Abstracts Tag 4 – DINI Donnerstag, 15. September, 2016, 09:00 – 15:30

Keynote

Zwischen Anachronismus und Futurismus: Hochschulen als Lernorte der Zukunft

Referentin: Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs, TU Kaiserslautern

Träume und Visionen zu Veränderung der Hochschulen gibt es seit dem Aufkommen des Internets zahlreiche: Man sprach vom virtuellen (später vom digitalen) Campus, von Virtuellen Universitäten oder in neuerer Zeit von Alternativen wie Udacity oder P2P-University. Auf der anderen Seite stehen Universitäten diesen programmatischen Konzepten schon immer kritisch gegenüber: Wie kein anderer beklagt beispielsweise Derrida den Verlust des Ortes des Diskurses durch Virtualisierung, bevor Heinz Elmar Tenorth 2012 in der MOOC-Euphorie dann unverblümt fragt: Brauchen wir die Universitäten noch? Diesen Impuls möchte der vorliegende Vortrag aufnehmen und daran anschließend fragen: Wozu und wie brauchen wir die Universitäten noch? Müssen Universitäten medialen Veränderungen einfach folgen oder nicht doch bewusst einen Gegenpol dazu schaffen? Und welche Auswirkungen hat die Antwort auf diese Frage darauf, wie Lehren und Lernen, aber auch digitale Medien an der Hochschule thematisiert werden? Im Rahmen dessen möchte der Beitrag dann Ideen generieren, wie Hochschulen als Lernorte der Zukunft (medial) gestaltet werden könnten.

Block 7: Perspektiven der Digitalisierung – Lernorte der Zukunft

Input 1

Lernraum Campus: theoretische und empirische Perspektive

Referent: Olaf EigenbrodtStaats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Seit es die Lernraumdebatte gibt wird deren Theoriedefizit und mangelnde Verankerung in der Hochschuldidaktik kritisiert. Trotz des aktuellen Erfolgs der Lernräume, insbesondere im Kontext von Hochschulbibliotheken, bleibt diese Kritik berechtigt. Eine Zukunftsperspektive für hochschulische Lern- und Arbeitsorte muss sich an didaktischen, technologischen und lernpsychologischen Erkenntnissen orientieren und losgelöst von den Flächenkonkurrenzen innerhalb der Institutionen den gesamten Campus in den Blick nehmen. Dabei gilt es auch, sich von der herkömmlichen Dichotomie formeller und informeller Lernorte zu lösen, die in Zukunft mehr und mehr in den Hintergrund treten wird. Auf der Grundlage lernpsychologischer und -soziologischer Erkenntnisse und der Ergebnisse einer Metaanalyse aktueller Nutzerbefragungen zu Lernorten wird sich der Vortrag der Frage widmen, wie zukünftig Lern- und Arbeitsorte für Studierende in verschiedenen Qualifikationsphasen im Gesamtgefüge des Lernraums Hochschule geplant und gestaltet werden können.

Input 2

Digitale Lernorte von heute – morgen von gestern?

Referent: David Meinhard, Universität Düsseldorf

Die Digitalisierung der (Hochschul-)Lehre ist aktuell „in aller Munde“, was sich nicht zuletzt anhand der Diskussionsstränge innerhalb des Hochschulforums Digitalisierung nachvollziehen lässt (vgl. https://hochschulforumdigitalisierung.de/; zuletzt geprüft am 28.06.2016). Mit der Ubiquität digitaler (Lern-)Medien kommen Möglichkeiten der zeitlichen und räumlichen Entgrenzung des Lernprozesses einher und die „Wände“ möglicher Lernräume, so ließe sich argumentieren, werden zunehmend aufgelöst.

Doch birgt ein digitaler Lernort des „immer und überall“ ist nicht zugleich die Kehrseite des „nie und nirgends“ grenzenloser Unverbindlichkeit? Welche Rahmung und welche Betreuung erfordert ein digitaler Lernort der Zukunft überhaupt?

In diesem Impulsvortrag wird der Versuch einer Extrapolation dieser Entwicklung vorgenommen, die als Grundlage für die anschließenden Diskussionsrunden dienen kann.

Input 3

Vom Lexikon zum gemeinsamen Erfahrungsraum - Virtuelle Realität in der Lehre

Referent: Alexander KulikBauhaus-Universität Weimar, Virtual Reality Systems Group

Virtuelle Realität verspricht neue Möglichkeiten Erfahrungswissen zu gewinnen und Fertigkeiten zu trainieren. Auch deklaratives Wissen kann durch räumlich-zeitliche Verknüpfung mit virtuellen Objekten und Umgebungsmodellen teilweise besser vermittelt werden. Nicht zuletzt eignen sich virtuelle Umgebungen hervorragend zur Strukturierung von Informationen in einem kohärenten Erfahrungsraum.

Lernen basiert zu weiten Teilen auch auf dem Austausch mit anderen, vor allem, wenn es um die Interpretation komplexer Informationen geht. Computerschnittstellen im Allgemeinen und virtuelle Realität im Speziellen isolieren die Nutzer jedoch auch häufig von ihrem direkten sozialen Umfeld. Neue Entwicklungen von Mehrbenutzersystemen für virtuelle Realität und Telepräsenztechnologien, versprechen in diesem Sinne bessere Lernbedingungen. Der Vortrag beleuchtet die Grundlagen gemeinsamer Wahrnehmung und Interaktion in virtuellen Lernumgebungen.