Nachhaltige Textilmesse in Dietenheim zieht zahlreiche Besucher an

Universität Ulm

„Dietenheim zieht an!“ Dass dieses plakative Motto im doppelten Wortsinn zutrifft, zeigte Mitte Oktober der große Andrang bei der Dietenheimer Textilmesse.

Auf 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche in der Stadthalle präsentierten 16 ausgewählte Textilhersteller nachhaltig produzierte Bekleidungsstücke. Darunter sowohl große namhafte Hersteller wie Speidel, Mey oder Trigema sowie Firmen wie Flomax, die auf den Einsatz lokaler Schafswolle setzen oder kleinere Nischenaussteller wie die Schneiderei „Fischerin Kleid“ aus Ulm. Nicht zu vergessen Unternehmen wie „Brainshirt“, die in Deutschland zu den größten Herstellern nachhaltiger Business-Kleidung gehören. Begeistert zeigten sich nicht nur die zahlreichen Besucher, sondern auch viele Aussteller selbst, die das große Interesse der Bevölkerung an ökologisch und fair produzierter Bekleidung positiv überraschte. Dazu gehörte beispielsweise Andreas Merkel von der Garnspinnerei „Otto Garne“, der nicht nur einen Großteil der Aussteller in die vormalige Textilstadt holte, sondern gemeinsam mit Wissenschaftlern der Uni Ulm, der Hochschule Reutlingen und der Stadt Dietenheim das „Reallabor für eine nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft“ mit auf den Weg gebracht hat. Aus diesem Großprojekt ging übrigens die Idee für die Nachhaltigkeitsmesse hervor.

 

Zum Erfolg der Veranstaltung trugen neben der großflächigen Verkaufsaufstellung aber auch die ungewöhnlichen Nebenangebote bei. So wurde im Nähcafe ein sogenannter „Up-Cycling“-Workshop angeboten, wo unter fachkundiger Beratung professioneller Schneider alte Männerhemden zu neuen modischen Kleidungsstücken umgearbeitet wurden. Ein Besuchermagnet war zudem die Kleidertauschbörse. Dort wechselten tütenweise Waren den Besitzer. „Solche alternativen Nutzungskonzepte  wie das Tauschen, Reparieren und Wiederaufbereiten erhöhen die Tragezeit der Textilien genauso wie innovative, bisher aber kaum praktizierte Vertriebswege, die auf Leasing- oder Mietkonzepten basieren“, erklärt Professor Martin Müller, Leiter des Instituts für Nachhaltige Unternehmensführung. Damit die Ökobilanz solcher Konzepte stimmt, wird deren Entwicklung wissenschaftlich begleitet.

 

Das vom Land Baden-Württemberg mit einer Millionen Euro geförderte „Reallabor zur nachhaltigen Transformation der Textilwirtschaft“ fußt auf der engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Kommune und Bürger. Das Ziel: die Neubelebung der Dietenheimer Innenstadt. Dabei geht es nicht nur um die Neuansiedlung nachhaltig produzierender Textilunternehmen, sondern auch um die (Wieder-)Entdeckung alternativer Vertriebs-, Marketing- und Nutzungswege.  (wt)

Fotos: Stefan Löffler, kawe8
Von l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Freise, HS Reutlingen, Prof. Dr. Jochen Strähle, HS Reutlingen, Andreas Merkel, Gebrüder Otto GmbH&Co. KG, Bürgermeister Christopher Eh, Stadt Dietenheim, Prof.Dr. Martin Müller, Uni Ulm