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Asia-Link Medicinal Chemistry Europäisch-asiatisches Netzwerk Wirkstofforschung |
| Eine intensivere Zusammenarbeit europäischer und asiatischer Forscher im Bereich der Wirkstoffsynthese und Naturstoffisolierung ist das Ziel des neuen EU-Netzwerkes Asia Link Medicinal Chemistry. Die ersten Knoten im Netz bilden auf asiatischer Seite das renommierte Shanghai Institute of Organic Chemistry (SIOC; China) sowie die Universitäten Ho-Chi-Min-City und Hue in Vietnam. Als europäische Partner sind die Universitäten Dublin (UCD, Center for Synthesis and Chemical Biology), Ulm und Regensburg (Koordination), die Pharma-Unternehmen Schering und Aventis, sowie der Katholische Akademische Ausländer-Dienst (KAAD) beteiligt. Das Netzwerk ist offen für weitere Partner. Eine Hauptaktivität bildet der Austausch hochqualifizierter junger Wissenschaftler (Juniorprofessoren, Postdocs, Doktoranden) zu Forschungs- und Trainingsaufenthalten zwischen den beteiligten Partnerinstituten. Hierfür stehen EU-Fördergelder bereit. Junge europäische Wissenschaftler, die an und mit den beteiligten asiatischen Institutionen forschen möchten, können sich aber auch dann bewerben, wenn sie nicht an einer der europäischen Partnerinstitutionen tätig sind. Gleiches gilt für die Sommerschulen »Medicinal Chemistry« in Shanghai (September 2005) und Vietnam (2006), die für alle interessierten jungen europäischen Wissenschaftler offen sind. Die Bewerbung ist auf elektronischem Weg über die Internetseiten des Projekts jederzeit möglich: www.medicinal-chemistry.de/asialink
Kontaktperson für Ulm ist Prof. Dr. Gerhard Maas, Leiter der Abteilung Organische Chemie I. | |
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Bologna-Prozeß - Niveau-Dumping in der Lehrerbildung Bildungsverbände warnen vor Qualitätsverlusten im Studium |
| Der Allgemeine Fakultätentag (AFT), der Deutsche Philologenverband (DPhV), der Deutsche Lehrerverband (DL), der Bund Freiheit der Wissenschaft (BFW), die Vereinigung Schweizerischer Hochschuldozenten (VSH), der Österreichische Universitätsprofessorenverband (UPV) und der Deutsche Hochschulverband (DHV) haben gemeinsam vor Risiken gewarnt, die mit dem sogenannten Bolognaprozeß verbunden sind. Die Verbände befürchten Verluste an wissenschaftlicher Qualität im Zusammenhang mit der geplanten flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Besonders gefährdet erscheine die wissenschaftliche Qualität in der Lehrerbildung. Die genannten Verbände haben daher die Bildungspolitiker in Bund und Ländern davor gewarnt, die bewährten und international anerkannten Studiengänge leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Kritik bezieht sich dabei nicht generell auf die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen: »Wir begrüßen und unterstützen alle Bemühungen, den Studierenden eine bessere Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse, mehr Mobilität sowie kürzere Studienzeiten zu erlauben«, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der sieben Verbände. Wirtschaft und Gesellschaft brauchten jedoch auch in Zukunft wissenschaftlich gut ausgebildete Lehrer, Ärzte, Ingenieure und Richter. Auf Unverständnis stoße daher die Absicht, die international bewährten Diplom- und Staatsexamensstudiengänge überstürzt durch BA/MA-Studiengänge zu ersetzen. Die Verbände fordern darüber hinaus, größere Transparenz und bessere Verständlichkeit bei der Bezeichnung der neuen Abschlüsse zu schaffen. Sie schlagen deshalb vor, zukünftig unabhängig von der jeweiligen fachlichen Bezeichnung des Abschlusses in jedem Fall auch die verleihende Hochschule als Institution sowie den Hochschulort zu nennen. Konkret bedeutet dies Bezeichnungen wie beispielsweise »Bachelor (FH Köln)« oder »Master (Uni Bonn)«. Mit Entschiedenheit lehnen die Verbände für die Lehrerbildung eine Studienstruktur nach dem Bachelor-/Master-Modell ab. Das liefe auf ein gewaltiges Niveau-Dumping hinaus. Die Verbände halten in Sachen Lehrerbildung vielmehr an folgenden Fakten und Prinzipien fest: Die bisherigen Strukturen der Lehrerbildung in Deutschland haben sich bewährt, sie gelten international als vorbildlich. Eine der Lehrerbildung oktroyierte Bachelor-/Master-Gliederung gefährdet das Niveau der Lehrerbildung in Deutschland. Die Lehrerbildung in Deutschland muß auch zukünftig zweiphasig und in der ersten Phase an der Universität angesiedelt sein, ferner in der zweiten Phase einem praxisnahen Referendariat gelten, grundständig auf das angestrebte Lehramt ausgerichtet und insbesondere in den Studiengängen für die Lehrämter an weiterführenden Schulen fachwissenschaftlich solide fundiert sein.
Prof. Dr. Reinhold Grimm, Präsident des Allgemeinen Fakultätentages (AFT) | |
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Antworten der Biologie auf fundamentale Lebensfragen Wahrheit und Wirklichkeit in biologischer Sicht |
| Von Prof. Dr. Detlef Bückmann Mit der Frühjahrsakademie 2004 vom 22. bis 26. März beging das Zentrum für Allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm zugleich sein zehnjähriges Bestehen. Da die Weiterbildungswochen für Menschen im dritten Lebensalter schon älter sind als die Institution ZAWiW, war die Frühjahrsakademie bereits die 25. Jahreszeitenakademie. Sie stand unter dem Generalthema »Zeitlose Werte« und hatte als einen der Hauptreferenten Prof. Dr. Detlef Bückmann, Altrektor der Universität Ulm und ehedem Leiter der Abteilung Allgemeine Zoologie, gewonnen, der einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über »Wahrheit und Wirklichkeit in biologischer Sicht« hielt. Im folgenden wird eine gekürzte Fassung dieses Vortrags wiedergegeben. Das Ergebnis einer Meinungsumfrage: »Normale Tomaten haben keine Gene«, (Schwäbische Zeitung 28.5.98) macht eines deutlich: Es fehlt allgemein an biologischem Wissen. Die Biologie ist ein weites Feld: die Tier- und Pflanzenwelt, die bunte Vielfalt, die Lebensfomen und Anpassungen, - aber der vorgegebene Rahmen »Wahrheit und Wirklichkeit« führt uns zu der Frage: Was trägt die Biologie zum Verständnis von uns selber und der umgebenden Welt bei? Wir leben in einer Demokratie. Das Volk hat zu bestimmen, und da muß es auch Bescheid wissen, worum es geht. Die Demokratie verlangt mehr allgemeine Kenntnisse und Wissen aller Bürger als jede andere Staatsform. Natürlich gilt dies auch für andere Gebiete wie Physik und Chemie. Doch die biologischen Probleme sind in besonderem Maße aktuell: das Wachstum der Erdbevölkerung, ihre Ernährung, Gesundheit, Umwelt, ja das ganze Leben auf der Erde; denn der Mensch beeinflußt bekanntlich die ganze Atmosphäre. Auch am Boden verändert er durch Umwälzungen und Materialverlagerungen mehr als ganze Erdzeitalter. Und neuerdings sogar die Lebewesen selber: er verändert ihr Erbgut und damit sogar ihre Nachkommen für alle Zukunft. Eigentlich gibt es also für die Menschheit nichts Wichtigeres als die Biologie. Sie ist die Summe aller Kenntnisse über Lebewesen - und der Mensch ist ein Lebewesen. All das gilt auch auch für ihn. In jedem Lebensbereich gibt es zahlreiche Zusammenhänge, in denen biologische Kenntnisse relevant sind. Wir können nur einige streifen. Jede »Höherentwicklung«, jede Entwicklung vom Kleinen und Einfachen zum Großen und Komplizierten folgt den gleichen Prinzipien. 1. Vielzahl: Vermehrung der Substanz durch Vermehrung gleichartiger Bausteine. Aus vielen Zellen wird eine Zellkolonie, aus einem Körperabschnitt werden viele gleiche Segmente. 2. Vielfalt: Die einzelnen Elemente werden für verschiedene Aufgaben spezialisiert. Die eine wird Sinneszelle, die andere Muskelzelle, die dritte dient der Verdauung; das eine Segment hat Augen, das andere Antennen usw. Das ermöglicht 3. Arbeitsteilung. Und die wiederum ermöglicht Höchstleistungen für das Ganze. Keine Zelle kann jetzt mehr ohne die anderen funktionieren. Aus der Zellkolonie wird ein echter Vielzeller, ein Individuum. Unentbehrlich ist natürlich die Koordination unter ihnen durch 4. Information.
Individuum und Gruppe Beim Menschen gilt das alles auch auf der höheren Stufe. Die Vielzahl: Als Individuum allein kann er kaum überleben. Er ist ein Gruppenwesen, ein Zoon politicon, wie schon die alten Griechen wußten. Das ist ein Artmerkmal. Kein anderes Lebewesen hat Staatsgebilde von Millionen Einzelwesen, jedes mit eigener Fortpflanzung und eigenem Willen. Bei den Insektenstaaten ist das ja anders. Beim Menschen aber entsteht so ein Grundproblem, das in der aktuellen bioethischen Diskussion kaum angesprochen wird: eine Spannung zwischen den Interessen von Individuum und Gruppe. Vielfalt herrscht innerhalb der Gruppe. Der eine taugt bei der Jagd mehr als Treiber, der andere als Speerwerfer. Der eine beschafft Nahrung, andere widmen sich dafür der Verteidigung, der Baukunst, der Verfertigung von Geräten, von Gesetzen, von Ideen. Durch Arbeitsteilung vollbringt die Gruppe so Leistungen, die größer sind als es die Summe der Leistungen der einzelnen wäre. Hinzu aber kommt die Information: Der Mensch erfindet die Sprache und damit die Weitergabe und Bewahrung von Information - sofort und schnell in der Gruppe und langfristig über Generationen hinweg, an die Nachkommen. Von Generation zu Generation häuft er immer neues Wissen und Können an, zusätzlich zum schon vorhandenen - eine Vererbung erworbener Fähigkeiten, die es sonst, das heißt auf der genetischen Ebene, nicht gibt. Diese Akkumulation von Wissen und Können ermöglicht die kulturelle Evolution. Die Weitergabe von Wissen an die Jüngeren ist Aufgabe der Alten. Die Alten sind mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen ein Vorteil für die ganze Gruppe, und das erklärt vieles, nämlich: Nur beim Menschen währt die Lebensdauer lange über die Fortpflanzungszeit hinaus. In allen menschlichen Kulturen gibt es den Befehl, die Alten zu ehren, - in Japan gibt es dafür einen eigenen Feiertag im September (bei uns eben hier dieses ZAWIW). Das vierte Gebot, die Eltern zu ehren, ist das einzige mit einem Belohnungsversprechen, »auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt« (Exodus 20, 12b).
Kassandra - die schmerzliche Rolle Die Evolutionsforschung lehrt uns, unser Verhalten zu durchschauen, und die Demographie unser zukünftiges Schicksal. Die Bedeutung biologischer Kenntnisse zeigt sich, wenn sie fehlen. Sind sie vorhanden, gerät die Biologie leicht in eine Rolle, die schon die Antike beschrieben hat, die der Kassandra, dazu verdammt, die zukünftigen Ereignisse genau vorherzusehen, ohne daß ihr jemand Glauben schenkte. Eine einzige Art, der Mensch, gefährdet das hauchzarte Gebilde 'Leben', das sich in einer gerade einmal 100 m dicken Sphäre abspielt. Dieser verletzlichen, ein Produkt von Milliarden Jahren darstellenden Biosphäre steht allein mit 13.000 km das 130.000fache an Erddurchmesser gegenüber. Der Mensch dezimiert die Pflanzenwelt, die den kostbaren Sauerstoff liefert, nicht nur den tropischen Regenwald. Er vergiftet die Meere durch Abfälle und Entfischung und gefährdet deren an ständig gleichbleibende Bedingungen angepaßte Algenwelt, die einen beträchtlichen Teil der pflanzlichen Produktion der Erde ausmacht. Die Ausrottung tausender Tier- und Pflanzenarten vermindert die Biodiversität, die nicht nur Grundlage für Höherentwicklung, sondern auch für das Überleben von Veränderungen ist: die eine oder andere Variante kommt mit den neuen Bedingungen besser zurecht, und durch weitere Selektion entsteht eine angepaßte Form. Bekannt sind schließlich die Folgen der Klimaerwärmung: Unwetter, Wüstengürtel, Katastrophen in Gebirgen und den riesigen Sumpfflächen Asiens durch Auftauen des Dauerfrostes. Solche Erwärmungen hat es schon immer gegeben, aber sie werden durch den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre verstärkt, und der ist ganz zweifellos Menschenwerk, eine Folge der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Selbst wenn der Mensch hier also nicht alleinschuldig, sondern nur mitschuldig wäre, müßte er doch verzweifelt alles ihm Mögliche dagegen tun. Man weiß, wie es in Wirklichkeit mit den diesbezüglichen internationalen Absprachen steht. Das sind schwerwiegende Folgen biologischer Unkenntnis oder der Verdrängung von Kenntnis. Über Wahrheit und Wirklichkeit in der Biologie gibt uns die moderne Molekularbiologie Auskunft: auch die biologischen Vorgänge folgen den Gesetzen der Physik und Chemie, selbst die geheimnisvolle Entstehung eines Gens aus Ungeformtem. Das »Wahre« bedeutet aber nicht nur das »Wirkliche«, sondern auch das »Richtige«. Es geht um unser Verhalten. Auch das entwickelte sich in der Evolution. Welche Verhaltensweisen setzten sich dabei durch? Für die Entwicklung der Art war es offensichtlich vorteilhaft, wenn ihre Angehörigen einander begünstigten vor allen anderen Arten. Daher unser Gefühl für eine besondere Würde des Menschen. Wir mögen nicht gern mit anderen Tieren verglichen werden.
Wettbewerb innerartlich Wie geht es jetzt innerhalb der Art weiter? Das hängt davon ab, welche Typen sich in ihr durchsetzen und damit ihre Erbanlagen verbreiten. Es hängt also ab vom Wettbewerb unter Artgenossen. Von diesem innerartlichen Wettbewerb her kann man vieles verstehen, zum Beispiel die enorme Triebkraft von Neid, die Überbetonung von Rangordnungen und daß echte Feinde, auf die wir wirklich böse sein können, immer nur Artgenossen sind, andere Menschen, nicht etwa Tiere. Und welche Eigenschaften sind es, die sich durchsetzen? Die Soziobiologen ermitteln in komplizierten Überlegungen und Computersimulationen: Entscheidend ist allein und immer der Fortpflanzungserfolg. Wer die meisten Nachkommen hat, dessen Anlagen werden in der Population die häufigsten - eigentlich nicht überraschend. Was ist jetzt mit der »Gruppe«? Wichtig für ihren Zusammenhalt war ja die Information. Sie umfaßt diejenigen, die miteinander in Kontakt sind. Je besser die Informationsmöglichkeiten, desto größer wurden die Gruppen. Heute, im Zeitalter des Internets, kann sie - und muß sie - die ganze Menschheit umfassen. Zunächst aber war es einmal die engere, dann die weitere Verwandtschaft. Sie trägt ähnliche Erbanlagen, und wer für die Gruppe kämpft, fördert das gemeinsame Erbgut, selbst wenn er keine eigenen Nachkommen hat. Es kommt auf den Gesamtfortpflanzungserfolg der Gruppe an. Sie ist die Gemeinschaft all derer, die sich jeweils zusammengehörig fühlen und gemeinsam ihre Nachkommen verteidigen: So entstehen die Einheiten Sippe, Stamm, Volk. Untereinander stehen diese Einheiten in Konkurrenz, und je größer die Gruppe wird, desto mehr halten nur die Existenz und Gegnerschaft der anderen sie überhaupt zusammen. Das Gruppenverhalten ist auch ein Fundament der Ethik. Der Wiener Kollege Wuketits stellt (2000) fest: Wir empfinden Verhaltensweisen als »gut«, die der Gemeinschaft dienen, die aber als »schlecht«, die dem Individuum nützen - Stichwort »Egoismus«. Dabei kann doch die Gemeinschaft ohne den Selbsterhaltungstrieb der Individuen auch nicht überleben. Woran erkennen die Gruppenangehörigen einander? Äußerliche Embleme wie bunte Stoffe, Fahnen, ein Kopftuch, Lieder, Worte, bekommen große emotionale Bedeutung. Dabei sind Emotionen viel stärker als rationale Überlegungen. Für sie muß man kämpfen, für sie kann man sterben. »Die Fahne ist mehr als der Tod!« Diese emotionale Bedeutung wird verständlich, wenn wir berücksichtigen, daß das Gruppenverhalten ja eine Form der Fürsorge für die eigenen Nachkommen ist. Es fördert seinerseits Zahl und Überlebensmöglichkeiten der Nachkommen, die diese Erbfaktoren tragen, und hat somit besonders gute Chancen, sich mit diesen Nachkommen innerhalb der Gruppe durchzusetzen.
Der letzte Kampf Worum streiten die Gruppen? Um die Lebensgrundlagen der Erde: Nahrung Trinkwasser, Atemluft, Energie sind begrenzt, aber unbegrenzt wächst die Menschheit. Jedes Jahr kommen 80 Millionen dazu. Der Biologe Gerolf Steiner (1992) sieht drei Möglichkeiten: Entweder die Menschheit schränkt aus eigener Einsicht ihre Vermehrung ein - sehr unwahrscheinlich. Vor allem: es müssen wirklich alle tun. Sonst geht es wie im Experiment mit Antibiotikum in einer Zellkultur. Man tötet alle Zellen ab, aber einige wenige sind resistent, die breiten sich alsbald aus, konkurrenzlos, und übervölkern nach drei Generationen die ganze Kultur mehr als zuvor. Oder die Menschheit wird durch höhere Gewalt dezimiert, Katastrophen wie Atomexplosionen, Seuchen wie AIDS, BSE. Oder es kommt bis zum letzten Atemzug zum Kampf aller gegen alle um die letzten Ressourcen. - Könnte es vielleicht sein, daß dieser letzte Kampf um die Ressourcen längst begonnen hat? Die Konsequenz aus der Verhaltensforschung: Wenn wir den Weltfrieden wollen, müssen wir diese Gruppenkämpfe abbauen, die Nationalismen - aber wie? Der Fernsehschirm, die Zeitung führen uns laufend Schemata vor: von Genußmitteln, von begehrenswerten Partnern, aber auch von Situationen, auf die wir emotional reagieren. Millionen Menschen werden gleichzeitig in dieselbe Stimmung versetzt, etwa einen maßlosen Zorn auf diese oder jene Instanz oder Menschengruppe. Wir machen uns nicht klar, wie sehr wir dieser Beeinflussung unterliegen, zumal wenn alle Informationsquellen gleichgeschaltet sind durch Sprachregelungen wie die sogenannte political correctness. Können wir damit Gruppenverhalten: Nationalgefühl, Nationalstolz, Patriotismus abbauen? Wir verstehen es von der Biologie der Gruppen her als eine Form der Fürsorge für die Lebensmöglichkeiten der eigenen Nachkommen. Es dürfte also im menschlichen Verhaltensinventar gut fundamentiert sein. Können wir es abschaffen? Gibt es Ansätze dazu? Ein beispielhafter Ansatz ist die Abkehr vom Begriff des deutschen Volkes. Die Inschrift am Reichstagsgebäude »Dem Deutschen Volke« - wird durch ein internes sogenanntes Kunstwerk, einen »Der Bevölkerung« gewidmeten Erdtrog, konterkariert. Dabei ist jener Volksbegriff die Basis unseres Grundgesetzes. In der Präambel heißt es: »...hat sich das deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben... Damit gilt dieses Grundgesetz für das ganze deutsche Volk...« Hier, wo es um dessen eigenes Fundament geht, wird es buchstäblich »beerdigt«. Die Urheber dieser Tendenz haben großenteils ihren Diensteid »auf das Wohl des deutschen Volkes« abgelegt. Im übrigen gilt das Grundgesetz für das »gesamte deutsche Volk«. Bedeutet die Änderung das Einverständnis damit, daß sich die Zuwanderer nicht dem deutschen Volk zugehörig fühlen?
