5. Ulmer Denkanstöße – Projekt der Sparda-Bank Baden-Württemberg eG, der Universität Ulm / Humboldt-Studienzentrum für Philosophie und Geisteswissenschaften und der Stadt Ulm/Abt. Kultur

Schirmherrin ist Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan

Thema: "Leben um zu arbeiten - arbeiten um zu leben?"

Veranstaltungsort: Ulmer Stadthaus

Datum: 14. - 17. März 2012

 

Die 5. Ulmer Denkanstöße sind dem Thema „Leben um zu arbeiten – arbeiten um zu leben? Eine Gesellschaft im Wandel“ gewidmet und finden vom Mittwoch, den 14. bis Samstag, den 17. März 2012 statt.

Die Aufklärung hat die Vorstellung von Arbeit, die bis dahin - aus religiösen Wurzeln abgeleitet - als die dem Menschen von Gott auferlegte Mühsal gegolten hatte, verabschiedet und stattdessen Arbeit als eine vom Menschen gesteuerte Auseinandersetzung mit der Natur und der Gesellschaft begriffen. Über die Arbeit fand der Mensch seine Identität und vor allem seine Anerkennung.

Warum arbeiten wir? Geht es nur um den Lebensunterhalt und die Befriedigung unserer elementaren Bedürfnisse oder gewährt Arbeit Erfüllung im Sinne von Beruf als Berufung? Wer arbeitet, der wird gebraucht, ist Teilhaber gesellschaftlicher Prozesse. Arbeit ist Sinnstiftung, wenn diese in einer Verwirklichung der eigenen Talente besteht, wenn der Arbeitende sich mit dem Ergebnis seiner Tätigkeit identifiziert.

Allerdings scheint die Arbeit heute mehr und mehr zu einem knappen Gut zu werden. Hatte Hannah Arendt recht, wenn sie schreibt: „Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“ Geht uns wirklich die Arbeit aus oder finden sich nur neue Formen der Arbeit? Wie wird die Arbeit in Zukunft aussehen? Wie werden Mann und Frau in Führungspositionen im 21. Jahrhundert aussehen? Wie kann sich unsere Gesellschaft künftige Arbeitsfähigkeit und Kreativität erhalten? Was ist mit der Freizeit des Menschen? Ist diese nur als freie Zeit von der Arbeit zu sehen?

Auch stellt sich die Frage, ob unsere Gesellschaft zunehmend in zwei Kategorien zerfällt: Der eine Teil hat Arbeit, ist aber gerade dadurch bedroht: Durch neue Technologien hat die Arbeitswelt sich sehr stark verändert. Für Menschen, die Arbeit haben, ist diese zur wahren Leidenschaft geworden, die ihr Leben beherrscht: Sie können mitunter nicht mehr abschalten, eine ständige Erreichbarkeit und Mobilität und damit verbunden eine Reduzierung des privaten Bereichs zugunsten der Arbeit sind die Folgen. Experten sprechen mitunter schon von Einsamkeit, Isolation, auch von Verwahrlosung und nicht zuletzt von Burnout als Krankheitsbild.

Der andere Teil hat keine Arbeit und ist so ökonomisch, sozial und insbesondere als tätiger Mensch von seiner Selbstfindung und als Teil der Gesellschaft von dieser ausgeschlossen. Bei davon besonders betroffenen jungen Menschen fehlt manchmal sogar die Perspektive, jemals ein solcher Teil der Gesellschaft zu werden. Die Auflehnung dagegen scheint verständlich. Sie äußert sich im besten Fall in Protesten, im schlechtesten in Gewalt gegen Mitmenschen. Zudem: Wenn Menschen dann eine Stelle finden, stehen sie unter enormem Druck, Höchstleistungen zu erbringen, da sie fürchten, ihre immer nur auf kurze Zeit befristeten Tätigkeiten wieder zu verlieren. Auch hier ist von Burnout die Rede.

Wie werden die Perspektiven für die Zukunft der Arbeit aussehen? Das alles sind Fragen, denen wir in diesen 5. Ulmer Denkanstößen nachgehen möchten.

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