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Frühjahresakademie 2011


28.03.2011
"Wir sind doch alle verschieden - Identität und Diversität aus Sicht der Genetik"
Prof. Dr. Christian Kubisch

Jeder Mensch trägt in den Körperzellen seine individuell einzigartige genetische Information. Die funktionelle Integrität der Erbsubstanz ist dabei notwendige Voraussetzung für die Entwicklung des Menschen und jedes anderen Lebewesens. Tatsächlich sind schädliche Veränderungen (Mutationen) der Erbsubstanz mit oft schwerwiegenden Fehlbildungen oder Erkrankungen verbunden. Auf der anderen Seite zeigen neueste Forschungsergebnisse, wie variationsreich die Erbsubstanz im Vergleich zwischen verschiedenen Menschen sein kann.
Diese genetische Variabilität spiegelt sich in unserer individuellen Identität wider, was sowohl für verschiedene Persönlichkeitsmerkmale als auch unsere individuelle Disposition für z. B. Krankheiten gilt. Die wenigsten dieser individuellen Merkmale stehen jedoch ausschließlich unter genetischer Kontrolle, da Umweltfaktoren einen oftmals großen Einfluss auf die Ausbildung der Merkmale besitzen.
Dieser Vortrag gibt ausgehend von der Vermittlung genetischer Grundlagen anhand ausgewählter Beispiele einen Überblick über Bereiche der diesbezüglichen humangenetischen Forschung und berücksichtigt dabei insbesondere Fragen zu den molekularen und genetischen Grundlagen der Identität und des Verschiedenseins.

(je 8 €)



29.03.2011
"Sexueller Missbrauch in der Kindheit, die Bedeutung für die Identitätsentwicklung"
Prof. Dr. Jörg M. Fegert

Ausgelöst durch eine Reihe von öffentlichen Berichten über Missbrauchsgeschehnisse, z. B. in katholischen Internatsschulen oder an der reformpädagogischen Odenwaldschule, sah sich die Bundesregierung im Frühjahr 2010 gezwungen, einen Runden Tisch zum sexuellen Kindesmissbrauch mit Vertretern aus Politik, Verbänden und Fachexperten einzurichten. Gleichzeitig wurde die Bundesministerin a. D. Dr. Christine Bergmann gebeten, als unabhängige Beauftragte für die Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs zu fungieren. Sie hat zusammen mit ihrem Team eine telefonische Anlaufstelle aufgebaut.
Die Begleitforschung für diese Anlaufstelle wird von einem interdisziplinären Team an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm durchgeführt. Mehrere tausend Betroffene haben sich bislang an die unabhängige Beauftragte gewandt und auch über die Einflüsse der Missbrauchserlebnisse auf ihre Biografie, auf ihre Identitätsentwicklung berichtet.
Der Vortrag berichtet darüber und stellt die Schilderung der Betroffenen aus Deutschland in den Kontext der internationalen Literatur zu den Folgen für die Identitätsentwicklung nach potenziell traumatisierenden Erlebnissen in der Kindheit.

(je 8 €)



30.03.2011
"Verschlusssache Identität"
Prof. Dr. Hans Peter Großmann, Dipl. Phys. Thomas Nau, Dr. Claudia Pauli

"Identity Theft" und "Phishing" sind nur zwei der Begriffe, die häufig im Zusammenhang mit dem omnipräsenten Begriff der "elektronischen Identität" zu lesen sind. Was aber verbirgt sich hinter diesen Begriffen, den elliptischen Kurven, Trust-Centern, ad-tracking oder Crypto-Verfahren. Wo sind die Unterschiede zwischen Datenschutz und Datensicherheit und vor allem, welche Verantwortung trägt der Einzelne nicht nur für die eigenen Daten?
Viele dieser Fragen wird der Vortrag an Hand der Einsatzgebiete elektronischer Identitäten an der Universität Ulm beantworten und die sich daraus ergebenden Folgen für unsere neue "elektronische" Gesellschaft beleuchten.