Geschichte auslöschen George Orwell schreibt in »1984«, man müsse nur die Erinnerung an seine Geschichte auslöschen, um aus einem Volk eine amorphe Masse ohne Kollektivbewußtsein zu machen. Geht das mit der deutschen Geschichte? Wir können sie negativ kennzeichnen durch den oft gehörten Satz: »Es soll kein Krieg mehr von Deutschland ausgehen«, so als sei das bisher immer der Fall gewesen. Wenn man bedenkt, daß kein Land der Welt an so viele verschiedene andere Staaten grenzt wie Deutschland, wäre eine besonders große Zahl von Konflikten sogar verständlich. Aber waren es mehr als anderswo? Die Römer kamen bis zum Teutoburger Wald, dann die Hunnen bis zu den Katalaunischen Feldern (dabei die riesige Vertreibungswelle der Völkerwanderung auslösend), die Ungarn bis auf das Lechfeld, die Mongolen bis Liegnitz, im 30jährigen Krieg die Böhmen, Schweden und Franzosen, später die Pfalzverwüstung (ein klarer Fall von Kriegsverbrechen), Napoleon, die versuchte Annexion Schleswig-Holsteins durch Dänemark, die Beleidigung König Wilhelms I. in Bad Ems mit anschließender Kriegserklärung Frankreichs wegen der spanischen Thronfolge, der Mord von Sarajewo. Und gerade letzthin wurde in aller Unschuld das Jubiläum der »Entente cordiale« von 1904 gefeiert, des Beginns der antideutschen Einkreisungspolitik. - Alles von Deutschland ausgegangen? Auch der folgenreiche Vertrag von Versailles mit all seinen Konsequenzen bis hin zu Jugoslawien und Kosovo wurde nicht hierzulande ausgedacht. Dem historischen Vergessen dient die Mahnmalsdiskussion. Der deutschen Opfer von Gewalt und Grausamkeit in Trauer zu gedenken, darf nicht sein. Das wäre eine Relativierung deutscher Untaten, das wäre Aufrechnung. Euphemistisch ist von den »bei der Flucht Umgekommenen« die Rede, statt von den »bei der Vertreibung Ermordeten«. Dabei erfolgten diese Vertreibungen, während zugleich in den Nürnberger Prozessen Vertreibungen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt wurden. Man lese einschlägige Berichte, zum Beispiel von Willy Brandt, der 1946 Korrespondent einer norwegischen Zeitung war, neu abgedruckt in FAZ 5.4.2004. Diese Greueltaten werden weitgehend totgeschwiegen. Ist nicht die Forderung, man müsse diese Verbrechen »im Kontext mit dem zweiten Weltkrieg sehen« (Gesine Schwan, FAZ, 26.3.2004) eine buchstäbliche Aufrechnung? Müßte nicht dem einsam verlassen und verhöhnt zu Tode Gequälten eine solche »Relativierung« als grausamer Hohn erscheinen? - Diejenigen, die diese Vorgänge noch nachträglich als bleibend rechtmäßig und die direkten Verbrechen als straffrei festschreiben wollen, werden als Europäer bei uns die vollen Rechte von Inländern genießen.
Nichtswürdig die Nation Wie wird es unseren zahlenmäßig dezimierten Nachkommen ergehen, wenn jene die Gesetze beschließen, die, von uns gefördert, kraft ihrer Bevölkerungszahl in unserem Land demnächst die Mehrheit stellen werden? Die Schicksale der Armenier und Kurden lassen insoweit nichts Gutes erwarten. Sind denn, mag man fragen, die Zuwanderer von uns verschieden? Hat die Evolution in verschiedenen Regionen auch verschiedene Mentalitäten der Bewohner begünstigt? Wir haben hier den klassischen Dualismus Individuum/Gruppe vor uns: der einzelne Fremde ist und macht sich beliebt. Sobald sich aber zwei gleichberechtigte Volksgruppen verschiedenen Glaubens, Rechtsempfindens und Nationalbewußtseins erkennbar voneinander absetzen, droht Xenophobie. Lange kann sie latent bleiben, aber aus irgendeinem Anlaß bricht sie aus. Das sehen wir überall in der Welt, im Kosovo, in Afghanistan (Taschmilen und Patschunen) in Indien (Hindus und Moslems), auf Sri Lanka, in Israel, im Sudan (Moslems und christliche Stämme), in Uganda (Tutsis und Hutus) usw. Die jüngste Geschichte und die Gegenwart sind voller Beispiele, etwa im ehemaligen Jugoslawien, wie persönliche Freundschaften beim Ausbruch ethnischer Konflikte plötzlich in blutigen Haß umschlagen können. Ein deutlicher Ansatz ist auch die Abwertung nationaler Symbolfiguren. Musterbeispiel ist das Buch von Daniel W. Wilson »Das Goethe-Tabu«. Vor allem in der Nazizeit darf es keine bedeutenden Deutschen gegeben haben, obwohl naturgemäß gerade sie dauernd Konflikt mit den Machthabern hatten, seien es Boxweltmeister, berühmte Dirigenten oder Nobelpreisträger. Solche Berühmtheiten zu diskreditieren, bringt einen Gewinn in Gestalt parasitärer Publizität: Wer einen Berühmten angreift, wird selber bekannt. Ein weiterer Ansatz besteht darin, das Volk schlechtzumachen und eine Abwertung des nationalen Ehrgefühls in Gang zu setzen. Schiller sagt: »Nichtswürdig die Nation, die nicht ihr alles setzt in ihre Ehre.« Weg damit! Das bekannte Buch von Goldhagen ventiliert die Frage, wie sehr die Deutschen »Hitlers willige Helfer« bei den Morden gewesen sind, und angesichts der sogenannten Wehrmachtsausstellung wird betont, daß aus jeder deutschen Familie ja mehrere Männer bei der Wehrmacht waren. Es geht also um die Kriminalisierung des ganzen Volkes. Das waren ja ganze Generationen unserer Väter, Großväter und Brüder, und es impliziert natürlich, daß wir als deren Nachkommen und Verwandte auch nicht viel besser sein können. Können wir das wollen? Wir sehen, bei Abschaffung des Nationalbewußtseins müssen wir neben der Vaterlandsliebe auch die Wahrheitsliebe aufgeben.
Wir denken linear Aber keine Sorge wegen des deutschen Nationalismus! Die Bereinigung besorgt eine eiskalt unbeteiligte Instanz, die Demographie. Zur Bestandserhaltung der Population ist bekanntlich ein Durchschnitt von 2,1 Kindern pro Frau erforderlich, etwas mehr als zwei, weil ja nicht alle zur Fortpflanzung kommen. Ebenso bekanntlich haben wir seit zwei Generationen einen Wert von unter 1,3. 1,4 wäre zwei Drittel von 2,1. In der zweiten Generation also schon weniger als 2/3 mal 2/3, weniger als 4/9, also weniger als die Hälfte des Nötigen. Das will uns nicht so recht in den Kopf. Die Evolution hat unser Denken unserem Umfeld angepaßt. Da gilt: Kleine Ursache - kleine Folge, doppelte Ursache doppelte Wirkung. Wir denken linear, nicht exponentiell. Auch wenn bei einem Vortrag im Studium generale tatsächlich bezweifelt wurde, daß 2/3 mal 2/3 = 4/9 ergibt, an der Reproduktionsarithmetik läßt sich nicht rütteln. Die demographischen Vorhersagen sind viel zuverlässiger als die Wetterprognosen, denn schon 20 Jahre im voraus weiß man, wieviel Frauen jedes Jahr ins fortpflanzungsfähige Alter kommen. Die sind ja schon geboren. Man kann sie zählen. Aber ist es denn schlimm, wenn unsere Bevölkerung abnimmt? Es müssen ja nicht 80 Millionen Menschen sein, 40 Millionen reichen auch. Nur: bei der bestehenden Fortpflanzungsrate geht es dann so weiter, und später sind es nur noch 20 und dann 10 Millionen usw. Selbst wenn die Geburtenrate wieder auf 2,1 anstiege, würde das erst 20 Jahre später wirksam sein. Die demographischen Berechnungen sind seit langem bekannt, aber beachtet werden sie erst jetzt - nicht etwa aus Sorge um die deutsche Nation, sondern aus Angst um die Renten. Dagegen helfen auch die Zuwanderer nicht, weil auch sie altern. Es hilft nichts: Und wäre es auch kulturell einmal noch so führend gewesen - ein Volk, das keinen Nachwuchs hervorbringt, verzichtet auf sich selbst und verschwindet.
Folgen des Überflusses Wie kommt es zu einem solchen Verzicht? Die Biologie liefert da einen konkreten Verdacht: Was zwei verlorene Weltkriege, Inflation, Bombenkriege, Vertreibungen und Massenmorde nicht geschafft haben, das schafft der Wohlstand. Der Wiener Verhaltensbiologe Otto Koenig hielt eine Reiherkolonie. Er versorgte sie gut, und nach einiger Zeit sah er: die sozialen Strukturen zerfielen, die Rangordnung, die Brutpflege, die Paarbindung. Es entstand eine Menge von lauter, wie wir heute sagen würden, »singles«. Und dann bemerkte er: Das waren die Folgen des Überflusses, und er prägte den Ausdruck »Wohlstandsverwahrlosung«. Auch wir vertragen anscheinend den Überfluß nicht. In unserer Evolution herrschte immer Mangel. Die Unzufriedenen vermehrten sich immer aktiver: der Mensch ist nicht auf Wohlleben hin selektioniert. Vielleicht haben die Leser jetzt den Eindruck, ich hätte gesagt, die menschliche Würde sei ein bloßer Gruppenegoismus, die Chancen auf ethische Problemlösungen gleich Null, und die Nation dem Untergang geweiht. Dieser Eindruck ist völlig richtig. Aber jetzt kommt etwas Erstaunliches: Wir sehen das ein, aber wir können es nicht glauben, nicht wirklich glauben. Die freundliche Biologie erklärt auch hier. In der Evolution erlangte der Mensch die Fähigeit, in die Zukunft zu denken, wahrscheinlich während des Baumlebens, wo eben der Sprung zu einem Fernziel eine Programmierung aller Bewegungsabläufe im voraus, im bloßen Vorstellungsraum, erfordert. Allerdings zeigt die Fähigkeit, in die Zukunft zu denken, immer wieder: Letztlich hat alles keinen Zweck. Totale Resignation aber macht lebensuntüchtig. Dagegen mußte sich in der Selektion eine Sperre in der Hardware unseres Gehirns durchsetzen, eine Tendenz zur Hoffnung gegen jede Vernunft. Deshalb ist auch eine Religion von Glaube, Liebe, Hoffnung menschengerecht: »Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei...« (1. Korinther 13, 13).
(Der Vortrag wird ungekürzt vom Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm veröffentlicht.) | |
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Ataxie - ein Krankheitsbild mit vielfältiger Ursache Heredo-Ataxie-Preis für Katrin Bürk |
| PD Dr. Katrin Bürk, Abteilung Neurologie der Universität Ulm, hat den mit 5.000 Euro ausgestatteten, im Dreijahresturnus von der Deutschen Heredoataxie-Gesellschaft (DHAG) vergebenen Heredo-Ataxie-Preis 2004 in Würdigung ihrer Habilitationsschrift »Zur Differentialdiagnose der sporadischen Ataxien des Erwachsenenalters« erhalten. Der Preis wurde anläßlich des DHAG-Jahrestreffens in Wiesbaden (2.-4. April 2004) verliehen und auch in diesem Jahr wie üblich geteilt. Neben Dr. Bürk ist Preisträgerin Prof. Dr. Dagmar Timmann-Braun von der Universität Essen. Die sporadischen Ataxien (Bewegungsstörungen infolge einer Beeinträchtigung des Kleinhirns) sind eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen, die sich in klinischer Ausprägung, Verlauf und Prognose unterscheiden. Wenn, wie in den meisten Fällen, keine erbliche Ursache vorliegt, wird das Krankheitsbild als sporadische zerebelläre Ataxie bezeichnet. Unklar ist bislang, ob es sich im Falle der sporadischen Ataxien tatsächlich um ein homogenes Krankheitsbild handelt. Ziel der aktuellen Untersuchungen war es unter anderem, zu klären, ob es Hinweise für die Existenz mehrerer Formen der sporadischen Ataxie gibt. Dr. Bürk hat neben verschiedenen anderen Untersuchungsansätzen insbesondere volumetrische und qualitative Analysen magnetresonanztomographischer Befunde durchgeführt. Die MRI-gestützte Volumetrie ermöglicht die makroanatomisch-morphologische Beurteilung zerebraler Strukturen zu Lebzeiten betroffener Patienten und kann so bis zu einem gewissen Maß die neuropathologische Untersuchung ersetzen. Bürk konnte zeigen, daß es bei allen Patienten mit sporadischer Ataxie konstant zu einer Volumenreduktion des Kleinhirns kommt. Unter Berücksichtigung weiterer Hirnstrukturen war es außerdem möglich, eine bestimmte Untergruppe von Patienten nicht nur klar von Kontrollpersonen, sondern auch von anderen zerebellären Patienten abzugrenzen. Die volumetrischen und qualitativen MRI-Befunde stützen damit die Annahme, daß es sich bei den sporadischen Ataxien um eine heterogene Gruppe von Erkrankungen handelt.
Die Hypothese, daß die Krankheit in unterschiedlichen Formen auftritt, wurde außerdem laborchemisch durch den Nachweis zirkulierender Antikörper gegen Gliadin bei einem Teil der Patienten mit sporadischer Ataxie gestützt. Der Nachweis dieser Antikörper deutet auf das Vorliegen der sogenannten einheimischen Sprue oder auch Zöliakie hin. Dieses Krankheitsbild ist durch eine Unverträglichkeit des Getreideeiweißes Gluten gekennzeichnet und führt im typischen Fall zu Verdauungsstörungen und Gewichtsverlust. Bereits seit langem war in der internistischen und pädiatrischen Literatur bekannt, daß es bei einem kleinen Teil der Zöliakie-Patienten mit gastrointestinalen Symptomen zusätzlich zum Auftreten einer Gangstörung kommen kann. Neu und überraschend hingegen ist der jetzt von Dr. Bürk geführte Nachweis zirkulierender Antikörper gegen Gliadin bei ca. 12% der Patienten mit sporadischer Ataxie. Bürk hat in ihrer Arbeit im übrigen erstmals einen Therapieansatz für diese Patienten beschrieben. | |
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Schwungvoll-»schmissige« Rhythmen Der Universitätschor singt Lieder und Chorarrangements aus bekannten Musicals |
| Die Aufgabenstellung für das zurückliegende Wintersemester, ein großes Oratorium von Georg Friedrich Händel einzustudieren, fand ein überraschend großes Echo: fast 90 Chorsängerinnen und -sänger nahmen ab Oktober an den Proben im Ludwig- Heilmeyer- Saal des Grünen Hofs teil, um die umfangreiche und nicht einfache Chorpartie des fast zweistündigen Oratoriums »Josua« zu erarbeiten. Händel schrieb das Werk fünf Jahre nach dem »Messias«, also in der Zeit seiner reifen Könnerschaft. Die Faszination der barocken Klangpracht, einerseits im melodisch-homophonen Stil und im Wechsel dazu im Stil polyphoner Fugenkunst, ergriff im Verlauf der Probenarbeit alle Mitwirkenden. Ein großes Erlebnis ist ja dann jedes Mal gegen Schluß des Semesters die erste Probe mit dem Orchester und den Solisten. Unter diesen durchweg hochkarätigen Sängern war es sicher besonders der hochsingende Countertenor, der Begeisterung auslöste. Über das an alttestamentliche Texte angelehnte Libretto mit seinen Berichten über Krieg und Sieg gingen die Meinungen auseinander: hilfreich waren hier Gespräche über den historischen Hintergrund und einführende Erklärungen einer mitsingenden Theologin. Seinen Höhepunkt hatte das musikalische Semester wie üblich im abschließenden Konzert in der fast ausverkauften Kirche St. Elisabeth. Inzwischen haben die Proben für das neue Programm begonnen: Lieder und Chorarrangements aus bekannten und beliebten Musicals. Die zwischen schwungvoll-»schmissigen« Rhythmen und ironisch gefühlvollem Ausdruck wechselnden Gesänge machen jetzt schon allen Beteiligten Spaß. Werktitel wie »My fair Lady«, »Hair« oder »Westside Story« u.a. bieten einen abwechslungsreichen Querschnitt durch die Musicalkultur des 20. Jahrhunderts. Statt des klassischen Orchesters wird für dieses Programm das traditionelle Jazztrio Klavier, Percussion und E-Baß engagiert. Es gibt zwei Aufführungen: Mittwoch, 7. Juli, im Stadthaus auf dem Münsterplatz und am Sonntag, dem 11. Juli, als Open-air-Konzert im Rahmen der »Kunsttage am Blautopf« in Blaubeuren, jeweils 20.00 Uhr. Daneben studiert der Universitätschor noch ein A-capella-Programm mit kleinen romantischen Motetten ein für einen Gottesdienst der Studentengemeinde am Sonntag, dem 27. Juni, 18.00 Uhr im Ulmer Münster.
Albrecht Haup, UMD | |
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Geschäftsprozesse flexibel unterstützen mit ADEPT Adaptive Prozeß-Management-Technologie aus Ulm |
| Unternehmen, die am Markt erfolgreich sein wollen, müssen sich immer rascher auf neue Gegebenheiten einstellen. Vielfach führt dies zu Änderungen in den internen Strukturen und Abläufen einer Organisation, zu neuen Formen der Zusammenarbeit mit Partnern, Zulieferern und Kunden oder zu anderen mehr oder weniger gravierenden Veränderungen. Sehr oft betreffen diese Änderungen nur einen bestimmten Geschäftsfall bzw. Geschäftsprozeß, möglicherweise sogar nur einen einzelnen Geschäftspartner. Die Fähigkeit, Geschäftsprozesse (z. B. Bearbeitung eines Kreditantrags oder Behandlung eines Patienten) bei Bedarf zu individualisieren, wird zukünftig ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor sein, ähnlich wie kundenspezifisch konfigurierte Serien-Pkw, vor nicht allzu vielen Jahren noch undenkbar, heute eine Selbstverständlichkeit sind. Eine einzelfallbezogene bzw. individuelle Handhabung von Geschäftsprozessen läßt sich aber nur dann mit vertretbarem Verwaltungsaufwand und Fehlerrisiko bewältigen, wenn dies durch die eingesetzte Unternehmenssoftware in geeigneter Weise unterstützt wird. Insbesondere gilt es, die heute funktions- und datenzentrierten Sichten, bei denen Prozesse nur in den Köpfen der Mitarbeiter oder versteckt in der Anwendungssoftware vorhanden sind, konsequent aufzubrechen. Prozeßänderungen sind in diesem Umfeld ansonsten nicht nur fehlerträchtig, sondern mit einem hohen Aufwand an Personal, Kosten und Zeit verbunden. Benötigt wird eine Software-Technologie, die in umfassender, ganzheitlicher Weise Geschäftsprozesse ausführen, verwalten und überwachen kann. Die in Form von sogenannten Workflow-Management-Systemen derzeit kommerziell verfügbare Technologie wird diesem Anspruch ebensowenig gerecht wie gängige Branchensoftware. Beide greifen hinsichtlich der Funktionalität zu kurz. Auch Flexibilitäts- und Wartungsaspekte werden vernachlässigt. Insbesondere die starre Implementierung der Prozesse mit der Folge, daß von dem einmal hinterlegten Ablauf bei der Prozeßausführung nicht mehr abgewichen werden kann, stellt für den praktischen Einsatz ein ernsthaftes Hindernis dar.
Prozeßorientiert Die Antwort auf die Erfordernisse heißt adaptive Prozeß-Management-Technologie, wie sie derzeit im ADEPT-Forschungsprojekt an der Universität Ulm entwickelt wird. Die ADEPT-Forschungsgruppe der Abteilung Datenbanken und Informationssysteme (Leitung Prof. Dr. Peter Dadam) arbeitet seit 1995 an einer innovativen Software-Technologie für die flexible Unterstützung und Steuerung von Geschäftsprozessen. ADEPT steht für Application Development Based on Pre-modeled Encapsulated Process Templates. Der ADEPT-Ansatz markiert derzeit - auch im internationalen Vergleich - die Spitze des technologischen Fortschritts im Bereich adaptiver Prozeß-Management-Software. Die von den Ulmer Forschern konzipierte und entwickelte ADEPT-Software bietet eine prozeßorientierte Sicht- und Denkweise, erlaubt die rasche und kostengünstige Realisierung neuer Prozesse (Prozeßtypen), integriert sowohl eigenentwickelte als auch zugekaufte Anwendungskomponenten prozeßorientiert, gestattet einzelfallbezogene Abweichungen der Anwender vom vorgeplanten Prozeß, ermöglicht es, Änderungen am Geschäftsprozeß (Prozeßtyp) auf bereits laufende Einzelprozesse dieses Typs zu übertragen und bietet umfangreiche Prozeßunterstützungsfunktionen (z. B. für das Termin-Management und die Verwaltung von Arbeitslisten). Glanzlicht der ADEPT-Arbeiten ist zweifelsohne der Ansatz für dynamische Prozeßänderungen. Er ermöglicht es zum einen, notwendige Prozeßanpassungen (z. B. infolge gesetzlicher Änderungen) rasch in die EDV-Systeme zu übertragen und sie im Prinzip »per Knopfdruck« auch auf bereits laufende Geschäftsfälle anzuwenden (sogenannte Prozeßschema-Evolution). Zum anderen können autorisierte Anwender bei der Ausführung einzelner Geschäftsfälle (z. B. dem Behandlungsfall eines bestimmten Patienten) flexibel vom vorgeplanten Ablauf abweichen (z. B. durch Hinzunahme oder Überspringen von Prozeß-Schritten). Dadurch kann softwareseitig auf Ausnahmesituationen reagiert oder der Prozeß dynamisch erweitert werden. Auch für den Fall solcher dynamischen Prozeßanpassungen wird sichergestellt, daß das prozeßorientierte Informationssystem für den EDV-Laien bedienbar bleibt und kein Verlust an Robustheit und Stabilität eintritt.
