Der Mensch in der digitalen Zukunft
Human Digital Future – Wir gestalten Wissen, das verbindet: Mensch, Technik und Zukunft
Die digitale Transformation verändert Interaktion, Wahrnehmung, Erleben, Entscheiden und Zusammenarbeit grundlegend. Unsere Forschungsvision „Human Digital Future“ stellt den Menschen als psychologisches und soziales Wesen in den Mittelpunkt technologischer Entwicklung. Ziel ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu schaffen, das Mensch und Technik für eine humane Zukunft verantwortungsvoll verbindet.
Ein zentraler Fokus liegt auf der menschenzentrierten Gestaltung von Technologie. Hierzu ist detailliertes und empirisch abgesichertes Wissen über die dem Interaktionsverhalten und dem Erleben von Technologie zugrunde liegenden psychologischen Prozesse essentiell. Wir untersuchen, welche kognitiven, emotionalen und motivationalen Prozesse dem komplexen Interaktionsverhalten von Menschen mit Technologie zugrunde liegen. Wir betrachten, welche Wirkung Gestaltungsfaktoren von Technologien, wie zum Beispiel Transparenz, Fairness und Kontrollierbarkeit, auf das Verhalten und das Erleben von Menschen haben und wie diese deren subjektive Bewertung von Technologien (z. B. Akzeptanz, Vertrauenswürdigkeit) bzw. von Interaktionspartnern in technologie-mediierter Kommunikation beeinflussen. Wir erforschen, welche kognitiven Voraussetzungen verschiedene Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien mit sich bringen und wie Menschen trainiert werden können, wirkungsvoll die Möglichkeiten digitaler Technologien zu nutzen. Dies erfolgt unter anderem in folgenden A) drei Anwendungsbereichen und B) drei Interaktionsbereichen:
Digitalisierung und psychische Gesundheit: Entwicklung und Evaluation innovativer, digitaler Diagnostik- und Interventionsansätze sowie Analyse psychophysiologischer Mechanismen emotionaler und kognitiver Verarbeitung. Videobasierte sowie sprach- und textbasierte digitale und KI-gesteuerte Kommunikation werden hinsichtlich therapeutischer Allianz, sozialer Unterstützung und medienvermittelter Selbst- und Personenwahrnehmung untersucht. Personalisierung und Präzisionspsychologie zielt unter Nutzung von Persuasive Design, UX-Design und KI-basierten Prädiktionsmodellen auf die differentielle Wirksamkeit evidenz-basierter Ansätze. Digitale Forschungsanwendung z.B. im Bereich Digital Phenotyping und Mobile Sensing dienen dem grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zur Genese, Aufrechterhaltung und Trajektorien psychischer Gesundheit und Erkrankungen über den Lebens- und Behandlungsverlauf hinweg.
Digitalisierung in der Arbeitswelt: Analyse von Veränderungen im Kontext von Arbeitsgestaltung, technologie-basierte Interaktion im Arbeitskontext, Nutzung technologie-basierter eignungsdiagnostischer Verfahren sowie Bedingungen erfolgreichen Lernens mit digitalen Medien. Untersuchung, wie die Nutzung neuer technologie-basierter Verfahren einerseits Wahrnehmung und Verhalten in z. B. eignungsdiagnostischen Situationen verändert und andererseits die Qualität und Fairness des diagnostischen Prozesses beeinflusst. Dabei beschäftigen wir uns sowohl mit Merkmalen der eingesetzten neuen technologie-basierten Verfahren als auch mit Faktoren auf Seiten der beteiligten Personen und mit vermittelnden psychologischen Variablen.
Digitalisierung im Lehr-Lern-Kontext: Entwicklung und Evaluation digitaler und KI-basierter Lehr-Lern-Ansätze sowie Untersuchung der psychologischen Bedingungen erfolgreichen Lernens mit digitalen Medien. Im Fokus stehen die Gestaltung und differentielle Wirksamkeit digitaler Lernumgebungen, die technologievermittelte Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden sowie Prozesse der Motivation, Selbstregulation, kognitiven Verarbeitung und sozialen Wahrnehmung. Untersucht wird, wie Merkmale digitaler Technologien und Lernsettings mit individuellen Voraussetzungen der Lernenden interagieren und dadurch Lernerleben, Lernverhalten und Lernerfolg beeinflussen. Personalisierte und adaptive Ansätze nutzen lernprozessbezogene Daten und KI-basierte Verfahren, um Lernangebote, Feedback und Unterstützung bedarfsgerecht an individuelle Lernvoraussetzungen und Lernverläufe anzupassen.
