Abschlussarbeiten

Zu den folgenden Themen sind Abschlussarbeiten möglich:


Psychophysiologische Analyse des Flow-Erlebens (Betreuer: Johannes Keller, Michael Wagner)

„Im Flow sein“ - das tiefe Versunkensein bzw. das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit - ist ein scheinbar erstrebenswerter Zustand, der in der psychologischen Ratgeber-Literatur zunehmend als Rezept für ein erfülltes Leben angepriesen wird. Die zugrundeliegende Flow-Theorie geht dabei davon aus, dass Flow dann entstehen kann, wenn eine Passung zwischen den Anforderungen einer Tätigkeit und den Fähigkeiten einer Person besteht. In einer experimentellen Studie soll untersucht werden, welche psychophysiologischen Merkmale den Zustand des Flow-Erlebens kennzeichnen. Dabei wird ein gut erprobtes experimentelles Paradigma verwendet, durch das Personen in den Flow-Zustand versetzt werden können. Parallel werden verschiedene psychophysiologische Parameter erfasst (z.B. Hautleitwiderstand, kardiovaskuläre Parameter wie Herzrate, Blutdruck und Impedanz, endokrinologische Indikatoren wie Kortisol etc.). Erste Studien belegen, dass der Flow-Zustand mit potentiell problematischen physiologischen Reaktionen einhergeht (ähnlich wie in Situationen starker Belastung). Insofern muss vermutlich die einseitig positive Darstellung des Flow-Zustands in der relevanten Fachliteratur relativiert werden. Um diesbgzl. eine substantielle Einschätzung zu ermöglichen, sind jedoch noch systematische weitere Studien und relevante Analysen erforderlich.

Relevante Literatur:

Keller, J., Bless, H., Blomann, F. & Kleinböhl, D. (2011). Physiological aspects of flow experiences: Skills-demand-compatibility effects on heart rate variability and salivary cortisol. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 849-852.

Keller, J., & Landhäußer, A. (2011). Im Flow sein: Experimentelle Analysen des Zustands optimaler Beanspruchung. Psychologische Rundschau, 62, 213-220.

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer.

Ulrich, M., Keller, J., Hönig, K., Waller, C., & Grön, G. (2014). Neural correlates of experimentally induced flow experiences. NeuroImage.

 

Flow-Erleben im Alltag:  Vergleich von Experience Sampling und Day Reconstruction Method (Betreuer: Johannes Keller, Michael Wagner)

„Im Flow sein“ - das tiefe Versunkensein bzw. das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit - ist ein scheinbar erstrebenswerter Zustand, der in der psychologischen Ratgeber-Literatur zunehmend als Rezept für ein erfülltes Leben angepriesen wird. Die zugrundeliegende Flow-Theorie geht dabei davon aus, dass Flow dann entstehen kann, wenn eine Passung zwischen den Anforderungen einer Tätigkeit und den Fähigkeiten einer Person besteht. Im Rahmen einer Untersuchung von Episoden aus dem alltäglichen Leben der Studienteilnehmer/innen sollen in dieser Studie Befunde aus zwei prominenten Verfahren zur Erhebung von Alltagsepisoden verglichen werden, wobei inbesondere das Auftreten des Flow-Erlebens in den Episoden im Mittelpunkt der Betrachtung steht.

Literatur:

Csikszentmihalyi, M., & Hunter, J. (2003). Happiness in everyday life: The uses of experience   sampling. Journal of Happiness Studies, 4, 185-199.

Kahneman, D., Krueger, A. B., Schkade, D. A., Schwarz, N. & Stone, A. (2004). A survey method for characterizing daily life experience: The day reconstruction method. Science, 306, 1776-1780.

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer.

