Uni Ulm Intern Juni 1996





Kristallisation im All

NASA unterstützt Ulmer Forschungen an Archaebakterien

Die exakte räumliche Betrachtung einzelner atomarer bzw. molekularer Verbindungen ist von großer Bedeutung für das Verständnis und die Weiterentwicklung verschiedenster chemischer und biologischer Prozesse. Eine solche Betrachtung wird möglich durch die Röntgenstrukturbestimmung, die Erforschung der Struktur chemischer Verbindungen anhand der Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen. Diese Methode gestattet die dreidimensionale Betrachtung der einzelnen Atome, aus denen sich die Moleküle des Kristalls zusammensetzen. Mit einer Auflösung von 10-10 m (ein Zehntel von einem Milliardstel Meter) ist die Röntgenstrukturbestimmung den gängigen Techniken, etwa dem Mikroskop, weit überlegen. Durch die Entwicklung immer potenterer Rechner für die Auswertung der Meßdaten ist die Kristallstrukturaufklärung von immer komplexeren Molekülen, z.B. Proteinen, möglich geworden.

Prof. Dr. Tony Debaerdemaeker aus der Sektion Röntgen- und Elektronenbeugung der Universität Ulm und seine Kollegen Prof. Dr. Jean-Paul Declercq (Laboratoire de Cristallographie, Université Catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve, Belgien) und Prof. Dr. Helmut König (Abteilung Mikrobiologie der Universität Mainz, vordem Ulm) beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit der Entwicklung mathematischer Methoden für die Röntgenstrukturaufklärung biologischer Moleküle. Ihr Ziel ist, die Struktur der Oberflächenschicht von Archaebakterien aufzuklären.

Überleben im Chaos
Das Faszinosum der Archaebakterien besteht darin, daß sie es fertiggebracht haben, unter den chaotischen Umweltbedingungen der Urzeit vor ca. 3 Milliarden Jahren zu überleben. Ihre Zellhülle besteht nur aus einer einzigen, aus Proteinen aufgebauten Schicht (der sogenannten »S-Layer«), trotzt aber extremen Bedingungen wie hohen Temperaturen (110°C), äußerst niedrigen ebenso wie hohen pH-Werten und hohen Salzkonzentrationen (30% NaCl) - wonach die Archaebakterien von den Biologen in thermophile, azidophile, alkalophile und halophile klassifiziert werden.

Extrem thermophile methanproduzierende Archaebakterien und schwefelmetabolisierende Archaebakterien findet man in kontinentalen Solfataren (vulkanischen Ausströmungen von Schwefelgasen) wie in Island, im Yellowstone National Park oder in submarinen vulkanischen Hydrothermalsystemen (ostpazifischer Rücken), halophile Archaea in Solen, Salinen und extrem salzigen Seen wie dem Great Salt Lake oder dem Toten Meer. Über die Mechanismen, die den Archaebakterien das Leben unter Extrembedingungen ermöglichen, weiß man bisher nur wenig. Wie können ihre Zellwände den extremen Außenbedingungen von Temperatur und/oder extremen pH-Werten standhalten?

Mit Methanothermus auf MIR-Mission
Eine Röntgenstrukturanalyse könnte die Wissenschaft der Beantwortung dieser und angrenzender Fragen näherbringen. So arbeiten Debaerdemaeker, Declerq und Koenig derzeit an der Bestimmung der dreidimensionalen Struktur des S-Layer-Glykoproteins von Methanothermus fervidus, das chemisch bereits vollständig charakterisiert ist. Hierfür müssen sie das zu untersuchende Protein zunächst kristallisieren - und das ist durchaus kein einfacher Arbeitsschritt. Zahlreiche Parameter, darunter Lösungsmittel, Temperatur, pH-Wert, Salzkonzentration und Detergenzien, sind zu berücksichtigen. Mehrere hundert Versuche, rechnen die Forscher, werden nötig sein, um ans Ziel zu gelangen: die Kristalle des Proteins und deren inneren Molekülaufbau darzustellen.

Als die amerikanische Weltraumbehörde NASA vor einigen Monaten, eher zufällig, von den Plänen der drei Forscher erfuhr, machte sie ihnen spontan das Angebot, Kristallisationsversuche im Rahmen einer der »MIR«-Missionen durchzuführen - wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil auch die NASA-Wissenschaftler gern wüßten, worauf die Stabilität der archaebakteriellen Zellhülle beruht.

Kristallisationsversuche im All haben den Vorteil, daß aufgrund der Schwerelosigkeit keine Strömungen, keine Turbulenzen im Kristallisationsgefäß entstehen können und somit eine viel bessere Keimbildung möglich ist. Außerdem bildet sich kein Sediment. Insgesamt 27 solcher Versuche der Arbeitsgruppe werden im All in einer sogenannten Doppel-Dialysezelle durchgeführt. Bei dieser Versuchsanordnung können kleinere Moleküle durch die Dialysemembran wandern und so die Übersättigung der Proteinlösung herbeiführen, die notwendig ist, um die eigentliche Kristallisation einzuleiten.

Flug STS-79 ab Raumstation
Am 21. März 1996 wurden die Dialysezellen mit der Raumfähre Atlantis, Flug STS-76, zur russischen MIR-Station gebracht - mit dem Flug STS-79 sollen sie, wie die NASA inzwischen mitgeteilt hat, von der MIR-Station zurückgeholt werden. Als Starttermin für STS-79 wurde der 1. August angesetzt, landen soll er am 10. August in Cap Canaveral.

Zur Freude der Wissenschaftler hat die NASA ihnen angeboten, mit dem Abholflug eine neue Reihe von Proben mitzunehmen, so daß sie innerhalb weniger Monate gleich zweimal die Möglichkeit erhalten, Kristallisationsversuche in der MIR-Raumstation durchzuführen. Die Ergebnisse dieser Experimente könnten nicht zuletzt zu einem besseren Verständnis des Ursprungs des Lebens auf unserem Planeten beitragen und vielleicht auch Hinweise auf denkbares außerirdisches Leben geben.

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Organisch leitfähig

Sein Geburtsort Grötzingen im Landkreis Eßlingen weist ihn als Schwaben aus, der Titel der Diplomarbeit, »Synthese von 1-Halogen-2,4,6-tripyrolidinocyclohexadienylium-Salzen« unzweifelhaft als einen Chemiker. Damit ist Prof. Dr. Peter Bäuerle (40), seit 24. Januar 1996 Leiter der Abteilung Organische Chemie II der Universität Ulm, jedoch nicht hinreichend charakterisiert. Hierzu wären zum einen die Stationen seines wissenschaftlichen Werdegangs, zum anderen seine aktuellen Forschungsthemen zu berücksichtigen: 1975 begann Bäuerle in Stuttgart das Studium der Chemie, um 1985 über »Synthese, Eigenschaften und Reaktionen von stabilen, isolierbaren Cyclohexenylium-Kationen und s-Komplexen« mit Auszeichnung zu promovieren. Als Postdoktorand am Massachusetts Institute of Technology in Boston (USA) arbeitete er sich ein in die Problematik leitfähiger organischer Materialien. Ihren Niederschlag fanden diese Studien in seiner Ende 1994 in Stuttgart abgeschlossenen Habilitationsschrift und bis heute in rund 70 weiteren Originalpublikationen.

Letztlich bezweckt wird die Herstellung und Erforschung neuer, elektrisch leitfähiger organischer Polymere und deren oligomerer Modellverbindungen. Mit der Entdeckung dieser leitfähigen Kunststoffe 1977 war weltweit geradezu ein Boom auf diesem Gebiet ausgebrochen - man hoffte, eines Tages sämtliche Metalle durch Kunststoffe ersetzen zu können. Nach nunmehr fast zwanzig Jahren intensiver Forschung existieren gleichwohl nur wenige kommerzielle Anwendungen, z.B. als antistatische Beschichtungen in Dokumentenfilmen oder zur Durchstrukturierung von Leiterplatten. Bäuerle bescheinigt den neuartigen Verbindungen dennoch vielversprechende Vorzüge. Anwendungen, darüber ist man sich heute in der Fachwelt einig, sind allerdings in speziellen Nischen zu suchen. So haben organische Leuchtdioden in den letzten Jahren großes Aufsehen erregt, da sie, im Unterschied zu herkömmlichen Halbleiter-Leuchtdioden, in allen Farben herstellbar sind. Sie könnten in flexiblen, großflächigen Displays oder in Flachbildschirmen Verwendung finden.

In mehreren Drittmittelprojekten im Rahmen zweier Sonderforschungsbereiche und eines BMBF-Verbundprojektes hat Bäuerle an der Universität Stuttgart intensiv mit Theoretikern seines Fachs, aber auch mit Physikern und Forschern aus der Industrie kooperiert. Im Sommersemester 1994 wurde er C3-Professor für Organische Chemie an der Universität Würzburg; ein Jahr später erreichte ihn der Ruf der Universität Ulm. Hier will er sich außer in den etablierten Pflicht- auch in Spezialvorlesungen engagieren, die, ausgerichtet auf den geplanten Schwerpunkt im Bereich der Materialwissenschaften, Grundlagenwissen und neueste Entwicklungen auf dem Gebiet der organischen Materialien und der supramolekularen Chemie vermitteln sollen.

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Die erste Frau, die an der Universität Ulm die Venia legendi erwarb

Im Ruhestand: Prof. Dr. Doris Bechinger

Im Frühjahr 1996 wurde Prof. Dr. med. Doris Bechinger, Oberärztin der Abteilung Neurologie und Leiterin der EEG-Sektion der Universität Ulm, in den Ruhestand verabschiedet. Geboren am 10. Januar 1931 in Meersburg am Bodensee als Tochter des Gehörlosenlehrers Werner Josef Bechinger und seiner Ehefrau Dora, absolvierte sie ihr Medizinstudium an der Universität Heidelberg. 1955 promoviert, ging Doris Bechinger als Medizinalassistentin an die Innere Abteilung des Diakonissenkrankenhauses Mannheim, an die chirurgische Universitätsklinik Marburg und an die Universitätsfrauenklinik Heidelberg, verbrachte anschließend fast zwei Jahre in der Inneren Medizin in Trenton, New Jersey, arbeitete in Massachusetts und Mosbach, in der Abteilung für Klinische Neurophysiologie der Universität Freiburg, an der Psychiatrischen Universitätsklinik Waldau bei Bern und in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Nervenklinik Marburg. 1966 nach Freiburg zurückgekehrt, wurde sie im Frühjahr 1968 an die neugegründete Abteilung für Neurologie der jungen Universität Ulm berufen, deren Leiter, Professor Dr. Hans Helmut Kornhuber, sie von Freiburg her kannte.

In Ulm erwarteten Frau Bechinger mehrere Arbeitsbereiche: in der Neurologischen Klinik Dietenbronn war sie als Oberärztin tätig, in der neurologischen Poliklinik der Universität Ulm im Ambulanz- und Konsiliardienst mit den Schwerpunkten Epileptologie und Kinderneurologie.

Längen und Winkel
Bechingers wissenschaftliche Forschungen galten zunächst der Informationsübertragung beim menschlichen Sehen, vor allem der Verarbeitung von Längen und Winkeln. Sie stellte fest, daß das menschliche Auge anhand von zwei Endpunkten eine Entfernung genauso gut messen kann wie aufgrund einer vollständig durchgezogenenen Linie. Anfang 1974 habilitierte sie sich mit diesen Untersuchungen, die durch neurophysiologische Messungen 20 Jahre später bestätigt wurden, und war damit die erste Frau, die an der Universität Ulm die akademische Lehrbefugnis erwarb.

In den folgenden Jahren setzte sie ihre Forschungen auf mehreren Gebieten fort: sie führte klinische Arbeiten zum Schlafentzugs-EEG durch, beschäftigte sich mit unentdeckten Absencen und untersuchte Kinder mit Hirnläsionen, wobei sie eine eindeutige Korrelation zwischen neuropsychologischen Defiziten und der meßbaren Größe von zerebralen Läsionen nachweisen konnte. In einer Untersuchung über die sprachliche Entwicklung von Kindern zeigte sie, daß Entwicklungsdefiziten durch Frühförderung wirksam zu begegnen ist. Ihr Interesse für diese Thematik bewog sie, sich auch bei der Vorbereitung der Logopädenausbildung in Ulm zu engagieren und am Unterricht mitzuwirken. Ihr eigenes klinisches Wissen erweiterte sie durch Hospitationen in Bern und in Köln sowie bei Phoniatern in Berlin, Hamburg und Mainz.

Technische Neigungen
Als Leiterin der EEG-Sektion hat Bechinger Epilepsiepatienten sowohl in der Kinder- als auch in der Erwachsenenneurologie betreut. Die Kombination dieser klinischen Tätigkeit mit ihren ausgeprägten technischen Neigungen führte in den 80er Jahren zu einer Reihe von Publikationen über Langzeit-EEG-Untersuchungen und automatische EEG-Auswertung. Während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Montreal, Kanada, beschäftigte sie sich mit weiteren EEG-Analysemethoden, der simultanen EEG-Videometrie-Doppelbild-Aufzeichung und der prächirurgischen Epilepsie-Diagnostik. An der Gründung des Epilepsie-Zentrums Ulm war sie maßgeblich beteiligt. Im Bereich der EEG- und Epilepsie-Diagnostik genoß Doris Bechinger national und international großes Ansehen.

Trotz ihrer vielfältigen Aufgaben verbrachte sie die meiste Zeit mit der Betreuung ihrer Patienten. Dabei handelte es sich einerseits häufig um Epilepsie-Patienten mit einer Vielzahl medikamentöser, sozialer, arbeitsrechtlicher und privater Probleme, andererseits um Patienten mit frühkindlichen Hirnschäden. Eine Reihe der von ihr Behandelten blieb ihr über mehr als 20 Jahre treu.
Bernhard Kleiser

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Molekulare Basis

Mehr als 90 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften, regelmäßige gutachterliche Tätigkeit für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Deutsche Krebshilfe, Mitarbeit an internationalen medizinischen Fachzeitschriften, Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Vereinigungen - darunter der American Association for Immunologists und der International Society of Hematology -, der Paul-Martini-Preis der Medizinisch-Pharmazeutischen Studentengesellschaft (1992), der Arthur-Pappenheim-Preis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (1993) und der Carlo-Erba-Preis der Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (1994): die wissenschaftliche Bilanz von Prof. Dr. Marion-Andrea Brach (35), seit 1. Februar 1996 C3-Professorin für Angewandte Molekularbiologie in der Abteilung Innere Medizin III der Universität Ulm, spricht für sich.

Geboren in Hagen, absolvierte Brach ihr Medizinstudium von 1981 bis 1988 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und an der Royal Postgraduate Medical School in London. 1989 in der Abteilung für Tumorpathophysiologie am Physiologischen Institut der Universität Mainz zum Dr. med. promoviert, untersuchte sie in den Folgejahren als Forschungsstipendiatin der Deutschen Krebshilfe an der Harvard Medical School in Boston die Steuerungsmechanismen beim genetischen Kopiervorgang von Tumorzellen, kehrte 1991 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nach Deutschland zurück und habilitierte sich 1994 in der Abteilung für Medizinische Onkologie und Angewandte Molekularbiologie im Universitätsklinikum Rudolf Virchow der Freien Universität Berlin.

Von 1992 bis zu ihrer Berufung nach Ulm Projektleiterin im SFB 1470 »Hyperthermie - Methodik und Klinik« (Projekt: »Hyperthermie-assoziierte Expression von Hitzeschockproteinen, Protoonkogenen und Zytokingenen: Signaltransduktionswege und Identifizierung relevanter Transkriptionsfaktoren«), hat sie 1995 einen Ruf auf eine C3-Professur für Molekulare Gastroentreologie an die Universität Tübingen abgelehnt. Im Mittelpunkt ihres wissenschaftlichen Interesses stehen heute die molekularen Kommunikationsprozesse bei der normalen und malignen Zellvermehrung, der Einfluß von DNS-schädigenden Substanzen und Streß-Signalen auf die Abstoßung von Zellen aus dem Gewebe und neue Perspektiven der Molekularpharmakologie und Gentherapie.