Meilenstein Insgesamt bilden die ADEPT-Konzepte und -Methoden einen Meilenstein in der Weiterentwicklung heutiger Prozeß-Management-Technologie. Derartige Software wird im Rahmen der IT-Infrastruktur von Unternehmen schon bald eine Schlüsselrolle spielen und sich als unverzichtbare, allgemein nutzbare Software-Technologie zur flexiblen Gestaltung und Steuerung von Geschäftsprozessen erweisen. Hervorzuheben ist insbesondere auch ihre Anwendungsneutralität: sie kann zur Modellierung und Steuerung von Geschäftsprozessen unterschiedlicher Anwendungsdomänen eingesetzt werden (so zum Beispiel für Prozesse aus dem Krankenhaus-, Finanzdienstleistungs- oder Entwicklungsbereich). ADEPT ist das Flaggschiff-Projekt der Ulmer Abteilung Datenbanken und Informationssysteme. Es bietet eine zukunftsträchtige Software mit einer technologischen Substanz, wie sie nur wenige Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit im Hochschulbereich vorzuweisen haben. Die ADEPT-Arbeiten haben sich mittlerweile in einem Vorproduktstatus erreichenden Prototyp niedergeschlagen, der von verschiedenen Forschungsgruppen aus aller Welt eingesetzt wird. Die in 2003 mit einem doIT-Software-Award des Landes Baden-Württemberg prämiierte ADEPT-Software, die auch als Exponat auf mehreren CeBIT-Messen zu sehen war, weist die Implementierbarkeit und das Zusammenspiel der entwickelten Konzepte nach und zeigt, daß Flexibilität, Robustheit und Performanz keine Widersprüche sein müssen. Sie stellt funktional eines der mächtigsten Systeme seiner Art dar und markiert im Bereich adaptiver Prozeß-Management-Software derzeit die Spitze des technologischen Fortschritts. Eine Prozeß-Management-Software à la ADEPT ersetzt nicht die Implementierung der eigentlichen Anwendungskomponenten (z. B. der Software-Bausteine für Angebotserstellung, Befundschreibung oder Rechnungsstellung). Vielmehr bietet sie die technologische Basis für deren flexible Verknüpfung und Steuerung, das heißt sie stellt gewissermaßen den »Kleber« für die Komposition der im Unternehmen bereits eingesetzten bzw. später hinzukommenden Software-Komponenten dar. Bis heute ist nicht wirklich verstanden, wie Technologien für die Entwicklung und Ausführung von Anwendungskomponenten mit Prozeß-Management-Systemen harmonisch zusammenwirken können. Dieser Fragestellung gehen die Ulmer Forscher derzeit in dem vom Land Baden-Württemberg für drei Jahre geförderten Verbundprojekt »AristaFlow« nach. Dabei arbeiten sie mit Partnern aus der Forschung und Industrie (Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität Mannheim, SAP AG, All for One Systemhaus AG, Wilken GmbH sowie DaimlerChysler AG) zusammen.
Informationssysteme robust und adaptiv Im AristaFlow-Projekt wird ein ganzheitlicher Ansatz entwickelt, mit dem sich robuste, adaptive Informationssysteme mit Hilfe von Prozeß-Management- und Komponenten-Technologien im »Plug & Play«-Stil realisieren lassen. Dabei sollen die angesprochene Flexibilität und Adaptivität der unterstützten Prozesse gewährleistet sein und das resultierende Gesamtkonzept einen signifikanten technologischen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Stand der Technik darstellen. In diesem Kontext erfolgt zugleich eine Überarbeitung und Erweiterung des ADEPT-Systems, wobei konkrete Anforderungen der Industriepartner Berücksichtigung finden. Ziel ist der Transfer der ADEPT-Konzepte und -Software in die Praxis. Das Expertenwissen im Bereich Prozeß-Management-Technologie wird von der Abteilung Datenbanken und Informationssysteme, und hier insbesondere von der ADEPT-Forschungsgruppe beigesteuert. Die Kompetenz im Bereich Komponenten-Technologie liegt beim Lehrstuhl für Softwaretechnik der Universität Mannheim. Mit der SAP AG, der All for One Systemhaus AG sowie der Wilken GmbH sind drei ausgewiesene Standard- und Branchensoftwarehersteller aktiv am Verbundprojekt beteiligt. Sie evaluieren die Möglichkeiten der ADEPT-Technologie und tragen die Anforderungen der kommerziellen Software-Entwicklung in das Projekt ein. Seitens der DaimlerChysler AG wirken zwei Anwendergruppen im Projekt mit, die SAP-Gruppe aus der Zentrale und das DaimlerChrysler-Forschungszentrum Ulm, das sich intensiv mit prozessualen Abläufen bei der Fahrzeugentwicklung befaßt. Durch diese beiden Gruppen werden im Projekt insbesondere die Aspekte der Adaptivität von Prozessen sowie bereichs- und firmenübergreifender Prozesse repräsentiert.
Weiterführende Informationen unter: http://www.informatik.uni-ulm.de/dbis -> Forschung | |
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Tagung des Deutschen Verbandes Medizinischer Dokumentare 35 Jahre Schule für Medizinische Dokumentation |
| Der Deutsche Verband Medizinischer Dokumentare (DVMD) veranstaltete am 1. und 2. April 2004 anläßlich des 35jährigen Bestehens der Schule für Medizinische Dokumentation in der Akademie für Medizinische Berufe der Universität Ulm eine Tagung in Ulm. 1969 wurde die Schule für Medizinische Dokumentation in Ulm als erste ihrer Art in Europa gegründet. Heute gibt es in Deutschland 20 Schulen für Medizinische Dokumentationsassistenten, 6 Schulen für Medizinische Dokumentare und 2 Fachhochschulstudiengänge für Medizinische Dokumentation. Die Bedeutung der Medizinischen Dokumentation für Krankenversorgung, Forschung, medizintechnische und pharmazeutische Industrie sowie für das administrative Gesundheitswesen ist kontinuierlich gewachsen. Das hat unter anderem damit zu tun, daß die mittlerweile verfügbaren sehr differenzierten und leistungsfähigen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden eine Fülle von Einzeldaten liefern. Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Medizin von der Heilkunst zur naturwissenschaftlichen Medizin gewandelt. Das enorm erweiterte medizinische Wissen hat zu einer Spezialisierung der Ärzte und zu neuen Heilberufen geführt. Auch vor dem Hintergrund der Zunahme chronischer Krankheitsfälle und der Multimorbidität infolge erhöhter Lebenserwartung gewinnt die Medizinische Dokumentation an Bedeutung. Bei der Eröffnungsveranstaltung ging der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm und Ärztliche Direktor der Abteilung Urologie und Kinderurologie, Prof. Dr. Richard Hautmann, auf die Bedeutung der Medizinischen Dokumentation für die Krankenversorgung ein. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Reinhard Marre, Leiter der Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, beleuchtete die inzwischen unverzichtbare Funktion der Medizinischen Dokumentare in der experimentellen und klinischen Forschung. Über den Einsatz Medizinischer Dokumentare bei der Arzneimittelentwicklung und Arzneimittelüberwachung sprach der Leiter des Bereichs Information und Biometrie bei der Firma Boehringer Ingelheim, Reinhard Zentgraf.
Medizinische Dokumentation und Krankenhaus- Einnahmen Der Deutsche Verband Medizinischer Dokumentare hat 1.100 Mitglieder. Einen Schwerpunkt der Tagung, die 600 Teilnehmer zählte, bildeten die sogenannten »Diagnosis Related Groups«, Kostenklassen zur Abrechnung der stationären Behandlung. Mit der Erfassung der Leistungen und der Zuordnung der einzelnen Behandlungsfälle zu diesen Kostenklassen entscheidet die medizinische Dokumentation zunehmend über die Einnahmen eines Krankenhauses. Andere Schwerpunkte der Tagung waren Informations- und Dokumentenmanagement sowie Lehr- und Lernsysteme. Die Ausbildung zum Medizinischen Dokumentar dauert 3 Jahre. Sie ist, mit den Hauptfachgruppen Medizin (310 Stunden Theorie), Dokumentation (210 Stunden Theorie + 160 Stunden Übungen), Statistik (370 Stunden Theorie + 100 Stunden Übungen), Informatik (450 Stunden Theorie + 340 Stunden Übungen) sowie Organisation, Beruf und Recht (280 Stunden Theorie), thematisch vielseitig angelegt. Kompakt organisiert und intensiv, sieht der Lehrplan im Mittel 34 Stunden pro Woche Theorie sowie Übungen in kleinen Gruppen vor. 5 Praktika nehmen zusammen 1 Jahr in Anspruch. Dazu werden Praktikumsberichte verlangt. Ferner sind eine Studienarbeit zu schreiben und 3 Teilprüfungen in zusammen 22 Fächern abzulegen. Die Ferienstruktur folgt der gymnasialen Regelung. Der Umfang des in drei Jahren vermittelten Unterrichtsstoffs entspricht dem eines achtsemestrigen FH-Studiums.
In den 35 Jahren des Bestehens der Schule für Medizinische Dokumentation in Ulm haben praktisch alle Absolventen sofort eine Stelle gefunden. Besonders erfolgreiche Absolventen können auch heute unter mehreren Stellen auswählen und entscheiden sich oft für die Industrie oder die Mitarbeit in der Forschung. In der Krankenversorgung ist der Mangel an dokumentarischen Fachkräften besonders groß. Die bestbezahlten Medizinischen Dokumentare verdienen so viel wie ein Universitätsprofessor. | |
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Von Raumzeit, Schwerkraftwellen, Quarksternen und dem Geburtsschrei des Universums Tagung der DPG zum 125. Geburtstag von Albert Einstein |
| Vom 14. bis 18. März 2004 fand anläßlich der 125. Wiederkehr des Geburtstages von Albert Einstein, der am 14. März 1879 in Ulm geboren wurde, eine Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) an der Universität Ulm statt. Tagungsleiter war der Ulmer Theoretische Physiker Prof. Dr. Frank Steiner. Mehr als 180 Teilnehmer haben in Ulm Hypothesen und Erkenntnisse zu den Anfängen der Welt, zu »Wurmlöchern« und »Quarksternen« ausgetauscht. Auch befaßte sich der Kongreß mit Einsteins Einfluß auf die Kunst. Am Festakt der Stadt Ulm am 14. März nahm Bundespräsident Johannes Rau teil. Den Auftakt des wissenschaftlichen Programms bildete die »Einstein Lecture«, gehalten von Professor Chen Ning Yang (Stony Brook, USA) am 14. März. Der Nobelpreisträger des Jahres 1957 sprach über Einsteins Einfluß auf die Physik des 21. Jahrhunderts. Yang war ab 1949 - ebenso wie Albert Einstein - am Institute for Advanced Study in Princeton (USA) tätig. Er arbeitete u.a. über Mechanik und Theorie der Elementarteilchen, über Kernkräfte und Mesonentheorie sowie über Spiegelsymmetrie von Naturgesetzen.
Gekrümmt, gedehnt und gestaucht Die Vorstellung, daß Zeit und Raum tatsächlich gekrümmt, gedehnt und gestaucht werden können, verdanken wir Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie mit dem Verständnis der Schwerkraft als Ursache der Bewegungen im Universum. Anziehungskräfte, das erkannte Einstein als erster, erwachsen aus einer Verformung des Raum-/Zeit-Gefüges durch Sterne und Planeten, die mit ihren Schwerkrafttrichtern andere Körper einfangen. Einsteins Erkenntnisse haben Physik und Astrophysik gleichermaßen geprägt und werden seit etwa 1976 auch technisch - mit dem Navigationssystem GPS - erfolgreich angewendet. Und wie die Raumzeit in Gestalt der Schwerkrafttrichter »eingedrückt« wird, kann sie auch »Falten schlagen«, die, so Einsteins Vermutung, als Gravitationswellen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum laufen, ähnlich den Radiosignalen eines Rundfunksenders. Das Phänomen zählt zu den wenigen Voraussagen Einsteins, die bislang nicht eindeutig bestätigt werden konnten. Beobachtungsstationen wie die deutsch-britische Anlage GEO600, die in der Nähe von Hannover steht, versuchen mit 600 Meter langen Laserdetektoren Schwerkraftsignale von explodierenden Sternen oder Schwarzen Löchern aufzufangen. Die Arbeiten bildeten ein Thema des Ulmer Kongresses. Auch die Kosmologie spielte im Tagungsprogramm eine wesentliche Rolle. Seit langem steht fest, daß der Kosmos kein statisches Gebilde ist. Seit dem Urknall vor 14 Milliarden Jahren dehnt sich das Weltall zunehmend aus. »Kosmologische Konstante« nannte Einstein das zentrale Triebmittel dieses Prozesses. Später verwarf er die Vorstellung als die »größte Eselei« seines Lebens. Neuerdings nun ist sie wieder aufgegriffen worden. Als »Dunkle Energie« bezeichnet, gilt sie jetzt sogar als maßgebende Kraft für die beschleunigte Expansion des Universums.
Zufall und Verschränkung Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildeten die Quantentheorie und die Quantenfeldtheorie in gekrümmter Raumzeit. Denkmodelle der Quantengravitation versuchen Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie mit den Gesetzen des Mikrokosmos in Einklang zu bringen. Hier klafft im Theoriegebäude der Physik noch eine riesige Lücke. Der Vorstellung, daß im atomaren und subatomaren Bereich der Zufall regiert - eine Grundaussage der Quantentheorie -, mochte Einstein nicht beitreten. Er suchte über viele Jahre nach Widersprüchen im Gedankengebäude der Quantentheorie, ohne diese allerdings widerlegen zu können. Immerhin stieß er auf das sogenannte EPR-Paradoxon, das auf eine gemeinsame Arbeit mit den Physikern Nathan Rosen und Boris Podolsky zurückgeht. Mit dem EPR-Paradoxon entdeckte Einstein jene geheimnisvolle Fernverbindung zwischen einmal gekoppelten Teilchen, die selbst lange nach ihrer Trennung erhalten bleibt: die »Verschränkung«. Heute ist sie Grundlage der Quanteninformationstheorie und gilt als zentrales Funktionsprinzip künftiger Quantencomputer. Einsteins Einfluß auf die moderne Wissenschaft ist umfassend. Seine Arbeiten zur Relativitätstheorie, zum Photoeffekt und zur Quantentheorie, zur Brownschen Molekularbewegung und Statistischen Physik sowie die Erkenntnis, daß Energie und Masse ineinander umgewandelt werden können, revolutionierten das Weltbild seiner Zeit. Auch wurde damit der Grundstein für zahlreiche technische Entwicklungen gelegt, die unser heutiges Leben begleiten - vom Navigationssystem GPS über die Solarzelle bis hin zur digitalen Kameratechnik. Einstein hat unsere Gesellschaft weit über die Wissenschaft hinaus geprägt.
Und die Kunst In dem Symposium »Einstein und die Kunst«, das im Rahmen des Ulmer Kongresses stattfand, ging es unter anderem um die »Seelenverwandtschaft« zwischen Einstein und Picasso wie auch um die Rolle der Musik in Einsteins Leben. Überhaupt war der kulturelle Sektor ausgiebig an den Einstein-Festlichkeiten beteiligt, so mit einem Konzert am 15. März im Hörsaal 4/5 der Universität. Außerdem brachte das Ulmer Theater am 18. März die Oper »Einstein, die Spuren des Lichts« heraus (nominelle Uraufführung). Bereits am 16. März ging eine Sondervorstellung der Oper für die Tagungsteilnehmer vorweg. Auch war und ist noch dem genialen Denker eine Ausstellung im Stadthaus Ulm (12. März - 31. August 2004) gewidmet.
Zur Abteilung Einstein für jedermann gehörte ein Vortrag über ein frühes Werk der allgemeinverständlichen Wissenschaftsvermittlung, den Film »Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie« aus dem Jahr 1922, der Einsteins Ideen einem breiten Publikum verständlich machen wollte. In einem weiteren öffentlichen Abendvortrag unter dem Titel »Neues vom Anfang der Welt« blickte bzw. horchte Prof. Dr. Matthias Bartelmann (Universität Heidelberg) ins All, von wo uns noch heute der »Geburtsschrei« des Universums erreicht. | |
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Auch Lehrexzellenz Über das Bundeskonzept hinaus |
| Über das Bundeskonzept hinaus wollen die Länder im Rahmen der besonderen Exzellenzförderung auch qualifizierte Lehre nachhaltig fördern. Dem stimme die LRK schon deshalb zu, weil hervorragende Forschung hervorragende Lehre und Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses voraussetze. Exzellenz lasse sich, das zeigten insbesondere die ausländischen Vorbilder, nicht unter den Bedingungen von Massenuniversitäten darstellen. Daher werde mit allem Nachdruck und vordringlich die Möglichkeit gefordert, die Betreuungsrelation in Exzellenzstudiengängen zumindest dann deutlich verbessern zu können, wenn diese Verbesserung von den Universitäten selbst finanziert wird, sei es aus Mitteln der Exzellenzprogramme, aus sonstigen Drittmitteln oder aus Studiengebühren. Erst unter dieser Voraussetzung gewännen die noch weiter auszubauenden Eignungs- und Auswahlverfahren für Studierende rechten Sinn. Die Auswahl der - nach Bundes- und Landeskriterien - exzellenten Einrichtungen, Programme und Projekte der Universitäten müsse ausschließlich und ohne jeden Abstrich nach akademischen Kriterien getroffen werden; Strukturpolitik und Länderproporz dürften keinen Einfluß nehmen. Konsequent müsse sichergestellt werden, daß die Auswahlgremien allein nach wissenschaftlichen Maßstäben unter Zuziehung internationaler Experten zusammengesetzt werden.
Zur Finanzierung der Exzellenzförderung fordert die LRK die Bundesländer auf, ihrerseits einen Gesamtbeitrag beizusteuern, der dem des Bundes entspricht. Auch werden Bund und Länder ersucht, die finanzielle Förderung nicht nach fünf Jahren enden zu lassen, sondern langfristig zu verstetigen. Ferner dürfe die Exzellenzförderung finanziell nicht zu Lasten der Gesamtheit der Hochschulen gehen. Deshalb appellieren die Rektoren der Landesuniversitäten an Regierungen und Parlamente, die Hochschulhaushalte nicht weiter zu beschneiden. | |
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Jede Menge Exzellenz Bund-Länder-Kommission (BLK) einig in Sachen Eliteförderung |
| Bund und Länder haben sich am 29. März 2004 auf Eckpunkte zur Eliteförderung verständigt. Demnach sollen spätestens von 2006 an sowohl einzelne Spitzenuniversitäten als auch herausragende universitäre oder außeruniversitäre Wissenschaftsbereiche mit zusätzlichen Mitteln in Millionenhöhe unterstützt werden. Das nun vereinbarte Konzept ist eine Kombination des Modells von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (Förderung von fünf Spitzenuniversitäten) und des Konzeptes der Bundesländer (Förderung exzellenter Wissenschaftsbereiche). Die Länder wollen nun auch zusätzliche Mittel für den Wettbewerb zur Verfügung stellen. Nach der getroffenen Vereinbarung sollen künftig die Universitäten als Gesamtinstitution Antragsteller und Empfänger von Fördergeldern sein. Wie viele Universitäten letztlich gefördert werden, müsse der Wettbewerb zeigen. Laut Bulmahn könnten es zehn sein, 16 Spitzenuniversitäten, also für jedes Bundesland eine, seien in ihren Augen zu viele. Einzelheiten sollen von einer Arbeitsgruppe von Staatssekretären des Bundes und der Länder bis zum Juni festgelegt werden. Noch vor dem 19. Juni 2004 will sich die BLK auf einer außerordentlichen Sitzung mit dem ausgearbeiteten Konzept befassen. Für den 19. Juni ist ein Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit den Ministerpräsidenten der Länder im Rahmen der Föderalismus-Kommission anberaumt.
DHV | |
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Förderung nach Leistung, nicht nach Proporz Sechs-Punkte-Katalog zur Exzellenzbildung |
| Die baden-württembergische Landesrektorenkonferenz der Universitäten äußerte sich besorgt über den Vorschlag der Kultusministerkonferenz, die geplante Eliteförderung der Bundesforschungsministerin durch ein Länderkonzept zu ersetzen. »Wir sind natürlich keinesfalls dagegen, daß die Länder exzellente Wissenschaft zusätzlich fördern wollen«, sagte der LRK-Vorsitzende Dieter Fritsch, »nur soll der Länderplan das Bundeskonzept nicht ersetzen, sondern mit zusätzlichen Mitteln ergänzen.« Dringend erforderlich sei es, die Universitäten in den Mittelpunkt der Förderung zu stellen. Hier finde die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses statt, den Wirtschaft und Gesellschaft für ihre Zukunftsfähigkeit dringend brauchten. »Im Kernbereich von Exzellenzclustern müssen die Universitäten stehen; andere Einrichtungen sind zur Ergänzung sinnvoll, dürfen aber nicht aus Proporzerwägungen gleichermaßen gefördert werden«, forderte Dieter Fritsch. Deshalb habe man einen Sechs-Punkte-Katalog aufgestellt, der an die Entscheidungsträger in Bund und Länder gerichtet sei. »Spitzenleistungen erzielt man nicht mit der Gießkanne«, bringt Fritsch die Vorstellungen der Universitäten auf den Punkt. Man erwarte eine an akademischen Kriterien orientierte Auswahl, denn nur so sei das gemeinsame Ziel, die Stärkung der deutschen Wissenschaft, zu erreichen. Untrennbar dazu gehöre eine bessere Betreuung der Studierenden, zumindest in Exzellenzstudiengängen, die nur jenseits der geltenden Kapazitätsverordnung realisiert werden könne. »Hier müssen wir alle Möglichkeiten nutzen dürfen, von Exzellenzprogrammen über Drittmittel bis hin zu Studiengebühren« verlangt Fritsch.