(je 8 €)



31.03.2011
"Bin ich? Und wenn nein, wie wenig? Das unrettbare Ich und die Gewissheit des Selbst"
Prof. Dr. Günter Fröhlich

Die Identität des Menschen ist ein altes, zugleich aber auch ein aktuelles philosophisches Problem, und sie ist mit den weiteren offenen Fragen nach dem Bewusstsein, dem Selbstbewusstsein, der Person, dem Subjekt, der biographischen Kohärenz, dem menschlichen Selbstverständnis, der Innerlichkeit und dem Verhältnis zur Welt und den anderen verbunden. Nun kannte die Antike das Problem in dieser Form nicht; man sprach funktional von der "Seele". Was wir heute, ganz allgemein im Alltag, unter der Identität des Menschen verstehen, ist das Ergebnis einer neuzeitlichen Entwicklung, an deren Ende nunmehr die Behauptung steht, dass es so etwas wie Selbstbewusstsein und Identität gar nicht gibt, weil es nichts Physisches geben kann, das unserem phänomenalen Eindruck, so etwas wie eine Identität zu haben, entsprechen könnte. Das klingt absurd, weil doch jeder eine Erfahrung von seiner Subjektivität hat. Was ist das aber dann, von dem wir wissen, dass wir es haben, das es aber nicht geben kann?
Der Vortrag erläutert kurz die Geschichte des Problems und des Begriffs und geht dann auf die neueren Herausforderungen in der Frage nach der menschlichen Identität ein.

(je 8 €)



01.04.2011
"Migration und Identität"
Gari Pavkovic

Auswanderung in ein anderes Land ist mit großen Veränderungen in der eigenen Lebensbiografie verbunden. Als Migrant muss man sich neue Kenntnisse und Verhaltensweisen aneignen, um sich im Einreiseland integrieren zu können. Diese kulturelle Anpassungsleistung ist immer mit Veränderungen des eigenen Selbstbildes, der eigenen Identität verbunden. Ob der Identitätswandel in der Migration mit größeren Belastungen und Brüchen verbunden ist oder eher als eine positive Persönlichkeitsentwicklung erfahren wird, hängt von eigenen Einstellungen ab, aber auch von der sozialen Stellung im Einreiseland und von Reaktionen der Aufnahmegesellschaft. Selbst wenn man sich mit der Zeit eine stimmige Mehrfachidentität aneignet, z.B. als Muslim und Deutscher türkischer Herkunft, gehört man nicht automatisch zu einem gemeinsamen „Wir“ in unserer Gesellschaft. Andere bestimmen durch ihre Zuschreibungen mit, wer als dazu gehörig gilt und wer als fremd betrachtet wird. Seit der Sarrazin-Debatte werden insbesondere muslimische "Inländer" als kulturell Fremde hingestellt. Dies kann bei den Betroffenen zur Entfremdung von der neuen Heimat führen.
Umgekehrt fordert die Auseinandersetzung mit der Migration bei den Deutschstämmigen eine Reflexion darüber, was die Wesensmerkmale der eigenen kulturellen Identität sind, die trotz gesellschaftlicher Veränderungen zu bewahren sind. Im Vortrag und im anschließenden Gespräch werden die wissenschaftlichen Ausführungen durch persönliche Beispiele des Referenten und aus dem Auditorium ergänzt, ebenso durch Erfahrungen aus der integrationspolitischen Arbeit vor Ort.

(je 8 €)



Herbstakademie 2010


27.09.10
"Lernen - Hirnforschung und Bildungsforschung im Dialog"
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Prof. Dr. Rudolf Tippelt

Mit dem Neurowissenschaftler Prof. Dr. Dr. Spitzer und dem Bildungsforscher Prof. Dr. Tippelt treffen zwei der prominentesten deutschen Wissenschaftler aufeinander, um sich über das Thema „Lernen“ aus ihrer jeweiligen Wissenschaftsperspektive zu verständigen.

In kurzen Impulsvorträgen führen beide aus der Perspektive ihrer Disziplin in das Thema „Lernen“ ein und zeigen auf, welche Fragestellungen und wissenschaftlichen Methoden in ihren Fächern relevant sind und zu welchen Erkenntnisgewinnen sie beitragen können. In einem anschließenden Gespräch werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten weiter herausgearbeitet und diskutiert, wie diese beiden Fächer zum erfolgreichen Lernen beitragen können.

(je 8 €)



28.09.10
"Kinderschutz - Möglichkeiten und Grenzen"
Prof. Dr. Ute Ziegenhain

In Deutschland wird derzeit eine erstaunlich nachhaltige Debatte um Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern geführt. Sie wurde maßgeblich durch tragische Kinderschutzfälle mit angestoßen. Öffentliche Auseinandersetzungen um Kindesmisshandlung und Kinderschutz erwecken bisweilen den Eindruck, als seien solche tragischen Fälle neue Phänomene in unserer Gesellschaft oder als nähmen sie in ihrer Häufigkeit zu. Betrachtet man Statistiken über Kinderschutzfälle, dann ist die Gefahr von Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung am größten in den ersten fünf Lebensjahren.

