Uni Ulm Intern Oktober 1997





Mit HORIZON zu neuen Horizonten

Die virtuelle Bibliothek nimmt Gestalt an

Mit der Verfügbarkeit leistungsfähiger Netze sowie der fortschreitenden Entwicklung digitaler Übertragungs- und Speichertechniken steht das klassische Bibliothekswesen vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Vision einer zukünftigen Bibliothek weist klar in die Richtung einer virtuellen Bibliothek, die der Benutzer nicht mehr zwangsläufig physikalisch betreten muß. Er kann auf die Bestände jederzeit von beliebigem Ort über ein lokales Netz oder das Internet zugreifen. Elektronische Informationssysteme werden in Bibliotheken zwar schon seit Jahren eingesetzt, allerdings zumeist nur für die effizientere, leichtere Abwicklung bibliothekarischer Arbeiten und für Recherchen im OPAC (Online Public Access Catalogue). Bei vielen elektronischen Bibliothekssystemen ist aber zumindest ein Internetzugang via Telnet oder WWW realisiert, mit dem der Benutzer auf den OPAC und sein Benutzerkonto Zugriff erhält. Damit ist es möglich, Recherchen, Bestellungen, Vormerkungen und Verlängerungen selbständig vorzunehmen. Die meisten größeren Bibliotheken bieten heute diese Basisfunktionalität, wobei die eingesetzten Systeme jedoch miteinander nicht oder nur sehr eingeschränkt kompatibel sind.
Ein erster Schritt zur Angleichung der in den Bibliotheken verwendeten Datenverarbeitungssysteme wurde mit der Entscheidung des Landes Baden-Württemberg für das neue landeseinheitliche Lokal- und Verbundsystem HORIZON der Firma Dynix, einer Tochtergesellschaft der Ameritech Library Systems, vollzogen. Andere Bundesländer wie beispielsweise Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch das DBI (Deutsches Bibliotheksinstitut) in Berlin werden dasselbe System einführen. Die landesweite Implementierung des neuen Systems muß bis zum Jahre 2001 abgeschlossen sein.
Für Ulm bedeutet die Einführung von HORIZON eine besonders große Umstellung und zugleich einen weiten Schritt nach vorn, denn bislang besaß die Universitätsbibliothek - als einzige im Land - noch überhaupt kein eigenes Bibliothekssystem. Die Gründe für diesen Mißstand liegen außerhalb der Universität selbst. Noch immer werden Zettelkataloge verwendet, und die Ausleihe erfolgt manuell über Leihscheine. Dieses Prozedere ist unkomfortabel, zeitaufwendig und »verschenkt« die Möglichkeiten des heutigen EDV-Standards. Die Katalogisierung der Bestände wird über den SWB (Südwestdeutscher Bibliotheksverbund) in Konstanz durchgeführt, die Recherchen in den meistbenötigten Datenbanken SWB, DBI und ZDB erfolgen über Telnetverbindungen.
Für die Benutzer beschränkte sich die Präsenz der Universitätsbibliothek Ulm im Internet bis vor kurzem ausschließlich auf einen terminalbasierten OPAC, der auf einem Konstanzer Server betrieben wird. Weitere Dienstleistungen hinsichtlich der Nutzung elektronischer Medien bot die Bibliothek nur an wenigen Benutzerarbeitsplätzen in den verschiedenen Bereichsbibliotheken, zumeist in Form von CD-ROM Datenbanken (Science Citation Index, Current Contents, Medline, WISO etc.). Das Fehlen dedizierter Server und der Einsatz veralteter Betriebssystem- und Applikationssoftware setzte der Vernetzung der PCs und der Nutzung von Internet-Diensten enge Grenzen. Ein integriertes Gesamtkonzept für die EDV war nicht vorhanden.
Umfang und Charakter der im Zuge der Einführung eines neuen Bibliothekssystems erforderlich werdenden Aktivitäten bedingen ein spezielles Know-how, das die Universitätsbibliothek naturgemäß nicht bereitstellen bzw. innerhalb der verfügbaren Zeit nicht aufbauen kann. Die Beteiligung anderer Einrichtungen der Universität war daher erforderlich. Anfang 1996 wurde LOMI, dem Lehrstuhl für Organisation und Management von Informationssystemen (Leiter Prof. Dr. Hans Peter Großmann) in Abstimmung mit der Universitätsbibliothek die Leitung und Koordinierung des umfangreichen Vorhabens übertragen. Als Projektleiter sowie für die Gesamtkonzeption zeichnet Dr. Franz Bitter verantwortlich, für das Systemmanagement und die Implementierung Dipl.-oec. Guido Hölting (beide LOMI).
In der Bibliothek wurde eine Projektgruppe ins Leben gerufen, deren Aufgabe es insbesondere sein sollte, das spezifisch bibliothekarische Know-how beizusteuern, das bereits bei der Planung des neuen Systems, vor allem aber in der Phase des Customizing einfließen muß. Zusammen mit den LOMI-Mitarbeitern wurden in dieser Projektgruppe auch die internen Arbeitsabläufe in der UB analysiert und bewertet sowie anschließend in das Bibliothekssystem abgebildet. Das vom LOMI erarbeitete Migrationskonzept sieht für das Gesamtprojekt drei Phasen vor.

Phase 1
Eine anfängliche Bestandsaufnahme der computertechnischen Ausstattung der Bibliothek machte deutlich, daß mit den verfügbaren Geräten die Einführung des neuen Bibliothekssystems HORIZON nicht möglich sein würde. HORIZON erfordert als Betriebssystemplattform entweder OS/2 oder Windows NT. Für beide Plattformen war die vorhandene Hardware ungeeignet. Ein erster Schritt auf dem Weg zum Einsatz von HORIZON mußte daher zwangsläufig der Aufbau einer zeitgemäßen Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sein, die eine einheitliche Basisfunktionalität (Office Produkte, Email, WWW, Filesharing etc.) an allen Bildschirmarbeitsplätzen zur Verfügung stellt. Im HBFG-Verfahren wurden insgesamt 65 leistungsfähige Arbeitsplatzrechner als Clientsysteme sowie zwei große und ein kleinerer Server beschafft. Bei den beiden großen Servern handelt es sich um HP-Maschinen des Typs Netserver LHpro mit jeweils zwei Pentium-Pro-Prozessoren und externem RAID-System (Redundant Array of Independent Disks). Die Clients sind durchweg mit Pentium-133-Prozessoren, 32 MB RAM, 2-GB-Festplatten und hochauflösender, flimmerfreier Highcolor-Grafik ausgerüstet. Die Leistung ist so bemessen, daß hier später auch Multimedia-Anwendungen möglich sind. Beim Betriebssystem fiel die Wahl auf Windows NT, das einheitlich auf allen Geräten eingesetzt wird. Logisch zusammengefaßt werden die 65 Workstations und drei Server zu einer NT-Domain, die unter einem gemeinsamen Security-Kontext systemweite Services zur Verfügung stellt. Die weiträumige Verteilung der Standorte auf insgesamt neun Bereichsbibliotheken und die Zentrale in Wiblingen sowie die teilweise nur mit ISDN realisierte Netzanbindung mit max. 128 kbit/s (Wiblingen, Hochsträß), stellten an die Systemkonzeption besondere Anforderungen. So stand von vornherein fest, daß aufgrund der Zergliederung in multiple Subnetze nur TCP/IP als Netzwerkprotokoll in Frage kommt. Außerdem wurde eine der Servermaschinen direkt in Wiblingen aufgestellt, um die dortigen User weitgehend ohne Inanspruchnahme der schmalen ISDN-Anbindung bedienen zu können. Die Planung sieht vor, die Bandbreite hier möglichst schnell, etwa durch eine ATM-Richtfunkstrecke, zu vergrößern, so daß die beiden Server gegebenenfalls zu einem am Oberen Eselsberg angesiedelten Cluster mit hoher Ausfallsicherheit zusammengeführt werden können.

Die Bibliotheksbenutzer profitieren indirekt von dieser modernen Infrastruktur, weil dadurch die bibliothekarische Arbeit schon jetzt effizienter erledigt werden kann, aber auch direkt, da eine Anzahl der neuen Geräte zum öffentlichen Gebrauch in den Bereichen vorgesehen ist und dann auch die gängigen CD-ROM-Datenbanken anbieten. Längerfristig ist die Einrichtung eines zentralen CD-ROM-Servers ähnlich dem System Infobase an der Universität Freiburg geplant, womit diese Dienstleistungen dann campusweit verfügbar gemacht werden können. Durch die Zentralisierung des Angebots sind außerdem für die Universität Einsparungen bei den Lizenzkosten zu erwarten, da eine ganze Anzahl von CD-ROM-Datenbanken mehrfach abonniert ist, ohne daß dies durch eine entsprechende Nutzung gerechtfertigt wird. Für die Einrichtung eines solchen zentralen Servers liegt dem Verwaltungsrat der Universität bereits ein entsprechender Antrag von URZ/LOMI vor. Bislang wurden dafür DM 20.000 bewilligt, was aber in Anbetracht des erforderlichen Investitionsvolumens von ca. DM 390.000 nur ein Anfang sein kann.
Mit dem Aufbau des NT-Systems sind umfangreiche Mitarbeiterschulungen auf das neue Betriebssystem und die darauf eingesetzte Anwendungssoftware verbunden. Diese Schulungen wurden vom LOMI in Zusammenarbeit mit Unirechenzentrum und Unibibliothek durchgeführt. Bestandteil der Phase 1 ist auch die Inbetriebnahme eines Infoservers, der zunächst mit einem eigenen WWW-Angebot der UB an die Öffentlichkeit geht. Dieser Dienst ist seit Anfang Juli unter der URL http://www.bibliothek.uni-ulm.de erreichbar. Phase 1 des Gesamtprojekts wurde Ende Juli erfolgreich abgeschlossen.

Phase 2
Mit der Inbetriebnahme der NT-Domain wurde die infrastrukturelle Voraussetzung geschaffen, um in der zweiten Phase den Datenbankserver inclusive eines Backupsystems zu beschaffen. Als Produktionsmaschine ist eine HP 9000-D370/2 mit zwei PA8000 RISC-Prozessoren, 512 MB RAM und FDDI-Netzwerkinterface vorgesehen, als Test- bzw. Backupsystem eine HP 9000-D370/1 mit nur einem Prozessor, ansonsten aber identischer Ausstattung. Beide Maschinen greifen auf ein gemeinsames RAID (HP Disk Array AutoRAID 12) mit insgesamt 24 GB Plattenplatz zu. Die Hardware wurde bewußt großzügig dimensioniert, um eine ausreichende Performance auch bei den zu erwartenden steigenden Anwendungsumfängen der nächsten Jahre gewährleisten zu können. Die Wahl für das Betriebssystem fiel auf HP-UX 10.2., das derzeit bei Mission-critical-Anwendungen noch Vorteile gegenüber einer NT-Lösung aufweist. Nach Inbetriebnahme der Server und Konfiguration der HORIZON-Datenbank (auf Basis Sybase) durch die Firma Dynix werden die im Verbund in Konstanz gelagerten Ulmer Katalogdaten (ca. 300.000 Titelsätze, 700.000 Bände) zusammen mit bereits vorhandenen Benutzerdaten aus der Universitätsverwaltung konvertiert und importiert. In dieser kritischen Phase müssen auch alle internen Abläufe der Bibliothek auf das EDV-System abgebildet werden, was eine sehr enge Kooperation zwischen Mitarbeitern des LOMI, der UB und der Firma Dynix erfordert. Es ist geplant, bereits zu Beginn des Wintersemesters 1997/98 in einem Testbetrieb die Basiskomponenten OPAC (über WWW) und Ausleihe mit dem neuen System abzuwickeln. Ulm wird damit als erste Universität des Landes eine Pilotinstallation von HORIZON Version 4.2 in Betrieb nehmen und dann im Verlauf des Jahres 1998 auf die endgültige Version 5.1, die zur Zeit entwickelt wird, umstellen. Für die Bibliotheksbenutzer entfällt künftig die Notwendigkeit, einen Leihschein auszufüllen: Mitarbeiter der Universität erhalten einen eigenen Bibliotheksausweis mit Barcode, bei Studenten wird der Barcode auf den Semesterausweis geklebt.

Phase 3
Nach mehrmonatigem Testbetrieb der Pilotinstallation wird auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen die Konfiguration des Bibliothekssystems erforderlichenfalls überarbeitet bzw. optimiert. Anschließend werden schrittweise weitere Systemkomponenten (Katalogisierung, Fernleihe etc.) installiert und in den Produktionsbetrieb übergeführt. Neben dem OPAC wird dann auch das eigene Benutzerkonto über einen WWW-Browser zugänglich sein, womit Bestellungen, Verlängerungen, Vormerkungen etc. in Eigenregie durchgeführt werden können. Nach Abschluß der dritten Phase, mit dem etwa Mitte 1998 zu rechnen ist, wird die UB Ulm über die modernste Informations- und Kommunikationsinfrastruktur im Land verfügen. Damit sind optimale Voraussetzungen gegeben, in Zukunft verstärkt elektronische Dienstleistungen (Online-Zeitschriften/Bücher, Datenbanken, Informationsdienste) zu erbringen und das System zu einem späteren Zeitpunkt eventuell mit lokalen oder an anderen Universitäten des Landes angesiedelten Medienservern zu verknüpfen. LOMI kann bei der Integration derartiger Dienste selbst auf eigene Projekterfahrungen zurückgreifen und wird die Fortschreibung des Bibliothekssystems aktiv und konzeptionell begleiten. So wurde beispielsweise unter der Leitung des Lehrstuhls ein Empfehlungspapier für die Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg erarbeitet, das die Nutzungsmöglichkeiten und Nutzungsmodelle elektronischer Medien untersucht. Außerdem wirkt LOMI in der vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eingesetzten Arbeitsgruppe Zukunftsoffensive Baden-Württemberg - Programmteil Wissenschaftliche Bibliotheken beratend mit.
Eine weitere Veränderung steht mit dem bereits in einem fortgeschrittenen Planungsstadium befindlichen Neubau der Universitätsbibliothek bevor. Baubeginn soll Anfang 1998 sein. Um schon jetzt einen Blick auf und vor allem in das neue Bibliotheksgebäude werfen zu können, wird vom LOMI (Dipl.-Phys. Bernd Richter und Dipl.Des. Bernd Aumann) in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Hochbau- und Universitätsbauamt Ulm (StHUBA, Heinrich Raubold) derzeit an einer animierten 3D-Visualisierung auf Basis der Architektenpläne gearbeitet. Der Film (Quicktime Movie) und einige Standbilder können unter der URL http://lomi.e-technik.uni-ulm.de/bibliothek abgerufen werden.
(Eine ausführlichere Fassung dieses Textes sowie Referenzen zu anderen Aktivitäten des LOMI werden über den WWW-Server des Lehrstuhls (http://lomi.e-technik.uni-ulm.de) zur Verfügung gestellt.)

