WINDHARFE

Wolf-Dieter Trüstedt

1. Tiefer Gesang   7' 20''
2. Stille des Mondes   7' 30''
3. Weites Fließen   14' 10''
4. Grundton   22' 40''
5. Regentropfen   6' 40''

1. Auflage als Cassette, München 1982
2. Auflage als CD, München 1996

© Wolf-Dieter Trüstedt


Die CD
ist für 16 EUR + 2 EUR Versand
( Überweisung z.B.) bei
Wolf-Dieter Trüstedt
Agnesstr. 39
80798 München
tel 089 / 272 1856 oder fax 089 / 271 7330
e-Mail:   
wolf-dieter.truestedt[at]uni-ulm.de
(bitte [at] durch @ ersetzen)


Tonbeispiele in guter mp3-Qualität:
30 Sekunden aus "Weites Fließes"
30 Sekunden aus "Regentropfen"
aus der hier beschriebenen Windharfen-CD, Nordfriesland, 1982

30 Sekunden aus "Erdenton" Aufnahme für Joachim E. Berendt
Planetentöne, hier Erde mit 97,36 Hz = G - 14 cent
la Boriette, Frankreich. Planetentöne Vol 1, CD 1 Nr. 2, 2001


Der Spieler der Windharfe ist allein der Wind.
Er bringt die Saiten der Windharfe zum Schwingen.

Das Spiel des Windes ist absichtslos – wie die
Formen und Bewegungen der Wolken im Wind.
Der Wind spielt ohne Emotionen,
er braucht kein Pathos,
er drückt nichts aus,
er braucht keine Regeln.
Die Musik des Windes ist zeitlos.
Der Wind zwingt niemandem
irgendwelche Gedanken auf –
er läßt den Zuhörer frei.
In seiner Musik höre ich meine Musik.

In den vorliegenden Aufnahmen wird das Spiel des Windes ohne jede Veränderung oder Korrektur wiedergegeben.

  Nordfriesland 1982


Informationen
zu den einzelnen Aufnahmen

1. TIEFER GESANG
Kräftiger Wind, konstantes Grundbild, heftig angeregte weiße Bilder. Im Hintergrund des Klangbildes ein Singen der Obertöne. Über den Wolken schweben. Sie fliegen wie Fetzen vorbei.

2. STILLE DES MONDES
Aufnahme um Mitternacht. Vollmond. Das Land ist ruhig. Der Wind spielt mit den Saiten, er schüttelt sie. Es ist ein freundlicher Wind, sehr ruhig und gleichmäßig. Er streichelt die Saiten und bringt sie zum Schwingen.

3. WEITES FLIESSEN
Lebendiger Wind, der in die Saiten fährt, dann aber sanft mit ihnen spielt und ihnen das Ausklingen überläßt. Tief im Klangbild das Obertonspiel – die harmonischen Töne des Naturklanges.

4. GRUNDTON
Kräftiger, fließender Wind. In das Bild hineinhören und in der Tiefe den immerwährenden Grundton wahrnehmen. An der Heftigkeit des Windes vorne im Bild auch vorbeihören. Dem Spiel der Obertöne zuhören. Den Grundton mit der Stimme aufnehmen. Mit leichtem Atem singen. Die Stimme leicht bewegen und formen. Die Stimme abheben und wieder in das Windbild einbetten. Auch summen. Vokale singen. Obertöne im Mund bilden.
Während dieser Windaufnahme entstand das Wolkenbild in Nordfriesland 1982 auf dem Deckblatt dieser CD.

5. REGENTROPFEN
Sanfter Wind und leichter Regen. Die Regentropfen dämpfen die Saiten an verschiedenen Stellen. Die Regentropfen bilden Flageolett-Punkte auf den Saiten. Hören der Veränderungen der Farben und der Obertöne tief im Klangbild. Die Regentropfen fallen von den Saiten und geben sie wieder frei.


Informationen
zur Aufnahme und dem Instrument

1976 baute ich das viele Jahrtausende alte chinesische Saiteninstrument Ch’in in einer modernen Form mit einem speziellen Tonabnehmer und einer empfindlichen Elektronik. Dieses Musikinstrument verwandelt sich im Freien in eine Windharfe, die das zarte Spiel des Windes und die leisesten Klänge der Saiten hörbar macht.
Alle Aufnahmen dieser CD entstanden im Sommer 1982 in Nordfriesland auf zwei Windharfen. Sie wurden zunächst für eine Musik-Cassette ausgewählt. Die 5 Bilder des Windes dieser Cassette sind unverändert auf die CD übertragen worden.

WINDHARFEN-AUFNAHME

Für die Aufnahmen verwendete ich zwei Windharfen mit fünf freien Saiten – für das rechte und für das linke Ohr jeweils eine Windharfe.
Mit Hilfe eines speziellen Tonabnehmers und einer sehr em-pfindlichen elektronischen Vorverstärkung wurden auch die feinsten Schwingungen der Saiten hörbar gemacht und anschließend auf Tonband aufgezeichnet.
Bei den vorliegenden Aufnahmen hatten die Saiten eine Länge von 112 cm. Alle Saiten waren auf die Tonhöhe “d” gestimmt. Die Instrumente selbst lagen direkt in der Wiese oder auf Holzböcken oder auf einem Vordach – je nach Windstärke.
Es wurden die fünf besten Aufnahmen ausgewählt.


ZEIT UND ORT

Alle Aufnahmen dieser CD entstanden im August 1982 in Norstedt, Nordfriesland, also in einer Gegend Deutschlands, in der Wind zur Landschaft gehört. Dort gibt es einen Wind, der den ganzen Tag lang sanft bläst. Gerade dieser Wind versteht es, zart mit den Saiten zu spielen und Obertöne aus den freien Saiten hervorzulocken.