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Faszination und Respekt

Deutsch-japanische akademische Burse der Universität Ulm eröffnet

Der Name »Burse« für ein Studentenheim, wo die »Burschen«, die Studenten, unter Leitung eines »magister regens« aus gemeinsamer Börse, sprich: Kasse, lebten, ist an die 700 Jahre alt. Mit dem 7. Mai 1996 hat er für die Universität Ulm neue Aktualität erlangt. Hier wurde die »Deutsch-japanische akademische Burse« (DJAB) als Zentrum zur Förderung des deutsch-japanischen Dialogs eröffnet - mit Klängen der Zen-Flöte (gespielt von Michael Jäckel), mit Grußworten des Rektors der Universität, Prof. Dr. Hans Wolff, des Initiators der Burse, Günther Klinge (Vorsitzender der Klinge-Stiftung München und Ehrensenator der Universität Ulm) sowie des Vorstandes der Japanisch-Deutschen Gesellschaft e.V. in Tokyo, Masao Oda, nicht zu vergessen die Arbeitsberichte des Bursenbeauftragten Prof. Dr. Eberhard P. Hofer (Leiter der Abteilung Meß-, Regel- und Mikrotechnik der Universität Ulm) und der Stipendiaten Christian Bohn und Susumu Kitagawa. Der baden-württembergische Minister für Wissenschaft und Forschung, Klaus von Trotha, begründete in seiner Ansprache, warum seinem Hause an diesem west-fernöstlichen joint venture so viel gelegen ist.

Herzensangelegenheit
»Die traditionelle und tiefverwurzelte Sympathie und Freundschaft zwischen uns und dem japanischen Volk ist für uns Deutsche eine Sache des Herzens sowie des Verstandes. Faszination und Respekt kommen hier zusammen«, charakterisierte von Trotha das Verhältnis der beiden Nationen zueinander. Diese Herzensangelegenheit hat sich, was Baden-Württemberg betrifft, auf akademischer Ebene bereits in 17 Hochschulpartnerschaften und über 30 Institutsvereinbarungen sowie in ungezählten persönlichen Kontakten zwischen Fachwissenschaftlern auf beiden Seiten niedergeschlagen - doch hat die asiatische Begeisterung fürs Bilaterale in den vergangenen Jahren merklich nachgelassen. Während insgesamt immer mehr Nachwuchsakademiker aus den ostasiatischen Ländern ihre Kenntnisse im Ausland erweitern, verirrt sich ein immer geringerer Teil von ihnen nach Deutschland. Die USA haben Westeuropa als Zielregion den Rang abgelaufen. Mehr als 150.000 Asiaten sind in den USA eingeschrieben, in Deutschland nur 32.000; auf einen in Westeuropa immatrikulierten Japaner kommen acht in Amerika; bei den Chinesen beträgt die Relation gar 1:9,5.

»Mithin«, warnt der Minister, »werden zunehmend die künftigen Eliten dieser Länder in ihren entscheidenden Lebensjahren von amerikanischen und immer weniger von europäischen Vorstellungen und Erfahrungen geprägt.« Diese Vorstellungen sind in unserem stark exportabhängigen Land namentlich wirtschaftlicher Natur, lebt doch Deutschland, wie von Trotha erinnert, »nicht zuletzt von seinem guten Image als Wirtschafts-, aber auch als Bildungsstandort« - wobei letzteres Image übrigens bis heute trotz der studentischen Deutschlandverdrossenheit nicht gelitten hat.

Anerkannte Abschlüsse
Nachdem Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren den wissenschaftlichen Austausch und die Zusammenarbeit vorrangig mit den Ländern der Europäischen Union, mit den USA und mit Kanada ausgebaut hat, will von Trotha in der neuen Legislaturperiode den Blick vor allem nach Asien richten. Damit liegt er auch im Trend der aktuellen Europapolitik. Als Vorbild im Hochschulbereich nennt er das anglo-amerikanische System mit genau festgelegter Studiendauer, weltweit anerkannten Abschlüssen und einer umfassenden Betreuung der Studierenden.

Die deutsch-japanische akademische Burse an der Universität Ulm, deren Realisierung 1993 ein Arbeitskreis von Ulmer Wissenschaftlern in Angriff genommen hatte, fügt sich in dieses Konzept nahtlos ein. Vier Stipendiaten - zwei Deutsche, zwei Japaner - wohnen im Bursenhaus in der Schwabstraße, nehmen Sprachunterricht und versuchen, ihre Forschungstätigkeit in ihrem jeweiligen Fachgebiet für die Lösung globaler Probleme fruchtbar zu machen. »Umweltschutz und Krisenmanagement« heißt das Schwerpunktthema dieses ersten Bursenjahres (1995/96). Die Stipendien werden jeweils für maximal zwei Jahre gewährt. Betreut werden die Stipendiaten von den Ulmer Professoren Dr. Jürgen Aschoff (Neurologie), Dr. Dieter Beschorner (Unternehmensplanung), Dr. Dr. h.c. mult. Theodor M. Fliedner (Klinische Physiologie und Arbeits- und Sozialmedizin), Dr. Eberhard P. Hofer (Meß-, Regel-, Mikrotechnik), Ph. D. Harold Jones (Arbeitsgruppe Laseranwendung), Dr. Wolfgang Pechhold (Angewandte Physik) und Dr. Frank Stehling (Wirtschaftswissenschaften) sowie von Dr. Renate Breuninger, Geschäftsführerin des Humboldt-Studienzentrums für Geisteswissenschaften.

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Geschäftsprozeßmodellierung und Workflow-Management-Systeme

Praxis-Seminar an der Universität Ulm

Die Universität Ulm und die Deutsche Informatik-Akademie GmbH, Bonn, veranstalteten am 20. und 21. Juni 1996 gemeinsam ein Praxis-Seminar zum Thema »Geschäftsprozeßmodellierung und Workflow-Management« in Ulm. Verantwortlicher Organisator und Leiter der Veranstaltung war Prof. Dr. Peter Dadam, Chef der Abteilung Datenbanken und Informationssysteme der Universität Ulm. Das Seminar richtete sich insbesondere an technische Führungskräfte, Projektmanager und entsprechende Positionen in Wirtschaft und Industrie.

Produktqualität, Wirtschaftlichkeit und flexible Anpassung an Marktveränderungen sind die Schlüsselfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Ihre Gewährleistung setzt die Erfassung, Analyse und Optimierung der vorhandenen Strukturen voraus. Man nennt das heute »Geschäftsprozeß-Reengineering«. Dokumentation, Analyse und Modellierung von Geschäftsprozessen, das heißt von geschäftlichen bzw. produktiven Abläufen, bedürfen der Rechnerunterstützung.

Der Erfolg dieser Maßnahmen wird jedoch nur dann nachhaltig sein können, wenn es gelingt, die optimierten Prozesse anschließend durch geeignete Kommunikations- und Informationssysteme intelligent und flexibel zu unterstützen. Die Systeme müssen sich rasch und kostengünstig den jeweiligen Rahmenbedingungen anpassen lassen. In den letzten Jahren sind mit den sogenannten Workflow-Management-Systemen (WFMSen) erste Produkte auf den Markt gekommen, die - durch Trennung von Ablauf- und Anwendungslogik - einen vielversprechenden Ansatz verfolgen, da sie geänderten Prozeßbedingungen schnell angepaßt werden können.

Das Ulmer Seminar stellte grundlegende Konzepte für die Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen sowie für das Workflow-Management vor. Neben Vorträgen und Demonstrationen bildete die Vermittlung praktischer Kenntnisse im Umgang mit ausgewählten Systemen beider Kategorien einen Schwerpunkt.

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Persönlichkeit und Kompetenz

Emeritiert: Prof. Dr. Hermann Heimpel

Nach fast dreißigjähriger Tätigkeit an der Universität Ulm ist Prof. Dr. Hermann Heimpel als Emeritus aus dem Amt des Leiters der Abteilung Innere Medizin III (Hämatologie, Onkologie, Infektionskrankheiten, Klinische Immunologie) ausgeschieden. Er kam mit dem Gründungsrektor, Ludwig Heilmeyer, als Oberarzt der Abteilung für Hämatologie und Innere Medizin aus Freiburg an die Reformuniversität Ulm. Als immer reformbedachter Arzt, Forscher und Lehrer war er maßgeblich am Aufbau der Abteilung Hämatologie und des damaligen Zentrums für Innere Medizin beteiligt. Er hat das hohe Ansehen, das der Ulmer Schwerpunkt Hämatologie im In- und Ausland genießt, entscheidend geprägt.

Hermann Heimpel wurde am 29. September 1930 in Freiburg im Breisgau geboren. Das Studium der Medizin absolvierte er in Göttingen, Heidelberg, Innsbruck und Freiburg. Er promovierte über die Durchblutungsregulation der Nieren im Pharmakologischen Institut der Universität Freiburg. Nach Abschluß des Studiums arbeitete er als »Intern« in Chicago und danach in einer Landarztpraxis. Dies waren Stationen seiner Ausbildung, welche die Grundlage für sein stark patientenzentriertes Verständnis der Medizin legten und die ihn sein berufliches Leben lang bestimmten und zum breitgebildeten Internisten machten. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher klinischer Hämatologe, sondern konnte sich durchaus kompetent über kardiologische oder endokrinologische Probleme mit seinen spezialisierten Klinikkollegen auseinandersetzen. Alle, die er in solche Dispute verwickelte, waren immer wieder verblüfft von seinem Wissen, aber vor allen Dingen von seinem analytischen Verstand und seiner Logik.

Nach Facharztausbildung und Habilitation wurde Heimpel 1969 auf eine Professur mit Leitung der Abteilung Innere Medizin und Kinderheilkunde an der Universität Ulm berufen und gleichzeitig zum Chefarzt an den Städtischen Krankenanstalten der Universität Ulm bestellt. Die von ihm geführte Abteilung entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem klinisch-hämatologischen Zentrum in Deutschland. Moderne Formen der Leukämiebehandlung wurden unter seiner Federführung erarbeitet und zusammen mit seinen Mitarbeitern zu international wegweisenden Standards entwickelt. Zu den klinischen Schwerpunkten gehört auch die Knochenmarktransplantation. Zusammen mit seinen Ulmer Kollegen Kleihauer und Fliedner und einer damals noch sehr kleinen Gruppe deutscher und europäischer Zentren etablierte er in den 80er Jahren gegen viel Skepsis dieses heute unumstrittene Therapieprinzip. Ulm wurde auch zu einem Referenzzentrum für Patienten mit aplastischer Anämie, einer seltenen, meist tödlich verlaufenden Form des Knochenmarkversagens. Heimpel war geradezu besessen von dem Bestreben, die Ursache dieser einem Hämatologen »ans Mark gehenden« Erkrankung zu erforschen. Die intelligente Analyse der klinischen Befunde seiner Patienten, kombiniert mit damals völlig neuen Labormethoden der Knochenmark-Zellkultur, halfen ihm, ein fehlreguliertes Immunsystem als wichtigen Faktor in der Entstehung der Erkrankung zu identifizieren und hochrangig publizierte Therapiestudien durchzuführen.

Heimpel war einer der ersten, die die Notwendigkeit einer Qualitätssicherung für die Weiterbildung und Patientenbetreuung erkannten. In der sogenannten »Roten Liste« wurden schon 1969 Standards für die Diagnostik und Therapie für Patienten mit hämatologischen Erkrankungen festgeschrieben. Aus ihr entstand das Standardwerk »Hämatologie in der Praxis«, in dem er zusammen mit seinen Schülern die Prinzipien der hämatologischen Diagnostik und Therapie in didaktisch gekonnter Einfachheit darstellte.

Seine wissenschaftliche Karriere begann Hermann Heimpel als Stipendiat der DFG im Jahr 1959. Mit dem konsequenten Aufbau einer modernen klinischen Hämatologie schuf er in wenigen Jahren die Grundlagen für eine hämatologische Forschung. Die Mitarbeiter der ersten Stunde erinnern sich gern an die einmalige Situation des Aufbaus hämatologischer Laboratorien in der Bäderabteilung der Klinischen Krankenanstalten in Ulm, woraus in kürzester Zeit eine der modernsten und kompetentesten hämatologischen Abteilungen in Deutschland entstand.

Es begann mit der Erstbeschreibung einer speziellen Anämieform (kongenitale dyserythropoetische Anämie) zusammen mit PD Dr. Wendt. Wissenschaftliche Projekte zu Leukämien, Agranulozytose, aplastischer Anämie und Knochenmarktransplantation machten die Ulmer Hämatologie zu einem auch international anerkannten hämatologischen Forschungszentrum. Heimpel nutzte die Chancen einer fruchtbaren wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit den Kollegen Fliedner, Kleihauer und dem damaligen Pathologen Beneke. Der über lange Zeit geförderte Sonderforschungsbereich 112 (Zellsystemphysiologie), dessen Sprecher er von 1981 bis 1983 war, war ein Ausdruck der einmaligen wissenschaftlichen Atmosphäre an der Universität Ulm. Heimpels wissenschaftliche Neugier, analytische Fähigkeiten, Offenheit und konstruktive Kritik motivierten viele seiner Mitarbeiter, selbständig Projekte zu entwickeln und durchzuführen. Er war dabei weder wissenschaftlich noch klinisch autoritär kraft seines Amtes; seine Autorität beruhte vielmehr auf fundiertem Wissen und Verstehen, gepaart mit einem fast immerwährenden Einsatz, wenn es um die Versorgung von Patienten ging.

Seine Mitarbeiter respektierten ihn nicht nur wegen seiner Autorität des Wissens, sondern auch wegen seiner Liberalität, gepaart mit dem Bedürfnis nach Ausgleich und Vermittlung. Seine Neugier und seine besondere Beobachtungsgabe verbarg er oft hinter einer abwesenden Konzentriertheit und dem Schutzschild des Zeitmangels. Da er jedoch die geistige Auseinandersetzung liebt, die Kompetition Grundmotiv seines Handelns und eine Diskussion ohne Information nicht zu gewinnen ist, hatte er Gerüchte und Informationen längst gespeichert und konnte sie dann auch mit einem gewissen Schalk und der Bemerkung, daß er Gerüchte nie beachte, ins Feld führen.

Sein Drang, Wissen zu vermitteln, seine Lust, sich und Lehrinhalte darzustellen, machten ihn zu einem exzellenten Lehrer für Studenten. Als langjähriger Mitarbeiter des Murrhardter Kreises setzte er sich für ein modernisiertes, praxisnahes Medizinstudium ein. Sein Hang zum kritischen Hinterfragen befruchtete nicht nur jüngere und ältere Mitarbeiter, sondern auch seine Kollegen in der gesamten Klinik und letztendlich in der Universität. Seine Arbeit als Dekan und später als Prorektor belegten, daß er mit seiner Art viel für das demokratische Verständnis in der Universität bewirkt hat.

Für viele Patienten, Mitarbeiter, Kollegen und Studenten wiegt der Abschied von der Person Hermann Heimpel am schwersten. Dies äußerte sich auch in den Reden anläßlich der offiziellen Verabschiedung durch die Universität und in einer mit Darbietungen von Freunden untermalten abendlichen Feierstunde. Die Beiträge dieses Abends verrieten in ihrer Spannbreite von humorvollem, teilweise respektlos spöttischem Kabarett bis hin zu sehr leisen, nachdenklichen Tönen viel von der Sympathie derer, die Hermann Heimpel begleitet haben. Sie alle werden ihn vermissen.
B. Kubanek, N. Frickhofen

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Nerven schwerelos

Ulmer Neurologen und Neurobiologen erneut an Weltraummission beteiligt

Gegen internationale Konkurrenz hat sich Prof. Dr. Eberhard Horn aus der Abteilung Neurologie der Universität Ulm gleich zweimal bei der Bewerbung um biologische Experimentierplätze im Rahmen von Shuttle-Flügen durchgesetzt. Die Durchführung der Projekte wird von der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) finanziert.

Insgesamt 168 Teams aus aller Welt hatten sich um die Teilnahme an der Mission NEUROLAB der amerikanischen Weltraumbehörde NASA beworben, die der Erforschung von Entwicklung und Leistung des Nervensystems unter Schwerelosigkeit gewidmet ist. Zu den 26 von den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) letztlich ausgewählten Experimenten gehören Horns Studien zur Entwicklung der Informationsübertragung zwischen Nervenzellen. An jungen Entwicklungsstadien der Hausgrille sollen Verhaltensweisen sowie Struktur und Eigenschaften der beteiligten Neuronen untersucht werden. Projektbeteiligt ist auch Dr. Günter Kämper aus der Abteilung Vergleichende Neurobiologie. Abheben soll NEUROLAB im März 1998.