Der Vortrag behandelt Chancen für einen gelingenden Kinderschutz durch frühe Förderung elterlicher Beziehungs- und Erziehungskompetenzen und interdisziplinäre Kooperation und Vernetzung. Außerdem werden dabei auftretende Probleme und auch rechtliche bzw. moralisch-ethische Erwägungen im Zusammenhang mit einem zu frühen oder zu späten Eingreifen diskutiert.

(je 8 €)



29.09.10
"Stammzellen - was ist möglich?"
Prof. Dr. Hartmut Geiger

Was sind eigentlich Stammzellen? Woher kommen sie, welche Rolle spielen sie und welche Möglichkeiten bieten sie in der Therapie von Krankheiten? Geht es nicht auch ohne Stammzellen? Darf man das alles? Allheilmittel oder Teufelszeug?

Kaum ein Thema der neueren medizinischen Forschung wird so kontrovers diskutiert wie die Stammzellforschung. Ein individuelles Urteil über Wertigkeit erfordert jedoch ein fundiertes Wissen über  die Natur der Dinge. Der Vortrag erarbeitet daher ein Grundwissen über die verschiedenen Arten von Stammzellen, deren Gewinnung und Anwendung in der regenerativen Medizin und Alternsforschung.

(je 8 €)



30.09.10
"Mit Batterien und Brennstoffzellen zur nachhaltigen Mobilität"
Prof. Dr. Werner Tillmetz

Im Zeitalter der knapper werdenden fossilen Energieressourcen, der zunehmenden lokalen Schadstoffbelastung und der globalen Klimaproblematik gewinnt die saubere und effiziente Umwandlung und Speicherung von Energie immer mehr an Bedeutung. Moderne Batterien, Superkondensatoren und Brennstoffzellen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die Entwicklungsaktivitäten zu diesen Themen haben in der Automobil- und Zulieferindustrie in den letzten Jahren enorm zugenommen und der Weg in die Serienproduktion ist eingeschlagen. Doch auch heute noch müssen Wirtschaft und Wissenschaft, noch mehr aber die zukünftigen Konsumenten davon überzeugt werden, dass man bei der Entwicklung von kostengünstigen Batterien und Brennstoffzellen nicht nur alles machen darf, sondern alle Anstrengungen unternehmen muss, um möglichst schnell Alternativen zur herkömmlichen Technologie von Verbrennungsmotoren zu entwickeln. Denn Öl ist eigentlich viel zu schade und viel zu knapp, um es einfach zu verbrennen.

(je 8 €)



01.10.10
"Ethische Aspekte der experimentellen Laborforschung in den Sozialwissenschaften: Täuschung, Affekt und Selbsterkenntnis"
Prof. Dr. Johannes Keller

Die experimentelle Laborforschung in den Sozialwissenschaften ist in weiten Kreisen der Bevölkerung durch einige prominente Studien bekannt geworden, die durch spezifische Aspekte mit besonderer ethischer Relevanz gekennzeichnet sind. Zu diesen berühmt gewordenen Forschungsarbeiten zählen unter anderem das „Stanford Prison Experiment“ unter der Leitung von Philip Zimbardo und die Studien zur Autoritätshörigkeit von Stanley Milgram.

Am Beispiel solcher prominenter Studien wird in diesem Beitrag die ethische Problematik experimenteller Laborforschung in den Sozialwissenschaften diskutiert und das Für und Wider solcher Forschungsarbeiten abgewogen. Dabei wird insbesondere auch die Frage aufgegriffen, inwiefern die Teilnehmenden an solchen Studien neben den (affektiven) Erfahrungen durch die konkreten Merkmale der Laborsituation auch Erfahrungen aus der Teilnahme mitnehmen können, die ein Potenzial zur Selbsterkenntnis reflektieren.

(je 8 €)


Frühjahresakademie 2010


22.03.10
"Sicherheit von Nanoteilchen"
Prof. Katharina Landfester, PD Dr. Hubert Rauscher

Nanotechnologie gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jh. und umfasst die Erforschung, Herstellung und Anwendung von Objekten, deren Größenordnungen im Bereich von ca. 1 – 100 Nanometer liegen. Dabei sind speziell die besonderen chemischen, optischen, magnetischen, mechanischen und elektrischen Eigenschaften interessant, die nicht nur von der Art des Materials, sondern gerade von der Größe und der Form der Strukturen abhängen. Nanoteilchen, werden bereits im großen Stil künstlich hergestellt, z.B. für die Umwelttechnik, die Energietechnik und für Medizin und Kosmetik. So werden Konsumenten immer stärker in direkten Kontakt mit Nanoteilchen kommen.
Wie erklären sich daraus ergebende Aufnahmewege in den menschlichen Körper und mögliche Wechselwirkungen von Nanoteilchen mit dem Organismus?