Dr. Franz Bitter und Guido A. Hölting

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Im Verein am schönsten

»BioRegio Ulm« gegründet

Der Traum von einer (BMBF-)»Biotechnologie-Region Ulm« hat sich nicht erfüllt, aber was in Ulm und im Alb-Donau-Kreis an Arbeit, Zeit und Geld in den 1996 vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) ausgeschriebenen BioRegio-Wettbewerb an Arbeit, Zeit und Geld investiert wurde, soll langfristig trotzdem Früchte tragen: Am 23. Juli 1997 gründeten Ulm und Laupheim, Neu-Ulm und Biberach mit ihren Landkreisen, der Alb-Donau-Kreis, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm, die Firmen Dr. Karl Thomae GmbH (Biberach), Dr. Rentschler Arzneimittel GmbH (Laupheim), Merckle GmbH (Ulm), Labor Koch - Dr. Merk GmbH (Ochsenhausen), Carl Zeiss GmbH (Oberkochen), die Grünau Illertissen GmbH sowie die Universität Ulm gemeinsam den BioRegioUlm-Förderverein Biotechnologie e.V., kurz »BioRegio Ulm e.V.«. Mitglieder können Körperschaften des öffentlichen Rechts und natürliche und juristische Personen und Personengesellschaften werden, die auf dem Gebiet der Biotechnologie tätig sind. Gemeinsam will man regionale Aktivitäten anschieben und zur Marktreife bringen. Als Geschäftsführender Vorstand zeichnet Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. Seine Stellvertreter sind Prof. Dr. Hans Wolff, Rektor der Universität Ulm, und Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner. BioRegio Ulm e.V. wird zu 50% aus Bundesmitteln finanziert, mit der Maßgabe, daß die Region ihrerseits die verbleibende Hälfte aufbringt.

Eine lange Liste von Zielen und vordringlichen Aufgaben ist Teil der Vereinssatzung. Sie sieht die Initiierung und Begleitung von Gemeinschaftsprojekten und Kooperationen zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ebenso vor wie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Existenzgründer werden sich Rat holen können, man will Tagungen und Workshops, Aus-, Fort- und Weiterbildung anbieten und ein Marketingkonzept (einschließlich Messepräsentationen und Ausstellungen) entwickeln, das unter anderem Kapitalanlegern die Beteiligung und auswärtigen Firmen eine Niederlassung im Ulmer Raum schmackhaft machen soll. Die Koordinierungsstelle, geleitet von Dr. Gabriele Gröger, betreut Kooperationspartner, informiert Gründungsinteressierte über Fördermöglichkeiten und vermittelt Biotech-Partner.

Produkt sucht Anwendung
Als einer von drei Hauptschauplätzen der technologischen und wirtschaftlichen Zukunft gilt weltweit die Biotechnologie, neben Informationstechnologie und neuen Materialien. Die regionale Wirtschaft hat hier schon vorgelegt: Biotech-Produktionsstätten sind im Wirkungsbereich des neuen Vereins stark repräsentiert in Gestalt der Firmen Dr. Thomae und Dr. Rentschler, zweier namhafter Hersteller von insgesamt 5 in ganz Deutschland.

Regionale Spezialität der Biotechnologen sind medizinische Projekte, wobei in der aktuellen Forschung das Produkt der Anwendung vorausgeht, das heißt: erst ist die Entwicklung da, dann denkt man nach, wofür sie gut ist. Eine Reihe neuer Firmen ist im Ulmer Raum während der letzten Jahre auf dieser Basis entstanden, weitere sollen mit Unterstützung durch BioRegio Ulm e.V. folgen. Noch bremst oft der hohe Kapitalbedarf den biotechnologischen Unternehmergeist - ein Umstand, dem die »Zukunftsoffensive Junge Generation« des Landes Baden-Württemberg begegnen soll. Aus deren Mitteln werden im Ulmer Raum bereits neue Kooperationsprojekte für Bio-Chip-Arrays, Diabetes-Diagnostika und photodynamische Therapieformen mit einem Fördervolumen von rund 2 Mio. Mark unterstützt, was allerdings als eher zaghafte Investition bezeichnet werden muß.

Die zweite aktuelle Hauptschwierigkeit ist OB Gönner zufolge »mehr atmosphärischer« Art und betrifft nicht nur die Region Ulm, sondern Deutschland als Ganzes: die Biotechnologie braucht bessere Rahmenbedingungen und höhere öffentliche Akzeptanz, wenn Deutschland gegenüber der internationalen Konkurrenz bestehen will. Als führend in Europa gelten derzeit die Briten, die über ein Mehrfaches an Produktionsstätten und über entsprechend qualifizierte Forscher verfügen. Weltweit an der Spitze liegen die USA. Für die baden-württembergischen und die übrigen deutschen Biotech-Regionen ist daher nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kooperation geboten: untereinander, mit der »BioTechnologieAgentur« in Karlsruhe, mit dem BMBF, mit den zuständigen Ministerien, Ämtern und, was Genehmigungsverfahren betrifft, Regierungspräsidien.

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Augenbewegungen betont interdisziplinär

9th European Conference on Eye Movements

Neurobiologen, Physiologen, Mediziner, Ingenieure, Informatiker und experimentelle Psychologen, ganz unterschiedliche Fachrichtungen also sind in der Okulomotorik gefragt, dem wissenschaftlichen Arbeitsgebiet, das sich mit dem Bewegungsapparat der Augen beschäftigt. Rund 200 Vertreter dieser Disziplinen aus Europa, Nordamerika, Japan und Neuseeland/Australien, darunter auch Mitarbeiter von neun Firmen, die Geräte zur Registrierung und Auswertung von Augenbewegungen ausstellten, waren zur 9. Europäischen Konferenz über Augenbewegungen (ECEM) gekommen, die vom 23.-26. September 1997 an der Universität Ulm stattfand. ECEM-Konferenzen sind betont interdisziplinär ausgerichtete Veranstaltungen. Sie werden in zweijährigem Turnus an einem jeweils anderen europäischen Universitätsort durchgeführt.

Daß sich ein ganzer Wissenschaftszweig und mehrere Disziplinen mit einem scheinbar so einfachen Vorgang wie Augenbewegungen beschäftigen, beruht darauf, daß die Umsetzung von visuellen Wahrnehmungen in rasche und sehr präzise, gezielte Augenbewegungen einen außerordentlich komplexen Vorgang darstellt. Nahezu alle Areale unseres Gehirns sind in der einen oder anderen Form an der Erzeugung und Steuerung von Augenbewegungen beteiligt. Die Erforschung der zugrunde liegenden Gehirnfunktionen hat in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem dank einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Physiologen, Psychologen und Ingenieuren bedeutende Fortschritte gemacht. Dabei wurden zahlreiche Prinzipien der Informationsverarbeitung im Gehirn entdeckt, die sich auch für das Verständnis anderer Vorgänge als wichtig erwiesen haben.

Nahezu maschinenhaft
Bestimmte Formen von Augenbewegungen lassen nahezu maschinenhafte Regelmäßigkeit erkennen. Dies erklärt das Engagement von Physikern und Ingenieuren auf dem ihnen eigentlich fremden Fachgebiet der Okulomotorik. Schon in den 50er Jahren wurde die Vermutung geäußert, daß das Gehirn für die Augenbewegungen Methoden benutzt, die den in der Regelungstechnik verwendeten ähneln - eine Vermutung, von der man heute weiß, daß sie im Kern zutrifft.

Neben Themen der Grundlagenforschung behandelt ECEM angewandte Aspekte. Da an der Generierung von Augenbewegungen viele Gehirnareale beteiligt sind, führen zahlreiche neurologische Erkrankungen zu Augenbewegungsstörungen, die für den Kliniker von großem diagnostischem Interesse sein können. ECEM 9 widmete daher eine eigene Sitzung den klinischen Aspekten.

In besonders schweren Fällen völliger Lähmung können Augenbewegungen die einzige einem Patienten verbliebene Form willkürlicher Bewegungen sein und dazu benutzt werden, einen Computer zu bedienen, um so die Kommunikation mit der Umwelt zu ermöglichen. Auf der diesjährigen ECEM befaßten sich drei Beiträge allein mit diesem Thema.

Indikator für die Aufmerksamkeit
Neuerdings beschäftigt sich auch die Robotik mit der Steuerung von Augenbewegungen bzw. deren technischer Nachbildung, da die Aufgabe, eine Kamera präzise auf bestimmte Objekte auszurichten und sie ihnen im Bewegungsfall auch nachzuführen, ganz ähnliche Probleme aufwirft, wie sie von der Natur für die Augenbewegungen gelöst wurden.

Die Psychologie hat traditionellerweise ein Interesse an dem Thema: Augenbewegungen stellen einen einfach ablesbaren Indikator dafür dar, worauf die augenblickliche Aufmerksamkeit eines Menschen gerichtet ist. Von den Psychologen wird insbesondere die Rolle der Augenbewegungen bei der visuellen Wahrnehmung, beim Absuchen von Bildern nach bestimmten Merkmalen und beim Lesen von Text erforscht. Auch hierbei spannt sich der Bogen bis zu ganz praktischen Aspekten wie etwa der Frage, welche Details eines Werbeplakats die Aufmerksamkeit eines Betrachters besonders anziehen oder wie die Anzeigeinstrumente eines Bedienungspultes angeordnet sein müssen, damit sie möglichst leicht ablesbar sind.

Organisator der ECEM 9 war Prof. Dr. Wolfgang Becker, Leiter der Sektion Neurophysiologie der Universität Ulm. Die Sektion hat eine lange Forschungstradition auf dem Gebiet der Okulomotorik und frühzeitig die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Physiologen und Ingenieuren erkannt. Das Kongreßprogramm umfaßte sechs Übersichtsreferate sowie ca. 60 Vorträge und 100 Posterpräsentationen.

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Wunschpartner für die wissenschaftliche Kooperation von Recht und Medizin

Ehrendoktorwürde für Karlmann Geiß, Präsident des Bundesgerichtshofs

Das Medizinrecht hat für alle Bereiche der Krankenversorgung sowie der medizinischen Forschung und Lehre große Bedeutung gewonnen. In der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Mediziner wird dies jedoch noch kaum berücksichtigt. Zusammen mit dem Ulmer Studium generale hat deshalb die Medizinische Fakultät der Universität Ulm im Sommersemester 1997 eine Veranstaltungsreihe über aktuelle Entwicklungen des Medizinrechts durchgeführt. Die Vorträge umfaßten die Sterbehilfe, Strukturfragen der vertragsärztlichen Vergütung, den Beitrag des Rechts zur klinischen Forschung in der Medizin und aktuelle Trends in der Entwicklung der Arzthaftung. Mit der Verleihung des Ehrendoktorats der Medizin (Dr. med. h.c.) an Karlmann Geiß, Präsident des Bundesgerichtshofs, am 10. Juli 1997 fand die Veranstaltungsreihe ihren Höhepunkt und Abschluß.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in München und Tübingen war Karlmann Geiß zunächst Anwaltsassessor in Ulm und von 1964 bis 1965 Zivilrichter beim Landgericht Ulm. Daran schloß sich - bis 1976 - eine Tätigkeit als persönlicher Referent des Ministers und Referatsleiter für Personalangelegenheiten der Richter und Staatsanwälte im Justizministerium Baden-Württemberg an. Von 1976 bis 1989 bekleidete Geiß als Vorsitzender einer Zivilkammer (Arzthaftungskammer) zugleich das Amt des Präsidenten des Landgerichts Ulm. Von 1989 bis 1996 war er Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart und Vorsitzender eines Spezialsenats für Arzthaftungssachen. Seit 1996 ist er Präsident des Bundesgerichtshofs.

Karlmann Geiß erkannte früh, daß ein Gericht, das über Medizinschadensfälle zu urteilen hat, dazu auch eingehende medizinische Fachkenntnisse benötigt. Er richtete am Ulmer Landgericht erstmals eine Spezialzuständigkeit für Arzthaftungen ein. Sowohl in Ulm als auch in seiner späteren Tätigkeit als Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart hat Geiß das Medizinrecht erheblich beeinflußt und zur wissenschaftlichen Systematisierung des Arzthaftungsrechts sowie zur Erweiterung des Arzthaftpflichtrechts in Richtung Medizinrecht beigetragen. Von seiner Kompetenz zeugt eine Fülle wissenschaftlicher Vorträge zu diesem Thema und nicht zuletzt sein Buch über »Arzthaftpflichtrecht«, das für Justiz und Anwaltschaft große Bedeutung hat. Auch an der Universität Ulm ist Karlmann Geiß als Referent hervorgetreten. Dabei wie bei den von ihm geführten Verhandlungen stellte er immer wieder fundierte medizinische Kenntnisse unter Beweis, die ihm als Juristen den Dialog mit Medizinern ermöglichen.

Mit der Verleihung des Ehrendoktorats hat die Medizinische Fakultät der Universität Ulm die ausgesprochen großen Verdienste von Karlmann Geiß auf dem Feld des Medizinrechts gewürdigt. Zugleich wollte sie damit auf die zunehmende Bedeutung des Medizinrechts für die weitere Entwicklung der modernen Medizin (Fortpflanzungsmedizin, Genomanalyse, Gentherapie, Gesundheitsökonomie) hinweisen. Die Fakultät sieht in ihrem Ehrenpromovenden Geiß einen Wunschpartner für die künftige wissenschaftliche Kooperation von Recht und Medizin an der Universität Ulm.

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Von Parkinson bis Polymere

Ägyptisch-deutsche Woche 1997 in Kairo

Die 4. ägyptisch-deutsche Woche der Universitäten Kairo und Ulm fand vom 13. bis 18. September 1997 turnusgemäß in Kairo statt. Basierend auf einem seit längerem bestehenden Kooperationsvertrag zwischen den beiden Hochschulen, dient diese Veranstaltung, die 1994 vom damaligen Ulmer Rektor Prof. Dr. Wolfgang Pechhold ins Leben gerufen wurde, dem wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch und der kulturellen Begegnung von Universitätsmitgliedern.

Ausrichter der 2. und 3. Woche, in denen jeweils Themen der Polymerphysik, der Medizin, der Ingenieurwissenschaften und der Ökologie (Schwerpunkt Wasserreinhaltung) auf dem Programm standen, waren 1995 Kairo und 1996 Ulm. Die wissenschaftlichen und kulturellen Vorträge der ägyptisch-deutschen Wochen vor Ort (1994 und 1996) wie auch die Bilder der jeweils parallelen Foto-Ausstellungen wurden in zwei Dokumentationsbänden veröffentlicht. Ulmer Senatsbeauftragter für die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Lehre ist Prof. Dr. Hans Uwe Wolf, Abteilung Pharmakologie und Toxikologie.

Während der diesjährigen »Woche« haben Kairoer und Ulmer Wissenschaftler aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Medizin (Wundheilung, Parkinson-Syndrom), Biotechnologie und Chemie vorgetragen. Prof. Pechhold und Dr. Ashraf Ahmed Mansour (Kairo), der sich vor kurzem in Ulm für das Fach Physik habilitiert hat, organisierten außerdem einen Workshop für Polymerphysiker. Unmittelbar vor der diesjährigen Begegnung fand in Kairo die 4. Internationale Konferenz für Polymerwissenschaft und -technolgie statt. Die Ulmer Polymerforscher haben sich auch an dieser Tagung beteiligt.

Das wissenschaftliche Programm der 4. ägyptisch-deutschen Woche wurde von verschiedenen kulturellen Veranstaltungen begleitet, darunter eine gemeinsame Ausstellung im Haus des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mit Graphiken von Dr. M. M. Abdel-Aziz (Kairo) und photographischen Impressionen aus Kairo und Ulm von Jutta Wolf (Ulm). Ferner hielten Kairoer Wissenschaftler Vorträge zu den Themen »Architektur« sowie »Wissenschaft und Kultur«.