Was die Finanzierung der Programme angehe, so handle es sich dabei um Zukunftsinvestitionen, die zusätzlich aufgebracht werden müßten; keinesfalls dürfe die bestehende Hochschulfinanzierung gekürzt werden. Solange man genügend Steuermittel aufbringe, um bei der Steinkohle überholte Techniken am Leben zu erhalten, sei eine Verweigerung mit der Begründung des Geldmangels unverständlich. | |
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Gegen den Mißbrauch öffentlicher Gelder im Begutachtungswesen Plädoyer für professionelle Gutachter in der Wissenschaft |
| Der ehrenamtliche Einsatz von Wissenschaftlern für die Begutachtung wissenschaftlicher Arbeit anderer, d. h. die »Begutachtung durch die Konkurrenz« (Roy und Ashburn, 2001) begann bereits im 17. Jahrhundert und führte schließlich zu unserem heutigen Peer Review System (Kronick, 1990). Üblicherweise sind solch »freiwillige« Gutachter externe Experten, die für ihre Beurteilung nicht bezahlt werden. Neuere Studien lassen eher Zweifel an Qualität und Nutzen unseres derzeitigen Peer Review Systems aufkommen. Daß daran festgehalten wird, hat seinen Grund eher im Fehlen einer wirklichen Alternative als im tatsächlichen Wert dieses Systems. Wir schlagen eine professionelle Gutachtertätigkeit in der Wissenschaft vor, die in der Praxis getestet werden sollte. Problem 1: Gutachten stehlen dem Wissenschaftler die Zeit Zusätzlich zu dem zeitlichen Aufwand für Forschung, Lehre und Gremienarbeit müssen Wissenschaftler etwa 20 % ihrer Arbeitszeit für ehrenamtliche Gutachten aufbringen: von Dekanen der eigenen oder fremder Fakultäten wird die Begutachtung der Eignung von Wissenschaftlern als Professoren und Institutsleiter angefordert, von staatlichen und privaten Fördergesellschaften die Beurteilung von Projektanträgen oder der Preiswürdigkeit; vor allem aber werden von den Herausgebern wissenschaftlicher Zeitschriften Gutachten von Manuskripten verlangt. Diese intensive Gutachtertätigkeit bedeutet, daß dem Wissenschaftler für seine eigentliche Arbeit nur 80 % seiner Arbeitszeit zur Verfügung stehen. Dies führt zur Qualitätsminderung in Forschung und Lehre. Problem 2: Gutachter haben Interessenkonflikte Beim Erstellen von Gutachten können Wissenschaftler über Erfolg oder Mißerfolg ihrer Konkurrenten entscheiden, z.B. darüber, wer gefördert wird, welches Manuskript zur Publikation angenommen wird, wer Forschungsgelder bekommt oder wer einen Preis erhält. Die Gutachter erhalten Zugang zu streng vertraulichen Informationen über letzte Forschungsergebnisse, neueste Techniken oder innovative Ideen. Es überrascht nicht, daß dabei Mißbrauch getrieben wird. Das Fehlverhalten erstreckt sich von vorsätzlichem Hinausschieben der Begutachtung über milde Formen von geistigem Diebstahl bis hin zur unrechtmäßigen Aneignung von Patentrechten und kommerziellen Vorteilen.
Schwankende Qualität Problem 3: Viele ehrenamtliche Gutachten sind unzulänglich Es gibt keine standardisierten Qualitätskriterien, welche die ehrenamtlichen Gutachter erfüllen müssen. Wissenschaftler erledigen die Gutachten mit mehr oder weniger Zeit und Hingabe, gelegentlich auch durchaus emotionsbehaftet. Die Gutachten können daher unsystematisch, oberflächlich, unkritisch oder gar unausgewogen sein. Selbst Zeitschriften mit hohem Prestige sind nicht gefeit gegen Gutachten minderer Qualität, wie Beispiele mit fingierten oder verfälschten Daten gezeigt haben. Häufig kommen auch Publikationen mit offensichtlich falschen Ergebnissen oder fehlerhaften Interpretationen vor. In vielen Zeitschriften erscheinen begutachtete Nachfolgepublikationen zur Diskussion von fraglichem Material, das vorher in derselben Zeitschrift veröffentlicht wurde (siehe z.B. Sood et al. (1996), korrigiert von Wang et al. (1997); Ahmad et al. (1998), korrigiert von Hillmer et al. (2001)). Aber es sind nicht die extremen Fälle, die das größte Problem des Begutachtungsprozesses darstellen, sondern die generelle Qualität der Gutachten. Eine Studie untersuchte die Detektion von bewußt in das Manuskript eingefügten Fehlern: die Mehrheit der Gutachter erkannte weniger als 50% dieser Fehler. Eine andere Studie verglich die Beurteilungen der Gutachter und fand eine sehr geringe Übereinstimmung. In der Vergangenheit wurden mehrere Strategien angewendet, um das Peer Reviewing zu verbessern. Die Maßnahme, die Identität der Autoren zu verheimlichen (blinding), war nicht sehr erfolgreich, weil die Gutachter die Identität des Autors in 46 % der Fälle richtig erraten hatten; auch gaben sie Autoren mit einer längeren Publikationsliste eine bessere Punktzahl. Studien mit offener Begutachtung, d. h. mit Offenlegung der Gutachternamen (signing) gegenüber den Autoren, brachten ebenfalls keine höhere Qualität. Weder die Vorschrift für die Gutachter, schematisch minimale Anforderungsbögen auszufüllen, noch die schriftliche Beurteilung der Qualität eines Gutachtens durch den Herausgeber waren effektive Maßnahmen. Auch hat die Teilnahme der Peer-Reviewer an interaktiven Workshops die Qualität der nachfolgenden Gutachten nicht erhöht. Energische Bemühungen, mittelmäßige Gutachter zur Teilnahme an einem zweiten Workshop zu bewegen, führten nicht zu besseren Begutachtungen. Daraus folgt, daß als Voraussetzung für eine wirklich adäquate Begutachtung eine intrinsische Motivation vorhanden sein muß.
Professionelle Vorzüge In bestimmten Fachgebieten sind Gutachten durch qualifizierte Personen eine Voraussetzung für Entscheidungen. Das gilt für das Schätzen des Wertes (oder der Wertminderung) eines Kunstobjektes, für das Bestimmen des reduzierten Grades der Erwerbsfähigkeit von Behinderten, für das gesamte Notariatswesen, aber auch für die Prognosestellung bei ökonomischen und ökologischen Investitionen. Diese Aufgaben werden von Profis übernommen, d. h. Personen, die ihr Geld mit dem Erstellen von Fachgutachten verdienen. Diese Profis können es sich nicht leisten, parteiisch zu sein, da sonst niemand ihre Dienstleistung kaufen würde. Aus diesem Grund legen sie besonderen Wert auf fristgerechte Erstellung von Gutachten mit hoher Qualität. Die Einführung von professionellen Gutachtern in der Wissenschaft hätte vermutlich dieselben Vorteile wie in anderen Fachgebieten. Sie sollte zu größerer Neutralität, verbesserter Qualität, Vermeidung von Angriffen auf die persönliche Integrität der Autoren und zur rechtzeitigen Abgabe der Gutachten führen. Schließlich würde sie auch zur Arbeitsentlastung der Wissenschaftler zugunsten von Forschung und Lehre beitragen. Wie die Gutachter in anderen Fachgebieten sollten auch die Wissenschaftsgutachter hochqualifiziert sein. Unabdingbare Voraussetzungen sind ein Hochschulabschluß mit Ph.D. und persönliche Erfahrung mit dem Abfassen von Manuskripten sowie dem Schreiben von Forschungsanträgen auf dem Wissenschaftsgebiet, auf dem sie gutachterlich tätig sein wollen. Auch wäre eine zertifizierte Universitätsausbildung in Good Referee Practice z. B. im Rahmen eines Aufbaustudiums unbedingt notwendig. Regelmäßige Teilnahme an wissenschaftlichen Veranstaltungen, die thematisch auf Begutachtung spezialisiert sind, wie der »International Congress for Peer Review and Biomedical Publication« wird empfohlen. Da professionelle Gutachter wirkliches Interesse an der ständigen Verbesserung ihrer Qualität haben, um mehr Aufträge zu bekommen, würden diese Empfehlungen zweifellos angenommen. Nicht zu vergessen, die konstante Gutachtertätigkeit gewährleistet, daß die professionellen Gutachter up to date sind und höchst erfahren im Aufdecken von Fehlern in Konzepten und Schlußfolgerungen, jedenfalls auf dem Gebiet der Wissenschaft, mit dem sie sich beschäftigen. So definierte professionelle Gutachter müssen nicht unbedingt ihr Leben lang als Gutachter arbeiten. Wahrscheinlich würden manche nur für einige Jahre nach ihrer Post-Doc-Zeit als Gutachter in speziellen »Kanzleien« tätig sein, um dann zu nationalen oder internationalen Forschungsgesellschaften, Förderorganisationen oder Verlagen zu wechseln.
Standards fordern Infolge der wachsenden Spezialisierung der Wissenschaft ist die Kompetenz auf einem Fachgebiet äußerst begrenzt. In manchen Gebieten arbeiten auf der gesamten Welt weniger als ein halbes Dutzend Forschungsgruppen an ähnlichen Themen. Ihre Mitarbeiter werden daher als Insider oder explizit als Experten für Begutachtungen angesehen. Die allgemeine Meinung ist, daß kein Outsider ihre Arbeit verstehen, deren Qualität beurteilen, geschweige denn dafür Verbesserungsvorschläge machen könnte. Die Manuskripte und Anträge, die begutachtet werden sollen, gehören oft nicht zum Spektrum der wissenschaftlichen Arbeit, das die Mehrheit der Wissenschaftler verstehen und würdigen kann. Dennoch ist es die Aufgabe der Gutachter, die spezifischen Qualitätskriterien zu erfüllen. Verschiedene Forschungsorganisationen haben auf diese Bedürfnisse reagiert und Kriterien und Verfahren für ihre Begutachtungen entwickelt, um die Qualität zu garantieren und Befangenheit und Ungerechtigkeit zu reduzieren. Ein gutes Beispiel dafür ist das National Institute of Health (NIH), das größte staatliche Forschungsunternehmen der USA. Aber auch kleinere private Organisationen arbeiten so, wie z. B. das Telethon in Italien, eine Institution, die auf die Erforschung der neuromuskulären Erkrankungen spezialisiert ist. Dennoch sehen die Herausgeber vieler wissenschaftlicher Zeitschriften, auch solcher mit hohem Prestige, nicht die Notwendigkeit, Standards für Publikationen oder Kriterien für das Verfahren ihrer Begutachtungen zu fordern. Denkbarer Grund: daß diese Forderungen die Bereitwilligkeit der Gutachter reduzieren könnte, die den Job ohnehin ohne Bezahlung ausüben. Können wir uns bezahlte professionelle Gutachter leisten? Die Frage darf so nicht gestellt werden. Vielmehr sollten wir fragen: Wer bezahlt gegenwärtig die Gutachten, durch die z. B. die Wissenschaftsverlage in den Stand gesetzt werden, ihre Journale an alle Universitätsbibliotheken auf der ganzen Welt zu verkaufen? Die Antwort ist, daß die meisten Wissenschaftsgutachter entweder von den staatlichen Institutionen für Forschung und Lehre bezahlt werden oder Gelder für ein spezifisches Forschungsprojekt erhalten haben. In beiden Fällen gehören Gutachtertätigkeiten nicht zu den vom Geldgeber gemeinten Tätigkeitsmerkmalen. Diese Situation stellt in der Tat einen Mißbrauch von öffentlichen Geldern dar und wird nur deswegen nicht angeprangert, weil nach wohlwollender Annahme die Reviewer die Gutachten in ihrer Freizeit erstellen, etwa als Ausgleich dafür, daß sie »auserwählt« wurden und dies sogar in ihrem Curriculum vitae vermerken können. In Wirklichkeit fertigen viele Wissenschaftler ihre Gutachten in ihrer Arbeitszeit an, weil sie es als Teil ihrer wissenschaftlichen Aufgabe ansehen, das Peer Review System durch ihren Beitrag am Laufen zu halten. Alle wichtigen Forschungsgebiete und somit auch die große Mehrheit aller zu publizierenden Manuskripte und Anträge kommen für die Begutachtung durch zertifizierte Profis in Betracht. Die professionelle Begutachtung würde das gegenwärtige Problem des Mißbrauchs von öffentlichen Geldern beseitigen. Besonders schwer wiegt dieser Mißbrauch bei den auf Profit ausgerichteten wissenschaftlichen Journalen, die den Überschuß nicht einmal in die Wissenschaft reinvestieren.
PD Dr. Karin Jurkat-Rott, Prof. Dr. Frank Lehmann-Horn | |
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Verbesserte universitäre Lehrerausbildung Im Ruhestand: Professor Dr. Ulrich Herrmann |
| Es ist noch die Zeit der »alten Universität«, als Ulrich Herrmann 1960 sein Studium in Heidelberg aufnimmt und 1962 in Köln fortsetzt: nur wenige eines Jahrgangs hatten damals Abitur, die Anzahl der Kommilitonen in einem Übungsraum war überschaubar, die hölzernen Karteikästen der Universitätsbibliotheken verbargen eine endliche Menge an Informationen, Studienordnungen gab es nicht, Professoren kannten zumindest die älteren Semester mit Namen. Nicht frühe Spezialisierung, sondern das Verständnis vielfältiger Zusammenhänge stand im Vordergrund, so daß Herrmann Geschichtswissenschaft, Germanistik, Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik studierte. Gehalten wurden die Vorlesungen von Persönlichkeiten, die noch heute bekannt sind: vom Philosophen Karl Löwith, vom Mediävisten Peter Wapnewski, von den Historikern Werner Conze und Fritz Ernst, von den Politologen Carl Joachim Friedrich und Dolf Sternberger, von den Pädagogen Hans-H. Groothoff und Clemens Menze, um nur einige zu nennen. 1968 promovierte Herrmann über Wilhelm Dilthey und die Pädagogik in dessen Theorie der Geisteswissenschaften. Den Ausgangspunkt für Herrmanns weitere akademische Laufbahn bildete - nach einem Zwischenspiel als Referent bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes - 1969 das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen. Eine unruhige Zeit, die er hier als Persönlicher Referent des Rektors der Universität Tübingen begann. 1975 erfolgte die Habilitation, seit 1976 hatte Ulrich Herrmann die Professur für Allgemeine und Historische Pädagogik an der Universität Tübingen inne, wurde für zwei Jahre Dekan und in den Gremien aktiv. Neben zahllosen Einzelveröffentlichungen, Quelleneditionen und mehreren Monographien ist die Tätigkeit Herrmanns als Mitherausgeber und Schriftleiter der Zeitschrift für Pädagogik zu erwähnen sowie seine Herausgebertätigkeit für die »Materialien zur Historischen Jugendforschung«, beim »Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte« und der Werke von Siegfried Bernfeld und von Wilhelm Flitner. In Ulm intendierte er die Reihe »Reden und Aufsätze der Universität Ulm« und gestaltete gemeinsam mit Hermann Heimpel einige Jahre das Studium generale. Seine Untersuchungen zur Kindheit und Jugend vor dem Ersten Weltkrieg sowie zum württembergischen Pietismus des 19. Jahrhunderts begründeten eine eigene Forschungstradition in der Historischen Biographieforschung. Ulrich Herrmann ist einer der wenigen führenden Historiker auf dem Gebiet der Theorie und Geschichte der Pädagogik von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Sicher auch prägend für die spätere Tätigkeit an der Universität Ulm waren die Erfahrungen, die Herrmann 1991 bis 1993 beim Aufbau der Lehrerausbildung in Brandenburg sammelte, als er in den Gründungssenat der Universität Potsdam berufen wurde. Das praxisbezogene »Potsdamer Modell der Lehrerbildung«, das er gemeinsam mit Wolfgang Edelstein (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) konzipierte und realisierte, erlangte bundesweit Beachtung und gilt noch heute als eines der innovativsten Konzepte in diesem Bereich. 1994 nahm Herrmann den Ruf nach Ulm als Professor für Pädagogik und Leiter des Seminars für Pädagogik an. Die Situation für Studierende des Höheren Lehramts in Baden-Württemberg war zu dieser Zeit in einem ganz besonderen Punkt »einzigartig«: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern war in der gesamten Studienzeit keine einzige Minute eines Schulbesuchs, eines Schulpraktikums vorgesehen. Jemand konnte sich also zum Beispiel für das Studium der Biologie, der Chemie oder der Physik entscheiden, 10 bis 12 Semester seine fachlichen Qualifikationen - »begleitet« von zwei oder drei Pädagogik-Veranstaltungen - bis in das kleinste wissenschaftliche Detail vertiefen, um dann nach vielen Universitätsjahren mit großer Überraschung (gelegentlich auch mit dem berühmten Praxisschock) festzustellen, daß die Fragen der Schüler sich doch deutlich von denen seiner ehemaligen Professoren unterschieden und die Probleme des Wissenschaftsalltags nur sehr wenig mit den Problemen des Schulalltags gemein hatten. Ulrich Herrmann änderte innerhalb weniger Monate diese Situation entscheidend: die Studentinnen und Studenten der Universität Ulm konnten in Zusammenarbeit mit den Ulmer Gymnasien Schulpraktika absolvieren, wodurch die Universität Ulm eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg übernahm und was schließlich zur Einführung landesweiter Schulpraktika bzw. des heute verpflichtenden Praxissemesters führte. Unterrichtsbeobachtungen mit Videoaufzeichnungen wurden eingeführt, so daß die Studierenden nach ihren Unterrichtsproben an Schulen ihren Umgang mit Schülern und Unterrichtsstoff analysieren konnten. Exkursionen zu Freien Schulen wurden angeboten, die erlebbar machten, daß es noch andere Blickwinkel auf einen Schulalltag als den 6-Stunden-Takt gibt. Zugleich war Herrmann um eine Öffnung der Pädagogik auch gegenüber der Ulmer Öffentlichkeit bemüht, so daß in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Ulm (in deren Vorstand er bald gewählt wurde) »Schule-Schüler-Lehrer-Eltern«-Reihen durchgeführt wurden. Und viele der Ulmer Direktoren und Gymnasiallehrer/innen waren sofort zu einer Zusammenarbeit bei einer der größten Interviewstudien zu Fragen der Lehrerberufsbiographie bereit. Dies alles waren wichtige Schritte zu einer verbesserten universitären Lehrerausbildung, aber es waren eben nur Einzelschritte. Für Herrmann war es wichtig, Dauerhaftigkeit durch strukturelle Veränderungen zu erzielen, die es ermöglicht hätten, das Studium des Höheren Lehramts in einem eigenen Studiengang deutlicher an den Fragestellungen des späteren Berufsalltags auszurichten, also zum Beispiel die Studienanteile der pädagogischen Psychologie oder der Schulpädagogik zu erhöhen, das Praxissemester in Verbindung mit der Fachdidaktik systematisch vor- und nachzubereiten usw. Auch wenn die Umsetzung dieser Konzepte, die Herrmann in die Diskussion einbrachte, an der Universität Ulm nicht geschah, bleiben sie für die zukünftigen Perspektiven des Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg maßgebliche Vorgaben. Die soeben abgeschlossene Evaluierung der Pädagogik an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg hat die besonderen Leistungen des Ulmer Seminars in Forschung und Entwicklung hervorgehoben. Ulrich Herrmann wurde von vielen seiner Kollegen und von seinen Mitarbeitern und Studenten sehr geschätzt, weil er es verstanden hat, komplexe Sachverhalte nicht nur in einer verständlichen Weise aufzubereiten, sondern diese auch mit jener Souveränität und Leichtigkeit schilderte, die jemand hat, der seinen Weg in der »alten Universität« begann und in einer »neuen Universität« beendet. Ein kleines Stück des Wegs bleibt noch zu gehen und kann vielleicht etwas ruhiger zurückgelegt werden: Herrmann zog seinen Ruhestand um ein Jahr vor und ist als Honorarprofessor an der Universität Potsdam tätig.
Herbert Hertramph | |
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Im Verbund gegen die Huntingtonsche Krankheit Das Euro Huntington's Disease Network, koordiniert in Ulm |
| Mit dem Ziel, die Huntington-Krankheit (HK) genau zu erforschen, um auf der Grundlage dieses Wissens deren Verlauf beeinflussen bzw. das Auftreten von Krankheitszeichen in ein höheres Lebensalter zurückverlegen zu können, haben sich europäische Wissenschaftler und Ärzte im »EURO Huntington's Disease Network« zusammengeschlossen. Die HK, auch als Chorea Huntington oder Veitstanz bekannt, ist eine vererbliche fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die mit einer Prävalenz von 5 auf 100.000 Einwohner zu den selteneren Krankheiten gehört. Sie ist durch extrapyramidale Bewegungstörungen gekennzeichnet, manifestiert sich in der Regel zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr und führt über psychische Veränderungen schließlich zur Demenz. Die 1993 entdeckte Ursache der HK liegt in einer Mutation des Huntington-Gens, die in einer übermäßigen Wiederholung von drei Basen (CAG) in der DNS des Gens auf Chromosom 4 besteht. Die Basenwiederholung führt zu einer überlangen, ununterbrochenen Kette ein und derselben Aminosäure (Glutamin), wodurch die normale Faltung des Huntington-Eiweißes (Huntingtin) gestört wird. Nach Entdeckung der Huntington-Mutation wurden Zellmodelle sowie Tiermodelle für die HK entwickelt, in deren Zellen man die Huntington-Mutation einschleuste. Anhand dieser Modelle ist es möglich, die einzelnen Schritte von der Mutation bis zur Ausbildung der Symptome zu untersuchen, womit sich die Hoffnung verbindet, Ansatzpunkte für eine effektive Behandlung zu finden. Trotz des nicht unbeträchtlichen Erkenntnisfortschritts konnte aber bislang für kein Medikament gezeigt werden, daß es die Progredienz der HK bremst oder gar das Auftreten der ersten Beschwerden bei Mutationsträgern hinauszögern kann. Ein grundsätzliches Problem bereitet der Wirkungsnachweis, der eine hinreichend große Anzahl von Betroffenen erfordert. Die lassen sich angesichts der geringen Prävalenz der HK nur auf der Basis übernationaler Zusammenarbeit finden. Hier liegt einer der Gründe für die Bildung des EURO-HD-Networks, die dank einer großzügigen finanziellen Unterstützung durch die High-Q-Foundation, eine private amerikanische Stiftung, ermöglicht wurde. Anliegen des Netzwerkes ist es, Grundlagenforschung und Klinik stärker zu verschränken, aber auch die Symptome und das Fortschreiten der HK mit klinischen Methoden genauer zu beschreiben. Hierfür sollen verläßliche Biomarker im Blut oder durch die Bildgebung (MRT, PET) etabliert werden. Auch wird der Übergang von der symptomlosen Mutationsträgerschaft zur Erkrankung speziell zu untersuchen sein, worauf dann klinische Studien aufbauen können, die als Zielparameter eine Verzögerung des Krankheitsausbruchs haben. Weitere klinische Studien gelten der Suche nach einem Medikament, das den Krankheitsfortschritt verlangsamt oder die bestehenden symptomatischen Therapien zu verbessern imstande ist.