Shuttle-to-MIR
»Shuttle-to-MIR SMM6« nennt sich ein gemeinsam von Amerikanern und Russen durchgeführtes Weltraum-Projekt, bei dem auch die europäische Weltraumbehörde ESA Experimentierplätze vergeben durfte. Bei diesem Unternehmen wird Horn seine während der D2-Mission des Jahres 1993 durchgeführten Untersuchungen an Kaulquappen des Südafrikanischen Krallenfrosches fortsetzen. Die »Shuttle-to-MIR«-Mission wird voraussichtlich im Mai 1997 stattfinden.

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Präsident der ISHNE

Anläßlich des 7. International Congress on Ambulatory Monitoring in Tokio ist Prof. Dr. Vinzenz Hombach, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin II der Universität Ulm (Schwerpunkt Kardiologie, Angiologie, Pulmonologie, Nephrologie) von der International Society for Holter Monitoring and Noninvasive Electrocardiology (ISHNE) zum Präsidenten für die nächsten zwei Jahre gewählt worden. Prof. Hombach löst dabei Prof. Arthur Moss aus Rochester, N.Y., USA, ab. Zugleich wurde Ulm als Tagungsort für den 8th International Congress on Ambulatory Monitoring bestimmt. Der Kongreß wird im Mai 1998 stattfinden.

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Brot und Obst frei zugänglich

Aus der Gründungsphase des Universitätskindergartens

Am 6. Juli feiert der Universitäts-Kindergarten (jetzt: »Elterninitiative Kindergarten Lehrer Tal e.V.«) sein 25jähriges Bestehen. Da werden viele Erinnerungen an die wilden Jahre in der Gesellschaft wach und auch an die Anfänge der Universität Ulm. Diese Erinnerungen will ich im folgenden skizzieren.

1968/69/70: Die Universität Ulm füllt sich mit einer Generation junger wissenschaftlicher Mitarbeiter, viele mit Kindern der Jahrgänge 1966/67/68. Berlin und Heidelberg als die Zentren des Aufbruchs in dieser Zeit sind zwar fern, aber viele junge Leute an anderen Orten, so auch in Ulm, nehmen Anteil an der antiautoritären Welle, kennen Alexander Sutherland Neill und sein Summerhill, verfolgen die Bemühungen der Frankfurter Eltern um den eigenen Kinderladen und eine eigene Schule, »verschlingen« »Die Gruppe« von Horst Eberhardt Richter.

Die Ulmer »Gruppe« - darunter ideologische Wortführer mit hoher theoretischer Durchdringungskraft, dazu Mitläufer, Neugierige, Alleinerziehende, Suchende, um Gleichberechtigung von Mutter und Vater Bemühte - ist sich zumindest darin einig, daß der gesellschaftliche Aufbruch nicht an ihr vorbeigehen sollte. Von einigen wird die Gründung einer Wohnkommune ernsthaft erwogen. Aus einem Teil dieser einigen wird sich im Juli 1970 die Kleinkindergruppe bilden.

Primärbedürfnisse
Große Bedeutung hat das Buch »Kinderläden als Erziehungsmodell« von Petra Milhofer. In der Sitzung am 1.7.70 wird Seite 5, Absatz 3 diskutiert. Stichworte: Aggressionen, Ermöglichung der Befriedigung der Primärbedürfnisse (Hunger, Durst), Defäkation, Mal- und Schmiertrieb, Sexualität, ... - die Themen reichen noch für den nächsten Abend. Im Protokoll wird zu »Befriedigung der Primärbedürfnisse« festgehalten: »Die Gruppe einigt sich darauf, daß den Kindern Brot und Obst frei zugänglich sein sollen.« Ansonsten ergänzen die Themen »Frühkindliche Onanie« und »Über Schamgefühl« das Protokoll des Abends. So oder so ähnlich verläuft der eine Entwicklungsstrang des Jubilars.

Der andere Entwicklungsstrang entstammt dem Johanneum. Technische Assistentinnen und ganztags arbeitende Wissenschaftlerinnen, zum Teil alleinerziehend, suchen eine Unterbringungsmöglichkeit für den Sproß, einen Kindergarten mit arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten. Rainer Haas, Geschäftsführer des ZKGF (Zentrum für Klinische Grundlagenforschung), organisiert ein Treffen im Hörsaal II des Klinikums auf dem Safranberg, zu dem ca. 80 Interessierte erscheinen. Auch das muß im Sommer 1970 gewesen sein.

Außerdienstlicher Baggereinsatz
Unsere Dokumente schweigen dann über fast ein Jahr. Sicher ist, daß ein harter Kern sich immer wieder getroffen, ohne konkrete Aussicht auf irgendeine Realisierung durchgehalten hat. 1971: Der Verein entsteht, Kontakte zum Städtischen Liegenschaftsamt und zum Unibauamt sind hergestellt, ein Konto bei der Deutschen Bank wird eingerichtet. Schon ist, bei der Vollversammlung am 5. August, eine erste Satzungsänderung erforderlich, um die Gemeinnützigkeit des Vereins sicherzustellen. Drei Baulichkeiten werden in Erwägung gezogen: die beiden winzigen Einfamilienhäuser auf dem Gelände der Tierversuchsanlage am Oberberghof, eine große Holzbaracke auf dem Schießanlagengelände und das zu dieser Zeit noch bewohnte Häuschen im Lehrer Tal. Die Entscheidung fällt für das letztere. Unterirdische Gänge im Gelände, Betonplatten und anderes werden außerdienstlich im Rahmen eines großen Baggereinsatzes des Unibauamtes beseitigt. Als erste Bezugspersonen werden Frau Beatrice von Bernuth und Frau Christiane Fröhlich bestätigt.

Im Sommer 1971 gibt es zwei etablierte Elterngruppen, eine für die Kleinen, eine für die Großen. Am 1. September findet die Begehung des Hauses im Lehrer Tal mit Vertretern des Jugend-, des Gesundheits- und des Bauamtes statt, dann kann es im Oktober losgehen.

Die Gründergeneration läßt in der manchmal schmerzhaften Intensität der wöchentlichen Elternabende nicht nach. Es entstehen Probleme, die auch die Selbsterfahrungsgruppe nicht mehr aus der Welt schaffen kann. Und dennoch: das Projekt Kindergarten hat überlebt, dank der eigenen Kraft und des Zusammengehörigkeitsgefühls, dank der Bereitschaft immer neuer Eltern und sicher auch dank des nicht nachlassenden Einsatzes der Erzieherinnen, allen voran Margret Geißler. Wir hoffen, damit vor unseren Kindern bestehen zu können, und danken allen nachfolgenden Elterngruppen für die jeweils zeitgemäße Fortführung des Projektes.
Prof. Dr. Hans-Joachim Seidel

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Gestörte Blutgerinnung und kardiovaskuläre Erkrankungen

Internationales Fibrinogen-Symposium in Ulm

Fibrinogen, der »Faktor I« der Blutgerinnung, ist ein langgestreckter, löslicher Eiweißkörper, wird vornehmlich in der Leber gebildet und findet sich überwiegend im Blutplasma. Der Fibrinogenspiegel kann erheblich schwanken (zwischen 150 und 450 Milligramm pro Deziliter), er steigt bei Infektionen (und liegt wahrscheinlich deshalb im Winter generell höher als im Sommer), ist dauerhaft erhöht bei Rauchern und Tumorpatienten, vermindert u.a. bei schwerer Leberschädigung. Farbige haben im Durchschnitt höhere Fibrinogenwerte als Weiße. Regelmäßig betriebener Ausdauersport senkt den Fibrinogenspiegel.

»Bekannt ist«, schreibt PD Dr. Wolfgang Koenig, Oberarzt in der von Prof. Dr. Vinzenz Hombach geleiteten Abteilung Innere Medizin II (Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie) der Universität Ulm, »daß Fibrinogen eine wesentliche Rolle in der Gerinnungskaskade spielt sowie die Blutflußeigenschaften und die Thrombozytenaggregation sowie die Funktion von Endothelzellen und glatten Muskelzellen der Gefäßwand beeinflußt.« Bekannt ist auch, daß ein hoher Fibrinogenspiegel (über 300 mg/dl) als wesentlicher Risikofaktor für die Arteriosklerose und deren Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlußkrankheit einzustufen ist. Denn zäher Blutfluß infolge eines erhöhten Fibrinogenspiegels fördert die Arterienverkalkung und verstärkt die Neigung zu Blutgerinnseln (Thrombosen).

Fast 400 Spezialisten aus aller Welt fanden bei dem von den Universitäten Ulm und Tübingen gemeinsam organisierten 3. Internationalen Fibrinogen-Symposium am 3./4. Mai 1996 im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus ein Forum, neueste pathophysiologische, epidemiologische und klinische Forschungsresultate über die Zusammenhänge zwischen Blutgerinnung und kardiovaskulären Erkrankungen auszutauschen. 40 eingeladene Redner und rund 140 Posterpräsentationen verzeichnete das wissenschaftliche Programm, dessen Themenspektrum in diesem Jahr um eine Reihe bisher wenig diskutierter gerinnungsfördernder Substanzen und um die Rolle entzündlicher Prozesse im Kontext von Blutgerinnung und Arterienverkalkung erweitert wurde.

Zuständig für den Blutpfropf
Daß beim akuten Herzinfarkt wie auch beim Schlaganfall die Fibrinogenkonzentration im Blutplasma steigt und nach dem Infarkt noch auf Jahre hinaus erhöht bleibt, ist seit langem bekannt, wurde aber zunächst ausschließlich als Reaktion des blutbildenden Systems auf die Gewebezerstörung im Herzmuskel bzw. im Gehirn gedeutet. Andererseits läßt sich mit den »klassischen Risikofaktoren« - falsche Ernährung, hoher Blutdruck, Bewegungsmangel - nur etwa die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären. Mit der Zeit stellte sich nun heraus, daß erhöhte Fibrinogenwerte, die mit ischämischen Erkrankungen in allen wichtigen arteriellen Gefäßprovinzen einhergehen, nicht nur als Folge der Gewebsnekrosen aufzufassen, sondern auch ursächlich an deren Entstehung beteiligt sind.

Am Krankheitsprozeß ist der Gerinnungsfaktor sogar in zweierlei Weise beteiligt: Langfristig fördert das bei hohem Fibrinogenspiegel verdickte, darum zäher fließende Blut die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen. Ein verengtes Gefäß aber ist noch kein verschlossenes: »Die Herzkranzgefäße können extrem verengt sein«, erklärt Koenig, »so daß der Patient kaum 50 Meter weit beschwerdefrei laufen kann; und dennoch bekommt er keinen Infarkt.« Für die Bildung des Blutpfropfs und damit für das akute Infarktgeschehen zuständig ist der Gerinnungsfaktor I.

Nebenwirkung gesucht
Die Zusammenhänge zwischen Fibrinogen und kardivaskulären Erkrankungen werden seit über einem Jahrzehnt intensiv beforscht, die Beziehungen zwischen Fibrinogen und den bekannten Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotin- und Alkoholkonsum immer detaillierter erkannt. Nikotin aktiviert die Leber zur Bildung des Gerinnungsfaktors, der auch im Zustand chronischer Entzündungen oder bei Stoffwechselstörungen wie dem Diabetes mellitus vermehrt produziert wird. Inwieweit unsere Lebensführung den Fibrinogenspiegel beeinflußt, sollen epidemiologische Studien klären. Beobachtet wurde bisher ein Nord-Süd-Gefälle in der Häufigkeit von Herzinfarkten in Europa: an der Spitze liegen die nördlichen Länder, zum Beispiel Finnland, Irland und Schottland, geringere Raten verzeichnet Deutschland, und die mediterranen Länder bilden das glückliche Schlußlicht. Da sich Trink- und Rauchgewohnheiten dieser Regionen nicht signifikant voneinander unterscheiden, spekulieren die Wissenschaftler nun auf Fibrinogen als Erklärungsgrund: Wo viel Winter ist und damit vermehrte Infektgefahr, wie eben in nördlichen Breiten, ist möglicherweise mehr Fibrinogen im Blut unterwegs.

Andererseits liegt bis heute keine Studie vor, die den therapeutischen Nutzen einer langfristigen Fibrinogensenkung eindeutig belegt, vor allem auch deshalb, weil es noch kein Medikament in Tablettenform gibt, das gezielt den Fibrinogenspiegel senkt. Von mehreren Präparaten weiß man allerdings, daß sie dies im Nebeneffekt tun. Als klinisch wichtigste Substanzgruppe gelten hierbei die Fibrate, deren möglicher therapeutischer Effekt bei verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen unter diesen Gesichtspunkten gegenwärtig untersucht wird. Zweifellos nützlich ist der Klassiker Aspirin, und zwar in doppelter Hinsicht: zum einen wirkt Aspirin gerinnungshemmend; zum anderen sind Blutgerinnsel unter Aspirineinfluß poröser als normale Verklumpungen und können daher von körpereigenen Anti-Gerinnungsfaktoren oder entsprechenden Medikamenten leichter aufgelöst werden.

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Nachfrage nach Gesundheit

Neu an der Universität als Abteilung und noch jung als wissenschaftliches Betätigungsfeld überhaupt ist die Gesundheitsökonomie. Ein Gesundheitsökonom will wissen, wie man Gesundheit wirksam und zugleich wirtschaftlich verbessern kann, er sucht Methoden zur Messung von Behandlungskosten und Lebensqualität, beschäftigt sich mit der Nachfrage nach Gesundheit und Gesundheitsleistungen und mit der Krankenversicherung, vergleicht Gesundheitssysteme verschiedener Länder und Zeiten und untersucht, wie gerecht oder ungerecht das Gut Gesundheit verteilt wurde und wird.

Der Gesundheitsökonom gehört in Ulm zur Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, steht aber in enger fachlicher Beziehung zu Gesundheitswissenschaften/Public Health und Medizin. Prof. Dr. Reiner Leidl (39), seit 1. April 1996 Leiter der Abteilung Gesundheitsökonomie der Universität Ulm, der als Student selbst im klinischen Pflegedienst gearbeitet hat, legt auf ein gutes Verhältnis zu den Medizinern besonderen Wert. Außerdem akzentuiert er die Bedeutung der empirischen Forschung als Grundlage für die Kompetenz des Gesundheitsökonomen, konkrete Situationen unter wirtschaftlichem Aspekt zu bewerten und Entscheidungshilfen für die jeweils Verantwortlichen zu liefern. Schließlich engagiert er sich seit Jahren in nationalen und internationalen Gremien für die Förderung ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Gesundheitsforschung.

Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Leidl, nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und der Politischen Wissenschaften in seiner Geburtsstadt München, 1980 als Assistent an der Hochschule der Bundeswehr. Er befaßte sich zunächst mit angewandter Mikroökonomie, bald jedoch speziell mit Fragen der Gesundheitsökonomie, die fortan sein Hauptarbeitsgebiet werden sollte. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit am Institut für Medizinische Informatik und Systemforschung, Neuherberg, in der Arbeitsgruppe Sozioökonomie, die er von 1989 bis 1992 leitete - während dieser Zeit promovierte er außerdem 1987 zum Doktor der Volkswirtschaftslehre und wirkte als »Temporary Professional/Regional Officer for Health Economics« bei der Weltgesundheitsorganisation in Kopenhagen - wurde er 1992 von der Universität Limburg im niederländischen Maastricht berufen, wo er bis Ende März 1996 als Lehrstuhlinhaber für das Fach Gesundheitsökonomie und Leiter der gleichnamigen Abteilung tätig war.

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Oberflächenstrukturen nach der Nanometerskala

Interdisziplinäres Ulmer Projekt als Landesforschungsschwerpunkt

Das Land Baden-Württemberg hat den Arbeitsgruppen der Ulmer Universitätsprofessoren Dr. Paul Ziemann (Leiter der Abteilung Festkörperphysik), Dr. Othmar Marti (Leiter der Abteilung Experimentelle Physik, zugleich Projektsprecher) und Dr. Martin Möller (Leiter der Abteilung Organische Chemie III) einen Landesschwerpunkt zum Thema »Laterale Nanostrukturierung von Oberflächen und Charakterisierung von funktionalen Bausteinen« bewilligt. Mit insgesamt 205.000 Mark, verteilt über einen Zeitraum von zwei Jahren, sollen die Forscher gefördert werden.

Struktur- und Funktionseigenschaften eines Werkstoffs werden im allgemeinen nicht allein durch dessen innere Struktur, sondern entscheidend auch durch die Struktur seiner Oberfläche bestimmt. Als Grenzflächen des Materialinneren zur Umwelt erfüllen Oberflächen vielfach spezifische Funktionen - Katalysatoren, Antihaftbeschichtungen, Masken zur Herstellung von integrierten Schaltungen oder, in der Medizin, Beschichtungen zur Verbindung von Implantaten mit Gewebe seien hier als Beispiele genannt. Die Funktion der Oberflächen hängt kritisch von ihrer Zusammensetzung, ihrer Topologie und Morphologie und der Herstellungsweise ab.