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Einladung zur Apoptose

Franziska-Kolb-Preis 1997 an zwei Heidelberger Leukämieforscherinnen

Den Text ihrer Urkunde hat Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin verfaßt, Direktor der Ulmer Universitäts-Kinderklinik. Er dürfte es gern getan haben, geht es doch in der Arbeit der Heidelberger Wissenschaftlerinnen Dr. Claudia Friesen (Kinderklinik) und Dr. Ingrid Herr (Deutsches Krebsforschungszentrum) um sein eigenes Spezialgebiet: den als »CD95-System« bezeichneten Nachrichtenweg, über den der natürliche Tod unserer Zellen eingeleitet wird, und um dessen Beteiligung am Zytostatika-vermittelten Untergang von Leukämiezellen. 1996 hatten Friesen und Herr die Arbeiten unter dem Titel »Involvement of the CD95 (APO-1/Fas) receptor/ligand system in drug-induced apoptosis in leukemia cells« in der zweiten Ausgabe von »Nature Medicine« vorgelegt. Am 30. Jahrestag der Universität Ulm wurden sie für ihre Untersuchungen mit dem Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung ausgezeichnet.

Die beiden Wissenschaftlerinnen konnten zeigen, daß verschiedene der zur Leukämietherapie eingesetzten Zytostatika in den entarteten Zellen die Bildung des CD95-Liganden anregen. Wenn ein Krebsmedikament der Tumorzelle den Befehl erteilt zu sterben, bildet dieses Molekül gewissermaßen den Briefkasten für die Einladung zur Apoptose, die molekulare Suizidaufforderung. Die prämiierte Untersuchung macht damit nicht nur verständlich, wie einige der wichtigsten antileukämischen Medikamente auf molekularer Ebene wirken, sie hilft auch das Problem des Ansprechens beziehungsweise Nicht-Ansprechens von Tumorzellen auf diese Medikamente zu erklären, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, daß neue, wirksamere Zytostatika entwickelt werden können.

Mit 5.000,- Mark ist der Preis dotiert, den die Franziska-Kolb-Stiftung seit 1995 jährlich verleiht, vorzugsweise an Nachwuchs-Leukämieforscher aus Baden-Württemberg. Die Auswahl der Preisträger trifft der Stiftungsrat, dem in diesem Jahr die Ulmer Professoren Klaus-Michael Debatin, Hermann Heimpel (ehem. Leiter der Abteilung Innere Medizin III) und Bernhard Kubanek (Direktor der Blutspendezentrale und Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin) sowie Prof. Dr. Renate Arnold von der Charité Berlin angehörten.

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Beispiel für das Machbare

Uni Ulm bei den Kontakttagen für die Wirtschaft '97

Zum nunmehr fünften Male führte der Alb-Donau-Kreis vom 19. bis 23. September 1997 in Ulm die »Kontakttage für die Wirtschaft« durch. Drei Tage lang war das Ulmer Landratsamt (auch als »Haus des Landkreises« bekannt) Treffpunkt vorwiegend kleiner und mittelständischer Unternehmen, die hier zum einen versuchten, Kontakte zu knüpfen, den Bekanntheitsgrad ihrer Produkte auf dem regionalen Markt zu steigern und der Konkurrenz über die Schulter zu blicken, zum anderen die Gelegenheit erhielten, in Vortragssitzungen ihr Fachwissen zu erweitern und sich über Spezialfragen von Experten persönlich beraten zu lassen.

Auch die Universität Ulm hat das Vortrags- und Demonstrationsprogramm mitgestaltet. Die Abteilung Forschung, Entwicklung, Wirtschaftskontakte präsentierte sich als bereits etablierte universitäre Anlaufstelle für Anwender (Telefon: 502-2011, Fax: 502-2016). Eine neue Adresse ist dagegen der am 23. Juli 1997 gegründete »Verein BioRegioUlm, Förderverein Biotechnologie e.V.«, kurz: BioRegioUlm e.V. (Dr. Gabriele Gröger, Tel. 502-2004), der sich für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen auf dem Gebiet der Biotechnologie, die Weiterentwicklung des regionalen Forschungspotentials und die Umsetzung der wissenschaftlichen Resultate in marktfähige Produkte einsetzt.

Spektakuläres, vor allem aber vielseitig Einsetzbares bot die Abteilung Elektronische Bauelemente und Schaltungen (Leiter Prof. Dr. Erhard Kohn). Die hier entwickelten Sensoren auf der Basis von synthetischem Diamant machen Messungen möglich, wo bisher nur am Computer simuliert wurde: in Säuren und aggressiven Gasen, unter Hochdruck und bei Temperaturen an der 1000-Grad-Marke.

Der Kontakttage-Besucher, der gelegentlich mit Materialprüfung befaßt ist, sei es an Metallen oder Gummi, Keramik oder Kunststoff, an Lack oder an Obst, konnte in dem Vortrag von Prof. Dr. Othmar Marti, Leiter der Abteilung Experimentelle Physik der Universität Ulm, über »Das Rasterkraftmikroskop und seine Anwendungen im Sub-Mikrometerbereich - ein Beispiel für eine erfolgreiche Existenzgründung« interessante Informationen erhalten. Das Referat belegte, daß die Experimentalphysiker auf dem Oberen Eselsberg mit der Vorgabe, »keine Theorie«, sondern »ein Beispiel für das Machbare« zu bieten, wie Wirtschaftsbeauftragter Hanns Zander das Selbstverständnis der Kontakttage skizziert, keine Probleme haben.

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Education for Science

Ernst M. Gabidulin über ein russisches Studienmodell

Im vergangenen Sommersemester hat Prof. Dr. Ernst M. Gabidulin in der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Ulm eine Gastprofessur der Hans-Kupczyk-Stiftung wahrgenommen. Gabidulin ist Head of Department of Radio Engineering im Moscow Institute of Physics and Technology (State University). Am 7. August hielt er im Rahmen der Gastprofessur einen Festvortrag zum Thema »Education for Science (PhysTech System)«.

Zu den Forschungsschwerpunkten des weltweit renommierten russischen Informationstheoretikers gehören unter anderem die Beschreibung von Kanälen für die digitale Datenübertragung und die Analyse ihrer Übertragungskapazität. Gabidulin hat in Gestalt verschiedener Signalmeßverfahren wesentliche Beiträge zur Charakterisierung solcher Kanäle geleistet. Ziel dieser Untersuchungen ist die Entwicklung von Methoden zur fehlerfreien Informationsübertragung durch sogenannte fehlerkorrigierende Codes.

Ein weiteres zentrales Arbeitsgebiet Gabidulins bildet die Kryptologie. Moderne kryptologische Verfahren werden in den sogenannten Public-Key-Kryptosystemen angewendet, die für das Ver- und Entschlüsseln zwei unterschiedliche Schlüssel benutzen. Der Entschlüsselungs-Schlüssel bleibt (beim Nachrichtenempfänger) geheim, während der Schlüssel, der zum Verschlüsseln der Nachricht dient, bekanntgegeben wird. Das Verfahren läßt sich einfacher handhaben als die sogenannte symmetrische Chiffrierung, die sich nur eines einzigen und daher grundsätzlich geheimzuhaltenden Schlüssels zwischen Nachrichtensender und -empfänger bedient.

Prof. Gabidulin ist Autor von sechs Lehrbüchern über Nachrichtentechnik und Mikroelektronik. Seine Ulmer Gastprofessur stand im Zeichen der Zusammenarbeit mit Prof. Dr.-Ing. Martin Bossert, Abteilung Informationstechnik, unter anderem auf dem Gebiet der Kryptologie. In seinem Festvortrag »Education for Science« beschrieb der Moskauer Gast ein Studienkonzept, bei dem die Studenten nach einem dreieinhalbjährigen Grundstudium in Mathematik, Physik und Technischen Wissenschaften ihre weitere Ausbildung nicht an der Universität, sondern in Forschungsinstituten erhalten.

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PET zwischen notwendiger Krankenversorgung und Forschungsbedarf

Eine Indikationsliste für die Positronen-Emissions-Tomographie

Zur Diagnostik und Erforschung von Krebserkrankungen hat sich die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) innerhalb weniger Jahre als wertvolles Werkzeug erwiesen. Krebszellen verbrauchen infolge ihres schnellen und unkontrollierten Wachstums abnorme Mengen an Nährstoffen. Ihr Stoffwechsel ist gegenüber demjenigen normaler Zellen oft um mehr als das Zehnfache gesteigert. Mit Hilfe geeigneter Radiopharmazeutika kann man diese erhöhte Stoffwechselaktivität per PET nachweisen und bildlich darstellen, wobei als Marker des Zuckerstoffwechsels derzeit am häufigsten Fluor-18-markierter Traubenzucker verwendet wird. In einer bis anderthalb Stunden läßt sich so der gesamte Körper nach verborgenen Tumorzellverbänden oder Tumorstreuherden absuchen - sei es zur Frühdiagnostik, zur Stadieneinteilung oder im Rahmen der Therapiekontrolle.

Nachdem allein in den letzten beiden Jahren etwa 120 neue einschlägige Publikationen erschienen und rund 4400 Patienten neu dokumentiert worden sind, die Hersteller ihre Geräte verbessert und die Anwender wichtige Erfahrungen gesammelt haben, schien es den Nuklearmedizinern und Onkologen, die sich erst 1995 auf einheitliche Anwendungs- und Qualitätsstandards verständigt hatten, nun geboten, den aktuellen und potentiellen Nutzen des anspruchsvollen bildgebenden Verfahrens im Hinblick auf onkologische Fragestellungen erneut gemeinsam zu überdenken. Dazu veranstaltete der Arbeitsausschuß PET der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) am 12. September 1997 im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus seine zweite Konsensuskonferenz zum Stellenwert der PET in der Onkologie. Unter Leitung von Prof. Dr. Sven Norbert Reske, Ausschußvorsitzender, Ärztlicher Direktor der Abteilung Nuklearmedizin der Universität Ulm, diskutierten die Teilnehmer auf der Grundlage von Übersichtsvorträgen den derzeitigen Kenntnisstand.

Eminent zuverlässig
Die Vorzüge der Methode - rasche, eminent zuverlässige Diagnosen, geringe Strahlenbelastung für den Patienten (sie bewegt sich in der Größenordnung der natürlichen jährlichen Strahlenexposition), geringe Gefahr allergischer Nebenwirkungen dank niedriger Dosierung der radioaktiven Marker und, wenn die PET-Untersuchung eine Gewebsentnahme verzichtbar macht, die Vermeidung des Risikos, Tumorzellen zu verschleppen - liegen auf der Hand, aber sie haben ihren Preis. Der liegt mit 1500 Mark pro Untersuchung jenseits dessen, was die Krankenkassen anstandslos zu erstatten bereit sind, auch wenn die präzise PET-Diagnose dem Patienten in vielen Fällen unnötige Eingriffe erspart und damit ihrerseits zur Reduktion der Kosten beiträgt.

Die detaillierte Indikationsliste, die ein Expertengremium im Anschluß an den öffentlichen Teil des Ulmer Symposiums zusammengestellt hat, trennt nun klar zwischen notwendiger Krankenversorgung, die von den Kassen zu bezahlen ist, und wissenschaftlichem Forschungsbedarf, der nicht zu Lasten der Kassen gehen kann. Wer damit rechnen muß, an Krebs erkrankt zu sein oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erkranken, soll ohne großen bürokratischen Aufwand seinen PET-Termin bekommen, statt, wie bisher, zuvor ein umständliches, zeitraubendes Bewilligungsverfahren zu durchlaufen. Dabei sind von den Kassen nur solche Untersuchungen zu finanzieren, deren Aussagekraft wissenschaftlich abgesichert ist.

Deren Zahl dürfte sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Insider rechnen mit einem neuen Technologiesprung, der das Einsatzspektrum der Positronen-Emissions-Tomographie erweitern und ihre Zuverlässigkeit abermals steigern wird, und die Neugier der nuklearmedizinischen Wissenschaftler ist noch lange nicht gestillt. Beste Voraussetzungen für Forschung und klinische Anwendung finden die Spezialisten in Ulm, seit die Abteilung Nuklearmedizin über ihr eigenes Mini-Zyklotron zur Herstellung der benötigten Radiopharmaka verfügt - ein Vorteil, um den Reske von manchem Kollegen beneidet wird.

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Beiträge zum Forschungsfortschritt

Die 1997er Promotionspreise der Ulmer Universitätsgesellschaft

»Die Universitätsgesellschaft verleiht kraft dieser Urkunde ...« lautet der Vorspann. Siebenmal war er zu hören am 3. Juli 1997, dem 30. Jahrestag der Universität Ulm, als traditionsgemäß die Auszeichnungen für hervorragende Promotionsleistungen vergeben wurden. Was im einzelnen die sieben auserwählten Nachwuchswissenschaftler mit ihren Dissertationen zum Fortschritt der Forschung beigetragen haben, ging, in freilich sehr gestraffter Form, aus dem sich jeweils anschließenden Urkundentext hervor.

Da waren zunächst die »Untersuchungen zur Wirkung von Interleukin-2 auf spannungsaktivierte Natriumströme menschlicher Myobälle«, mit denen Attila Kaspar den Doktor med. erwarb. Für diese Untersuchungen hatte sich Kaspar elektrophysiologische und immunbiochemische Techniken zunutze gemacht und damit methodisches Neuland betreten. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Pathogenese entzündlicher neurologischer Erkrankungen dar und liefern Informationen über das Zusammenspiel zwischen Nerven- und Immunsystem.

Edelmetall in polymeren Flechtwerken
Die zeitliche Entwicklung von Wellenpaketen in der Quantenmechanik läßt sich mathematisch in Form sogenannter verallgemeinerter Thetasummen beschreiben. Promotionspreisträger Dr. rer. nat. Jens Marklof hat sich an deren Grenzwerten umgesehen und in seiner Dissertation »Limit Theorems for Theta Sums with Applications in Quantum Mechanics« unter - wie die Fakultät für Naturwissenschaften ihm bescheinigt - »brillanter Verwendung ergodentheoretischer Methoden« grundsätzlich neue Grenzwertsätze bewiesen, indem er das irreguläre Grenzwertverhalten der Thetasummen auf chaotische Phänomene zurückführte.

Dr. rer. nat. Joachim Pius Spatz ist in der Fachwelt schon vor einigen Monaten hervorgetreten. »uni ulm intern« Nr. 207 (September 1996) berichtete über die Abteilung Organische Chemie III (Makromolekulare Chemie, organische Materialien, Leiter Prof. Dr. Martin Möller), der Spatz als wissenschaftlicher Mitarbeiter angehört. Dort wird nach neuen Wegen zur künstlichen Erzeugung katalytisch aktiver Verbindungen oder leitfähiger Materialien gesucht und über nanometerfeine Strukturierung von Oberflächen geforscht. Spatz wurde für seine einschlägigen Beiträge mit dem Förderpreis 1996 des Verbandes der Metallindustrie Baden-Württemberg ausgezeichnet. »Kontrollierte Mineralisation in dispersen Phasen von Zweiblockcopolymeren«, Spatz' Dissertation, zieht eine Zwischenbilanz dieser Beiträge: ein Bericht über Strukturbildung in ultradünnen Blockcopolymerfilmen und den Einbau nanometergroßer Edelmetallkristalle in präzise vorgegebene polymere Flechtwerke, so fein und exakt plaziert, wie es bisher noch nicht gelungen war.

