Tag der Lehre 2023

Auf dem Tag der Lehre 2023 diskutierten Lehrende, Studierende und Mitarbeiter*innen der Universität Ulm und darüber hinaus über innovative Lehrkonzepte, Ideen und Erfahrungen rund um das Lehren und Prüfen an der Universität Ulm. Mit einem Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Matthias Wölfel (HS Karlsruhe und Uni Hohenheim) zu KI-Tools in der Lehre lag der Fokus des Tags der Lehre 2023 auch auf der relevanten Frage, wie wir die neuen Möglichkeiten aber auch Herausforderungen, die sich durch ChatGPT & Co. für das Lehren, Lernen und Prüfen ergeben, sinnvoll und gewinnbringend nutzen können. Spannende Einblicke in die Lehre an der Universität Ulm gab es in den Leuchtturm-Vorträgen. Darüber hinaus wurden am Tag der Lehre 2023 die in der zweiten Ausschreibungsrunde der Ulmer Lehrinkubatoren geförderten Projekte bekanntgegeben und vorgestellt. Natürlich blieb wie immer auch viel Gelegenheit zur Diskussion und zum Austausch.


 

Wir freuen uns, dass wir für den Keynote-Vortrag Prof. Dr. Matthias Wölfel gewinnen konnten. Prof. Dr. Matthias Wölfel leitet das Institut für Intelligente Interaktion und Immersive Erfahrung an der Hochschule Karlsruhe (HKA). Neben seiner Professur an der HKA ist er assoziierter Professor an der Universität Hohenheim. Seine Forschungsinteressen umfassen die Mensch-Maschine und Mensch-Maschine-Mensch-Interaktion, Künstliche Intelligenz, Augmented- und Virtual Reality sowie Digitale Kultur. Für seine Lehr- und Forschungstätigkeit wurde Wölfel mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem 2. Platz in der Kategorie Ingenieurwissenschaften/Informatik beim bundesweiten Wettbewerb „Professor des Jahres" der UNICUM Stiftung und 2013 mit dem IKT Innovativ Preis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. 

 


 

Programm

9:00 - 9:15 Uhr
Begrüßung durch Prof. Dr. Dr. Olga Pollatos, Vizepräsidentin für Lehre

Lehrassistenz mit natürlichsprachlicher künstlicher Intelligenz

Konversationsbasierte künstliche Intelligenzen wie ChatGPT oder Bard können anhand kurzer Anweisungen Texte in natürlicher Sprache generieren, zusammenfassen oder paraphrasieren. Dies wirft die Frage auf, welche Auswirkungen und Veränderungen diese neuen Möglichkeiten u.a. in der Hochschullehre hervorrufen. Neben den Risiken, z.B. Generierung von Seminararbeiten, ergeben sich auch vielfältige Chancen, Lernende und Lehrende sinnvoll zu unterstützen. Konversationsbasierte Lehrassistenzsysteme, wie der von der Universität Hohenheim und der Hochschule Karlsruhe entwickelte PET - Pedagogical Conversational Tutor, können Lernende durch natürlichsprachliche Interaktion in Form eines Dialogs bei der Aneignung von Lehrinhalten bedarfsgerecht und individuell unterstützen. Der Vortrag führt in das Thema Lehrassistenzsysteme ein, zeigt ihre Funktionsweise anhand von PET sowie ChatGPT und stellt Anforderungen, Akzeptanz und Nutzung durch Lernende vor.

10:00 - 10:20 Uhr

Kaffeepause

10:20 - 11:55 Uhr: Good Practices, Leuchttürme & Lessons Learned aus der Universität Ulm

Diese Vorträge erwarten Sie:

Prof. Dr. Tina Seufert und das Team der Lehr-Lernforschung
(Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie | Abt. Lehr-Lernforschung)

Die Debatte ob und wofür wir KI in der Lehre einsetzen können und wollen ist in vollem Gange. Die Idee, dass die KI Routinetätigkeiten für uns übernimmt, während wir uns den höherwertigen Aufgaben widmen können, klingt vielversprechend. Aber ist sie auch realistisch?

Verlangen wir nicht zu viel von uns und den Lernenden, wenn wir ab jetzt nur noch an den schwierigsten Lernzielen gemessen werden? Statt simplem Wissenserwerb „dürfen“ wir jetzt vertiefen, verknüpfen, bewerten, analysieren… Das dürfte uns vermutlich nicht in jedem Themenbereich gelingen.

