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Meisterung internalisierter Beziehungskonflikte Römer-Preis des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin |
| Den Römer-Preis, die höchste Auszeichnung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM), erhält anläßlich der Jahrestagung des DKPM in Geldern am 6. März 2004 der Psychosomatiker und Psychotherapieforscher PD Dr. med. Reiner W. Dahlbender, Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm. Der Preis ist mit 2.500 € dotiert. Ausgezeichnet wird damit Dahlbenders theoretisch höchst anspruchsvolle und methodisch originelle Untersuchung zur Schwere psychischer Erkrankungen und zur Meisterung internalisierter Beziehungskonflikte. Dahlbender und Mitarbeiter haben sich das Ziel gesteckt, in den bislang unzureichend erforschten Mikrokosmos klinisch bedeutsamer Zusammenhänge zwischen Symptombelastung und inneren Repräsentanzen interpersoneller Beziehungen, Konflikte, Abwehr- und Meisterungsmechanismen sowie seelischer Struktur grundlagenwissenschaftlich einzudringen. Es gilt die individuelle Psychopathologie mit Hilfe des psychodynamisch grundlegenden Konzepts der Aktualisierung bzw. Übertragung verinnerlichter lebensgeschichtlich bedeutsamer Erfahrungen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu erhellen. Die Annahmen komplexer klinischer Zusammenhänge wurden in einer Querschnittsstudie an stationären Psychotherapiepatientinnen schrittweise aus unterschiedlichen Perspektiven mit bewährten quantitativen und qualitativen Untersuchungsmethoden sowie innovativen Datenanalyseverfahren überprüft und validiert. Das behutsam interpretierte Ergebnis dieser empirischen Studie macht klar, daß sich die Schwere seelischer Störung nicht eindimensional bestimmen läßt. Sie wird vielmehr durch die »Macht der inneren Bilder«, durch das komplexe Zusammenspiel mentaler Repräsentationen individuell prägender Lebenserfahrungen mitgestaltet, die dysfunktionale Erlebens- und Handlungsbereitschaften begünstigen können. Den Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung kommt dabei neben den Fähigkeiten der Beziehungsgestaltung und der grundlegenden psychisch-strukturellen Charakteristik der Persönlichkeit das stärkste Gewicht zu.
Die klinische Erfahrung zeigt, daß die Macht der inneren Bilder in ihrer Komposition aus Beziehungsmustern, Konflikten, Abwehrformen, Meisterungsvorgängen und seelischer Struktur die psychotherapeutische Einflußnahme und Veränderbarkeit begrenzt. Deshalb plädiert Dahlbender in Theorie und Praxis der Psychodiagnostik wie auch der Psychotherapie für eine ergänzende funktional-regulativ konzipierte Schwerediagnostik, mit anderen Worten dafür, die Defizite und Kompetenzen bei der Ausbalancierung innerseelischer und zwischenmenschlicher Gleichgewichte stärker zu berücksichtigen. | |
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Universitätszerwaltung Eine Ulmer Uraufführung |
| Der Ausgangs-Sachverhalt ist banal: Eine Universität lebt über ihre Verhältnisse. Aber statt Stellen abzuliefern (wie gefordert), verhilft ihr ein gewiefter Leitender Verwaltungsbeamter zum Überleben bei sinkenden Etats und steigenden Studierendenzahlen. Der »Universitätsrat«, eine Art »Aufsichts-Rat«, der so ist, wie Aufsichtsräte zu sein pflegen: ohne Regreß-Gefährdung - hat mitgespielt. Falls er überhaupt etwas gemerkt hat. Wohl eher nicht. Die Ministeriumsvertreter im Aufsichtsrat auch nicht. Oder verständnisvoll abgenickt. Auch recht. Die Universitätsleitung hat schließlich dann im Sommer doch drastische Sparmaßnahmen beschlossen. Mutig. Na ja: »Wiedervorlage nach uns.« Die Amtszeit endete am 31.9.2003. Neues Spiel, neues Glück, neue Führung, eine halbwegs eingearbeitete junge Leitende Verwaltungsbeamtin (gerade 30, aus der Unternehmensberatung, Nicht-Juristin, ohne Verwaltungserfahrung). Was tut die Nachfolge? Sie tritt ein Erbe an, ohne zu wissen, wie eine universitäre Insolvenzverwaltung aussehen könnte. Jedoch fällt ihr ein, was heutzutage dem Management immer als erstes einfällt, wenn Kosten zu senken sind: Leute entlassen. Kurzer Prozeß: Einsparungen beim wissenschaftlichen Personal für die nächsten Jahre müssen her, ohne Rücksicht auf Leistungs- und Belastungsverhältnisse in den Fächern und Fakultäten (obwohl das gesetzliche Vorschrift ist), ohne Rücksicht auf Lebens- und Karrierepläne der wissenschaftlichen Mitarbeiter (die doch die Hauptlast der Lehre und Ausbildung tragen), ohne Rücksicht auf sofort drohende Arbeitslosigkeit! Die Leute - in diesem Fall Informatiker - sitzen, wie üblich, in befristeten Verträgen. Wie praktisch. Die haben doch alle außerhalb der Universität gute Berufschancen. Oder? Wie beruhigend. Jeder weiß, daß gespart werden muß. Aber über Stellenstreichungen des Jahres 2005 oder 2006 muß nicht vier Wochen vor Weihnachten im Jahre 2003 entschieden werden bei Personen, die nicht nur zur Finanzmisere der Universität nicht ursächlich beigetragen haben, sondern ganz im Gegenteil in ihrer Fakultät die Überlast der Lehre tragen. Aber was geschieht zum 1.11.2003? Es werden nicht nur freie Stellen kassiert, sondern kurzerhand werden - und das ist das Novum - Verträge nicht verlängert, obwohl die Universitätsverwaltung als personalführende Stelle ihre eigenen Einsparmaßnahmen so gestalten kann, daß keine sozialen Härten entstehen (niemand muß 2003 gekündigt werden, weil im Jahre 2005 oder 2006 eine Einsparung zu erbringen ist!). Vertrauensschutz? Wo gehobelt wird, da fallen Späne. »Durchsetzungsfähigkeit« nennt man das. »Durch« was eigentlich? Einwände der zuständigen Einheit für Forschung und Lehre (Fakultät und Abteilungsleiter). Krisengespräch mit dem Rektorat, ohne die Fachleute aus der Verwaltung (die sich ohnehin verwundert die Augen reiben, aber die Klappe halten müssen). Ende vom Lied: Die Verwaltung teilt auf Befragen mit, »auf Anweisung« würden Verträge solange nicht ausgefertigt, bis die zu streichenden Stellen für drei Jahre im voraus benannt seien. Basta. Wir sind nicht auf dem Balkan. Das passierte an der Universität Ulm im Lande Baden-Württemberg. Dort hat ein Universitäts-Gesetz vor Jahren zur »Stärkung der Autonomie« (eine Formulierung aus dem Falschwörterbuch der Hochschulpolitik) »effiziente Leitungsstrukturen« (noch eine) etabliert. Traditionell nennt man das Handlungsmuster »Führerprinzip«. Jetzt wird es an der Universität praktiziert: die eigene Verwaltung wendet sich gegen das eigene Personal. Sie handelt nicht als Teil einer Korporation in deren Auftrag, sondern als Bürokratie gegen sie. Dieser Vorgang müßte normalerweise zu Mißbilligungsvoten o. ä. führen. Nichts dergleichen: Wer am Geldhahn drehen kann, erzwingt Wohlverhalten. Deshalb ist »normalerweise« gar nichts mehr zu erwarten. Oder doch? Genau: Entsolidarisierung, Vertrauensschwund, Demotivierung, Verunsicherung, Abwanderung. Denn um Schaden von den Mitarbeitern abzuwenden, war der Fakultätsvorstand (im juristischen Sinne des Wortes) genötigt, entgegen gültigen Berufungszusagen Stellen zur Streichung zu benennen. Bisher haben es nur die Kliniken geschafft, mit dem Nachwuchs so umzugehen, daß akuter Ärzte(nachwuchs)mangel herrscht. Die Universität zieht jetzt nach. So sieht sie aus, die moderne effizient zerwaltete Universität. Der Kollege Palm wählte das Bild der Neutronenbombe (uui 265, November 2003). Man könnte auch sagen: die Roland-Bergerisierung der Universität. Schöne Aussichten.
Prof. Dr. Ulrich Herrmann, Leiter des Seminars für Pädagogik | |
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Maßstäbe für Anästhesiologie und Notfallmedizin Professor Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Ahnefeld zum 80sten Geburtstag |
| »In der Lebenskunst gibt es nur wenige Meister«, hat M. Fitzthum einmal gesagt. Zu diesen Meistern zählt gewiß Friedrich Wilhelm Ahnefeld, dem zum 80sten Geburtstag ein ganz besonders herzlicher Glückwunsch entboten sei. Zum Medizinstudium zog es ihn, der am 12. Januar 1924 in Woldenberg/Neumark im damaligen Ostpreußen geboren wurde, in die nähere Ferne, nach Posen (dem heutigen Poznan). Die Verbindungen mit der Anästhesie in Posen hat er bis heute aufrechterhalten und gepflegt. Nachdem eine existentiell bedrohliche Verwundung an der Ostfront glücklich gemeistert war, setzte Ahnefeld nach Kriegsende sein Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster fort. Später wechselte er an die Medizinische Akademie Düsseldorf, wo er das Staatsexamen ablegte. Mit dem Dissertationsthema Schockbekämpfung trat er in eine pharmakologische Arbeitsgruppe der IG Farben-Werke, Wuppertal, ein, die von dem berühmten und mit der Anästhesie eng verbundenen Pharmakologen Helmut Weese geleitet wurde (der hatte bekanntlich das Evipan®, Hexobarbital, eines der ersten kurzwirksamen Barbiturate, entwickelt). Ahnefelds Arbeitsthema befaßte sich mit Volumenersatz, einem Gebiet dem er über Jahrzehnte treu geblieben ist. Den erfolgreich Promovierten führte sein Weg nun in die Chirurgie ans Friedrich-Krupp-Krankenhaus in Essen und »Das Bergmannsheil« in Bochum - zwei Kliniken im tiefsten Ruhrgebiet, die jedem Eingeweihten für ihre Qualitäten geläufig waren. Nachdem er den Facharzt für Chirurgie erworben hatte, konzentrierte sich Ahnefeld mehr und mehr auf die Versorgung von Verbrennungspatienten. Die jungen Bundeswehrkrankenhäuser verfügten über das größte einschlägige Patientenaufkommen. Verständlich also, daß er bald (1958) an das Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz wechselte. In diesem Zusammenhang kam er auch in Kontakt mit der gerade etablierten Anästhesie in Mainz und mit Rudolf Frey, der 1960 auf das neu errichtete erste Extraordinariat für Anästhesiologie in Deutschland berufen worden war. So wurde er einer der ersten Frey-Schüler und 1964 Facharzt für Anästhesiologie sowie bald darauf Privatdozent an der Medizinischen Fakultät in Mainz mit dem Habilitationsthema »Schock bei Verbrennungspatienten - Klinische und experimentelle Untersuchungen«. Einer weiteren wissenschaftlichen Herausforderung stellte sich Ahnefeld mit dem Komplex der Infusionstherapie, der parenteralen und später auch enteralen Ernährung. Das Thema führte ihn vorübergehend an das Physiologisch-chemische Institut der Universität Mainz, wo er bei Professor Lang, einem international renommierten Experten, auf einem Gebiet arbeitete, das für viele Jahre eines seiner weiteren Interessengebiete und das seiner zahlreichen Schüler wurde. Die Rettungskette wird geknüpft Ahnefelds aus 1966 stammender Entwurf der - bis heute gültigen - sogenannten »Rettungskette« erwies sich als bahnbrechendes Konzept. Das war nicht nur eine medizinische, sondern auch eine medizinpolitische Tat. Sein Gespür veranlaßte den Initiator, Überlegungen zur Reorganisation des Rettungsdienstes zu einem Zeitpunkt anzustellen, zu dem nur wenige geneigt waren, seinen Gedankengängen und Herausforderungen zu folgen. So nahm deren Realisierung auch einen beträchtlichen Zeitraum in Anspruch. Eine weitere Initiative, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen, war der Verbesserung der Laienausbildung in Erster Hilfe und Wiederbelebung, einer adäquaten Ausbildung von Rettungssanitätern und später der Entwicklung und Durchsetzung des Berufsbildes des Rettungsassistenten gewidmet. Das Lehrbuch für Rettungsassistenten ist seit Jahren ein Renner in zahlreichen Neuauflagen. Die Reformuniversität Ulm berief Ahnefeld ein Jahr nach ihrer Gründung 1967, und so sollte er maßgeblichen Anteil an ihrem Aufbau haben, als Dekan, als Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses, eines Akademischen Lehrkrankenhauses der Universität, sowie als Leiter des Departments für Anästhesiologie der Universität und nebenbei noch als Chefarzt der Anästhesieabteilung der Städtischen Krankenanstalten/Universitätskliniken. Dies war einerseits eine belastende, andererseits eine fruchtbare Zeit in vielfältiger Hinsicht, trug doch jede Seite (Land, Stadt, Bundeswehr) zum Gelingen des zukunftsweisenden Projektes bei. Das Schwergewicht Prof. Ahnefelds klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit konzentrierte sich zunächst auf die geburtshilfliche Anästhesie, die er mit seinem Team zu einem echten Highlight in Ulm entwickelte. Das zeigte sich u. a. in der exzellenten Kooperation mit den Geburtshelfern im In- und Ausland, so mit dem Ulmer Gynäkologen Professor Karl Knörr. Es dauerte nicht lange, bis diese beispielhafte Entwicklung das Interesse der chirurgischen Fächer erweckte. Ungefähr zu dieser Zeit - 1971 - hatte ich das Glück, zu seiner Mannschaft zu stoßen. Qualifizierte Vorortversorgung Zu den zahlreichen ehrenvollen Herausforderungen dieser Zeit gehörte seine Tätigkeit als Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes, ein Amt das ihn u. a. in den Wirren des Vietnamkrieges zu einem Besuch des Hospitalschiffes veranlaßte. Einen ehrenvollen Ruf nach Münster hat er zu unser aller Freude abgelehnt. Auch als Präsident des Deutschen Anästhesiekongresses 1984 in Wiesbaden, der mit zahlreichen Innovationen und Highlights unvergeßlich ist, hat er mit seinem Team Maßstäbe gesetzt. Ungeachtet vielfältiger anderweitiger Verpflichtungen und Engagements setzte Ahnefeld seine Studien zur Behandlung von Verbrennungspatienten fort und stellte die Untersuchungen zu der alten Kontroverse »Kristalloide vs. Kolloide in der Prähospitalversorgung von Traumapatienten« auf eine neue Grundlage. So konnte seine Gruppe eindrucksvoll demonstrieren, daß qualifizierte Vorortversorgung (inklusive Intubation und Kreislaufstabilisierung) von Traumapatienten das Outcome im Regelfall (abgesehen von Patienten mit unstillbaren Blutungen) gegenüber dem angloamerikanischen Load-und-Go-Konzept nachweisbar verbessert. Seit den frühen 70er Jahren ist die Notfallmedizin ein integraler Bestandteil des Medizinstudiums in Deutschland (oft gegen große Widerstände aus den eigenen Reihen). Soeben wurde auch dem Erfordernis Rechnung getragen, die Anästhesiologie, die ja im Staatsexamen geprüft wird, durch Praktika u.ä. zunächst angemessen zu vermitteln. Dieser Erfolg auf der ganzen Linie ist Ahnefelds ständigem Engagement in allen Ämtern, nicht zuletzt in dem des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), zu verdanken. Die Attraktion des Fachgebietes für Medizinstudenten, junge Ärzte und den Nachwuchs für die klinische Anästhesie geht u.a. auf seine Perspektiven und Visionen zurück. Kreatives Engagement Nach der Emeritierung an der Universität Ulm 1992 hat Professor Ahnefeld neben dem Amt des Generalsekretärs der DGAI und in vielen andern Funktionen bis heute eine Vielzahl von zukunftsweisenden Initiativen ergriffen und sich an deren Entwicklung und Realisierung aktiv bzw. führend beteiligt. Herausforderungen sind sein Lebenselixier geblieben. Als Initiator und Organisator wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Workshops erkannte er bald, daß Arbeitspapiere, die in kleinen Denkzirkeln entstehen und dann gestrafft publiziert werden, einen ungleich größeren Effekt haben als voluminöse Verlautbarungen. Das Interesse des Jubilars an medizinischen, sozialen und politischen Entwicklungen im allgemeinen und im Gesundheitswesen, speziell in der Notfallmedizin im besonderen ist ungebrochen. Für sein ideenreiches, kreatives Engagement hat er ja über die Jahre zahlreiche hohe und höchste Auszeichnungen erhalten, von den Fachgesellschaften und Berufsverbänden, von der Bundesärztekammer etc., er ist mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, der Ernst-von-Bergmann-Plakette und der Ehrendoktorwürde der Semmelweis-Universität Budapest für die Unterstützung bei der Entwicklung eines Notfallsystems in Ungarn ausgezeichnet worden, - um nur die wichtigsten Ehrungen zu nennen. Seine Alma mater Ulm hat ihm für die zahlreichen Aktivitäten zu ihrem Wohl und Fortschritt die Ehrenbürgerschaft verliehen. Seiner unschätzbaren Hilfe und Beratung gebührt unser aller Dank. Für die Zukunft wünschen die zahlreichen Gratulanten von Herzen viele weitere Jahre bei Gesundheit, Wohlbefinden, Aktivität und Kreativität.
