Mehr als Kostenkontrolle: Wie Controllerinnen und Controller ihre Rolle aktiv gestalten
Controllerinnen und Controller zählen in Unternehmen zu den zentralen betriebswirtschaftlichen Berufsgruppen und stellen für viele Absolventinnen und Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge ein attraktives Berufsfeld dar. In der öffentlichen Wahrnehmung werden sie oft vor allem mit Kostenkontrolle und Kostensenkungen in Verbindung gebracht – Aufgaben, die insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten von großer Bedeutung sind. Diese Sicht greift jedoch zu kurz.
In vielen Unternehmen umfasst die Arbeit von Controllerinnen und Controllern deutlich mehr. Sie analysieren Daten und unterstützen das Management durch entscheidungsrelevante Informationen bei vielfältigen strategischen und operativen Fragestellungen. Damit agieren sie als betriebswirtschaftliche Beraterinnen und Berater des Managements. In der Controllingforschung wird diese erweiterte Rolle als Business Partner-Rolle bezeichnet.
Mit der Ausübung der Business Partner-Rolle können Controllerinnen und Controller besonders wichtige Beiträge zum Unternehmenserfolg leisten. Während viele Studien darauf schauen, wie das Top-Management die Rolle von Controllerinnen und Controller als Business Partner fördert, richtet ein aktueller Forschungsbeitrag den Blick auf eine bislang weniger beachtete Perspektive: die der Controllerinnen und Controller selbst.
Gemeinsam mit Paula Dirks und Sandra Tillema von der Universität Groningen (Niederlande) hat Rouven Trapp vom Institut für Controlling den Zusammenhang untersucht, wie Controllerinnen und Controller selbst den Wandel hin zur Business Partner-Rolle mitgestalten. Im Mittelpunkt steht dabei die aktive Gestaltung der eigenen Arbeit (sog. „Job Crafting“) sowie der Einfluss persönlicher Eigenschaften.
Die in der renommierten Fachzeitschrift Accounting, Organizations and Society publizierte Studie basiert auf einer schriftlichen Befragung von Controllerinnen und Controller in einer europäischen Finanzorganisation. Die Studie zeigt, dass insbesondere Personen mit einer ausgeprägten Offenheit für Neues ihre Arbeit stärker aktiv gestalten. Sie passen ihre Aufgaben eigenständig an und suchen gezielt den Austausch mit anderen Führungskräften. Auf diese Weise tragen sie eigenständig dazu bei, die Rolle von Controllerinnen und Controllern als Business Partner im Unternehmen weiterzuentwickeln.
Die Ergebnisse haben praktische Bedeutung: Unternehmen können diese Entwicklung fördern, indem sie bei der Auswahl und Entwicklung von Mitarbeitenden auf Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit achten und gleichzeitig Arbeitsumgebungen schaffen, die Eigeninitiative und Gestaltungsspielräume unterstützen.
Literaturhinweis:
Paula Dirks, Sandra Tillema & Rouven Trapp: Management accountants’ personalities and their involvement in business partnering: A job crafting perspective. In: Accounting, Organizations and Society, Volume 116, 101638, https://doi.org/10.1016/j.aos.2026.101638