Hinzu kommt, dass wir in jeder Hinsicht die Meta-Perspektive einnehmen müssen:

  • Meta-kognitiv für unser eigenes Lernen und Denken – um z.B. herauszufinden wann ich wo Hilfe brauche oder was ich selbst schon gut kann
  • Meta-KI zur kritischen Reflexion und Evaluation der KI – um z.B. die Plausibilität der gelieferten Ergebnisse zu prüfen und vor allem um die richtigen Fragen zu stellen.

Wir stellen die theoretischen Grundlagen für die hier genannten KI-Kompetenzen vor und geben erste Einblick in unsere Erfahrungen diese zu fördern und zu fordern. Wir berichten von KI-gestützten Lernaufgaben und Möglichkeiten die KI auch in Prüfungen als Tools einzubinden.
 

Keywords: KI, KI-Kompetenz, Metakognition, Selbstreguliertes Lernen

Rüdiger Fiebig & Lydia Jeske
(Stabsstelle Qualitätsentwicklung, Berichtswesen und Revision)

Generative KI-Tools wie z.B. ChatGPT und die Veränderungen, die ihre Nutzung in unserem Alltag mit sich bringen wird, sind seit diesem Jahr verstärkt Teil der gesellschaftlichen Diskussion. Auch auf die Bildungswelt könnten sich durch leistungsfähige KI-Hilfsmittel erhebliche Auswirkungen ergeben, auf die sich die Universität Ulm wird einstellen müssen und aus denen sich ggf. auch Handlungsbedarf ergibt.
Daher hat die Stabsstelle QBR in ihrer jährlichen Studierendenbefragung 2023 auch den Kenntnisstand und die Nutzung von KI-Tools im Studium sowie die damit verbundenen Erfahrungen und Erwartungshaltungen erhoben. So gibt rund die Hälfte der Befragten an, KI-Tools wie z.B. ChatGPT für das Studium bereits schon einmal zumindest ausprobiert zu haben.
Unser Beitrag am Tag der Lehre wird die zentralen Ergebnisse zum Thema KI aus der Befragung vorstellen und soll in der anschließenden Diskussion sowohl Studierenden als auch Lehrenden Raum für den Austausch und die Diskussion der Ergebnisse und der daraus abzuleitenden Folgerungen geben.

Keywords: Nutzung von KI-Tools im Studium, ChatGPT, Künstliche Intelligenz 

Prof. Dr. Ansgar Scherp
(Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Informatik und Psychologie | Data Science and Big Data Analytics)

In research-based and group-based projects (RGPs), students collaboratively or individually work independently on data analysis tasks or advanced application development tasks. In group-based projects, students are organized into teams of four to six participants. The groups plan, design, implement, and evaluate their solutions to the given tasks. The results are documented in scientific papers that adhere to the standards of good scientific practice and technical writing. Similarly, Bachelor's and Master's theses follow this approach, with the submitted theses resembling scientific papers accompanied by technical documentation, e.g., on GitHub.

In this talk, I will present selected results of this approach collected from students over the last 10+ years. The corpus covers results of group work conducted in parallel with lectures, as well as project groups (which run for six or twelve months). In addition to these group-based projects, there are also results from qualification works, i.e., Bachelor's and Master's theses.

We will discuss the contributions to this corpus and reflect on what worked and what did not. We will also take an exemplary look at the different characteristics of the individual contributions, starting from writing a proposal, to submitting the works as formal contributions to modules taught, up to the camera-ready versions of papers peer-reviewed and accepted at international conferences. Some of the works have also received nominations or awards for best papers.

Apart from examples of student submissions, the corpus also contains a regularly updated template for writing a scientific paper in artificial intelligence and machine learning.

The corpus is publicly available at: [https://github.com/data-science-and-big-data-analytics/teaching-examples]

Keywords: corpus, research-based and group-based projects, young scientists

Jasmin Körner1, Dr. Belinda Brack², Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Öchsner² & Dr. Claudia Grab-Kroll³
(Medizinische Fakultät | 1Kompetenzzentrum eEducation in der Medizin Baden-Württemberg | ²Stabsstelle Curriculumsentwicklung | ³Bereich Studium und Lehre)

In einer Zeit, in der die digitale Transformation das Gesundheitswesen durchdringt und digitale Lösungen bei Patientinnen und Patienten immer mehr Akzeptanz finden, ist es unerlässlich, angehende Mediziner*innen frühzeitig mit diesen digitalen Anwendungen vertraut zu machen.
Hierfür wurde an der Medizinischen Fakultät ein Digitalisierungscurriculum für den Studiengang der Humanmedizin erarbeitet. Das Curriculum wird aktuell im Wahlbereich erprobt und soll mittelfristig in das Pflichtcurriculum überführt werden. Es bietet eine breite Palette von Wahlmodulen im ambulanten, stationären und Forschungsbereich. Dies eröffnet den Studierenden die Möglichkeit, ihre Interessen gezielt weiterzuentwickeln und ihre Fähigkeiten im Umgang mit diesen Anwendungen, wie beispielweise KI-basierte Entscheidungsunterstützungssysteme, digitale Gesundheitsanwendungen und medizinische Wearables, zu vertiefen. Durch die innovativen Lehrveranstaltungen werden die Humanmedizinstudierende in die Lage versetzt sich als Vorreiter*innen der digitalen Gesundheitsversorgung zu positionieren und die Zukunft der Medizin aktiv mitzugestalten.