Wolfgang F. Dick | |
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Wissenschaftlich approbierte Hilfsarbeiter Bachelor und Master führen zu einem niedrigeren Niveau |
| Von über neunzig Bewerbern in einem Wettbewerb »ReformStudiengänge« mit Bachelor-Master-Konzeption konnte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft nur ganze vier auswählen, die den Anforderungen des Bologna-Prozesses, also der Angleichung des europäischen Hochschulraumes, entsprachen. In den meisten Fällen hatten Fachbereiche nur das Vordiplom zum Bachelor und das Diplom zum Master umetikettiert. Weder an Studieninhalten noch am Studienaufbau hat sich Wesentliches geändert. Die größten Defizite scheint es in der Bachelor-Phase zu geben, deren Abschluß schon berufsqualifizierend sein soll. Doch weder Hochschulen noch Unternehmen haben präzise Vorstellungen von den Anforderungen, die ein Bachelor-Absolvent nachweisen muß. Also ist Bachelor selbst innerhalb Deutschlands nicht gleich Bachelor. Doch wie steht es erst mit der internationalen Vergleichbarkeit? Die amerikanischen Erfahrungen mit dem Bachelor-Master-Studiengang zeigen, daß dieser nicht etwa, wie das Bundesbildungsministerium sich gewünscht hätte, studienverkürzend wirkt, sondern ganz im Gegenteil. Der Forschungsdirektor der American Association of University Professors, John W. Curtis, hat vor kurzem darauf hingewiesen, daß einige Fachbereiche in den Vereinigten Staaten traditionell einen fünfjährigen Bachelor-Abschluß fordern, das gilt etwa für Pharmazie. Aufgrund des Konkurrenzdrucks haben dort auch die Masterabschlüsse die Bachelor-Grade weitgehend verdrängt, was zu längeren Studienzeiten führt. So ist es in Amerika offensichtlich üblich geworden, allein bis zum Bachelor-Abschluß fünf Jahre zu studieren. Übergestülpt Während den Ingenieurwissenschaftlern hier trotz ihres international anerkannten Diploms Bachelor und Master übergestülpt werden, haben die amerikanischen Bauingenieure erkannt, daß der Bachelor-Abschluß nicht ausreicht, um als anerkannter Ingenieur in den Beruf einzusteigen. Das hat die Präsidentin der »American Society of Civil Engineers« der vom Hochschulverband herausgegebenen Zeitschrift »Forschung und Lehre« (Februarausgabe) bestätigt. Das deckt sich mit der Einschätzung des Fakultätentags für Bauingenieur- und Vermessungswesen, der die Einführung des Bachelors als Regelabschluß eines zweistufigen Studiensystems für einen enormen Qualitätsverlust hält und eine unverantwortliche Verlängerung des Studiums befürchtet. Auch der Fakultätentag für Maschinenbau und Verfahrenstechnik, der die Angleichung der Studienstrukturen im europäischen Hochschulraum grundsätzlich gutheißt, spricht sich dagegen aus, den Bachelor-Abschluß als berufsqualifizierenden Regelabschluß der universitären Ingenieurausbildung festzulegen, um das hohe Ausbildungsniveau deutscher Ingenieure nicht zu senken. Im Oktober 2003 hatten die Kultusminister beschlossen, daß der Bachelor-Abschluß in einem System gestufter Studiengänge »als erster berufsqualifizierender Abschluß den Regelabschluß« darstellt und »für die Mehrzahl der Studierenden zu einer ersten Berufseinmündung« führe. Bachlor-Absolventen wird damit die Berufsfähigkeit bescheinigt. Eine Umfrage des Hochschulverbandes unter den Fakultätentagen widerspricht dieser Einschätzung, das gilt sowohl für Geisteswissenschaften als auch für Naturwissenschaften. Auch wenn sich Deutschland weder in Bologna noch bei den Folgekonferenzen in Prag und Berlin verpflichtet hat, seine Diplom- und Magisterstudiengänge auf das Bachelor-Master-Studium umzustellen, stehen alle deutschen Universitäten unter dem Zwang, ihre Studiengänge aufzuspalten. Sie tun es zähneknirschend oder resigniert, von den Akkreditierungskosten ganz zu schweigen. Ein geisteswissenschaftlicher Bachelor kostet bei der Akkreditierungsagentur etwa 12.500 Euro. Werden alle Lehramts-, Diplom- und Magisterstudiengänge im Fachbereich Literatur- und Sprachwissenschaft mit fünf Fächern durch neue gestufte Modelle ersetzt, werden sechsstellige Euro-Beträge fällig, was etwa dem Sachmitteletat für einen solchen Fachbereich für mehrere Jahre entspricht. Alle sechs bis acht Semester muß die Fakultät eine neue Akkreditierung beantragen. Billigabschluß Das einzige, was alle deutschen Bachelor- und Master-Studiengänge verbindet, ist die Gesamtsumme von 300 Credit Points, dem neuen formalen Bewertungsmodell innerhalb Europas. Eingeführt wurde das Kreditpunktesystem ECTS (European Credit Transfer System) in allen europäischen Ländern, um Studienleistungen vergleichbar zu machen. Ein Kreditpunkt entspricht 20 Stunden Arbeit, wobei der Besuch von Lehrveranstaltungen, häusliche Arbeit und Praktika eingerechnet sind. 300 Credit Points entsprechen also einer Studiendauer von fünf Jahren. Aber die Erfahrung französischer Ingenieurwissenschaftler zeigt, daß die Credit Points nicht mehr sind als Schall und Rauch: dort werden immer häufiger Aufnahmeprüfungen verlangt. In Deutschland kann der Bachelor-Abschluß in drei oder vier Jahren (180 oder 240 Credit Points) und der Master in einem oder in zwei Jahren (60 oder 120 Credit Points) erworben werden. Die Aufteilung in drei und zwei Jahre oder 3,5 und 1,5 oder vier Jahre und ein Jahr wird kaum zur Vergleichbarkeit innerhalb Deutschlands, geschweige denn Europas beitragen. Schweden und die Niederlande bieten nur einen Bachelor nach drei Jahren und einen Master nach einem Jahr an (240 Credit Points), Griechenland bleibt bei seinem einphasigen Studium von fünf Jahren. Während Deutschland seine Diplome für Bachelor und Master geopfert hat, bleiben etwa die Franzosen bei ihrer »Licence« und ergänzen sie um »Master« und »Doctorat« (LMD). Die Engländer, vielbeschworene Vorbilder für das Bachelor-Master-Studium, besitzen seit Jahrhunderten universitätsabhängig unterschiedliche Studiengänge von keineswegs vergleichbarem Niveau. Die gelungene Europäisierung nach Bologna hat dazu geführt, daß Master-Grade für 220, 240 oder 300 Credit Points vergeben werden und am Ende niemand mehr etwas auf die Punktezählerei geben wird. Wieso jetzt Studenten mobiler sein sollen, weiß niemand. Kaum jemand zweifelt indessen daran, daß Bachelor und Master durchgängig zu einem niedrigeren Niveau führen, das liegt nahezu in der Logik ihrer Einführung. Schließlich ging es doch nicht in erster Linie um einen europäischen Hochschulraum, sondern um mehr Studienabsolventen, um einen Billigabschluß für mögliche Studienabbrecher und kürzere Studienzeiten. Aber die Ministeralbürokratie könnte ihre Rechnung auch ohne den Wirt gemacht haben: Der Arbeitsmarkt für Ingenieure, Juristen, Architekten oder Lehrer wird den Master-Studiengängen vorbehalten bleiben. Wird der studierte Bachelor also zum wissenschaftlich approbierten Hilfsarbeiter?
Heike Schmoll, FAZ, 24.1.2004 | |
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Bachelorabschluß nicht ausreichend Skepsis bei den Fakultätentagen |
| Der US-amerikanische Verband der Bauingenieure hält einen Bachelor-Abschluß nach vier Jahren für nicht ausreichend, um erfolgreich auf den Ingenieurberuf vorzubereiten. In einem Interview mit der in Bonn erscheinenden hochschulpolitischen Zeitschrift »Forschung & Lehre« führte die Präsidentin des rund 125.000 Mitglieder zählenden Verbandes, Patricia Galloway, als Begründung an, die nächste Generation von Bauingenieuren werde mit immer komplexeren Aufgaben konfrontiert, die »breiteres und tieferes Wissen verlangen, als es die gegenwärtige Ingenieurausbildung bietet«. Der Bachelor werde daher in Zukunft nicht ausreichen, um als anerkannter Ingenieur auf professioneller Ebene zu arbeiten.
Nach dem Willen der Kultusminister der Länder soll der Bachelor der zukünftige Regelabschluß in Deutschland sein. Die Mehrheit der deutschen Fakultätentage betrachtet diese Strukturvorgabe der Kultusministerkonferenz (KMK) mit großer Skepsis. So erklärte der Vorsitzende des Fakultätentages für Bauingenieur- und Vermessungswesen, Professor Dr. Karl Schweizerhof, in einer Umfrage der Zeitschrift »Forschung & Lehre«, die Maßnahmen der KMK gefährdeten mit der »Absenkung der Anforderungen an das Niveau der Ingenieurausbildung die Wirtschaftskraft der Deutschen Industrie in nicht zu verantwortendem
Aus »Forschung & Lehre«, 2/2004 | |
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Wo die Zentren deutscher Spitzenforschung liegen Fünf Harvards zum Billig-Tarif |
| Der Vorsitzende der baden-württembergischen Rektorenkonferenz, Rektor Prof. Dr. Dieter Fritsch (Stuttgart), hält das am 26.1.2004 vorgestellte Programm der Bundesregierung zur Förderung von Spitzenuniversitäten zwar für einen anerkennenswerten ersten Schritt, aber insgesamt für deutlich zu kurz gegriffen. »Mit 50 Millionen zusätzlich im Jahr pro Universität fünf Harvards zum Billig-Tarif schaffen zu wollen, das halte ich für weltfremd«, erklärte Fritsch zu den Überlegungen von Forschungsministerin Bulmahn. Er rate der Ministerin, einmal das Förder-Ranking 2003 der Deutschen Forschungsgemeinschaft genau anzusehen. Daraus gehe deutlich hervor, wo die Zentren deutscher Spitzenforschung liegen. Baden-Württemberg liege dabei vorne, auch was die Vernetzung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft angehe. Dies sei aber dem eigenen Bundesland zu verdanken, weniger der wettbewerbsfeindlichen Hochschulpolitik des Bundes. »Wenn Frau Bulmahn will, daß die jetzt schon guten Universitäten noch besser werden, dann muß sie als erstes das Hochschulrahmengesetz ersatzlos streichen«, fordert Fritsch mit Nachdruck. Als nächstes müsse die überholte Kapazitätsverordnung fallen, um die Betreuungsrelationen auf internationales Spitzenniveau heben zu können. Drittens sei es dringend notwendig, Studiengebühren erheben zu können, denn »das praktizieren die von der Bildungsministerin als Vergleich herangezogenen Universitäten im Ausland allesamt«. Zudem fordert Fritsch eine Erhöhung der Gelder. »Wenn Frau Bulmahn fünf Harvards möchte, dann muß sie auch entsprechende Mittel einsetzen, so daß diese fünf Universitäten tatsächlich einen Haushalt von über zwei Milliarden US-Dollar erhalten.« Die baden-württembergischen Universitäten seien bereit, sich auch an einer reduzierten Ausschreibung zu beteiligen. Diese müßte aber tatsächlich an anerkannten Leistungsstandards statt am Länderproporz orientiert sein. Vorentscheidungen für Hauptstadtuniversitäten, wie sie schon zu lesen gewesen seien, ließen hier nichts Gutes erwarten.
LRK | |
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Gleichheit aller - ein Trugschluß Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung |
| Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und die Humboldt-Universität (HU) Berlin belegen im letzten Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) die ersten beiden Plätze. Für ihre zum zweiten Mal vorgelegte, umfassende Studie bewerteten die Experten des CHE die Forschungsaktivitäten in den Geistes-, Wirtschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften. In die Betrachtung wurden insgesamt 13 Fächer einbezogen. Dabei lagen die LMU mit 10 von 13 Fächern und die HU mit 9 von 12 Fächern in der Spitzengruppe. Zu den weiteren besonders aktiven Hochschulen in der Forschung gehören auf dem dritten und vierten Rang die Universitäten Freiburg und Heidelberg. Zur Gruppe der Forschungsuniversitäten zählen darüber hinaus die Universitäten Bonn und Tübingen sowie die RWTH Aachen. »Unser Ranking zeigt, daß nur wenige Universitäten in Deutschland über Forschungsexzellenz in vielen Fächern verfügen«, erklärte Detlef Müller-Böling, Leiter des CHE. Dies entspreche auch der Situation in anderen Ländern, nur sei man bisher in Deutschland zu sehr von der Fiktion der Gleichheit aller Universitäten ausgegangen. Mit diesem Trugschluß sei es jetzt vorbei. Kriterien für die Ranglisten sind die Drittmittel sowie die Anzahl der Promotionen, Publikationen und Zitationen. Das 2002 zum ersten Mal vorgelegte Ranking basierte auf den Fakultäten in den Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 2003 wurden erstmals die Fächer Biologie, Chemie, Pharmazie und Physik in die Untersuchung einbezogen. Die sieben Universitäten der Spitzengruppe bringen in mindestens der Hälfte der untersuchten Fächer herausragende Forschungsleistungen. Zum breiten Mittelfeld gehören 34 Hochschulen, die in einem Spektrum von sechs bis wenigstens einem Fach besonders forschungsstark sind. Die 16 Hochschulen der Schlußgruppe verfügen über keine forschungsstarke Fakultät. Als forschungsstark werden die Fakultäten eingeschätzt, die bei mehr als der Hälfte der Forschungsindikatoren zur deutschen Spitzengruppe gehören. Zur Spitzengruppe zählen alle die Fakultäten, die insgesamt die Hälfte des deutschen Forschungsoutputs beim jeweiligen Indikator erbringen. Forschungsindikatoren sind: Drittmittel pro Jahr und pro Kopf, Publikationen pro Jahr und pro Kopf, Promotionen pro Jahr und pro Kopf sowie Zitationen je Publikation (nur in den naturwissenschaftlichen Fächern). Auswertungen über alle Fächer hinweg zeigen, daß jeweils nur ein Viertel bis ein Drittel der Hochschulen zusammen rund 50 % des gesamten Forschungsoutputs (z.B. Gesamtzahl der Publikationen im Fach) erbringen. Häufig, aber nicht immer, sind es die, die in der Fachwelt auch einen guten Ruf genießen. Die fokussierte Betrachtung der Fächer Biologie, Chemie, Pharmazie und Physik stellt fünf Universitäten besonders heraus. Sie sind in drei von vier Fächern in der Gruppe der forschungsstarken vertreten: die Universitäten Bonn, Heidelberg, LMU München sowie Tübingen und Würzburg. In den Naturwissenschaften ist mehr als die Hälfte der Universitäten ohne jede forschungsstarke Fakultät.
