Pressestimmen

Manchmal haben wir unter unseren Konzertbesuchern auch Musikkritiker. Eine Kritik liest sich dann zum Beispiel so (aus der "schwaebischen" nach dem Sommerkonzert in Bad Wurzach 2015):

www.schwaebische.de/region_artikel,-Auftritt-mit-wirbelnder-Gelaeufigkeit-_arid,10256305_toid,389.html

 

oder so (aus der "Südwest Presse" nach dem Konzert im Januar 2003):

Stark in Mathe und Musik

Die Doppelbegabung berühmter Naturwissenschaftler wie Albert Einstein oder Albert Schweitzer ist ein faszinierendes Phänomen. In deren Fußstapfen wandeln auch Studenten der Uni Ulm, die sich neben ihren Studien auch intensiv dem Klavierspiel widmen: im Rahmen des Studium generale in der Klavierklasse des Meisterpianisten Valerij Petasch.

Und dies auf beachtlichem Niveau, sowohl in spieltechnischer als auch in musikalischer Hinsicht, wie sie nun bei einem öffentlichen Konzert auf dem Eselsberg bewiesen. Mit Werken von Bach, Scarlatti, Chopin, Liszt, Grieg und Brahms hatten sich Karin Balser, Edward Yang, Florian Bertele, Alexander Neubeck, Bernd Maurer, Doro Munz und Sebastian Lück ein anspruchsvolles Programm vorgenommen. Werke, die sie im Konzert mit großer Sicherheit und feiner Musikalität zum Leben erweckten. Derart, dass man sich durchaus im Vorspiel einer Musikhochschule wähnen konnte.
Entsprechend beglückt zeigte sich denn auch Valerij Petasch, der befand, dass seine Schülerinnen und Schüler - Mathematiker, Physiker, Mediziner - "an diesem Abend über sich hinaus gewachsen sind". Entsprechend stark und lang anhaltend war denn auch der Beifall für dieses gut besuchte Konzert, das für die Ausführenden auch Ermutigung für weitere intensive musikalische Betätigung sein dürfte.

Im Dezember 2007 erschien unter der Rubrik Campus & Co folgender Artikel in der Südwestpresse:

Campus und Co. : Vom Meisterkurs zur Klavierklasse

Freitags stellen wir in unserer Serie "Campus und Co." Themen und Menschen aus den Hochschulen vor. Heute: die Klavierklasse der Universität Ulm, die heute Abend im Stadthaus ein Klavierkonzert gibt (Beginn 19.30 Uhr, Eintritt frei). Sieben Pianistinnen und Pianisten spielen Werke unter anderem von Debussy, Chopin, Brahms, Rachmaninoff, Ravel, Scriabin und nicht zu vergessen: Valerij Petasch. Der russische Pianist und Komponist hat im Wintersemester 2000/01 die Leitung der Klavierklasse übernommen. Sie war von der brasilianischen Konzertpianistin Maria Alice Coelho gegründet worden - im Anschluss an einen "Meisterkurs", der im Rahmen eines "Happenings" (Vorläufer der musischen Tage) an der Uni Ulm stattfand. Die Teilnehmer waren so begeistert, dass das Happening zur festen Einrichtung wurde. Seitdem ist die Klavierklasse im Angebot des Studium generale. Der Kontakt zu Valerij Petasch war über das Uniorchester zustande gekommen, das im Sommersemester 2000 zusammen mit ihm das 1. Klavierkonzert von Chopin aufgeführt hatte.

Rachmaninoff statt eitrigem Backenzahn, Debussy statt physikalischer Formeln - die Klavierklasse der Uni Ulm, Studenten der Zahnmedizin, der Wirtschaftsmathematik oder der Physik, spielen auf hohem Niveau. Ihr Leiter: der russische Pianist und Komponist Valerij Petasch.

Bam, bam, bam, bam. Nein, sagt Valerij Petasch. "Du spielst gut, okay. Aber du kannst noch besser spielen." Bam, bam, bam, bam - die Betonungen, die Betonungen, die Betonungen. Gleich müssen sie sein, ganz gleich. Petasch sagt das nicht nur, der Pianist lebt Musik. Er lebt die Dynamik, er lebt die Kontraste, die Claude Debussy in seiner "Suite bergamasque" notiert hat. Der poetische Ausdruck, wird er später erklären, der poetische Ausdruck fehlt vielen Musikern. Schnell und fingerfertig sind sie alle, die jungen Pianisten, die aus den Konservatorien kommen, "aber das unmittelbare Gefühl für die Musik ist verlorengegangen"

Daniela Donhauser rückt den Klavierhocker zurecht. Debussy zum zweiten. Petasch wendet sich ab, schließt die Augen, versinkt in die Musik. Bis zum Bam, bam, bam, bam. Noch kräftiger, noch gleichmäßiger muss die linke Hand kommen. Die 24-Jährige beginnt wieder zu spielen. Debussy zum dritten, dann zum vierten, fünften und schließlich zum sechsten und letzten Mal. Und fast schon entrückt, pfeift Petasch eine Melodie: "Diese Stelle, ach, sie war wunderschön."