Fuzzy-Modelle der Knochenheilung
Die entscheidende Weichenstellung in seiner Arbeit vollzog Dr.-Ing. Christoph Julian Amendt, als er zur Erforschung nur unscharf zu beschreibender Vorgänge im lebenden Organismus auf Ansätze aus der Fuzzy-Logik zurückgriff. Heraus kam eine Dissertation mit dem Titel »Mathematische Modellbildung und Simulation der Knochenheilung«. Erkenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten der Knochenheilung verbinden sich hier mit einer benutzerfreundlichen Simulationssoftware zur Visualisierung dieses Heilungsprozesses im Zeitraffer, die es ermöglicht, kostspielige experimentelle Untersuchungen durch preiswerte Parameterstudien zu ersetzen und damit auch die Zahl notwendiger Tierversuche stark zu reduzieren.

Vom Allgemeinen zum Speziellen, vom theoretischen Modell zur dezentralen Unternehmensplanung in die Praxis der Kostenrechnung hat sich Dr. rer. pol. Thomas Karl Pfeiffer vorgearbeitet. »Innerbetriebliche Errechnungspreisbildung bei dezentralen Entscheidungsstrukturen« ist seine Dissertation betitelt, deren besondere Qualität darin besteht, sowohl den Faktor Zeit als auch die Auswirkungen einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Unternehmens- und Kostenstellenleitung zu berücksichtigen.

Sepsis mosaistisch
Als »wichtiger Mosaikstein« füge sich, meint die Ulmer Medizinische Fakultät, die experimentelle Arbeit von Dr. med. Bernd Schröppel in das Bild ein, das sich die Wissenschaft vom Ablauf septischer Prozesse macht. Schröppels Studie »Der Einfluß von Deferoxamin auf Sauerstoffradikale und Eicosanoide in der Frühphase der Sepsis« zeigt erstmalig, daß erste Organschäden bereits wenige Stunden nach Beginn einer Sepsis auftreten, läßt aber auch annehmen, daß man ihnen durch geeignete Therapieansätze begegnen kann. Wie die Urkunde weiter erzählt, hat der Mediziner mit diesen Laborergebnissen zumindest bei seinen Gutachtern große Lust auf eine klinische Überprüfung geweckt.

Reine Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Granulozyten (weiße Blutkörperchen mit Zellplasmakörnchen) und Megakaryozyten (größte Zellen des Knochenmarks) separat in Zellkultur aus einzelnen Blutstammzellen aufziehen und an diesen hämopoetischen Monokulturen die Genregulation in undifferenzierten und differenzierenden Blutstammzellen während klar abgegrenzter Stadien ihrer Reifung beobachten zu können: das gelang Dr. biol. hum. Christa Lamping. »Funktionelle Charakterisierung und Genexpressionsanalyse einzelner Stamm-/Progenitorzellen zu diskreten Stadien ihrer Differenzierung entlang definierter hämopoetischer Reihen« heißt im vollen Wortlaut der Titel ihrer Arbeit, die als potentieller Grundstein künftiger Forschungsfortschritte ausgezeichnet wurde.

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Beherrschung komplexer Systeme

Prof. Radermacher Träger des Wissenschaftspreises der GMÖOR

In Jena hielten vom 3. bis 5. September 1997 die Deutsche Gesellschaft für Operations Research (DGOR) und die Gesellschaft für Mathematik, Ökonomie und Operations Research (GMÖOR) ihre gemeinsame internationale Jahrestagung ab. Rund 500 Teilnehmer waren angereist, nicht wenige davon aus ost- und außereuropäischen Ländern. Auf dem Programm standen teils wissenschaftlich-theoretische, teils praxisorientierte Vorträge aus dem thematischen Umfeld der betrieblichen Optimierung, Informationsverarbeitung und Methodenforschung.

Als Wissenschaftler, der eine Fachtagung über das breite Aufgabenspektrum der Operations Researcher - von linearer und nicht-linearer Optimierung bis Fuzzy-Logik, von Spieltheorie bis künstlicher Intelligenz, von Statistik bis Makroökonomik - beinahe allein bestreiten könnte, darf Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher gelten, wissenschaftlicher Leiter und Vorstandsvorsitzender des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung Ulm (FAW).

Radermacher, der sein Studium an der RWTH Aachen mit der Doppelpromotion in Mathematik und Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hatte, der seine Forschungstätigkeit mit stochastischen Untersuchungen begann, sich später mit Anwenderfragen aus Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Robotik und Umwelttechnik beschäftigte, der über den Kampf gegen Bevölkerungsexplosion und Arbeitslosigkeit schrieb und auch als Philosoph und Erkenntnistheoretiker hervorgetreten ist, wußte sich mit bislang mehr als 200 Beiträgen in Zeitschriften und Monographien zu profilieren, in so angesehenen Kommissionen wie dem Landesforschungsbeirat, der Zukunftskommission Wirtschaft 2000 des Landes Baden-Württemberg, einem Evaluations-Team der UNESCO und dem Forum INFO 2000 der Bundesregierung Sitz und Stimme zu erlangen und zahlreiche Forschungsprogramme mit auf den Weg zu bringen - darunter erst kürzlich den SFB 527 »Integration symbolischer und subsymbolischer Informationsverarbeitung in adaptiven sensomotorischen Systemen« der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Ulm.

Das FAW, von Radermacher in den Jahren seit 1987 verantwortlich aufgebaut, wird nicht selten als Musterbeispiel für eine effiziente Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie angeführt. Als seine zentrale Aufgabe definiert das Institut die Beherrschung komplexer Systeme mit Hilfe ausgefeilter Hard- und Softwarearrangements. Die Methodenpalette umfaßt Sensor-Signalverarbeitung und mathematische Modellierung ebenso wie neuronale Netze und Strategien der künstlichen Intelligenz. FAW-Teams haben Umweltinformationssysteme aufgebaut, logistische und informationstechnische Konzepte zur Lösung von Verkehrsproblemen erarbeitet, sie betreiben wissensbasierte Werkstattsteuerung und Büroautomatisierung, ihre Projekte wenden sich an Autohersteller und Vermessungsingenieure, an Banken und Behörden, an Softwareentwickler und Strahlenmediziner.

Angesichts dieser Leistungsbilanz hielt es die GMÖOR für angemessen, Radermacher zur Eröffnung des Jenaer Symposiums ihren mit 10.000 Mark dotierten Wissenschaftspreis zu verleihen. Alle zwei Jahre erneuert diese Auszeichnung das Gedenken an Rudolf Henn, den 1989 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden ihres wissenschaftlichen Beirates und der Forschungsgesellschaft »Geld - Banken - Bausparkassen - Versicherungen«, der während seiner wissenschaftlichen Laufbahn als Volkswirtschafts-, Statistik-, Ökonometrie- und Operations-Research-Professor an mehreren Universitäten in Europa und den USA gewirkt hat.

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Spitzenstellung behauptet

Ulmer Sportmediziner und die Junioren-Nationalmannschaft der Ruderer

Zur Juniorenweltmeisterschaft im Rudern, die vom 6. bis 10. August 1997 in Hazewinkel bei Mechelen (Belgien) stattfand, waren die deutschen Nachwuchsathleten mit der Bürde des Favoriten angereist. Es galt, sich in einem Starterfeld von rund 1500 Teilnehmern aus 43 Nationen zu behaupten, die ihre WM-Vorbereitungen zum Teil mit erheblichem Aufwand betrieben und deren einige ihre gesamten Kräfte auf ein »Flaggschiff« konzentriert hatten. Der Deutsche Ruderverband (DRV) dagegen war abermals die einzige Vereinsorganisation, die in sämtlichen Bootsklassen antrat. Zugleich zählte er allerdings auch zu denen, die ihrem Kader eine besonders sorgfältige sportmedizinische Betreuung angedeihen ließen. So gehörte zum deutschen Troß neben den knapp 60 Startern ein ärztlich-wissenschaftliches Team, geführt von PD Dr. Jürgen Steinacker, Leitender Oberarzt der Abteilung Sport- und Leistungsmedizin der Universität Ulm.

Seit rund acht Jahren betreuen die Ulmer sportmedizinischen Spezialisten um ihren Abteilungsleiter Prof. Dr. Manfred Lehmann die Junioren-Nationalmannschaft des DRV, bislang unübersehbar erfolgreich. Doch wird es, wie auch in anderen Sportarten, von Jahr zu Jahr schwerer, sich an der Spitze zu behaupten. Um die internationale Konkurrenz anzuführen, soviel war bei der letzten Weltmeisterschaft deutlich geworden, mußte die Trainingsmethodik weiter verfeinert und perfektioniert werden. Gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Köln, starteten Verband, Trainer und Sportmediziner deshalb ein systematisches Aufbau- und Forschungsprojekt, worin wichtige Detailveränderungen im Krafttrainingsprogramm der Sportler unter ständiger wissenschaftlicher Überwachung umgesetzt und auf ihre Effizienz geprüft wurden.

Belastungskomponenten
Das Unternehmen begann im Anschluß an die deutschen Jugendmeisterschaften mit der leistungsdiagnostischen Sichtung der Teilnahmeanwärter im und in Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt Berlin. Einer Woche intensiven Aufbautrainings folgte das spezielle Trainingslager im Ruder-Leistungszentrum Ratzeburg, wo neben langen Ausfahrten zur Stabilisierung der Ausdauerleistungsfähigkeit zunehmend Schnelligkeitsübungen und Streckenfahren ins Programm kamen. Von denen der Vorjahre unterschied sich der neue Trainingsplan unter anderem durch eine veränderte Gewichtung der verschiedenen Belastungskomponenten beim Krafttraining.

Die konzertierte Aktion war von Erfolg gekrönt: mit neun Medaillen (5 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze) sowie fünf Finalplazierungen gelang es dem DRV, trotz harter Konkurrenz namentlich aus Rumänien und Australien (je 3 x Gold), seine Erfolgsbilanz gegenüber dem Vorjahr deutlich zu verbessern und seine Spitzenposition im Nachwuchsrudern zu bestätigen. Die Ruderer sind damit gegenwärtig die erfolgreichste Junioren-Nationalmannschaft des Deutschen Sportbundes.

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Hoffen auf die Gentherapie

Ulmer Kongreß über Muskelkrankheiten für Forscher, Ärzte und Laien

Unter der Schirmherrschaft von Edeltraud Teufel, Gattin des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, fand vom 24.-27. September 1997 in der Universität Ulm der 13. Kongreß des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) statt. Ausrichter war das Muskelzentrum der Universität Ulm, Kongreßpräsident Prof. Dr Reinhardt Rüdel, Leiter der Universitätsabteilung Allgemeine Physiologie und amtierender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DGM.

Der Kongreß, der in zweijährigem Turnus abgehalten und seit einigen Jahren auch von den wissenschaftlichen Beiräten der österreichischen und der Schweizer Gesellschaften für Muskelkranke mitgetragen wird, gilt als das bedeutendste regelmäßige Treffen der Muskelforscher und Muskelärzte im deutschen Sprachraum. Etwa 400 Teilnehmer versammelten sich in Ulm. Die Hauptvorträge der drei Kongreßtage waren nicht nur auf Spezialisten zugeschnitten, sondern verfolgten die Absicht, auch niedergelassene Ärzte und interessierte Laien über die großen Fortschritte der aktuellen Forschung zu informieren. Erfahrungsgemäß besuchen auch Betroffene diese Kongresse.

Da die meisten Muskelkrankheiten erblich sind, ruhen die Hoffnungen von Ärzten und Patienten gegenwärtig auf einem baldigen Durchbruch in der Gentherapie - dies umso mehr, als gentechnologische Verfahren im Rahmen der Diagnostik für die meisten Muskelkrankheiten schon heute verfügbar sind. Gentherapie und, als eine Domäne des Ulmer Muskelzentrums, Gendiagnostik standen ebenso auf dem Vortragsprogramm wie metabolische Muskelerkrankungen und die in Ulm ebenfalls intensiv beforschte Amyotrophe Lateralsklerose.

Während der Tagung wurden drei Preise verliehen: der Sanofi-Wintrop-Preis für Beiträge zur Erforschung der Myopathien, der Rhône-Poulenc-Rohrer-Preis für junge Nachwuchs-Muskelforscher und, als renommierteste Auszeichnung, der Duchenne-Erb-Preis der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. Letzterer ging zu gleichen Teilen an Prof. Dr. Kevin P. Campbell aus Iowa City, USA, und Prof. Dr. Klaus Zerres aus Bonn. Campbell hielt aus diesem Anlaß die 3. Willi-Kühne-Vorlesung des Muskelzentrums der Universität Ulm: »Genetic defects in components of the dystroglycan complex result in various forms of muscular dystrophy«. Den Kongreß beschloß ein internationales Symposium über »Calcium and Muscle Disease«, eines der Spezialgebiete des Ulmer Muskelzentrums sowie des Interdisziplinären Zentrums für klinische Forschung (IZKF) am Ulmer Universitätsklinikum.

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Nucleinsäuren und abgeleitete Makromoleküle

Ein internationaler Kongreß an der Universität Ulm

Vom 5. bis 9. September 1997 fand unter Vorsitz von Prof. Dr. Hartmut Seliger, Leiter der Sektion Polymere, an der Universität Ulm eine internationale Tagung zum Thema »Nucleic Acids and Related Macromolecules: Synthesis, Structure and Applications« statt. Im Mittelpunkt dieses Kongresses standen Darstellung, Strukturaufklärung und Anwendung von Nucleinsäuren, Nucleinsäure-Analogen sowie abgeleiteten Makromolekülen.

Das Gesamtgebiet hat innerhalb weniger Jahre eine stürmische Entwicklung im wissenschaftlichen und technologischen Bereich erlebt. Die Umsetzung der Ergebnisse der präparativen Chemie und Biochemie, der Strukturforschung und Molekularbiologie der Nucleinsäuren führt über die gentechnische Produktion hinaus zur Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren und therapeutischer Ansätze. Großvorhaben wie die Genomsequenzierung, aber auch Zukunftsentwicklungen etwa im Bereich der DNA-Technologie und supramolekularen Chemie werden medizinische, naturwissenschaftliche und technologische Fortschritte des kommenden Jahrzehnts entscheidend prägen.

Anliegen der Ulmer Tagung war es, diese wissenschaftlichen und technologischen Perspektiven aufzugreifen und auf dem jeweils neuesten Stand des Wissens zu erörtern. Etwa 140 Experten aus aller Welt, und zwar sowohl Angehörige des akademischen Bereichs als auch Mitarbeiter einschlägiger Unternehmen, waren dazu nach Ulm gekommen. Gerade auf dem Nucleinsäuregebiet hat die schnelle Abfolge von Neuentwicklungen zur Gründung einer Vielzahl von spezialisierten, innovativen kleinen und mittelständischen Firmen geführt. Die Tagung wollte daher nicht nur den neuesten Stand der Grundlagenforschung widerspiegeln, sondern auch eine Plattform für den innovationsfördernden Dialog zwischen Forschung und Industrie bieten.

Das Programm umfaßte ca. 25 Plenarvorträge von ausgewiesenen Kapazitäten in den verschiedenen Teilbereichen, daneben Kurzvorträge und Posterpräsentationen, aber auch Diskussionsrunden, in denen wissenschaftliche Neuerungen im Kontext aufgearbeitet und neue Lösungsansätze für die wirtschaftliche Umsetzung diskutiert wurden. Eine Industrieausstellung im Foyer der Universität bot interessierten Firmen die Möglichkeit zur Produktpräsentation und Kundeninformation.

