Dialog der Generationen
Intergenerationelles Lernen bedeutet für uns Lernen mit Kopf, Herz und Hand: Jung und Alt lernen voneinander, miteinander und übereinander. Wir gestalten diesen Austausch als wechselseitigen Dialog, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren – getragen von einer doppelten Teilnehmerorientierung, vom Wechsel der Perspektiven und von der gegenseitigen Wertschätzung unterschiedlicher Lebenswelten und Erfahrungen.
Entscheidend ist für uns dabei die Begegnung auf Augenhöhe: Unterschiedliche Lebensrealitäten, Bildungswege und Ausdrucksformen treffen in unseren Formaten zum gemeinsamen Nachdenken, Forschen und Diskutieren aufeinander. Dahinter steht ein didaktisches Verständnis, das Unterschiedlichkeit nicht glättet, sondern als produktive Differenz gestaltet. In der praxisorientierten Handreichung „Intergenerationelles Lernen" (Marquard, Schabacker-Bock & Stadelhofer, 2008) haben wir zentrale kommunikative Anforderungen an gelingenden Generationendialog formuliert, etwa die Bereitschaft zur Irritation, Empathie und Ambiguitätstoleranz.
Am ZAWiW ist intergenerationelles Lernen fest in der Lehre verankert: In Seminaren arbeiten Studierende gemeinsam mit Senior*innen, die sich im Forschenden Lernen engagieren, an gesellschaftlich relevanten Themen wie Bildung, Nachhaltigkeit oder sozialem Wandel.
Im Folgenden finden Sie eine Übersicht unserer konkreten Angebote und Arbeitskreise des intergenerationelles Lernens. Zudem stellen wir die Ergebnisse unserer Vorstudie „Generationenpolitik – Dialog der Generationen" vor, die im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg entstanden ist und Handlungsfelder sowie Gelingensbedingungen für eine zukunftsfähige Generationenpolitik herausgearbeitet hat.
Formate
Ulmer 3-Generationen-Uni
Schüler*innen und Senior*innen entdecken gemeinsam Natur- und Technikwissenschaften und profitieren vom Austausch der Generationen mit ihren verschiedenen Lebenswelten und Erfahrungen.
Girls' & Boys' Day
Bundesweite Aktionstage mit praxisnahe Erfahrungen zur Berufsorientierung von Mädchen und Jungen. Mädchen und Jungen lernen so Bereiche kennen, in denen sie jeweils bislang unterrepräsentiert sind.
Arbeitskreis Alt-Jung
Generationenübergreifende Begegnungen in Kooperation mit Schulen und außerschulischen Partnern in Form von Workshops und Projekttagen. Unterstützt wird dieser Arbeitskreis vom Bildungsbüro der Stadt Ulm.
ASSIST
Senior*innen unterstützen ausländische Studierende bei ihrem Aufenthalt in Ulm. Gemeinsame Unternehmungen vermitteln Kultur und Traditionen in Deutschland und üben spielerisch die deutsche Sprache.
Intergenerationelle Seminare
Studierende und Teilnehmende des Forschenden Lernens arbeiten gemeinsam an aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und erleben dabei unterschiedliche Perspektiven im Dialog. So entstehen Lernräume, in denen wissenschaftlicher Austausch und persönliche Erfahrungen einander ergänzen. Die Seminare sind praxisbezogen, dialogisch und transdisziplinär angelegt.
Die Lehrveranstaltungen werden für Studierende der Universität Ulm als Additive Schlüsselqualifikationen (ASQ) anerkannt. Auch Teilnehmende des Forschenden Lernens können sich bewerben und aktiv an den Seminaren mitwirken.
Vorstudie Generationenpolitik
Freie wissenschaftliche Arbeit im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg
Gesellschaftliche und demografische Entwicklungen ziehen eine Reihe sozialer Veränderungen nach sich und gestalten die Rahmenbedingungen für Generationenpolitik. Von Veränderungen sind auch die Generationenbeziehungen betroffen, Räume für die Begegnungen der Generationen werden im Alltag seltener. Um eine vertrauensvollen Umgang der Generationen als Basis für eine gemeinsam zu gestaltende Zukunft zu fördern, werden deshalb Anlässe für intergenerationelle Aktivitäten in die Wege geleitet, bei denen außerhalb familiärer Beziehungen Alt und Jung voneinander profitieren.
Ausgehend von einer qualitativ ausgerichteten kritischen Bestandsaufnahme ausgewählter intergenerationeller Aktivitäten (Events, Projekte und langfristige Angebote) in Baden-Württemberg werden in der vorliegenden Studie Handlungsfelder, Gelingens-Bedingungen und Leitkriterien für eine langfristige Gesamtkonzeption für das Politikfeld “Generationenpolitik“ hergeleitet.
In der qualitativ ausgerichteten Vorstudie wurden verschiedene Forschungs-Instrumente eingesetzt: in einem Experten/-innen-Workshop kamen Praktiker/-innen aus verschiedenen Aktivitätsbereichen zu Wort, über einen Fragebogen wurden aktuelle intergenerationelle Aktivitäten und Praxisbeispiele erhoben. Diese Recherche wurde ergänzt durch Internet- und telefonische Recherchen. In Leitfadeninterviews wurden Experten/-innen zu unterstützenden Rahmenbedingungen befragt.