 

Einfluss von Stimmung auf das Erleben von Flow (Betreuer: Michael Wagner, Johannes Keller)

Auf korrelativer Ebene findet man robuste Zusammenhänge zwischen Flow-Erleben und positiver Stimmung (z.B. Rheinberg et al. 2007, Schüler, 2007). Allerdings gibt es wenige Befunde, die diesen Zusammenhang experimentell untersucht haben. Keller et al. (2011) fanden keine Hinweise dafür, dass eine Passung von Anforderung und Fähigkeit zu einer Stimmungsveränderung führt. Harmat et al. (2015) konnten dagegen zeigen, das eine Passung von Anforderung und Fähigkeit mit einer besseren Stimmung einhergeht. Ob das Vorliegen eines bestimmten Stimmungsmusters (niedriger negativer Affekt, moderater/hoher positiver Affekt) essenziell ist, um Flow erleben zu können, wurde bislang nicht untersucht. Erste Hinweise für diese Idee stammen von Studien, die zeigen, dass Personen, die depressive Symptome aufweisen, weniger Flow erleben. Depressive Symptome gehen typischerweise mit vermindertem positiven und vermehrtem negativen Affekt einher. Hiervon ausgehend kann die Hypothese formuliert werden, dass eine experimentelle Induktion von negativem Affekt (im Vergleich zu positivem Affekt) mit vermindertem Flow-Erleben einhergehen sollte. Eine Alternativhypothese lässt sich aus Befunden ableiten, die zeigen, dass Flow-Erleben typischerweise mit einer Bottom-Up-Verarbeitung einhergeht (Keller et al., 2011). Dieser Verarbeitungsstil tritt eher bei einer negativen, als bei einer positiven Stimmungslage auf. Um den Zusammenhang von Flow-Erleben und Stimmung und dessen kausale Richtung besser zu verstehen, sind Studien erforderlich, in denen Stimmung auf unterschiedliche Art und Weise experimentell manipuliert und in Zusammenhang mit dem Erleben von Flow gebracht wird.

 

Literatur:

 

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer.

Landhäußer, A., & Keller, J. (2012). Flow and its affective, cognitive and performance-related consequences. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 65-85). New York: Springer.

 

Psychosis proneness (disintegration) als basale Persönlichkeitsdimension (Betreuer: Johannes Keller)

Disintegration wird als grundlegende Persönlichkeitseigenschaft angenommen, die jedoch von den so genannten Big Five Persönlichkeitsfaktoren abzugrenzen ist (Knežević et al., 2016).  Nach Knežević et al. (under review) beinhaltet der Faktor Disintegration neun Facetten, darunter Paranoia, somatische Dysregulation und Wahrnehmungsverzerrungen. In einer Reihe von Studien sollen  die Zusammenhänge des erst kürzlich in der Persönlichkeitsforschung etablierten Konstrukts Disintegration mit den folgenden Merkmalen bzw. Verhaltenstendenzen korrelativ sowie experimentell untersucht werden:

(1) Big Five Persönlichkeitseigenschaften
(2) Vorurteilstendenzen
(3) Einsamkeit (Loneliness)
(4) Subjektives Wohlbefinden

Literatur:

Ekehammar, B. & Akrami, N. Gylje, M., & Zakrisson, I. (2004). What matters most to prejudice: Big Five personality, social dominance orientation, or right-wing authoritarianism? European Journal of Personality, 18, 463-482.

Hawkley, L.C., Burleson, M.H., Berntson, G.G., & Caciopppo, J. T. (2003). Loneliness in everyday life: Cardiovascular activity, psychosocial context, and health behaviors. Journal of Personality and Social Psychology, 85, 105–120.

Knežević, G., Lazarević, L.,  Bosnjak, M., Purić, D., Petrović, B., Teovanović, P., Opačić, G., & Bodroža, B. (2016). Towards a personality model encompassing a Disintegration factor separate from the Big Five traits: A meta-analysis of the empirical evidence. Personality and Individual Differences, 95, 214-222.

Knežević, G., Savić, D., Kutlešić, V., & Opačić, G. (2016). A reconceptualization of psychosis proneness as a personality trait named disintegration:  Cross-validation and relations with the five-factor model. (Manuscript submitted for publication).