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Sonographische Daten im Netz

Telesonographie - ein Spezialgebiet der Teleradiologie

Im Digitalen Archivierungszentrum Ulm (DAZU) hat die Zukunft bereits begonnen, die Zukunft der Aufbewahrung, Bereitstellung und Kommunikation insbesondere medizinisch-diagnostischer Bilder (»uni ulm intern« berichtete wiederholt, zuletzt im Juni 1997, »uui« Nr. 214 über DAZU). Seit Mitte des Jahres werden auch sonographische (Ultraschall-)Bilddaten im DICOM-3.0-Format auf das Digitale Netzwerk der Radiologischen Universitätsklinik Ulm aufgespielt. Sie können auf den Workstations der Abteilungen oder auch von angeschlossenen externen Teilnehmern via ISDN oder Internet abgerufen werden. Diese Kommunikation sonographischer Daten, der elektronische Transfer von digitalen Ultraschallbildern an beliebige Orte, wird »Telesonographie« genannt und als Spezialgebiet der Teleradiologie verstanden.

Durch die Bereitstellung der Bilddaten an unterschiedlichen Arbeitsplätzen werden Fernbefundungen ermöglicht. Die Aufenthaltsorte des Patienten und der beigezogenen externen Experten müssen folglich nicht identisch sein. Spezialkenntnisse können über große Distanzen konsiliarisch genutzt werden. Spezialgeräte zur Erzeugung der Bilder sind nicht mehrfach erforderlich. Der körperliche Transfer von diagnostischen Bildern erübrigt sich, und zudem lassen sich die Bilddaten verlustfrei digital archivieren. Damit ergeben sich weitere Vorteile: Die Diagnostik nimmt weniger Zeit in Anspruch, und belastende Verlegungen des Patienten, zum Beispiel mit dem - auch kostenintensiven - Hubschrauber - sind verzichtbar. Der digitale Bildaustausch mit den weiter- oder mitbehandelnden Ärzten - auch interaktiv im 3-D-Modus - sowie Nachbefundungen können patientenunabhängig gewährleistet werden.

Befundung ferngesteuert
Erleichterungen ergeben sich zudem in großen klinischen Einrichtungen, in denen Diagnostik und Therapie getrennt sind. Die Operateure können bei den sonographischen Untersuchungen häufig nicht anwesend sein und müssen den Patienten gezielt nachuntersuchen. Das digital archivierte sonographische Bildmaterial befreit von dieser Notwendigkeit. Dies gilt analog im Rufdienst, wenn der Oberarzt ins Haus kommen muß, um die Frage OP ja oder nein zu entscheiden. Mittels der 3-D-Technik in Verbindung mit der Telesonographie können diese Befundungen ferngesteuert am PC erfolgen.

Im Rahmen des Ultraschall-Kongresses 1997 der DEGUM vom 1.- 4.10. in Ulm führte das Digitale Archivierungszentrum Ulm (DAZU) einen Telesonographie-Workshop durch. Präsentiert wurde das Verfahren von Dr. Christian Nitsch, Dr. Thorsten Fleiter, Dr. Roman Sokiranski (alle Abteilung Röntgendiagnostik der Universität Ulm), Prof. Dr. Hans-Jürgen Brambs, Ärztlicher Direktor der Abteilung Röntgendiagnostik, und PD Dr. Dieter Grab (Universitäts-Frauenklinik Ulm). Im einzelnen betrafen die Demonstrationen das Einspeichern eines 2-D-Ultraschallbildes sowie eines 3-D-Ultraschallvolumens in das digitale DICOM-3.0-Netzwerk der Radiologischen Universitätsklinik Ulm, den Aufruf von gespeicherten DICOM-Ultraschallbildern an einer externen radiologischen Workstation, die parallele Live-Übertragung via Bildschirmkonferenz im Internet mit der Möglichkeit der Fernbefundung der aufgenommenen Bilder sowie die Fernsteuerung von Programmen zur Befundung von sonographischen 3-D-Datensätzen.

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Pädiatrisches Kaleidoskop

Emeritiert: Prof. Dr. Walter Teller

Als »letzter Kliniker der Gründer- und Reformgeneration«, wie er selbst sich bezeichnete, wurde Prof. Dr. Walter Teller, zuletzt Leiter der Abteilung Kinderheilkunde I der Universität Ulm, zum Ende des Wintersemesters 1996/97 emeritiert. In seiner Abschiedsvorlesung präsentierte Teller am 21. März unter dem Titel »Wachstum und Entwicklung - ein Naturgesetz« ein Kaleidoskop interessanter Fakten aus der Abteilungsgeschichte und der pädiatrischen Forschung.

Chefarzt und Professor
Am 17. Januar 1969 übernahm Walter Teller offiziell das Amt des Chefarztes der Städtischen Kinderklinik in Ulm. In Doppelfunktion war er gleichzeitig zum Ordinarius für Kinderheilkunde an der Ulmer Universität berufen worden. Die Kinderklinik auf dem Michelsberg, in den frühen 20er Jahren als dermatologische und venerologische Station für die Reichswehr errichtet, beschäftigte seinerzeit einen Oberarzt und fünf Assistenten, die etwa 3000 Patienten zu betreuen hatten. Heute umfaßt die Anlage drei Gebäude. Zehn Oberärzte und rund 40 Assistenten versorgen jährlich etwa 6000 stationäre Patienten, hinzu kommen über 10.000 ambulante Konsultationen. Die Bettenzahl blieb mit 110 über die vergangenen Jahrzehnte konstant.

Ein Spezifikum der Arbeit in einer Universitätsklinik bildet die gleichrangige Wahrnehmung von Lehre und Forschung. Klinischer Unterricht findet in der Ulmer Pädiatrie seit dem Sommersemester 1972 statt. Bis heute haben sich 14 Mitarbeiter der Kinderklinik in Ulm habilitiert. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte setzten die beiden (heute zusammengefaßten) Abteilungen der Ulmer Kinderheilkunde in der pädiatrischen Endokrinologie und Diabetologie, der Erforschung angeborener Störungen des Bindegewebsstoffwechsels und der Adipositas. Sie behandelten angeborene Herzfehler im Kindesalter und bekämpften den Jodmangel als Ursache von Störungen der Schilddrüsenfunktion - all dies in ständigem internationalem Austausch mit kompetenten Kollegen. Fünfzehn ausländische Wissenschaftler aus zehn Ländern, von den USA bis Ägypten, waren zwischen 1976 und 1996 als Gastprofessoren in der Ulmer Kinderklinik tätig. Die Qualität ihrer eigenen Arbeit wurde Teller und seiner Mannschaft im Laufe der Jahre nicht zuletzt durch zahlreiche renommierte Wissenschaftspreise bestätigt.

Verschwiegenes Laster
Ein beeindruckendes Panorama der aktuellen wissenschaftlichen Aktivitäten ehemaliger Habilitanten aus der Ulmer Kinderheilkunde bot das Symposium »Entwicklungen der Ulmer Pädiatrie 1980-1997«, zu dem die mittlerweile zusammengeschlossene Abteilung Kinderheilkunde unter ihrem neuen Leiter Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin anläßlich der Emeritierung Tellers eingeladen hatte. Neue Perspektiven der pränatalen Herzdiagnostik, die Versorgung extrem unreifer Frühgeborener, körperliche Entwicklung und Folgeerkrankungen bei diabetischen Kindern und Jugendlichen, Diagnostik und Therapie von Mißbildungen des Skeletts, Studien über das Sättigungshormon Leptin und hormonelle Störungen in der weiblichen Sexualentwicklung bildeten das medizinische Themenfeld, hinzu kam eine Sitzung zur Rationalisierung von Routineabläufen im Klinikbetrieb.

Die bereits mit mehreren Preisen ausgezeichneten Studien von Martin Wabitsch, der ein eigenes, inzwischen international anerkanntes Verfahren zur Anzucht menschlicher Fettzellen entwickelt, mit dessen Hilfe die Funktionsweise des Sättigungshormons Leptin erforscht und grundlegende Beiträge zur Genetik des »Ob-« oder »Fettsucht-Gens« im Organismus geliefert hat, zählten mit Sicherheit zu den besonders interessanten Themen des Symposiums. Von Ulmer Seite trat auch PD Dr. Reinhard Holl mit seinen Forschungsergebnissen über Wachstum und Stoffwechsel bei diabetischen Kindern und Jugendlichen hervor. Um in diesem Zusammenhang Aussagen zum Nikotin-Metabolismus machen zu können, hatte dessen Team regelrechte Detektivarbeit leisten müssen, weil die jugendlichen rauchenden Diabetiker - das weiß man aus psychologischen Studien - ihr Laster häufig verschweigen.

Pionierarbeit haben die Ulmer Kinderkliniker hinsichtlich der Langzeitbetreuung und -überwachung von Kindern mit Typ-I-Diabetes geleistet: ein vor Ort entwickeltes EDV-System, das inzwischen bundesweit Verbreitung gefunden hat, unterstützt die praktische Nutzung der Forschungsresultate und hält die relevanten Daten jederzeit abrufbar.

Entwicklung im Zeitraffer
»Wachstum und Entwicklung«, Leitmotiv der Tellerschen Abschiedsvorlesung, bilden konstitutive Elemente des Lebendigen. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Ernst Haeckel (1834-1919) die »biogenetische Grundregel« formuliert, derzufolge jedes Wirbeltier während seiner Individualentwicklung gleichsam im Zeitraffer die Stadien der stammesgeschichtlichen Entwicklung durchläuft. Die wichtigsten Stufen dieses Prozesses liegen vor der Geburt, sind Bestandteil der Embryogenese. Besonders augenfällig verändern sich während dieser Zeit die Körperproportionen: macht der Kopf beim Embryo noch ungefähr ein Viertel der gesamten Körperlänge aus, so beträgt das Längenverhältnis Kopf/Rumpf beim Erwachsenen nurmehr 1:7. Das stärkste Längenwachstum findet während der Fötalzeit ab der 13. Schwangerschaftswoche statt sowie postnatal im ersten Lebensjahr, in dem der Säugling um 50% an Körperlänge zulegt.

Das Längenwachstum verläuft nicht strikt linear, ständige Oszillationen der Längenzunahme sind durchaus normal - dies dokumentiert bereits die Längen- und Gewichtskurve, die, heute das älteste bekannte Exemplar ihrer Art, der Graf von Montbeillard in den Jahren 1759 bis 1777 für seinen Sohn aufzeichnete. Neben der hohen Wachstumsgeschwindigkeit im Säuglingsalter wurde auch der typische »Pubertätsbuckel« zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr erfaßt.

Seele und Wachstum
Irreguläre Verzögerungen des Längenwachstums können seelische Ursachen haben. Von Friedrich Schiller zum Beispiel weiß man, daß er - als angehender Mediziner wider Willen in der Stuttgarter Karlsschule - hinter der Wachstumsnorm seines Alters zurückgeblieben war. Erst nach seinem Examen 1780 und der erfolgreichen Aufführung seiner »Räuber« 1782 in Mannheim normalisierte sich das körperliche Wachstum des zu diesem Zeitpunkt 23jährigen. Posthum diagnostiziert Teller in diesem prominenten Fallbeispiel eine »psychosoziale Wachstumsretardierung«.

Die zunehmende Einsicht in pathophysiologische Zusammenhänge, die den Medizinern heute nicht nur rückblickende Befundungen, sondern vor allem effektives therapeutisches Eingreifen ermöglicht, läßt sich in der Pädiatrie, wie in anderen Teilgebieten auch, an diversen Beispielen belegen - ein aus Ulmer Sicht besonders ergiebiges bildet die Erforschung von Störungen des Steroidstoffwechsels.

Steroidanalytik
Steroide, in der Nebennierenrinde und/oder den Gonaden produzierte Hormone, leiten sich chemisch vom Cholesterin ab, besitzen eine Vierringstruktur und erfüllen eine ganze Reihe physiologischer Schlüsselfunktionen. Cushing Syndrom, Addinsonsche Krankheit oder Virilisierung sind charakteristische Krankheitsbilder, denen eine Über- oder Unterproduktion von Steroidhormonen zugrunde liegt. Dem Kliniker, erklärt Teller, sei an einer frühzeitigen Diagnose dieser Erkrankungen umso mehr gelegen, als sie es erleichtere, langwierige Komplikationen - bei betroffenen Frauen z.B. Osteoporose oder Hirsutismus (abnorme Körperbehaarung) - zu vermeiden.

Bis in die 50er Jahre jedoch war die Steroidbestimmung lediglich in Sammelverfahren möglich, die mehr als ein Dutzend verwandter Substanzen erfaßten. Dann kamen die ersten Systeme zur papierchromatographischen Trennung von Steroiden auf, die bis heute immer weiter perfektioniert wurden - auch und besonders in der Ulmer Pädiatrie. Hier entwickelte PD Dr. Stefan Wudy seine Methode der Isotopenverdünnungs-Kapillarsäulengaschromatographie/ Massenspektrometrie, mit der androgene Hormone im menschlichen Plasma noch bei Konzentrationen im Nanogramm-Bereich bestimmt werden können. Dieses Verfahren stellt derzeit den Goldstandard in der grundlagenwissenschaftlichen Steroidanalytik dar und ist, entsprechend angepaßt, auch für den klinischen Einsatz tauglich. Die Ergebnisse der früher gebräuchlichen Immunassays, die, verglichen mit den aktuellen Ulmer Meßresultaten, Abweichungen von bis zu 100% zeigen, sind damit entwertet.

Moderne Krankheitsbilder
Auch die Wissenschaft wächst und entwickelt sich. So habe sich, resümiert Teller, das Aufgabenspektrum der Kinderheilkunde im Lauf der vergangenen dreißig Jahre weltweit grundlegend gewandelt. Konzentrierte sich die Pädiatrie früher auf Infektionskrankheiten, Ernährungsstörungen und Systemerkrankungen, so entdecken die Mediziner heute das jeweils unverwechselbare Profil des Einzelfalles und, daraus folgend, die Notwendigkeit, sich im klinischen Alltag mit Spezialisten anderer Fachgebiete - Immunologen, Allergologen, Endokrinologen, Genetikern, Onkologen, Intensivmedizinern u.v.a. - zu verbünden.

Auch das Fach Pädiatrie gewinnt an Umfang, namentlich in Gestalt weiterer vom Deutschen Ärztetag anerkannter Zusatzbezeichnungen wie jüngst der Neonatologie und der Pädiatrischen Intensivmedizin. »Der Trend pädiatrischer Morbidität in der westlichen Welt scheint sich von den klassischen Krankheitsbildern zu den 'modernen' Versorgungsaufgaben hin zu verlagern«, ergänzt Teller abschließend. In der Zukunft werden sozialpädiatrische Probleme, einschließlich der Langzeitbetreuung chronisch kranker Kinder, eine wichtige Rolle spielen. Auch die Bekämpfung von Drogensucht, AIDS und Gewalt, etwa durch Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und Mithilfe zum Abbau sozialer Mißstände, seien Aufgaben, denen sich der Kinderarzt der Zukunft zu stellen habe.

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Nicht aufgehoben

Semester-Ticket läßt auf sich warten

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - auch im Fall Semester-Ticket? Die Ulmer Studierenden dürfen gespannt sein, und sie müssen warten. Die vorgesehene Einführung im WS 1997/98 jedenfalls ist gescheitert. Nur Stunden vor einer Verwaltungsratssitzung des Studentenwerks, bei der ein höherer Semesterbeitrag als Sockelfinanzierung des Semester-Tickets beschlossen werden sollte, zogen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) ihr Angebot zurück. Der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (DING) hatte die Aktion gestoppt, die SWU als ein Gesellschafter des ab 1. Januar 1998 als Nahverkehrsträger operierenden Unternehmensverbundes mußten sich fügen.