Am Euro Huntington's Disease Network, das auch ein Internetportal für die Organisation der klinischen Studien etabliert hat, beteiligen sich derzeit Arbeitsgruppen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Irland, Italien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien. Mit weiteren Ländern - Griechenland, Portugal, Polen, Tschechische Republik, Türkei - bestehen Kontakte. Die europäische Koordination erfolgt von Ulm aus unter der Federführung von Prof. Dr. Albert C. Ludolph, Ärztlichen Direktors der Abteilung Neurologie der Universität Ulm. | |
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Hochschul-Ranking der »Jungen Karriere« Arbeitgeber: Universität Mannheim beste Hochschule Deutschlands |
| Während die Politik noch nach Deutschlands Super-Uni sucht, haben die Arbeitgeber bereits gewählt: Die große Mehrheit der Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen kürte die Universität Mannheim zur besten Hochschule Deutschlands. Weitere Favoriten der Wirtschaft sind die Universitäten Münster und Köln sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Diese fünf Spitzenreiter sollten nach Ansicht der Unternehmen zu Eliteuniversitäten ausgebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Hochschul-Ranking des Job- und Wirtschaftsmagazins Junge Karriere. Das Magazin hat in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Kienbaum die Personalchefs von 600 großen deutschen Unternehmen gefragt, welche Hochschule die beste Ausbildung bietet, unterteilt nach den neun wichtigsten Studienrichtungen. Top für BWL und VWL sind nach Einschätzung der Unternehmen neben Mannheim die Universitäten Köln, Bonn und Münster. Die LMU München sowie die Hochschulen Heidelberg und Freiburg genießen im Fach Jura einen besonders guten Ruf. Im Bereich Ingenieurwissenschaften schneiden die RWTH Aachen sowie die Technischen Hochschulen Karlsruhe und Darmstadt besonders gut ab. Informatiker werden nach Ansicht der befragten Personaler am besten in Bonn, Aachen und Darmstadt ausgebildet. Die besten Fachhochschulen sind laut Junge-Karriere-Ranking die FH Reutlingen in BWL, Karlsruhe und Furtwangen in Informatik und Aachen in den Ingenieurwissenschaften. »Die Lieblinge der Wirtschaft sind Hochschulen, die knallhart aussieben und intensive Kontakte in die Unternehmenswelt pflegen«, sagt Jörn Hüsgen, Chefredakteur Junge Karriere. Bei Ranking-Sieger Mannheim überstehen etwa nur gut die Hälfte der 600 BWL-Einsteiger die Auslese bis zum Diplom. Weiteres Ergebnis der Umfrage: 85 % der Personaler glauben, daß Absolventen der staatlichen Top-Unis optimale Karrierechancen in ihrem Unternehmen haben, nur 28 % unterstellen für Diplomanden privater Hochschulen vergleichbare Perspektiven.
Junge Karriere | |
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Institutspartnerschaft in nanoskopisch-porösen Materialien Eine Kooperation zwischen Ulm und Klausenburg |
| Frontiers of Magnetic Resonance Applications to Nano- and Microscopically Structured Systems lautete der Titel eines gemeinsamen Workshops des Physikdepartments der Technischen Universität Cluj-Napoca (Klausenburg), Rumänien, und der Sektion Kernresonanzspektroskopie der Universität Ulm, der vom 25. Februar bis 1. März 2004 in dem transsilvanischen Bergdorf Paltinis bei Sibiu (Hermannstadt) stattfand. Die beiden Institutionen sind seit einem Jahr durch eine sogenannte Institutspartnerschaft, eine noch sehr seltene Förderungsform der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, verbunden. Ziel der Partnerschaft ist es, die vier wichtigen Methodenstandbeine der kernmagnetischen Resonanz, nämlich Spektroskopie, Bildgebung, Diffusion und Relaxation, zur Untersuchung von nanoskopisch- bis mikroskopisch-porösen Materialien einzusetzen. Neben Strukturfragen stehen dabei vor allem Transportprobleme in kompliziert strukturierten Porenräumen im Vordergrund: Wie diffundieren Moleküle in der flüssigen und dampfförmigen Phase in solchen Systemen? Welchen Gesetzen gehorchen der hydrodynamische Fluß und der elektrolytische Strom vergleichsweise in Flüssigkeiten? Wie verhalten sich Wärmeleitung und thermische Konvektion unter den genannten räumlichen Einschränkungen? Wie verändert sich die Polymerdynamik in nanoskopischen Poren gegenüber makroskopischen Proben? Diese und weitere Fragestellungen auf diesem aktuellen Forschungsgebiet waren Gegenstand des Workshops und wurden sowohl im Sinne der Grundlagenforschung als auch unter anwendungsnahen Aspekten der Technologie, der Materialwissenschaften und der Biomedizin erörtert.
Wie kommt es zu einer Institutspartnerschaft wie der hier berichteten? Es mag naheliegen, das Hauptmotiv aus rumänischer Sicht im Zugang zu besserer Laborausstattung zu sehen. Die Infrastruktur der rumänischen Universitäten hat in der Tat ein bescheidenes Niveau. In diesem Fall allerdings ist in Klausenburg ein modernes Kernresonanzspektrometer neueren Datums als in Ulm installiert. Materielle und finanzielle Motive wären langfristig auch keine tragfähige Grundlage für eine sinnvolle Kooperation. Dafür, daß die Zusammenarbeit für beide Seiten attraktiv ist, muß sich ein geistiger, sprich ein konzeptioneller respektive ein Erkenntnisprofit damit verbinden, der aus der gemeinsamen Arbeit erwächst. Die Ulmer Sektion Kernresonanzspektroskopie kooperiert mit den Klausenburger Physikern schon 14 Jahre. Diese erfolgreiche Verbindung, die auf Ulmer Seite von Prof. Dr. Rainer Kimmich, dem Leiter der Sektion Kernresonanzsprektroskopie, und auf der rumänischen Seite von Prof. Dr. Ioan Ardelean, Klausenburg, repräsentiert wird, drückt sich nicht nur in vielen wechselseitigen Forschungsaufenthalten, sondern auch in zahlreichen gemeinsamen Publikationen aus. | |
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Stammzellen als Trojanische Pferde Genfähren bringen Tumorzellen den Tod |
| Die mit Stammzellen verbundenen medizinischen Hoffnungen richten sich in der Regel auf den Ersatz erkrankter Gewebe oder Organe. Die Onkologie, die ja ein Zuviel von (krankhaftem) Gewebe bekämpft, wird selten in einem Atemzug mit Stammzellen genannt. Für PD Dr. Christian Beltinger in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Ulm ist das Grenzland zwischen Stammzellbiologie und Onkologie jedoch ein überaus vielversprechendes Forschungsgebiet. In den Labors der Kinderklinik befassen sich unter Leitung von Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin verschiedene Arbeitsgruppen mit der Frage, wie in Tumorzellen Selbstmordprogramme (Apoptose) ausgelöst werden können. Krebs tötet in der Regel durch die Bildung von Metastasen. Schnell wachsende Metastasen sind oft sauerstoffarm und rekrutieren dann aus dem Knochenmark kommende, im Blut zirkulierende Gefäßstammzellen, um Blutgefäße zu bauen und so weiterwachsen zu können. Beltingers Arbeitsgruppe hat jetzt gezeigt, daß sich Stammzellen als »Trojanische Pferde« zu dem Zweck benutzen lassen, Selbstmordgene in Metastasen einzuschleusen. Die Selbstmordgene bauen sich in die Metastasen ein und zerstören Teile davon nach Aktivierung eines therapeutischen Gens. Beltinger verwendete hierzu embryonale Gefäßstammzellen (aus der Maus), da sich diese im Unterschied zu erwachsenen Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark beliebig vermehren und leicht genetisch verändern lassen. In Petrischalen gezüchtete und mit einem Selbstmordgen versehene Gefäßstammzellen wanderten zielgerichtet vor allem in sauerstoffarme Lungenmetastasen von Mäusen ein, in die sie intravenös injiziert worden waren. Nach dem Einbau in den Tumor wird der programmierte Zelltod durch die Gabe eines Medikaments ausgelöst. Dies ist deshalb besonders bemerkenswert, weil sauerstoffarme Metastasen gegen herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie notorisch resistent sind. Überraschenderweise waren diese embryonalen Vorläuferzellen teilweise gegen die Immunantwort des Körpers geschützt, was ihren Einsatz in fremden Empfängern möglich erscheinen läßt. Die in der Maiausgabe 2004 von Cancer Cell veröffentlichten Ergebnisse bilden eine Grundlage für die Erforschung gezüchteter menschlicher Gefäßstammzellen zur Gentherapie von Tumoren. Entsprechende Arbeiten mit adulten menschlichen Gefäßstammzellen, die aus Blut gezüchtet wurden und an Mäusen erprobt werden, sind in Beltingers Gruppe schon weit vorangekommen. Adulte Stammzellen sind schwieriger zu kultivieren als embryonale Stammzellen, auch verfügen sie nicht über deren Verwandlungsfähigkeit. Jedoch haben sie, vom Empfänger selbst stammend, den Vorteil, vor Abstoßungreaktionen vollständig geschützt zu sein und zudem keine ethischen Probleme aufzuwerfen.
Neben Blutgefäßstammzellen arbeitet Beltinger auch mit Hirnstammzellen, die er aus embryonalen Stammzellen (der Maus) züchtet. Diese Hirnstammzellen werden auf ihre Eignung als Genfähren zur Therapie von Hirntumoren untersucht. Ein großes therapeutisches Problem ist die Eigenheit von Hirntumorzellen, nicht als umschriebene, vom normalen Hirn abgegrenzte Masse zu wachsen, sondern sich, oft weit vom Haupttumor entfernt, zwischen normales Hirngewebe zu drängen. Dies macht es häufig unmöglich, den oft chemoresistenten Tumor chirurgisch oder durch Bestrahlung zu entfernen, ohne normales Hirngewebe zu schädigen. Hirnstammzellen haben eine ausgeprägte Fähigkeit, zielgerichtet und über weite Entfernung Hirntumorzellen anzusteuern und zu stellen. Wenn sie ein therapeutisches Gen mitbringen, kann die Apoptose der Tumorzellen in Gang gesetzt werden. Die molekularen Mechanismen, die diesem effektiven Ziellauf der Hirnstammzellen zugrunde liegen, sind weitgehend unbekannt, aber wesentlich für einen eventuellen therapeutischen Einsatz und daher Gegenstand intensiver Forschung in Beltingers Arbeitsgruppe. Im Tierversuch erweist sich diese Therapiestrategie als vielversprechend. Gleichwohl dürften vor einer möglichen klinischen Anwendung noch mehrjährige vorklinische Untersuchungen liegen. | |
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Keine Beamte Eigenes Dienstrecht für Hochschullehrer? |
| Der Deutsche Hochschulverband (DHV) will, daß Professoren aus dem Beamtenrecht herausgenommen werden. Statt dessen sollen die Hochschullehrer künftig nach einem eigenen Statusrecht beschäftigt werden. »Es ist nur logisch, daß der Gesetzgeber vollendet, was er etwa bei den Richtern mit gutem Grund bereits begonnen hat«, erklärte der Präsident des Verbandes, der Kölner Völkerrechtler Prof. Dr. Hartmut Schiedermair. »Wie bei dieser Berufsgruppe ergibt sich ein eigenständiges Statusrecht auch für Professoren aus der besonderen Rolle, die ihnen das Grundgesetz mit der Freiheit von Forschung und Lehre zuweist.« Durch ein Hochschullehrergesetz des Bundes oder des einzelnen Bundeslandes müsse vor allem die persönliche und sachliche Unabhängigkeit der Professoren gewährleistet werden. Nur ein öffentlich-rechtliches Sonderdienstverhältnis sichere institutionell die Unabhängigkeit des Hochschullehrers und schütze die Freiheit von Forschung und Lehre vor unzulässigen Zugriffen des Dienstherrn oder einzelner Interessengruppen. Ein öffentlich-rechtliches Sonderstatusverhältnis erscheine auch insofern notwendig, als Hochschullehrer zu einem erheblichen Teil hoheitliche Aufgaben wahrnähmen. Dies gelte insbesondere für die Prüfungstätigkeit sowie bei Zulassungsentscheidungen. Schiedermair warnte vor leichtfertigen Gedankenspielen, Professoren als Angestellte zu beschäftigen: »Das notorisch völlig verkrustete deutsche Tarifsystem könnte die erforderliche Mobilität und Flexibilität der Hochschullehrer nicht gewährleisten. Auch wäre es unverantwortlich, Arbeitskämpfe und Streiks auf dem Rücken der Studenten und des wissenschaftlichen Nachwuchses auszutragen.«
DHV | |
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Blinder Höhlenkrebs mit komplexem Gehirn Neue Einblicke in die Verwandtschaftsbeziehungen der Gliederfüßer |
| Für die Wissenschaftler, die sich mit der Biologie der Krebstiere befassen, gehört die Entdeckung der Remipedia im Jahre 1979 ohne Zweifel zu den bemerkenswertesten Ereignissen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Remipeden sind zentimetergroße augenlose Krebse, die im Meerwasser von Karsthöhlen an der Küste vorkommen. In solchen Höhlen der Bahamas hatte Yill Yager vom Antioch College/Ohio diese Kreaturen 1979 entdeckt. Inzwischen wurden sie auch in den schwer zugänglichen Höhlengewässern zum Beispiel Yukatans und Lanzarotes gefunden. Die stammesgeschichtliche Zugehörigkeit der Remipedia ist umstritten, die taxonomische Zuordnung wird kontrovers diskutiert. Eine Lösung des Problems war bislang nicht in Sicht. Bei den meisten Crustaceologen galten die Remipedia aufgrund ihres gleichförmigen Körperbaus (Segmentierung) und ihrer trägen Fortbewegungsweise als sehr ursprüngliche Vertreter der Krebstiere. Biologen von der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Ulm und von der Ruhr-Universität Bochum haben jetzt in den »Proceedings« der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (PNAS, Ausgabe 16. März 2004) eine Studie publiziert, die ein neues Licht auf die Herkunft der Remipedia wirft (der Beitrag im Internet: http://www.pnas.org/misc/archive030804.shtml#HL3). In dieser histologischen Arbeit zum Remipeden »Godzilliognomus frondosus« (benannt nach dem japanischen Kinomonster Godzilla) zeigt der Ulmer Neurobiologe und Evolutionsforscher PD Dr. Steffen Harzsch gemeinsam mit den Bochumer Zoologen Prof. Dr. Johann Wolfgang Wägele und Dr. Martin Fanenbruck, daß die Gehirnstrukturen dieser Tiere hochkomplex und den Gehirnen von höheren Krebsen und sogar Insekten frappierend ähnlich sind. Dies trifft insbesondere auf diejenigen Gehirnstrukturen zu, die chemosensorische Geruchs- und Geschmacksinformationen verarbeiten. Beim Aufspüren von Nahrung ist den Remipedia in ihrem völlig lichtlosen Lebensraum ein hochdifferenziertes Riechzentrum behilflich. Ihre Antennen sind mit einer Vielzahl chemorezeptiver Sinneshaare ausgestattet, über die ein stetiger Wasserstrom geleitet wird und die auf diese Weise geringste Konzentrationen von im Wasser gelösten Geruchsstoffen analysieren können. Es ist besonders die Architektur dieses Riechsystems, die erstaunliche Übereinstimmungen aufweist mit derjenigen des Riechsystems höherer Krebse, der sogenannten Malacostraca (Krabben, Hummer, Langusten und Verwandte), aber auch mit der von Insekten.
»Für die Zoologie könnte dies bedeuten, daß die Stammesgeschichte der Arthropoda (Gliederfüßer) neu überdacht werden muß«, so Dr. Steffen Harzsch und Dr. Martin Fanenbruck. Im Gegensatz zu den traditionellen Verwandtschaftshypothesen ist ein Teil der Krebse - Remipedia und Malacostraca - möglicherweise mit den Insekten näher verwandt als mit den übrigen, ursprünglichen Krebsen (zum Beispiel Ruderfußkrebse, Rankenfüßer oder Wasserflöhe). Die Autoren arbeiten daran, diese neue Theorie zur Stammesgeschichte der Arthropoda zu überprüfen und mit den bisherigen Meinungen zur Evolution der Tiergruppe abzugleichen. | |
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Schmerztherapie - ein fachübergreifendes Anliegen Das Schmerzzentrum Ulm präsentierte sich im Stadthaus |
| Das Schmerzzentrum Ulm, eine abteilungsübergreifende Einrichtung des Ulmer Universitätsklinikums, stellte sich vom 24. bis 27. März 2004 mit Vorträgen, Vorführungen und Postern im Stadthaus Ulm vor. Ziel der Präsentationen war es, der Öffentlichkeit einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten der Schmerztherapie in den verschiedenen Bereichen des Klinikums zu vermitteln. Auch sollte die Vernetzung mit Kliniken der Region und mit den akademischen Lehrkrankenhäusern der Universität Ulm sinnfällig werden. Frühzeitig wurde in Ulm die Entwicklung der modernen Schmerztherapie aufgegriffen. Neben der Universitätsklinik Mainz verfügt Ulm mit der bereits seit 1979 bestehenden Schmerzambulanz über eine der ältesten derartigen Einrichtungen in Deutschland, die kontinuierlich in Betrieb sind. 1987 wurde ein interdisziplinäres Schmerzzentrum gegründet, dessen Organisations- und Funktionsfigur sich am Vorbild des Tumorzentrums orientiert. Die 1985 institutionalisierte interdisziplinäre Schmerzkonferenz, in der problematische Schmerzerkrankungen vorgestellt werden können, tagt einmal pro Monat. Ende der 80er Jahre erfolgten die Einrichtung einer Sektion Schmerztherapie innerhalb der Universitätsklinik für Anästhesiologie sowie die - für den Zeitpunkt fortschrittliche - Einführung eines Akutschmerzdienstes. Seit 1991 gibt es - eine landesweite Besonderheit - an der Universitätsklinik für Anästhesiologie vier Behandlungsbetten für schmerzkranke Patienten. Überdies wird seit vielen Jahren von der Klinik für Neurochirurgie am Bezirkskrankenhaus Günzburg, einem Akademischen Krankenhaus der Universität Ulm, eine eigene neurochirurgische Schmerzsprechstunde angeboten. Die Neurologische Universitätsklinik hat seit einigen Jahren eine Sprechstunde für Kopfschmerzerkrankte sowie Patienten mit schweren Nervenschmerzen. Die Orthopädische Universitätsklinik im Rehabilitationskrankenhaus Ulm betreibt seit vier Jahren eine spezielle orthopädische Tagesklinik für Rückenschmerzpatienten. Besonders hervorzuheben sind auch die langjährigen Forschungsarbeiten der bisherigen Abteilung Medizinische Psychologie, jetzt Sektion Gesundheitspsychologie, zum Spannungskopfschmerz sowie zum Rückenschmerz. Eine Grundüberzeugung der modernen Schmerztherapie besagt, daß bei chronischen Schmerzerkrankungen bzw. bei komplizierten Erkrankungsverläufen meist die Kompetenz eines einzelnen Fachgebietes nicht ausreicht und daher ein besserer Behandlungserfolg durch das Zusammenwirken von Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen und durch den Einsatz verschiedener Behandlungstechniken erzielt werden kann (Multimodalität). Wichtig ist dabei nicht zuletzt die Einbeziehung der psychologisch- psychotherapeutisch- psychiatrischen Kompetenzen. Am 8. April 1987 erfolgte in den Amtlichen Bekanntmachungen der Universität Ulm die Veröffentlichung des Statuts des Schmerzzentrums Ulm, als dessen Aufgaben die Zusammenarbeit in Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von Schmerzpatienten, die Förderung von einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen, die Verbesserung der Datenerfassung und Dokumentation sowie die Ausbildung von Studenten, Ärzten und nichtärztlichem Personal genannt werden. Die Erfahrungen des Tumorzentrums auf dem Gebiet der Krebsbehandlung empfahlen eine analoge Struktur auch für den Umgang mit dem komplizierten Problem chronischer Schmerzen. Als spezielle Einrichtung des Schmerzzentrums wurde die Schmerzkonferenz ausgewiesen. Ein Forum des Meinungsaustausches und der gemeinsamen Fortbildung, ist sie über die Jahre kontinuierlich fortgeführt worden, während das Schmerzzentrum als solches infolge mangelnder Unterstützung und fehlender Honorierung vorübergehend weniger in Erscheinung trat. In den 90er Jahren nahmen das Interesse an der Schmerztherapie und die Anerkenntnis ihrer medizinischen Bedeutung deutlich zu. 1995 wurde in Deutschland als einem der ersten Länder weltweit eine zusätzliche Kategorie in die Schmerztherapie eingeführt: »Spezielle Schmerztherapie«, womit zum Ausdruck kommt, daß es sich um eine spezifische Leistung handelt, die über das hinausgeht, was im Rahmen der allgemeinen Schmerztherapie vom Arzt jeder Fachrichtung erbracht werden kann. Im Jahr 2000 hat das Land Baden-Württemberg eine Initiative unternommen, die Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten im Land zu verbessern. Nach einer Expertenanhörung wurde vom Sozialministerium die »Schmerzkonzeption Baden-Württemberg« erarbeitet. Als eines der Ergebnisse des daraufhin einberufenen »Schmerzforums Baden-Württemberg« mit Vertretern der Gesundheitspolitik, der medizinischen Versorgung sowie der Krankenkassen sind die Kriterien für die Einrichtung regionaler und überregionaler Schmerzzentren im Land anzusehen. Dies gab auch am Universitätsklinikum Ulm den Anstoß, die bereits bestehenden Strukturen wieder mit neuem Leben zu erfüllen. So haben sich im Sommer 2000 die Mitgliederversammlung und der Vorstand des Schmerzzentrums neu konstituiert. Im Januar 2002 wurde auf der Reisensburg in Günzburg ein zweitägiges Seminar zur Konsensbildung in der Schmerztherapie durchgeführt. Gemäß den Vorgaben der Landeskonzeption besteht eine der wesentlichen Aufgaben überregionaler Schmerzzentren darin, Leitlinien für die Schmerztherapie zu erarbeiten. Das Schmerzzentrum Ulm ist seit Ende 2003 als überregionales Schmerzzentrum in Baden-Württemberg anerkannt. Eine Entscheidung über die Einrichtung regionaler Schmerzzentren (im Ulmer Einzugsbereich voraussichtlich Göppingen, Heidenheim/Ostalb sowie Ravensburg/Wangen), steht bevor. Auch in den kommenden Jahren wird sich das Schmerzzentrum der Universität Ulm um die weitere Verbesserung der Schmerztherapie bemühen. Wesentlich dazu beitragen soll eine effektive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen am Universitätsklinikum sowie in der Region. Hierzu wird das Institut der Schmerzkonferenz weiterhin gepflegt und werden Leitlinien und Behandlungskonzepte erarbeitet. Die derzeitigen Strukturänderungen im deutschen Gesundheitswesen bewirken eine Aufweichung der gerade bei der Schmerzbehandlung mitunter problematischen Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung. Das kommt einer »Integrierten Versorgung« entgegen, die bei chronischen Schmerzerkrankungen wie beispielsweise Rückenschmerzen das effektivere Modell darstellt. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die verbesserte Ausbildung von Medizinstudenten, Ärzten und nichtärztlichem Personal im Bereich der Schmerztherapie. Auch in der neuen Approbationsordnung für Ärzte, die am 1.10.2003 in Kraft getreten ist, wurde das Thema Schmerztherapie und Palliativmedizin trotz der enormen gesundheitspolitischen und ethischen Bedeutung noch immer nicht in ausreichender Weise verankert. Das Schmerzzentrum wird sich unbeschadet dessen darum bemühen, für die Ulmer Medizinstudenten ein gutes Studienangebot in diesem fachlichen Sektor bereitzustellen. Nach wie vor besteht in der Schmerztherapie ein erheblicher Forschungsbedarf. Aus diesem Grunde hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den letzten Jahren drei Schwerpunktforschungsverbünde zum Kopf-, Rücken bzw. Nervenschmerz eingerichtet. In allen drei Verbünden sind neurologische bzw. neurochirurgische Einrichtungen der Universität Ulm vertreten.