 

Psychologischer Essentialismus: Der Glaube an metaphysischen Determinismus (Betreuer: Johannes Keller)

Viele Menschen haben die Überzeugung verinnerlicht, dass Menschen durch einen essentiellen Wesenskern in ihrem Verhalten und ihren Eigenschaften bestimmt sind. So glauben viele Personen daran, dass die genetische Ausstattung das Verhalten und die Merkmale von Menschen direkt bestimmen (Glaube an genetischen Determinismus). Ebenso ist der Glaube weit verbreitet, dass Menschen einen sozial geprägten Wesenskern besitzen, der ihr Verhalten und ihre Merkmale bestimmt (Glaube an sozialen Determinismus). Diese Überzeugungen spiegeln die Ansicht wider, dass es so etwas wie einen essentiellen Wesenskern gibt (genetische Ausstattung; sozial geprägter Charakter), der Menschen zu dem macht was sie sind und tun. In der Sozialpsychologie werden solche Überzeugungen unter dem Begriff des psychologischen Essentialismus behandelt.

In dieser Studie soll nun ein dritte Variante essentialistischer Überzeugungen untersucht werden: Der Glaube an metaphysischen Determinismus, der sich darin äußert, dass das zugrunde liegende Wesen von Menschen bzw. sozialen Gruppen als Resultat übernatürlicher oder göttlicher Kräfte aufgefasst wird. In einem ersten Schritt soll dabei eine Skala validiert werden, die den Glauben an metaphysischen Determinismus erfasst. Dazu werden in einer Befragung relevante Konstrukte erfasst (z.B. Vorurteile, Neigung zu stereotypem Denken und Urteilen), um die konvergente, diskriminante und inkrementelle Validität des neuen Instrumentes zu überprüfen.

Literatur:

Keller, J. (2005). In genes we trust: The biological component of psychological essentialism and its relationship to mechanisms of motivated social cognition. Journal of Personality and Social Psychology, 88. 686-702.

Rangel, U. & Keller, J. (2011). Essentialism goes social: Belief in social determinism as a component of psychological essentialism. Journal of Personality and Social Psychology, 100, 1056-1078.

 

Soziale Dilemmasituationen (Betreuer: Stefan Pfattheicher)

Soziale Dilemmasituationen sind Situationen, in denen Menschen von ihrem egoistischen Verhalten profitieren, die Gemeinschaft allerdings gleichzeitig geschädigt wird. Ein intuitives Beispiel ist die Problematik der Überfischung der Meere. Ein einzelner Fischer hat einen Anreiz, sehr viele Fische zu fangen (d.h., sich egoistisch zu verhalten). Verhalten sich aber viele Fischer auf diese Art kommt es zu einer Überfischung der Meere, sodass für die Gemeinschaft insgesamt weniger Fische verfügbar sind. Bisherige Forschung hat nun eindrücklich zeigen können, dass die Sanktionierung (d.h., die Bestrafung) von egoistischen Akteuren in sozialen Dilemmasituationen kooperatives substantiell Verhalten fördert. Doch nicht nur unkooperative Akteure werden bestraft. Ein geringer Teil der Bestrafung entfällt auch auf kooperative Akteure. In unserer Forschung untersuchen wir  Einflussfaktoren und situationale Voraussetzungen für die Bestrafung unkooperativer und kooperativer Akteure.

Relevante Literatur:

Pfattheicher, S., & Keller, J. (in press). Towards a biopsychological understanding of costly punishment: The role of basal cortisol. PLOS ONE.

Pfattheicher, S., Landhäußer, A., & Keller, J. (in press). Individual differences in antisocial punishment in public goods situations: The interplay of cortisol with testosterone and dominance. Journal of Behavioral Decision Making.

Pfattheicher, S. & Keller, J. (2013). Vigilant self-regulation and costly punishment in public goods situations. European Journal of Personality, 27, 346-354.

Pfattheicher, S., & Schindler, S. (2015). Understanding the dark side of costly punishment: The impact of individual differences in everyday sadism and existential threat. European Journal of Personality, 29, 498-505.