ÜBER DIE ABSICHTSLOSIGKEIT DES WINDES

Bewege dich nicht –
Laß den Wind sprechen –
Das ist das Paradies.

Diese Zeilen von Ezra Pound betreffen sehr verdichtet den Gedanken der Absichtslosigkeit, wie er in jeder reinen Kunstform zum Ausdruck kommt.

Es war im Jahr 1974, als wir im “Roten Pfarrhof” in Peterskirchen eine wunderbare Musik hörten. Sie klang wie ein klarer Obertongesang. Wir waren sehr überrascht, da wir zu dieser Zeit mit “Weißem Rauschen” und Filtern an unseren elektronischen “Drachenklängen” arbeiteten.
Das Obertonsingen war zu dieser Zeit kaum bekannt. Wir machten uns auf die Suche nach dem “visionären” Musiker. Wir entdeckten schließlich die Quelle und waren verwundert und irritiert zugleich:
Der Wind spielte auf einem offenen Installationsrohr im Garten des Pfarrhofes. Wir hörten die “klassische” Windorgel, wie sie bereits im Altertum bekannt war. Die Entstehung dieses Instrumentes zeugte von der gleichen Absichtslosigkeit wie die “künstlerische” Qualität der Musik des Windes, einer Musik, wie die Menschen sie kaum komponieren und spielen können.


Historische Anmerkungen
zu den Aufnahmen

 

WINDHARFEN-PROJEKTE

Die ersten Windharfen-Aufnahmen entstanden in Peterskirchen im Chiemgau im Jahr 1972:

Die Klänge des Windes auf der Perlonschnur eines hoch aufgestiegenen Drachens wurden direkt mit Hilfe eines Mikrofons auf Tonband aufgezeichnet.

1975 baute ich Windharfen aus frei-hängenden Saiten, die durch Gewichte gespannt wurden. Tonabnehmer verstärkten die Klänge (Kunstzentrum Neuperlach, München, Engelhorn-Stiftung zur Pflege und Förderung der Kunst).

Zur Eröffnung der Großen Kunstausstellung 1976 in Wasserburg installierte ich 3 Windharfen zur ANHÖRUNG DES WINDES.

Windharfen stellten wir – Ulrike & Dieter Trüstedt

-  auf dem Bücherturm in Gent, Belgien 1977,
-  in München auf dem Jakobsplatz als “Wetterharfen” 1982,
-  in Erlangen bei “Musik zwischen Himmel und Erde” 1982,
-  auf der PHÄNOMENA in Zürich 1984 und
-  in Georgsmarienhütte, Oldenburg 1990 auf.

Weitere Windharfen-Installationen von Dieter Trüstedt:

-  Ulmer Windharfe, Kunstpfad Nr. 40, Universität Ulm, seit 1991
-  Solar-Windharfe, Ulm, Pro Arte, seit 1995
-  Projekte im Klangturm St. Pölten, Österreich
-  Windharfentempelchen. Intragna. Tessin. Schweiz

Siehe hierzu auch die Sites
http://www.luise37.de/windharfe/windharfen.htm


Die ersten Windharfen-Aufnahmen, “Drachenklänge”, Peterskirchen bei Wasserburg, 1972.
Installation (Revox-Tonbandgerät, Mikrofon, Drachen mit Perlonschnur): Wolf-Dieter Trüstedt
Die Klänge des Windes auf "langen Saiten" haben eine andere Qualität: die Obertöne springen heraus, wie beim elektronischen Filtern eines Klangbildes.

Windharfen-Projekt:
ANHÖRUNG DES WINDES
Große Kunstausstellung, Wasserburg, Sommer 1976
Ulrike & Dieter Trüstedt
Die 3 Windharfen sind in den Obertönen 3:4:5 gestimmt. Je nach Windrichtung klingen die Instrumente in diesen Verhältnissen anders. Die Saiten sind an den Kanten der Acrylflächen montiert. Empfindliche Tonabnehmer machen die Klänge hörbar.

        
WETTERHARFE
1982, München, Jakobsplatz, in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
Auf dem Bild das Ch'in-Instrument als Regen- und Wetterharfe. Die Regentropfen rutschen auf den Saiten herunter und spielen dabei Flageolett. Zu sehen sind auf dem Bild die 5 Saiten, die Feinstimmer, die Stege und der Tonabnehmer.

DIE ULMER WINDHARFE
Im Sommer 1991 installierte ich eine Windharfe im Kunstpfad der Universität Ulm. Das Acrylglas-Instrument besteht aus vier unabhängigen Windharfen mit je 8 Bronzesaiten; es umschließt den oberen Teil einer 9 m hohen Stange.
Das Spiel des Windes auf den Saiten kann weltweit und zu jeder Zeit über eine eigene Telefonnummer gehört werden: Telefon: 0049- (0) 731 - 502.2419
In dem abgebildeten englischen Telefonhäuschen, kann die Windharfe vor Ort angehört werden. Diese Dauer-Installation gehört zum Ulmer Kunstpfad
Dieses Kunstobjekt wurde von Digital-Zeit, Dornstadt, gesponsert.


Weitere Windharfen-Installationen siehe
http://www.luise37.de/windharfe/windharfen.htm

Es gibt außerdem eine neue CD von Joachim E. Berendt mit dem Titel "Planetentöne". Die Umlauffrequenzen der Planeten unseres Sonnensystems werden hier mit verschiedenen Instrumenten dargestellt: Michael Vetter, Markus Stockhausen, Claudia Matussek u.a.
Im Volume I dieser CD-Reihe ist von Dieter Trüstedt der Erdenton mit einer Windharfe dargestellt.

Windharfen für den Erdenton. la Boriette 1995.
Dieter Trüstedt