Zahlreiche Materialien, die ihrer Volumenstruktur nach für eine bestimmte Anwendung geeignet sind, zeigen überaus unliebsame Oberflächeneigenschaften. Man versucht deshalb, die Oberflächeneigenschaften von Werkstoffen gezielt zu verändern, etwa durch Lackieren oder durch Beschichten mit Metallen oder Polymeren. So können Oberflächen zum Beispiel widerstandsfähig gegen Oxidation oder gegen Abrieb gemacht werden.

In anderen Fällen - und auf solche bezieht sich das Ulmer Projekt - ist es notwendig, Oberflächen mit speziellen Eigenschaften auszurüsten, das heißt ihre Funktion bezüglich ihrer Wechselwirkung mit der Umwelt zu beeinflussen. Die mosaikartige Beschaffenheit (Fachterminus: laterale Struktur) solcher funktionalisierten Oberflächen soll kontrolliert und so unabhängig wie möglich von den Substraten erzeugt werden.

Für die Anwendung besonders interessant sind Strukturen im Bereich zwischen 1 Nano- und 1 Mikrometer. Chemische und physikalische Untersuchungen an nanometrischen Teilchen haben ergeben, daß die Eigenschaften ihrer Oberflächen sich mitunter deutlich von den Oberflächeneigenschaften makroskopischer Körper unterscheiden. Nanostrukturierte Oberflächen können neue Eigenschaften aufweisen, die zwischen denen einzelner Moleküle und denen makroskopischer Objekte liegen.

Da die bekannten Methoden, die Eigenschaften von Oberfächen zu modifizieren, mit Ausnahme der in der Halbleiterindustrie gebräuchlichen Verfahren, wenig geeignet sind, im Nanometerbereich zu strukturieren, werden im neuen Ulmer Forschungsschwerpunkt chemische und physikalische Methoden der Funktionalisierung von Oberflächen auf der Nanometerskala und ihr Zusammenspiel erprobt. Wichtige Themen des Projekts sind Fragen der Selbstorganisation organischer Moleküle, das Wechselspiel zwischen langreichweitiger Ordnung und Nahordnung, die Interaktion funktionalisierter Polymere mit strukturierten organischen oder anorganischen Substraten und die Wechselwirkung der funktionalisierten Oberflächen mit der Umgebung.

Der Landesforschungsschwerpunkt soll Pilotfunktion für das beantragte Graduiertenkolleg zum Thema »Molekulare Organisation an Grenz- und Oberflächen« (Sprecher: Prof. Dr. Martin Möller) haben und könnte auch Ausgangspunkt für einen in Zukunft zu gründenden Sonderforschungsbereich werden.

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Ein Lächeln versteht auch der Rechner

Teilautomatisierte Kodierung von Gesichtsausdrücken in der Psychotherapie

Gesichtsausdruck und Mimik spielen in der zwischenmenschlichen Kommunikation eine wichtige Rolle, besonders dann, wenn Emotionen mitgeteilt werden. In der Psychotherapie bildet das mimische Aufeinandereingehen die Basis für den Aufbau eines »holding environment«, einer Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Offenheit, und die Fähigkeit von Patient und Therapeut, sich auch ohne Worte miteinander zu verständigen, hat entscheidenden Einfluß auf den Therapieerfolg.

Seit einigen Jahren bemühen sich Psychotherapeuten und Psychiater deshalb systematisch um eine korrekte Erkennung und Interpretation von Gesichtsausdrücken, analog zur Erfassung der verbalen Interaktionen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, daß bestimmte Gesichtsausdrücke über verschiedene Kulturen hinweg bestimmten Emotionen zugeordnet werden können. Dies gilt insbesondere für die sechs sogenannten Primäraffekte: Freude, Ärger, Trauer, Überraschung, Angst und Ekel.

Interpretationsfrei kodiert
Ende der 70er Jahre entwickelten die Amerikaner Paul Ekman und Wallace Friesen ein Kodiersystem, mittels dessen Gesichtsausdrücke objektiv beschrieben werden können. Dieses »Facial Action Coding System« (FACS), inzwischen Standardverfahren für die Analyse des mimischen Ausdrucks, basiert auf einem anatomischen Notationssystem, das die muskuläre Basis der Gesichtsausdrücke beschreibt und alle im Gesicht beobachtbaren Änderungen nach der ihnen zugrunde liegenden Muskelaktivität klassifiziert. Ein erfahrener Beobachter kann die einzelnen Elemente notieren, aus denen komplizierte Gesichtsausdrücke zusammengesetzt sind, ohne diese zu interpretieren. So wird ein bestimmter Gesichtsausdruck nicht als glücklich, traurig oder aggressiv beschrieben, sondern durch Angabe der spezifischen »Action Units«, der aktiven Muskeleinheiten, etwa als 4 (= Augenbrauen zusammengezogen), +15 (= Mundwinkel herabgezogen), +17 (= Kinn angehoben).

Das FACS ist unbestechlich und präzise, aber eminent arbeitsaufwendig und darum für den Einsatz in der psychotherapeutischen Prozeßforschung wenig geeignet. Anders läge der Fall, wenn es möglich wäre, die Geduldsarbeit der Merkmalserfassung und -auswertung einem Computer zu übertragen. Für Dr. Philippos Vanger aus der Forschungsstelle für Psychotherapie Stuttgart, der sich seit Jahren mit der Analyse von Gesichtsausdrücken beschäftigt, und Prof. Dr. Horst Kächele, in Personalunion Leiter dieser Forschungsstelle und der Abteilung Psychotherapie der Universität Ulm, schien diese Vorstellung durchaus nicht abwegig. Kächele assoziierte sogleich die positiven Erfahrungen, die er und seine Kollegen seit bald zwei Jahren mit der »Ulmer Textbank« gesammelt haben. Die von ihnen praktizierte computergestützte Speicherung und Bearbeitung von psychotherapeutischen Verbatimprotokollen gehört mittlerweile zu den Standardmethoden der Psychotherapieforschung. Und das Institut für Theoretische Physik und Synergetik der Universität Stuttgart (Leiter Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Haken), verfügt in Gestalt des synergetischen Computers über ein leistungsfähiges Instrument zur Mustererkennung. Gelänge es, dessen Konzept zu adaptieren, wären die Voraussetzungen für umfangreiche und systematische Studien der mimischen Interaktion im psychotherapeutischen Dialog geschaffen.

Multimediale Gesichtsbank
Diese Überlegungen mündeten in das von Vanger geleitete Projekt »Teilautomatisierte Kodierung von Gesichtsausdrücken in der psychotherapeutischen Interaktion mit dem synergetischen Computer« - ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für Theoretische Physik und Synergetik der Universität Stuttgart (Haken), der Forschungsstelle für Psychotherapie in Stuttgart (Prof. Kächele, PD Dr. Dietmar Czógalik) und der Abteilung Psychotherapie der Universität Ulm (Kächele), mit dem Ziel, ein teilautomatisiertes Verfahren zur Mimikanalyse auf dem Rechner zu entwickeln, zu erproben und auf die Untersuchung psychotherapeutischer Gespräche abzustimmen.

Daß bis heute noch keine Ulmer oder Stuttgarter »Gesichtsbank« für die Analyse des mimischen Verhaltens verfügbar ist, »liegt weniger an den multimodalen Fähigkeiten moderner Hard- und Software-Systeme, als an einer fehlenden Technologie der Mustererkennung«, erläutert Vanger. Was fehlt, ist eine effektive Auswertungs- und Bearbeitungsmethode, die therapierelevante Informationen aus der Fülle der multimedialen Daten herauszufiltern versteht.

Emotions-Prototypen
Diese Lücke wollten Vanger und Kächele schließen. Daß ein entsprechend spezialisierter Rechner, der synergistische Computer eben, durchaus in der Lage ist, verschiedene Abbildungen eines Gesichts voneinander zu unterscheiden, haben Studien aus der Mustererkennungsforschung bereits Ende der achtziger Jahre erwiesen. Nun erprobten die Ulmer und Stuttgarter Forscher in eigenen Vorarbeiten das Talent des synergistischen Computers zur Erkennung von Primäraffekten: in einem ersten Schritt fotografierten sie zehn angeleitete Versuchspersonen, die Gesichtsausdrücke bestimmter Emotionen hervorbringen sollten. Diese Fotografien wurden anschließend digitalisiert. Der Computer konnte aus den Bilddaten Prototypenmuster für die den einzelnen Emotionen zugeordneten Gesichtsausdrücke sowie für das »neutrale« Gesicht errechnen, indem er für jede Emotion den numerischen Mittelwert aus den Bildern aller Versuchspersonen bildete. Augen- und Mundpartien wurden dabei getrennt voneinander bearbeitet.

Im anschließenden Wiedererkennungstest lag die Trefferquote des Computers bei rund 70% für die Mund- und Augenpartie und etwas niedriger für den vollständigen Gesichtsausdruck. Seine Eignungsprobe hatte der Rechner damit bestanden; um sich aber als hilfreicher Partner in der Psychotherapieforschung bewähren zu können, wird er noch lernen und reifen müssen.

Faktoren der Ähnlichkeit
So brauchte ein Proband bei der Aufnahme nur den Kopf zu drehen, und der Computer sah sich außerstande, die gezeigte Emotion zu erkennen. Dieses Problem ließe sich lösen, indem man das System mit zusätzlichen Prototypen für verschiedene Kopfpositionen füttert, so daß der Rechner auf einen größeren Erfahrungsschatz in Sachen Mimik zurückgreifen könnte.

Die Fehlerquelle für jene Fälle, bei denen der Computer danebentippte, könnte durch Betrachten der zweitbesten Wahl ermittelt werden: man würde dabei versuchen, die Unterschiede zu identifizieren, die jeweils für die endgültige Zuordnung ausschlaggebend sind, und könnte so die Faktoren bestimmen, die den Grad der Ähnlichkeit des Eingabemusters mit den Prototypen definieren.

Mit ihren bisherigen Resultaten haben sich die Ulmer und Stuttgarter Wissenschaftler bei der DFG in die Kategorie »förderungswürdig« eingereiht, da ihr Projekt, berichtet Vanger, »einen enormen Entwicklungsschub für die Analyse interaktioneller Prozesse erwarten läßt«. So wurden ihnen bis Mitte 1997 insgesamt rund 310.000 Mark Forschungsmittel bewilligt. In dieser Zeit soll ihr digitaler Kollege mit der Untersuchung einer analytischen Kurzzeitpsychotherapie betraut werden - und zwar einer »echten«, also nicht experimentellen Therapie, so daß die Anwendbarkeit des Verfahrens im klinischen Alltag erprobt werden kann. Im Wettstreit mit der herkömmlichen FACS-Kodierung durch einen geschulten Beobachter soll die teilautomatisierte Erkennung anhand von mimischen Standard- und Individualprototypen ihr Einfühlungsvermögen in die menschlichen Primäraffekte unter Beweis stellen.

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Krebs der Bauchspeicheldrüse

Im Mai 1996 ist im Universitätsverlag Ulm ein Buch zum Thema »Cancer of the Pancreas - Molecular Biology, Recent Progress in Diagnostics and Therapy« erschienen. Die Herausgeber, Hans Günter Beger, Markus Büchler und Michael Schoenberg (Abteilung Chirurgie I, Universität Ulm), haben hierin die Ergebnisse eines internationalen Symposiums zum Thema »Bauchspeicheldrüsenkrebs« zusammengefaßt, das 1994 an der Universität Ulm stattfand. Sie waren auch die Organisatoren des mit den führenden Pankreaskarzinom-Spezialisten aus der ganzen Welt besetzten Symposiums. In dem Buch werden die neuesten Daten zur Epidemiologie, Molekularbiologie und Onkologie des Pankreaskarzinoms dargestellt und die gegenwärtigen Standards in Diagnostik und Therapie beschrieben. Darüber hinaus werden erste Ergebnisse neuester diagnostischer Techniken - Endosonographie, PET - sowie unter Anwendung von multimodaler Therapie erzielte Ergebnisse präsentiert.

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Freiwild auf zwei Rädern

Radfahrunfälle in der Statistik

Wer Rad fährt, ist selber schuld. Wer als Radfahrer bei einem Unfall zu Schaden kommt, muß durchaus nicht schuld sein. Rund die Hälfte der über einen Zeitraum von fünf Jahren in und um Ulm registrierten Unfälle, bei denen Radfahrer zum Teil schwere Verletzungen erlitten, gehen nicht auf das Konto des Radlers - so das Ergebnis einer Untersuchung, die Uwe-Johannes Scholz kürzlich als Dissertation in der Abteilung Rechtsmedizin (Leiter Prof. Dr. Günther Reinhardt) der Universität Ulm vorgelegt hat.

Scholz' retrospektive Studie stützt sich auf polizeilich erfaßte Unfallanzeigen in der Stadt Ulm und im Alb-Donau-Kreis aus den Jahren 1986 bis 1991, ein Untersuchungsgebiet von fast 1500 Quadratkilometern mit rund 270.000 Einwohnern. Insgesamt 1099 Fahrradunfälle sind im Untersuchungszeitraum aktenkundig geworden - eine Dunkelziffer muß vor allem bei leichteren Unfällen angenommen werden.

In der computergestützten Auswertung der nachträglich anonymisierten Meldebögen wurden unter anderem Unfallzeit und -hergang, die Anzahl der Getöteten, Schwer- und Leichtverletzten (eingestuft nach der Dauer des Krankenhausaufenthaltes), Charakteristiken der Unfallstelle, sowie Geschlecht, Alter und Verletzungen des Radfahreres, getrennt nach Körperregionen, berücksichtigt.

Keine Sonntagsradler
Scholz' Unfallopfer sind offenbar alles andere als typische »Sonntagsradler«: über die Woche hin betrachtet, ereigneten sich die meisten Unfälle mit annähernd gleicher Häufigkeit an den Werktagen, mit einem kleinen Gipfel am Dienstag und einem Rückgang am Wochenende. Im Tagesverlauf wurde der erste Unfall-Peak in den Morgenstunden zwischen 6 und 8 Uhr erreicht; ein Viertel aller Radfahrunfälle fiel in die Zeit des abendlichen Berufsverkehrs von 16 bis 18 Uhr, dazwischen wies ein weiteres Hoch zur Mittagszeit auf die überwiegend berufliche Motivation der Fahrradnutzung hin.

Mit der technischen Beherrschung ihres Vehikels bei widrigen klimatischen Bedingungen haben diese Alltagsbiker anscheinend die geringsten Probleme, oder sie wissen zumindest, wann sie sich das Fahren nicht mehr zutrauen sollten. So ereigneten sich die registrierten Unfälle überwiegend nicht in den Monaten des nassen Herbstlaubs oder im verschneiten, vereisten Winter, sondern in den Frühlings- und Sommermonaten. Gefährlich wird es offenbar immer dann, wenn andere Verkehrsteilnehmer, besonders Autofahrer, ins Spiel kommen: 87% der Unfälle geschahen innerorts, an vielfrequentierten Verkehrsknotenpunkten. Die wesentlich selteneren Unfälle auf Bundes- und Landstraßen verliefen allerdings im Durchschnitt ernster - rund 12mal häufiger als innerorts endeten sie für den Radfahrer tödlich.

Crash beim Kreuzen
Wie und warum verunglückt man als Fahrradfahrer? Ein Kuriosum ist sicher der Fall jenes Velozipisten, der stürzte, als er zwischen zwei Autos hindurchfahren wollte, die mit einem Abschleppseil verbunden waren, ebenso wie der des Radlers, der gegen ein aus dem Heck eines LKW herausragendes Holzbrett prallte. Konservativere Unfallhergänge sind Kollisionen mit Fußgängern, Tieren oder unbelebten Hindernissen sowie Auffahrunfälle.

Am häufigsten aber kommt es der Ulmer Studie zufolge beim Abbiegen oder Kreuzen zum Crash - oft, weil ein Radweg eine Straße oder einen Gehweg kreuzte und der Radfahrer, wie es häufig vorgeschrieben ist, den Radweg linksseitig befuhr. Nach links abzubiegen schließlich ist für den Radfahrer geradezu lebensgefährlich: jeder fünfte der dabei verunglückten Radler wurde schwer verletzt, zwei starben an den Unfallfolgen.