Mensch-Roboter- und Mensch-KI-Interaktion: Untersuchung wie Vertrauen in technische Systeme entsteht und Verhalten beeinflusst, wie Menschen ein Verständnis dynamischer Interaktionssituationen aufbauen und mental repräsentieren, wie Transparenz, Lenkbarkeit und Zuverlässigkeit das Interaktionsverhalten und die Wahrnehmung der Systeme beeinflussen, welche Rolle multisensorische Integration und Wahrnehmung für die Kooperation mit technischen Systemen spielen und wie technische Systeme gestaltet sein müssen, damit sie zu effektiven Partnern des Menschen werden können.
Dieses Wissen ist die Grundlage für adaptive Technologien, die individuelle Unterschiede berücksichtigen – insbesondere Persönlichkeit, Kompetenzen und Leistungsdispositionen. Auf dieser Grundlage entwickeln wir Konzepte der Mensch-Technik-Kooperation und des Mensch-Technik-Alignments, die die Leistungsfähigkeit und Autonomie gleichermaßen stärken.
Technologie als sozialer Akteur: Technologie wird zunehmend als sozialer Akteur und Companion erlebt. Wir erforschen, wie Bindung und Verantwortungszuschreibung in digitalen Assistenzsystemen entstehen und wie „digital verbesserte“ Fähigkeiten Identität und Selbstkonzept beeinflussen. Hierbei stehen u.a. Fragestellungen der wahrgenommenen Bindung, Beziehung und Empathieerleben auf Wirkung und Wirkweisen der Mensch-Maschine Interaktion im Fokus des Forschungsinteresses.
Technologievermittelte Mensch-Mensch-Interaktion: Untersuchung, wie digitale Medien und KI die Kommunikation, Wahrnehmung und Beziehung zwischen Menschen verändern. Im Fokus stehen Prozesse der sozialen Präsenz, Selbst- und Personenwahrnehmung, Vertrauens- und Beziehungsbildung sowie Empathie und soziale Unterstützung in video-, sprach- und textbasierter Kommunikation. Untersucht wird, wie technologische Merkmale und unterschiedliche Grade algorithmischer Vermittlung soziale Signale verändern, verstärken oder reduzieren und dadurch individuelles und interpersonelles Erleben und Verhalten beeinflussen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf KI als Intermediär sozialer Interaktion und der Frage, wie algorithmische Unterstützung, Moderation oder Generierung von Kommunikation Authentizität, Agency, Verantwortungszuschreibung und die Qualität menschlicher Interaktion beeinflussen.
Core Assets
- Esano-Plattform: Plattform zur Entwicklung und Durchführung Internet- und Mobile-basierter Diagnostik und Interventionen
- RehaCAT: Server-basiertes Computer-adaptives Testsystem
- SysDok: Server-basiertes Computer-adaptives Testsystem
- trAIner: KI-basierte Schauspielpersonen-Trainingsplattform für die Aus- und Weiterbildung in Psychotherapie und Medizin
- MHAD-App-Database: Datenbank zur Transparenz und Qualitätssicherung mobiler digitaler Gesundheitsanwendungen
- DAMOS: Datenbank zu Mobile Sensing Studien
- IMPROVA: Informations- und Interventionsplattform zur Verbesserung der psychischen Gesundheit im Schulkontext
- Mein Kompass: Informationsplattform psychische Gesundheit für Jugendliche
- DZKJ-Adipositas: Informationsplattform für Jugendliche, Eltern und Leistungserbringende zu Adipositas im Kindes- und Jugendalter
- PSYCHOnlineTHERAPIE: Blended Therapy Plattform
Vernetzung
- Digital Mental Health Infrastruktur des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit
- Arbeitsgruppe KI und Psychologie der DGPs
- Digitale Agenda der Bundespsychotherapeutenkammer
- DASU: Transferzentrum für Digitalisierung, Analytics & Data Science Ulm