Queerness – Relevanz im Schulkontext – Teil II

Queere Menschen sind auch im Bildungswesen von häufig binären und heteronormativen Rollenvorstellungen betroffen. Schulen sollen zwar als Ort der Bildung und Chancengleichheit dienen, doch in der Praxis werden Rollenbilder, Erwartungen und Normen gelebt, bei der queere Identitäten ausgeschlossen werden und nicht sichtbar gemacht werden. Dies hat Auswirkungen auf das Wohlergehen, die psychische Gesundheit und den schulischen Erfolg von queeren Schüler*innen.

  1. Diskriminierende Strukturen im Schulkontext

Die Studie „National School Climate Survey 2021“ der Organisation GLSEN zeigt, dass über 70 % der queeren Schüler*innen diskriminierende Bemerkungen über das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung in der Schule erleben. Mehr als die Hälfte fühlt sich nicht sicher in der Schule. (GLSEN, 2021)

Auch Lehrkräfte fühlen sich unsicher im Umgang mit queeren Themen, das dazu führt, dass bei diskriminierenden Handlungen oftmals nicht eingegriffen wird. (Leung et al. 2002)

Solche Bedingungen können die freie Identitätsentwicklung verhindern.

  1. Coming-out im schulischen Umfeld

Das Coming-out (Offenheit der eigenen geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung) ist ein Prozess. Für queere Jugendliche ist die Schule häufig der erste Ort, an dem sie mit ihrer Identität sichtbar werden möchten. Gleichzeit kann das Coming-out zu Mobbing, Ausgrenzung oder sogar Gewalt führen.

Laut der Trevor Project Studie „LGBTQ Youth Mental Health Survey” fühlen sich queere Jugendliche sicherer, wenn mindestens eine Lehrkraft aktiv als Unterstützer*in wahrgenommen wird. (The Trevor Project, 2023)

  1. Förderung von Vielfalt – was Schulen und Lehrkräfte tun können

Um diskriminierende Strukturen abzubauen und Raum für Vielfalt zu schaffen, sind aktive Schritte notwendig. Unterstützende Lehrkräfte können das Risiko für Depressionen, Suizidgedanken und Schulabbrüche bei queeren Jugendlichen deutlich reduzieren (Poteat et al., 2021; The Trevor Project, 2023).

Mögliche Unterstützung und Wirkung:

  • Sichtbare Unterstützung durch Regenbogensticker, Infomaterial, etc. steigert das Sicherheitsgefühl (GLSEN, 2021)

  • Verwendung des richtigen Namens und Pronomens verringert signifikant depressive Symptome (The Trevor Project, 2023)

  • Thematisierung queerer Geschichte oder Personen im Unterricht erhöht das Gefühl der Zugehörigkeit und Selbstwert (Leung et al. 2022)

  • Einrichtung von queeren AGs führt zu weniger Mobbing, stärkeres Wohlbefinden (GLSEN, 2021)

Es reicht nur offen oder tolerant zu sein, sondern Vielfalt muss aktiv gefördert werden. Schule ist kein neutraler Raum, aber es kann ein sicherer werden.

Quellen:

GLSEN (2021). National School Climate Survey. https://www.glsen.org

Leung, S. et al. (2022). Social support and outcomes for LGBTQ+ youth: A scoping review.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9662773/

Poteat, V. et al. (2021). Teacher support moderates associations among victimization and school outcomes for LGBTQ youth.

The Trevor Project (2023). The Relationship Between Caring Teachers and LGBTQ Youth Mental Health.