Hygienische Sanierung von Versuchstieren

Ziel der tierexperimentellen Forschung ist es, valide und präzise Ergebnisse zu erhalten, die dann vom ´Modell´ auf das ´Ziel´, sei es Mensch oder Tier, übertragbar sind. Zu den Faktoren, die das Versuchsergebnis verfälschen können, zählen vorrangig pathogene Mikroorganismen (z.B. Viren, Bakterien, Protozoen, aber auch Metazoen [ Endo-Ektoparasiten usw.] ). Da pathogene Mikroorganismen i. d. R. den Gesamtorganismus mehr oder weniger stark belasten, ist eine pathogenarme bzw. pathogenfreie Versuchstierhaltung auch tierschutzrelevant. Generell werden heute alle Versuchstiere hinter einer ´hygienischen Barriere´ gehalten. Diese soll die direkte und indirekte Einschleppung von Pathogenen in den Versuchstierhaltungsbereich verhindern: Die wildlebenden Verwandten unserer Versuchstiere sind mit einem weiten Spektrum obligat und fakultativ pathogener Mikroorganismen assoziiert; Schuh- und Kleiderwechsel, Vorbehandlung von Futter und Einstreu, Insektenprävention u.a.m. verhindern die Einschleppung von außen. Entsprechend ihrem hygienischen Status kann man Versuchstiere bzw. Haltungsbereiche drei Hauptkategorien zuordnen:

  • Konventionell
  • Spezifiziert-Pathogen-Frei (SPF)
  • Keimfrei

Das konventionelle Tier ist in der Regel mit einer Reihe fakultativ pathogener Mikroorganismen vergesellschaftet.
Das SPF-Tier ist sicher frei von namentlich aufgeführten pathogenen Mikroorganismen.
Das keimfreie Tier ist frei von allen nachweisbaren Formen lebender Mikroorganismen.
Mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden Methoden ist es nicht möglich, kontaminierte (z. B. durch mangelhafte hygienische Barriere, Nichteinhaltung der Präventionsmaßnahmen etc.) oder konventionelle Versuchstiere gezielt zu dekontaminieren (und sie auf das höhere SPF-Niveau zu verbringen) ohne die Homöostase langfristig bzw. dauerhaft zu gefährden.
Dagegen stehen zwei vergleichsweise einfachere und wirksamere Verfahren der hygienischen Sanierung zur Verfügung:
Der Embryotransfer und die ´wet hysterectomy´.
Beide Verfahren werden unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Da Mäuse und Ratten in der tierexperimentellen Forschung am häufigsten eingesetzt werden, gehören diese Techniken bei diesen beiden Spezies zur Routine.
Welches Verfahren angewandt wird, richtet sich nach dem Übertragungsweg: vertikal (diaplazentar) übertragene Keime [ MHV, LCM etc.] schließen à priori ´wet hysterectomy´ aus.
Im folgenden werden beide Verfahren kurz dargestellt: Beim Embryotransfer werden Embryonen aus den Eileitern eines konventionellen, kontaminierten Spendertiers entnommen. Die Embryonen werden in einem speziellen Medium gereinigt. Sodann werden sie dem Empfängertier des gewünschten zukünftigen Hygieneniveaus, das in tiefe Allgemeinnarkose verbracht worden ist, implantiert. Bei vorangegangener hormoneller Behandlung und Scheinverpaarung des Empfängertiers ist die Nidation der Embryonen in der Uterusschleimhaut des Ammentiers i. d. R. gewährleistet. Der Transfer von Embryonen in keimfreie Empfängertiere ist entsprechend aufwendiger (Clean-Bench mit angeschlossenem Isolator).
Bei der ´wet hysterectomy ´wird die keimfreie zukünftige Amme einen Tag vor der zukünfigen Spenderin verpaart. Entsprechend erfolgt die Geburt im Isolator nach 21 Tagen. Beim Spendertier wird die Gebärmutter noch vor Eröffnung des Muttermundes explantiert und in einer (warmen) Sterilisierlösung eröffnet. Die Jungtiere werden in der Sterilisationslösung von den Eihäuten befreit und über eine keimfreie Schleuse in den Isolator verbracht. Dort werden sie von der Sterillösung befreit, abgetrocknet, mit der Einstreu des Ammentiers ´parfümiert´ und ihr dann unterlegt. Kritisch für die Akzeptanz durch die Amme ist die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur sowie die Duftmarkierung durch Einstreu. Beide Verfahren benötigen, je nach hygienischem Zielniveau, ein entsprechendes Maß an Übung; auch der Aufwand ist nicht unerheblich. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist jedoch entsprechend groß, so daß sich der Aufwand lohnt. Nach Aufzucht der Jungtiere werden diese dann erneut mikrobiologisch untersucht und ggf. in die jeweilige Tierhaltung überführt.