 

Validität von Messverfahren für Händehygieneverhalten im Klinikalltag  (Betreuung: Svenja Diefenbacher)

Händehygiene im Klinikalltag ist ein menschliches Verhalten mit großen praktischen Implikationen. Mangelnde Händehygiene ist eine der maßgeblichen Ursachen für nosokomiale, d.h. im Krankenhaus erworbene Infektionen (Allegranzi & Pittet, 2009), von denen in Deutschland jährlich bis zu 1 Millionen PatientInnen betroffen sind (Walger et al., 2013). Die Folgen reichen von verlängerten Krankenhausaufenthalten mit erheblichen Therapiekosten bis hin zum Tod in ca. 2-7% der Fälle (ibd.). Die Verbesserung der Händehygiene-Compliance ist daher eines der wichtigsten Themen in der Krankenhaushygiene, was sich in einer großen Bandbreite an Studien zu Händehygiene und Händehygiene-Compliance widerspiegelt (Erasmus et al., 2010; Huis et al., 2012).

Grundlage für die erfolgreiche Bestimmung von Einflussfaktoren oder die Evaluation von Interventionsstudien ist eine saubere Messung des Händehygieneverhaltens. Die direkte Verhaltensbeobachtung hat in der Händehygiene-Forschung eine lange Tradition und wird als Goldstandard gesehen (WHO, 2009). Allerdings ist die direkte Beobachtung nicht frei von Verzerrungen (Diefenbacher et al., 2016; Sax et al., 2009) und wird vielfach ohne ausreichende Reflektion angewendet. Die Erprobung weiterer Messverfahren wie spezielle Selbstberichtsverfahren (z.B. DRM, ESM) oder videobasierte Beobachtung bei genauer Abstimmung auf die jeweilige Forschungsfrage ist daher von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Infektionsprävention (vgl. Diefenbacher et al., 2016).

Vor diesem Hintergrund sind mehrere messmethodische Themen für Abschlussarbeiten möglich, welche jeweils die Konzeption, Durchführung und Auswertung einer Studie zur Erprobung und/oder Validierung einzelner Verfahren zur Erfassung von Händehygieneverhalten beinhalten.

Literatur:

Allegranzi, B., & Pittet, D. (2009). Role of hand hygiene in healthcare-associated infection prevention. Journal of Hospital Infection, 73, 305-315.

Diefenbacher, S., Siegel, A., & Keller, J. (2016). Verfahren zur Erfassung des Händehygieneverhaltens - Eine methodische Betrachtung aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive. Hygiene & Medizin, 41, D105-D119.

Erasmus, V., Daha, T. J., Brug, H., Richardus, J. H., Behrendt, M. D., Vos, M. C., & van Beeck, E. F. (2010). Systematic review of studies on compliance with hand hygiene guidelines in hospital care. Infection Control & Hospital Epidemiology, 31, 283-294.

Huis, A., van Achterberg, T., de Bruin, M., Grol, R., Schoonhoven, L., & Hulscher, M. (2012). A systematic review of hand hygiene improvement strategies: a behavioural approach. Implementation Science, 7, 92-105.

Sax, H., Allegranzi, B., Chraïti, M. N., Boyce, J., Larson, E., & Pittet, D. (2009). The World Health Organization hand hygiene observation method. American journal of infection control, 37, 827-834.

Walger, P., Popp, W., & Exner, M. (2013). Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013. Hygiene & Medizin, 38, 329-338.

WHO (2009). WHO guidelines on hand hygiene in health care: First global patient safety challenge. Clean care is safer care. Geneva: WHO 2009.