(je 8 €)



23.03.2010
"Organtransplanatation - Realisierung um jeden Preis?"
Prof. Dr. med. Doris Henne Bruns

Mittels Organtransplantation kann der Funktionsausfall lebenswichtiger Organe wie z.B. Herz, Lunge und Leber kompensiert werden und danach das Leben der betroffenen Patienten gerettet werden. Der limitierende Faktor für Transplantationen ist die Verfügbarkeit von Spenderorganen. So kann eine Herz-, Lungen- oder Lebertransplantation nur dann durchgeführt werden, wenn der Spender/die Spenderin unter den Kriterien des Hirntodes verstorben ist und durch ihn/sie oder die Angehörigen eine Einverständniserklärung zur Organspende vorliegt.
Die begrenzte Verfügbarkeit von Organspenden wirft immer wieder kritische Fragen zur Indikationsstellung und Dringlichkeit der Transplantation sowie der gesellschaftlichen Einstellung zur Organspende insgesamt auf.

(je 8 €)



24.03.2010
"Palliativmedizin - weit mehr als Schmerztherapie"
Michael Kendel, Dr. Regine Mayer-Steinacker, Albert Rau, Dr. Stefan Schönsteiner

Mit der Etablierung der Palliativmedizin soll die Betreuung unheilbar Kranker mit weit fortgeschrittenen und zum Tode führenden Erkrankungen sowie die Begleitung der Angehörigen verbessert werden. Allgemein akzeptiert ist heute, dass es eine Betreuung für die letzte Lebensphase und nicht nur in der letzten Lebensphase ist. Palliativmedizin beginnt bereits bei der Mitteilung der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung und umfasst sowohl eine effektive Schmerztherapie und medizinische Symptomkontrolle als auch die Integration der psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten und Angehörigen. Ziel ist es, Lebensqualität für Patienten und Angehörige und bis zuletzt ein erfülltes Leben zu ermöglichen.

(je 8 €)



25.03.10
"Ärzliche Beiträge zu ökonomischen Entscheidungen"
Prof. Dr. Fangerau, Prof. Dr. Porzsolt, Prof. Dr. Weiß

Bei allen Entscheidungen im Gesundheitssystem gilt es, eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiken vorzunehmen. Das betrifft politische Entscheidungsträger ebenso wie Versicherungen, Gesundheitsindustrie, Ärzte und Patienten. Deshalb sind alle Gruppen in die Diskussion zur Abwägung von Nutzen und Risiken einzubinden. Unter dem Primat wirtschaftlicher Zwänge und institutioneller Bedingtheiten kommen ökonomische Handlungsperspektiven im klassischen Sinne oft zu kurz und Entscheidungen sind oft zu wenig an Rationalität und langfristiger Wirkung orientiert. Nutzen und Risiken werden auf dieser Basis nur unzureichend reflektiert. Darüber hinaus sind Fragen der ärztlichen Ethik und des Arzt-Patienten-Verhältnisses in Diskussionen zu ökonomischen Entscheidungen stets mitzudenken. Welchen moralischen Wert hat die Orientierung an ökonomischen Kriterien im Zusammenhang mit der Frage „Darf man alles machen, was möglich ist?“.

(je 8 €)



26.03.10
"Die Grundrechte im Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit"
Gerhard R. Baum

Nicht nur beim Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit bei der Bekämpfung des Terrorismus stellt sich heute die Frage: Welche Mittel darf der Staat einsetzen?
Bestimmendes Entscheidungsmerkmal muss das sittliche Prinzip der Menschenwürde sein. Es bestimmt als ethisches Grundprinzip das ganze Grundgesetz, die Rechtsprechung und die Beziehung der Menschen untereinander.
Von aktueller Bedeutung sind folgende Fragen: Wo ist die Grenze zwischen Freiheit und Sicherheit zu ziehen? Darf der Staat zu diesem Zweck das Prinzip der Menschenwürde relativieren, also z.B. um der Rettung von Menschen willen Folter anwenden? Unter welchen Bedingungen darf der Staat in den Kernbereich des Privaten eindringen, in die Wohnung oder in den Computer?
Es geht im Kern also um die Ausdeutung der Freiheit, die ohne Unsicherheit nicht vorstellbar ist.