Keywords: digitale Medizin, Digitalisierungscurriculum, Humanmedizin

Dr.med. MUDr. Stefan Lukac, Dr. med. Visnja Fink, Dr. med. Elena Leinert & Dr. med. Davut Dajan
(Medizinische Fakultät | Klinik ür Frauenheilkunde und Geburtshilfe)

In klinisch-orientierten Lehre unserer Klinik liegt der Fokus an dem Vermitteln des multimodalen Behandlungskonzeptes in den konkreten Fallsituationen. Dieses stellte sich bei operativen Therapien erschwert, weil die Lehre und Behandlung der Patientin ununterbrochen parallel stattfinden.
Um Wissen über Endometriose zu erweitern, bieten wir seit dem Wintersemester 2022 ein Wahlfach an, das auf einem trimodalen Konzept basiert. In dem theoretischen Teil (Seminare) werden Relevanz, Diagnostik und Therapie der Erkrankung diskutiert. Im ersten praktischen Teil (Ambulanz) treffen sich die Studierenden mit den Patientinnen, partizipieren an der Untersuchung und lernen die Erstellung des Behandlungsplanes. In der letzten Modalität (OP) können die Studierende live an der individualisierten chirurgischen Therapie der Endometriose teilnehmen und somit das Konzept der Behandlung finalisieren.
Im Gegenteil zu Endometriose erfolgt beim Mammakarzinom häufig in den Grundprinzipien ein standardisiertes therapeutisches Vorgehen, insbesondere die operative Therapie wie Brusterhaltende Tumorresektion oder Mastektomie. Diese stellen komplexe Operationen dar, an den auch die Studierende partizipieren. Damit deren Lerneffekt augmentiert werden könnte, planen wir ein präoperatives Briefing. Dabei können sich die Studierende ein kurzes Video der Operation mit Kommentaren über die operativen Schritte anschauen, um diese später bei der Operation wieder zu erkennen und somit den Lerneffekt unterstützten.
Zusammenfassend stellt eine klinisch orientierte Lehre im operativen Alltag eine Herausforderung dar. Allerdings können bereits kleine Veränderung einen großen Effekt.

Keywords: Operative Lehre, Trimodales Konzept, Präoperatives Briefing

11:55 - 12:55 Uhr
Mittagspause mit Probe-Feueralarm ;-)

12:55 - 13:15 Uhr: Good Practices, Leuchttürme & Lessons Learned aus der Universität Ulm

Dieser Vortrag erwartet Sie:

Dr. Melina Klepsch, Steffen Moser & Susanne Hummel
(School of Advanced Professional Studies)

Seit Jahren werden am Tag der Lehre an der Universität Ulm Good Practice Beispiele aus der Lehre vorgestellt, diskutiert und angenommen. Aber wie sieht es mit der Weiterbildung aus, wie kann diese gute Lehre auch berufsbegleitend Studierenden angeboten werden? Die School of Advanced Professional Studies (SAPS) ist das Zentrum für berufsbegleitende wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm und der Technischen Hochschule Ulm. Wir zeigen Ihnen als Lehrende den Weg zu uns an die SAPS. Erfahren Sie, wie ein modulares, berufsbegleitendes Studium an der Universität Ulm abläuft und gehen Sie mit uns folgenden Fragen auf den Grund: Wie stellen wir den Studierenden die Inhalte zur Verfügung? Wie schaffen wir es gemeinsam mit unseren Dozierenden die Motivation über das gesamte Semester hoch zu halten, wenn mindestens 80% als Selbststudium und höchstens 20% in Form von synchronen Veranstaltungen stattfinden? Was kann der virtuelle Schreibtisch und welche Komponenten enthält er um Weiterbildung im Blended Learning Format zugänglich zu machen? Wir beantworten diese und weitere Fragen rund um ein berufsbegleitendes Studium an der Universität Ulm. Aber vor allem möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben zu erfahren, dass es sich lohnt sich mit dem Thema wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Ulm zu beschäftigen. Sie haben schon eine Idee wie Sie Teile Ihrer grundständigen Lehre auch in der Weiterbildung anbieten könnten, haben aber kaum zusätzliche Kapazitäten? Wir unterstützen Sie! Egal ob bei der Medienproduktion, der Kurserstellung oder der Organisation von Präsenzveranstaltungen. Lernen Sie uns kennen!