Bertelsmann-Stiftung | |
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180 ECTS-Punkte für den Bachelor HRK Senat zum Europäischen Credit Transfer System |
| Das europäische System zur Erfassung von Studienleistungen ECTS (European Credit Transfer System) soll in den deutschen Hochschulen noch stärkere Verbreitung finden. Das forderte der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 10. Februar in Bonn. »ECTS hat in den vergangenen Jahren durch den Bologna-Prozeß eine große zusätzliche Dynamik erhalten und setzt sich in allen Ländern des europäischen Hochschulraums als das europäische Leistungspunktesystem durch«, erklärte dazu HRK-Präsident Professor Dr. Peter Gaehtgens. Die HRK plädiert dafür, die Möglichkeiten von ECTS auch national verstärkt zu nutzen. Gemeinsam mit der Organisation des Studiums in Modulen können Studienverlauf und -leistungen transparenter gemacht werden. ECTS fungiert dann als Akkumulationsinstrument, das heißt im Laufe des gesamten Studiums werden Leistungspunkte gesammelt. So sind beispielsweise für einen Bachelor-Abschluß mindestens 180 ECTS-Punkte erforderlich. Die Senatsempfehlung sieht auch vor, die Praxis der Notengebung der in anderen europäischen Staaten stärker anzugleichen. Die absolute Note des deutschen Systems soll weiter vergeben werden, jedoch ergänzt um eine relative ECTS-Note, um dadurch die Aussagekraft des Zeugnisses und des Diploma Supplements zu erhöhen. Die ECTS-Note drückt aus, zu welcher Leistungsgruppe der Studierende innerhalb seiner Kohorte gehört. Damit werden die unterschiedlichen Notengebungspraktiken ausgeglichen. Eine Umrechnung soll nicht mehr erfolgen. HRK-Präsident Gaehtgens hält die zügige und umfassende Einführung von ECTS auch im Hinblick auf das von der EU-Kommission erstmals ausgeschriebene »ECTS-Label« für wichtig, das an Hochschulen vergeben werden soll, die ECTS in allen Studiengängen korrekt anwenden: »Es ist aber wahrscheinlich, daß die vollständige Anwendung von ECTS in der nächsten Generation der EU-Bildungsprogramme die Voraussetzung für zumindest einen Teil der Fördermaßnahmen werden wird.«
HRK | |
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Im Wege eines Wettbewerbs Die Jagd nach dem Elite-Attest beginnt |
| Als die Politik ihre Parole von den Eliteuniversitäten ausgegeben hatte, die jetzt in Deutschland benötigt würden, fragte man sich zunächst, auf welche Weise derartige Institutionen erzeugt respektive definiert werden sollten. An Neuschöpfungen, soviel war sicher, konnte nicht gedacht sein, denn Universitäten, nicht nur Eliteuniversitäten, müssen wachsen, sie lassen sich nicht wie Geflügelfarmen oder Strumpffabriken aus dem Boden stampfen. Andererseits kam auch eine schlichte Umwidmung von Normal- in Eliteuniversitäten nicht in Betracht, schon deswegen, weil sich niemand die Kompetenz zur deklaratorischen Elektion hätte anmaßen dürfen. Inzwischen wissen wir mehr darüber, wie sich die deutsche Bildungs- und Forschungspolitik das Verfahren zur Gewinnung von Elite im tertiären Bildungssystem vorstellte: durch die Veranstaltung eines Wettbewerbs. Welche Universität immer ein dementsprechendes Selbstverständnis hat, mochte ihren Hut in den Ring werfen können. Dem Vernehmen nach sollten dann in zwei Schritten zunächst zehn und schließlich fünf Universitäten ausgewählt werden, die das begehrte Gütesiegel der elitären Charakteristik und darüber hinaus pro anno und pro Universität 50 Mio. EUR extra erhalten. Status und Sondergratifikation würden auf fünf Jahre attestiert bzw. gewährt. Nach Ablauf von vier Jahren erfolgte eine neue Bewerbungsrunde, an der sich auch die amtierenden Eliteuniversitäten beteiligen können. Auf diese Weise, erwartete das Bundesbildungsministerium, werde »eine positive Leistungsspirale in Gang gesetzt«. Soweit so unscharf, denn wer nach welchen Kriterien den Elite-TÜV durchführen und schließlich die nobilitierenden Plaketten verkleben soll, war damit noch nicht gesagt. Gleichwohl erscheint die Vermutung, man hätte womöglich gar auf das Know-how der Deutschland-sucht-den Superstar-Elektoren zurückgreifen müssen, übertrieben. Denn immerhin gibt es eine ganze Reihe von unterschiedlich fokussierten Rankings, deren Ergebnisse nur darauf warten, endlich normierende und Richtlinienqualität zugewiesen zu bekommen. Alle denkbaren Parameter wurden ja schon wiederholt ausgemessen: die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen pro Kopf, ihren impact, wie man das zeitgenössisch nennt, im Spiegel der Zitationsstatistiken, die eingeworbenen Drittmittel, die Frequenz wissenschaftlicher Besuche aus dem Ausland, studentische Werturteile über Lehrqualitäten, Kollegen-über-Kollegen-Befragungen von Professoren nach dem Muster »Wohin würden Sie Ihren Sohn/Ihre Tochter heute studieren schicken« usw. In Vorlage Daß man bei der vergleichenden Betrachtung dieser qualitätsstiftenden Merkmale in Hinsicht auf ein und dieselbe Universität unter Umständen zu ganz disparaten Ergebnissen kommt, darf nicht entmutigen. Man kann ja eine Rangordnung der Kriterien und ein daran anknüpfendes Punktesystem zugrunde legen und daraus eine Per-saldo-Platzziffer herleiten. Zwar wird die Urteilsfindung heikler, wenn die Ergebnisse unterschiedlicher Ranking-Veranstalter in bezug auf ein und dasselbe Kriterium bei ein und derselben Universität divergieren. Aber auch für diesen Fall stehen Bewältigungsstrategien zur Verfügung. Zwecks Vermeidung von Bewertungsdisharmonien und Erzielung kohärenter Leistungsbilder werden die Ausreißer nach bewährtem Verfahrensmuster ausgeschieden. So oder ähnlich hätte der Prozeß der Elite-Findung wohl vor sich gehen können. Und diejenigen, die als solche gern gefunden respektive befundet werden möchten, gingen sicherheitshalber schon einmal in Vorlage wie zum Beispiel die Universität Karlsruhe, die inzwischen bei verschiedenen Gelegenheiten, so zunächst in einer Pressemitteilung vom 28.1.2004, darauf hingewiesen hat, daß sie beim Förderranking 2003 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den Spitzenplatz in den Naturwissenschaften und den dritten Platz in den Ingenieurwissenschaften belegt hat sowie den sechsten Platz unter den europäischen Universitäten in einer Untersuchung der European Commission darüber einnimmt, wie häufig Veröffentlichungen ihrer Wissenschaftler von Kollegen zitiert werden. Daß die Fridericiana mit diesen Vorzüglichkeiten nicht von den Rankern des Institutes of Higher Education der Shanghai-Jiao-Tong-Universität bemerkt worden ist, mag die Betroffene als Schmach empfinden. Das Institut hatte ein weltweites Ranking unter Einbeziehung von 500 Universitäten veranstaltet. Unter die ersten fünfzig schaffte es mit dem 48. Platz gerade noch die Ludwig-Maximilians-Universität München. Unter den zweiten fünfzig waren dann immerhin die Universitäten Heidelberg, TU München, Göttingen und FU Berlin. Nichtbeachtung sollte hier aber womöglich in zweifacher Hinsicht gelassen zu ertragen sein. Erstens insofern, als die Ergebnisse der Shanghaier die Vermutung nahelegen, daß der allgemeine Bekanntheitsgrad des bloßen Namens Einfluß auf die Plazierung genommen hat (Stichwort Oktoberfest), und zweitens deshalb, weil es - jedenfalls für den Gewinn der 50 jährlichen Euromillionen - vermutlich keinen zwingenden Grund gäbe, in Shanghai international zertifiziert zu werden. Freilich, nach Erhebung in den Adelsstand der deutschen Universitäten und Bezug von zahlreichen überplanmäßigen Millionen stünde es den Auserwählten gleichwohl nicht schlecht an, auch weltweit standesgemäß aufzufallen. Abgeblasen Aber zunächst ist das Elite-Rennen erst einmal abgeblasen, jedenfalls von den bildungszuständigen Ländern. Die haben neben dem zu erwartenden, schwerlich ausreichend validierten und das bedeutet mehr oder minder deklaratorischen Prozeß der Elite-Bestimmung insbesondere zu bemängeln, daß der Bund seine Zusagen bei der Hochschulbauförderung nicht einhält und infolgedessen im Begriff ist, eher »Ruinen« als »Spitzenhochschulen« (Minister Frankenberg, Baden-Württemberg) zu erzeugen. Diese Situation, so die Befürchtungen, wird sich nicht dadurch bessern, daß jetzt gegebenenfalls »etatmäßig ungedeckte Fördersummen in Millionenhöhe« (Frankenberg) für Elitehochschulen bereitgestellt werden müssen. Im übrigen lassen sich die Bildungssouveräne naturgemäß auch nicht ausgesprochen gern in ihre Kompetenzen pfuschen, was sich selbst dann so verhielte, wenn die Bundesbildungsministerin nicht so farb- und glücklos und so wenig sachkompetent wäre, wie sie nun mal ist. So hat sich also eine breite Front der Ablehnung gegenüber den Elite-Träumen der Politik formiert, eine Front, in der auch die Hochschulrektorenkonferenz Position bezieht. Statt »wohlfeile Luftblasen« zu produzieren sollte sich die Bundespolitik besser auf die »Abschaffung leistungsfeindlicher Rahmenregelungen in der Bundesgesetzgebung« (Frankenberg) konzentrieren. Die Hochschulen müßten Studiengebühren einnehmen und ihre Studierenden selbst auswählen können. Insbesondere müsse auch das bundesweite Kapazitätsrecht fallen, das die Betreuungsrelation zwischen Hochschullehrern und Studierenden belaste.
Elitekriterien würden in der Regel nicht von kompletten Universitäten erfüllt, sondern von kleineren Einheiten wie Fach- und Wissenschaftsbereichen. Die gelte es deshalb, so inzwischen auch die Kultusministerkonferenz, bei gleichzeitig stattfindender solider Breitenförderung im Sinne der Elitestärkung herauszustellen. Und natürlich gibt es auch einen Namen für das, was daraus entstehen soll: Exzellenz-Cluster oder auch -Netzwerke, zu denen sich die eliteverdächtigen Fachbereiche bundesweit verknüpfen. Freilich, auch die wird man irgendwie approbieren müssen. Wenn der »Exzellenz-Cluster« respektive das »Exzellenz-Netzwerk« ungeschützt bleibt und als Epitheton ornans der freien Selbstzuweisung zur Verfügung steht wie die »Kompetenzzentren« und »Exzellenzzentren«, wird schon in naher Zukunft wissenschaftliche Existenz nur noch in Form von Exzellenz vorkommen. | |
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Zwei Frauen und ein Mann Frauenförderpreis 2004 der Universität Ulm |
| Den mit 5.000 Euro dotierten Frauenförderpreis 2004 der Universität Ulm erhielten am Dies academicus 2004 der Universität (6.2.) Dr. Monica Hagedorn für ihre Dissertation über den Kalziumtransport bei der kalzifizierenden Armierung des Epithels der Kellerassel (»Epithelial Calcium Transport in the sternal Epithelium of the terrestrial Isopod Porcellio scaber«), Dipl.-Biol. Bettina Jerg, die genetische Untersuchungen an dem Bakterium Acinetobacter (»Untersuchungen zur Interaktion des Transkriptionsregulators PcaU aus Acinetobacter sp. Stamm ADP1 mit seinen Bindestellen auf der DNA«) durchgeführt hat, sowie Prof. Dr. Harald Traue in Würdigung seines außergewöhnlichen Einsatzes zur Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung. Daß der Ulmer Frauenförderpreis auch einem Mann zuerkannt werden kann, ist satzungsbegründet und auch schon bei früherer Gelegenheit verleihungswirksam geworden. Prämiiert werden in einem solchen Fall zum Beispiel arbeitsorganisatorische Arrangements und strukturelle Hilfestellungen, die es Wissenschaftlerinnen ermöglichen, insbesondere nach einer Babypause ihre Tätigkeit in der Universität wieder aufzunehmen. So hat Prof. Traue auf unterschiedliche Weise unterstützende Bedingungen gewährleistet, Wiedereingliederungsstipendien beschafft, oder in anderen Fällen die Arbeitsorganisation für die in ihrer beruflichen Tätigkeit zu fördernden Mütter flexibilisiert, durchaus auch in dem Sinn, daß die Kinder an den Arbeitsplatz mitgebracht werden können und noch im Zimmer des Chefs Spielzeug vorfinden, das ihnen hilft, sich die Zeit zu vertreiben. Traues tätiges Engagement ist ein Erfolgsmodell nicht zuletzt in dem wichtigen Sinn, daß die stipendiengestützten Wiedereingliedengsfiguren zum Angebot neuer Stellen und damit zur beruflichen Reintegration der Geförderten geführt haben. Epithelialer Kalziumtransport Die zu den Krebstieren (Crustacea) gehörende Kellerassel (Porcellio scaber) hat, wie die meisten Krebstiere, ein starres Exoskelett (Kutikula), das durch die Einlagerung von Mineralien, vor allem Kalziumkarbonat, gehärtet ist. Um wachsen zu können, muß sich das Tier in regelmäßigen Abständen häuten und nach jeder Häutung die neue Kutikula schnell kalzifizieren, um deren schützende Funktion wiederherzustellen. Marine Krebstiere können Kalzium aus dem Wasser, wo es in großen Mengen vorhanden ist, über die Kiemen aufnehmen. Terrestrische Tiere dagegen, zu denen auch die Kellerassel gehört, sind auf die geringen Mengen an Kalzium angewiesen, die sie aus der Nahrung über das Darmepithel gewinnen. Deshalb bilden terrestrische (und im Süßwasser lebende) Krebstiere vor der Häutung Kalziumreservoire aus, die es ihnen ermöglichen, das Mineral während der Häutung zu speichern und für das neue Exoskelett zu aktivieren. Die Kellerassel legt sternale (am Brustbein liegende) Kalkdepots an, die über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen vor der Häutung gebildet werden. Der Aufbau und die Resorption dieser Kalkreservoire ist eng mit dem einzigartigen, biphasischen (in zwei Phasen verlaufenden) Häutungszyklus der Asseln (Isopoden) verknüpft. Isopoden häuten zuerst die hintere (posteriore) und dann die vordere (anteriore) Körperhälfte. Wenn das Kalkdepot voll ausgebildet ist, kommt es zur posterioren Häutung. In der Zwischenhäutungsphase, das heißt zwischen der posterioren und anterioren Häutung, werden die Kalkablagerungen innerhalb von etwa 24 Stunden über das anteriore sternale Epithel (ASE) resorbiert und für die Härtung der neuen posterioren Kutikula genutzt. Während dieser Vorgänge ist das ASE für den Ionentransport besonders spezialisiert. Diese Spezialisierung, die hohen Kalziumtransportraten und die bidirektionalen Kalziumtransportwege machen das sternale Epithel zu einem sehr geeigneten Modell für die Untersuchung von epithelialem Kalziumtransport (ECT). Als ECT wird der Transport von Kalzium durch eine Zellschicht bezeichnet, die zwei Kompartimente in einem Organismus voneinander trennt. Obwohl dem ECT eine fundamentale Bedeutung bei einer Vielzahl von biologischen Vorgängen zukommt, wie zum Beispiel bei der Resorption von Kalzium über das Darmepithel, bei der Mineralisierung von Zähnen oder der Ausbildung von Muschelschalen, ist sein genauer Mechanismus nicht bekannt. Dr. Monica Hagedorn, Zentrale Betriebseinheit Elektronenmikroskopie der Universität Ulm, hat jetzt mittels elektronenmikroskopischer sowie molekularer Untersuchungen einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Zusammenhänge geleistet. Insbesondere ist es ihr gelungen, die Rolle des sogenannten endoplasmatischen Retikulums (ER) beim transzellulären Kalziumtransport, der Kalzium durch die Epithelzellen hindurchbefördert, näher zu beleuchten. Als endoplasmatisches Retikulum wird ein innerzelluläres System flacher, von Elementarmembranen begrenzter Hohlräume bezeichnet, die unter anderem dem Stofftransport in der Zelle dienen und auch aktiv am Kalziumtransport durch die Zelle beteiligt sowie für die Speicherung von Kalzium zuständig sind. Dabei spielt ein Protein mit dem Namen »smooth endoplasmic reticulum Ca-ATPase«, kurz SERCA, eine Schlüsselrolle derart, daß es das Kalzium in das endoplasmatische Retikulum pumpt. Hagedorn konnte nicht nur diese Funktion des Proteins im Zusammenspiel mit den Zellelementen belegen, sondern durch quantitative Messungen zudem zeigen, daß die Aktivität des Proteins in kalziumtransportierenden Häutungsstadien signifikant zunimmt. Mit dieser Aktivitätssteigerung korrespondiert Dr. Hagedorns Beobachtung einer gesteigerten Expression des Proteins SERCA. Die daraus resultierende schnellere Aufnahme von Kalzium durch das endoplasmatische Retikulum sowie eine erhöhte Aufnahmekapazität unterstützen die Funktion des ER beim Kalzium-Transit. Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, daß dem endoplasmatischen Retikulum eine wichtige Rolle beim transzellulären Kalziumtransport zufällt. Dies konnte hier erstmalig an dem mineralisierenden Epithel eines Invertebraten (Wirbellosen) gezeigt werden. Acinetobacter ADP1 und seinTranskriptionsregulator PcaU Das im Wasser und im Boden lebende Bakterium Acinetobacter sp. Stamm ADP1 hat in den letzten Jahren besonderes Interesse auf sich gezogen. Es ist in der Lage, aromatische Verbindungen abzubauen. Ein Beispiel für aromatische Verbindungen ist Lignin, ein harzartiger, holzbildender Stoff. Lignin hat einen Anteil von 25 % an der Landbiomasse. Es tritt hauptsächlich in Pflanzen auf. Von Pilzen wird es in seine Bestandteile zerlegt. Die verbleibenden Monomere können dann von Acinetobacter metabolisiert (verstoffwechselt) werden. Die Gene, die für die zur Metabolisierung dieser Aromaten notwendigen Enzyme kodieren, sind auf dem Chromosom in zusammenhängender Form angeordnet. Ein Regulatorprotein aktiviert oder unterdrückt die Enzymbildung, und zwar in Abhängigkeit davon, welche Menge an Protocatechuat vorliegt. Protocatechuat, eine ringförmige Kohlenstoffverbindung, entsteht durch verschiedene Reaktionen aus den im Medium vorhandenen aromatischen Verbindungen und wird dann enzymatisch weiter verstoffwechselt. Die Anwesenheit von Protocatechuat führt mit Unterstützung durch das Regulatorprotein PcaU zur Ablesung der DNA, so daß die Enzyme gebildet werden können, die für den Abbau von Protocatechuat erforderlich sind. In ihrer Diplomarbeit ist Bettina Jerg der Frage nachgegangen, wie sich Veränderungen in der DNA-Bindestelle auf die Protein-DNA-Interaktion auswirken und welche Folgen sich daraus für die Expression der Enzyme ergeben. Zur Beantwortung dieser Frage wurden verschiedenste Mutationen in die PcaU-Bindestelle eingebaut. Um den Effekt der veränderten Bindestelle auf die Enzymbildung zu bestimmen, fügte Jerg ein Gen hinzu, das für einen Farbstoff kodiert. Die Konzentration des Farbstoffs, dessen Expression qualitativ und quantitativ detektiert werden kann, korreliert direkt mit der gebildeten Enzymmenge.