Das allseits beliebte spontane Öffnen der Autotür, vorzugsweise unmittelbar neben oder auf dem Fahrradweg praktiziert, hat mit einiger Sicherheit - in Scholz' Untersuchung exakt 26mal - dazu beigetragen, daß Auffahrunfälle insgesamt Platz zwei in der Häufigkeitsstatistik der radfahrerischen Unfallformen behaupten. Daß dagegen ein Zweiradfahrer frontal mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kollidierte, war weniger als einmal unter zehn Fällen zu beobachten und dann nicht nur auf Unachtsamkeit des Bikers, sondern zum Teil auf die Unzulänglichkeit des Radwegs zurückzuführen, wo sich die meisten dieser Zusammenstöße, vor allem an unübersichtlichen Kurven mit Hecken, Mauern oder parkenden Fahrzeugen, ereigneten - häufig auch unter Beteiligung eines Mofas.

Vorrangig der Kopf
Was auch immer und warum es passiert - im Schadensfall zieht meist der Radfahrer den kürzeren. In Scholz' 1099 registrierte Unfälle beispielsweise waren insgsamt 1176 Radfahrer verwickelt. 689 von ihnen wurden leicht, 275 schwer verletzt und 20 getötet. Dabei registrierte die Statistik, auf 946 Radfahrer verteilt, insgsamt 1541 Verletzungen, darunter Frakturen, Schnittwunden, Prellungen, Blutergüsse und Schürfungen. Besonders bedenklich stimmt, daß neben Armen und Beinen der Kopf am häufigsten von Verletzungen betroffen war. Zehn radfahrende Unfallopfer erlitten ein ernstes Schädel-Hirn-Trauma, zwei einen Bruch der Schädelbasis. Hinzu kamen zahlreiche Weichteilverletzungen im Gesicht. »Bei tödlichen Unfällen«, berichtet Scholz, »lagen in 13 der 20 Fälle Kopfverletzungen vor, die mit Verletzungen anderen Körperregionen kombiniert waren.«

Daß deshalb die Mißachtung des unverbindlichen Helm-Gebotes als grobe Fahrlässigkeit zu betrachten und ein Gutteil der schweren oder tödlichen Verletzungen eigentlich zu vermeiden sei, ist jedoch nicht sicher. Zwar hält ein Teil der Spezialisten eine Senkung der Schädel- und Hirnverletzungen um nahezu 90% durch konsequentes Helmtragen für möglich, Ärzte verweisen demgegenüber aber auf eklatante Mängel der derzeit gängigen Helme, die sich allerdings vorwiegend im Bereich der (ungeschützten) unteren Gesichtshälfte auswirken. Eine Helmpflicht für Radfahrer, wie sie seit längerem und noch immer kontrovers diskutiert wird, würde nach Ansicht vieler Experten vor allem den Autofahrern und ihren Versicherungen helfen, Schadensersatzansprüche abzuwehren, wenn der geschädigte Radfahrer diese Pflicht verletzt hat.

Das Radwegenetz ausbauen
Scholz' Unfallopfer rekrutieren sich aus allen Altersklassen zwischen 4 und 88 Jahren, allerdings mit einem deutlichen Gipfel in der Gruppe der 11- bis 15-jährigen (17,5%) und einer ebenfalls überdurchschnittlich hohen Rate in der Altersgruppe 16 bis 30, die fast ein Drittel aller Verunglückten beisteuerte. Der Anteil der Schwerverletzten stieg mit zunehmendem Alter, besonders deutlich nach dem 50. Lebensjahr. In sämtlichen Altersgruppen überwog der Anteil der männlichen Radfahrer.

»Die hohe Unfallrate junger Verkehrsteilnehmer muß Anlaß zu Überlegungen sein, wie die Verkehrserziehung neben anderen Maßnahmen zur Unfallprävention verbessert werden kann«, resümiert der Verfasser. Spezielles Sicherheitstraining und ein konsequenter Ausbau des Radwegenetzes bilden in diesem Zusammenhang seine Hauptforderungen. Dabei versteht sich Scholz durchaus nicht als pauschaler Anwalt der Zweiradbenutzer. Riskantes Fahrverhalten, Mißachtung der Vorfahrt, Verlassen des Radwegs oder Benutzung desselben in verkehrter Richtung sind, neben dem Nichtbeheben technischer Mängel am Drahtesel (namentlich Beleuchtung und Bremsen) die gefährlichsten Unsitten der Ritter vom Stahlroß. Trunkenheit am Lenker scheint dagegen eher die Ausnahme (23 Fälle).

Das Fahrrad sei, erinnert der Autor, vor allem für die jüngeren Verkehrsteilnehmer eben auch ein Spiel- und Sportgerät. Manchen verführt dieser Umstand wohl zu entsprechender Fahrweise. Ein Autofahrer aber, der nicht vorschriftsmäßig fährt, wird lediglich angehupt - ein Radler angefahren. Daß ein PKW-Benutzer zu Schaden kommt, weil er sich auf den Radweg verirrt, dürfte die Ausnahme bleiben, wohingegen der Biker sich mit dem Verlassen des Reservats »Radweg« zum Freiwild für Raser und Rowdies erklärt: »Die Kollisionsgegner, zumeist Kraftfahrzeuge«, so informiert uns die Ulmer Studie, »gefährdeten den Radfahrer durch Mißachten der Vorfahrt an Kreuzungen, beim Abbiegen und durch unangepaßt hohe Geschwindigkeit.« -

Gemeinschaftsschädliche Automobilmeierei
Was in der Untersuchung nicht steht, was aber jeder kennt, der regelmäßig und nicht nur zum Feiertagsspaß radfährt, ist die offenbar noch immer zunehmende Bereitschaft der Autofahrer zur vorsätzlichen Gefährdung ihrer radfahrenden Verkehrspartner. Daß der Autofahrer, in die Hauptstraße einbiegend, einen die letztere befahrenden Radfahrer zur - auf dem Rad meist sehr riskanten - Notbremsung zwingt, weil er dessen Geschwindigkeit falsch eingeschätzt hat, ist eine Sache. Wenn er ihn mit Gewalt überholt, obwohl die Verkehrslage dies nicht zuläßt, und ihm dann den Weg abschneidet, mit der Folge, daß der Radler vor dem scharf rechts einscherenden und zugleich bremsenden KFZ auf den Gehsteig flüchten muß (sofern das gelingt); wenn er sich ein Vergnügen daraus macht, den Radfahrer ohne Not im Dezimeterabstand zu überholen; wenn der Radfahrer, an der Ampelkreuzung eingeordnet, derart zwischen zwei KFZ eingeklemmt wird, daß er nicht gefahrlos anfahren kann, manifestiert sich in der damit zum Ausdruck kommenden Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Leben und Gesundheit des Radfahrers ein erschreckendes Maß an krimineller Verhaltensbereitschaft. Gewiß, die »freie Fahrt für freie (motorisierte) Bürger« relativiert sich proportional zur Zahl derer, die sie in Anspruch nehmen. Doch daß die Radfahrer von den Straßen terrorisiert werden sollten, die sie in Ermanglung von Radwegen benutzen müssen (und dürfen), ist die Ausgeburt einer ebenso gemeinschaftsschädlichen wie schwachsinnigen Automobilmeierei und PS-Arroganz. Leider wird der Grund dafür schon sehr früh gelegt, soll heißen in der Fahrschule. So ist es auch schon vorgekommen, daß ein Fahrlehrer gegenüber seinen Schülern erklärt, er werde das nächste Mal die Tür aufreißen, wenn er erkennt, daß ein Radfahrer an der roten Ampel an ihm vorbei zur Aufstellinie vorfahren wolle.

Da das Fahrrad, unverzichtbares und ökologisch konkurrenzloses Verkehrsmittel auch der Industriezivilisation, sich seit Jahrzehnten steigender Beliebtheit erfreut, die wachsende Verkehrsdichte auf deutschen Straßen den weitgehend ungeschützten Radfahrer aber immer größeren Gefahren für Leib und Leben aussetzt, fordern Scholz und sein wissenschaftlicher Betreuer Prof. Reinhardt »die Zusammenarbeit aller Institutionen, die sich mit Verkehrsplanung, Unfallforschung und Unfallverletzungen befassen«, um den Schutz des Radfahrers zu verbessern.

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Warum ein Schwabe Quechua lernt

Eine Indianersprache an der Universität Ulm

Im Rahmen einer integrierten Lehrveranstaltung »Andensprache und Andenkultur« wird an der Universität Ulm die Indianersprache Quechua angeboten. Da ist die Frage berechtigt, warum ein Schwabe (oder ein Student, welchen es nach Schwaben verschlagen hat) nun ausgerechnet diese ferne, überaus merkwürdig klingende und furchtbar schwierige Indianersprache Quechua lernen sollte.

Prof. Dr. Ina Rösing, Leiterin der Abteilung Anthropologie, war sechseinhalb Jahre zu Forschungszwecken, jedoch ohne Gehalt von ihren universitären Lehr- und Verwaltungsaufgaben entbunden, um ihre ethnomedizinische Forschung in den Anden durchzuführen. Seit ihrer Rückkehr im Wintersemester 1992/93 hat sie fünf Eingangsveranstaltungen über verschiedene Themen der Andenkultur angeboten, verknüpft mit dem Quechua-Anfangsstudium. Alle Studenten, die diese Veranstaltungen belegten, hat sie dabei in einem anonymen Fragebogen nach ihrer Motivation befragt. Bisher sind 59 Bögen ausgefüllt worden.

Ich lerne Quechua, weil...
Auf der ersten Seite sieht der Fragebogen freie Antworten vor: »Bitte zuerst einmal selbst überlegen: Warum will ich die Indianersprache Quechua und die Andenkultur studieren? Bitte alle Gründe, auch angeblich irrationale oder emotionale, notieren.« Auf der zweiten Seite werden 15 Antwortmöglichkeiten vorgegeben, die im folgenden aufgeführt sind, geordnet nach Häufigkeit der Anstreichung. Alle Antworten, die mindestens teilweise zutreffen, können angestrichen werden.

  1. Ich lerne Quechua, weil ich etwas von der Andenkultur wissen will (49 Anstreichungen = 83 %).
  2. Mich interessiert, wie eine ganz andere Sprache das Denken prägt, und ich erwarte mir da Erfahrungen und Einsichten (48 = 81 %).
  3. Ich interessiere mich für Indianer (39 = 66 %).
  4. Ich habe grundsätzlich Spaß an fremden Kulturen und fremden Sprachen (28 = 47 %).
  5. Ich will in die Anden reisen (24 = 41 %).
  6. Ich stelle mir vor, es ist ein intellektueller Spaß, diese Sprache zu lernen (22 = 37 %).
  7. Es gehört einfach zur Bildung, sich mit fremden Kulturen zu befassen (21 = 36 %).
  8. Ich gehe vielleicht einmal in den Entwicklungsdienst nach Südamerika (17 = 29 %).
  9. Man ist so im Studium eingeklemmt mit Kursen und Scheinen. Ich will mir auch mal einen Luxus gönnen (16 = 27 %).
  10. Ich liebe Südamerika (13 = 22 %).
  11. Ich habe schon immer etwas für Exotik übrig gehabt (10 = 17 %).
  12. Wir hatten am 12.10.1992 den Christoph-Columbus-Festtag: 500 Jahre Eroberung Südamerikas. Ich möchte mich, indem ich Quechua/Andenkultur studiere, mit den Eroberten befassen (10 = 17 %).
  13. Ich war schon mal in den Anden (8 = 14 %).
  14. Ich war in den Anden, habe Quechua gehört und mich umgesehen. Ich will das alles dort besser verstehen (7 = 12 %).
  15. Ich könnte bei Freunden ein bißchen angeben, wenn ich sage, ich lerne Quechua und weiß was über Andenkultur (5 = 8 %).

Bildung, Nutzen oder Luxus
61 Prozent der Studenten verfolgen demnach ein intellektuelles Interesse - und zwar eines, das die Sprache Quechua als Ausdruck von etwas Umfassenderem und Grundsätzlicherem sieht: ihr Studium ist eine Einstiegsmöglichkeit zum Verstehen der Andenkultur (Frage 1) oder ein Medium, um den Zusammenhang von Sprache und Denken zu begreifen (Frage 2). Etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) haben praktische Gründe (Andenreise, Entwicklungsdienst). Ebenfalls etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) stellt die Suche nach Abwechslung und Anregung in den Vordergrund. Diese Teilnehmer haben grundsätzlich Spaß an fremden Kulturen und Sprachen (würden also wohl genauso Ladakhi oder Aymara belegen) bzw. wollen sich »einen Luxus gönnen« (Fragen 4 und 9).

Ausbruch durch die Sprache
Die Auswertung der freien Antworten bringt mehr »Fleisch« in dieses Zahlenergebnis. Insgesamt liegen 212 freie Antworten vor, die weitere Schlüsse zulassen: Aus vordergründig praktischen Erwägungen scheinen nur wenige in die Lehrveranstaltungen zu »Andenkultur und Andensprache« zu kommen; so heißt es nur zweimal »weil ich einen Schein brauche«, und in beiden Fällen werden auch intellektuelle Gründe genannt. Daß der Schein-Erwerb tatsächlich kein Hauptmotiv ist, zeigt die Tatsache, daß nur eine Minderheit (< 1/5) überhaupt Scheine erwerben will.

Häufiger wird Quechua als ein Kontrapunkt zum eigenen Studium verstanden. Es wird zum Beispiel belegt, »weil dies, abgesehen von anderen Sprachkursen, die einzige Möglichkeit ist, etwas an der Uni zu machen, das nicht auf irgendeine Art und Weise mit Naturwissenschaften und Medizin zu tun hat« (Teilnehmer/in aus dem Fachbereich Medizin). Zahlreiche Antworten dokumentieren das Interesse an fremden Kulturen und an Fremdem allgemein, aber auch ein spezielles Interesse an Indianern bzw. der Andenkultur (»Wie gehen nicht-technische Menschen miteinander um? Welches Weltbild haben sie? Wie wirkt es sich auf die Psyche aus, den ganzen Tag [nur] beschäftigt zu sein? Inwieweit ist Sprache wirklichkeitserzeugend? Wie reagieren die Indianer auf Europäer?« Teilnehmer[in] aus dem Fachbereich Physik). Dieses Interesse verbindet sich häufig mit dem Wunsch, am Fremden für die eigene Kultur zu lernen.

Neben ganz persönlichen (»der Vater meines Kindes ist ein Indianer«) und neben nicht-rationalen Gründen (»endlich mal eine Dozentin, die auch als Mensch interessant ist, erster Eindruck«) ist aus den freien Antworten schließlich auch ein deutlicher Grundtenor herauszuhören, der anklingt in Stichworten wie »Herausforderung« oder »Horizonterweiterung«. Und in einem Fragebogen findet sich die Begründung: »... weil ich dadurch vielleicht ein neues Vergnügen haben werde, wovon ich vorher gar nichts ahnte.«

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Sollten menschliche Gene patentierbar sein?

Europäische Patienten-Selbsthilfegruppen sprechen sich mit Nachdruck dafür aus

»Jetzt müssen endlich Anreize dafür geschaffen werden, daß in die Entwicklung wirksamer Mittel für die Behandlung genetisch bedingter Krankheiten investiert wird«, beschwor Cees Smit, Präsident des Europäischen Hämophilie-Verbandes die Europäischen Parlamentsabgeordneten anläßlich einer internationalen Konferenz über ethische, soziale und rechtliche Aspekte der Patentierung von Ergebnissen biomedizinischer Forschung. Die am 14. Mai 1996 in den Räumen des Europäischen Parlaments in Brüssel abgehaltene Konferenz diente dem Meinungsaustausch zwischen europäischen Gesetzgebern und 80 verschiedensten Interessenvertretern der Nutzung biotechnologischer Erfindungen.

Von den deutschen Abgeordneten beteiligten sich Willi Rothley (European Socialist Party), Hiltrud Breuer (Green Group), und Marlis Mosiek-Urbahn (European Peoples Party) an der Debatte. Zu diesem Rundtischgespräch hatte ein Konsortium europäischer Dachverbände der Patienten-Selbsthilfegruppen mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission eingeladen. Hintergrund ist die Ende 1996 bevorstehende erneute Beschlußvorlage einer Richtlinie, mit der das Europäische Parlament und der Europarat endlich den Rechtsschutz für biotechnologische Erfindungen europaweit festlegen soll.