(je 8 €)


Herbstakademie 2009


28.09.09
"Kann Mathematik auf dem Computer eine Täuschung sein?"
Prof. Dr. Karsten Urban

Die Simulation hochkomplexer Prozesse auf dem Computer gehört heute zum täglichen Handwerkszeug in Wissenschaft und Wirtschaft. Wettervorhersagen, Automobil- und Flugzeug-Design, Biomechanik, Chemie oder Astrophysik sind nur einige Beispiele. Aber können wir solchen Computer-Ergebnissen wirklich trauen? Was haben solche Berechnungen mit der Realität zu tun?
In diesem Vortrag zeigen wir zunächst, was alles schief gehen kann, wenn man allzu sorglos mathematische Berechnungen am Computer anstellt. Anhand ausgewählter konkreter Beispiele zeigen wir, wie man von einer realen Problemstellung zu einer Computersimulation kommt und welche Mechanismen die moderne numerische Mathematik bietet, um Fehlerquellen zu begrenzen und Einflüsse von Fehlern rigoros zu kontrollieren. Wir werden dabei kaum Formeln benutzen.

(je 8 €)



30.09.09
"Über die Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit von Selbsttäuschung"
Prof. Dr. Horst Kächele

Das „Ich“ sei nicht Herr im eigenen Haus, meinte S. Freud. Wer dann, möchte man fragen.
Die Psychoanalyse beschäftigt sich seit hundert Jahren mit solchen Fragen und ihre Antworten sind vielgestaltig. Selbsttäuschung kann ein seelischer Bewältigungsmechanismus sein, und dient besonders in schweren Krankheitszuständen manchmal als Aufschub vor einer schmerzlichen Einsicht. Doch auch in normalen seelischen Zuständen ist Selbsttäuschung eine häufiger Vorgang; sie gaukelt eine Sicherheit vor, die subjektiv sinnvoll sein kann, obwohl sie objektiv auf irrigen Voraussetzungen beruht. Mit solchen irritierenden Fragen beschäftigt sich der Vortrag.

(je 8 €)



01.10.09
"Tarnen und Täuschen in der Wissenschaft mit Statistik – wie ist das möglich?"
Prof. Dr. Rainer Muche

Wer kennt nicht die berühmten Zitate wie „Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken“ oder „Ich glaube nur Statistiken, die ich selber gefälscht habe!“.
Da in der Wissenschaft neue Ergebnisse sehr oft empirisch durch Studien und Experimente anhand von Daten gewonnen werden, ist das Thema der richtigen Auswertung mit statistischen Methoden und der entsprechenden Interpretation immer präsent.
In dem Vortrag sollen anhand von Beispielen aus dem medizinischen Umfeld Möglichkeiten der Täuschung (inklusive Selbsttäuschung) und des bewussten Betruges mit Hilfe der Statistik aufgezeigt werden sowie mögliche Ansätze, diese zu erkennen und verhindern.

(je 8 €)



02.10.09
"Ich kann nichts dafür – das System ist schuld! Tarnen und Täuschen aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive"
Prof. Dr. Martin Müller

Die meisten Wissenschaftler in den Wirtschaftswissenschaften gehen vom Menschenbild des homo oeconomicus aus. Dieser immer rationale, nutzenmaximierende Mensch stellt die Grundlage der meisten Modelle und Theorien in der Wirtschaftslehre dar. Damit ist eine Grundannahme der Theorie, dass Täuschen, Schummeln, Blenden und Tarnen Grundwesenszüge der Menschen sind, wenn es um die Steigerung des individuellen Nutzens geht.
Was bedeutet ein solches Menschenbild aber für unseren Umgang miteinander? Was bedeutet es für unser Finanzsystem, was für unseren Umgang mit der Natur?
Anhand einer kurzen Einführung in die Theorie der Wirtschaftswissenschaften sollen diese Fragen nach den Grenzen der Ökonomik gestellt und anhand von Beispielen diskutiert werden.

(je 8 €)


Frühjahresakademie 2009


23.03.09
"Die andere Seite der Medaille"
PD Dr. Dr. Gerlinde Sponholz

Wissenschaft kann als das große Unterfangen der Menschen verstanden werden, das sich der Suche nach Wahrheiten, nach neuem Wissen und Problemlösungen verpflichtet hat. Diese Suche hat nach den anerkannten Regeln der verschiedenen Wissenschaften zu erfolgen. Gemeinsam ist allen Regeln: es sind Methoden, Daten und Ergebnisse zu dokumentieren, die Arbeiten anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind anzuerkennen, Objektivität und Ehrlichkeit sind zu wahren. Wo es Regeln gibt, treten auch Regelvertöße auf. Fälle von Täuschung und Fälschung in den Wissenschaften sind in größeren Abständen in der Tagespresse zu finden. Das Vertrauen in das System Wissenschaft wird dabei regelmäßig in Frage gestellt. In den letzten 30 Jahren wurde das Phänomen des „wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ zunehmend ernst genommen und Untersucheungen über die Häufigkeit wurden in Gang gesetzt. Es stellt sich heraus, dass Täuschung und Fälschung in der Wissenschaft ein sehr vielschichtiges Problem ist; einfache Lösungsvorschläge zur Vermeidung von und zum Umgang mit Fehlverhalten sind offensichtlich zum Scheitern verurteilt.