Dipl.-Biol. Jerg gelang es auf diese Weise, Stämme des Bakteriums auszulesen, die über eine aktive Bindestelle verfügen und die trotz Mutationen in der Bindestelle in der Lage waren, die Enzyme für den Abbau von Protocatechuat zu bilden. Auch konnte so die DNA-Sequenz der Bindestelle dieser Bakterienstämme ermittelt werden. Im Ergebnis der Arbeit zeigte sich, daß bestimmte Bereiche der PcaU-Bindestelle besonders wichtig für eine spezifische Protein-DNA-Interaktion sind. Die gewonnenen Erkenntnisse schaffen eine gute Ausgangslage für weitergehende regulatorische Studien, deren Ziel es sein wird, Aussagen über die spezifische Protein-Interaktion zu machen. Wie genau muß die vorgefundene Sequenz tatsächlich beschaffen sein, um eine Proteinbindung zu ermöglichen, und wie wirken sich Sequenzänderungen der Bindestelle auf die Überlebensfähigkeit des Mikroorganismus aus - die Beantwortung dieser und damit im Zusammenhang stehender Fragen stellt dem Bakterium Acinetobacter ADP1 Einsatzmöglichkeiten als biologischer Sensor wie auch als Verbündeter des Umweltschutzes in Aussicht. | |
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Patientenwohl und Kostendruck Hermann Heimpel über die Zukunft der Gesundheitsleistungen |
| Die gesundheitsökonomische Debatte reißt nicht ab. Patienten werden in den kommenden Jahren mit schwerwiegenden Leistungseinschränkungen konfrontiert sein. Prof. em. Dr. Hermann Heimpel, ehedem Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin III (Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie) der Universität Ulm und Mitglied des Falkauer Kreises, äußert sich zu der Problematik im aktuellen gesundheitspolitischen Schwerpunktheft »Gesundheit und Gerechtigkeit« der Wissenschaftszeitschrift UNIVERSITAS. Grundlage des ärztlichen Handelns ist nach dem Selbstverständnis der Ärzteschaft die Ausrichtung aller diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen am Wohle des Patienten. Leistungssteuerung, Wettbewerb, Effizienz, Wirkungsbeweis durch kontrollierte Behandlungsstudien, Kosten-/Nutzen-Relation, Budgets oder ähnlichen Begriffe, welche die Diskussion unseres Gesundheitssystems bestimmen, spielen bei diesem Bekenntnis zunächst keine Rolle. Rationalisierung vor Rationierung ist eine Forderung aller Partner des Gesundheitswesens, in der sich Politiker, Ärzte und Versicherte treffen. Sie ist aber nur unvollständig und mit wiederum kostspieligen Anstrengungen zu realisieren. Da Rationalisierung und Effizienzsteigerung im Gefolge des medizinischen Fortschritts zu Verschiebungen der Inanspruchnahme und damit des Gewinns verschiedener Anbietergruppen führen, stellen sich Abwehrreaktionen ein, die durch die Medien unkontrolliert verstärkt werden können. Kehrseite der Versorgungsgerechtigkeit ist also eine im Vergleich zum freien Markt niedrigere Effizienz; was nach Heimpel dazu führen dürfte, daß Rationierungen notwendig werden, bevor die tatsächlich bestehenden Rationalisierungsreserven ausgeschöpft sind. Rationierung, das heißt die von Kostenträgern erzwungene oder vom einzelnen Arzt verfügte Verweigerung notwendiger, wirksamer und potentiell nützlicher Diagnostik und Therapie ist mit der ausschließlichen Fokussierung auf das Patientenwohl nicht zu vereinbaren und wirft für die Begründung ärztlicher Entscheidungen schwerwiegende ethische Probleme auf. Dies gilt auch für die Situation, daß Leistungsverweigerung gegenüber einzelnen Patienten oder Patientengruppen Ressourcen freimacht, deren Nutzen für die Gesamtheit der Betreuten, gemessen zum Beispiel an der Zahl der gewonnenen Lebensjahre, überwiegt. Die Auflösung dieses Dilemmas durch Diskurs und Konsens wird erforderlich werden, ohne daß die Lösung heute erkennbar ist. Rationierung findet bereits statt. Das Wort »Verweigerung« suggeriert, daß der Betroffene sich ihr unter Kenntnis seines Nachteils fügen muß. Vor allem in der Intensivmedizin und bei der Behandlung alter Menschen sind aber Leistungseinschränkungen dem Patienten oder seinen Bezugspersonen meist nicht bekannt. Sie dürften wegen der Gefahr möglicher zivil- und strafrechtlicher Konsequenzen auch kaum in institutionellen Richtlinien festgehalten werden. Um welche Größenordnungen es dabei gehen kann, zeigt das Beispiel einer seltenen Gerinnungsstörung, der Hemmkörperhämophilie: hier können nach einer notwendigen Operation ohne entsprechende Vorbehandlung innerhalb einer Woche Kosten bis zu 400.000 Euro anfallen. Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren.
Aspekte der Problematik wie die Forderung nach Transparenz, die Einigung mit dem Patienten, die Klärung der Zuständigkeit und die Bewertung des Grenznutzens werden im Schwerpunktheft der UNIVERSITAS »Gesundheit und Gerechtigkeit« vertieft, das kostenlos bei Dirk Katzschmann, Chefredakteur der UNIVERSITAS, im Rahmen eines kostenlosen und unverbindlichen Probeabonnements (zwei Hefte) angefordert werden kann: UNIVERSITAS, Birkenwaldstraße 44, 70191 Stuttgart, Tel. 0711-2582-240 oder 0711-2582-352; E-Mail: universitas@hirzel.de | |
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Rückgrat des Wissenschaftssystems HRK fordert vorrangige Förderung |
| Die deutschen Hochschulen bilden das Rückgrat des deutschen Wissenschaftssystems. Entsprechend müssen sie gefördert werden. Dies forderte der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 10. Februar in Bonn und verabschiedete im Zusammenhang mit den laufenden hochschulpolitischen Diskussionen die folgenden Thesen: 1. Der Senat der HRK begrüßt die wissenschafts- und hochschulpolitische Diskussion und das Bekenntnis der Bundesregierung zur Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des BIP bis 2010. Die Investitionssteigerungen müssen in erster Linie den Hochschulen zugute kommen. Diese zusätzlichen Mittel sollten insbesondere zur Förderung von spezifischen Forschungsprojekten auch in institutionsübergreifenden Verbünden, zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zur Unterstützung von Berufungen, zur institutionellen Förderung der Hochschulen, zur Sicherung ihrer personellen sowie technischen und baulichen Infrastruktur eingesetzt werden. 2. Die Erklärungen der Politik sowie die Absicht der Förderung von »Elite-Universitäten« stehen in erheblichem Gegensatz zu der zunehmend unhaltbaren Situation der Hochschulen in Deutschland, die wegen einer anhaltenden Kürzungspolitik sowohl des Bundes als auch der Länder Leistungsverluste in Forschung und Qualitätseinbußen in der Ausbildung befürchten läßt. Die Bundesregierung hat erst vor wenigen Wochen Kürzungen der Haushaltsansätze für den Hochschulbau und die Projektförderung verfügt, von denen die Hochschulen erheblich betroffen sind. 3. Das Hochschulsystem in Deutschland erbringt schon jetzt auch international wahrgenommene Spitzenleistungen sowohl in der Forschung als auch in der Lehre, zeichnet sich aber auch durch ein im internationalen Vergleich ungewöhnlich breites Spektrum mit hohem Leistungsniveau aus. Wenngleich die verstärkte Förderung von Spitzenleistungen in Hochschulen im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zweifellos wünschenswert ist, so darf dies keinesfalls durch bloße Umverteilung von Mitteln zugunsten einiger Spitzeneinrichtungen geschehen; erhebliche zusätzliche Mittel sind daher erforderlich. 4. Verstärkte Entwicklung auch international sichtbarer Spitzenleistungen kann nur in einem wissenschaftsadäquaten Wettbewerb erfolgen, für den die erforderlichen Voraussetzungen hergestellt werden müssen. In diesem Wettbewerb müssen die wissenschaftlichen Leistungen von Fächern und individuellen Wissenschaftlern ausschlaggebend für finanzielle Förderung sein, nicht jedoch Qualitätsurteile über ganze Hochschulen. 5. Wichtige Voraussetzung für den wissenschaftsadäquaten Wettbewerb ist ein deutlicher Rückzug des Staates aus der Detailsteuerung zugunsten der Entscheidungsspielräume von Leitungsorganen der Hochschulen. Dringlich zu behebende Wettbewerbshindernisse sind u.a. die Vorgaben des Dienst- und Tarifrechts, fehlende Budgethoheit, Bauherreneigenschaft und Dienstherreneigenschaft für das gesamte Personal, das Kapazitätsrecht und das Fehlen eines Auswahlrechts der Hochschulen für ihre Studierenden. 6. Forschungsförderung ist im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland weiterhin eine staatliche Gemeinschaftsaufgabe. Auch die Finanzierung des Hochschulbaus muß daher in gemeinsamer Verantwortung von Bund und Ländern bleiben, um die Unabhängigkeit der Forschung sowie die bauliche Entwicklung und die Ausstattung mit Großgeräten zu sichern.
7. Spitzenhochschulen vereinen höchste wissenschaftliche Standards in einer Vielzahl von Disziplinen, ein breites wissenschaftliches Umfeld als Voraussetzung für die Entwicklung innovativer Forschungsstrategien, sowie effiziente Strukturen zur Sicherung der Qualität in Lehre und Nachwuchsförderung. Im Interesse der institutionellen Sichtbarkeit, der Berufungsfähigkeit und der Einheit von Forschung und Lehre müssen diese Hochschulen in den Stand gesetzt werden, als Fokuspunkt für enge wissenschaftliche Kooperation mit der außeruniversitären Forschung am Ort zu dienen. Die Stärkung der Hochschule als Orte der Forschung muß ein erklärtes Ziel der Spitzenförderung sein. | |
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Kaltwasser aus China Absorptionskältemaschine als Element der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung |
| Am 12. Februar 2004 wurde in der Technischen Versorgungszentrale der Universität Ulm eine neue Kältemaschine angeliefert. Sie arbeitet nach dem Prinzip der Absorptionstechnik und ersetzt eine ca. 30 Jahre alte elektrisch angetriebene Turbo-Kompressionsmaschine, die wegen starken Verschleißes an Lagern und Dichtungen verschrottet werden mußte. Das wesentliche Prinzip einer Absorptionskältemaschine (AKM) besteht darin, daß die gewünschte Kälte aus Wärme erzeugt werden kann. Das erforderliche Heißwasser mit 180°C Temperatur wird ab Sommer 2004 im neuen Biomasse-Heizkraftwerk der Fernwärme-Ulm-GmbH (FUG) erzeugt und über die bestehende Fernwärmeleitung geliefert. Die Maschine ist ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts der Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) aus Biomasse und trägt als Wärmeverbraucher insbesondere in den Sommermonaten zur Rentabilität des Systems bei. Aus diesem Grund fiel bei der Baubehörde (VBA) die Wahl auf die Absorptionstechnik. Trotz höherer Investitionskosten ist von Wirtschaftlichkeit im Betrieb auszugehen. Der Kälteprozeß beruht auf der Verdunstung des Kältemittels (reines Wasser) bei sehr niedrigem Atmosphärendruck. Der ständig entstehende Wasserdampf wird von einer Lithiumbromid-Lösung absorbiert. Um das Wasser wieder in den Prozeß zurückführen zu können, muß es aus der Lösung abgetrennt werden. Dies geschieht in einem mit Heißwasser beheizten Wärmetauscher, in dem das Wasser aus der Lösung herausgekocht und anschließend kondensiert wird. Die beim Kondensieren entstehende Abwärme wird über einen Kühlturm abgeführt, der speziell für die Anlage dimensioniert wurde. Die Anlage ist mit 5.000 kW Kälteleistung europaweit der größte heißwasserbetriebene Absorptionskühler. Hergestellt wurde sie von der Firma BROAD in Changsha/China. BROAD ist der weltweit größte Produzent von Absorptionskältemaschinen. Anlagen dieser Ausführung und Größe werden von keiner europäischen Firma angeboten. Die neue Maschine soll im April 2004 in Betrieb gehen. Im Verbund mit drei weiteren (Turbo-)Kältemaschinen wird damit die Kälteversorgung aller angeschlossenen Einrichtungen (Universität, Medizinische Klinik, Bundeswehrkrankenhaus, Rehabilitationskrankenhaus, DaimlerChrysler und Science Park) auf dem Oberen Eselsberg mit insgesamt 20.000 kW sichergestellt. Die Kälteerzeugung aus der Absorptionsmaschine erspart ca. 3.000 MWh Strom, der sonst für den Betrieb einer elektrischen Turbo-Kompressionsmaschine erforderlich gewesen wäre. Dies entspricht umgerechnet einer vermiedenen CO2-Emission aus Stromerzeugung in der Größenordnung von 1.200 Tonnen, da die Wärmeerzeugung aus Biomasse als CO2-neutral betrachtet wird.
Wolfgang Kroh | |
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Herausragender Hochschschullehrer Landeslehrpreis 2004 für Michael Weber |
| Prof. Dr. Michael Weber, Leiter der Abteilung Medieninformatik der Universität Ulm sowie Hauptinitiator und Hauptverantwortlicher für den gleichnamigen Ulmer Studiengang, hat am 27. Februar 2004 den mit 10.000 Euro dotierten Landeslehrpreis erhalten. Weber studierte an der Universität Kaiserslautern bis 1985 Informatik. Dort erwarb er 1990 auch den akademischen Grad eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.). Daran schlossen sich Tätigkeiten in der Industrie (bei der Litef GmbH in Freiburg) und beim DFKI, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken an. 1994 folgte er dem Ruf auf eine Professur an der Universität Ulm, zunächst in der Abteilung Verteilte Systeme. Nach meheren Jahren als Vorsitzender des Prüfungsausschusses übernahm Weber 1998 das Amt des Studiendekans der Fakultät für Informatik. In diese Phase fällt die von ihm vorangetriebene Einrichtung des neuen Studiengangs Medieninformatik, dessen Konzeption im wesentlichen auf ihn zurückgeht. Schon dem Nebenfach »Medieninformatik« im Diplomstudiengang Informatik hatte er Prägung und Ausrichtung durch Einbeziehung gestalterischer Elemente in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienforschung und Medienentwicklung Ulm gegeben. Im Jahr 2000 nahm Weber - unter Absage an weitere ehrenvolle Rufe anderer Universitäten - den Ruf auf die neu eingerichtete Professur für Medieninformatik in Ulm an. Fortan widmete er sich aktiv dem Auf- und Ausbau des Studiengangs Medieninformatik, der in seiner Form und Ausrichtung einmalig in Deutschland ist und auch überregional so großen Zuspruch findet, daß die Zulassung beschränkt und über ein Auswahlverfahren geregelt werden mußte. Neue Medien in der Lehre stellen ein aktuelles Thema der Informatik dar. Es muß nicht überraschen, daß die Medien für Prof. Weber nicht nur in der Lehre eine bedeutende Rolle spielen, sondern auch einen großen Teil seiner Forschung bestimmen. Zu nennen sind hier unter anderem die Entwicklung eines Studienassistenzsystems, die Beteilung am Projekt »Studieren ohne Festnetzanschluß«, das auf die Unterstützung mobiler Unterrichtsszenarien ausgerichtet ist, oder die Unterstützung in der Benutzung des Internets, wie z. B. das »Website Coaching«. Besonders hervorzuheben ist das Projekt »Docs’n Drugs«, ein System für computergestütztes Lernen vor allem in der Medizin, das im Kontext des Förderprogramms »Virtuelle Hochschule« des Landes Baden-Württemberg gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät und der Fachhochschule Ulm entwickelt wurde. Docs’n Drugs ist inzwischen fest im Medizin-Curriculum verankert. Es gilt als eines der Vorzeigeprojekte der Virtuellen Hochschule und erhielt im vergangenen Jahr den 2. Preis bei der Vergabe des Virtuellen Lehrpreises Baden-Württemberg.
Die Initiative, Prof. Weber für den Landeslehrpreis vorzuschlagen, ging von der Fachschaft Informatik aus. Der Vorschlag hebt eine intensive Interaktion mit den Studierenden, vorbildliche Qualität der Lehre, die sich auch in ihrer Praxisnähe ausdrückt, exzellente didaktische Qualitäten sowie nachhaltige Motivierung der Studierenden hervor. Für einen Fachmann des Multimedialen ist es selbstverständlich, daß er Lehrinhalte multimedial aufbereitet und so auch im Internet zur Verfügung stellt. In der Summe ist Prof. Weber ein herausragender Hochschullehrer, der seinen Beruf hochengagiert ausübt. | |
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Glaube philosophisch Museumspreis 2003 |
| Anläßlich des Dies academicus 2004 der Universität Ulm am 6. Februar hat die Museumsgesellschaft e.V. Ulm zum dritten Mal einen Preis zur Förderung der Geisteswissenschaften an der Universität Ulm vergeben. Im Zentrum des Förderungsanliegens stehen Forschungen auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften im Grenzbereich zu den Naturwissenschaften und der Medizin. Den mit 2.500 Euro ausgestatteten Preis der Museumsgesellschaft 2003 erhielt Adama Hawa Diallo für ihre Arbeit mit dem Thema »Der Glaube bei Sören Kierkegaard«. Frau Diallo wurde am 20.2.1979 in Bukarest/Rumänien geboren. Seit ihrem 3. Lebensjahr lebt sie in Deutschland. In Ulm besuchte sie das St.-Hildegard-Gymnasium. Nachdem sie die 10. Klasse übersprungen hatte, legte sie das Abitur 18jährig ab. Danach studierte sie zunächst Rechtswissenschaften in Bayreuth, wechselte dann jedoch 1998/99 für ein Medizinstudium nach Ulm. Im Herbst 2000 absolvierte sie das Physikum, 2001 das 1. Staatsexamen. Seit Beginn des Studiums besuchte sie im Humboldt-Studienzentrum Philosophiekurse. 1998 wurde sie als Stipendiatin in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Schon länger beschäftigt sich Adama Diallo mit der Philosophie Sören Kierkegaards. Kierkegaard, vor allem als Theologe eingeordnet, ist als Philosoph weniger zu Ehren gekommen - zu Unrecht, wie die Arbeit feststellt, mit der es Diallo gelingt, den Begriff des Glaubens aus seinen theologischen Zusammenhängen zu lösen und rein philosophisch zu betrachten. Demnach kommt dem Glauben eine unauflösliche Spannung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit zu, worin seine Paradoxie begründet ist. Unter dieser Prämisse führt Diallo Kierkegaards religiöse Begriffe wie Unschuld, Schuld, Erbsünde und Sündenfall auf die als »eigentlich« bewertete Absicht zurück, in Vorwegnahme der Psychoanalyse die Grundbefindlichkeit des Menschen zu beschreiben. In einer gelungenen Gegenüberstellung zum Existentialismus (insbesondere zu Sartre) werden die Unterschiede zwischen einer diesseitigen und einer metaphysischen Philosophie herausgearbeitet.