 

Anwendungsforschung zu Händehygiene im Gesundheitswesen: Einflussfaktoren und Maßnahmen zur Erhöhung der Händehygiene-Compliance (Betreuung: Svenja Diefenbacher)

Mangelnde Hygiene, insbesondere mangelnde Händehygiene, stellt nach wie vor eine zentrale Ursache für die Infektion mit lebensbedrohlichen Keimen in deutschen Krankenhäusern dar. Die Schätzungen zur Inzidenz nosokomialer Erkrankungen gehen von bis zu 1 Millionen Infektionen pro Jahr aus, von denen 2 – 7% tödlich enden (Walger, Popp & Exner, 2013). Die Wirksamkeit von Händehygiene zur Prävention von Keimübertragung und somit zur Primärprävention von Infektionen konnte empirisch gut belegt werden (Backman, Zoutman & Marck, 2008). Obwohl diese Fakten bei medizinischem Fachpersonal hinlänglich bekannt und akzeptiert sind, weist das tatsächlich gezeigte Händehygieneverhalten vielfach Lücken auf (Kampf & Löffler, 2007). Die Analyse relevanter Einflussfaktoren auf das Händehygieneverhalten besitzt daher höchste Wichtigkeit.

Im Rahmen einer Bachelorarbeit können unterschiedliche Aspekte psychologischer Grundlagenforschung für das Thema Händehygiene im Gesundheitswesen nutzbar gemacht werden und theoretisch viel versprechende Einflussfaktoren empirisch auf ihre Relevanz hin überprüft werden. Einen Schwerpunkt unserer bisherigen Forschung stellte beispielsweise die implizite Einstellung zur Händehygiene als Einflussfaktor auf das Händehygieneverhalten dar (vgl. Diefenbacher, Sassenrath, Siegel et al., 2012). Der Einfluss von Gewohnheit (habits, vgl. Verplanken & Orbell, 2003) und Vorsätzen (implementation intentions, Gollwitzer, 1999) auf das Händehygieneverhalten sind weitere mögliche Themen.

Literatur:

Backman C., Zoutman D.E., Marck P.B. (2008). An integrative review of the current evidence on the relationship between hand hygiene interventions and the incidence of health care-associated infections. American Journal of Infection Control, 36: 333–348.

Diefenbacher, S., Sassenrath, C., Siegel, A., Grünewald, M., & Keller, J. (2012). Implizite Einstellung zur Händehygiene als relevanter Prädiktor von Händehygieneverhalten. Hygiene & Medizin, 37: 448–455.

Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493–503.

Kampf, G., & Loeffler, H. (2007). Prevention of irritant contact dermatitis among health care workers by using evidence-based hand hygiene practices: a review. Industrial Health, 45, 645–652.

Verplanken, B., & Orbell, S. (2003). Reflections on Past Behavior: A Self‐Report Index of Habit Strength. Journal of Applied Social Psychology, 33, 1313–1330.

Walger, P., Popp, W., & Exner, M. (2013). Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013. Hygiene & Medizin, 38, 329–338.

 

Empathie und Perspektivenübernahme (Betreuung: Claudia Sassenrath)

Empathie wird häufig als Überbegriff verwendet und bezieht sich auf alle Reaktionen eines Individuums auf die beobachtbaren Erfahrungen/Reaktionen eines anderen Individuums. Es wird hierbei allerdings eine kognitive Komponente (Perspektivenübernahme) von einer affektiven Komponente (Mitgefühl) unterschieden. Perspektivenübernahme bezeichnet den (kognitiven) Prozess des Imaginierens der Sichtweise einer anderen Person – was denkt/fühlt diese Person, wohingegen Mitgefühl impliziert, dass eine affektive Verbindung zu einer anderen Person aufgebaut wird – es werden die Emotionen der anderen Person mitgefühlt. Sowohl Perspektivenübernahme als auch Mitgefühl gelten als zentrale Kompetenz für harmonische soziale Interaktionen und Kommunikation. So zeigen verschiedene Studien dass die Übernahme der Perspektive einer Person, die einer Minderheit angehört, Vorurteile gegenüber dieser Minderheit reduziert. Mitgefühl mit anderen Personen, insbesondere Leidenden, erhöht die Bereitschaft, Hilfeverhalten zu zeigen. Allerdings gibt es neuere Studien, die diese positiven Effekte einschränken. In unsere Forschung beschäftigen wir uns damit, unter welchen Umständen Mitgefühl und Perspektivenübernahme zu positiven und unter welchen Bedingungen zu negativen Konsequenzen führen. Hierbei werden unterschiedliche Moderatoren berücksichtigt, z.B. die Gruppenmitgliedschaft oder die erlebten Emotionen des targets von Perspektivenübernahme/Mitgefühl sowie der Kontext, in dem Perspektivenübernahme oder Mitgefühl gezeigt werden soll. Außerdem untersuchen wir mittels psychophysiologischer Messmethoden, mit welchen körperlichen Reaktionsmustern Perspektivenübernahme/Mitgefühl einhergeht.