Mit seinem Eingangsreferat setzte Willi Rothley, der im Europa-Parlament als Berichterstatter über die Patentrichtlinie fungiert, sogleich ein Zeichen, indem er die Ausnutzung der Gentechnologie als potentiell größten Fortschritt für die Medizin des 21. Jahrhunderts bezeichnete. Die Möglichkeit zur Patentierung sei für die Erschließung dieses Potentials entscheidend. »Sicher ist die Richtlinie noch verbesserungsfähig, aber es wird nicht eintreten, daß menschliche DNA nicht patentierbar wird«, sagte Rothley voraus. Ablehnung der Patentrichtlinie werde die die Gentechnologie nutzende Industrie aus Europa vertreiben. Die heutigen Gegner seien sicher nicht so prinzipientreu, daß sie später deren Früchte nicht aus dem Ausland wieder importieren und bei uns zur Anwendung bringen.

Die Parlamentarier, die im März 1995 noch die erste Fassung der Richtlinie mit großer Mehrheit abgelehnt hatten, sahen sich jetzt dem Druck der Vertreter von 18,6 Millionen Betroffenen ausgesetzt, die an einer der schätzungsweise 5000 genetisch bedingten Krankheiten leiden. Die Selbsthilfegruppen, die selbst noch im letzten Frühjahr der damaligen Richtlinie absolut skeptisch gegenüberstanden, wollen jetzt die Neufassung so schnell wie möglich in geltendes Gesetz umgesetzt sehen, obwohl einer der wichtigsten strittigen Punkte, die Patentierung menschlicher Gene, nicht grundsätzlich herausgenommen wurde.

»Jahrelang haben sich unsere Familien dafür eingesetzt, daß Gelder für die Erforschung von Erbkrankheiten aufgebracht werden«, betonte Alistair Kent, der Präsident des Dachverbandes europäischer Selbsthilfegruppen. »Jetzt, nachdem mit diesen Geldern das menschliche Genom kartiert ist und man die Grundlagen der genetischen Krankheiten zu verstehen beginnt, wollen diese Familien auch den Nutzen für sich und ihre Kinder sehen. Die Anreize, welche die Richtlinie der pharmazeutischen Industrie und den Investoren geben soll, sind dafür ganz entscheidend.« Dem schloß sich Hanne Tybkjaer, Generalsekretärin der Dänischen Mukoviszidose-Vereinigung, an und warnte die Parlamentarier: »Unsere Familien sind durch einen langen Tunnel gegangen. Wir werden uns an die erinnern, die uns jetzt das Licht an dessen Ende abdrehen wollen.«

Gegen diese bemerkenswerte Liga von Vertretern aus Industrie, Patienten-Selbsthilfegruppen, Wissenschaft und dem Europäischen Parlament hatte es die Grünen-Abgeordnete Breuer nicht leicht, ihre Argumente gegen die Richtlinie aufrechtzuerhalten. »Bis heute gilt, daß nur Erfindungen patentierbar sind. Ein menschliches Gen kann man entdecken, aber nicht erfinden. Es darf also nicht Recht werden, daß jemand etwas, das unser aller Gut ist, sich patentieren lassen kann«, stellte sie beharrlich fest. Ihre Befürchtung ist, daß einzelne Firmen durch Patentierung menschlicher Gene in der Entwicklung neuer Therapieverfahren Monopolstellung einnehmen könnten.

Schließlich wurden doch auch Warnungen von seiten der Wissenschaftler an die Patientenvertreter laut, sie sollten ihre Einstellung zu der Richtlinie nochmals überdenken. In der Richtlinie werden auch andere wichtige biotechnologische Fragen geregelt, die z.B. die Züchtung von Pflanzen und Tieren betreffen.
Prof. Dr. Reinhardt Rüdel

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Reaktive Zwischenstufen

Mit »Struktur, Dynamik und Stabilisierung von Carbokationen, Charakterisierung von Vinylkationen durch NMR-Spektroskopie und Untersuchung von Hyperkonjugation und Hyperkoordination durch Deuterium-Gleichgewichtsisotopeneffekte in NMR-Spektren von schnell äquilibrierenden Carbokationen« ist nicht, wie man vermuten könnte, die Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Lebenswerkes wiedergegeben, sondern lediglich der Titel der Habilitationsschrift, mit der 1987 Dr. Hans-Ulrich Siehl in Saarbrücken die Venia legendi für das Fach Organische Chemie erwarb. Daß Siehl (49), seit 1. Oktober C3-Professor in der Abteilung Organische Chemie I der Universität Ulm, für mehr als eine Fragestellung seines Faches kompetent ist, wird nicht nur aus diesem Titel deutlich, sondern mindestens ebenso aus seinem bisherigen Werdegang: geboren in Herford, durchlief Siehl zunächst bei der Asta-Werke AG in Bielefeld eine Lehrausbildung zum Chemielaboranten, ehe er 1966 am Westfalen-Kolleg Bielefeld die Allgemeine Hochschulreife erwarb, die ihm den Zugang zum Studium der Chemie eröffnete. Dieses absolvierte er in Tübingen und Saarbrücken, um 1977 über das Thema »Umsetzung von a-Halogensystrolen mit Antimonpentafluorid - ein Beitrag zur Frage des 1H- und 13C-NMR-spektroskopischen Nachweises von Vinyl-Kationen« summa cum laude zu promovieren. Für seine Prüfungsleistung wurde er mit dem »Dr.-Eduard-Martin-Preis« der Universität des Saarlandes ausgezeichnet.

Ein Forschungsaufenthalt des jungen Wissenschaftlers am Department of Chemistry, Yale University, New Haven, USA, (1979/80) wurde ebenso von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wie seine nachfolgenden Projekte, die sich unter anderem mit Isotopeneffekten in Carbokationen, Struktur und Stabilisierung von Carbokationen und persistenten Carbokationen beschäftigten. 1982 zum Akademischen Rat, 1993 zum apl. Professor ernannt und vom 1. Oktober 1993 bis 30. Juni 1994 als Gastdozent am Institute for Fundamental Research of Organic Chemistry der Kyushu University in Fukuoka (Japan) tätig, hat er sich auch als Gutachter und als Mitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften wissenschaftliche Anerkennung erworben. Im Mittelpunkt seines derzeitigen Interesses stehen neben Untersuchungen reaktiver Zwischenstufen (Carbokationen) in Supersäuren und Problemen der Organo-Silizium-Chemie auch computergestützte Berechnungen von Struktur, Energie und magnetischen Eigenschaften neuer Moleküle.

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Im Flußbett der Ur-Donau

Von der Schönheit der Kieselschwammskelette

Daß Teile der auf einem Berg - dem Oberen Eselsberg - gelegenen Universität Ulm im Flußbett der Ur-Donau stehen, ist schon bemerkt worden und natürlich bemerkenswert. Es folgt aus den Ergebnissen einer vor Baubeginn durchgeführten Untersuchung des Baugrundes. Zeugen der Urdonau-Epoche kann man auf den höhergelegenen Feldern des Oberen Eselsberges in Form abgerollter quarzitischer Flußkiesel finden. Das Flußbett der Donau lag somit gegen Ende der Tertiärepoche um etwa 100 m höher als ihr jetziges. Die beim Herausmodellieren der heutigen Landschaft durch die Donau und ihre Nebenflüsse zugänglich gewordenen tieferen Schichten ermöglichen einen Einblick in weitere Kapitel der Landschaftsgeschichte.

Unmittelbar unter den Flußablagerungen befinden sich Meeresablagerungen, deren Mächtigkeit zwischen 0,5 und 12 m schwankt (obere Meeresmolasse, OMM) und darunter bis zu etwa 50 m mächtige Süßwasserablagerungen (Untere Süßwassermolasse, USM). Beide Schichtpakete entstanden im Tertiär, ersteres vor etwa 19, letzteres vor etwa 22 Millionen Jahren. In den beispielsweise beim Bau der Baustufe C und der Strahlenklinik angeschnittenen OMM-Schichten konnte man Austern und Haifischzähne aufsammeln, und auf den Äckern in der Nachbarschaft des Daimler-Benz-Forschungszentrums lassen sich mit etwas Glück Kalksteinbrocken finden, die von Bohrmuscheln des Molassemeeres angebohrt sind. Die vielen Feldsteine, mit denen die am Abhang des Eselsberges gegen Herrlingen hin gelegenen Äcker übersät sind, stammen aus der USM. Sie enthalten häufig versteinerte Süßwasserschnecken. Für erhebliches Aufsehen sorgten die 1987 beim Bau der Westtangente geborgenen Skelettreste von Groß- und Kleinsäugetieren aus der USM.

Weißkalkbasis
Aus der Epoche, die dem Tertiär vorausging, der Kreidezeit, gibt es in unserer Gegend keine Ablagerungen. Die nächstältere Epoche, die Juraepoche, prägt aber in ganz besonderem Maße unsere Landschaft. Während ihrer jüngsten Abteilung, dem Weißen Jura, sind in der Zeitspanne von vor etwa 150 bis 135 Millionen Jahren die gewaltigen Kalkablagerungen der Schwäbischen Alb entstanden. Dieses Gestein bildet auch die Basis des Eselsberges. Der in den Steinbrüchen des Blautales abgebaute Kalk weist eine besonders hohe Reinheit auf. Sein Gehalt an Kalziumkarbonat beträgt stellenweise mehr als 99%. Dies macht ihn unter anderem zu einem wertvollen Rohstoff für die chemische Industrie.

Man ist geneigt zu denken, Kalkstein sei etwas relativ Uninteressantes und Eintöniges, eben weiter nichts als feinkristallines CaCO3. Schaut man jedoch genauer hin, ändert sich das Bild. Da taucht zunächst die Frage nach der Enstehung auf. Bei der Bildung der marinen Kalkablagerungen muß eine an Kalziumkarbonat (CaCO3) gesättigte bzw. schwach übersättigte wäßrige Lösung vorgelegen haben. Die Voraussetzungen hierzu waren zur Zeit des Weißen Juras erfüllt, denn das süddeutsche Schelfmeer war flach und subtropisch bis tropisch warm. Nach Süden fiel es ins offene Weltmeer ab, im Norden wurde es von Landmassen begrenzt. Für den Nachschub an gelöstem CaCO3 sorgten Strömungen aus den tieferen Bereichen des Ozeans. Die Abscheidung des Kalziumkarbonats aus dem Meerwasser war kein einfacher nur-anorganisch-chemischer Prozeß. Tatsächlich waren (und sind auch heute) eineVielzahl von Lebewesen daran beteiligt, wie beispielsweise spezielle Algen.

Riffe aus Algen und Kieselschwämmen
Über den Boden des schwäbischen Weißjurameeres erhoben sich hügelartig gebaute Riffe. Diese wurden allerdings nicht wie die heutigen Riffe von Korallen aufgebaut bzw. besiedelt, sondern von Kieselschwämmen und Algenkrusten. Sie werden deshalb auch als Algen-Schwamm-Riffe oder -Bioherme bezeichnet. Im Gegensatz zu den üblichen Meeresablagerungen weisen die Bioherme keine Schichtung auf und sind dadurch relativ verwitterungsresistent. Als herausgewitterte markante Felsmassen findet man sie an vielen Stellen der Alb, beispielsweise am Rand des Blautals. Ein Teil der ungeschichteten Felsen ist allerdings, wie Prof. Dr. Roman Koch vom Paläontologischen Institut der Universität Erlangen in einem Ulmer Vortrag im Herbst 1994 berichtete, auf Anhäufungen von Kalksandmassen zurückzuführen.

Über die vielfältigen Fragen, die mit den Weißjura-Riffen und -Gesteinen zusammenhängen, mit ihrem Mineralinhalt und den in geologischen Zeiträumen abgelaufenen Umwandlungs-, Lösungs- und Ionenwanderungsprozessen, wird an mehreren Universitäten gearbeitet - nur nicht an der gewissermaßen betroffenen Universität Ulm. Mit einer Ausnahme freilich: vor einigen Monaten wurde in der Sektion Röntgen- und Elektronenbeugung damit begonnen, eine Bestandsaufnahme der Minerale und Gesteine durchzuführen, die im Bereich der Ulmer Alb und insbesondere des Eselsberges vorkommen. Ein Nebenprodukt dieser Suche sind die aus kristallinem SiO2 bestehenden Skleren und ganzen Skelette der riffbauenden Kieselschwämme des Oberen Weißen Juras. Als Skleren werden Skelettelemente bzw. »Nadeln« (spicula) von Schwämmen bezeichnet. Die Schwammreste lassen sich durch Behandlung des Gesteins mit verdünnten Säuren herauspräparieren. Die filigranen Skelette und einzelnen Skleren sind von faszinierender Schönheit. Überraschend ist ihre teilweise hervorragende Erhaltung. So kann man vielfach nicht nur Oberflächenornamente, sondern auch Achsenkanäle erkennen (s. d. Abbildungen). Letztere enthielten ehemals Fäden einer organischen Substanz, um die sich innerhalb spezieller Schwammzellen die Kieselsäure als nichtkristalliner, wasserhaltiger Opal ablagerte. Überraschend war auch die Vielfalt der angetroffenen Schwammspicula.

Vom Opal zum Quarz
Die Bestimmung von Juraschwämmen auf der Grundlage von Spicula ist häufig nicht möglich, weil verschiedene Gruppen von Schwämmen gleichgestaltete Skleren besitzen. Die zunächst amorphe, als Opal vorliegende Kieselsäure hat sich im Lauf der Zeit in kristallinen Quarz umgewandelt. Kleine Quarzkristalle bilden nun die Form der Schwammnadeln nach. Die Hauptmenge des Skelettopals ist allerdings bereits vor, während oder nach der Umwandlung des Kalkschlammes in Kalkstein aufgelöst und wegtransportiert worden. Deshalb findet man in vielen Kalksteinpartien keinerlei verkieselte Schwammreste, obwohl die Umrisse der Schwämme anhand einer leichten Verfärbung sichtbar sind. Die abgewanderte Kieselsäure reicherte sich häufig in einiger Entfernung von ihrem Herkunftsort an und bildete Feuersteinknollen, zum Ärger der Steinbruchbetreiber. In den meisten Fällen sind auch die nun aus Quarzkriställchen aufgebauten Schwammnadeln zwischenzeitlich verkalkt gewesen und erst nachträglich wieder verkieselt. Hierfür spricht unter anderem die Beobachtung, daß sie häufig Abdrücke von Dolomitkristallen (CaMg(CO3)2) aufweisen. Die Dolomitkristalle hatten sich in der Kalkmatrix gebildet, bevor die Verkieselung eintrat.

Die mit den geborgenen verkieselten Fossilien zusammenhängenden Fragen sind offensichtlich interessant und vielschichtig. In interdisziplinärer Zusammenarbeit werden sie nun mit Paläontologen und Sedimentologen benachbarter Universitäten bearbeitet.
Ulf Thewalt
(Die REM-Aufnahmen hat Ing. grad. Gerda Dörfner angefertigt. Sie und cand. biol. Henning Werth waren an der Präparation der Schwammfragmente beteiligt. Prof. Dr. Rainer Martin danken wir für den Zugang zum Elektronenmikroskop.)

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Förderung mit fünf Schwerpunkten

Die Ulmer Universitätsgesellschaft erstattet Bericht

Auf der Mitgliederversammlung 1996 der Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) konnte deren Vorsitzender, Senator h.c. Ernst Ludwig, eine stolze Bilanz vorlegen, mit dem von der Universitätsgesellschaft vorgeschlagenen Ludwig-Erhard-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Universität Ulm, dessen Berufungsverfahren mittlerweile in Gang gekommen ist, als herausragendem Erfolg. In seinem Rechenschaftsbericht nannte Ludwig fünf Schwerpunkte für die Förderung der Universität Ulm: das Humboldt-Studienzentrum für Geisteswissenschaften, die Villa Eberhardt, die Förderung und Auszeichnung junger Wissenschaftler, die Musische Werkstatt, insbesondere die musikalischen Aktivitäten des Kammerorchesters, sowie den Ludwig-Erhard-Lehrstuhl.

Vor einem Jahr hatte die UUG den Beschluß gefaßt, sich für einen nach dem früheren Bundeskanzler und Ulmer Abgeordneten Ludwig Erhard benannten Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik einzusetzen. Unter großem Beifall vernahm die Mitgliederversammlung von Ernst Ludwig, daß das Land Baden-Württemberg den Lehrstuhl beschlossen habe und die geforderte private Vorfinanzierung (für zehn Jahre) gesichert sei. Im Zusammenwirken mit dem Deutschen Stifterverband und der Ludwig-Erhard-Stiftung sei es gelungen, Spendenzusagen in Höhe von 2,6 Mio. DM zu erhalten. Schwerpunkte des Lehrstuhls sollen die Ordnungsprinzipien der Wirtschaft Geld und Währung sein.

