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Elektronenstrahlen
können nur dünne Schichten (< 1 µm) durchdringen,
ohne unkontrolliert abgelenkt zu werden. Die zu untersuchenden Objekte
müssen also entweder sehr dünn geschnitten werden zur Analyse
im Transmissions-Elektronenmikroskop, oder die relevanten
Strukturen müssen an der Oberfläche
der Probe exponiert sein zur Untersuchung im
Raster-Elektronenmikroskop.
Bei wasserhaltigen biologischen Strukturen ist keines von beidem direkt
möglich, sie werden üblicherweise chemisch fixiert, in ein
Harz eingebettet und dann ultradünngeschnitten oder chemisch
fixiert und anschliessend schonend getrocknet für das
Raster-Elektronenmikroskop. Beide Verfahren sind nicht
möglich, ohne dass sich die Probe verändert und Artefakte
eingeführt
werden.
Eine Alternative dazu sind
Kryo-Präparationen. Mit der Kryo-Fixation kann ein physiologisch
definierter Zustand eingefroren und untersucht werden. Ist die Probe
einmal gefroren, verhält sie sich wie ein Festkörper, und
kann relativ kontrolliert aufgebrochen oder aufgeschnitten
werden. Als wichtiges erstes Glied der Kryo-Präparationskette ist
dazu
in der Sektion Elektronenmikroskopie ein Hochdruckgefrier-Apparat
angeschafft
worden. Er dient zum Einfrieren (Kryofixieren) von kleinen Gewebe- und
Zellkulturproben
(Dicke bis ca. 200 µm, Durchmesser bis ca. 2 mm) ohne chemische
Vorbehandlung
und ohne störende Eiskristallartefakte (Studer
et al., 1989). Hochdruckgefrieren ermöglicht somit die
Fixation
der Proben in einem physiologisch definierten Zustand. Die
Immobilisation
ist dabei wesentlich schneller (10 bis 100 Millisekunden) als bei
konventioneller chemischer Fixation (Sekunden bis Minuten), was die
Artefaktbildung reduziert. Es konnte in zahlreichen Arbeiten
nachgewiesen werden, dass kryofixierte
biologische Proben besser den in-vivo Zustand beschreiben als chemisch
fixierte
(Shimoni
et al., 1998; Szczesny
et al., 1996; Kaneko
und Walther, 1995 und andere).
Unser Hochdruckgefrier-Apparat an
der Uni Ulm ist seit März 1999 im Betrieb. Seit Sommer 2003
benutzen wir einen neuen Hochdruckgefrierer. Zur Zeit werden
die Proben nach der
Hochdruck-Kryofixation gefriersubstitutiert. Bei dieser Methode werden
die gefrorenen Proben bei tiefen Temperaturen entwässert und
chemisch fixiert. Solche Präparate können dann konventionell
eingebettet und geschnitten werden. Ein altes Problem ist dabe die gute
Sichtbarkeit der Membranen (Walther
und Ziegler, 2002)
Für viele Fragestellungen ist
es aber besser, die gefrorenen Proben direkt im
Kryo-Raster-Elektronenmikroskop zu analysieren (Übersichtsartikel
von Echlin,
1978), weil dabei Entwässerung und Einbettung und damit
verbundene Artefakte entfallen und weil dabei sämtliche
Komponenten in der Zelle erhalten werden können, wie z. B.
diffusible Ionen. Da die Probe im
Raster-EM nicht durchstrahlt werden muss, braucht sie nicht besonders
dünn
zu sein, es genügt also, eine gefrorene Probe aufzubrechen oder
aufzuschneiden und mit einer geeigneten Metallschicht zu versehen.
Diese vereinfachte Präparation funktioniert nun auch für
Proben, bei denen es schwierig ist, Replikas für das
Transmissions-EM herzustellen, sei es, weil die Proben zu
grossflächig und zu stark dreidimensional strukturiert sind (Weisbach
et al., 1999), und somit die Stabilität der Replika zu gering
ist, oder sei es, dass sich die Replika schlecht reinigen lässt,
weil sich das Probenmaterial nicht entfernen lässt (Walther
und Müller, 1997). In meiner letzten methodischen Arbeit
(Walther und Müller, 1999 in press) wurden die Proben nicht
aufgebrochen, sondern im Kryo-Ultramikrotom aufgeschnitten was einen
gänzlich neuen ultrastrukturellen Aspekt ergibt. Aktuelle
fortschritte sind publiziert unter Walther,
2003a und Walther,
2003b.
Normale Elektronenmikroskopische
Abbildungen sind
zweidimensionale Bilder einer dreidimensionalen Probe. Dabei geht viel
Information verloren z. B. über die Zusammenhänge der
Membransysteme.
Mit Elektronen-Tomographie werden dreidimensionale Datensätze von
bis
zu 500 nm dicken Schnitten erhalten. Ein für die Tomographie
geeignetes
Elektronenmikroskop wird zur Zeit angeschafft (Sommer 2005). Damit
sollen vorerst die Ausschleusung und Membranumhüllung von
Cytomegalieviren und Exocytosevorgänge im Pankreas untersucht
werden
(In Zusammenarbeit mit der Abteilung Virologie, Uni Ulm und im Projekt
A15 im SFB 518).
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