Preise und Auszeichnungen

Die Ulmer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind unermütlich und sprengen mit ihren Preisen und Ehrungen sogar den Umfang unseres Uni-Magazins uni ulm intern. Hier finden Sie weitere geehrte und erwähnenswerte Forscherpersönlichkeiten aus der Rubrik Ausgezeichnet!

SCOR Preis für Karen Rödel

Für ihre Masterarbeit "Analysis of Solvency Capital on a Multi-Year Basis" wurde die Wirtschaftsmathematikerin Karen Rödel Ende letzten Jahres mit dem SCOR-Preis (1. Platz) ausgezeichnet. Die Auszeichnung des französischen Rückversicherers SCOR, der zu den international führenden in seiner Branche gehört, ist mit 6000 Euro dotiert und dient der Förderung des aktuarwissenschaftlichen Nachwuchses. Die 25-jährige Doktorandin vom Ulmer Institut für Versicherungswissenschaften hat dafür in einer Studie untersucht, wie sich verschiedene Garantieformen in der Lebensversicherung auf die Entwicklung von Solvenzquoten auswirken.

Solvenzquoten sind ein Maß für die sogenannte Solvabilität, also die Ausstattung eines Versicherers oder eines Kreditinstitutes mit Eigenkapital. Diese Eigenmittel dienen dazu, Geschäftsrisiken abzudecken und die Ansprüche der Versicherungsnehmer auch bei ungünstigen Entwicklungen zu decken. Nach der letzten großen Finanzkrise wurden auf europäischer Ebene die gesetzlichen Vorschriften zur Ausweisung von Risiken und der Eigenmittelausstattung massiv verschärft.

"Für die Unternehmen ist es aufgrund einer Vielzahl von Risikofaktoren aber äußerst schwierig, Verbindlichkeiten marktkonsistent zu bewerten. Versicherer müssen daher auf aufwändige numerische Verfahren wie stochastische Simulationen zurückgreifen und sind deshalb oft gezwungen, sich auf wenige Zukunftsszenarien zu beschränken", erklärt die Nachwuchsforscherin das Ausgangsproblem. Rödel hat nun in ihrer Arbeit ein "einfaches" mathematisches Modell entwickelt, mit dessen Hilfe Solvenzquoten - also der Anteil an Eigenmitteln - mit geschlossenen Formeln ermittelt werden können. "Dadurch reduziert sich die Komplexität der Simulationen, gleichzeitig bleiben aber wesentliche Eigenschaften der unterschiedlichen Garantieformen erhalten", so die Wissenschaftlerin. Die gebürtige Hamburgerin, die bereits 2015 für den besten Bachelor-Abschluss vom Ulmer Forum für Wirtschaftswissenschaften geehrt wurde, gehört an der Uni Ulm zu den besten Studierenden ihres Faches.

eb/wt

Prof. Wolfgang Schmickler: Verdienst um deutsch-argentinische Zusammenarbeit

Prof. Wolfgang Schmickler beim Festakt zur Verleihung des Dr. Luis Federico Leloir-Preis in Buenos Aires (Foto: argentinisches Wissenschaftsministerium)

Für die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und seine jahrzehntelange Verbundenheit mit Argentinien ist Prof. Wolfgang Schmickler, der an der Universität Ulm im Bereich Theoretische Elektrochemie forscht, Mitte November 2017 mit dem Dr. Luis Federico Leloir-Preis des argentinischen Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet worden.

Prof. Wolfgang Schmickler hat in den vergangenen Jahrzehnten rund 25 argentinische Doktoranden und Postdoktoranden am Institut für theoretische Chemie der Universität Ulm betreut. Außerdem hat er ein Doppel-Promotionsprogramm in physikalischer Chemie „Energie und fortgeschrittene Werkstoffe“ an der Uni Ulm zusammen mit der Universidad Nacional del Litoral in Santa Fe (Argentinien) ins Leben gerufen, das vom Deutsch-Argentinischen Hochschulzentrum finanziell unterstützt wird. Auch nach seiner Emeritierung bleibt Wolfgang Schmickler der Wissenschaft erhalten: Er forscht zusammen mit seiner Ehefrau, der Argentinierin Elizabeth Santos, weiter am Institut für Theoretische Elektrochemie und betreut Doktoranden. „Ich selbst war 1986 zum ersten Mal in Argentinien, um an der Universität von La Plata einen Kurs über die Theorie des Elektronentransfers zu halten. Die so entstandenen Kontakte haben sich über die Jahre verstärkt und verstetigt. Ich freue mich sehr, denn diese Auszeichnung gilt nicht nur mir, sondern auch meinen zahlreichen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite“, so der Geehrte.