1.113 Mitglieder zählt die Ulmer Universitätsgesellschaft. Diese hohe Mitgliederzahl und das damit verbundene Beitragsaufkommen bilden die Grundlage für die Arbeit der UUG. Ihr Ziel ist es, Einrichtungen und Angehörige der Universität Ulm dort zu unterstützten, wo Haushaltsmittel notwendige oder wünschenswerte Aktivitäten nicht zulassen. 752.000.-- DM wandte die UUG 1995 für die Förderung der Universität Ulm auf, wie Schatzmeister Helmut Krumscheid in seinem Finanzbericht feststellte. Eine befriedigende Finanzlage - so der Schatzmeister - ermöglichte nennenswerte finanzielle Zuwendungen wie beispielsweise: Universität Ulm 150.000.-- DM, Humboldt-Studienzentrum 130.000.-- DM, Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) 60.000.-- DM, Wissenschaftspreise 30.000.-- DM.

Der Bericht des Rektors bildet stets einen wichtigen Bestandteil der Mitgliederversammlung der Universitätsgesellschaft. Prof. Dr. Hans Wolff skizzierte die Situation der Universität Ulm, die durch Finanzkürzungen und leicht rückläufige Studentenzahlen gekennzeichnet sei. Als besorgniserregend bezeichnete der Rektor den Rückgang der Einschreibungen bei den Ingenieurwissenschaften. In wenigen Jahren fehlten der deutschen Wirtschaft die Ingenieure, ein für die Gesellschaft katastrophales Ergebnis mit negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Prof. Wolff sieht die Universität Ulm im Umbruch. Die Gründergeneration der Professoren, die den hervorragenden Ruf der Universität begründeten, werde jetzt emeritiert. Jedoch sei es gelungen, mit den Neuberufenen die hohe Qualität von Forschung und Lehre zu halten.
Dr. Karl Friedrich Kirchner

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Spezialist für Infloreszenzmorphologie

Professor Dr. Focko Weberling 70 Jahre

Professor Weberling, der erste Leiter der Abteilung Spezielle Botanik an der Universität Ulm, feierte am 6. März dieses Jahres seinen 70. Geburtstag. Weberling wurde 1926 in Goslar geboren. Noch 1944 wurde er zum Militär eingezogen und geriet kurz vor Ende des Krieges in amerikanische Kriegsgefangenschaft, zuerst in Frankreich und später in Amerika. Nach dem Krieg begann er an der Universität Göttingen Biologie und Chemie zu studieren, später wechselte er nach Tübingen und Mainz. In Göttingen war er Student von F. Firbas, der ihm vorschlug, daß er sich auf Morphologie und Systematik spezialisieren solle, und ihn an den berühmten Wilhelm Troll nach Mainz weiterempfahl.

In Mainz promovierte Weberling 1953 summa cum laude mit einer Arbeit über die Nebenblätter von Dikotyledonen. In seiner weiteren wissenschaftlichen Laufbahn waren die Stipeln, wie die Nebenblätter auch genannt werden, oft ein wichtiger Punkt in seinen taxonomischen Studien. Noch bevor er seine Doktorarbeit beendete, kam er mit der Infloreszenzmorphologie in Berührung, also mit dem Forschungsgebiet, für das er heute international bekannt ist. Er setzte »Die Infloreszenzen«, ein Lehrbuch seines Lehrers Wilhelm Troll, fort. In zahlreichen Studien vervollständigte und ergänzte er dessen Untersuchungen, und nach vielen Veröffentlichungen erschien 1989, etwa zehn Jahre nach dem Tod von Wilhelm Troll, ein dritter Band über Infloreszenzen: Troll & Weberling, Infloreszenzuntersuchungen an monotelen Familien.

Focko Weberling begann seine Laufbahn als Hochschullehrer 1963 in Gießen. Nach vielen Jahren an der Universität Gießen, wo er von 1973 bis 1975 auch Vizepräsident der Universität war, wurde er der erste Leiter der Abteilung Spezielle Botanik (Biologie V) an der Universität Ulm. Für viele Jahre war er auch der Sprecher der Sektion Morphologie, Anatomie und Systematik der Deutschen Botanischen Gesellschaft.

In seiner Mainzer Zeit entwickelte Weberling ein besonderes Interesse für die südamerikanische Flora. 1958 bekam er die Gelegenheit, ein Jahr am Instituto Tropical de Investigaciones Cientificas in El Salvador zu arbeiten. Zwischen 1975 und 1978 war er mehrmals an der Universidad Federaldo Rio Grande do Sul in Brasilien, um dort zu unterrichten und Feldarbeiten durchzuführen. Forschungsaufenthalte in Costa Rica, Guatemala, Honduras und Argentinien folgten. Verbindungen zu den Reichsherbarien in Leiden und Utrecht sowie den benachbarten Universitäten bestehen seit seiner Zeit an der Universität Mainz. Zum Botanischen Institut der Universität Louis Pasteur in Straßburg bestehen enge Kontakte in der Forschung (Infloreszenzmorphologie) und in der Lehre. Seit vielen Jahren führen beide Institutionen gemeinsame Kurse und Exkursionen mit gemischten Gruppen deutscher und französischer Studenten durch.

Viele Doktoranden ausländischer Kollegen arbeiteten längere Zeit bei Weberling in Ulm oder promovierten hier sogar. Die Ulmer Spezielle Botanik wurde so ein international bekanntes Zentrum der Pflanzenmorphologie, und seine eigenen Studenten hatten vielfach Gelegenheit, international führende Morphologen und Systematiker persönlich kennenzulernen, bevor sie Ulm das erste Mal verließen. Unter Weberlings mehr als 120 Publikationen sind mehrere bekannte Lehrbücher. Seine Pflanzensystematik (zusammen mit H.O. Schwantes) hat inzwischen die 6. Auflage erreicht und wurde auch ins Spanische und Portugiesische übersetzt. Die Morphologie der Blüten und Blütenstände ist inzwischen auch in Englisch erhältlich (Morphology of the flowers and inflorescences). Zusammen mit G. Kümmel schrieb er mehrere Beiträge für »Biologie«, das Lehrbuch von Czihak, Langer und Ziegler, und mit seinem früheren Schüler Stützel publizierte er »Biologische Systematik, Grundlagen und Methoden«.

Eine schwere Zeit begann für Weberling, als sich herausstellte, daß seine Frau Dorothea, mit der er seit 1955 verheiratet war, an Krebs litt. Als sie 1988 starb, war dies ein schwerer Schlag und ein großer Verlust auch für alle Freunde der Familie und viele Studenten, die manche Stunde zusammen mit auswärtigen Besuchern im Hause Weberling in Erbach verbracht hatten. Ende 1989 heiratete Focko Weberling wieder. Seine zweite Frau Hannelore war eine Freundin der Familie seit vielen Jahren. Sie half ihm, sich wieder zu erholen, und mit neuem Elan setzte er seine Studien in der Infloreszenzmorphologie fort. Seit 1992 ist Focko Weberling emeritiert. Er ist mit seiner Arbeitsgruppe in die Liststraße umgezogen und unterstützt den Aufbau eines Zentrums für Biosystematik, in dem botanische und zoologische Taxonomen kooperieren sollen. In seiner Arbeitsgruppe Biosystematik setzt er seine morphologischen und taxonomischen Forschungen fort.

Focko Weberling wurde von verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften und Organisationen geehrt. Er wurde 1978 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, seit 1983 ist er korrespondierendes Mitglied der Königlichen Niederländischen Botanischen Gesellschaft. 1983 erhielt er die Medaille der Akademie der Wissenschaften von Cordoba (Argentinien) und bekam zur selben Zeit den Status eines Visiting Professors an der Universidad Litoral Santa Fe. Focko Weberling ist Mitherausgeber verschiedener botanischer Zeitschriften. Seit 1978 ist er Mitglied des Editorial board der »Flora« (Halle) und von »Plant Systematics and Evolution« (Wien). 1988 wurde er Mitglied des Editorial boards von »Blumea« (Leiden), und seit 1982 ist er einer der drei Herausgeber der »Beiträge zur Biologie der Pflanzen«.

Kollegen, Freunde, ehemalige und heutige Schüler haben ihm anläßlich seines Geburtstages Publikationen gewidmet, die im Gegensatz zu den sonst üblichen Verspätungen bei Festschriften pünktlich zu seinem Geburtstag in der angesehenen Zeitschrift »Feddes Repertorium« (Berlin) erschienen sind. Die Autoren und viele andere, die nicht in diesem Band repräsentiert sein konnten, wünschen dem Jubilar viele weitere glückliche und erfolgreiche Jahre sowohl in der Forschung als auch in seiner Familie.
Thomas Stützel

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Der Aktuar - Beruf im Aufwind

Über einen Vertiefungsschwerpunkt der Ulmer Wirtschaftsmathematik

Wirtschaftsmathematiker, zumal dann, wenn sie sich auf den Ausbildungsweg »Aktuar« spezialisiert haben, brauchen sich in der Gegenwart um gut, zum Teil hervorragend dotierte Positionen in der Wirtschaft mit ausgezeichneten Aufstiegsmöglichkeiten nicht zu sorgen. Versicherungen, Banken, Bausparkassen, Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften befinden sich in einem harten Wettbewerb bei der Anwerbung solcher Fachleute.

Nach Erkenntnissen des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften an der Universität Ulm gilt dieser Befund für die Lebensversicherungswirtschaft am deutlichsten. Den Grund dafür liefert der Strukturwandel (Deregulierung) in dieser Branche, in der seit Juli 1994 freier Wettbewerb stattfindet. Vorher hatte das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen allen Lebensversicherungsunternehmen die Kalkulation der Beiträge einheitlich vorgeschrieben. Folge: für die gleiche Versicherungsleistung verlangten alle Unternehmen nahezu identische Preise. Im Zuge des neuen Preis-, Bedingungs- und Kostenwettbewerbs können die Unternehmen selbst kalkulieren. Das ist nicht ganz ungefährlich. Geht es doch darum sicherzustellen, daß die äußerst langfristig, oft über Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge im Sinne der Kunden auch tatsächlich und sicher erfüllt werden können.

Verläßliche Aussagen hierüber können aber nur besonders versierte Fachleute treffen. Deshalb schreibt das Gesetz vor, daß jedes Lebensversicherungsunternehmen einen »verantwortlichen Aktuar« zu bestellen hat. Er muß dafür Sorge tragen, daß die Rechnung auch langfristig aufgeht, daß alle Verträge auch langfristig erfüllt werden können. Eine Vielzahl unterschiedlichster Einflußfaktoren sind dabei zu berücksichtigen. So die Art, wie die Gelder der Versicherten angelegt werden, mit welchen Fristen und in welcher Form. Während der Aktuar in Ländern wie Großbritannien diese große Bedeutung schon seit langem hat - es gibt dort ca. 10.000 Aktuare - ist dies für Deutschland neu. Folglich geht diese neue Aufwertung des Spezialberufes Aktuar bei uns mit einem deutlichen Mangel an solchen Fachleuten einher.

Was muß man tun, um die Laufbahn des Aktuars einschlagen zu können? Hierzu hat die Deutsche Aktuarvereinigung präzise Ausbildungsanforderungen festgelegt. Insbesondere sind dafür spezifische Qualifikationsprüfungen abzulegen. Die Universität Ulm ist bisher die einzige deutsche Hochschule, die Aktuarwissenschaften innerhalb des Studiengangs Wirtschaftsmathematik anbietet und es damit den Studenten ermöglicht, die Prüfungen im aktuariellen Grundwissen bereits während des Studiums abzulegen - ohne Verlängerung des Studiums, wenn die Studenten den Vertiefungsschwerpunkt Finanzdienstleistungen/Aktuarwissenschaft wählen. Der Ulmer Studiengang Wirtschaftsmathematik wurde schon früh als Basis für eine solche Spezialisierung ausgerichtet.

Zusätzlich schreibt die Deutsche Aktuarvereinigung eine berufsbegleitende Qualifikationsprüfung vor, die erst nach Abschluß des Diploms und einigen Jahren praktischer Erfahrung abgelegt werden kann. Auch hierfür hat die Universität Ulm vorgesorgt: sie bietet Kurse zur beruflichen Weiterbildung an. Das war sie auch ihren vielen, heute vorwiegend in der Versicherungswirtschaft tätigen Absolventen schuldig, die Bedarf an solchen Qualifizierungsmöglichkeiten anmeldeten. Zu diesem Zweck wurde an der Universität Ulm das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften gegründet. Mit seiner satzungsgemäßen Aufgabe der beruflichen Weiterbildung von Aktuaren ist es das einzige Institut dieser Art in Deutschland.

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Doch keine Zyniker

Posterpreis für Ulmer Studie über Arzt, Patient und Todesangst

Folgt man medizinpsychologischen und -soziologischen Untersuchungen der vergangenen Jahre aus Deutschland und Amerika, so mutieren Medizinstudenten im Verlauf ihrer Ausbildung von freundlichen, aufgeschlossenen Menschen zu ungeselligen Zynikern. Zumindest die Ulmer Nachwuchsmediziner scheinen eine solche Entwicklung allerdings nicht zu durchlaufen. Für Prof. Dr. Helmuth Zenz, Leiter der Abteilung Medizinische Psychologie der Universität Ulm, Dr. Reiner Dahlbender, Abteilung Psychotherapie, und cand. med. Thorsten Hoffmann jedenfalls ergab sich aus einer Studie, die sie an je 250 Medizinstudenten des 3. und 10. Semesters durchgeführt hatten, »kein Anhaltspunkt dafür, daß Medizinstudenten des 10. Semesters zynischer sind als die Studenten des 3. Semesters«.

In ihrer Untersuchung hatten die Wissenschaftler ihre Probanden zwei Fragebögen ausfüllen lassen - einen zur Arzt-Patienten-Beziehung und einen zum Thema »Todesangst«. Das so gewonnene Datenmaterial werteten sie anschließend statistisch aus, verglichen die Häufigkeitsverteilungen der Antworten in beiden Teilnehmergruppen und setzten die Antworten der beiden Bögen zueinander in Beziehung. Demnach steht für beide Studentengruppen gleichermaßen der Patient im Mittelpunkt der therapeutischen Beziehung, beide Gruppen orientieren sich in ihrer Haltung an der ärztlichen Standesethik, und keine der beiden Gruppen nimmt die Konfrontation mit unheilbaren Patienten auf die leichte Schulter. Schwierigkeiten im Umgang mit Todkranken, auch das wurde in der Auswertung deutlich, stehen in engem Zusammenhang zur Angst des Mediziners vor dem eigenen Tod.

Auf dem gemeinsamen Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS), der vom 29. bis 31. Mai 1996 in Leipzig stattfand, haben die Ulmer ihre Resultate der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Ihr Poster »Medizinstudium - doch keine Ausbildung zum Zyniker«, mitgestaltet von der Ulmer Künstlerin Anna Eschenko, wurde dabei unter insgesamt 76 Posterbeiträgen mit dem 3. Preis ausgezeichnet.

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Zinsrisiko und Eigenkapitalunterlegung bei Finanzdienstleistern

Internationaler Ulmer Workshop über finanzielles Risikomanagement

An der Universität Ulm fand am 17. April 1996 ein internationaler Workshop zum Thema »Finanzielles Risikomanagement« statt. Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten dabei über die neuesten Konzepte zur Bewertung von Zinsrisiken. Der Wert eines gegebenen Wertpapierbestandes (Portfolios) zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt wird dabei als Zufallsvariable betrachtet, die von der in dieser Zeitspanne eingetretenen Zinsänderung abhängt. Welche Werte diese Größe mit welcher Wahrscheinlichkeit annimmt, ist mithin von grundlegender Bedeutung.

Was sind geeignete Risikomaße?
Das heute am meisten verwendete Risikomaß stellt der Value-at-Risk dar. Hierbei handelt es sich um den möglichen Wertverlust des Bestandes bei besonders ungünstigen Zinsverläufen (mathematisch gesprochen: zum Beispiel das 5%-Quantil der zugehörigen Verteilung). Allein ist er jedoch kein ausreichendes Maß zur Risikosteuerung. So bewies einer der Referenten, daß bei ausschließlicher Betrachtung des Value-at-Risk sogar ein Anreiz für Wertpapierhändler bestehen kann, riskantere Anlagestrategien zu wählen. Sinnvolle weitere Maße sind aus der Risikotheorie bekannt. Ein weiteres Ergebnis war die Feststellung, daß die Berechnung des Value-at-Risk unter extremen Szenarien wie etwa einem Börsen-Crash - quasi als Worst-case-Analyse - kein geeignetes Maß sein dürfte, um die Eigenkapitalunterlegung von Finanzinstituten zu definieren.

