Dr. rer. nat. Christian Winkler
Institut für Medieninformatik

 

»Nomadic Projection Within Reach«

Overcoming Deficiencies in Nomadic Information Management through Mobile Projected Interfaces
Dank der Entwicklung der letzten Jahre können wir heute unsere Computer in Form von Smartphones oder Tablets überall mit hinnehmen. Diese Mobilität ging allerdings deutlich zu Lasten der Interaktionsqualität mit den Geräten. So erlauben die kleinen Bildschirmgrößen z.B. kein echtes Multi-Tasking oder (die Privatsphäre schützende) Kollaboration. Jegliche komplexere Interaktionen auf den mobilen Geräten werden schnell unübersichtlich, was dazu geführt hat, dass die Displaygrößen in den letzten Jahren ständig gewachsen sind. Allerdings ist dieses Wachstum klar limitiert durch die erforderliche Mobilität der Geräte, ebenso ist deren Auflösung durch die Fähigkeiten des menschlichen Auges limitiert – und beide Grenzen sind mittlerweile erreicht oder bereits überschritten.

Im Gegensatz dazu verspricht mobile Projektion die Möglichkeit große Bildschirme nahezu überall und zu jeder Zeit zu erzeugen und das auch noch aus nur Daumen-großen Modulen, welche sich z.B. in Smartphones integrieren lassen. Allerdings gibt es ein Problem, welches darin besteht, dass die Lichtstärke dieser Projektoren noch um ein Vielfaches hinter dem zurückliegt, was für eine uneingeschränkte, mobile Interaktion unter nahezu beliebigen Umgebungslichtbedingungen notwendig wäre, wodurch sie bislang ein Nischendasein fristen. Außerdem fehlt es an Interaktionskonzepten zum (gemeinsamen) Handhaben von Informationen auf solch projizierten Displays.

Hierzu präsentiert diese Dissertation ein neues Rahmenwerk mit dem Titel „Projektion unterwegs in greifbarer Nähe“. Mit diesem rückt mobile Projektion nicht nur im wörtlichen sondern auch im übertragenen Sinne in „greifbare Nähe“ und kann für das Informationsmanagement unterwegs erfolgreich eingesetzt werden. Die drastische Verkürzung der Projektionsdistanz führt zu kleineren aber ausreichend hellen Mehrbildschirm-Umgebungen, die mittels der Möglichkeit auf der kurzen Projektionsdistanz über Fingerberührung zu interagieren, ganz neue Möglichkeiten für die mobile Handhabe von Informationen und mobilen Computern im Allgemeinen eröffnen. 

Das Framework wurde anhand von fünf Fallstudien entwickelt und evaluiert, welche sich systematisch mit den Nachteilen aktueller mobiler Endgeräte befassen und diese suchen zu verbessern. Die Studien umfassen dabei z.B. Projektortelefone, welche erlauben während eines Gesprächs per Drag&Drop Daten miteinander zu teilen (Bild 1), ein Tablet, das Schreiben mit Licht auf Papier ermöglicht (Bild 2), Telefone, deren Projektionen zu einem großen Multitouch-Tisch verschmolzen werden können (Bild 3) und Projektoren am Körper, welche Displays in der Umgebung erzeugen und die Interaktion damit erlauben (Bild 4).

Durch technische sowie konzeptionelle Untersuchungen, Innovationen und Studien sowie qualitativer und empirischer Benutzerforschung zeigen und belegen diese Studien die Fähigkeit des Rahmenwerks, durch neue Interaktionskonzepte die gegenwärtigen Nachteile zu beseitigen. 

Anhand von 12 Designregeln können Entwickler neuer Geräte die Erkenntnisse direkt anwenden. Zuletzt werden die einzigartigen Stärken und Schwächen von mobiler Projektion im Ökosystem mobiler Geräte, zu dem z.B. auch intelligenten Uhren und Brillen (Head-Mounted-Displays) gehören, beleuchtet.

Bilder: Mobile Displays, die man überall mit hinnimmt.

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