Sassenrath, C., Hodges, S. D., & Pfattheicher, S. (in press). It's all about the self: When perspective taking backfires. Current Directions in Psychological Science.

Pfattheicher, S., Sassenrath, C., & Schindler, S. (in press). Feelings for the suffering of others and the environment: Compassion fosters proenvironmental tendencies. Environment and Behavior.

Sassenrath, C., Diefenbacher, S., Siegel, A., & Keller, J. (2016). A person-oriented approach to hand hygiene behavior: Emotional Empathy Fosters Hand Hygiene Practice. Psychology & Health, 31, 205-227.

Olderbak, S., Sassenrath, C., Keller, J., & Wilhelm, O. (2014). An emotion-differentiated perspective on empathy with the emotion specific empathy questionnaire. Frontiers in Psychology, 5, 653.

Sassenrath C, Sassenberg K, Ray DG, Scheiter K, Jarodzka H (2014). A Motivational Determinant of Facial Emotion Recognition: Regulatory Focus Affects Recognition of Emotions in Faces. PLoS ONE 9(11): e112383. 3

Sassenrath, C., Sassenberg, K., & Scholl, A. (2014). From a distance…: The impact of approach and avoidance motivational orientation on perspective taking. Social Psychological and Personality Science, 5, 18-26.

Sassenrath, C., Sassenberg, K., & Semin, G. R. (2013). Cool, but understanding… Experiencing cooler temperatures promotes perspective taking performance. Acta Psychologica, 143, 245-251.

 

Einfluss von Werte auf das Erleben von Situationen im Alltag (Betreuung: Rebekka Kesberg)

Universelle menschliche Werte können als abstrakte transsituationale kognitive Repräsentation von erstrebenswerten Zielen, die als Leitlinien im Leben dienen, definiert werden. Das Schwartz Wertemodell postuliert 10 universelle, motivational verschiedene Werte, die auf zwei Hauptdimensionen angeordnet werden können: Selbststärkung vs. Selbsttranszendenz sowie Offenheit für Veränderung vs. Bewahrung des Bestehenden. Bisherige Forschung konnte zeigen, dass bestimmte Werte unter anderem auf prosoziales Verhalten in sozialen Dilemmasituationen sowie politische Einstellungen und Wahlverhalten beeinflussen können. In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, ob und inwieweit sich Werte auch auf das Erleben und Verhalten von Alltagssituationen auswirken. Zudem untersuchen, welche Faktoren zu kurzfristigen als auch dauerhaften Veränderungen in persönlichen Werten führen (z.B. Auslandsaufenthalten).

Zudem zeigt sich, dass über verschiedene Kulturen hinweg die gleiche relative Anordnung der Wichtigkeit der Werte existiert (z.B. wird Benevolence in jeder Kultur die höchste Priorität gegeben), während man große Unterschiede in der absoluten Wichtigkeit der Werte findet. Daher möchten wir auch untersuchen, ob sich im Einfluss von Werten auf Alltagsverhalten kulturelle Unterschiede zeigen.

Bardi, A., & Schwartz, S. H. (2003). Values and behavior: Strength and structure of relations. Personality and social psychology bulletin, 29(10), 1207-1220.

Schwartz, S. H. Basic Human Values: An Overview.

Schwartz, S.H., & Bardi, A. (2001). Value Hierarchies Across Cultures: Taking a Similarities Perspective. Journal of Cross-Cultural Psychology (32) 268-290.