Flow-Erleben

In der Analyse intrinsischer Motivation (d.h. der Beschäftigung mit einer Tätigkeit, die aus sich heraus als belohnend wahrgenommen wird) stellt das Phänomen des Flow-Erlebens einen wichtigen Gegenstand dar. Unter Flow-Erleben wird dabei das tiefe, (selbst-)reflexionsfreie Aufgehen in einer Tätigkeit, bei hohem Engagement, hoher Konzentration und starkem Gefühl der Kontrolle über den Tätigkeitsverlauf verstanden. Im Flow-Zustand kommt es zudem typischerweise zu einem veränderten Zeiterleben: die Zeit scheint still zu stehen (Unterschätzung der Dauer der Tätigkeit).

Als zentrale Randbedingung des Flow-Erlebens gilt das Vorliegen einer wahrgenommenen Passung zwischen den Anforderungen der Tätigkeit und dem Fähigkeitsniveau der Person.

Flow-Erleben kann demnach nur bei aktiven Tätigkeiten auftreten, die einen Fähigkeitsaspekt beinhalten (also nicht bei passiven Tätigkeiten wie dem Betrachten eines Sonnenuntergangs).

In unserer Forschung zum Flow-Erleben haben wir mehrere neue experimentelle Paradigmen entwickelt, um die Kausalannahmen der Flow-Theorie (speziell die Passungs-Hypothese) zu prüfen. Darüber hinaus haben wir uns der Analyse kritischer Randbedingungen des Flow-Erlebens gewidmet und dabei spezifische Persönlichkeitsmerkmale (Handlungsorientierung; internale Kontrollüberzeugung) sowie situative Bedingungen (Selbstaufmerksamkeit) als relevante Faktoren identifiziert. Schließlich haben wir auch Korrelate und Konsequenzen des Flow-Erlebens in die Betrachtung einbezogen und dabei u.a. physiologische Indikatoren berücksichtigt (Kortisol als Stress-Indikator; Herzratenvariabilität als Indikator mentaler Belastung). Unsere Befunde stützen die Grundannahmen der Flow-Theorie (insbesondere die Passungs-Hypothese), stellen allerdings die relativ einseitig positive Darstellung des Flow-Zustands in Frage.  Denn unsere Studien belegen, dass Personen im Flow-Zustand ein erhöhtes Stresserleben sowie hohe mentale Belastung aufweisen.

Referenzen

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Keller, J. & Blomann, F. (2008). Locus of control and the flow experience: An experimental analysis. European Journal of Personality, 22, 589-607.

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Keller, J., Bless, H., Blomann, F. & Kleinböhl, D. (2011). Physiological aspects of flow experiences: Skills-demand-compatibility effects on heart rate variability and salivary cortisol. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 849-852.

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Keller, J. & Landhäußer, A. (2011). Im Flow sein: Experimentelle Analysen des Zustands optimaler Beanspruchung. Psychologische Rundschau, 62, 213-220.

Keller, J. & Landhäußer, A. (2012). The flow model revisited. In S. Engeser (Ed.), Advances in flow research (pp-51-64). Berlin: Springer.

Landhäußer, A. & Keller, J. (2012). Components and consequences of flow experiences. In S. Engeser (Ed.), Advances in flow research (pp. 65-85). Berlin: Springer.

Ulrich, M., Keller, J., Hönig, K., Waller, C., & Grön, G. (2014). Neural correlates of experimentally induced flow experiences. NeuroImage, 86, 194-202.

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