Dr. Gerhard Hege-Scheuing | |
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Forschungen zur Optimierung der Stammzelltransplantation Förderung durch die Deutsche José-Carreras-Leukämie-Stiftung |
| Die Stammzelltransplantation ist heute eine etablierte Therapie für Leukämiepatienten, die beachtliche Heilungserfolge aufweisen kann. Vor der Transplantation muß das erkrankte blutbildende System des Patienten mit einer Hochdosis-Chemotherapie ausgeschaltet werden. Von den Spender-Stammzellen wird erwartet, daß sie, nachdem sie im Empfängerorganismus angegangen sind, eine normale Blutbildung in Gang setzen. Unbeschadet der therapeutischen Erfolge bleibt die Stammzelltransplantation ein komplexer und riskanter Eingriff. Das Deutsche Register für Stammzelltransplantation (DRST) erfaßt Daten zu allen seit Anfang 1998 durchgeführten Transplantationen hämopoetischer Stammzellen in Deutschland. Es ist im Auftrag der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantationen (DAG-KPT e.V.) tätig und kooperiert mit allen Einheiten in Deutschland, die hämopoetische Stammzelltransplantationen vornehmen. Seine Führung wird von einem Vorstand wahrgenommen, dessen amtierender 1. Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Schrezenmeier, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin der Universität Ulm, ist. In Ulm befindet sich auch die Datenzentrale des DRST, die hier mit dem Zentralen Knochenmarkspenderregister Deutschlands (ZKRD) zusammenarbeitet. Als Subregister ist das an der Klinik für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Frankfurt lokalisierte Register für Stammzelltransplantation bei Kindern integriert. Das DRST-Sekretariat zur Abwicklung administrativer Aufgaben hat seinen Sitz am Institut für Immunologie des Universitätsklinikums Essen.
In den vergangenen Jahren wurde in Zusammenarbeit der Gliedeinrichtungen des DRST eine Datenbank zur Stammzelltransplantation in Deutschland aufgebaut, Voraussetzung für Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Transplantation und ihre zentrumsübergreifende Wirksamkeit. Diese Datenbasis, in der die Erfahrungen aller deutschen Stammzelltransplantations- Einheiten dokumentiert werden, stellt einen wichtigen Faktor im Kontext der Bemühungen um eine Verbesserung der Transplantationergebnisse dar. In diesem Sinne versteht sich das DRST als Plattform für eine kooperative Forschung aller deutschen Stammzelltransplantationszentren. Ein kürzlich aufgelegtes Forschungsprogramm untersucht speziell den Grad der erforderlichen Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen nichtverwandten Spendern und Transplantatempfängern, die Rolle der Ganzkörperbestrahlung im Rahmen der Vorbehandlung für die Transplantation und die Transplantationsergebnisse im Vergleich zu anderen, medikamentösen Therapiemöglichkeiten bei bestimmten Erkrankungen. Es wird jetzt von der Deutschen José-Carreras-Leukämie-Stiftung e.V. mit 210.000 Euro gefördert. Über den nationalen Rahmen hinaus kooperiert das DRST mit entsprechenden internationalen Registern wie der European Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT). | |
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Keine deutsche Spitzenuniversität schlechthin Ranking von CHE und stern |
| Die Diskussion um die Identifizierung und Förderung von Spitzenuniversitäten in Deutschland schwankte lange zwischen einer Konzentration auf ganze Hochschulen und der Förderung einzelner Fachbereiche oder Zentren. Der eindeutige Befund des aktuellen Hochschulrankings, das vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und stern durchgeführt wurde, lautet: Es gibt keine Spitzenuniversitäten mit hervorragenden Ergebnissen in Forschung und Lehre in allen Fächern. Das Ranking identifiziert aber Universitäten, deren Leistungen in einzelnen Fächergruppen deutlich herausragen. Dabei muß zwischen den Leistungen in der Forschung und den Bewertungen für Lehre und Studium unterschieden werden. In den Ingenieurwissenschaften schneiden in der Forschung die RWTH Aachen, die TU Darmstadt, die Universitäten Karlsruhe und Stuttgart sowie die TU München sehr gut ab. Dies betrifft die Fächer Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik und Bauingenieurwesen. In der geisteswissenschaftlichen Forschung ist die Universität Freiburg stark in den Fächern Germanistik, Geschichte, Anglistik und Psychologie. Die Universität Tübingen kann besondere Forschungsleistungen in den Fächern Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften vorweisen. In einer lehrbezogenen Perspektive sind in den Geisteswissenschaften die Universitäten Bamberg und Greifswald mit kurzen Studienzeiten und guten Bewertungen durch die Studierenden hervorzuheben. An der Universität Ulm gehören die Fächer Biologie und Informatik in der Kategorie »Gesamturteil Studierende« zur Spitzengruppe. Bei der »Studiendauer« gilt dies für Biologie, Chemie und Mathematik. Spitze in Betracht der Ausstattung sind in Ulm mit Biologie, Chemie, Informatik, Physik und Zahnmedizin gleich fünf Fächer. Die Elektrotechnik rangiert in der Kategorie »Forschungsgelder« im Spitzenfeld. Je nachdem, ob Spitzenleistungen in der Forschung oder in der Lehre gefördert werden sollen, bieten sich ganz unterschiedliche Universitäten an. Nur in seltenen Fällen schneiden Hochschulen in einem Fach sowohl in der Forschung als auch in der Lehre besonders gut ab. Beispiele dafür sind die Universität Trier in Geschichte und die LMU München in Anglistik/Amerikanistik. Das CHE-Hochschulranking bietet eine differenzierte Betrachtung der Leistungen der deutschen Hochschulen. In diesem Jahr wurden die Daten für Psychologie, die Geistes- und die Ingenieurwissenschaften aktualisiert. Insgesamt umfaßt das Ranking 34 Fächer, die das Fächerspektrum von mehr als 75 Prozent aller Studienanfänger abdecken. Neben Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung zeigt das Ranking die Urteile der Studierenden über die Studienbedingungen an ihrer Hochschule und die Reputation der Fachbereiche unter den Professoren der einzelnen Fächer (s. stern-spezial-Heft Campus & Karriere sowie Internet www.dashochschulranking.de).
CHE/Red. | |
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Wenn die Universität Einnahmen erzielt Steuerliche Rechte und Pflichten bei Drittmitteln und Co. |
| Die Hochschulen sind in immer stärkerem Maß auf die Einwerbung von Drittmitteln, die Akquisition von Sponsoren und allgemein auf die Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Einnahmeverbesserung angewiesen. Dies wirft auch steuerrechtliche Probleme und Fragestellungen auf. Hochschulen als Körperschaften des öffentlichen Rechts (KdöR) sind zwar nicht grundsätzlich steuerpflichtig, sie unterliegen jedoch der Körperschaftssteuer und daran anknüpfend auch der Umsatzsteuer, sobald sie sich im Rahmen eines sogenannten Betriebs gewerblicher Art (BgA) wirtschaftlich betätigen. Dieser Steuerpflicht liegt der Leitgedanke zugrunde, daß eine KdöR, die in potentiellen Wettbewerb zu privatwirtschaftlichen Unternehmen tritt, steuerlich auch genau wie diese Unternehmen zu behandeln ist (Wettbewerbsgleichheit).
Forschung Steuerlich unbeachtlich sind Gelder, die im hoheitlichen Bereich zufließen. Dem hoheitlichen Bereich ist die Eigenforschung zuzurechnen sowie die Auftragsforschung, soweit die Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind, der Auftraggeber sich also keine exklusiven Verwertungsrechte einräumen läßt. Dies ist im Normalfall der Bereich der öffentlich finanzierten Auftragsforschung. Konkret sind dem Hoheitsbereich grundsätzlich die Mittelzuwendungen von BMBF, BMWi, EU, DFG, VW-Stiftung, Stiftung Innovation usw. zuzuordnen. Die privat finanzierte Auftragsforschung, bei der sich der Auftraggeber exklusive Verwertungsrechte einräumen läßt, erfolgt im Rahmen eines Betriebs gewerblicher Art; die Hochschule unterliegt damit grundsätzlich der Umsatzsteuer. Aufgrund des EuGH-Urteils vom 20.6.2002 war die bisher bestehende Steuerbefreiung des § 4 Nr. 21a UStG aufzuheben, weil sie nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Die Bundesregierung hat diese Vorgabe nun im Steueränderungsgesetz 2003 umgesetzt. Die Steuerbefreiung der Auftragsforschung staatlicher Hochschulen entfällt demnach ab dem 1.1.2004. Die Steuerpflicht gilt von da an uneingeschränkt für alle nach dem 2.9.2003 neu abgeschlossenen Verträge. Für vor dem 3.9.2003 abgeschlossene Verträge gibt es eine Übergangsregelung. In diesen Fällen kann auf Antrag die Steuerbefreiung noch bis zum 31.12.2004 in Anspruch genommen werden. Ab dem 1.1.2004 muß den Auftraggebern für Umsätze im Bereich der Auftragsforschung zusätzlich zum vereinbarten Nettoentgelt die Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden. Die Universität Ulm hat im Vorgriff auf diese Rechtsänderung für den Bereich Auftragsforschung beim Finanzamt einen Antrag auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit gestellt. Aufgrund dieser Gemeinnützigkeit für die Auftragsforschung soll dann der ermäßigte Steuersatz von 7% gelten. Umsatzsteuerpflicht tritt wie bisher ein, wenn Einnahmen erzielt werden aus Tätigkeiten ohne Forschungsbezug, Anwendung gesicherter Erkenntnisse oder Projektträgerschaften. Bei diesen Umsätzen ist dem Auftraggeber eine Rechnung mit gesondertem Ausweis der Umsatzsteuer zu erteilen, der Steuersatz beträgt derzeit 16%. Hinweis: Die Umsatzsteuer wird von der Zentralen Verwaltung monatlich an das Finanzamt abgeführt. Seitens der Wissenschaft ist daher nichts zu unternehmen. Erforderliche Angaben für eine ordnungsgemäße Rechnung (§ 14 Abs. 4 UStG): Vollständiger Name und vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers (Universität Ulm) und des Leistungsempfängers (Auftraggebers), Umsatzsteuer-Identifikationsnummer der Universität Ulm, Ausstellungsdatum, Rechnungsnummer, Menge und Art der gelieferten Gegenstände oder Art und Umfang der erbrachten sonstigen Leistung, Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung (falls nicht mit dem Rechnungsdatum identisch), Nettoentgelt, anzuwendender Steuersatz sowie auf das Nettoentgelt entfallender Steuerbetrag oder Hinweis auf eine Steuerbefreiung. Die Rechnungsstellung an der Universität Ulm erfolgt ausschließlich durch die Abteilungen für Wirtschaftsangelegenheiten (Dez. IV-2) und die Drittmittelabteilung. Ausnahmen können mit einzelnen Einrichtungen getroffen werden, sind aber im Vorfeld abzuklären. Die notwendigen Angaben zur vollständigen Rechnungsstellung sollen mittels eines Übermittlungsformulars (word97) von der Wissenschaft an die ZUV weitergereicht werden, um sicherzustellen, daß die für die Wissenschaft relevanten Informationen auch in der Rechnung enthalten sind. Außer der Verpflichtung zur Abführung der Umsatzsteuer ergibt sich in diesen Fällen jedoch auch das Recht auf Vorsteuerabzug. Dies bedeutet folgendes: Aus den Ausgaben, die zur Erzielung der steuerpflichtigen Umsätze angefallen sind, kann die darin enthaltene Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt zurückgefordert werden. Dies erfolgt automatisch, sobald die entsprechenden steuerpflichtigen Konten als solche gekennzeichnet sind. Bei Investitionen, die sowohl zur Erzielung steuerpflichtiger als auch anderer Einnahmen genutzt werden, ist ein anteiliger Vorsteuerabzug möglich. Beispiel: Eine Maschine wurde zum Preis von brutto 23.200 Euro angeschafft. Sie wird zu 25% zur Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen (z. B. Routinemessungen) genutzt und zu 75% für Forschungstätigkeit. Im Anschaffungspreis ist Vorsteuer in Höhe von 3.200 Euro enthalten. Abzugsfähig sind davon 25% = 800 Euro. Aufgrund der Möglichkeit des Vorsteuerabzugs muß die Umsatzsteuerpflicht für die Universität nicht unbedingt nachteilig sein. Bitte erwägen Sie, ob Ihre verschiedenen Tätigkeiten nach den vorgenannten Kriterien eventuell umsatzsteuerlich geprüft und entsprechend behandelt werden sollten. Bei allen Fragen hierzu stehen Ihnen die Sachbearbeiter der ZUV gern zur Verfügung.
Gutachten Die Erstellung von Gutachten ist grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig, kann in Einzelfällen jedoch auch steuerlich unbeachtlich sein. Umsatzsteuerpflicht besteht immer dann, wenn bei der Erstellung des Gutachtens gesicherte Erkenntnisse zur Anwendung kommen. Dies dürfte dann der Fall sein, wenn Behörden, Gerichte, Unternehmer oder Privatleute bei der Universität Gutachten in Auftrag geben, die auch von privatwirtschaftlichen Anbietern erstellt werden könnten (beispielsweise Sachverständigengutachten). Steuerlich unbeachtlich sind Gutachten wohl nur im Rahmen von Forschungsprojekten, wenn z. B. ein Abschlußgutachten erstellt wird. In den meisten Fällen wird es sich um umsatzsteuerliche Tätigkeiten handeln. Die Rechnungen für die Gutachten sind deshalb mit 16% Umsatzsteuer zu stellen. Aus den entstandenen Kosten kann die Vorsteuer geltend gemacht werden.
Weiterbildungsveranstaltungen Grundsätzlich ist die Durchführung von Lehrveranstaltungen als typische Tätigkeit von Hochschulen dem hoheitlichen Bereich zuzuordnen. Bei bestimmten Angeboten besteht jedoch ein Wettbewerbsverhältnis zu privatwirtschaftlichen Anbietern. Daher wird die Universität bei der Durchführung entgeltlicher Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen eines BgA tätig. Vom Grundsatz her besteht also Körperschaftsteuer- und Umsatzsteuerpflicht. Bezüglich der Umsatzsteuer kann die Steuerbefreiung nach §4 Nr. 22a UStG in Betracht kommen. Es muß sich um Vortragsfolgen wissenschaftlicher oder belehrender Art handeln. Voraussetzung ist weiterhin die überwiegende Verwendung der Einnahmen zur Deckung der Kosten. Die Einnahmen sind daher zu mehr als 50% zur Deckung der angefallenen Kosten zu verwenden (Honorare, Gehälter der Mitarbeiter, Raummieten, Heizung, Beleuchtung, Druckkosten, Werbung u.a.). Dies ist allerdings unbedingt mit der ZUV im Vorfeld abzusprechen. Hinweis: Im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen dürfen daher keine Rechnungen mit Umsatzsteuer gestellt werden, da ausgewiesene Umsatzsteuerbeträge unabhängig von einer Umsatzsteuerpflicht an das Finanzamt abzuführen sind. Maßnahmen, bei denen die Voraussetzung der überwiegenden Verwendung zur Kostendeckung nicht erfüllt sein wird und somit Umsatzsteuerpflicht besteht, sollten bereits im Vorfeld mit der Zentralen Verwaltung abgesprochen werden.
Sponsoring Beim Sponsoring sind drei Bereiche zu unterscheiden: 1. Spenden. Spenden sind Zahlungen, die vom Spender freiwillig erbracht werden und für die die Universität Ulm zu keiner Gegenleistung verpflichtet ist. Diese Einnahmen sind steuerlich unbeachtlich. Allgemeine Hinweise zu den Spenden: Spenden zur Förderung mildtätiger, kirchlicher, religiöser, wissenschaftlicher und der als besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Zwecke sind für den Zuwendenden steuerlich begünstigt. Voraussetzung ist die Ausstellung einer Zuwendungsbestätigung (früher: Spendenbescheinigung) durch die Universität Ulm. Zuständig hierfür ist in allen Fällen die Abteilung für Drittmittelangelegenheiten (Franz Knoll). Bei der Universität handelt es sich ganz überwiegend um Spenden zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke (Forschung und Lehre). Die als Spenden eingegangenen Gelder, für die eine Zuwendungsbestätigung ausgestellt wurde, sind auch zwingend ausschließlich und unmittelbar für die in der Bestätigung angegebenen steuerbegünstigten (wissenschaftlichen) Zwecke zu verwenden. So dürfen diese Spenden z. B. nicht für allgemeine Bewirtungskosten ausgegeben werden. Bei einem Verstoß haftet die Universität für die entgangene Steuer. Das Finanzamt kann in solchen Fällen einen Betrag von 40% des Spendenbetrags gegenüber der Universität festsetzen. Bei Spenden, die nicht zur Förderung der steuerbegünstigten Zwecke bestimmt sind, können keine Zuwendungsbestätigungen ausgestellt werden. 2. Sponsoring im Bereich der Vermögensverwaltung. Im Bereich der Vermögensverwaltung ist steuerrechtlich ebenfalls nichts zu veranlassen. Vermögensverwaltung liegt vor, wenn die Universität nur die Nutzung ihres Namens zu Werbezwecken überläßt, ohne selbst aktiv an der Werbemaßnahme mitzuwirken. Dies ist z. B. der Fall, wenn der Sponsor selbst zur Imagepflege oder zu Werbezwecken auf seine Leistungen an die Universität hinweist. Gleiches gilt, wenn die Universität auf Plakaten oder in Katalogen und ähnlichem auf die Unterstützung durch einen Sponsor lediglich hinweist. Dieser Hinweis kann durch Verwendung des Namens, Logos oder Emblems des Sponsors erfolgen, jedoch ohne eine besondere Hervorhebung. Die Abgrenzung zum gewerblichen Sponsoring ist in diesem Bereich sehr schwierig, so ist z. B. ein Link zur Homepage des Sponsors bereits dem steuerpflichtigen gewerblichen Sponsoring zuzurechnen. 3. Gewerbliches Sponsoring. Gewerbliches Sponsoring erfolgt im Rahmen eines Betriebs gewerblicher Art und ist daher umsatzsteuerpflichtig. Die Universität bewegt sich immer dann in diesem Bereich, wenn sie aktiv an Werbemaßnahmen mitwirkt. Das ist z.B. dann der Fall, wenn auf die Unterstützung durch den Sponsor nicht lediglich unter Verwendung seines Logos hingewiesen wird, sondern der Sponsor weitere Möglichkeiten erhält, für seine Leistungen zu werben. Beispiele: Der Sponsor erhält die Möglichkeit, auf Plakaten, in Broschüren oder Katalogen großflächig seine verschiedenen Leistungsangebote darzustellen. Dem Sponsor wird bei einer Veranstaltung ermöglicht, einen Messestand aufzubauen, um dort seine Leistungen zu präsentieren. Beim Sponsoring wird es immer Grenzfälle geben, die nicht auf Anhieb der Vermögensverwaltung oder dem gewerblichen Sponsoring definitiv zugerechnet werden können. Zweifelsfälle sollten deshalb bereits im Vorfeld mit der Verwaltung abgesprochen werden.