Frau Diallos Arbeit ist eine eigenständig verfaßte philosophische Betrachtung. Die schwierigen Texte Kierkegaards hat sie in ihre eigene Sprache übersetzt, die Intention des Autors anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht und damit eine philosophische Interpretation des Glaubens und der damit zusammenhängenden Phänomene wie Angst und Verzweiflung vorgelegt. | |
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Personality Disorders in Childhood and Adolescence Internationales Symposium zu Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter |
| Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie der Universität Ulm hat unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Schmeck am 30. und 31. Januar 2004 ein internationales Symposium zum Thema Personality Disorders in Childhood and Adolescence (Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter) durchgeführt. Die Frage, ob Persönlichkeitsstörungen schon im Kindes- und Jugendalter vorliegen können, ist gegenwärtig noch umstritten. Das Ulmer Symposium hat differentialdiagnostische Aspekte ebenso wie die Frage der Behandlungsmöglichkeiten dieses Störungsbildes bei Kindern und Jugendlichen erörtert. Dabei wurden sowohl psychodynamische Therapieverfahren als auch die dialektisch-behaviorale Therapie sowie pharmakotherapeutische Behandlungsansätze dargestellt. Eine Plenardiskussion, die strittige Fragen noch einmal zusammenfassend thematisierte, schloß das Symposium ab. Mit der Tagung wurde nicht zuletzt das Ziel verfolgt, auch in Deutschland eine Diskussion über ein klinisches Störungsbild anzuregen, das Kinder- und Jugendpsychiatern ebenso wie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in ihrer täglichen Praxis nicht selten begegnet, aber bisher kaum erforscht ist. Angesprochen wurden von der Veranstaltung sowohl klinisch tätige als auch wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, die sich mit der Fragestellung auseinandersetzen.
Zum Zeitpunkt des Symposiums nahm Prof. Dr. Paulina Kernberg, Professorin für Psychiatrie am Weill Medical College der Cornell University in New York und Direktorin des Post Graduate Institute for Child and Adolescent Psychiatrists der Cornell University of New York, eine Gastprofessur an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie der Universität Ulm wahr. Kernberg ist die weltweit führende Expertin auf dem Gebiet der Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter, die auch einen der Forschungsschwerpunkte der Ulmer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie darstellen. Sie ist zugleich als führende Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin im Bereich psychodynamischer Therapieverfahren weltweit renommiert. Prof. Kernberg hat im Anschluß an das Symposium einen Workshop durchgeführt, bei dem klinische Fälle aus dem Themenbereich diskutiert wurden. | |
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Noch dominieren die traditionellen Abschlüsse Studierendenstatistik im Wintersemester 2003/04 |
| Im Wintersemester 2003/2004 waren an der Universität Ulm 6.865 Studierende immatrikuliert, wovon auf die Rückmelder 5.251, die Erstimmatrikulierten 1.180, die Neuimmatrikulierten 233 (davon im 1. Fachsemester 150) sowie auf die Beurlaubten 201 entfielen. Mit 873 Studierenden betrug der Ausländeranteil 12,7%. 4.109 Studierende (= 59,9%) waren Männer, 2.756 (= 40,1%) Frauen. Die einzelnen Fächer beteiligen sich an der Gesamtzahl mit folgenden Quoten: Advanced Materials 35, Biologie 497, Biochemie 48, Chemie 295, Communications Technology 140, Elektrotechnik 404, Finance 5, Informatik 796, Informatik Intensiv 32, Informationstechnologie 46, Mathematik 159, Medieninformatik 306, Molekulare Medizin 23, Philosophie 3, Physik 257, Public Health 20, Telekommunikation und Medientechnik 46, Wirtschaftschemie 60, Wirtschaftsmathematik 714, Wirtschaftsphysik 135, Wirtschaftswissenschaften 428, Medizin 2.104, Zahnmedizin 259, Promotion zum Dr. biol.hum. 53.
Nach Abschlußzielen differenziert sich die Gesamtzahl von 6.865 wie folgt: Bachelor 83, Promotion 319, Staatsexamen Medizin und Zahnmedizin 2.159, Diplom 3.243, Staatsexamen Lehramt 122, Master 45, Master of Science 188, kein Abschluß (Zeitstudenten, Stipendiaten) 49. | |
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Sensibel gefügte Raumfolgen Gestorben: Prof. Otto Steidle |
| Vor vielen Jahren fuhr ein Schiff an einem Sommerabend über den Bodensee. Teilnehmer einer internationalen Architektentagung setzten von einem Empfang in Meersburg kommend nach Konstanz über. Geschäftig unterhielt man sich unter Deck, es hatte sich abgekühlt. Otto Steidle saß allein draußen am Heck und betrachtete die entschwindenden Lichter des Hafens, den Kragen hochgeklappt, in sich versunken, nur noch Individuum. Nach geraumer Zeit schien er jedoch die Lichter des Inselhotels am anderen Ufer zu bemerken. Dort sollte er über sein Werk in einer Abendveranstaltung sprechen, als Hauptredner vor einem großen Publikum. Und so schien er beim Anlegen des Schiffes aus seinen Gedanken zu erwachen, der Individualist verwandelte sich bereits in den beredten Mann für eine erwartungsvolle Öffentlichkeit. Privates und Öffentliches sind Gegenpole, erklärte er den Zuhörern, die sich ergänzen können, so fruchtbar, daß sie das oszillierende Gemisch bewirken, das gute Wohnungen, gute Häuser, gute Städte und Stätten, auch Wissenschaftsstädte, entstehen läßt. Als ein Beispiel dafür führte er die von ihm geplanten und gerade fertiggestellten Universitätsbauten in Ulm vor. Für Studierende und Lehrende erschuf er dort den persönlichen Platz für Forschen, Lehren und Lernen und die Gedanken-schweifen-Lassen, und für die Gemeinschaft der Menschen in der Universität baute er offene Zonen, sensibel gefügte Raumfolgen, geprägt von vielfältiger Materialität und Farbigkeit. Er erfand kühne Nachbarschaften als Orte der Gegenregeln, gedacht für Mutige und Zaghafte, Versuchende und Grenzgänger. Das alles geschah ohne den Gestus des Absoluten, oft besetzt mit dem Sowohl-als-auch als Botschaft an eine Gesellschaft, die nach seinen Vorstellungen im permanenten schöpferischen Gespräch ist. Darum hat Otto Steidle als Hochschullehrer u.a. in Berlin, München und den USA seine Studenten in immer neue Startlöcher gesetzt, um sie in nie dagewesenen Disziplinen des Phantasierens wetteifern zu lassen, und darum konnte auch der Baumeister Otto Steidle mit einem Stück Holz, einem Eisenwinkel, einem erdigen Stein in der Hand einen mitreißenden Kosmos im Dialog mit anderen entstehen lassen. Und darum konnte auch der Manager in ihm mit wenigen, wichtigen grundlegenden Gedanken, freundlich vorgetragen, verbissen arbeitende Gremien neu beflügeln. Und weil die Vielgestalt in allen Lebensbereichen Otto Steidle immer neugierig machte, pflegte er auch noch als Landwirt seine Felder regelmäßig für die Aussaat neuer Frucht und neuer Ziele. Die Jahre, in welchen Otto Steidle für die Universität Ulm plante, baute, argumentierte und philosophierte, waren Jahre des freudig vorwärts gerichteten, optimistischen Zusammenarbeitens für alle Beteiligten. Wer, bei welchem Projekt auch immer, an welcher Hochschule auch immer, Gelegenheit hatte, Otto Steidle als Persönlichkeit, als Architekten und als Lehrer kennenzulernen, wird ihn sehr vermissen. Otto Steidle starb sechzigjährig am 29. Februar 2004.
Wilhelm von Wolff, ehemaliger Amtsvorstand des früheren Staatlichen Hoch- und Universitätsbauamtes Ulm | |
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Im Laufrad des Standortwettbewerbs Soziale Marktwirtschaft trotz Globalisierung? |
| Verfolgt man die öffentliche Diskussion, scheint die Frage des Untertitels nur eine rhetorische Frage zu sein. Warum sollte sich durch »Globalisierung« der Charakter der Sozialen Marktwirtschaft ändern, dieser über viele Jahre erfolgreichen Symbiose von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit? Ist es nicht ganz normal, daß sich die deutsche Spielart des Kapitalismus den veränderten Rahmenbedingungen und Herausforderungen einer globalisierten Welt anpaßt? Warum sollten wir ein besseres Nachfolgemodell benötigen, selbst wenn manche Betrachter eine »Neue Soziale Marktwirtschaft« fordern? Die Beantwortung dieser Fragen fällt kontrovers aus. Hier prallen nicht nur politische Meinungen und persönliche Überzeugungen aufeinander, sondern auch wissenschaftliche Analysen kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Ein ernstes Problem besteht außerdem darin, daß viele »Experten« ihre ganz persönliche Weltsicht unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Analyse Politik und Interessengruppen anbieten. Insbesondere Ökonomen tragen dabei wie eine Monstranz ihre berufsspezifische Grundüberzeugung vorneweg, daß die verstärkte Durchsetzung »ökonomischer Effizienz« (fast) alle gesellschaftlichen Probleme lösen kann. Es müßten nur die »richtigen« Anreize das Verhalten der Individuen steuern, und schon würde sich individuelles Verhalten positiv für die Wohlfahrt der ganzen Gesellschaft auswirken. Leider gilt diese enge, individualistische oder betriebswirtschaftliche Sicht in vielen Fällen überhaupt nicht. Im Gegenteil, erst sinnvolle Rahmenbedingungen vermögen eigennutzorientiertes individuelles Verhalten in gesellschaftlich wünschenswerte Bahnen zu lenken. Was aber in einer Gesellschaft als wünschenswert oder vernünftig oder gar als wohlfahrtssteigernd anzusehen ist, das läßt sich noch lange nicht auf der Ebene effizienzsteigernder Wirtschaftlichkeitsberechnungen entscheiden. Anders ausgedrückt, die Ökonomie ist erst dann gefragt, wenn klar ist, wie die Optimierungsziele aussehen, aber sie darf sich nicht anmaßen, selbst die Ziele vorzugeben. Wirtschaftlichkeit ist sicherlich ein sinnvolles Mittel zum Zweck, aber niemals Zweck an sich. Wer diese Grundwahrheit ökonomischen Denkens vergißt, läuft Gefahr, kurzfristige betriebswirtschaftliche Optimierungskalküle an die Stelle übergeordneter Wertmaßstäbe und langfristiger Ziele zu setzen. Dann aber sind Ideen wie Freiheit, soziale Gerechtigkeit oder Chancengleichheit und damit der innere Frieden einer Gesellschaft stark gefährdet. Wenn beispielsweise der shareholder-value, das heißt die Maximierung äußerst volatiler Wertgrößen wie der Aktienkurse, das Nachdenken über gerechte Spielregeln des wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Spiels ersetzt, dann darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Spieler die Regeln und Spielergebnisse ablehnen. Wenn es darüber hinaus einigen Spielern gelingt, sich selbst zum Schiedsrichter in eigener Sache zu erklären, dann werden die starken und mächtigen Spieler den Staat letztlich in Gefangenschaft nehmen. Die staatliche Macht aber wird, da sie nun immer parteilicher ausgenutzt werden kann, nur noch solche Reformen, Gesetze und Spielregeln als zukunftsfähig darstellen, die in Wahrheit den Interessen einer kleinen, aber machtvollen Minderheit wirtschaftlich nutzen. In der Folge wird dann, um nur zwei Beispiele zu nennen, die »internationale Wettbewerbsfähigkeit« einer bestimmten Branche als legitime Meßlatte für die Angemessenheit von Sozialleistungen hingestellt oder der »unzeitgemäße« Besitzstand des arbeitsfreien Sonntags nachgewiesen.
Wettbewerb als gesellschaftliche Organisationsform Natürlich erfordern veränderte globale Rahmenbedingungen neue Anreizstrukturen und andere gesellschaftliche Arrangements, aber die fast reflexartigen Forderungen nach Umbau, Erneuerung oder Flexibilisierung der Gesellschaft sind letztlich ideologische Leerformeln. Als wissenschaftlich verbrämte Gemeinplätze dienen sie einer interessengebundenen und einseitigen Weltsicht. Zur Zeit beherrscht die »Mega-Ideologie« des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs- und Effizienzkalküls das Denken der politischen Entscheidungsträger. Dem Wettbewerb als gesellschaftlicher Organisationsform bzw. dem Marktmechanismus wird dabei etwas zugetraut, was er gar nicht leisten kann. Schon die Gründungsväter der Sozialen Marktwirtschaft wußten aus der langen und schmerzlichen Geschichte des Kapitalismus, daß Markt und Wettbewerb die Regeln, nach denen sie funktionieren, niemals aus sich selbst heraus schaffen und schon gar nicht auf Dauer erhalten können, wenn nicht übergeordnete staatliche Kräfte für die Einhaltung sorgen. Das Funktionieren des Marktes hängt also von sinnvollen und fairen Rahmenbedingungen ab, und diese dürfen nicht dem parteilichen Interesse privilegierter Machtgruppen überlassen werden. Im Gegenteil, der demokratisch legitimierte Rechtsstaat des Grundgesetzes ist gefordert. Die Normen der Verfassung bzw. die daraus deduzierten Regeln stellen die höchsten Wertmaßstäbe für Recht und Unrecht oder Freiheit und Gerechtigkeit dar, nicht das Effizienzdenken irgendwelcher selbsternannter Politikberater oder Manager(innen). Auch die Regeln von Sitte und Anstand stehen nicht zur Disposition angesichts beliebiger materieller Vorteile oder gar der Gier eines Individuums. Aus sich heraus bremst der Markt solche Entwicklungen, wenn sie sich rechnen, zu wenig ab. Die Betrugs- und Bereicherungsskandale der jüngsten Vergangenheit, aber auch die vielen verheerenden Fehlspekulationen zu Lasten unterschiedlichster »stakeholder« beweisen, daß Märkte Leitplanken nicht zuletzt im eigenen Interesse brauchen. Damit wird nicht einer weltfremden Prinzipienreiterei oder gar einer Bürokratisierung der Welt das Wort geredet, wohl aber einer Rückbesinnung auf die Wertebasis, die über viele Jahre für Wohlstand für alle und Gemeinwohl gesorgt hat. Dem Zeitgeist jedoch mit seinen vorwiegend ökonomischen Interessen ist dieses Wertefundament eher hinderlich, wie die geradezu pharisäerhafte Kritik an fast allen staatlichen Institutionen und den von ihnen angebotenen öffentlichen Gütern zeigt. Gerade der Ausbildungssektor, die sozialen Sicherungssysteme sowie der kulturelle Bereich sind von dieser Entwicklung stark betroffen, wobei erstaunlicherweise selbst hohe staatliche Funktionsträger der intellektuellen Diskreditierung kräftig Vorschub leisten.
