Themenschwerpunkt: Psychologie & Ernährung

Vision 1: Wir schaffen Wissen, das nährt – Körper, Geist & Seele
 

Die Ernährung stellt einen fundamentalen, jedoch in Forschung und Praxis noch immer unterschätzten Einflussfaktor für psychische Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und menschliches Verhalten dar. Aktuelle Forschung an der Schnittstelle von Ernährungswissenschaften, Psychologie, Medizin und Neurowissenschaften untersucht, wie metabolische, neurobiologische und psychische Prozesse durch Ernährung moduliert werden und wie sich dies auf unser Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Handeln auswirkt.
Ein Schwerpunkt liegt auf der psychischen Gesundheit, insbesondere auf Mechanismen der Stressresilienz und Emotionsregulation. Untersucht wird, inwiefern Nährstoffverfügbarkeit, Blutzuckerregulation, entzündliche Prozesse und hormonelle Stressachsen (z. B. die HPA-Achse) zur Vulnerabilität oder Stabilität gegenüber psychischen Belastungen beitragen. Insbesondere bei erhöhten Belastung durch chronischen oder traumatischen Stress kann Ernährung wesentlich zur Aufrechterhaltung der Gesundheit sowie zur Regeneration beitragen. Gegenstand unserer Forschung ist es zu untersuchen, wie ernährungsbezogene Interventionen präventive und therapeutische Effekte entfalten und wie deren Umsetzung durch Patientinnen und Patienten im Alltag gelingen kann.
Im Bereich Leistung und Kognition wird untersucht, wie Ernährung neuronale Informationsverarbeitung und damit Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen beeinflusst. Besondere Aufmerksamkeit gilt der multimodalen Wahrnehmung, da sensorische Integration und Körperwahrnehmung eng mit metabolischen Zuständen und dem subjektiven Erleben von Energie, Müdigkeit oder Sättigung verknüpft sind. Diese Prozesse werden im Zusammenhang mit Wohlbefinden, Interozeption und Embodiment betrachtet.
Ein zentraler Forschungsbereich befasst sich mit dem Metabolismus und der zellulären Energieverfügbarkeit bei psychischen  Erkrankungen, dem Risiko für körperliche Erkrankungen und kognitiven Abbau. Dabei werden im Detail molekulare Mechanismen des Immun- und Hirn-Metabolismus unter Berücksichtigung entzündlicher Prozesse sowie mitochondrialer Funktion untersucht. In diesem Kontext wird auch die Rolle des oralen und intestinalen Mikrobioms und der bidirektionalen Darm-Hirn-Achse erforscht.
Ziel ist es, das Potenzial einer gesunden Ernährung als integralen Bestandteil von Prävention, Therapie und Versorgung in Psychotherapie, Psychosomatik, Psychiatrie und Neuropsychologie evidenzbasiert zu erforschen und zu etablieren. Aufbauend auf Erkenntnissen zu metabolischen, neurobiologischen und endokrinen Mechanismen sollen im Sinne eines partizipativen Ansatzes gemeinsam mit Patientinnen und Patienten praxisnahe Interventionen entwickelt und evaluiert werden. Diese sollen an unterschiedliche Behandlungssettings angepasst sein – einschließlich stationärer und tagesklinische psychiatrischer und psychosomatischer Versorgung sowie ambulanter Therapie. Die Arbeiten erfolgen in multidisziplinären Teams, die Expertise aus Ernährungswissenschaften, Psychologie, Psychotherapie, molekularer Medizin, Biologie, Biochemie und Medizin bündeln.