Verkauf von Arbeitspapieren, Schriften, Publikationen Grundsätzlich kann der Verkauf von Skripten einen Betrieb gewerblicher Art darstellen, da die Hochschule als Marktteilnehmer unternehmerisch tätig wird. Da die Erlöse der Universität Ulm in diesem Bereich jedoch so gering sind, daß die Aufgriffsgrenzen der Finanzverwaltung nicht erreicht werden, liegen keine umsatzsteuerpflichtigen Leistungen vor. Beim Verkauf von Schriften, Arbeitspapieren, Publikationen usw. ist daher auch weiterhin keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen.
Leistungsbeziehungen zu Vertragspartnern im Ausland Bei Lieferungen und Leistungen der Universität Ulm an Vertragspartner im Ausland ist bezüglich der Umsatzsteuer immer Vorsicht geboten. Allgemeingültige Aussagen sind in diesem Bereich nur schwer möglich, da sich je nach Land und Art der Leistung völlig unterschiedliche Lösungen ergeben können. Bei der Lieferung von Gegenständen an EU-Mitgliedstaaten handelt es sich um steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen. Bei der Lieferung von Gegenständen in Länder außerhalb der EU kann eine steuerfreie Ausfuhrlieferung vorliegen. In beiden Fällen dürfen die Rechnungen keine Umsatzsteuer enthalten. Bei allen sonstigen Leistungen sollte in jedem Fall vor Rechnungsstellung (besser schon bei Vertragsabschluß) die Verwaltung konsultiert werden, da es sich hier je nach Einzelfall um steuerpflichtige, steuerfreie oder umsatzsteuerlich unbeachtliche Leistungen handeln kann. Es ist außerdem möglich, daß die Leistung nicht in Deutschland, sondern im Land des Vertragspartners zu versteuern ist. Dann sind weitere Besonderheiten zu beachten.
Dirk Gabriel, Abt. Drittmittelangelegenheiten und Körperschaftsvermögen | |
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Undurchschaubares System Studierendenvertretung und Europa-Parlament |
| Vor dem Hintergrund zweier anstehender Wahlen in der nahen Zukunft - Studierendenvertretung (StuVe) und Europa-Parlament - erscheint es sinnvoll, einen Vergleich der relativ unbekannten Systeme zu wagen, um Besonderheiten und gegebenenfalls Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Beide Systeme basieren auf der Idee demokratisch-parlamentarischer Vertretung und regionaler bzw. fachlicher Repräsentanz. Dabei geht die Europawahl konsequenter an die Aufteilung des Wahlgebietes in Wahlkreise vor, als die Wahl zur StuVe konzipiert ist. Während weniger als die Hälfte der Mitglieder der StuVe ihren direkten Fachgebieten entsprechend gewählt werden können, stellt der überwiegende Teil der Gewählten das Ergebnis einer allgemeinen Verhältniswahl dar. Diese Verhältniswahl ist jedoch nur scheinbar allgemein, da die Wählenden vergleichbar der Europawahl in Unkenntnis des zu wählenden Organs sowie der Kandidaten eine fächerorientierte Wahl treffen: Informatiker wählen immer nur Informatiker. Daher hängt der Erfolg einer Liste (einer Art »Partei«) in erster Linie von einer günstigen Fächerkombination ihrer Kandidaten ab; Inhalte oder gar Ziele sind irrelevant. Diese Tatsache schlägt sich im sogenannten Wahlkampf nieder: Namen werden stets mit Fächern kombiniert. Hier bietet sich wieder der Vergleich mit der Europawahl an, bei der in den seltensten Fällen mit europapolitischen Themen geworben wird. Vielmehr dominieren nationale Themen den Wahlkampf in der Hoffnung, so die ohnehin schon sehr niedrige Wahlbeteiligung zu halten. Doch hat Europa hier die Nase im direkten Vergleich vorn, blickt doch die StuVe neidisch auf das unerreichbare Ziel der 50%-Hürde. Hier gilt der Grundsatz, daß schon 25% Wahlbeteiligung das Mandat legitimieren; wahrscheinlich gehen eh nur die Intelligenten wählen. Vielleicht liegt es aber auch am leicht undurchschaubaren System, nach dem bis zu 18 Stimmen verteilt werden können. Eine für den durch die jeweilige Fachschaft vorgeschlagenen Vertreter des eigenen Faches sowie eine beliebige Verteilung des Stimmrestes auf die Personen in den Listen, die nach Möglichkeit dem eigenen Fach angehören. Bei der Europawahl wählt man schlicht dieselbe Partei wie sonst auch. Kommen wir zu Macht und Einfluß. Während das Europaparlament durch internationale Verträge sowie durch europäische Gesetzgebung legitimiert ist, fehlt im Universitätsgesetz der Passus, in dem die StuVe erwähnt ist. So wundert es kaum, daß die StuVe keinen eigenen Etat zu verwalten hat - anders als etwa das Europaparlament. Trotz beschränkter Einflußnahmemöglichkeit treten beide Gremien dennoch selbstbewußt nach außen auf, interessanterweise besonders vor anstehenden Wahlen. Daß die Europawahl vor der StuVe-Wahl stattfinden wird, ist deutlich daran zu erkennen, daß das Europaparlament in den letzten sechs Monaten durch Beteiligung an Beitrittsverhandlungen und einen Verfassungsentwurf verstärkt in das Licht der Öffentlichkeit getreten ist; wir können gespannt sein, an welchem großartigen Werk die StuVe im Vergleichszeitraum unbeobachtet gebastelt hat. Offenbar handelt es sich um ein solch zeitintensives Projekt, daß jegliche Publikation eingestellt werden mußte. Die Wahlen rücken näher. Das Ergebnis der Europawahl wird durch Allensbach errechnet und verbreitet, das Ergebnis der StuVe-Wahl kann der geneigte Wähler anhand der Wahlbeteiligung der jeweiligen Fächer selbst errechnen. Weitere Informationen benötigt er hierzu nicht - ein einfaches System. Wie auch immer, wir haben die Wahl - und das gleich zweimal.
Jan-Hendrik Otte, Fachschaft Wirtschaftswissenschaften | |
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Die Habilitation erhalten Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft als Beruf |
| Der DHV fordert konkrete Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Tätigkeit in der Wissenschaft, insbesondere für Wissenschaftlerinnen. Eine der Hauptursachen dafür, daß Frauen in der Universität unterrepräsentiert seien, liege in der Schwierigkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei zwar ein geschlechtsunabhängiges Problem, doch zeige die Erfahrung, daß es in der Regel Frauen seien, die, vor die Alternative Familie oder Beruf gestellt, auf ihre berufliche Karriere ganz oder teilweise verzichteten. Aufgrund der in der Regel befristeten Qualifikationsstellen und der relativ langen Qualifikationszeit bis zur Berufung auf eine Professur treffe dieses Dilemma vor allem die Universitäten. Der 54. Hochschulverbandstag hat in Aachen einen Maßnahmenkatalog beschlossen, um den Arbeitsplatz Universität familienfreundlich zu gestalten. Dazu gehöre, daß der bewährte Qualifikationsweg der Habilitation erhalten bleibe. Die Habilitation - besonders die externe Habilitation - erlaube dem wissenschaftlichen Nachwuchs im Gegensatz zur Juniorprofessur die Qualifikation zum Beruf des Hochschullehrers, ohne zur ständigen Präsenz an der Universität zu verpflichten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung soll nach Auffassung des DHV auch Gegenstand der Berufungsvereinbarungen sein können. Freistellung oder Rückstellung von Selbstverwaltungsaufgaben, ein zeitweise reduziertes Lehrdeputat und die zeitweilige Entlastung von Prüfungsaufgaben könnten dabei individuell vereinbart werden. Dies setze aber die Flexibilisierung der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften voraus.
DHV | |
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Anästhetikum an der Zulassungsschwelle Xenon-Recycling in Vollnarkosen |
| Eine anästhetische Substanz, die bei Raumtemperatur flüssig ist und in Narkoseverdampfern verdampft wird, wird als volatiles Anästhetikum bezeichnet. Gegenwärtig werden die Substanzen Halothan (eine Entwicklung aus den 50er Jahren und in Europa fast nicht mehr im klinischen Gebrauch), Enflurane und Isoflurane (aus den 80er Jahren) eingesetzt. Neuere Entwicklungen sind die fluorierten Kohlenwasserstoffe Desflurane und Sevoflurane. Lachgas wird als Ergänzung zu den volatilen Anästhetika verabreicht. Mit Lachgas allein lassen sich jedoch keine Narkosen durchführen. Die Anästhetika werden nicht oder nur zum geringen Teil metabolisiert und während und nach den Narkosen an die Atmosphäre abgegeben. Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der in den alten Bundesländern im Jahr 1992 durchgeführten Vollnarkosen mit 8 Mio. Das entspricht einer jährlichen Immission von 4 Milliarden Litern Lachgas und 40 Mio. Litern volatiler Anästhetika. Der weltweite Ausstoß dieser Stoffe kann aus der Zahl der jährlich durchgeführten Narkosen berechnet werden, die etwa bei 50 Mio. liegt. Da es sich bei den volatilen Anästhetika um teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (FCKWs) handelt, wurde 1992 beschlossen, deren Einsatz bis zum Jahre 2030 gänzlich einzustellen. Desflurane und Sevoflurane sind keine FCKWs, sondern Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs), die zwar weniger als Ozonkiller, dafür aber als Treibhausgase gelten. Deren weltweite Reduktion wurde bereits in Kyoto 1997 gefordert. Die seinerzeitigen Beschlüsse sind jedoch noch nicht von allen Staaten ratifiziert worden. Bei Lachgas verursacht die Medizin etwa 10% der weltweiten Emissionen. Der Rest stammt aus natürlichen Quellen. Lachgas hat sowohl ozonzerstörende als auch erderwärmende Eigenschaften. Zwar ist sein Einsatz bisher nicht verboten; jedoch gibt es - vor allem in der deutschen Anästhesie - starke Bestrebungen gegen dessen allgemeine Verwendung (»Say no to N2O«). Als Folgen chronischer Arbeitsplatzbelastungen mit Narkosegasen werden teratogene (keimschädigende), mutagene (erbgutverändernde) und frühgeburtsauslösende Effekte diskutiert. Die Gegner dieser Annahmen berufen sich auf das Fehlen kontrollierter Studien, die aus ethischen Gründen jedoch kaum jemals durchgeführt werden können. Weltweit orientiert man sich daher eher an empirisch und aufgrund technischer Gegebenheiten festgelegten Arbeitsplatz-Maximalwerten. Eine gewisse Entlastung könnte die Verwendung von Xenon als Anästhetikum bewirken. Xenon ist das einzige Edelgas, das bei Normaldruck eine anästhetische Wirkung zeigt. Diesen Effekt vermutete man schon seit 1939 aufgrund von Bewußtseinsstörungen beim Überdruckeinsatz von Edelgasen bei Tauchern. Infolge der damaligen geringen technischen Verfügbarkeit der Substanz konnte die Annahme nicht überprüft werden. 1941 wurden die narkotischen Eigenschaften von Xenon durch den russischen Wissenschaftler Nikolay Vasilievich Lazarev nachgewiesen, der seine Beobachtungen wegen des Krieges jedoch nicht veröffentlichen konnte. Die ersten publizierten Studien über Xenonnarkosen (Exposition von Mäusen) stammen aus dem Jahr 1946. Im Jahre 1951 verabreichte Cullen Patienten Xenon in Konzentrationen bis zu 82% mit ausgezeichnetem Erfolg.
Umweltneutral Der narkotische Effekt des Xenons ist 1,5mal stärker als der von Lachgas. Aufgrund seiner extrem geringen Blutlöslichkeit wird Xenon schneller abgeatmet als alle bisher bekannten Anästhetika. Es ist weder ozonschädlich noch ein Treibhausgas, es brennt nicht und ist ungefährlich für Schwangere. Während einer Xenon-Narkose bleiben die Kreislaufverhältnisse äußerst stabil, so daß sie besonders für Patienten mit Herz-Kreislauf-Schäden geeignet ist. Zur Zeit läuft die von Messer Griesheim beantragte Zulassungsprozedur für Xenon als Anästhetikum nach dem Arzneimittelgesetz (AMG). Die Zulassung in Deutschland wird für 2004 erwartet, später für die gesamte EU-Region. Als natürlicher Bestandteil der Luft verhält sich Xenon umweltneutral. Es entstammt der Erdatmosphäre, an der es in einer Konzentration von 0,089 ppm (= parts per million, 1 ppm = 1 Milliliter pro Kubikmeter) beteiligt ist. Dem entspricht eine Gesamtmenge von etwa 800 Mio. Tonnen. Xenon kann wirtschaftlich bislang ausschließlich in sehr großen kryogenen Luftzerlegungsanlagen durch fraktionierte Verflüssigung der Luft als Nebenprodukt der Sauerstoff- und Stickstoffgewinnung erzeugt werden. Die weltweite Jahresproduktion liegt derzeit bei etwa 6 bis 8 Mio. Litern. Davon geht der weitaus größte Teil in technische Anwendungen wie Beleuchtungstechnik, Elektronik und Halbleiterfertigung sowie in Lasergas für die Wissenschaft. Ein geringer Teil wird für Ionentriebwerke in der Raumfahrt genutzt. Für den Einsatz in der Medizin wird in Zukunft die Produktion deutlich ansteigen. Xenon ist aufgrund seiner Eigenschaften und seiner Verfügbarkeit allerdings kein Ersatz für Lachgas und etablierte Anästhetika, sondern wird sie ergänzen. Für bestimmte Indikationen hat Xenon aufgrund seiner Eigenschaften deutliche Vorteile im Vergleich zu anderen Mitteln. Die reinen Stoffkosten werden zwar höher ausfallen, bezogen auf die Kosten der Gesamtbehandlung wird Xenon jedoch deutlich preiswerter sein.
Kryogenes Verfahren Eine weitere Möglichkeit zur Kostensenkung besteht darin, das benutzte Xenon durch Recycling erneuter Verwendung zuzuführen. Arbeitsgruppen in Deutschland (Universität Ulm), Italien (Universität Pisa), Portugal (Universität Porto) und Rußland (Moskau) haben verschiedene Recyclingsysteme entwickelt und patentieren lassen. Im routinemäßigen Einsatz sind die Systeme noch nicht. Als erste Forschungsgruppe in Deutschland hat sich bereits in den 90er Jahren die damalige Sektion Anästhesiologische Technologie und Verfahrensentwicklung (Leiter Dr. Wolfgang Friesdorf) zunächst mit der Rückgewinnung volatiler Anästhetika beschäftigt. Nach Übernahme des Lehrstuhls für Anästhesiologie durch Prof. Dr. Michael Georgieff im Jahre 1991 wurden eine Reihe klinischer und experimenteller Studien zur Xenonanästhesie durchgeführt. Die Idee der Rückgewinnung von Xenon führte dann zu einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekt. Ein erster funktionsfähiger Anlagen-Prototyp wurde mit freundlicher Unterstützung der Fachhochschule Ulm, Abteilung Medizintechnik (Prof. Dr. P. Paulat) hergestellt und in der Abteilung Experimentelle Anästhesie der Universität Ulm (Prof. Dr. Peter Radermacher) unter realen Narkosebedingungen erprobt. PD Dr. med. habil. Thomas Marx und seine Mitarbeiter in der Abteilung Kardioanästhesiologie (komm. Leiter PD Dr. Uwe Schirmer) der Universität Ulm haben schließlich ein kryogenes Verfahren entwickelt, mit dem Xenon verflüssigt und schließlich abgetrennt werden kann. Im Tierversuch konnte die Ulmer Gruppe damit etwa zwei Drittel des zur Anästhesie eingesetzten Xenons in einer Reinheit von mehr als 90 % zurückgewinnen. Dadurch erweitert sich das Anwendungsgebiet für die Xenon-Anästhesie auf Operationen mit sehr hohen Gasverbräuchen wie z. B. am Herz-Kreislauf-System. Am 1. April 2004 ist Dr. Marx für seine Arbeiten mit dem internationalen Messer-Innovationspreis ausgezeichnet worden. Der Preis, 1998 gestiftet, wurde von der Messer Griesheim GmbH jetzt zum dritten Mal für innovative Entwicklungen beim Einsatz von Industriegasen vergeben. Er ist mit 45.000 Euro dotiert, die sich auf drei Peisränge verteilen. Dr. Marx erhielt den 2. Preis (10.000 €).
Derzeit sind die einschlägigen Ulmer Arbeiten Teil eines europäischen Gemeinschaftsprojektes, in dem die Abteilung Kardioanästhesiologie mit den Universitäten Porto, Madrid, Belfast, dem Forschungszentrum GKSS/Geesthacht, dem Membranhersteller Blue Membranes / Wiesbaden und dem Narkosegerätehersteller DRÄGER/Lübeck kooperiert. Das inzwischen patentierte kryogene Rückgewinnungsverfahren der Ulmer Gruppe wird in diesem Projekt durch Membrantrennungsverfahren ergänzt. | |
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Sonstiges |
| Amtliche Bekanntmachungen | |
| Nr. 3 vom 6. April 2004 Geschäftsordnung des Fachschaftsrats der Universität Ulm vom 30. März 2004 (Seite 23- 28) Anlage gemäß § 3 Absatz 1 des Statuts der Ethikkommission der Universität Ulm (Seite 29)
Nr. 4 vom 20. April 2004
Nr. 5 vom 27. April 2004
Nr. 6 vom 18. Mai 2004 | |
| Einundvierzig Stunden | |
| Vor dem Hintergrund der von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder zum 30. April 2004 gekündigten Arbeitszeitvorschriften im BAT und MTArb führt das Land BW nun auch für Angestellte und Arbeiter die 41-Stunden-Woche ein. Dies bedeutet konkret: 1. Für Arbeitsverhältnisse, die am 1. Mai 2004 neu beginnen (insbesondere Neueinstellungen, Verlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse) gilt eine durchschnittliche regelmäßige Wochenarbeitszeit von 41 Stunden als vereinbart (Ausnahme: der Vertrag ist bereits ausgefertigt und unterschrieben). 2. Bestehende Arbeitsverhältnisse unterfallen der tariflichen Nachwirkung, das heißt für sie bleibt es (vorerst) bei der 38,5-Stunden-Woche.
Oliver Heller | |
| Ausbildungsplatzabgabe - Regelung für die Hochschulen | |
| Vor einer ungerechtfertigten zusätzlichen Belastung für die Hochschulen durch die geplante Berufsausbildungssicherungsabgabe hat der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Peter Gaehtgens, gewarnt. Er wandte sich in einem Schreiben an die Ministerpräsidenten der Länder, den Bundeskanzler, die Bundesministerin für Bildung und Forschung und die Fraktionschefs des Bundestages. Die Hochschulen paßten nicht in die Systematik des Gesetzes, das die Eigenverantwortung der Wirtschaft für den Fachkräftenachwuchs in den Mittelpunkt stelle.
Den deutschen Universitäten und Universitätsklinika entstünden durch die neue Abgabe jährliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Dies wäre eine unzumutbare Belastung angesichts der bereits bestehenden Unterfinanzierung der Hochschulen, erklärte der HRK-Präsident. Die Hochschulen würden in ihrer Schlüsselstellung bei der Entwicklung des Technologie- und Wirtschaftsstandorts Deutschland geschwächt und das Ziel des Gesetzes, das deutsche Ausbildungssystem anzukurbeln, in diesem Bereich in sein Gegenteil verkehrt. | |
| Außeruniversitäre Forschung 2002 | |
| Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gaben die außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Jahr 2002 7,3 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung aus - eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 2,6%. Zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen gehören neben den Einrichtungen von Bund, Ländern und Gemeinden auch öffentlich geförderte private Einrichtungen ohne Erwerbszweck. Auf private Forschungseinrichtungen, die von Bund und Ländern gemeinsam gefördert werden, entfielen im Jahr 2002 mit 5,4 Mrd. Euro rund drei Viertel der Forschungsausgaben (73,5%) dieses Bereichs. Hier gaben die Helmholtz-Zentren 2,3 Mrd. Euro, die Institute der Max-Planck-Gesellschaft 1,1 Mrd. Euro, die Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft 1,0 Mrd. Euro und die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft 0,8 Mrd. Euro aus. Auf die Akademien der Wissenschaften entfielen 0,1 Mrd. Euro. Die öffentlichen Forschungseinrichtungen von Bund, Ländern und Gemeinden hatten mit 0,8 Mrd. Euro einen Anteil von 10,9% an den gesamten Ausgaben der außeruniversitären Einrichtungen für Forschung und Entwicklung. Die sonstigen öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen, einschließlich der wissenschaftlichen Bibliotheken und Museen, gaben 2002 1,1 Mrd. Euro (15,6%) für Forschung und Entwicklung aus. Die Ausgaben der außeruniversitären Forschungseinrichtungen machen zusammen mit den Forschungsausgaben der Hochschulen rund ein Drittel der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland aus. Gut zwei Drittel der Forschungstätigkeiten finden im Unternehmenssektor statt. Der Anteil der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2002 in Deutschland 2,53%. Der Europäische Rat hat 2002 in Barcelona als Ziel für das Jahr 2010 einen Anteil von 3% formuliert.
Statist. Bundesamt / DHV | |
| 192,6 Milliarden Euro für die Bildung | |
| Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2002 in Deutschland 192,6 Mrd. Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft ausgegeben. Dies sind 4,1 Mrd. Euro mehr als 2001 (+ 2,2%). Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt wie 2001 bei 9,1%. Mit 120,8 Mrd. Euro entfiel der größte Teil der Ausgaben im Jahr 2002 auf den eigentlichen Bildungsprozeß, d. h. Lehre bzw. Unterricht an Vorschulen, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. 2001 waren es 118,6 Mrd. Euro. Der Lebensunterhalt der Bildungsteilnehmer, Schüler, Studierenden und Auszubildenden wurde mit 14,0 Mrd. Euro gefördert (2001: 13,5). Die Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungsleistungen betrugen 53,3 Mrd. Euro (2001: 52,0 Mrd. Euro). Die Gesamtausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft im Jahr 2001 in Höhe von 188,5 Mrd. Euro wurden zu 13,2% vom Bund finanziert, zu 39,3% von den Bundesländern und zu 10,6% von den Gemeinden. Rund 37 % der Mittel wurden von privaten Haushalten, Unternehmen und Organisationen ohne Erwerbszweck sowie vom Ausland aufgebracht. Die Bildungsausgaben im Jahr 2001 in Höhe von 132,2 Mrd. Euro wurden zu 74,4% aus den öffentlichen Haushalten finanziert. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung überwiegt dagegen mit 66,2% der Anteil privater Finanzierung durch Unternehmen und Organisationen ohne Erwerbszweck.