Dabei war universitätsintern bereits alles gerichtet. Ein Vertragsentwurf lag unterschriftsreif vor, vom Studentenwerk waren die Weichen gestellt. Das Studentensekretariat hatte organisiert (neue Formulare), informiert (über die Gründe für den höheren Beitrag) und kassiert - neben den DM 25.-- von rund 4000 Studierenden auch Proteste, schriftliche und nicht wenige am Telefon. Aber der Unmut hielt sich in Grenzen. Der AStA stand hinter der Lösung, gestützt nicht zuletzt durch ein überzeugendes Votum bei einer gut besuchten »Vollversammlung«. Das Angebot der SWU, bei dieser Gelegenheit erläutert und lebhaft diskutiert, war durchaus attraktiv und hielt einem Vergleich mit anderen Universitätsstädten allemal stand: DM 25.-- Sockelbeitrag als Solidarfinanzierung aller Studierenden, dazu DM 100.-- pro Semester für das Ticket selbst. Das überzeugte auch manche Pkw-Nutzer, die dem ÖPNV nur gelegentlich die Ehre geben. Schließlich war die Rechnung ebenso einfach wie überzeugend: DM 125.-- verteilt auf sechs Monate sind pro Monat nur wenig mehr als DM 20.-- und bereits mit wenigen Fahrten zu amortisieren.

Umso größer nun die Enttäuschung. Die Absage wäre allerdings, wie sich später herausstellte, ohnehin erfolgt, weil das Regierungspräsidium Tübingen mit einer gewissen Verzögerung die Ausgleichszahlungen (Zuschüsse des Landes nach 45 Personenbeförderungsgesetz) verweigerte. Und für die bayerischen Bereiche des UNV drohte seitens der Regierung von Schwaben ebenfalls ein Rückzieher. Wie auch immer: Leidtragende sind vor allem Studentensekretariat und Kasse, die jetzt mühsam die entrichteten Beiträge zurückzahlen müssen. Vom Tisch ist das Thema allerdings noch nicht. Dem Vernehmen nach will auch die DING am Semester-Ticket festhalten, jedoch für den gesamten Verbundbereich. Der schließt neben den Städten Ulm und Neu-Ulm auch den Alb-Donau-Kreis und den Landkreis Neu-Ulm ein. Jüngsten Informationen zufolge will die neue ÖPNV-Organisation das Semester-Ticket schon zum Sommersemester 1998 realisieren.

Willi Baur

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Leistungsfähig, ungefährlich und kostengünstig

Dreiländertreffen der medizinischen Ultraschallanwender in Ulm

Als kostengünstige und ungefährliche Untersuchungsmethode genießt die Ultraschalldiagnostik in der Medizin nicht nur einen guten Ruf, sie ist auch gegenwärtig das am häufigsten verwendete bildgebende Verfahren weltweit. Der Einsatz von Ultraschallkontrastmitteln hat in jüngerer Zeit die Darstellungsqualität von Organen und dynamischen Vorgängen in einigen Anwendungsbereichen erheblich verbessern können.

Noch immer hält der Siegeszug des Ultraschalls in der Medizin an. In den 60er Jahren entwickelt, erschließt er sich sukzessive neue Anwendungsspezialitäten. Über die heute gängigen Anwendungsfelder in der Gynäkologie, Inneren Medizin, Radiologie, Chirurgie, Kinderheilkunde, Neurologie, Urologie, der Veterinärmedizin und anderen Fachbereichen hinaus werden von den Wissenschaftlern nun auch neue Applikationen, die lange für technisch undurchführbar galten, auf ihre klinische Tauglichkeit geprüft. Bisher hielt man Knochen und Lunge, Magen und Darm für sonographisch unzugänglich, die Knochen, weil deren Substanz zu dicht ist, Magen und Darm, weil sie zu viel Luft enthalten, so daß die Schallwellen kein geeignetes Medium fanden. Wirklich aussagekräftige Aufnahmen der menschlichen Knochen und der Lungenoberfläche traute den Ultraschallinstrumenten in der Vergangenheit niemand zu. Heute stehen hochauflösende Spitzengeräte für solche und andere Anwendungen zur Verfügung und, noch vor nicht sehr langer Zeit mindestens 300.000 Mark teuer, sind jetzt schon ab 120.000 Mark zu haben.

Zudem könnte die Ultraschalltechnik bald therapeutisch zum Zuge kommen: Forscher experimentieren mit wirkstoff-, antikörper- und kontrastmittelhaltigen Bläschen, die in das jeweilige Zielorgan eingeschleust und unter Einwirkung hochenergetischen Ultraschalls zum Platzen gebracht werden, so daß die Pharmaka ihre Wirkung exakt am richtigen Fleck, also etwa der Lokalisation eines zu bekämpfenden Tumors entfalten. Auch das Risiko des sogenannten plötzlichen Kindstodes soll mit Hilfe der Ultraschalldiagnostik womöglich vorhersagbar und damit vermeidbar sein. Der plötzliche Kindstod, ein Ereignis, das ausschließlich im ersten Lebensjahr auftritt, ist vermutlich Folge einer Durchblutungsstörung und als solche mit Wirbelsäulenschlagader-Aplasie assoziiert. Das bedeutet: von üblicherweise zwei Wirbelsäulenarterien ist nur eine angelegt. Wenn diese bei einer bestimmten Kopflage abgedrückt wird, kommt es zu einer Mangeldurchblutung, die tödlich ausgehen kann.

Indikator Nackenfalte
Traditionell große Bedeutung hat der Ultraschall in der Frauenheilkunde. Als Screening, das den Schwangerschaftsverlauf überwachen soll, sind nach den Mutterschaftsrichtlinien drei Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft vorgeschrieben. Bereits in der achten bis zwölften Woche lassen sich rund 20 chromosomale Entwicklungsstörungen erkennen. Zwischen der elften und vierzehnten Woche können die ultraschallenden Gynäkologen nach einem Marker fahnden, der transparenten Nackenfalte, die bei einem Fehlbildungs-Risikokollektiv in Erscheinung tritt und zum Beispiel auch die Trisomie 21 (Mongolismus) anzeigt (80 % der Fälle werden so erfaßt). Allerdings setzt die Diagnostik viel einschlägige Erfahrung voraus, weil die Eihäute die fragliche Nackenfalte imitieren und den Arzt irreführen können.

Damit ist zugleich das zentrale Problem der Ultraschalldiagnostik angesprochen: es handelt sich dabei, in welchem medizinischen Fachgebiet auch immer sie angewendet wird, um eine sehr subjektive Methode. Die Experten wollen mit dieser diskreten Umschreibung ausdrücken, daß der Ultraschall nicht per se Erkenntnisgüte gewährleistet, sondern diese letztere in starkem Maße von der Qualifikation des Anwenders abhängig ist. Wenn man die enorme Verbreitung der Methode berücksichtigt und allgemeine statistische Verteilungsmuster zugrunde legt, muß man zu dem Schluß kommen, daß die Ultraschalldiagnostik naturgemäß auch eine nicht unerhebliche Fehlerlast trägt. Daß der Arzt mit dem Schallkopf nur einmal über das Untersuchungsfeld zu streichen braucht und aus den dabei aufgenommenen Daten eine leicht interpretierbare 3D-Darstellung gewinnt, ist noch Zukunftsmusik. Fortbildung der Anwender und Qualitätssicherung sind mithin in diesem Kontext bis auf weiteres elementare Erfordernisse. Die Beschränkung auf einen exklusiven Anwenderkreis wie in den USA, wo Ultraschall vorwiegend von Radiologen eingesetzt wird, scheint indes aus Kostengründen (eine Ultraschall-Sitzung kostet in Amerika etwa 400 Dollar) für deutsche Verhältnisse kein praktikables Modell darzustellen.

Geschlecht auf Anfrage
Doch noch einmal zurück zur Gynäkologie. Die dreidimensionale Darstellung des Feten im Mutterleib, die dank der modernen Ultraschalltechnik möglich ist, leistet nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Fehlbildungsdiagnostik, sondern erleichtert den Eltern auch den emotionalen Zugang zu ihrem ungeborenen Kind. So sehen es aufgrund ihrer Erfahrungen die Gynäkologen. Dies bedeutet allerdings nicht, daß sie einem nur durch Unterhaltungswünsche indizierten »Babyfernsehen« das Wort redeten. Auch wird das Geschlecht des Feten den Eltern nur auf ausdrückliche Anfrage bekanntgegeben. Doch abgesehen von solchen Details: eine gynäkologische Praxis ohne Ultraschalleinheit ist heute nicht mehr denkbar, sie würde nicht genügend Patientinnen haben. Auf gynäkologische Zentren beschränkt bleibt hingegen die Dopplersonographie. Sie sollte auch künftig Risikokollektiven vorbehalten sein, zu denen Hochdruck- und diabetische Patientinnen sowie Schwangere gehören, deren Feten in der Entwicklung zurückgeblieben sind. Mit der Dopplersonographie läßt sich die Funktion des feto-plazentaren Systems überwachen, wodurch die Östrogenausscheidung der Schwangeren als einschlägiger Indikator abgelöst worden ist. Zu einer undifferenziert angewendeten Screening-Methode darf sich nach Überzeugung von Prof. Dr. Rainer Terinde, Universitätsfrauenklinik Ulm, der Doppler allerdings nicht entwickeln, weil damit nicht zuletzt die Bezahlung durch die Kassen in Frage gestellt würde.

1218 registrierte Teilnehmer verhandelten alle aktuellen Aspekte des medizinischen Ultraschalls anläßlich des 21. Dreiländertreffen der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), der Österreichischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (ÖGUM) und der Schweizerischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin und Biologie (SGUMB) vom 1. bis 4. Oktober 1997 in der Universität Ulm. Örtlicher Tagungsleiter war Prof. Dr. Dr. Bernhard Widder, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik im Bezirkskrankenhaus Günzburg. Insgesamt wurden 381 Vorträge gehalten und Poster präsentiert. 40 Firmen zeigten parallel dazu ihre Produkte in einer Industrieaustellung im Foyer der Universität. Nicht weniger als 35 Seminare widmeten sich der Fortbildung, die, wie oben dargestellt, große Bedeutung für die Qualitätssicherung in der Ultraschalldiagnostik hat. Einen besonderen Akzent setzte unter anderem ein von der Abteilung Röntgendiagnostik der Universität und vom Digitalen Archivierungszentrum Ulm (DAZU) durchgeführter Workshop über Telesonographie (siehe dazu den nebenstehenden Beitrag).

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Ersatz für die Maus

Tierschutz-Forschungspreis für Ulmer Wissenschaftlerinnen

Das Hühnerei war das Ei des Kolumbus: zwei Mitarbeiterinnen des Instituts für Lasertechnologien in der Medizin und Meßtechnik an der Universität Ulm (ILM), Dr. Karin Kunzi-Rapp und Dr. Angelika Rück, verwirklichten ihre Idee eines alternativen Testmodells, das in dermatologischen Kurzzeittests den Einsatz von Nacktmäusen entbehrlich macht. Ihr Mausersatz ist das angebrütete Hühnerei.

Die SCID-Maus, die infolge eines genetischen Defekts kein funktionsfähiges Immunsystem besitzt, wird dort gebraucht, wo in Experimenten mit Fremd-Transplantaten die Immunreaktionen des gesunden Organismus umgangen werden müssen. Solche Experimente werden in der dermatologischen Grundlagenforschung durchgeführt und auch in der Industrie, z.B. bei Verträglichkeitstests von Kosmetika, Schadwirkungsermittlungen von Umweltgiften, bei der Untersuchung der Resorption dermatologischer Präparate oder für den Nachweis, ob eine als kanzerogen verdächtigte Substanz tatsächlich die Erbsubstanz der Hautzellen angreift.

Gefäßanschluß
In-vivo-Experimente sind dabei unerläßlich - wobei der Geber der Hautprobe und das »vivens«, die Versuchsumgebung, die das Hautgewebe mit Sauerstoff und Nahrung versorgt, nicht identisch zu sein brauchen. Dies macht man sich zunutze und testet Pharmaka und Kosmetika nicht am Menschen, sondern lediglich an Humanhautproben, die dafür in ein Wirtssystem transplantiert werden - eben in die SCID-Maus, bei der infolge Immuninkompetenz keine Abstoßungsreaktion zu befürchten ist. Als Testtransplantate dienen üblicherweise Reste sogenannter »Spalthaut«: dünn abgehobelte Oberhaut, meist aus der Oberschenkelpartie entnommen und etwa 0,7 mm dick, die im klinischen Alltag zum Abdecken größerer Wunden in physiologisch oder ästhetisch kritischen Zonen verwendet wird. Diese Hautflicken haben aus technischen Gründen zunächst Rechteckformat und müssen zur Übertragung auf die Wunde passend zugeschnitten werden. Die Abfallstückchen werden von den Dermatologen in den Tests verwertet.

Bei SCID-Mäusen sind die Transplantate innerhalb von 4 Wochen eingewachsen und dann bis zu 6 Monate lang verwendbar - behördliche Genehmigung vorausgesetzt, denn Versuche am lebenden Tier unterliegen den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes. Wenn dagegen Kunzi-Rapp und Rück mit angebrüteten Hühnereiern experimentieren, brauchen sie bis auf weiteres keine amtliche Erlaubnis: Versuche an tierischen Embryonen sind bis dato genehmigungsfrei. Selbst eine - dem Vernehmen nach nicht unwahrscheinliche - Angleichung der EU-Tierschutznormen an die europaweit strengsten, nämlich die britischen, die auch für Experimente an Tierembryonen ab dem 10. Reifungstag gelten, ließe das Hühnerei-System unberührt: am vierten, spätestens fünften Bebrütungstag kann mit der Übertragung der millimetergroßen Spalthautschnipsel auf den Embryo begonnen werden, 48 bis 72 Stunden später sind sie eingewachsen, haben also Gefäßanschluß wie die Haut in vivo. Etwa drei Tage lang läßt sich das Testsystem dann verwenden, was bedeutet, daß sämtliche an diesem Modell durchführbaren Experimente vor Eintritt der Genehmigungspflicht abgeschlossen sind.

Nährende Membran
Die Idee mit dem Ei wurzelt in jahrelangen Vorarbeiten, mit denen die Wissenschaftlerinnen am ILM, gemeinsam mit Prof. Dr. Roland Kaufmann, seinerzeit Oberarzt in der Abteilung Dermatologie der Universität Ulm, jetzt Direktor der Dermatologischen Klinik der Universität Frankfurt/Main, nach einem alternativen Testsystem für immunologische und tumorbiologische Kurzzeituntersuchungen fahndeten. Mehr als fünf Jahre beschäftigt sich Kunzi-Rapp, Biologin und Humanmedizinerin, am ILM mit dieser Thematik, seit Anfang 1995 mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg. Rück, die 1996 auf dem Gebiet der hochauflösenden Molekülspektroskopie an der Universität Ulm promoviert wurde, arbeitet seit 1988 am ILM, wo sie seit 1990 eine Projektgruppe für Photochemotherapie und Fluoreszenzdiagnostik in der onkologischen Forschung leitet. Im Rahmen dieser Forschung hat sie das Ei-Modell, erst probeweise, dann routinemäßig, zur Substanzprüfung verwendet.