(je 8 €)



25.03.09
"Es ist nicht alles, wie es scheint"
Prof. Dr. Wolfgang Schleich

 

Mit der Entwicklung der modernen Quantenphysik Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ging eine Revolution in der Betrachtung der Vorgänge in der mikroskopischen Welt einher. Die ersten Ansätze, das Innere eines Atoms zu verstehen, beruhten auf einer Abbildung der Himmelsmechanik auf die Bewegung eines Elektrons um einen Atomkern. Es zeigte sich jedoch, dass dieses Bild unvollständig ist. Es bringt nämlich nicht zum Ausdruck, dass die mikroskopische Welt erst existiert, wenn man sie misst. Erst die Messung bestimmt, was wir beobachten. Diese Vorstellung stellt den bedeutsamsten Unterschied zur klassischen Physik dar: Die Objekte in der Quantenwelt sind nicht so wie sie scheinen. In den letzten Jahren haben die Physiker gelernt, diese Tatsache technologisch für sich auszunutzen. Neue Methoden zur Kryptographie oder zu neuen Computern sind daraus entstanden.
In diesem Vortrag soll eine kurze Einführung in die Welt der Quanten gegeben werden. Hierbei werden keine Formeln, aber sehr viele Bilder und Analogien benutzt. Die neuesten technologischen Entwicklungen aus dem Bereich der Quantenphysik werden kurz vorgestellt.


 

(je 8 €)



26.03.09
"Mythos Schule"
Prof. Dr. Ulrich Klemm

Die deutsche Bildungspolitik ist durch ein großes Dilemma gekennzeichnet: Einerseits spricht man seit Jahren von der Bedeutung des lebenslangen, globalen und selbstgesteuerten Lernens. Anderseits hält man aber an einem Schulsystem fest, das aus dem 19. Jahrhundert stammt und in seinen bekannten Ausprägungen der Dreigliedrigkeit, des 45 Minuten-Takts, der Jahrgangsstufen, der staatlichen Hoheit und des Notensystems die gesellschaftliche Funktion der Stabilisierung und Selektion erfüllt.
Im Mittelpunkt des Vortrags stehen traditionelle Vorstellungen von Schule, die vom Referenten als Täuschung hinterfragt werden:
- Schule sichert Wissen
- Schule schützt Kinder
- Schule garantiert kulturellen Fortbestand
- Schulreformen verbessern Schule
Erst wenn wir uns von diesen Schulmythen trennen und Bildung „entschulen“ können, werden wir den Ansprüchen an eine zeitgemäße Bildungspolitik gerecht.

(je 8 €)



27.03.09
"Visuelle Wahrnehmungstäuschungen"
Prof. Dr. Welf Kreiner

Oft täuscht uns die Wahrnehmung. In vielen Fällen lässt sich das nicht physikalisch erklären. Wir sehen dann etwas, was keine objektive Messung nachvollziehen kann. Das sind die echten visuellen Wahrnehmungstäuschungen. Sie entstehen erst im Kopf. Hat sich da die Evolution in eine Sackgasse verrannt? Ertappen wir das visuelle System bei einem Fehlverhalten?

Mit Hilfe von Beispielen und experimentellen Befunden an einigen statischen Illusionen soll der Frage nachgegangen werden, ob das wirklich Fehlleistungen des Gehirns sind oder das Resultat einer Fähigkeit, aus der aufgenommenen Information noch das Beste zu machen. Gegenstand dieser Betrachtung sind einfache Modelle zum Zustandekommen von Illusionen sowie eine Diskussion der Frage, wie weit das Gehirn dabei völlig autonom agiert oder ob sich doch ganz bestimmte Merkmale am Objekt ausmachen lassen, die im visuellen System ein Programm in Gang setzen und so den Illusionsvorgang auslösen.