Statistisches Bundesamt / DHV | |
| DAAD-Preis | |
| Auch in diesem Jahr stellt der DAAD den deutschen Hochschulen Mittel zur Verleihung des DAAD-Preises für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender zur Verfügung. Mit diesem Preis können Studierende für besondere akademische Leistungen und/oder bemerkenswertes gesellschaftlich-interkulturelles Engagement ausgezeichnet werden. Die Kandidaten sollten sich in der Regel im Hauptstudium befinden. Es können aber auch Jung-Examinierte und Promovenden prämiiert werden. Der DAAD-Preis ist kein Forschungspreis und nicht für die Würdigung einer Promotionsarbeit vorgesehen. Er soll auch nach Möglichkeit nicht an Studierende/Graduierte vergeben werden, die bereits ein Vollstipendium einer deutschen Organisation erhalten. Vorschläge (mit kurzer Begründung) sind bis 30. Juni 2004 an das Akademische Auslandsamt (auch per Email: sabine.habermalz@rektoramt.uni-ulm.de) zu richten. | |
| Fernleihe | |
| Ein weiterer wichtiger Teil der neuen Bestellmöglichkeit ist mittlerweile freigeschaltet worden: die Bestellmöglichkeit per Fernleihe nach einer thematischen Aufsatzrecherche in den ReDI-Datenbanken (Regionale Datenbank-Information Baden-Württemberg): http://kiz.uni-ulm.de/services/bibliothek/digibib/datenbanken.html Über die Bestandsabfrage in ReDI ist zunächst eine automatische Suche des gewünschten Zeitschriftentitels im Katalog 1 möglich. Daneben wird angezeigt, ob ein direkter Online-Zugriff auf den Zeitschriftenaufsatz besteht. Wenn der Zeitschriftentitel nicht verfügbar ist, besteht ab sofort die Möglichkeit, eine Fernleihbestellung innerhalb der jeweiligen ReDI-Datenbank vorzunehmen. Die Übertragung der Recherchedaten ins Fernleihformular erfolgt weitgehend automatisch. Nähere Informationen zum Bestellvorgang sind auf der Einstiegsseite der Fernleihe unter ReDI abrufbar: http://www.bibliothek.uni-ulm.de/applications/fernleihe/fernleihe.intro.asp
Wolfram Engel | |
| Vorrangige Unterstützung | |
| »Im Zentrum der vorgeschlagenen Exzellenzzentren der Forschung müssen die Hochschulen stehen«, erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Peter Gaehtgens am 18.2.2004. Zuvor hatte die sogenannte »Allianz« der Wissenschaftsorganisationen, der auch die HRK angehört, vorgeschlagen, daß die Bundesregierung mit der von ihr geplanten Spitzenförderung Exzellenzzentren aus Hochschulen, außeruniversitären und gewerblichen Forschungseinrichtungen zu entwickeln hilft. Den lange vernachlässigten Hochschulen müßten nun Reformen gelten. Dazu gehörten die finanzielle Förderung sowie die Befreiung von leistungshemmenden Strukturvorgaben.
Eine Stärkung der Hochschulen sei vor allem in vier Bereichen erforderlich: 1. bei geeigneten Förderinstrumenten für den wissenschaftlichen Nachwuchs, 2. mehr Spielräumen für die Berufung exzellenter Wissenschaftler, 3. institutioneller Autonomie insbesondere bei Personal und Zulassungen sowie 4. in Gestalt verläßlicher Rahmenbedingungen vor allem bei der Grundfinanzierung durch die Länder. Aufgrund ihrer besonderen Stellung und ihrer aktuell und strukturell schwierigen Finanzlage bedürften die Hochschulen dringend einer besonderen Förderung. | |
| Hans-Kupczyk-Gastprofessur | |
| Die Hans-Kupczyk-Stiftung an der Universität Ulm verfolgt den Zweck, Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung zu fördern. Mit dieser Zielstellung unterstützt sie die Professoren der Universität bei der Gewinnung von herausragenden, international ausgewiesenen Wissenschaftlern für eine kurzzeitige Gastprofessur, die das wissenschaftliche Leben in Ulm bereichert. Diplomanden, Doktoranden, alle sonstigen wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie die Studierenden sollen imstande sein, die fachliche Kompetenz einer solchen Persönlichkeit kennenzulernen, die bei Gelegenheit der Gastprofessur über eigene wissenschaftliche Arbeiten berichtet und auch einen öffentlichen Vortrag über ein Thema ihres Fachgebietes hält. Anträge für die Hans-Kupczyk-Gastprofessur 2004 können von den Professoren aller Fachbereiche der Universität Ulm beim Rektor, Prof. Dr. Karl Joachim Ebeling, sowie bei Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Theodor M. Fliedner in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorstands der Hans-Kupczyk-Stiftung bis zum 30. Juni gestellt werden. Dazu ist die wissenschaftliche Leistung des vorgeschlagenen Gastes zu würdigen und darzulegen, in welcher Weise er den Stiftungszweck zu erfüllen verspricht.
Der Verleger Hans Kupczyk, Ehrensenator der Universität Ulm, errichtete die Stiftung 1985. Nach dem Krieg übernahm er eine Druckerei in Gaildorf, die er zum branchenführenden Spezialbetrieb rationeller Großfertigung von Farbmusterkarten entwickelte. Auf seine Initiative geht das Eurocolor-System zur praktikablen Farbnotierung auf farbmetrischer Basis zurück. Er verstarb im Jahr 1989. Seine Frau, Gerda Kupczyk, übernahm danach die Pflege seines Vermächtnisses. Sie starb am 11. Februar 2003. In ihrem Testament hat sie zugunsten der Hans-Kupczyk-Stiftung an der Universität Ulm ein Geldvermächtnis ausgesetzt, wodurch das bisherige Stiftungskapital verdoppelt wurde. | |
| Leserbrief | |
| Paradiesvögel zu »Universitätszerwaltung«, uui 267, März 2004, S. 23 Ein Professor wird pensioniert. Typischerweise ein Anlaß zu Besinnung, Nachlese oder Zukunftsvisionen. In der letzten Ausgabe von uni ulm intern (uui Nr. 267) wurde aber dieses Forum zu einer verbalen Abrechnung mit Universitätsleitung und Verwaltung genutzt. Nun, jede Universität braucht zu Innovation und Inspiration eine Vielfalt von Personentypen, die neben Forschern, Lehrenden und Organisatoren auch Exzentriker, Paradiesvögel und Genies beinhaltet. Die ständige Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen sowie Entscheidungen des Rektorats gehört zu guter universitärer Tradition. Aber das sollte doch stets auf der Grundlage der tatsächlichen Sachverhalte geschehen. Eine verfälschende Darstellung ist sicherlich plakativ, im wissenschaftlichen Bereich und Selbstverständnis aber absolut abzulehnen. Man fühlt sich an »High Noon« erinnert (und vielleicht ist dieser Effekt gewollt), als der edle Held nach erfolgreich absolviertem Kampf den Bürgern seinen Stern vor die Füße wirft, um ihnen zu demonstrieren: Ich habe Euch stets geholfen, Ihr dagegen seid undankbar und habt Euch falsch verhalten. Dann tritt Gary Cooper ab. Aber das war Hollywood, wo Wirkungen stets wichtiger sind als Fakten. Wo sind beim angesprochenen Artikel falsche Darstellungen erfolgt? Das Ende der Amtszeit des letzten Rektorats auf den fiktiven 31.9. zu verlegen, ist dabei noch eher etwas zum Schmunzeln. Gravierender muß das Wort »gekündigt« gewertet werden, weil es einen Vorgang suggeriert, der gar nicht stattgefunden hat (und im Öffentlichen Dienst auch nur schwer umsetzbar wäre). Natürlich war der Sparbeschluß des letzten Rektorats (14% Stelleneinsparungen in den Fakultäten bis 2006) eine bittere Entscheidung und eine schwere Hypothek für die Nachfolge. Aber eben erforderlich, um eine »universitäre Insolvenz« zu vermeiden, die der Autor ebenfalls suggeriert. Selbstverständlich kann man darüber diskutieren, ob nicht eine Fakultät mehr einsparen könnte, eine andere dafür weniger. Es ist auch legitim, wenn man die eigene Tätigkeit, die eigene Fakultät und die dortigen Kollegen für unverzichtbar hält und versucht, verbal eine Bresche für sie zu schlagen. Nur, alle anderen denken mit gleicher Berechtigung ebenso, machen diese Ansicht aber nicht in ähnlicher Form publik. Unverständlich ist dagegen die ungerechtfertigte Polemik gegen Kanzlerin und Verwaltung. Erstere ist nur eines von fünf Mitgliedern im Rektorat, und sowohl die ehemalige als auch die jetzige Leitung tragen den Sparbeschluß gemeinsam. Die Universitätsverwaltung andererseits regiert nicht selbst, sondern setzt Entscheidungen von Rektorat, Senat und Universitätsrat um. Ulm zeichnet sich gerade dadurch aus, daß die Mitglieder der Fakultäten viele Mitarbeiter in der Verwaltung kennen, und somit Probleme rasch und unbürokratisch gelöst werden können. Daß die Universität (und das schließt alle Mitarbeiter, Einrichtungen und Gremien ein) die eigenen Einsparmaßnahmen gestalten kann, ist natürlich richtig. Aber die Forderung, alles ins Jahr 2006 zu verlagern, ist schlichtweg naiv. Woher sollte dann der finanzielle Handlungsspielraum für 2004 und 2005 kommen? Sollen Nachfolgeberufungen für ausscheidende Professoren völlig entfallen? Sicherlich liegt das auch nicht im Interesse des Autors des angesprochenen Artikels. Hat der Elfenbeinturm der Wissenschaft die Weitsicht verhindert? Oder wurde ein durchaus geschätzter Kollege hier Opfer seiner eigenen Formulierkunst? Kritik ist eine ganz wichtige Komponente der universitären Selbstverwaltung und sehr erwünscht (und das beinhaltet stets auch Selbstkritik), ungerechtfertigte Polemik aber ist entschieden abzulehnen. In diesem Zusammenhang stimmt es auch äußerst nachdenklich, wenn auf der gleichen Seite von uui Nr.267 zwei persönliche Meinungen abgedruckt wurden, aber nur eine Darstellung korrekt als Leserbrief gekennzeichnet war. Der angesprochene Artikel dagegen erweckt den Eindruck einer offiziellen Stellungnahme. Einfach nur ein Versehen oder gezielte Manipulation?
Prof. Dr. Peter Dürre, Prorektor für Forschung, im Namen der Prorektoren | |
| Mitteilung des Rektorats | |
| Das Ulmer Universitätsmagazin informiert Mitarbeiter, Freunde und Förderer über die Ereignisse an unserer Universität. Es ist ein Medium zur Darstellung von Erfolgen - aber nach Überzeugung des Rektorats auch zur konstruktiv-kritischen Auseinandersetzung mit universitären Aufgaben, Zielen und Randbedingungen. Das derzeit amtierende Rektorat hat bislang bewußt darauf verzichtet, die inhaltliche Gestaltung von »uni ulm intern« zu beeinflussen. Die Entscheidung über Veröffentlichung oder Ablehnung von Artikeln wurde der Redaktion überlassen. Der Kommentar über die Universitätsverwaltung und das Rektorat in Nr. 267, März 2004, von »uni ulm intern« ist in vielen Punkten sachlich falsch und persönlich verunglimpfend. Er schadet dem Ansehen der Universität nach innen und nach außen. Das Rektorat distanziert sich explizit von diesem Beitrag.
Das Erscheinen aller Artikel in den restlichen Heften dieses Jahres bedarf des Einverständnisses des Rektorats als verantwortlichem Herausgeber. Mit der personellen Neubesetzung der Redaktion im Februar 2005 sieht das Rektorat einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und der korrekten und kritischen Darstellung der Universität Ulm in ihrem Universitätsmagazin entgegen. | |
| SCOR-Preis | |
| Scor Deutschland, eine Tochtergesellschaft des französischen Rückversicherungskonzerns Scor, eines der weltweit führenden Unternehmen der Branche, vergibt auch 2004 den Preis für hervorragende Arbeiten zur Förderung des deutschsprachigen aktuarwissenschaftlichen Nachwuchses. In Zusammenarbeit mit der Universität Ulm werden Arbeiten prämiiert, die sich mit relevanten Themen zur Produkt- und Tarifentwicklung in der Personen- und Sachversicherung auseinandersetzen (1. Preis €6.000, 2. Preis €4.000, 3. Preis €2.000).
Teilnahmeberechtigt sind alle Personen, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung oder ihrer wissenschaftlichen bzw. beruflichen Tätigkeit mit aktuarwissenschaftlichen Themen befassen. Frühere Preisträger des Scor-Preises sind ausgeschlossen. Die Arbeiten müssen in deutscher oder englischer Sprache an einer deutschsprachigen Universität geschrieben worden sein. Sie sind in elektronischer Form (pdf) einzureichen. Beizufügen sind eine Zusammenfassung von drei bis fünf Seiten (deutsch) in elektronischer Form (pdf) sowie ein formloses Gutachten eines an einer Hochschule tätigen Professors. Bewerbungsschluß ist am 15. August 2004 (Datum des Poststempels) bei Prof. Dr. Hans-Joachim Zwiesler, Universität Ulm, Sektion Aktuarwissenschaften, 89069 Ulm, oder als Email: zwiesler@mathematik.uni-ulm.de . | |
| Fit For Boss | |
| Die KfW Mittelstandsbank, die Gründer- und Franchise-Messe START, die Wirtschaftsjunioren Deutschland und €uro rufen auch dieses Jahr wieder zum Jungunternehmer-Wettbewerb Fit For Boss START-Unternehmen 2004 auf. Schirmherr der Aktion ist wie im vergangenen Jahr Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement.
Sie haben eine innovative Geschäftsidee? Sie sind ein erfolgreicher Unternehmensnachfolger und bis zu fünf Jahre am Markt? Dann sind Sie FIT FOR BOSS. Teilnehmen können junge Unternehmen oder Unternehmensnachfolgen, die bis zu fünf Jahre im Markt sind. Der Wettbewerb findet dieses Jahr zum sechsten Mal statt. Bewerbungen bei €uro Fit For Boss START-Unternehmen 2004, Eschersheimer Landstraße 50, 60322 Frankfurt; Mail: euro.fitforboss@vhb.de; Fax: 0211-887-97-8004. | |
| Personalien | |
Ruf erhalten
auf die C4-Professur für Meß-, Regel- und Mikrotechnik (Nachfolge Prof. Dr. Eberhard P. Hofer) der Universität Ulm: Prof. Dr.-Ing. Klaus DIETMAYER, Abteilung Meß-, Regel- und Mikrotechnik
Bestellungen, Ernennungen, Verleihungen
zum Akademischen Direktor zur Frauenvertreterin für das nichtwissenschaftliche Personal der Universität Ulm (Amtszeit 1.9.2004 bis 31.8.2008): Traudl HILLER, Abteilung Allgemeine Physiologie (2. Wiederwahl); stellvertretende Frauenvertreterin Petra LEICHT, Zentrale Universitätsverwaltung
25jähriges Dienstjubiläum
Dr. Heinz BUCHERT, Abteilung Analytische Chemie und Umweltchemie
40jähriges Dienstjubiläum
Dr. Uwe PITTELKOW, Servicegruppe Mathematik
Emeritierung/Pensionierung
Prof. Dr. Ulrich HERRMANN, Seminar für Pädagogik
Ausgeschieden
Klaus-Dieter CHRIST, Abteilung Systematische Botanik und Ökologie | |
| Gäste | |
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Prof. Dr. Charles BATTY University of Oxford, England, in der Abteilung Angewandte Analysis Aleksandra BYSTROVA Moscow State University, Physics Department, Rußland, in der Abteilung Polymer Science Dr. Alexander CHERTOVICH Moscow State University, Physics Department, Rußland, in der Abteilung Polymer Science Prof. Dr. Jens Peder DAHL Technical University of Denmark, Chemistry Department, in der Abteilung Quantenphysik Prof. Mark S. DORFMANN University of North Carolina, in der Sektion Aktuarwissenschaften Dr. Zoltan ERDELYI Universität Debrecen, Dept. Solid State Physics, Ungarn, in der Abteilung Festkörperphysik Prof. Dr. Harry FRISCH Universität Suny, Albany, in der Abteilung Theoretische Physik Dr. Mathias GOLLWITZER DaimlerChrysler Stuttgart, in der Fakultät für Naturwissenschaften Åsa HAGLUND Chalmers University of Technology, Göteborg, Schweden, in der Abteilung Optoelektronik Gabor KATONA Universität Debrecen, Dept. Solid State Physics, Ungarn, in der Abteilung Festkörperphysik Dr. Pavel KOMAROV Russian Academy of Sciences, Institute of Organoelement Compounds, Moskau, in der Abteilung Polymer Science Thomas KUMPF Laichingen, in der Abteilung Allgemeine Elektrotechnik und Mikroelektronik Dr. Elena MAKHAEVA Moscow State University, Physics Department, Rußland, in der Abteilung Polymer Science Dr. Irene MARZOLI Dipartimento di Matematica e Fisica, Camerino, in der Abteilung Quantenphysik Prof. Dr. Aziz MOUZAFAROV Russian Academy of Sciences, Institute of Synthetic Polymer Materials, Moskau, in der Abteilung Polymer Science Prof. Dr. H. ODOULAMI Benin, Westafrika, in der Abteilung Neurochirurgie Dr. Igor POTEMKIN Moscow State University, Rußland, in der Abteilung Polymer Science Prof. Randall PRUIM Calvin College, Michigan, in der Abteilung Theoretische Informatik Prof. Dr. Sergo SHAVGULIDZE Georgian Technical University, Tbilissi, in der Abteilung Telekommunikationstechnik und Angewandte Informationstheorie Prof. Dr. Milan VLACH Institute of Statistical Mathematics, Tokyo, in der Fakultät für Ingenieurwissenschaften Prof. Dr. Valery YAKOVLEV Moscow Engineering Physics Institute, Department of Theoretical Physics, Rußland, in der Abteilung Quantenphysik |
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| Venia legendi | |
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| Promotionen | |
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zum Dr. med. dent.
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Veranstaltungstermine |
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Mittwoch, 26.5.2004 18.00 Uhr Dr. Monika Kautenburger, Univ. Ulm: »Vom Orient zum Orientalismus - Europas Beziehungen zur orientalischen Kultur und Wissenschaft«, Univ. West, Hörsaal 45.1 (im Rahmen der Reihe »Morgenland und Abendland - Das orientalische Erbe in der europäischen Geistes- und Kulturgeschichte«)
Montag, 7.6.2004 18.00 Uhr
Montag, 7.6.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 9.6.2004 12.00 Uhr
Mittwoch, 9.6.2004 19.15 Uhr
Mittwoch, 9.6., und Donnerstag, 10.6.2004
Montag, 14.6.2004 17.00 Uhr
Montag, 14.6.2004 17.15 Uhr
Montag, 14.6.2004 18.00 Uhr
Montag, 14.6.2004 18.30 Uhr
Montag, 14.6.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 16.6.2004 10.00-12.00 Uhr
Donnerstag, 17.6.2004 19.30 Uhr
Freitag, 18.6.2004 11.00 Uhr
Montag, 21.6.2004 17.15 Uhr
Montag, 21.6.2004 18.00 Uhr
Montag, 21.6.2004 18.30 Uhr
Dienstag, 22.6.2004 19.00 Uhr
Mittwoch, 23.6.2004
Mittwoch, 23.6.2004 10.00-12.00 Uhr
Mittwoch, 23.6.2004 12.00 Uhr
Donnerstag, 24.6.2004 15.30 Uhr
Sonntag, 27.6.2004 18.00 Uhr
Sonntag, 27.6.2004 20.00 Uhr
Montag, 28.6.2004 17.00 Uhr
Montag, 28.6.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 30.6.2004 10.00-12.00 Uhr
Freitag, 2.7.2004 10.00 Uhr und 16.00 Uhr
Freitag, 2.7.2004 14.30 Uhr
Montag, 5.7.2004 17.00 Uhr
Montag, 5.7.2004 18.00 Uhr
Montag, 5.7.2004 18.30 Uhr
Mittwoch, 7.7.2003 12.00 Uhr
Mittwoch, 7.7.2004 18.00 Uhr
Mittwoch, 7.7.2004 20.00 Uhr
Donnerstag, 8.7.2004 19.30 Uhr
Freitag, 9.7.2004 14.30 Uhr
Samstag, 10.7.2004 19.00 Uhr
Sonntag, 11.7.2004 20.00 Uhr
Montag, 12.7.2004 17.00 Uhr
Montag, 12.7.2004 17.15 Uhr
Montag, 12.7.2004 18.00 Uhr
Montag, 12.7.2004 18.30 Uhr
Montag, 12.7., und Dienstag, 13.7.2004
Mittwoch, 14.7.2004 12.00 Uhr
Freitag, 16.7.2004 14.30 Uhr
Sonntag, 18.7.2004 19.00 Uhr
Donnerstag, 22.7.2004 19.30 Uhr
Montag, 26.7.2004 18.00 Uhr
Montag, 2.8.2004 18.00 Uhr
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