Keywords: Weiterbildung, berufsbegleitend, SAPS

13:15 - 13:45 Uhr
Ulmer Lehrinkubatoren: Vorstellung und Ehrung der geförderten Projekte der zweiten Ausschreibungrunde

Mit den Ulmer Lehrinkubatoren fördert die Universität Ulm ab 2023 innovative Lehrideen und -konzepte. Die großzügige finanzielle Ausstattung dieser universitätsinternen Förderung soll Lehrenden die Freiräume ermöglichen, ihre Konzepte zur Umsetzung zu bringen. Der stetige Austausch unter den Geförderten sowie die begleitende Beratung durch das Zentrum für Lehrentwicklung unterstützen sie in diesem Prozess. In der zweiten Ausschreibungsrunde wurden zwei Projekte gefördert, die sich auf dem Tag der Lehre 2023 kurz vorstellen.

Geförderte Projekte in der zweiten Ausschreibungsrunde im Herbst 2023

Prof. Dr.-Ing. Robert Güttel & Dr.-Ing. Jens Friedland
(Fakultät für Naturwissenschaften | Institut für Chemieingenieurwesen

Das Lehrinkubatorprojekt zielt auf die Entwicklung eines Pilotmodells ab, das die Heterogenität der Studierenden bezüglich Lernkultur und vorhandenem Wissen in einem internationalen Masterstudiengang ausgleichen soll. Dafür wird eine Lehrveranstaltung aus dem internationalen Masterstudiengang ‚Chemical Engineering‘ gewählt, die sich besonders eignet und für die schon fundierte Erfahrungen mit dem Einsatz innovativer Lehrmethoden vorliegen. Insbesondere ist eine Kombination aus Portfolio-Prüfung und Bewertung im Peer-Review-Verfahren mit Kleingruppenarbeit vielversprechend, die individuell passende und feedback-orientierte Lernangebote gestattet. Zu dem Grundkonzept liegen aus dem SoSe 2023 bereits erste konkrete Erfahrungen vor, die im Rahmen des Projektes weiterentwickelt werden sollen.

Prof. Dr. Rebekka Hufendiek, Dr. Katja Springer & Roman Yaremko, PhD
(Humboldt-Zentrum, Department für Geisteswissenschaften)

Beim Modul Informatik und Gesellschaft handelt es sich um ein interdisziplinäres und innovatives Veranstaltungsformat, in dem a) grundlegende Argumentationskompetenzen, b) Sensibilität für gesellschaftlich relevante Themen in der Informatik und c) in diesem Bereich relevante ethische Begriffe und Fähigkeiten (Autonomie, Sicherheit, Verantwortung usw., Abwägen von Werten, Begründung von ethischen Annahmen etc.) erlernt und aktiv eingeübt werden. Hierfür gliedert sich die Veranstaltung in Vorlesung und Klausur sowie Podiumsdiskussion und Reflexionsbericht. Bei den Podiumsdiskussionen sollen die Studierenden in verteilten Rollen mit Expert:innen aus dem Fach (KI und automatisierte Entscheidungsfindung, Datenschutz, Nachhaltigkeit, Demokratie und Social Media, digitale Teilhabe, Militärtechnologie etc.) ins Gespräch kommen und abschließend ihre Argumente in einem Reflexionsbericht zusammen fassen.

13:45 - 15:15 Uhr
World Café: Diskussionen an Thementischen zu KI in der Lehre in entspannter Kaffee-Runde

Im World Café werden in entspannter Atmosphäre an Thementischen 45 Minuten lang verschiedene Fragen zu KI-Tools in der Hochschullehre diskutiert. Hier können offene Fragen eingebracht, von persönlichen Erfahrung berichtet und Ideen zur Diskussion gestellt werden. Während des World Café können die Teilnehmenden frei wählen, an welchen Thementischen Sie mitdiskutieren möchten. Moderator*innen an den Thementischen notieren Ihre Diskussionsbeiträge direkt auf die "Tischdecke" und stellen im Plenum eine Zusammenfassung vor. Natürlich dürfen auch die Teilnehmenden selbst zu den Stiften greifen.

Nach einer kurzen Pause, in der Sie gerne bei Kaffee und Kuchen weiter disktutieren dürfen, stellen die Moderator*innen der Thementische im World Café ab 14:45 Uh die Ergebnisse der Diskussionen im Hörsaal vor. Zum Abschluss des Tags der Lehre eröffnen wir noch einmal die Diskussion im Plenum.