Bis zum 14. Tag nach der Befruchtung, eine Woche vor dem Schlüpfen, ist der Hühner-Embryo, das wußten die beiden Forscherinnen von diesen Versuchen her, so immuninkompetent wie die SCID-Maus. Die ersten T-Lymphozyten treten frühestens am 11. Entwicklungstag, B-Lymphozyten erst ab dem 13. Tag in Erscheinung. Die den Embryo umschließende Chorioallantoismembran, die das heranreifende Huhn, wie die Plazenta den menschlichen Embryo, mit Nährstoffen versorgt, ist bereits um den fünften Bebrütungstag ausgebildet.

Patent-Ei
Nachzuweisen blieb nun neben dem vollständigen Einwachsen der Spalthaut, daß diese ihre typische Oberflächentextur und ihre immunologischen Charakteristika behielt, daß also, wer künftig am Hühnerei-Modell arbeitete, es tatsächlich mit einem Modell für Humanhaut und nicht doch nur mit einem geflickten Hühnerembryo zu tun haben würde. Daran war kaum mehr zu zweifeln, nachdem Dr. Kunzi-Rapp und Dr. Rück in einer Reihe immunhistologischer Untersuchungen unter anderem gezeigt hatten, daß die Transplantate durchweg humane Antigene produzierten und daß auch die Innenwände der neu gebildeten Blutgefäße über den gesamten Beobachtungszeitraum von fünf Tagen hinweg humanen Ursprungs waren. Immunkompetente Zellen humaner Herkunft wie Langerhanszellen und T-Lymphozyten verblieben im Transplantat, ohne ins Wirtssystem auszuwandern.

»Die frühen Entwicklungsstadien des bebrüteten Hühnereies nehmen als Testsytem eine Mittelstellung zwischen In-vitro- und In-vivo-Systemen ein«, charakterisieren die Ulmer Forscherinnen zusammenfassend ihr Modell. Die erste offizielle Anerkennung ihrer Leistung wurde kürzlich verkündet: am 1. Dezember 1997 erhalten sie in der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität den mit insgesamt 50.000 Mark dotierten Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis 1997 (zusammen mit einem Forscherteam aus Frankfurt und Rosenheim). Der jährlich vergebene Preis würdigt satzungsgemäß »hervorragende wissenschaftliche Arbeiten (...), deren Ziel, bzw. Ergebnis es ist, Versuche an und mit dem lebenden Tier einschließlich Eingriffen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung einzuschränken und soweit wie möglich entbehrlich zu machen«. 20.000,- Mark des Preisgeldes erhält das Team vom ILM, das sein vielseitig einsetzbares Verfahren mittlerweile zum Patent angemeldet hat.

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Multiple Zuständigkeit

Ein Vierteljahrhundert Studentenwerk Ulm

»Obwohl wir in der Vergangenheit stets behauptet haben, das staatliche Geld reiche immer nur bis »T« wie Tübingen, müssen wir natürlich fairerweise sagen, daß wir auch im Kultus- und später im Wissenschaftsministerium bisher eigentlich immer verständnisvolle und faire Partner gefunden haben.« Dies sagt fairerweise Dipl.-Ing. Günter Skrzeba, Geschäftsführer des Ulmer Studentenwerks, anläßlich des nunmehr 25jährigen Bestehens der Einrichtung. Läßt man die eher formale »Neuerrichtung« der meisten Studentenwerke im Land durch das Studentenwerksgesetz 1975 außer Betracht, so ist das Studentenwerk Ulm, zum 1. Juni 1972 per Verordnung des damaligen Kultusministers Wilhelm Hahn konstituiert, das jüngste in Baden-Württemberg. Seine Geschichte, wie Skrzeba sie Revue passieren läßt, ist so recht eine schwäbische. Sie erzählt von manchem Hin und Her zwischen Ministerium und Senat, Senat und Studenten, Studenten und Ministerium, insbesondere in der Gründungsphase, aber auch vom schwäbischem Sinn fürs Praktische, wie er sich zum Beispiel zu beweisen hatte, als Skrzeba und seiner Mannschaft am 1. Januar 1976 die Speisebetriebe der PH in Schwäbisch Gmünd zugeordnet wurden - diese in der ihnen von Ulm her durchaus vertrauten Gestalt eines Provisoriums.

»Die Mensa«, erinnert sich Skrzeba, »war im 'Prediger', einem historischen Gebäude, so beengt untergebracht, wie wir es nirgendwo vorher oder danach gesehen haben«; selbst die Fensterbänke mußten als Tisch- und Stuhlersatz herhalten. Das änderte sich grundlegend, als im darauffolgenden Wintersemester ein neues Mensagebäude zur Verfügung stand. Allein dessen Küchenfläche war größer als das gesamte Mensaprovisorium in Ulm - durchaus kein Grund zur Freude für Skrzeba, der fortan vor der praktisch unlösbaren Aufgabe stand, eine Mensa mit einer Kapazität von 2400 Essen in Relation zu etwa 550 Studierenden wirtschaftlich zu betreiben.

Chemische Barriere
Auf dem Oberen Eselsberg kannte man derlei Probleme nicht. Über mehr als zwanzig Jahre existierten hier nur beengte Mensaprovisorien. Geradezu eine Vorzugslage bescheinigt Skrzeba deren letztem im Dachgeschoß des Festpunktes O 25. Die beiden darunterliegenden Stockwerke mit Chemielaboratorien bildeten, wie sich herausstellte, für Ungeziefer aller Art eine undurchdringliche Barriere. Von derlei unerwünschten Gästen, wie man sie üblicherweise in Großküchen aller Art antrifft, blieb die Ulmer Studentenwerksgastronomie in ihrer Dachenklave verschont.

Wie so manche ministerielle Regelung, war auch das Studentenwerksgesetz, das am 1. März 1975 in Kraft treten sollte, in Ulm auf kollektiven Protest gestoßen. Es dehnte die Zuständigkeit der Ulmer im Zuge einer generellen Regionalisierung der baden-württembergischen Studentenwerke nicht nur auf Schwäbisch Gmünd, sondern auf den gesamten Bereich Ulm/Ost-Württemberg (Biberach, Ulm, Aalen, Schwäbisch Gmünd) einschließlich Mensen und Cafeterien der Fachhochschulen aus und wandelte zugleich die bis dahin mehrheitlich als eingetragene Vereine geführten Einrichtungen in Anstalten des öffentlichen Rechts um. Sämtliche Wahlmitglieder in Vorstand und Kuratorium erklärten am 9. Dezember 1974 demonstrativ ihren Rücktritt - nicht allerdings, ohne vorher die Probezeit des Geschäftsführers zu beenden und ihn mit den notwendigen Vollmachten für die »Alleinregierung« zu versehen.

177 Mitarbeiter
Diese trat Skrzeba mit einem erweiterungsbedingt auf das Doppelte angewachsenen Personalbestand an - unterstützt freilich sowohl von der Universität als auch von der Stadt Ulm. Trotz erheblicher Unterschiede in der Ausstattung der sechs ihm zugeordneten Hochschulen und in deren Finanzierung über Studentenwerksbeiträge, Mieten und Mensa- bzw. Cafeteriapreise sei es bis heute immer gelungen, das Miteinander »im Konsens und ohne bleibende Blessuren« zu regeln. Einer formellen Geschäftsordnung für den Verwaltungsrat haben dessen Mitglieder bis heute nicht bedurft.

Derzeit beschäftigt das Ulmer Studentenwerk in Aalen, Biberach Schwäbisch Gmünd und Ulm insgesamt 177 Mitarbeiter, verteilt auf etwas über 128 Stellen. Es hat (nach einem Höchststand in 1991 mit 26 Mio. DM) im vergangenen Jahr immerhin etwa 18 Mio. Mark an BAFöG-Mitteln ausgezahlt. Es hat knapp 603.000 Essen ausgegeben (gegenüber 1995 ein leichter Rückgang von etwa 4%) und in seinen Cafeterien etwa 2,6 Mio. Mark umgesetzt. Es konnte 484 Privatzimmer vermitteln und verfügt derzeit über 2.026 eigene Wohnheimplätze - für insgesamt 13.136 Studierende in acht Hochschulen zwar bei weitem nicht genug, im bundesweiten Vergleich jedoch ein Vorzeigewert.

Das Ulmer Studentenwerk betreut, aufgrund vertraglicher Regelung mit den Kollegen in Hohenheim, auch die Außenstelle Geislingen der Fachhochschule Nürtingen und ist sogar jenseits der Landesgrenze in Neu-Ulm vertreten, wo die dortigen Studierenden der Fachhochschule Kempten/Neu-Ulm zu seiner Klientel gehören. Als Baustein »für unser gemeinsames europäisches Haus« (Skrzeba) war ein wechselseitiger Austausch von je 16 Studierenden mit dem Studentenwerk der norditalienischen Stadt Trient gedacht, der im August abgewickelt wurde.

Partner Svistov
Über den Rahmen der Europäischen Union hinaus greift die neueste Partnerschaft: im Rahmen einer BMBF-Initiative zur Förderung der Zusammenarbeit mit den mittel- und osteuropäischen Staaten haben die Ulmer Studentenwerker Kontakte mit ihren Kollegen in Bulgarien geknüpft. Das zentrale Studentenwerk in Sofia, das in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wird, betreut die Studierenden in ganz Bulgarien und unterhält dafür 15 Zweigstellen. Eine seiner Filialen liegt in der Stadt Svistov an der Donau, nahe der rumänischen Grenze. In diesem Svistov mit seinen 40.000 Einwohnern, 11.000 Studierenden an der dortigen Handelsuniversität, 1700 Wohnheim- und 2000 Mensa- bzw. Cafeteriaplätzen sahen die Ulmer einen gegebenen Partner - durch die Donau gewissermaßen schon von Natur her verknüpft, eint die beiden Institutionen nun außerdem ein Partnerschaftsvertrag, den Skrzeba und sein bulgarischer Kollege Borimir Tzvetanov am 18. Juni 1997 unterzeichneten.

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Chirurgie an den Stoßdämpfern

Bandscheibenspezialisten in Ulm

Rund 70 Prozent unserer Landsleute leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter starken Rückenschmerzen, die meisten von ihnen (85%) werden mehrfach heimgesucht, und manchem (zwischen 3 und 7 % der Gesamtbevölkerung) läßt der schmerzende Rücken lebenslang keine Ruhe. In den Statistiken der Betriebe führen Rückenprobleme mit 10 bis 15% die Liste der Gründe für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz an, haben Ausfallzeiten von 1400 bis 2600 Stunden pro Jahr und 1000 Arbeitern zu verantworten und zwingen mehr Arbeitnehmer in Frührente als irgendeine andere Erkrankung. Den jährlichen Schaden für die Volkswirtschaft schätzen Fachleute auf 20 bis 50 Milliarden Mark.

Schuld an den Schmerzen sind nicht selten die Bandscheiben. Die Stoßdämpfer unserer Wirbelsäule - dünn ummantelte Faserknorpelringe, die jeweils einen weichen Kern, den Nucleus pulposus, einschließen - können geklemmt, gequetscht und verschoben werden, sind letztlich die Leidtragenden alltäglicher und außergewöhnlicher Fehlbelastungen und -haltungen, und jünger wird ja so eine Bandscheibe, medizinlateinisch ein Discus intervertebralis, auch nicht.

Heilung oder Linderung der Beschwerden bringt oft nur eine Operation, und wenn die Wirbelsäulenchirurgen in letzter Zeit von Jahr zu Jahr gefragter werden, so verdanken sie dies nicht zuletzt ihrer Kompetenz in Sachen Bandscheibe. Rund 200 führende Spezialisten auf diesem Gebiet aus dem gesamten deutschsprachigen Raum - Unfallchirurgen, Orthopäden, Neurochirurgen und Biomechaniker - trafen sich Ende September 1997 im Ulmer Congress-Centrum zur 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie (GW), um unter dem Titel »Die operative Behandlung der verletzten und degenerativen Bandscheibe« neueste theoretische und klinische Ergebnisse zu diskutieren. Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Lutz Claes, Chef der Abteilung Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik der Universität Ulm, zugleich amtierender GW-Präsident.

Poröse Stellvertreter
Theorie und Grundlagenforschung standen am ersten Kongreßtag im Mittelpunkt der Fachgespräche. Experimentelle Untersuchungen haben neue Erkenntnisse über Struktur und Zusammensetzung, Alltagsbewegungen und -belastungen der Bandscheiben geliefert, die für Einteilung und Begutachtung, Diagnostik und Therapie von Bandscheibenschäden nicht folgenlos bleiben werden. Der Problemzone Halswirbelsäule widmeten die Experten unter diesen Gesichtspunkten eine gesonderte Sitzung.

Der zweite Tag stand im Zeichen der neuen bandscheibenchirurgischen Operationstechniken. Angesichts einer Vielzahl zum Teil erst in jüngster Zeit entwickelter Verfahren und Implantate fällt dem Arzt die Entscheidung für einen bestimmten Eingriff im Einzelfall nicht immer leicht. Strittig ist nicht allein die Indikationsstellung insgesamt, auch für das operative Vorgehen bieten sich verschiedene Alternativen, deren Vor- und Nachteile erwogen werden müssen. Auf der Grundlage ihrer jüngsten praktischen Erfahrungen haben sich die Tagungsteilnehmer vor allem mit den verschiedenen Optionen der minimalinvasiven Chirurgie - endoskopische Chirurgie, Laserbehandlung, chemische Auflösung von Bandscheibengewebe - auseinandergesetzt. Zukunftsperspektiven erschlossen mehrere Vorträge über computerunterstützte Wirbelsäulenchirurgie und Neuronavigation.

Ein unter Bandscheibenchirurgen kontrovers diskutiertes Thema ist die Fusion von Wirbelsäulenabschnitten mit Hilfe von Implantaten, sogenannten »cages« (»Käfigen«): porösen Körpern, die als Abstandhalter die Bandscheibe vertreten, um die Versteifung des Wirbelsäulensegments zu beschleunigen. Von verschiedenen Verfahren der Implantierung, verschiedenen Materialien, biomechanischen Grundlagenexperimenten und klinischen Erfahrungen wurde hier berichtet. Uneinheitlich wird von den Experten die Frage beantwortet, ob überhaupt und, wenn ja, wann ein Wirbelsäulenabschnitt fusioniert und wann die Funktion einer schadhaften Bandscheibe - eventuell durch eine Prothese - erhalten werden kann und soll.

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Sonstiges

Kombinierte Ausbildung

Er sei kein Erwachsenenchirurg, der auch Kinder operiert, sondern ein Chirurg, der seiner Ausbildung nach in der Lage ist, sowohl Kinder- als auch Erwachsenenchirurgie abzudecken. Daß Prof. Dr. Dieter Berger (40), Leiter der neu eingerichteten Sektion Kinderchirurgie der Universität Ulm und Oberarzt der Abteilung Chirurgie I (Abteilung Allgemeine Chirurgie, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Günter Beger), seinem Werdegang diesen Hinweis vorausschickt, ist nicht Pedanterie, sondern Ausdruck einer fachlichen Konfession: die kombinierte Ausbildung in beiden chirurgischen Sparten betrachtet er als Voraussetzung, um Erfahrungen in sämtlichen wichtigen Operationssituationen zu sammeln, und damit letztlich als Grundlage für die erfolgreiche Behandlung seiner heranwachsenden Patienten.