Einhellige Meinung aller anwesenden Experten war es, daß die von J.P. Morgan als »Risk-Metrics« öffentlich bereitgestellten Risikodaten für Wertpapiere, Währung etc. das einzige System sind, das zur Zeit eine aktuelle und ausreichend breite Datenbasis liefert, wie sie für eine fortlaufende Kontrolle im Kapitalanlagebereich in der Praxis notwendig ist.

Wie werden diese Konzepte bei Lebensversicherungen sinnvoll eingesetzt?
Die meisten betrachteten Konzepte wurden ursprünglich von Banken entwickelt und orientieren sich an der Beurteilung von Risiken in sehr kurzen Abständen. Ein allgemeines Konzept zur Anpassung an die Situation deutscher Lebensversicherer existiert bisher nicht. Dabei müßte folgenden Aspekten Rechnung getragen werden: dem großen Einfluß der Passiv-Seite auf die Gestaltung der Kapitalanlagen bei Lebensversicherern, dem eher langfristigen Charakter dieser Versicherungen sowie dem Einfluß der bilanziellen Vorschriften. Einer der Referenten erläuterte in seinem Vortrag eine Realisierung von Matching-Strategien für den Bereich der Rentenversicherung, wobei die Kapitalanlagen exakt auf die zu erwartenden Rentenzahlungen abgestimmt werden. Dabei werden diese Strategien in einem Profit-Test integriert, so daß hier erstmalig ein konkret einsetzbares und umfassendes Modell für die Aktiv-Passiv-Steuerung deutscher Lebensversicherungsprodukte vorgestellt wurde.

Der Workshop, der eine Reihe neuester Forschungsergebnisse erstmalig öffentlich diskutierte, erwies sich vor allem deshalb als sehr fruchtbar, weil er Fachleute aus verschiedenen Bereichen (Banken, Versicherungen, Risikotheorie u.a.) zusammenbrachte. Ganz konsequent ergeben sich mehrere neue Projekte zur Weiterentwicklung eines idealtypischen, realisierbaren Risikokonzeptes bei Finanzinstitutionen.
Dr. Hans-Joachim Zwiesler

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Sonstiges

Promotionen

zum Dr. med.
Silke ADLER
»Die Veränderung der Paardynamik nach der Geburt des ersten Kindes«
Safwat AL-DINEH
»Spinale intramedulläre Tumoren: Diagnose und Therapie«
Roland ASCHOFF
»Die körperliche und motorische Entwicklung frühgeborener Kinder mit einem Geburtsgewicht von 751-1000 Gramm«
Andreas BANNACH
»Ein neues, im ultravioletten Lichtbereich empfindliches Film-Folien-System im Vergleich zur digitalen Lumineszenz-Radiographie in der Diagnostik traumatologischer Knochenläsionen der Extremitäten«
Christine BECK
»Vergleichende immunologische und molekularbiologische Untersuchungen mitochondrialer Proteine der Hefen Candida albicans und Saccharomyces cerevisiae«
Heide BECKER
»Tierexperimentelle Untersuchung zu Hämodynamik und Metabolismus des Cerebrums im Endotoxinschock und anschließender Volumen-Substitutionstherapie mit 7,5 % NaCl/10 % Hydroxyäthylstärke-Lösung«
Daniela BENZ
»Vertikale bandverstärkte Gastroplastik nach Mason bei therapierefraktärer Adipositas permagna«
Mario BERGNER
»Retrospektiver Vergleich der Operationsergebnisse von konventionellen Herniotomie-Techniken mit dem laparoskopischen Bruchpfortenverschluß«
Robert BODENBURG
»Quantifizierung des Knochenmineralgehaltes der Lendenwirbelsäule mittels Dual-Energy-X-Ray-Absorptiometry bei knochengesunden deutschen Frauen und Männern«
Andreas BREUNINGER
»Die Innervation der Appendix bei akutem und chronischem rechtsseitigem Unterbauchschmerz - eine immunhistochemische Studie«
Julia BUNDSCHU
»Stellenwert des Interleukin-6 für die Früherkennung bakterieller Infektionen bei Neugeborenen«
Martin DRAEGER
»Untersuchung über die Ergebnisse der modifizierten Eden-Hybinette-Operation bei habitueller Schulterluxation«
Ruth DÜRR
»Etablierung und Wertigkeit einer nicht-radioaktiven RFLP-Technik (Restriktions-Fragment-Längen-Polymorphismus) zum molekulargenetischen Chimärismus-Nachweis nach allogener Knochenmarktransplantation«
Oliver EBERHARDT
»Heutiger Stand der Endoprothetik im oberen Sprunggelenk-Modell einer neuen Sprunggelenkprothese«
Birgit EIBECK
»Okuläre Hämodynamik bei verschiedenen Glaukomformen - eine Studie mit dem OBF-System nach Langham«
Marcus ESSER
»Klinische Untersuchung zum Stellenwert eines pulsoximetrischen Monitorings in der Prähospitalphase bei Traumapatienten mit assoziierter Thoraxverletzung«
Stephan FERNER
»Rasterelektronenmikroskopische Untersuchung des Endometriums nach Stimulation mit Follikel-stimulierendem Hormon im Rahmen der In-vitro-Fertilisation«
Helmut FLEISCHER
»Die standardisierte Sonometrie in der Diagnostik der antero-lateralen Sprunggelenksverletzung«
Ralf GNANN
»Der anatomische allogene Bandersatz mit einer Carbonfaser-Bandplastik bei chronischer Instabilität am oberen Sprunggelenk - Ganganalyse, klinische, radiologische und sonographische Ergebnisse nach 6 Jahren«
Isabelle GÖTZ
»Erfahrungen in der Korrektur kongenitaler gastrointestinaler Mißbildungen zwischen 1982-1992«
Stefan GRAMMER
»Eine Langzeitbeobachtung nach extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie bei Hochrisikopatienten mit kompliziertem Gallengangsteinleiden«
Angela HAGEMANN
»Traumabedingte Kompressionssyndrome peripherer Nerven an der oberen Extremität«
Anke HARTMANN
»In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen hautablativer Effekte durch gepulste Mittelinfrarotlasersysteme«
Stephan HARTMANN
»Dokumentation und Evaluation von Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention im betrieblichen Umfeld: Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung anhand einer repräsentativen Stichprobe«
Kathleen HERKOMMER
»Untersuchungen zur DNA-schädigenden Wirkung von Cyclophosphamid in vitro und in vivo mit der Einzelzell-Gel-Elektrophorese-Technik«
Florian HILGER
»Späte Auswirkungen der Anthracyclin-Behandlung im Kindesalter auf die Funktion des Herzens - Untersuchungen mit dem Schwerpunkt Echokardiographie in Ruhe und unter körperlicher Belastung«
Gertraud HILLER
»Die Hepatitis-B-Schutzimpfung bei Ulmer Medizinstudenten: Einflußfaktoren auf den Impferfolg«
Stephan HOCHDÖRFER
»Nachweis und Charakterisierung von spontanen und therapieinduzierten IL-2-Antikörpern«
Bärbel HOHL
»Regulation der Thyrotropin- und Prolaktin-Sekretion bei stillenden und nichtstillenden Frauen«
Oliver HOLBEIN (summa cum laude)
»In-vitro-Untersuchungen zu den zellulären und systemischen Effekten der mechanischen Gewebedehnung bei der Kallusdistraktion nach Ilizarov«
Ulrike KÖNIGBAUER
»Einsatz der farbcodierten Dopplersonographie der Arteria uterina in der Reproduktionsmedizin«
Werner KOLPIN
»Rehabilitationsmaßnahmen - ihre Effektivität aus arbeitsmedizinischer Sicht«
Michael KRATZ
»Das Affektive Diktionär. Zur Funktion von Verben in der computergestützten Analyse des affektiven Vokabulars«
Stephan MIERDL
»Der immunhistochemische Nachweis der Angiogenese im zur indirekten Myokardrevaskularisation frei auf das Herz transplantierten Skelettmuskellappen beim Hund unter Verwendung von monoklonalen Antikörpern gegen Faktor VIII/von-Willebrand-Faktor«
Waldemar MOROS
»Tardive Dyskinesien bei neuroleptisch behandelten Langzeitpatienten mit endogenen Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis«
Thomas MÜCKLEY
»Ergebnisse der Lavage und des Debridements in der Therapie des Knorpelschadens«
Sven MUSPACH
»Untersuchungen an Probanden zur Wirkung von Ketanest S(+)-Ketamin und R(-)-Ketamin bei i.v.-Gabe in analgetischer Dosierung«
Georg OPATSCHEK
»Nutzen der Doppler-Echokardiographie auf der internistischen Aufnahme-/Intensiv-Station in der Diagnostik und Therapie der Lungenembolie«
Victoria ORTH
»Veränderungen der Beta-Rezeptoren-Dichte auf Lymphozyten von Notfallpatienten mit Angina pectoris und Myokardinfarkt«
Martin PRANTL
»Der Einfluß des HLA-DPB1-Gens auf die gemischte Lymphozytenkultur«
Andreas PROBST
»Häufigkeit der tiefen Beinvenenthrombose im stationären Patientengut und Inzidenz der Lungenembolie im Rahmen von Thrombolyse und Thrombektomie«
Maritta SAUTER
»Cholesterin- und Triglyceridwerte bei Depression - eine Untersuchung bei stationären schwer- und schwerstdepressiv kranken Patienten der Weißenauer Depressionsstation«
Anne STEINLE
»Wertigkeit von Pankreas-spezifischem Protein bei humaner akuter Pankreatitis und simultaner Pankreas-Nieren-Transplantation«
Petra STIMM
»Anwendbarkeit von Vollblutproben auf den Reagenzträger-Plättchen des Analysensystems Kodak Ektachem«
Ute SULZBACH
»Untersuchung zu Körperzusammensetzung, Somatomedin-C, Blutdruck und Androgenen bei Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus
Bettina TOPOLL
»Metabolische Folgen nach Transformation langstreckiger Ileum-Abschnitte in eine Neoblase als Blasenersatz«
Nicole TRUMPP
»Welchen Einfluß besitzt der Raucherstatus der Frau auf ihre Fertilität? Eine Untersuchung im IVF/ET-Programm«
Eva TÜRK
»Kammerwasserabfluß- und Kammerwasser-Produktionsmessung mit der Okulopressionstonometrie«
Anne VOELLNER
»Gewalttätigkeit bei Schizophrenen - Krankheitsfolge oder Fortsetzung prämorbider Verhaltensauffälligkeiten - eine Studie an 26 schizophrenen Gewalttätern im Maßregelvollzug«
Uta VÖLTER
»Streßinduzierte Cortisolausschüttung erhöht die Stapediusreflexschwelle«
Michael WENNRICH
»Untersuchungen zur Frage von Depressivität bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit«
Silke WITT
»Atemarbeit und Pressure-Time-Product bei der Entwöhnung vom Beatmungsgerät unter Biphasic Positive Airway Pressure im Vergleich zu Assisted Spontaneous Breathing«
Andrea WITTEK
»Die körperliche und motorische Entwicklung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht < 750 Gramm«
Ina ZIZMANN
»Einfluß uteriner Motilität und Durchblutung auf die Implantation nach In-vitro-Fertilisation und Embryotransfer - eine vaginalsonographische Studie«
zum Dr. med. dent.
Martina BECKMANN
»Veränderungen des Serumspiegels von Wachstumshormon-bindendem Protein durch Gewichtsreduktion bei adipösen Jugendlichen«
Christian SEBACHER
»Qualitative und quantitative Analyse von Aminosäuren und deren Metaboliten im Liquor cerebrospinalis und Serum bei Patienten mit Amyotrophischer Lateralsklerose im Vergleich zu einer Kontrollgruppe unter Anwendung der Hochleistungs-Flüssigkeits-Chromatographie«
Milana STRÖBELE
»Frequenzanalyse von Stridorgeräuschen des oberen Luftweges im Bereich der Trachea und der Glottis«
Venia legendi
für das Fachgebiet Experimentelle Medizin: PD Dr. med. Andreas NÜSSLER, Sektion Chirurgische Forschung (Habilitationsthema: »Induktion, Expression und Regulierung der induzierbaren Stickstoffmonoxidsynthase in der Leber und isolierten Hepatozyten«)

Ruf erhalten

auf die C4-Professur für Kinderheilkunde II (Nachfolge Prof. Dr. Enno Kleihauer) der Universität Ulm: PD Dr. Klaus-Michael DEBATIN, Heidelberg
auf eine C3-Professur für Psychotherapie der Universität Ulm: PD Dr. Friedemann PFÄFFLIN, Abt. Psychotherapie
auf eine C3-Professur für Medizinische Psychologie der Universität Köln: PD Dr. Volker TSCHUSCHKE, Abteilung Psychotherapie

Ruf angenommen

auf die C3-Professur für Versuchstierkunde, verbunden mit der Leitung der Zentralen Tierversuchsanlage, der Universität Ulm: Prof. Dr. Burghart JILGE, Zentrale Tierversuchsanlage
auf eine C3-Professur für Datenbanken und Informationssysteme der Universität Ulm: Dr. Wolfgang KLAS, Darmstadt
auf eine C3-Professur in der Abteilung Organische Chemie I der Universität Ulm: Prof. Dr. Hans-Ullrich SIEHL, Tübingen

Bestellungen, Ernennungen,Verleihungen

zum Wissenschaftlichen Assistenten
Dr. Eckhard KAUFMANN, Abt. Biochemie

Gewählt

zum Präsidenten der International Society for Holter Monitoring and Noninvasive Electrocardiology (ISHNE): Prof. Dr. Vinzenz HOMBACH, Abt. Innere Medizin II

25Jähriges Dienstjubiläum

Ausgeschieden

Hans-Joachim SCHNEEBERG, Zentrale Universitätsverwaltung

Gestorben

Lucia Salis MARINO, Universitätsbibliothek

Ergebnisse der Gremienwahlen 1996

Am 21., 22. und 23. Mai fanden an der Universität Ulm die Gremienwahlen 1996 statt. Für den Großen Senat wurde in allen Gruppen gewählt (Professoren, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Sonstige Mitarbeiter und Studenten). Die Studenten bestimmten darüber hinaus ihre Vertreter im Senat und in den Fakultätsräten.
Großer Senat
1. Professoren
Dr. Wilhelm Gaus, Dr. Ingrid Reisert, Dr. Hans-Karl Bodenseh, Dr. Wilhelm Forst, Dr. Franz Schweiggert, Dr. Uwe Bernd Brückner, Dr.-Ing. Hermann Schumacher, Dr. Elisabeth Kohne, Dr. Hartmut Jex (Wahlbeteiligung: 46,8%)
2. Wissenschaftliche Mitarbeiter
Dr. Ulrike Vorhauer, Stefan Traub, Dr. Ulrich Reuter (Wahlbeteiligung: 7,4%)
3. Sonstige Mitarbeiter
Beate Mendler, Karin Weber, Peter Schönberger (Wahlbeteiligung: 3,1%)
4. Studenten
Tobias Bezler, Markus Klingler, Joachim Beck (Wahlbeteiligung: 22,4%)
Senat (nur Studenten)
Andreas Frank, Gert Liffers (Wahlbeteiligung: 22,4%)
Fakultätsräte (nur Studenten)
1. Fakultät für Naturwissenschaften
Armin Schöch, Stefan Keppeler, Eva Klopocki (Wahlbeteiligung: 16,4%)
2. Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften:
Astrid Hopfensitz, Stephan Hirsch, Rainer Schmidt (Wahlbeteiligung: 22,0%)
3. Medizinische Fakultät:
Tobias Bezler, Sarah Weber, Sarah Eckhoff (Wahlbeteiligung: 17,2%)
4. Fakultät für Ingenieurwissenschaften:
Sybille Holzwarth, Stephan Ertl, Dietmar Steidl (Wahlbeteiligung: 30,9%)
5. Fakultät für Informatik:
Bernhard Witt, Eva Wieser, Jürgen Nagler (Wahlbeteiligung: 46,4%)

Die Amtszeit der gewählten Gremienmitglieder beginnt am 1. Oktober 1996 und endet am 30. September 1998, für die studentischen Verteter bereits am 30. September 1997.

Gäste


[ INHALT ]


Juli 1996