(je 8 €)


Herbstakademie 2008


22.09.08
"Leistungseinschränkungen für Hochbetagte?"
Prof. Dr. Georg Marckmann

Durch den demographischen Wandel steigt nicht nur die absolute Zahl, sondern auch der relative Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung. Da ältere Menschen im Vergleich zu jüngeren im Mittel mehr Leistungen in Anspruch nehmen, stellt sich die Frage, ob es nicht ökonomisch sinnvoll und ethisch geboten sein könnte, dem zunehmenden Kostendruck mit altersabhängigen Leistungsbeschränkungen zu begegnen.

Der Vortrag erläutert zunächst den Zusammenhang zwischen Alter und Gesundheitsausgaben. Im Anschluss steht die ethische Frage im Vordergrund, ob und ggf. wie sich eine „Altersrationierung“ moralisch rechtfertigen lässt. Neben Fragen der ethischen Begründung stellen sich auch pragmatische Fragen der Umsetzung von altersabhängigen Leistungsbegrenzungen. Abschließend wird aufgezeigt, welche Alternative in Frage kommt, um der zunehmenden Diskrepanz zwischen medizinischen Möglichkeiten und knappen Finanzressourcen zu begegnen.

(je 8 €)



23.09.08
"Arzneimitteltherapie im Alter"
Prof. Dr. Peter Gierschick

„Mehr als die Hälfte aller Menschen, die jemals das Alter von 65 Jahren erreicht haben, lebt heute.“ Dieses Zitat aus einem amerikanischen Lehrbuch der Inneren Medizin beschreibt eindrucksvoll die demographischen Veränderungen des letzten Jahrhunderts. Die Veränderungen wirken sich unter anderem unmittelbar auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung aus. Die Arzneimittelbehandlung älterer Patienten stellt den Arzt und seinen Patienten vor eine besondere Herausforderung.
Der Vortrag behandelt die Komplexität und die Tragweite dieser Herausforderung und widmet sich dabei besonders folgenden Fragen: Was wissen wir über die Einnahme von Arzneimitteln durch ältere Patienten? Was macht die Arzneimittelbehandlung älterer Patienten zu einer besonderen Herausforderung? Welche Lösungsansätze gibt es, dieser Herausforderung zu begegnen?

(je 8 €)



25.09.08
"Zwischen Alterslob und Altersklage"
Prof. Dr. phil. Franz Josef Wetz

Das Alter beschäftigt ältere Philosophen seit jeher. Zwischen tröstlichem Alterslob und trauriger Altersklage versuchen sie einerseits realistisch und schonungslos dem Alter, auch den Torheiten des Alters, ins ungeschminkte Gesicht zu sehen. Andererseits suchen sie immer wieder Wege, sich selbst mit den weniger schönen Seiten des Alters zu versöhnen.

Im Vortrag werden in einer Art Zusammenschau die verschiedenen Sichtweisen des Alters von Platon bis Simone de Beauvoir dargestellt, bewertet und auf die heutige Zeit bezogen. Dabei wird deutlich, dass die Weisheiten älterer Philosophen – so unzeitgemäß sie bisweilen zu klingen scheinen – im Wesentlichen so aktuell wie in früheren Zeiten sind.

(je 8 €)



26.09.08
"Schöne virtuelle Welt"
Prof. Dr. Peter Schulthess

Ohne dass wir dies deutlich wahrnehmen, ist die Virtualisierung unserer Alltagswelt weit fortgeschritten. Online-Lexika sind aktueller, umfassender und bequemer als echte Enzyklopädien. Wertpapierdepots sind elektronisch, aber nicht mehr physisch vorhanden. Fernsehen und Computerspiele zeigen mit der Wirklichkeit nur noch teilweise vereinbare Erlebniswelten. Darüber hinaus jedoch und jenseits von gewaltbetonten Szenarien entstehen virtuelle 3D-Welten als soziale Plattformen, als mit Avataren bevölkerte Freizeitlandschaften und Orte der multimedialen Wissensvermittlung.

Damit diese virtuellen Welten sich nicht zum Ärgernis, sondern zum Wohl des Einzelnen entwickeln, ist ein sachkundiger Umgang mit den latenten Risiken und mit den technischen und inhaltlichen Gestaltungsmöglichkeiten von großer Bedeutung. Wir diskutieren die Situation anhand aktueller Beispiele und einem kleinen Spaziergang in einer virtuellen 3D-Welt.

