Meldung aus dem Institut für Psychologie und Pädagogik

Klinische & Biologische Psychologie: Neue Studie zum Einfluss des immunregulierenden Gens TROVE2 auf Gedächtnisfunktionen in Nature Human Behaviour veröffentlicht

Universität Ulm

Neue Studie zum Einfluss des immunregulierenden Gens TROVE2 auf Gedächtnisfunktionen in Nature Human Behaviour veröffentlicht

In Kooperation mit Forschern der Universität Basel (Schweiz), zeigten Prof. Iris-Tatjana Kolassa sowie Dr. Sarah Wilker, Klinische & Biologische Psychologie, einen Zusammenhang von Gedächtnisfunktionen mit dem immunregulierenden Gen (TROVE2). Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht. So konnten die Forscher Genvarianten des TROVE2-Gens identifizieren, die das Erinnerungsvermögen für negative Bilder sowie die Aktivität bestimmter Gehirnregionen bei Erinnerung an emotionale Erlebnisse beeinflussen. Zudem beeinflussten genetische Variationen im TROVE2-Gen die neuronale Expression des Gens. Schließlich beeinflussten genetische Variationen im TROVE2-Gen auch die Stärke traumatischer Erinnerungen sowie das Risiko für eine Posttraumatische Belastungsstörung bei Überlebenden des Ruandischen Genozids.

Im Rahmen ihrer Analysen verglichen die Forscher zwei Extremgruppen gesunder Versuchsteilnehmer, solche die sich besonders gut und besonders schlecht an negative Bilder erinnern konnten. Mittels Exom-Sequenzierung, bei der sämtliche proteinkodierende Bereiche des menschlichen Genoms bestimmt werden, identifizierten sie einen signifikant mit dem Erinnerungsvermögen assoziierten Einzelbasenpolymorphismus (kurz SNP) des Gens TROVE2 (rs72740218). Träger des T-Allels wiesen dabei eine gesteigerte Erinnerungsfähigkeit für negative Bilder auf, die auch unter Hinzunahme von Personen mit durchschnittlicher Erinnerungsfähigkeit derselben Studienkohorte gefunden wurde. Darüber hinaus stieg mit zunehmender Anzahl an T-Allelen (0,1 oder 2) die mit negativen Bildern einhergehende Aktivität im linken medialen präfrontalen Kortex. Zudem wurde im Rahmen der Analyse von Expressionsdaten der BRAINEAC Datenbank eine höhere neuronale Expression von TROVE2 bei T-Allel-Trägern beobachtet. Nicht zuletzt gelang es den Forschern einen zweiten SNP des Gens TROVE2 (rs6692342) mit dem emotionalen Gedächtnis für traumatische Erlebnisse in Beziehung zu setzen. Dabei zeigten Träger des seltener vorkommenden G-Allels sowohl ein höheres Risiko für die Lebenszeitdiagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung als auch eine stärker ausgeprägte Intrusionssymptomatik (ungewolltes Wiedererleben der traumatischen Ereignisse) als Nicht-Träger. Das immunologische Prozesse über TROVE2 Gedächtnisfunktionen beeinflussen können, stellt einen neuen Link zwischen Gehirn und Immunsystem dar, der bislang kaum erforscht ist.

Weitere Informationen lesen Sie hier: http://www.bionity.com/de/news/162983/zusammenhang-zwischen-immunsystem-hirnstruktur-und-gedaechtnis-entdeckt.html