Globalisierung ist kein Naturereignis Was aber haben nun alle diese Überlegungen mit Globalisierung zu tun, diesem machtvollen Prozeß der Entgrenzung von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Systemen? Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Sehr viel! Im folgenden will ich versuchen, diese Behauptung zu beweisen oder, bescheidener ausgedrückt, plausibel zu machen. Angesichts der Komplexität des Globalisierungsprozesses ist dabei die Beschränkung auf einige besonders wichtige Merkmale und Auswirkungen notwendig. Zunächst einmal ist festzustellen, daß »Globalisierung« kein Naturereignis ist, sondern im wesentlichen das Resultat politischer Entscheidungen über die Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung von Märkten. Vor dem Hintergrund grundlegender technischer Innovationen insbesondere in der Kommunikations- und Informationstechnologie sowie gewaltiger Fortschritte im Verkehrswesen sind darüber hinaus viele traditionelle Grenzen weggefallen. Raum und Zeit haben beim Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Kapital eine neue Qualität erhalten, weil der Globus zu einem einzigen Marktplatz geworden ist, auf dem fast alles unbegrenzt gehandelt werden kann. Auf geradezu dramatische Weise hat sich das Güter- und Dienstleistungsangebot für den Verbraucher verbessert. Gleichzeitig übt der scharfe internationale Wettbewerb einen starken Druck auf die Preise aus. Nachdem auch die politische Teilung der Welt durch den Kollaps der Planwirtschaften praktisch beendet ist, stehen der globalen Vernetzung von Unternehmen und Produktionsstandorten kaum noch prinzipielle Hindernisse entgegen. Zudem ermöglichen Medien und moderne Kommunikationssysteme interessierten Menschen rund um den Globus Zugriff auf die neuesten Informationen. Kulturelle Inhalte durchdringen heute problemlos bislang abgegrenzte Räume und stellen dadurch die kulturelle Identität und Anpassungsfähigkeit vieler Gesellschaften vor große Herausforderungen. Die Welt befindet sich in einem Zustand der prinzipiellen Entgrenzung, so daß direkt oder indirekt jeder Staat mit all seinen Institutionen, Gesetzen und Regeln im internationalen Wettbewerb steht. Gleiches gilt natürlich erst recht für diejenigen Unternehmen und Beschäftigten, deren Güter und Dienstleistungen sich auf Exportmärkten oder im Inland internationaler Konkurrenz stellen müssen. Internationale Wettbewerbsfähigkeit wird für immer mehr Organisationen und damit weite Bereiche der Gesellschaft zum Maßstab ihrer wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit. Noch gravierender wirkt sich allerdings die Tatsache aus, daß Globalisierung in bisher nicht gekanntem Ausmaß die weltweite Standortarbitrage (Standortverlagerung) hin zu dem jeweils günstigsten Standort in einer Wertschöpfungskette ermöglicht. Beide Entwicklungen, und das mag auf den ersten Blick nicht so offensichtlich sein, verstärken wechselweise den Anpassungsdruck für alle Beteiligten. Immer dann, wenn irgendein Staat bzw. ein Unternehmen einen komparativen Vorteil gegenüber einem anderen glaubt errungen zu haben, wird aufgrund der gleichen Problemlage für die dadurch gefährdete internationale Konkurrenz eine weitere Drehung an der jeweils nationalen Standortschraube erzwungen. Wenn nicht rasch Verbesserungen der eigenen Standortqualität erfolgen, droht nämlich genauso der Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wie zuvor dem momentanen »benchmarker«. Wie in einem Laufrad muß sich jedes Land dem jeweils standortgünstigsten Wettbewerber anpassen, wobei jeder Schritt nur den jeweils letzten in einer langen Kette weiterer Schritte darstellt. »Nach der Reform ist vor der Reform« lautet dann oft der eher scheinheilige Kommentar vieler »Experten«, wenn sie die Menschen auf den in Wahrheit erfolglosen Versuch einer dauerhaften Standortverbesserung einstimmen wollen.
Entfesselter Weltmarkt oder Der Nationalstaat als bloßer Standort Die Intensität und Geschwindigkeit, mit der sich das Laufrad dreht, ist für alle Beteiligten ein qualitativ völlig neues Phänomen. Der entfesselte Weltmarkt ist auf einmal in der Lage, in noch nie dagewesener Weise den Primat der Politik dadurch auszuhebeln, daß in einem fast diabolischen Sinne die »Staatlichkeit« der großen Unternehmen aufgehoben wird. Wenn ein »global player«, und dies ist keine Fiktion, schließlich nur noch aus einer kleinen (hochbezahlten) Managementelite besteht und alle Wertschöpfungseinheiten auf global optimierte Standorte verteilt sind, dann interessiert der Nationalstaat nicht mehr. Aus dem Blickwinkel dieser Unternehmen sind Staaten nichts anderes als Standorte, deren Stärken und Schwächen im Eigeninteresse beliebig gegeneinander ausgespielt werden können, ja sogar ausgespielt werden müssen. Denn auch diese Unternehmen sind im Kampf um internationale Wettbewerbsfähigkeit in Wahrheit Getriebene. Es ist klar, daß letztlich in diesem gigantischen Spiel diejenigen die schlechtesten Karten haben, die nicht weltweit mobil sind. Dazu zählen beispielsweise kleine und mittelständische Unternehmen sowie die meisten Arbeitnehmer und natürlich der Staat mit all seinen Institutionen. Dagegen stellt sich die Lage für die mobilen Produktionsfaktoren (Kapital und hochqualifizierte Arbeit wie etwa die von Unternehmensberatern) zunächst einmal äußerst günstig dar. Sie profitieren von der Globalisierung und von dem Zwang zur permanenten Standortoptimierung. Natürlich hat der internationale Wettbewerb schon immer Staaten, Unternehmen und andere Institutionen eines Landes einem durchaus erwünschten und fortschrittsförderlichen Druck ausgesetzt. Das ist nicht das Problem. Entscheidend und folgenreich ist heute die Tatsache, daß der globale Wettbewerb den jeweils relevanten Markt der souveränen Gestaltung durch staatliche Autoritäten immer mehr entzieht. Letztlich kann jede staatliche Rahmenbedingung als Standortvor- oder -nachteil hingestellt werden, so daß im Laufrad des globalen Standortwettbewerbs nur noch diejenigen Steuern, Umweltstandards oder sozialen Leistungen als vertretbar erscheinen, die in den Augen der mobilen Produktionsfaktoren der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Landes dienlich sind. Im Klartext bedeutet dies, daß mehr denn je (soziale) Kosten gesenkt und Rationalisierungsmöglichkeiten genutzt werden müssen. Der Staat muß umgebaut und verschlankt werden. Schlagworte wie Reformfähigkeit, Flexibilität oder vor allem Effizienz werden zu neuen Leitbildern der Gesellschaft erhoben. Der einzelne Arbeitnehmer wird zum Unternehmer seiner eigenen Arbeitskraft ernannt, die Ausbildungsinstitutionen werden den neuen Zielen angepaßt. Die Universität wird auf sublime Art zum Bildungsunternehmen umgebaut. Innovationen sollen die Zukunftsfähigkeit des Landes retten, eine neue Einstellung zum Begriff der Elite ist dringend erforderlich. So oder ähnlich steht es jedenfalls in den diversen Zukunftsagenden, die auf dem politischen Markt gehandelt werden.
Soziale Marktwirtschaft als historische Kategorie Was ist die Folge? Wie bereits dargestellt, dreht sich das Laufrad trotzdem immer schneller. Jeder Schritt erzeugt einen nächsten, wenn nicht hier, dann irgendwo auf der Welt. Man wird ihn wahrnehmen und als vorbildlich preisen und schon wird erneut an der Standortschraube gedreht werden müssen. Das klingt vielleicht zu abstrakt und unrealistisch, aber in Wahrheit ist es genau das, was passiert und bei den betroffenen Menschen die Furcht vor der Globalisierung nährt. Die Soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung wird mit jeder Drehung der Standortschraube ein wenig »wettbewerbsfähiger« gemacht, gleichzeitig aber auch immer weniger »sozial«. Jedenfalls bestätigen viele Meinungsumfragen renommierter Forschungsinstitute diese Einschätzung der Bevölkerung. So ist es denn kein Wunder, daß nun plötzlich dem Begriff »sozial« ganz neue Bedeutungen zugesprochen werden, wenn etwa gesagt wird: »Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft.« Logisch betrachtet ist damit im Laufrad des Standortwettbewerbs das soziale Prinzip zu einem zutiefst ökonomischen Prinzip geworden. Wenn diese Entwicklung weitergeht, und ich glaube, die Voraussetzungen dafür sind recht gut, dann wird man in einer Generation den Begriff »Soziale Marktwirtschaft« nur noch im Geschichtsbuch finden. Vielleicht wird dann einfach von »Neuer Sozialer Marktwirtschaft« gesprochen und unserer Wirtschaftsordnung damit ein schönklingendes Gütesiegel verliehen. Vielleicht wird es aber auch zu Korrekturen am Laufrad selbst kommen, weil immer mehr Menschen die Folgen seines Wirkens als Verlierer erleben. Aber das ist ein anderes Thema.
Prof. Dr. Joachim Voeller | |
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Voraussicht - Ulmer Abstandsradarantennen- und Vorsorgekonzepte Verleihung des Kooperationspreises Wissenschaft/Wirtschaft der Universität Ulm |
| Seit einigen Jahren bieten viele Autofirmen für ihre hochwertigen Fahrzeuge Abstandsradarsensoren als Ergänzung zum Tempomat an. Dabei läßt sich bei freier Straße einerseits eine konstante Geschwindigkeit des Fahrzeugs einhalten und andererseits bei dichterem Verkehr und wechselnden Geschwindigkeiten das Fahrzeug automatisch in einem sicheren Abstand zum Vordermann führen. Der Sensor bzw. die Antenne muß einen Erfassungsbereich (Öffnungswinkel) von etwa 3 Grad haben, um in ca. 100 m Abstand eine (1) Fahrbahn ausleuchten zu können. Um den für Mikrowellenantennen kleinen Winkel zu erreichen, ist es erforderlich, entweder den Antennendurchmesser sehr groß oder die Frequenz sehr hoch zu wählen. Da der Durchmesser der Antenne aber auf maximal 80-90 mm beschränkt ist, arbeiten die Radarsensoren in dem für diese Anwendung zugelassenen sehr hohen Frequenzbereich von 76 bis 77 GHz. Damit auch die Nachbarfahrbahnen sowie die eigene Fahrbahn in Kurven überwacht werden können, haben die heute verwendeten Sensoren drei gegeneinander leicht versetzte Blickrichtungen (drei Strahlrichtungen der Antenne), zwischen denen zyklisch umgeschaltet wird. Der Radarsensor muß - sowohl was die Flächen- als auch was die Tiefenausdehnung betrifft - auf möglichst kleinem Raum untergebracht werden. Die Fläche der Antenne ist durch die vorgegebene Winkelöffnung bestimmt, die Tiefenausdehnung des Sensors hängt jedoch von einer optimalen Ausführung des Sensors, vor allem aber der Antenne ab. »Klassische« Antennenformen wie eine Parabolantenne (z. B. bei DaimlerChrysler) oder eine Antenne mit einer Linse (z. B. beim Radar von Bosch) haben eine große Tiefe und sind derzeit nur eine Notlösung. Ein möglicher Ansatz wären Antennen auf rein planarer Basis - eine Leiterkarte mit metallischen Strahlerelementen auf der Oberfläche. Solche Antennen sind im Prinzip einfach und kostengünstig herzustellen, weisen aber für diese Anwendung viel zu hohe Verluste auf, das heißt es geht ein großer Teil sowohl der Sende- als auch der Empfangsleistung in der Antenne verloren.
Planarer Reflektor An diesem Punkt konnten Prof. Dr. Wolfgang Menzel, Leiter der Abteilung Mikrowellentechnik der Universität Ulm, und Mitarbeiter eine neue Lösung anbieten: eine auf planaren Strukturen beruhende und damit einfach und günstig herzustellende, andererseits aber die Verluste der ganz flachen Antennen vermeidende Konstruktion. Der »Preis«: die Antenne ist nicht ganz so dünn wie eine Leiterplatte, dafür aber nur etwa halb so tief wie die herkömmlichen Formen. Die Basis bildet eine planare Reflektorantenne. Während bei einer Parabolantenne - wie bei einem Scheinwerfer - der Reflektor durch seine Krümmung die einfallenden Strahlen als paralleles Bündel reflektiert, übernehmen bei der Ulmer Neuentwicklung rechteckförmige Metallelemente, die auf einer Leiterkarte angeordnet sind, die Reflexion. Eine Besonderheit der hier entworfenen Antennenanordnung besteht darin, daß gleichzeitig das elektrische Feld der einfallenden Welle um 90° gedreht wird. Die Dimensionierung des planaren Reflektors erfolgt mit feldtheoretischen Berechnungen. Mit einem solch speziellen planaren Reflektor läßt sich eine in der Tiefe um die Hälfte reduzierte Anordnung erzielen. Mit der Verringerung der Bautiefe ist auch eine Reduzierung der Kosten möglich. Das Konzept wurde zum Patent angemeldet. In Zusammenarbeit mit den Firmen DaimlerChrysler und Continental Temic (früher ADC) in Lindau wurde es weiterentwickelt und für den Einsatz im Abstandsradar optimiert. Als Ergebnis entstand eine Antenne, deren seitliche Halterung aus einem Spritzgußteil besteht, in das das Polarisationsgitter als geätzte Metallfolie eingelegt wird. Die Antenne wird in die zweite Generation von Abstandsradars bei DaimlerChrysler eingehen. Die Produktion soll in absehbarer Zeit anlaufen. Abstandsradarsensoren der (über-)nächsten Generation werden einen noch größeren Sichtbereich bei gleicher Antennenbündelung benötigen. Im Hinblick darauf haben Prof. Menzel und sein Team ihr Antennenkonzept inzwischen weiterentwickelt und gezeigt, daß mit einer Vielzahl von »Blickrichtungen« ein Winkelbereich von bis zu 30 Grad abgedeckt werden kann. Auch diese Antenne wurde zum Patent angemeldet. Ein erstes Versuchsmuster mit fünf verschiedenen Blickrichtungen für einen Einsatz im Kfz wurde in Zusammenarbeit mit den Partnern bereits getestet. Prof. Dr. Wolfgang Menzel und seine Mitarbeiter Dipl.-Ing. Maysoun Al-Tikriti, Dipl.-Ing. Ralf Leberer und Dr.-Ing. Dietmar Pilz erhielten für ihre zusammen mit DaimlerChrysler und Continental Temic durchgeführten Entwicklungen am 27.2.2004 den Kooperationspreis Wissenschaft/Wirtschaft der Universität Ulm. In die Preissumme von 7.500 Euro teilt sich die Arbeitsgruppe mit Dr. Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften, der für seine Entwicklung von Altersvorsorgeprodukten in Kooperation mit der Skandia Lebensversicherung ausgezeichnet wurde.
Altersvorsorgeprodukte mit neuem Chance/Risiko-Verhältnis Die gesetzliche Altersvorsorge nach dem Umlageverfahren steht vor schwerwiegenden Problemen. Dieses System kann nur funktionieren, wenn sich das zahlenmäßige Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern nicht stark zugunsten der Rentner verschiebt. Gerade dies geschieht aber derzeit: kamen 1999 auf 100 Bürger im erwerbsfähigen Alter etwa 40 Senioren, so werden dies im Jahre 2040 etwa 75 sein. Die Hauptursachen sind die niedrige Geburtenrate und die zunehmende Lebenserwartung. Das Problem wird von Politik und Gesellschaft nach wie vor unterschätzt. Unterschiedliche Experten kommen hingegen alle zum selben Ergebnis: der auf heute abgezinste Wert der Rentenlücke beträgt etwa 120 % des Bruttoinlandprodukts. Eine Lösung des Problems innerhalb des Systems ist nicht möglich. Lediglich kapitalgedeckte Vorsorge verspricht - zumindest teilweise - einen Ausgang aus dem Dilemma. Für die kapitalgedeckte Vorsorge standen bislang (bei Versicherungen wie bei Banken oder Fondsgesellschaften) im wesentlichen nur zwei Arten von Produkten zur Verfügung: Produkte mit gewissen Zinsgarantien, die aber insbesondere in der derzeitigen Niedrigzinsphase kaum Chancen auf attraktive Erträge bieten, und solche, die die Chancen von Aktienmärkten nutzen, wobei der Kunde aber auch ein sehr hohes Verlustrisiko trägt. Sogenannte Garantiefonds, die einerseits einen gewissen Schutz vor Verlusten bieten, andererseits - mit Einschränkungen - an den Chancen von Aktienmärkten teilhaben, gibt es zwar auch seit langem. Diese Produkte haben aber üblicherweise eine kurze Laufzeit und sind aus verschiedenen finanzmathematischen Gründen nicht für regelmäßige Beitragszahlungen geeignet. Darüber hinaus sind Kleinanleger mit geringen monatlichen Sparraten als Kunden oftmals nicht erwünscht. Vor diesem Hintergrund hat das Ulmer Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Zusammenarbeit mit der französischen Großbank Société Générale eine neue Produktgeneration entwickelt, die diese Lücke schließt. Die Kooperation zwischen Ulm und Paris besteht schon seit Jahren. Ausgangspunkt waren Ergebnisse der Dissertation von ifa-Geschäftsführer Dr. Jochen Ruß, der das Kooperationsprojekt heute noch leitet. Die Zusammenarbeit brachte einige innovative Kapitalanlage- und Versicherungsprodukte hervor, die in der Branche für Aufsehen sorgten und inzwischen am Markt etabliert sind.
Portfolio aus Publikumsfonds Bei der jüngsten Entwicklung, die am 27. Februar mit dem Kooperationspreis Wissenschaft/Wirtschaft der Universität Ulm gewürdigt wurde, handelt es sich um ein System von Garantiefonds unterschiedlicher Laufzeiten, das für den Berliner Versicherer »Skandia« erarbeitet wurde. Jeder Garantiefonds ist dabei stets zu einem gewissen Teil in chancenreiche Kapitalanlagen investiert. Die restliche Anlage erfolgt in risikolose Anlagen. Als chancenreichen Teil instrumentalisiert Skandia ein ausgewähltes Portfolio aus Publikumsfonds. Das mathematische Modell funktioniert natürlich auch für nahezu beliebige andere Anlageinstrumente. Während seiner Laufzeit wird jeder Garantiefonds aktiv gemanagt, das heißt der in diese Kapitalanlagen investierte Anteil wird regelmäßig neu festgelegt, und zwar - unter Berücksichtigung der Garantien - so hoch wie möglich. Die Garantien bestehen aus zwei Komponenten. Einerseits wird garantiert, daß der Fonds bei seiner Fälligkeit mindestens soviel wert ist, wie zu Beginn. Darüber hinaus wird der Wert des Fonds einmal pro Monat betrachtet mit der Folge, daß der hierbei beobachtete Höchststand maßgeblich für den Wert zum Auszahlungszeitpunkt ist. Diese Höchststandsabsicherung bedeutet ein Novum im Bereich der Garantieprodukte. Durch die Garantien wird sichergestellt, daß alle Gelder, die zu irgendeinem der monatlichen Stichtage investiert werden, bis zur Fälligkeit des Fonds nicht an Wert verlieren. Darüber hinaus werden alle zwischenzeitlichen Wertzuwächse »eingefroren«. Dank innovativer finanzmathematischer Konzepte ist es möglich, daß die Fonds trotz dieser weitgehenden Garantien sehr stark in chancenreiche Anlageinstrumente investiert werden. Eine rückschauende Betrachtung zeigt, daß der Investitionsgrad in chancenreiche Anlagen über ca. Dreiviertel der Laufzeit des Fonds im Regelfall 90-100 % beträgt. In sehr turbulenten Märkten muß allerdings stärker in risikolose Anlagen investiert werden.