Der Nächste bitte! Hörsaal 4/5, Sonntagabend, die Temperatur ist abgesenkt. 16, 17 Grad vielleicht, nicht gerade ideal, um Rachmaninoff zu spielen. Oder Chopin. Oder Petaschs Eigenkomposition "Ballett für 10 Finger". Uli Schinkmann jedenfalls hat seine zehn Finger in Handschuhe gepackt. In Mantel und mit Schal steht er da, die anderen sitzen mehr oder weniger vermummt auf dem Boden oder auf den Klappsitzen. Und Zimeng Yang, an der Uni besser bekannt unter dem Namen "Eddie", schreibt auf seinem Laptop das Programm für den Klavierabend von "πiano-forte" im Stadthaus. "πiano-forte"? Was das " π" vor dem "πiano-forte" soll, ist klar: Die sieben Pianistinnen und Pianisten sind Studenten und Doktoranden der Uni Ulm. Naturwissenschaftler also - Daniela Donhauser studiert Physik, Sebastian Lück promoviert in Wirtschaftsmathematik, Eddie Yang ist in Elektrotechnik eingeschrieben, und Uli Schinkmann will Zahnarzt werden. Mit dem "π" sind sie vertraut - mit dem Piano nicht weniger.

Schinkmann zieht die Handschuhe aus, Chopin im Mantel. Seine Finger rauschen über die Tasten des Flügels, eines "Ibach", der auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Verschleißerscheinungen sind enorm, sagt der Zahnmedizinstudent, "das Instrument wird stark bespielt". Erst neulich hat die Klavierklasse 3000 Euro investiert, um die Hammerköpfe auszutauschen. Klar, wer zu Hause keine Möglichkeit zu üben hat, spielt in Raum 102, direkt neben Hörsaal 4/5. Ein wenig einladender Betonkasten, klein und vollgestellt mit Stühlen; stünde da nicht der Flügel, niemand würde sich freiwillig länger dort aufhalten. Für die Schüler der Klavierklasse ist der Raum aber zur zweiten Heimat geworden. Daniela Donhauser übt täglich eine Stunde, "in meine 13 Quadratmeter große Studentenbude passt kein Klavier". Und von Eddie heißt es, dass er manchmal bis zu fünf Stunden pro Tag am Flügel sitzt - und das nicht nur in dem kleinen Raum, sondern, wenn alle Chemie- oder Physik-Vorlesungen beendet sind, im großen Hörsaal. Dann lässt er den Dämon Scarbo aus Maurice Ravels "Gaspard de la nuit" los - ein technisch überaus anspruchsvolles Klavierstück.

Ja, sagt Valerij Petasch, "ich habe so begabte Kinder". Nun sind die Kinder zwar schon etwas älter, aber mit dem Adjektiv "begabt" hat Petasch, der am renommierten Moskauer Tschaikowski-Konservatorium studiert und mit dem begehrten "Roten Diplom" abgeschlossen hat, durchaus recht. Das Niveau ist beeindruckend, die Technik frappierend, "ein paar könnten als Pianisten bestehen", ist er überzeugt. Sein Ziel: die Lücks, Yangs und Schinkmanns noch besser werden zu lassen. "Ich will das beste Resultat" - wohlwissend, dass er keine Profis unterrichtet, die täglich sechs bis acht Stunden üben. Einerseits. Andererseits aber legt die Klavierklasse einigen Ehrgeiz an den Tag. Schließlich geht es nicht darum, ein bisschen zu spielen, wie Uli Schinkmann sagt, der mit dem Klavier aufwuchs. Der heute 24-Jährige hatte während seiner gesamten Schulzeit Klavierunterricht, in der Oberstufe belegte er den Musik-Leistungskurs, im Abitur war Klavier sein Prüfungsfach. Aber Musik studieren? Nein! Geliebäugelt hatte er zwar mit dem Gedanken, das räumt er ein, "aber welche Möglichkeiten habe ich hinterher"?

Die Musik ist ihm als Hobby wertvoll, und dabei hat der angehende Zahnmediziner nicht nur die Klassik im Sinn. Bach und das ganze Zeug war ihm zwischenzeitlich doch auf den Keks gegangen. Jazz im Trio, warum nicht? RocknRoll mit "Baby Blue & the Rockcats" - auch das spielt Schinkmann, der in den vergangenen acht Semestern bei Valerij Petasch viel gelernt hat. Vor allem, was den Ausdruck angeht. "Ein falscher Ton ist nicht so schlimm, was er uns beibringt, ist einen Ausdruck über das Instrument zu formulieren."

Dabei stellt Petasch gewisse Ansprüche, die Kritik sei bisweilen hart, aber: "Nur gut und solide, das reicht ihm nicht." Petasch wolle mehr, mehr Emotionalität, sagt Sebastian Lück, der in der Generalprobe den guten alten Rachmaninoff abwürgt. Irgendwo mittendrin stockt der 27-Jährige, der auch schon ein Solokonzert gegeben hat. Er blickt hoch und sagt "ach, Sch . . ." Mit Emotionalität hat Petasch sicherlich etwas anderes gemeint, aber im Ernst: "Wenn er mich auch manchmal zur Verzweiflung treibt, er liegt immer goldrichtig", sagt der Wirtschaftsmathematiker, der schon vom Fach her der Rationalität verpflichtet ist - und darin auch sein Manko sieht. Eingeprägt hat er sich das Bild, das Petasch ("ein exzellenter Lehrer und väterlicher Freund")gezeichnet hat: "Ihr müsst das Herz der Tasten erreichen, dann erreicht ihr das Herz der Zuhörer."

Valerij Petasch, der Romantiker? Ja! Alle nicken. Mit dem Klang eine Verbindung zwischen Erde und Himmel zu schaffen, ist sein Ziel. Dann setzt er seinen träumerischen Blick auf und sagt: Ach, Kinder!

Aktuelle Veranstaltungen

Winterkonzert 2019/20

am 11.12.2019

im Stadthaus Ulm

um 19:00 Uhr

Neue Uploads auf Soundcloud

oder folge uns auf Facebook

 

Komm vorbei, spiel mit!