Die Auszeichnung durch Dr. Lino Barañao, Minister für Wissenschaft, Technologie und Innovation, erfolgte bei einem Festakt in Buenos Aires (Argentinien). Benannt ist der Preis nach dem einzigen argentinischen Nobelpreisträger für Chemie, Dr. Luis Federico Leloir. Er wird seit 2010 an Ausländer verliehen, die sich besonders um die wissenschaftliche Zusammenarbeit verdient gemacht und zur Sichtbarkeit des südamerikanischen Lands in der Welt beigetragen haben. stg

Unfallchirurgische Forschung: Dr. Haffner-Luntzer und Dr. Fischer ausgezeichnet

Die beiden Ulmer Forscherinnen Dr. Melanie Haffner-Luntzer und Dr. Verena Fischer, Mitarbeiterinnen am Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik, sind beim Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) Ende Oktober 2017 in Berlin für ihre Forschungsarbeiten ausgezeichnet worden.

Dr. Melanie Haffner-Luntzer wurde mit dem ORS Travel Award ausgezeichnet und reist mit den 2500 Euro Preisgeld zum Kongress der Orthopaedic Research Society 2018 nach New Orleans (USA), um dort ihre ausgezeichnete Arbeit zu präsentieren. Sie beschäftigte sich in ihrem Paper mit den Auswirkungen von chronischem psychosozialem Stress auf die Knochenheilung und hat herausgefunden, dass andauernder Stress die Frakturheilung verschlechtert und somit einen Risikofaktor bei Knochenbrüchen darstellen kann. Unterstützt wurde Haffner-Luntzer durch die Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Reber, dem Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik des Uniklinikums.

Für ihre Arbeit zum Einfluss von Calcium- und Vitamin-D-Mangel auf die Frakturheilung erhielt Dr. Verena Fischer den Wissenschaftspreis 2017 der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese Trauma Deutschland (AOTD). Sie konnte zeigen, dass eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D nach einer Faktur essentiell ist, um einen posttraumatischen Knochenmasseverlust zu verhindern und das Risiko für Sekundärfrakturen bei Patienten mit Osteoporose zu reduzieren. Der mit 7500 Euro dotierte Preis wird jährlich auf dem AOTD-Symposium im Rahmen des DKOU vergeben. stg

Prof. Ingo Marzi (Präsident DGOU), Preisträgerin Dr. Melanie Haffner-Luntzer, Prof. Frank Hildebrandt (Vorsitzender Sektion Grundlagenforschung DGOU) (v.l.) (Foto: Intercongress)
Research Officer Prof. Georg Duda, Preisträgerin Dr. Verena Fischer und Präsident Prof. Michael Raschke (v.l.) (Foto: Jürgen Staiger)

Ulmer Kinderendokrinologen für Forschung zu Fettstoffwechsel und Diabetes ausgezeichnet

Dr. Daniel Tews (Mi.) ist mit dem STEPS-Award der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) e.V. ausgezeichnet worden. Überreicht wurde ihm der Preis von Dr. Dirk Schnabel, Schatzmeister der DGKED e.V. (links) und Prof. Joachim Wölfle, Präsident der DGKED e.V. (rechts).

Im Zuge der zwölften gemeinsamen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) in Freiburg sind Mitte November 2017 Dr. Daniel Tews und Dr. Christian Denzer von der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin für ihre Forschungsarbeiten ausgezeichnet worden.

Dr. Daniel Tews erhielt den diesjährigen STEPS-Award der der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie über insgesamt 1000 Euro für seinen Beitrag zu Stoffwechselvorgängen in braunem Fettgewebe. Dieses Fettgewebe spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Körpertemperatur von Neugeborenen, indem es Energie nicht speichert, sondern gezielt in Wärme umwandelt. Durch seinen hohen Energiebedarf hat braunes Fettgewebe auch einen Einfluss auf das Körpergewicht sowie auf den Zucker- und Fettstoffwechsel – Eigenschaften, die von großem Interesse in der Adipositasforschung sind.

Im Rahmen eines durch das Boehringer Ingelheim Ulm University Biocenter (BIU) geförderten Projektes hat Tews ein Zellmodell entwickelt, welches es erstmals ermöglicht, die komplexen metabolischen Vorgänge in menschlichen braunen Adipozyten detailliert in vitro zu untersuchen. Möglich gemacht wird dies durch Messungen in der neu etablierten Core Facility „Extracellular Flux Analyzer“, die von der Arbeitsgruppe betreut wird.

Der Kinder- und Jugendarzt Dr. Christian Denzer ist mit dem Abstract Award der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie und somit 500 Euro ausgezeichnet worden. In seiner Arbeit hat Denzer Veränderungen des Zuckerstoffwechsels bei übergewichtigen Kindern untersucht, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erkrankung an einem Diabetes mellitus Typ 2, dem sogenannten „Altersdiabetes“ stehen.

Hierzu wurde ein gemeinsam mit Dr. Josef Vogt vom Institut für Anästhesiologische Pathophysiologie und Verfahrensentwicklung der Universitätsklinik Ulm entwickeltes Verfahren eingesetzt, das es erlaubt, komplexe Stoffwechselvorgänge mathematisch nachzubilden. So lassen sich Störungen in der Regulation des Blutzuckers zu einem früheren Zeitpunkt als mit anderen Methoden erkennen.

Die Forscher hoffen, so junge Patientinnen und Patienten mit einem besonders hohen Risiko für die frühzeitige Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 identifizieren und vorbeugend behandeln zu können.

Text: Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Ulm