(je 8 €)


Frühjahresakademie 2008


10.03.08
"Die demografische Lage der Nation"
Prof. Dr. Reiner Klingholz

Deutschland ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Zahl der Einwohner auf fast 83 Millionen angewachsen. Nun hat das Schrumpfen begonnen. Dass wir von unserem Geburtendefizit bisher wenig gespürt haben, hat zwei Gründe: Zum einen ist die durchschnittliche Lebenserwartung seit 1970 um etwa zehn Jahre gestiegen. Zum anderen leben heute ungefähr 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Auf regionaler Ebene ist der Rückgang längst Realität. Zurück bleiben eher die Älteren und sozial Schwachen, was fast zwangsläufig zu weiteren wirtschaftlichen und demografischen Problemen führt. Von der deutschen Völkerwanderung profitieren vor allem die wirtschaftsstarken Räume im Westen. In Zukunft können nur solche Regionen weiter wachsen oder stabil bleiben, die attraktiv genug sind, um den weniger werdenden jungen Menschen eine Zukunft zu versprechen.

(je 8 €)



11.03.08
"Produktivität und Kreativität"
Prof. Dr. phil. Andreas Kruse

Produktivität und Kreativität sind auch jenseits der Lebensmitte vorhanden. Lernfähigkeit und persönliche Weiterentwicklung enden nicht mit 50! Zu den bedeutendsten Formen der Produktivität im Alter werden das Engagement in Familie und Nachbarschaft, das bürgerschaftliche Engagement sowie die Möglichkeit, anderen Menschen ein Vorbild zu sein, gerechnet. Das Alter stellt für viele Menschen eine Lebensphase dar, in der sie ihre persönliche Sinngestalt verwirklichen, das heißt ein kreatives Leben führen können. Die Möglichkeit, produktiv und kreativ zu sein, wird aber auch häufig als eine wichtige Voraussetzung für Lebenszufriedenheit und Gesundheitsprävention im Alter angesehen.

In diesem Vortrag werden die genannten Aspekte näher erläutert und auf dem Hintergrund jahrzehntelanger Forschungsarbeit belegt.

(je 8 €)



12.03.08
"Weniger, bunter, älter"
Alexander Wetzig

Städte sind seit jeher Kristallisationsfelder der sozialen und ökonomischen Veränderungsprozesse in der Gesellschaft. In den Städten machen sich gesellschaftliche Entwicklungen am schnellsten und am intensivsten bemerkbar. Die seit langem bekannte Dynamik der Veränderung der Bevölkerungsstrukturen konfrontiert die Städte mit vielfältigen und gravierenden Problemen und Aufgaben, aber vielleicht auch einem Motivationsschub für die Stadtgesellschaft.

Am Beispiel der Stadt Ulm werden räumliche und funktionale Auswirkungen des demografischen Wandels in den betroffenen Schwerpunktbereichen vom Wohnen bis zur städtischen Infrastruktur sowie die Strategien der Stadt in Stadtplanung, Stadtentwicklung und Städtebau dazu vorgestellt.

(je 8 €)



13.03.08
"Demografisches Altern und Gesundheit"
Prof. Dr. Richard Peter

Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung führen in Deutschland zu einem stetig wachsenden Anteil über 65-Jähriger an der Bevölkerung. Bereits in wenigen Jahrzehnten wird ein Anwachsen dieses Anteils auf über ein Drittel der gesamten deutschen Bevölkerung prognostiziert. Bedeutet dies, dass automatisch auch der Anteil chronisch kranker und behinderter Menschen zunehmen wird, da mit zunehmendem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit, eine chronische Erkrankung zu erleiden, steigt? Oder werden wir zwar immer älter, bleiben aber auch länger gesund?

Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich der Vortrag und stellt Ergebnisse neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen vor.

(je 8 €)



14.03.08
"Bevölkerungsalterung"
Prof. Dr. Sabine Jokisch

Aufgrund dauerhaft niedriger Geburtenraten bei gleichzeitig stetigem Anstieg der Lebenserwartung sehen sich nahezu alle Industrieländer einem dramatischen Alterungsprozess ihrer Bevölkerung gegenüber. Diese Entwicklungen stellen die betroffenen Staaten künftig vor bedeutende wirtschaftspolitische Herausforderungen. Insbesondere die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme sind in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt, da sich dort die Leistungen mit der steigenden Zahl an alten Menschen in Zukunft deutlich erhöhen werden. In Deutschland wurden in letzter Zeit zahlreiche Reformen der Renten- und Krankenversicherung in Angriff genommen und weitere Maßnahmen im Bereich der Pflegeversicherung werden aktuell diskutiert. Wie sind diese Reformen aus ökonomischer Sicht zu beurteilen?

Dieser Vortrag gibt einen Einblick in die Diskussion um die Zukunft der sozialen Sicherung.

(je 8 €)