Die Entwicklung des Konzepts, insbesondere die Klärung vieler Fragen an der Schnittstelle von Finanzmathematik und Versicherungsmathematik, hat 18 Monate in Anspruch genommen. Die Hartnäckigkeit der Mathematiker hat sich aber ausgezahlt: während der Markt für fondsgebundene Lebensversicherungen im ersten Halbjahr 2003 um 25 % und für fondsgebundene Rentenversicherungen sogar um 42 % eingebrochen ist, konnte die Skandia Lebensversicherung vor allem dank dieses Garantiefondskonzepts im selben Zeitraum das Neugeschäft mit fondsgebundenen Produkten um 39 % steigern. Inzwischen wurden schon über 100 Mio. Euro Kundengelder in diese Garantiefonds investiert. Sechs weitere Lebensversicherer haben dieses Konzept inzwischen nachgeahmt und nahezu identische Produkte an den Markt gebracht. | |
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Sonstiges |
| LRK-Vorsitzender | |
| Neuer LRK-Vorsitzender für die Amtszeit vom 1. April 2004 bis 31. März 2006 ist Prof. Dr. Eberhard Schaich, Rektor und Leiter der Abteilung Statistik, Ökonometrie und Unternehmensforschung der Universität Tübingen. Stellvertreter ist der bisherige Vorsitzende, der Stuttgarter Rektor Prof. Dr. Dieter Fritsch. | |
| Tag der Mathematik 2004 | |
| Der traditionelle Tag der Mathematik, der als Mathematikwettbewerb für Schüler der Klassen 12 und 13 jährlich an mehreren Universitäten in Baden-Württemberg und Hessen durchgeführt wird, fand in diesem Jahr am 13. März statt. An der Universität Ulm nahmen 159 Schüler mit 31 Lehrern teil. Der Einzugsbereich ging hier bis nach Wangen, Kempten, Augsburg, Ingolstadt, Crailsheim und Tübingen. Aus Ulm und Neu-Ulm waren fast alle Gymnasien vertreten. Im Einzelwettbewerb siegte Mathias Buffler, Memmingen, vor Christoph Roth, Ingoldstadt, und Jennifer Trinks, Langenau, die zugleich die beste Leistung unter den Mädchen erzielte. Den Gruppenwettbewerb entschied unter 53 Gruppen das Gymnasium Königsbrunn für sich vor dem Katharinen-Gymnasium Ingolstadt und dem Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim. Den Tag der Mathematik organisierten Prof. Dr. Ulrich Stadtmüller, Fakultät für Mathematik und Wirtschaftswissenschaften und Vorsitzender des Vereins zur Förderung mathematisch begabter Jugendlicher, Prof. Dr. Martin Bossert, Fakultät für Ingenieurwissenschaften, sowie Brigitte Böhm (Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasium Ulm), Alfred Böhm (Gymnasium Wiblingen) und Dr. Frank Houdek, DaimlerChrysler-Forschungszentrum Ulm. Im Rahmenprogramm referierten Prof. Stadtmüller zum Thema »Glücksspiele - kann man sein Glück erzwingen?«, Prof. Bossert über »Zuverlässige Datenübertragung mit ARQ« und Prof. Dr. Alexander Keller, Fakultät für Informatik, über »Zufall, Computer und Hollywood - Spezialeffekte bei Filmen wie Matrix«.
Mit den »Tagen der Mathematik« sollen mathematisch begabte Schüler gefördert werden. Im Wettstreit mit Gleichaltrigen können die Teilnehmer ihre Leistungsfähigkeit messen, lernen, im Team zusammenzuarbeiten, Kontakte knüpfen und die Freude an der Mathematik stärken. Das atmosphärisch Neue einer Universität ist ein erster Brückenschlag zwischen Schule und Universität. | |
| Fernleihe direkt | |
| Am 13./14. März 2004 ist das Bestellverfahren für die Fernleihe verändert worden. Im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) können nun Bücher direkt bei einer besitzenden Bibliothek bestellt werden. Jeder Fernleihbestellung ist damit die Recherche im Katalog des SWB vorgeschaltet. Dies gilt auch für Bestellungen von Zeitschriftenaufsätzen, obwohl diese vorerst noch intern bearbeitet werden müssen, bevor sie an eine besitzende Bibliothek weitergeleitet werden. Die Übernahme der Zeitschriftendaten in das Fernleihformular erfolgt ebenfalls automatisch. Vorteile der Umstellung: automatische Datenübernahme in das Fernleihformular, sofortige elektronische Weiterleitung an die Bibliothek, in deren Bestand sich der gewünschte Titel befindet, sowie, zusätzlich geplant für ReDI-Nutzer, Einbindung der thematischen Recherche nach Aufsätzen über ReDI /Regionale Datenbank Information Baden-Württemberg. Das bisherige Verfahren der freien Formulareingabe ist nur noch notwendig, wenn der gewünschte Titel nicht gefunden wurde. Hinweise zu diesen Neuerungen auf der völlig überarbeiteten Einstiegsseite zur Fernleihe.
Wolfram Engel | |
| Amtliche Bekanntmachungen | |
Nr. 1 vom 28. Januar 2004
Erste Satzung zur Änderung der Satzung der Universität Ulm für das hochschuleigene Auswahlverfahren in den Studiengängen Biochemie und Molekulare Medizin mit akademischer Abschlußprüfung Bachelor vom 19. Januar 2004 (Seite 1)
Nr. 2 vom 8. März 2004
Zweite Satzung zur Änderung der Prüfungsordnung der Universität Ulm für den Bachelor-/Master-Studiengang Informatik vom 23. Februar 2004 (Seite 11-17) | |
| Postgradual an der AUB | |
| Die deutschsprachige Andrassy-Universität in Budapest (AUB) hat im September 2002 ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Das Lehrangebot umfaßt derzeit drei postgraduale zweijährige Magister-Studiengänge: Internationale Beziehungen, Vergleichende Staats- und Rechtswissenschaft und Mitteleuropäische Studien. Die Landesstiftung Baden-Württemberg stellt acht Jahresstipendien (10 Monate, bis zu €700/Monat) zur Verfügung. Bewerbungsschluß für das akademische Jahr 2004/2005 ist am 31.5.2004 an der AUB. Bewerbungsunterlagen im Akademischen Auslandsamt. | |
| Carlo-Schmid-Programm | |
| Das Carlo-Schmid-Programm soll herausragende Studierende und Graduierte aller Fachrichtungen im Rahmen eines Praktikums in internationalen Organisationen mit den Problemstellungen und Arbeitsweisen im internationalen Verwaltungsbereich bekannt machen. Praktikumsdauer: 3-10 Monate; Bewerbungsvoraussetzungen: abgeschlossenes Grundstudium oder Hochschulabschluß, dessen letztes Examen nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Höchstalter: 28 Jahre (Grundwehr-/Zivildienst-/Kindererziehungszeit werden angerechnet); sehr gute Beherrschung der englischen Sprache und gute Kenntnisse in einer weiteren Fremdsprache. Monatliches Stipendium ab €589, für Graduierte ab €875. Bewerbungsunterlagen unter: http://www.daad.de/csp oder http://www.studienstiftung.de | |
| Sprache in China | |
| Die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung/Studienstiftung vergibt jährlich zehn Stipendien für hochqualifizierte Studierende aller Fächer zum Erwerb gründlicher Sprach-, Landes- u. Fachkenntnisse sowie praktischer Erfahrung in China durch Kontakte auf allen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gebieten. Zwanzig Kandidaten werden zu einem Intensivkurs Chinesisch (im August an der Universität Trier) zugelassen. Im Dezember werden zehn Stipendien (€ 570/Monat) für das einjährige Studium in China vergeben, das im September des folgenden Jahres beginnt. Nach dem zweiten Semester ist ein mehrwöchiges Praktikum in einem deutsch-chinesischen Unternehmen möglich. Bewerbungsschluß ist am 31.3.2004. Bewerbungsunterlagen: http://www.studienstiftung.de | |
| Hochschulzugang für Ausländer | |
| Der DAAD begrüßt die vom Wissenschaftsrat am 30. Januar 2004 veröffentlichten Empfehlungen zum Hochschulzugang. Darin wird auf eine Reihe von Problemen hingewiesen, die sich für die deutschen Hochschulen mit der Ausländerzulassung verbinden. Erhebungen, die der DAAD vor kurzem an deutschen Hochschulen in Auftrag gegeben hat, deuten darauf hin, daß der Studienerfolg von Ausländern teilweise niedriger ist als bei Deutschen. Der Wissenschaftsrat fordert daher: 1. die Entscheidung über die Zulassung ausländischer Studienbewerber in zulassungsbeschränkten wie zulassungsfreien Fächern allein den Hochschulen zu überlassen. Die Voraussetzungen, die die Bewerber aus ihren Bildungssystemen mitbringen, sind heterogen und - etwa bei den Durchschnittsnoten - nicht unmittelbar vergleichbar; 2. daß deutsche Hochschulen das weltweite Beratungsnetz, das der DAAD in den letzten Jahren aufgebaut hat, intensiv zur Studienberatung im Vorfeld sowie für die Rekrutierung und Auswahl ausländischer Studierender nutzen. Mit seinen 14 Außenstellen und 46 Informationszentren (ICs) in 40 Ländern bietet der DAAD deutschen Hochschulen hierfür eine geeignete Plattform.
3. die Hochschulen auf administrativer Ebene soweit wie möglich zu entlasten, indem übergreifende und standardisierte Elemente der Hochschulzulassung von einer gemeinsamen Dienstleistungsstelle übernommen werden. Die auf Initiative von DAAD und HRK von über 40 Hochschulen gegründete Servicestelle ASSIST bezeichnet der Wissenschaftsrat in diesem Zusammenhang als »Schritt in die richtige Richtung«. | |
| Verfassungswidrig | |
| Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat die gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsminister der Länder zur besseren Förderung der Spitzenwissenschaft begrüßt. »Wir beglückwünschen die Bundesländer, daß sie in voller Einmütigkeit den verwegenen Plänen von Bundesbildungsministerin Bulmahn eine deutliche Absage erteilt haben«, sagte der Präsident des Verbandes, der Kölner Völkerrechtler Prof. Dr. Hartmut Schiedermair. »Jetzt ist endlich Schluß mit dem verantwortungslosen Gerede von den ‚Elite-Universitäten’, das nur dazu geeignet war, die Mehrzahl der Universitäten durch staatlichen Oktroi in den Rang der Zweitklassigkeit zu verweisen.« Schon frühzeitig habe der DHV Ministerin Bulmahn auf die Verfassungswidrigkeit ihrer Pläne hingewiesen. Der Bund habe verfassungsrechtlich keine eigenständigen Kompetenzen für die Universitäten, ihre Forschung und ihre Lehre. Den Ländern sei dafür zu danken, daß sie sich durch die Bundesministerin und die von ihr in Aussicht gestellten Millionen in dem Bekenntnis zu ihrer Verantwortung für die Universitäten nicht haben bestechen lassen. Elite sei in den Universitäten schon jetzt reichlich vorhanden. Was den Universitäten jedoch seit langem fehle, sei die angemessene Finanzierung durch ihre Träger und vor allem auch ihre ideelle Unterstützung.
DHV | |
| HRK für Durchlässigkeit | |
| Gegen eine formale Abschottung zwischen Universitäten und Fachhochschulen innerhalb des gestuften Studiensystems hat sich der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 10. Februar in Bonn ausgesprochen. Das widerspreche den Zielen der Studienstrukturreform mit der Einführung von Bachelor und Master. Eine Reihe von universitären Prüfungsordnungen für Masterstudiengänge sieht keine Zulassung von Fachhochschulabsolventen vor. Zwar solle die Verantwortung für die Zulassungsentscheidung bei den Universitäten unberührt bleiben. Doch müsse sie nach fachlicher Qualifikation der Bewerber, nicht nach formalen Unterscheidungen getroffen werden. Gleiches gelte für die Zulassung zur Promotion. | |
| E-Journals | |
| Seit Anfang des Jahres haben die Benutzer des kiz Zugriff auf eine Vielzahl von E-Journals. Der freie Zugang ist am einfachsten über die »Elektronische Zeitschriftenbibliothek« auf der kiz-Website (http://kiz.uni-ulm.de/services/bibliothek/digibib/e-journals.html) zu realisieren. Nehmen Sie bitte bei den Online-Parallelausgaben zu Print-Zeitschriften, die vom kiz im Abonnement bezogen werden (Titel mit gelber Ampel), unbedingt immer das »Readme« zur Kenntnis. Neben diesen lizenzierten Zeitschriften können wir auch 50 Titel anbieten, die ausschließlich als elektronische Ausgaben abonniert sind. Desweiteren stehen im laufenden Jahr 100 Zeitschriften aus dem landesweiten Datenbankangebot (ReDI) über das »OVID-Paket« zur Verfügung. (Achtung: bei der EZB sind diese Zeitschriften in der Regel auf Rot geschaltet, können aber dennoch im Volltext abgerufen werden.) Unter diesen 150 E-Journals sind: zum Beispiel Nature (http://www.nature.com) und Science (http://www.sciencemag.org). Bitte beachten Sie außerdem die Nutzungsbedingungen der Verlage. Das systematische Downloaden ist absolut verboten. Erlaubt ist nur die Nutzung von einzelnen Artikeln zum persönlichen Gebrauch. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung: Tel. 0731-50-31414 Bibliothekarische Auskunft. Wen es interessiert, welche Zeitschriften 2004 (Print- und Online-Ausgaben) insgesamt vom kiz verwaltet werden, verweisen wir auf folgende Übersicht: http://kiz.uni-ulm.de/services/bibliothek/publikationen/zs.2004.pdf. Die Auswahl der Titel erfolgte über die Fakultäten, Titelwünsche sind an die jeweiligen Fakultätsbeauftragten zu richten. Für Rückfragen stehen Ihnen auch die Fachreferenten des kiz zur Verfügung.
Dr. Pia Schmücker, Dr. Gunter Weiner | |
| Verschiebemanöver | |
| Das von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn vorgeschlagene Gespräch mit den Wissenschaftsministern der Länder über die Studienstrukturreform nach dem BA/MA-Modell wurde abgesagt. »Die Wissenschaftsminister der unionsregierten Länder sehen in diesem Gespräch keinen Sinn, weil die Einführung der neuen gestuften Studienstruktur mit Bachelor- und Masterabschlüssen ausschließlich Angelegenheit der Hochschulen und damit der Länder ist«, erklärte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg am 3. Februar in Stuttgart. Er hatte am Tag zuvor das für den 4. Februar geplante Gespräch im Namen der Unionsminister abgesagt. »Den von Frau Bulmahn angeregten ‚Hochschulpakt’ zur Unterstützung des Bologna-Prozesses für die Einführung des BA/MA-Modells im europäischen Hochschulraum lehnen wir ab«, so Frankenberg. Zur Begründung führte der Minister auch das geringe Finanzvolumen für den Hochschulpakt in Höhe von 30 Mio. Euro im Jahr an. Mit dieser vom Bund genannten Finanzausstattung könne bei mehr als 300 in Betracht zu ziehenden Hochschulen in Deutschland praktisch nichts bewegt werden. Zudem sei zu vermuten, daß diese Summe bei den Bundesmitteln für Hochschulbau abgezogen werde. »Hier kürzt der Bund allein in diesem Jahr seine Mittel um 175 Mio. Euro, das sind mehr als 15%. Zu einem derartigen Finanzverschiebemanöver wollen wir nicht die Hand reichen.« Die Kürzung der Bundesmittel führe dazu, daß in diesem Jahr nur 25% der vom Wissenschaftsrat vorrangig empfohlenen Hochschulbauten begonnen werden könnten.
