ULESS (Ulm Laboratory for Economics and Social Sciences) – Computerlabor für ökonomische Entscheidungsexperimente

Im Ulmer Computerlabor ULESS (https://www.uni-ulm.de/mawi/uless/ ) gehen wir Fragen aus dem Bereich der experimentellen Wirtschaftsforschung nach.

Die Experimentalökonomik ist eine Methode um menschliches Entscheidungsverhalten in ökonomischen Situationen zu erforschen. Auch andere wissenschaftliche Disziplinen setzen Experimente gezielt für ihre Forschung ein. Entscheidungsexperimente unterstützen vielseitige, interdisziplinäre und innovative Forschung. 

Wir haben untersucht, wie die Selbsteinschätzung von Individuen davon abhängt, ob die Korrektheit der Einschätzung von anderen beobachtet werden kann und haben dabei wesentliche Geschlechterunterschiede aufgedeckt. In unserer Studie lösen die Teilnehmer Additionsaufgaben und basierend auf der relativen Leistung wird ein Ranking erstellt. Teilnehmer schätzen dann ihren Rang in diesem Ranking ein. Wir finden, dass Frauen sich (bei gleicher tatsächlicher Leistung) schlechter einschätzen, wenn beobachtbar ist, welchen Rang sie tatsächlich belegen, als wenn der tatsächliche Rang nicht beobachtbar ist. Männer zeigen diese Reaktion auf die Beobachtbarkeit nicht. Frauen scheinen ein Schamgefühl vermeiden zu wollen, welches entstehen kann, wenn andere beobachten, dass man sich überschätzt hat.

Übertragen auf reale Situationen kann man sich ein Bewerbungsgespräch vorstellen, in dem man eine Einschätzung der eigenen (relativen) Fähigkeit in einem neuen Job angeben muss und später ersichtlich wird, wie gut man tatsächlich ist. Die Schamaversion von Frauen kann dann dazu führen, dass sich Frauen (im Gegensatz zu Männern) schlechter in Bewerbungsgesprächen darstellen, um später nicht entlarvt zu werden als jemand, der sich überschätzt.  Somit kann Schamaversion auch zur Erklärung beitragen, warum Frauen auf dem Arbeitsmarkt weniger erfolgreich sind.

 

Ludwig, S., Fellner-Röhling, G. und C. Thoma (2017). „Do women have more shame than men? An experiment on self-assessment and the shame of overestimating oneself,” European Economic Review 92, 31-46. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0014292116302197

 

In einem anderen Projekt untersuchen wir den Einfluss sozialer Informationen auf die Selbsteinschätzung. Da es in vielen Situationen eine Tendenz von Individuen gibt, sich falsch einzuschätzen, insbesondere sich selbst zu überschätzen und dies zu schwerwiegenden Fehlentscheidungen führen kann, ist es wichtig zu fragen, wie sich eine korrektere Selbsteinschätzung erreichen lässt. Wir fokussieren uns dabei auf den Effekt von `Nudging` in Form von sozialen Informationen. Der Einfluss sozialer Informationen auf die Selbsteinschätzung ist bisher kaum erforscht. Dabei ist dies besonders relevant, da wir im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung über immer mehr soziale Informationen verfügen.

In einem ersten Ansatz den Effekt sozialer Information auf die Selbsteinschätzung zu untersuchen haben wir Teilnehmern nach einer ersten Selbsteinschätzung ihrer relativen Leistung verschiedene Typen sozialer Information gegeben. Dabei haben sie entweder die durchschnittliche absolute Leistung anderer Teilnehmer, die ähnlich gut waren, wie sie selbst, erfahren, deren durchschnittliche Selbsteinschätzung oder wie verzerrt die Einschätzung der anderen im Durchschnitt war. Die Teilnehmer haben dann im Anschluss eine zweite Selbsteinschätzung abgegeben. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass soziale Information helfen kann, die Einschätzung von Individuen zu verbessern. Es sind jedoch nicht alle untersuchten Typen von Informationen hilfreich. Einzig wenn Individuen erfahren, wie verzerrt die Einschätzung anderer, ähnlicher Individuen war, verbessert sich die Selbsteinschätzung.

Wenn Individuen selbst aussuchen können, welche Art von Information sie erhalten wollen, wählen sie jedoch nicht diese hilfreiche Information, sondern wollen eher (selbst-relevante) Information über die absolute Leitung anderer erhalten. Somit ist fraglich, ob die allgemeine Verfügbarkeit von sozialer Information tatsächlich die Selbsteinschätzung verbessern kann.

Computerterminals im Labor, ULESS

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