Sein Studium absolvierte der gebürtige Sigmaringer an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Freien Universität Berlin, wo er 1987 mit Untersuchungen zur Biogenese der Plasmamembran am Beispiel der Leber promoviert wurde. Seit Dezember 1982 ist er als Kliniker aktiv - wohl nirgends weiß man das besser als hier in Ulm, wo er bis Ende September 1994 an der Chirurgischen Klinik tätig war (zunächst als Assistenz-, ab Oktober 1990 als Oberarzt) und sich drei Jahre lang auch um die Weiterbildung von Krankenschwestern und -pflegern für die Arbeit im OP gekümmert hat. Zum 1994 wurde Berger Leitender Oberarzt in der Abteilung für Kinderchirurgie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Dort erwarb er 1996 die Anerkennung als Kinderchirurg und, aufgrund seiner früheren Tätigkeit in Ulm, als Viszeralchirurg: als Spezialist für Operationen der Eingeweide. Weitere Schwerpunkte setzt er heute in der Tumorchirurgie und der operativen Korrektur von Mißbildungen beim Neugeborenen. Die Intensivierung laparoskopischer Techniken in der Kinderchirurgie liege ihm sehr am Herzen. Gern in Ulm einführen würde er außerdem die Behandlung von Kindern, die eine angeborene Gallengangsatresie (nur teilweise ausgebildete Gallengänge) haben.

Wissenschaftlich ausgewiesen ist Berger als Kenner der Endotoxine, Bestandteile gram-negativer Bakterien, die aus dem Darm in die Blutbahn freigesetzt werden können und im Kontext verschiedener Erkrankungen von nicht unbeträchtlicher Bedeutung sind. Ihren Transport im Blut und die Mechanismen ihrer Neutralisation studiert der Mediziner seit mittlerweile bald 15 Jahren; 1990 wurde er für diese Forschungen mit dem Young Investigators Award ausgezeichnet.

Leuchtende Breitseite oder Lichtorgie im Parkhaus

Welcher mutige Beamte knipst das Licht aus?

Wer sich nächtens, von der Alb kommend, Ulm nähert, wundert sich seit Jahr und Tag über einen festlich illuminierten Eselsberg. Ob Freitag nacht um 1.00 Uhr oder Sonntag morgen um 3.00 Uhr: vom Eselsberg strahlt eine voll erleuchtete Breitseite herüber. Geht der verwunderte Zeitgenosse der Sache auf den Grund, ist der Ort der Lichtorgie schnell ermittelt: es ist das Parkhaus der Universität, das nachtein/jahraus rund um die Uhr erleuchtet wird, obwohl es laut Ausschilderung von 23.00 bis 6.00 Uhr geschlossen ist.

Nun mag es sicher eine Dienstvorschrift geben (vielleicht in der vielzitierten Reichsgaragenordnung von 1937?) die besagt, daß auch geschlossene Garagen ganznächtig beleuchtet sein müssen. Ich meine aber, es müßte sich ein mutiger Beamter finden, der sich über solch unzeitgemäße Vorschriften hinwegsetzt und das Licht ausknipst, wenn die Garage geschlossen wird. Bei der augenblicklichen Praxis hat man Probleme, einem Außenstehenden die angespannte Haushaltslage der Universität verständlich zu machen.

PD Dr. Hans Bialas

Projektbezogener Personenaustausch

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) schreibt Fördermittel für den projektbezogenen Personenaustausch mit Hongkong, Taiwan und Ungarn aus. Bewerbungsschluß ist in allen drei Fällen am 31.10.1997. Auch die Antragsvoraussetzungen sind gleichartig: gemeinsame Forschungsvorhaben, an denen Wissenschaftler beider jeweiligen Partnerländer teilnehmen. Den Schwerpunkt legt der DAAD auf die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern. Antragsberechtigt sind deutsche Hochschullehrer. Nähere Auskünfte und Antragsformulare beim Akademischen Auslandsamt der Universität, Tel. 502-2013.

Otto-Lehmann-Preis

Die Universität Karlsruhe schreibt gemeinsam mit der Otto-Lehmann-Stiftung den mit DM 10.000.-- dotierten Otto-Lehmann-Preis 1998 aus. Prämiierungsfähig sind insbesondere anwendungsorientierte Arbeiten wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, also herausragende Dissertationen oder Diplomarbeiten, auf dem Gebiet der Flüssigkristalltechnik. Einsendeschluß ist am 31.10.1997 bei der Otto-Lehmann-Stiftung, Universität Karlsruhe, Kaiserstraße 12, 76128 Karlsruhe

Bestellungen, Ernennungen, Verleihungen


zur Akademischen Rätin
Dr. Kyra MÖLLMANN, Abt. Chemische Physik

Gewählt
zum Dekan der Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften:
Prof. Dr. Frank STEHLING, Abt. Wirtschaftswissenschaften
(Prodekan: Prof. Dr. Werner Kratz, Abt. Allgemeine Angewandte Mathematik)

zum Vorsitzenden der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (DAE) für die Jahre 1999 und 2000: Prof. Dr. Hermann BRENNER, Abt. Epidemiologie

Emeritierung/Pensionierung
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Theodor M. FLIEDNER, Abt. Klinische Physiologie und Arbeits- und Sozialmedizin
Prof. Dr. Martin HERRMANN, Abt. Anatomie
Prof. Dr. Helmut THOMAS, Abt. Physiologische Chemie
Prof. Dr. Jost Bernhard WALTHER, Abt. Vergleichende Neurobiologie

25Jähriges Dienstjubiläum
Osman CAN, Universitätsklinik
Harald FRÖHLICH, Universitätsklinik
Dr. Hartmut Hinneberg, Dez. II
Richard HRABCIK, Universitätsrechenzentrum
Berta KALOKERINOS, Zentrale für Photo, Graphik und Reproduktion
Ilse KOLLINGER, Universitätsklinik
Ruzica MATICEVIC, Universitätsklinik
Benedikta PAUL, Universitätsklinik
Dr. Alfred PLETTL, Abt. Festkörperphysik
Cyrillus RUF, Dez. VI
Maria SARTORIUS-GOLL, Universitätsklinik

40Jähriges Dienstjubiläum
Prof. Dr. Theo NONNENMACHER, Abt. Mathematische Physik

Ausgeschieden
Emil BENK, Dezernat VI
Leonore HENNE, Abt. Organische Chemie III
PD Dr. Annegret HERRMANN-FRANK, Abt. Angewandte Physiologie
Adolf KUTTRUFF, Abt. Biophysik
Birgit RIETH, Zentrale für Photo, Graphik und Reproduktion

Gestorben
Brigitte SEKYT, Universitätsbibliothek

Sportmedizinisch anrechenbar

Muskeln, Sehnen, Bänder im Orthopädiekolloquium

»Muskel-/Sehnen-/Bandverletzungen - Möglichkeiten und Grenzen der konservativen und ambulanten Behandlung« hieß das Thema des 27. Ulmer Orthopädie-Colloquiums am 25. Oktober 1997 im Hörsaal des Rehabilitationskrankenhauses Ulm (RKU). Veranstaltet von der Orthopädischen Klinik der Universität Ulm im RKU (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Wolfhart Puhl) in Zusammenarbeit mit der Universität Ulm und der Sportärzteschaft Südwürttemberg, war das Symposium vorrangig auf die Interessen praktizierender Sportmediziner zugeschnitten, wurde durch einen Auffrischkurs für funktionelle Stützverbände (Sporttapes) ergänzt und ist mit sechs Stunden Sportmedizin anrechenbar auf die sportmedizinische Weiterbildung. Im Hauptprogramm referierten ausgewiesene Experten über die anatomischen und biomechanischen Grundlagen von Belastungen und Anpassungsreaktionen der Muskeln, Sehnen und Bänder sowie über Pathophysiologie und Therapie von Sportverletzungen und Sportschäden.

Forschungsbündnis gefordert

Dr. Manfred Specker Ehrensenator der Universität

Als Förderer der Forschung, Ratgeber und Gesprächspartner hat sich Dr. Manfred Specker, Generalbevollmächtigter a.D. der Fresenius AG (Bad Homburg), seit mehr als 25 Jahren um die Universität Ulm verdient gemacht - und wurde deshalb aus Anlaß des 30. Jahrestages der Universität am 3. Juli 1997 zum Ehrensenator ernannt.

Nach dem Studium der Pharmazie und Medizin in Pharmakologie promoviert, startete Specker seine Berufslaufbahn in der Forschung bei Boehringer Mannheim und beim österreichischen Konzern Chemie Linz, wo er sich in erster Linie für Muskelrelaxantien und für die Bioverfügbarkeit von Medikamenten interessierte. In den Folgejahren betreute er als Berater in internationalen Gremien unterschiedlichste Projekte in afrikanischen und südamerikanischen Entwicklungsländern. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er 1981 in die Unternehmensleitung der Fresenius AG berufen und schließlich zum Generalbevollmächtigten bestellt.

Die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung sei für Specker, wie sein Laudator Prof. em. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Ahnefeld hervorhob, von jeher ideell motiviert gewesen. Er hat Anschub- und Zusatzfinanzierungen vermittelt - unter anderem für Projekte in Diabetologie und Onkologie, für Forschungen über maligne Hyperthermie und Oxalsteine, für die Entwicklung von Blutersatzlösungen und Konzepten der parenteralen Ernährung -, er hat die Scultetus-Gesellschaft mitbegründet und gehörte zu den Initiatoren der Gesellschaft für Biomedizinische Technologien Ulm e.V. Zahlreiche Stipendiatenprogramme und Kooperationen der Universität Ulm mit Partnerhochschulen - namentlich jene mit Beer Sheva und Budapest - hätten ohne seine Unterstützung nicht, zumindest nicht in der gegebenen Form, realisiert werden können.

Specker, dessen Kompetenz auch von nationalen und internationalen Fachgesellschaften anerkannt wird und der gefragt ist als Berater und Referent, fordert ein Forschungsbündnis zwischen Universität und Industrie bzw. klinischer und industrieller Forschung, um die sonst unvermeidliche Abwanderung der Produktion wie des wissenschaftlichen Potentials ins Ausland zu verhindern. In der Gentechnologie hat diese Erosion schon begonnen.

Langzeiterfolge

Europäischer Spitzenpreis für Walter Teller

Als Pendant zur amerikanischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie wurde 1962 die European Society for Paediatric Endocrinology (ESPE) gegründet. Seither beständig gewachsen, zählt sie heute 450 Mitglieder, darunter neben Vertretern sämtlicher europäischen Länder auch Fachleute aus Israel, Rußland, Rumänien, Saudi-Arabien und den USA. Vor neun Jahren stiftete die ESPE den »Andrea-Prader-Preis« für besondere Verdienste und Langzeiterfolge auf dem Gebiet der pädiatrischen Endokrinologie. Dieser Preis, mit 50.000,- Schwedischen Kronen dotiert, gilt heute als der »Leadership Award« der Gesellschaft, als ihr Spitzenpreis schlechthin.

Die bisherigen Prader-Preisträger kamen aus England, Frankreich, Schweiz, Schweden, den Niederlanden und Dänemark. Diesmal, am 25. Juli 1997, stand bei der Andrea-Prader-Lecture, die traditionell vom Preisträger anläßlich der Jahrestagung der ESPE gehalten wird, erstmals ein Deutscher am Pult: Prof. em. Dr. Walter Teller, bis zum Sommersemester Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinderheilkunde I der Universität Ulm. 30 Jahre erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit auf dem Gebiet der pädiatrischen Endokrinologie hatten damit weltweite Anerkennung gefunden.

»Clinical Steroidology - Coming of Age« war Tellers Vortrag überschrieben. Er berichtete über die Entwicklung von Verfahren zur Bestimmung von Steroidhormonen in Plasma und Urin, über die Bekämpfung des Jodmangels in Deutschland, die Erforschung der kindlichen Adipositas und der Osteogenesis imperfecta (ein Erbleiden mit der Folge einer defizienten Knochenentwicklung), insbesondere aber auch darüber, wie die Ulmer Kinderkliniker ein System der zuverlässigen Langzeitbetreuung diabetischer Kinder aufgebaut haben, das in der Pädiatrie Maßstäbe setzte.

Unternehmensgründer

Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) schreibt einen Wettbewerb aus, an dem sich alle potentiellen Unternehmensgründer beteiligen können. Wer aus einer innovativen Idee ein wettbewerbsfähiges Produkt oder eine wettbewerbsfähige Dienstleistung im eigenen Geschäft machen will, kann seine Unternehmenspläne bei der WRS einreichen, die DM 100.000 als Preisgelder ausgesetzt hat und daneben eine persönliche Beratung durch ehrenamtlich tätige Experten sowie die Vermittlung von Kapital anbietet. Bewerbungsschluß ist am 31.10.1997 bei: Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, Friedrichstraße 10, 70174 Stuttgart, Tel. (0711) 228350.

(Leserbrief)


Lizenz allein erworben
zu »Nur verläßliche Aussagen«, uui Nr. 214/Juni 1997, S. 26

In der Ausgabe Nr. 214/Juni 1997 von »uni ulm intern« wird unter der Überschrift »Nur verläßliche Aussagen« berichtet, daß Prof. Dr. Franz Porzsolt, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Ökonomik in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Ulm, die Rechte für die deutsche Ausgabe der Zeitschrift »Evidence-Based Medicine« erwarb und diese Zeitschrift zu übersetzen hätte. Diese Darstellung ist falsch. Richtig ist: Die Lizenz für eine deutsche Ausgabe der Zeitschrift »Evidence-Based Medicine« wurde allein von der W. Zuckschwerdt Verlag GmbH für Medizin und Naturwissenschaften, Germering, erworben. Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgt durch den Verlag. Prof. Porzsolt ist Mitglied des Herausgeberteams, zusammen mit den Professoren Bauer (Altötting), Köbberling (Wuppertal), Peter (München), Windeler (Heidelberg) und Zeitler (Ulm).

W. Zuckschwerdt Verlag GmbH, Germering

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Gäste


Dr. Lubna ALTARAH Higher Institute of Applied Sciences and Technology Damaskus im Universitätsrechenzentrum
Prof. Dr. Sergei N. ARTEMENKO Institut für Radiotechnik und Elektronik der Russischen Akademie der Wissenschaften Moskau in der Abteilung Mathematische Physik
Prof. Dr. Klaus KERN Institut de Physique Expérimentale Lausanne in der Abteilung Oberflächenchemie und Katalyse
Prof. Dr. Jaan LAANE Texas A&M University Department of Chemistry Texas in der Abteilung Elektrochemie
Prof. Dr. Mikhail RESHETNIKOW Petersburg State University Petersburg in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatische Medizin
Dr. Vladimir I. YUDSON Russische Akademie der Wissenschaften Moskau in der Abteilung Theoretische Physik
Dmitri Kamilevich ZIGANGIROV Russische Akademie der Wissenschaften Moskau in der Abteilung Informationstechnik
Prof. Ildar G. Akmayev MD PhD Dr. Sci. Russian Academy of Medical Sciences National Endocrinology Research Centre Institute of Experimental Endocrinology Moskau in der Abteilung Anatomie und Zellbiologi

Venia legendi

Promotionen

zum Dr. biol. hum.
Dipl.-Biol. Karin BINK
»Untersuchungen über die Eignung von zytogenetischen und molekulargenetischen Methoden (FISH) als biologische Indikatoren für eine Strahlenexposition des Menschen«
Dipl.-Biol. Ulrike SCHMIDT
»Der Einfluß von Dopamin auf die morphologische und funktionelle Differenzierung striataler GABAerger Neuronen in vitro«
Dipl.-Psych. Ulrike ZIMMERMANN
»Der Verlauf der Major-Depression bei Erst- und Mehrfacherkrankten unter besonderer Berücksichtigung der psychosozialen Anpassung und Rückfallprophylaxe«

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November 1997