DHV | |
| Leserbrief | |
Galante Botanisiertrommel Vielleicht haben Sie schon davon gehört, daß es einen kolumnenschreibenden Kollegen gibt, der in einem Magazin in sehr unschöner Weise über verschiedenste Stellen der Universität Ulm herzieht. Letztlich hat es unser Akademisches Auslandsamt getroffen. Nachdem ich gerade mit dieser Stelle nur und wirklich nur gute Erfahrungen gemacht habe, die dem letzten Elaborat des Herrn »Kollegen« diametral entgegengesetzt sind, legen sich mir die folgenden Betrachtungen nahe:
Der Ruf aus der Nähe - Über einen, der aus der Ferne rief Neulich im Sommer interessierte sich ein kolumnenschreibender Kollege doch tatsächlich für zwei nette Studentinnen, die mit seiner Unterstützung zur berühmten Yale-Universität wollten. Galante Botanisiertrommel, die er war, wollte er ihnen sofort an die Hand gehen. Unser Galan stand am Ende dann aber erfolglos da. Und so erzählte er einem ganz besonders wichtigen Magazin eine Geschichte, die er wohl selbst als Glosse verstehen will. Wie die entstand? Vielleicht war es so: »Wo wollt Ihr beiden Schönen hin, zur Yale University? Das werden wir doch gleich in die Wege leiten. Ach so, die immensen Studiengebühren von Yale, immerhin mehr als 20.000$ pro Jahr und Person, wollen wir auch nicht bezahlen? Aber kein Problem doch, das sollen die vom Akademischen Auslandsamt mal richten. Die haben doch sonst nichts zu tun! ... Oh, die können kein Geld schnitzen? Diese Unfähigkeit muß angeprangert werden! Aber ich weiß da ein Magazin, die drucken sowieso alles, über das man sich mokieren kann.« Oder war es am Ende doch ganz anders? Und diese Glosse über die Glosse findet er gar nicht lustig, der Herr Kollege? Ja, auch die spitze Feder kann verletzen, sogar einen selbst, nicht wahr? Ganz besonders dann, wenn man in seiner Überheblichkeit nicht weiß, wie herum man die Feder halten muß.
Prof. Dr. Michael Hoffmann, Abteilung Mikrowellentechnik | |
| Zehn Jahre IFA | |
| Mit einer Feier beging das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm (IFA) das 10jährige Jubiläum seines Bestehens. Seit seiner Gründung Ende 1993 hat sich das Institut Achtung und Anerkennung für seine Kundennähe und Kompetenz erworben. In Bereichen wie innovative Produktgestaltung, private und betriebliche Altersversorgung und Lebensversicherung sowie bei der Gestaltung neuer Wege in der Verbindung von finanzmathematischen Techniken und aktuarwissenschaftlichen Fragestellungen (z.B. Asset Liability Management, Bewertung komplexer Optionen für Versicherer) hat sich das IFA zur führenden Adresse in Deutschland entwickelt. Eine Fülle von Preisen und Auszeichnungen sowie eine große Zahl von Veröffentlichungen in weltweit führenden Zeitschriften dokumentieren diese Qualität ebenso eindrucksvoll wie die Bandbreite von Kunden aus dem In- und Ausland, die mit dem Institut zusammenarbeiten. | |
| Medizinischer Doktor | |
| Die Universitätsmedizin solle, fordert der Wissenschaftsrat, ihre Ausbildungswege in einen klinischen und einen forschungsorientierten Weg differenzieren. Außerdem wird gefordert, den Dr. med. nur noch für wissenschaftliche Leistungen auf hohem Niveau zu vergeben, für eine Abschlußarbeit von geringerem wissenschaftlichem Niveau stattdessen die Berufsbezeichnung »Medizinischer Doktor (MD)«, die für eine praktische Tätigkeit in der Krankenversorgung ausreiche. | |
| Taschenratgeber für Patienten | |
| Infolge der Gesundheitsreform müssen Patienten tiefer in die Tasche greifen, weil Leistungen gestrichen und Zuzahlungen erhöht bzw. neu eingeführt werden. Zudem ist die Verunsicherung wegen unklarer Kasuistiken groß. Der neue TaschenGuide »Ihre Rechte als Patient« der Haufe Mediengruppe beantwortet alle wichtigen Fragen zur Reform. Der Leser erfährt, mit welchen zusätzlichen finanziellen Belastungen er rechnen muß und welche Leistungen der Krankenkassen gestrichen oder geschmälert wurden. Der preisgünstige Ratgeber informiert übersichtlich und detailgenau darüber, was die Versicherten unter welchen Voraussetzungen an wen bezahlen müssen, also in welchen Fällen der Patient die Praxisgebühr zahlen muß, wie viel er zu seinen Medikamenten, zu seiner Massage oder zu seinem Krankenhausaufenthalt zuzahlen muß und natürlich unter welchen Voraussetzungen er von den Zuzahlungen befreit wird. Anhand zahlreicher Beispiele und ausführlicher Beispielrechnungen durchschaut der Leser leicht das neue, nicht ganz unkomplizierte System. Natürlich informiert der TaschenGuide auch über die Änderungen beim Zahnersatz ab 2005 und klärt auf, ob und wie man zusätzlich vorsorgen muß. Überdies zeigt das Buch auch, welche neuen Versorgungsangebote die Krankenkassen bieten. Daß die Reform für den Versicherten nämlich auch die Möglichkeit schafft, Geld zu sparen, ist manchem neu - an die Öffentlichkeit drang es bisher kaum. Die Reform verbessert die Qualität und die Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung. Der TaschenGuide zeigt, welche Möglichkeiten integrierte Versorgungsangebote sowie Bonus- und Hausarztprogramme der Kassen bieten. Ferner informiert der Ratgeber auch über die von der Gesundheitsreform unabhängigen Rechte und Pflichten, die sowohl der Patient als auch der Arzt grundsätzlich bei der Behandlung haben, von der Qualität der Behandlung, über Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung bis hin zu Behandlungsfehlern und der Frage, wie der Patient im Schadensfall zu seinem Recht kommt.
Rudolf Bittins, Ihre Rechte als Patient. Mit allen wichtigen Informationen zur Gesundheitsreform. Haufe Mediengruppe Freiburg-Berlin-München-Zürich 2004. 96 S., 6,60 Euro. ISBN 3-448-06083-6 | |
| Promotionsstipendien | |
| An der Universität Ulm werden im Studienjahr 2004 nach dem Landesgraduiertenförderungsgesetz (LGFG) vier Stipendien zur Vorbereitung auf die Promotion an hochqualifizierte wissenschaftliche Nachwuchskräfte vergeben. Folgende Voraussetzungen müssen bei Bewerbungsschluß erfüllt sein: abgeschlossenes Hochschulstudium, herausragende Qualifikation, wissenschaftliches Arbeitsvorhaben, das einen wichtigen Beitrag zur Forschung erwarten läßt, Annahme als Doktorand/in an der zuständigen Fakultät und wissenschaftliche Betreuung durch einen Professor oder Privatdozenten der Universität Ulm. Bewerbungsschluß ist am 16. April 2004 beim Dezernat II Studium und Lehre, Robert-Koch-Str. 2/1, 89069 Ulm. Auskünfte unter Tel. 50-22073, Antragsformulare bitte per Email unter beate.mendler@verwaltung.uni-ulm.de anfordern. | |
| Sartorius-Preis | |
| Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen schreibt 2004 zum zweiten Mal den Sartorius-Preis für eine kürzlich veröffentlichte hervorragende Arbeit zum Verständnis und zur Akzeptanz von Naturwissenschaften und Technik in der Öffentlichkeit aus. Das Preisgeld, gestiftet von der Sartorius AG in Göttingen, beträgt 5.000 Euro. Bewerbungsschluß ist am 30. April 2004 bei der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Theaterstraße 7, 37073 Göttingen. Weitere Informationen unter http://www.adw-goettingen.gwdg.de | |
| SETAC-Preis | |
| Die Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC) schreibt einen Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler aus. Prämiiert werden wissenschaftliche Arbeiten (Diplom, Magister, Dissertation o. ä.) aus der Umweltforschung (Biologie, Umweltchemie, Anatomie/Physiologie, Naturschutz, Klassische Toxikologie, Ökologie, Ökotoxikologie, Genetik, Umweltrecht, Mikrobiologie, Organische Chemie, Analytische Chemie sowie Untersuchung der Umweltsphären Boden, Wasser und Luft). Die eingereichte Arbeit soll nicht älter als drei Jahre sein. Der Preis ist mit 3000,-€ dotiert. Bewerbungsschluß ist am 31.Mai 2004 bei der Geschäftsstelle der SETAC Neu-Ulrichstein 5, 35315 Homberg. | |
| Südwestmetallpreis | |
| In uni ulm intern Nr. 266, Januar 2004, ist der Südwestmetallpreis noch entsprechend den Vorjahresbedingungen ausgeschrieben worden. Die Ausschreibungsmerkmale wurden geändert. Mit dem Südwestmetallpreis 2004 sollen besonders herausragende wissenschaftliche Arbeiten (Diplom-/Magisterarbeit, Master-Thesis, Dissertation, Habilitationsschrift) ausgezeichnet werden, die für die industrielle Arbeitswelt und/oder deren sozialpolitische Rahmenbedingungen von Bedeutung sind. Berücksichtigt werden also künftig nur Abschlußarbeiten und nicht, wie noch im letzten Jahr möglich, auch sonstige wissenschaftliche Arbeiten. Bewerbungsschluß ist am 30.7.2004.
Dr. Karl-Heinz Müller | |
| Eigenständiger Tarif | |
| Einen eigenen Tarifvertrag für die Angestellten im Wissenschaftsbereich strebt die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an. Das geht aus einem Beschluß des HRK-Senats vom 10. Februar 2004 hervor. Der zur Zeit geltende Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) werde den Bedürfnissen des Wissenschaftsbetriebs nicht gerecht. Der Wissenschaftsbetrieb dürfe nicht denselben Regeln unterliegen wie die allgemeine Verwaltung«, erklärte HRK-Präsident Gaehtgens. Das »kreative System« Hochschule brauche einen eigenständigen Tarifvertrag für alle seine Angestellten. Auch das gehöre in das Bemühen um die Förderung von wissenschaftlichen Spitzenleistungen.
Der HRK-Senat strebt als Eckpunkte eines Wissenschaftstarifvertrags, für den er auch bei der Politik werben will, anstelle der heutigen an Bildungsabschlüssen und Lebensalter orientierten Vergütungsgruppen einen Funktions- und Leistungsbezug der Gehälter an. Außerdem sind wissenschaftsspezifische Anreizsysteme (zum Beispiel in bezug auf Drittmittelforschung oder wissenschaftliche Weiterbildung) vorgesehen sowie spezifische Befristungsgründe und Beendigungsmodalitäten für Beschäftigungsverhältnisse, die den besonderen Bedingungen etwa im Bereich der Drittmittelforschung gerecht werden. | |
| Zum Titelbild | |
| Im Zeitalter der Marktwerdung aller Lebensumstände, in das wir uns mitten hineingestellt sehen, kommt es, sei es unter dem Zwang und der Unausweichlichkeit kommerzieller Mechanismen oder als Folge des Bestrebens, ein marktgängiges oder analog handhabbares System »nach vorn« zu bringen, was im Zweifel soviel heißen soll wie den Mitbewerbern überlegen zu machen, auch zur Umwertung respektive zum Verlust traditioneller Werte. So beispielsweise im Falle der Bildung, die in der Hand von anmaßenden Dilettanten politischer und anderer Couleur mehr oder minder dreist und fortschreitend Werte durch Verwertbarkeiten ersetzt. Soziale Sprengkraft drohen solche Prozesse, die im Zeichen verstärkter Durchsetzung »ökonomischer Effizienz« in Gang gebracht und mit dieser Parole legitimiert werden, aber erst unter der Voraussetzung zu erwerben, daß durch sie größere Populationen ihre Ansprüche und Besitzstände gefährdet sehen, einfacher ausgedrückt, daß viele Geldbeutel beschnitten werden. Durchsetzung ökonomischer Effizienz bedeutet im Sprachgebrauch ihrer Propagandisten nicht weniger, als daß die ökonomische Effizienz das - ständig maßloser werdende - Maß aller Dinge darstellen soll. Welche Folgen hat dies für das Gesellschaftsmodell der Sozialen Marktwirtschaft? Ist es obsolet, Dinosaurier einer behäbigen, etwa durch handelstechnische Barrieren eingefriedeten Nationalökonomie, die mit den wettbewerblichen Beschleunigungen der Globalisierung nicht mehr mithalten kann und die es so auch nicht mehr gibt? Mit diesen und angrenzenden Fragen setzt sich der Beitrag »Im Laufrad des Standortwettbewerbs« des Volkswirtschaftlers Prof. Dr. Joachim Voeller auf S. ***ff. auseinander. | |
| Betriebliches Vorschlagswesen | |
| Dienststelle und Personalrat haben eine Dienstvereinbarung über das betriebliche Vorschlagswesen abgeschlossen. Die Dienstvereinbarung legt Zuständigkeiten fest, regelt das Einbringungs- und Bewertungsverfahren und konkretisiert und ergänzt insoweit das Vorschlagswesen in der baden-württembergischen Landesverwaltung. Die Dienstvereinbarung ist im Intranet auf den Seiten der Personalabteilung unter der Rubrik »Dienstvereinbarungen« abrufbar. Zum Beauftragten für das betriebliche Vorschlagswesen wurde Franz Knoll, Leiter der Abteilung Drittmittelangelegenheiten und Körperschaftsvermögen, bestellt.
Oliver Heller, Leiter Abteilung Personal | |
| Zeitschriften-Magazin | |
| Seit Montag, dem 23.2.2004, ist das neue Zeitschriften-Magazin im Untergeschoß der Bibliotheks-Zentrale wie folgt geöffnet: Mo-Fr 8.00-17.30 Uhr, Sa 10.00-13:30 Uhr. Der Zugang führt über das Treppenhaus des Lesesaals. Das Magazin enthält die Zeitschriftenliteratur der Fachgebiete Theoretische Medizin, Naturwissenschaften, Innere Medizin, Neurologie, Dermatologie, Zahnmedizin, E-Technik und Informatik. Die Literatur der Jahrgänge bis 1993 ist numerisch nach den Signaturen kompakt in Fahrregalen aufgestellt. Die neueren Jahrgänge sind weitgehend im 1. OG zu finden. Es wird empfohlen, die Zeitschriften vor Ort einzusehen bzw. Kopien herzustellen. Ein Katalog-PC, Anleseplätze und ein Kopiergerät (mit Copycard) stehen zur Verfügung. Um Beachtung der aushängenden Hinweise zur Bedienung der Fahrregal-Anlage wird gebeten.
Wolfram Engel | |
| Hochschulzulassung | |
| Die zunehmende Bedeutung von Wettbewerb und Profilbildung in der Hochschulentwicklung macht eine möglichst weitgehende eigene Qualitätsverantwortung in Forschung und Lehre notwendig. Dazu gehöre an herausragender Stelle, daß die Hochschulen die Auswahl und Zulassung von Studienbewerberinnen und -bewerbern selbst definieren und organisieren können. Dies betonte der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in einem Beschluß vom 10. Februar 2004.
Der Senat legte ein Konzept für die künftige Hochschulzulassung vor. Dieses soll einerseits dazu beitragen, die Zahl der Studienabbrecher zu senken, indem sich die Zulassung stärker an den Erfordernissen des jeweiligen Studienangebots orientiert. Andererseits soll es eine Überforderung der Hochschulen verhindern, indem der notwendige Personalaufwand überschaubar bleibt. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) könnte zu diesem Zweck zu einer Serviceeinrichtung für die Hochschulen umgebaut werden. Der Vorschlag sieht im wesentlichen vor, daß nur noch 15 % der Studienplätze vorab für besondere Fälle (Vorabquote) reserviert werden. Von den restlichen Plätzen sollen zehn Prozent nach der Abiturdurchschnittsnote vergeben werden, die übrigen nach Auswahlkriterien und -verfahren, die die Hochschulen selbst festlegen können. | |
| Personalien | |
Bestellungen, Ernennungen, Verleihungen
zum apl. Professor
PD Dr. Günter ASSUM, Abteilung Humangenetik
zum Oberassistenten
PD Dr. Friedrich MUGELE, Abteilung Angewandte Physik
Gewählt
zum DFG-Fachgutacher für Elektronische Halbleiter, Bauelemente und Schaltungen, integrierte Systeme im Fachkollegium Elektrotechnik: Prof. Dr.-Ing. Hans-Jörg PFLEIDERER, Abteilung Allgemeine Elektrotechnik und Mikroelektronik
25jähriges Dienstjubiläum Dr.-Ing. Hans Hermann GERHARDT, Zentrale Universitätsverwaltung
Emeritierung/Pensionierung Prof. Dr. Eberhard HEINZE, Abteilung Kinder- und Jugendmedizin
Ausgeschieden
Birgit ALDINGER, Abteilung Organische Chemie II | |
| Gäste | |
| Venia legendi | |
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| Promotionen | |
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zum Dr. rer. pol.
zum Dr.-Ing.
zum Dr. biol. hum
zum Dr. med. dent.
zum Dr. med.
zum Dr. rer. nat.
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Veranstaltungstermine |
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Montag, 1.3., bis Mittwoch, 30.6.2004 Ausstellung des spanischen Fotografen Juan-Antonio Briñas: »Kaffee, Kaffeehaus und Kunst«, OE, Foyer der Bibliothekszentrale
Montag, 29.3.2004 17.00 Uhr
Dienstag, 30.3.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 31.3.2004 15.00 Uhr
Samstag, 3.4.2004 9.00 Uhr
Montag, 5.4.2004 17.00 Uhr
Dienstag, 20.4.2004 18.00 Uhr
Samstag, 24.4.2004 9.00 Uhr
Montag, 26.4.2004 15.00 Uhr
Montag, 26.4.2004 17.00 Uhr
Montag, 26.4.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 28.4.2004 16.00 Uhr
Montag, 3.5.2004 17.00 Uhr
Montag, 3.5.2004 19.00 Uhr
Mittwoch, 5.5.2004 18.00 Uhr
Donnerstag, 6.5.2004 17.00 Uhr
Montag, 10.5.2004 17.00 Uhr
Montag, 10.5.2004 18.30 Uhr
Donnerstag, 13.5.2004 17.30 Uhr
Montag, 17.5.2004 17.00 Uhr
Montag, 17.5.2004 18.30 Uhr
Montag, 24.5.2004 17.00 Uhr
Montag, 24.5.2004 18.30 Uhr
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