Fast wie beim "normalen" Zahnarzt

Als Patient im studentischen Behandlungskurs

Die typische Geräuschkulisse einer Zahnarztpraxis: Neben gurgelnden Absaugegeräten und surrenden Bohrern erkundigt sich hier ein Zahnarzt nach dem Befinden der Patientin, dort wird der nächste Termin besprochen. Wenig deutet an diesem Donnerstagnachmittag darauf hin, dass die meisten Behandler noch mitten im Zahnmedizinstudium stecken und gerade eine Prüfungsleistung im Bereich "Kursus und Poliklinik der Zahnersatzkunde" ablegen.

In einer der insgesamt 20 Boxen hat Peter Ebenhoch auf dem Behandlungsstuhl Platz genommen. Bei dem 65-Jährigen steht eine umfangreiche zahnmedizinische Versorgung an. Deshalb haben sich die Studierenden Franziska Forstmann und Christian Tobias die Behandlungsschritte aufgeteilt: Unter anderem wird beim Patienten eine Brücke eingegliedert, dazu kommen Teilkronen, Veneers und Inlays. "Herr Ebenhoch kam als sogenannter Screeningpatient zu uns. Wir haben also genau geschaut, was gemacht werden muss und gemeinsam mit den Assistenzzahnärzten einen Plan ausgearbeitet", erklärt Student Christian Tobias. Die Behandlung ist - mit Unterbrechung durch die Semesterferien - bereits im Mai gestartet, weshalb die angehenden Zahnmediziner und der Patient gut miteinander vertraut sind. "Ich war selbst einmal Student und möchte die jungen Leute in ihrer Ausbildung unterstützen. Die Studierenden sind sehr freundlich und geben sich viel Mühe", sagt der studierte Grafiker Ebenhoch. Seine Frau sei durch eine Zeitungsannonce auf das Angebot der Zahnklinik aufmerksam geworden. Da die Behandlung neben allen anderen Vorteilen auch noch günstiger ist, nimmt der Rentner die Anfahrt aus Memmingen gerne in Kauf.

Inzwischen hat Franziska Forstmann ihre Brille aufgesetzt. Beide Studierenden ziehen Handschuhe sowie Mundschutz über und die Behandlung kann beginnen. Bereits seit Semesterbeginn arbeiten Forstmann und Tobias im Team: Einer assistiert, der andere übernimmt den Part des Zahnarztes - dann werden die Rollen getauscht. Lediglich ihre Namenschilder weisen darauf hin, dass die Studierenden noch keine fertigen Mediziner sind. Beide haben allerdings eine bisher neunsemestrige, oft praxisnahe Ausbildung durchlaufen. Christian Tobias ist sogar ausgebildeter Zahntechnikermeister. Im Studium haben sie an Phantomköpfen in der Simulationsklinik trainiert, Famulaturen absolviert und sich langsam an die Behandlung "echter" Patienten heran- getastet. Mit kleineren Arbeiten wie Füllungen sind sie im siebten Semester gestartet. "Oft hatten wir damals mit zwei Patienten pro Tag einen recht hohen Durchlauf. Im Bereich Prothetik sind die Arbeiten jetzt deutlich komplexer und dauern natürlich auch länger", schildert Franziska Forstmann. Im nächsten Jahr steht bei beiden Studierenden das Staatsexamen an - und dann dürfen sie eigenständig als Zahnärzte arbeiten.

Zahnmedizin-Student behandelt Patient
Dentalspiegel

Fertige Zahnärzte kontrollieren jeden Schritt

Heute soll Peter Ebenhochs Brücke eingegliedert werden - sie liegt bereits auf der Arbeitsfläche in der Behandlungsbox bereit - und auch die vorbereitenden Arbeiten in seinem Gebiss sind abgeschlossen. Während der Behandlung haben immer wieder Assistenzzahnärzte ihren künftigen Kollegen über die Schulter geschaut. Jetzt warten Forstmann und Tobias auf den Zahnarzt, der ihre Arbeit bewerten soll. Patient Ebenhoch stören die vielen Unterbrechungen nicht: "Ich bekommen viel mehr von dem Behandlungsablauf mit als beim niedergelassenen Zahnarzt und kann meine Fragen stellen."

Seit dem Frühjahr befindet er sich nach eigenen Angaben im "Unruhestand" und bringt somit ein gewisses Zeitpolster mit. Im Lauf der bisher neun Termine habe sich Peter Ebenhoch als Musterpatient erwiesen. Er sei immer sehr kooperativ, berichten die angehenden Zahnmediziner. Aber auch auf Angstpatienten sind Franziska Forstmann und Christian Tobias vorbereitet: Im klinischen Studienabschnitt steht eine Veranstaltung in Gesprächsführung mit Schauspielern auf dem Lehrplan.

Zahnarzt überprüft die Arbeit der Studenten

Eine gewisse Anspannung liegt schon in der Luft, als Zahnarzt Alfred Eirich die Box betritt: Sorgfältig begutachtet er die prothetische Arbeit, setzt sie gemeinsam mit den Studierenden dem Patienten ein und überprüft beispielsweise dessen Biss. Schließlich kann Eirich einen Teilerfolg bei der komplexen Arbeit vermelden: Allerdings scheint dem Patienten seit der Abformung ein Stück Schmelz abgebrochen zu sein, weshalb das externe Zahntechniklabor nacharbeiten muss. Wie nach jedem Behandlungsschritt bewertet Alfred Eirich die Studierenden – daraus errechnet sich später die Note für diesen Kurs.

Für Franziska Forstmann und Christian Tobias wird es jetzt stressig: Bis 17:00 Uhr muss die heutige Behandlung eigentlich abgeschlossen sein. Denn auch die Zeitplanung ist Teil des Studierendenkurses: Die studentischen Behandler vereinbaren selbstständig Termine mit den Patienten – bei Peter Ebenhoch werden es wohl mindestens drei weitere Sitzungen werden. Deshalb lehnt sich der Patient noch einmal im Behandlungsstuhl zurück: Die professionelle Atmosphäre lässt ihn wieder fast vergessen, dass er im Studierendenkurs und nicht in einer "normalen" Zahnarztpraxis behandelt wird.

Zahnärztlicher Bohrer

Wie wird man Patient in der Zahnklinik?

Im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsklinik Ulm kann jeder einen Termin vereinbaren und sich wie beim niedergelassenen Zahnarzt behandeln lassen. Das Spektrum reicht von der Professionellen Zahnreinigung über die restaurative Zahnerhaltung, Wurzelbehandlungen und Parodontologie bis zur Implantologie und der Kieferorthopädie.

Zudem werden durchgehend Patientinnen und Patienten für die studentischen Behandlungskurse gesucht. Dabei erfolgt die Behandlung durch Studierende im klinischen Abschnitt. Eine approbierte Zahnärztin oder ein approbierter Zahnarzt kontrolliert jeden Behandlungsschritt. Daher dauern die Termine meist länger, Patienten erhalten jedoch Preisnachlässe.

Interessierte sollten bedenken, dass Behandlungen im Studierendenkurs nur während des Semesters zu bestimmten Zeiten sowie im Staatsexamen stattfinden.

Bei allen Patienten erfolgt eine Eingangsuntersuchung durch erfahrene Zahnärzte, die entscheiden, ob sich die konkrete Situation für den Studierendenkurs eignet. In jedem Fall tragen Patientinnen und Patienten zur Ausbildung der nächsten Generation von Zahnmedizinern bei.

Terminvereinbarung für den Studierendenkurs: 0731/500 64222

Terminvereinbarung in der Zahnklinik

Text: Annika Bingmann

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