Abschlussarbeiten

Hinweis:
Information zur Vergabe der Abschlussarbeiten werden zu gegebenem Zeitpunkt bekannt gegeben.

Mögliche Themen

Flow-Erleben (Betreuung: Johannes Keller)

„Im Flow sein“ - das tiefe Versunkensein bzw. das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden fähigkeitsbezogenen Tätigkeit.

Als typische Merkmale des Flow-Erlebens gelten:

  •     Verändertes Zeitgefühl (Zeit scheint still zu stehen)
  •     fokussierte und intensive Konzentration
  •     völliges Aufgehen in der Tätigkeit und damit verbunden Reduktion (bis hin zum Verlust) von Selbstreflexion und selbstbezogenen Kognitionen
  •     Gefühl starker Kontrolle über den Tätigkeitsverlauf
  •     die Ausführung der Tätigkeit an sich wird als Belohnung empfunden  (enjoyment)

Eine bislang noch ungeklärte Frage ist, ob Flow-Erleben nachfolgend mit einer Leistungssteigerung bei der betreffenden Tätigkeit einhergeht. Dies soll experimentell systematisch untersucht werden.
Literatur:

Barthelmäs, M., & Keller, J. (2021). Antecedents, Boundary Conditions and Consequences of Flow. In C. Peifer & S. Engeser (Eds.), Advances in Flow Research (2nd ed., pp. 71-107). Springer

 

Psychosis proneness (disintegration) als basale Persönlichkeitsdimension (Betreuung: Johannes Keller)

Disintegration wird als grundlegende Persönlichkeitseigenschaft angenommen, die jedoch von den so genannten Big Five Persönlichkeitsfaktoren abzugrenzen ist (Knežević et al., 2016).  Nach Knežević et al. (2017) beinhaltet der Faktor Disintegration neun Facetten, darunter Paranoia, somatische Dysregulation und Wahrnehmungsverzerrungen. In einer Reihe von Studien sollen die Zusammenhänge des erst kürzlich in der Persönlichkeitsforschung etablierten Konstrukts Disintegration mit den folgenden Merkmalen bzw. Verhaltenstendenzen korrelativ sowie experimentell untersucht werden:

(1) Big Five Persönlichkeitseigenschaften
(2) Vorurteilstendenzen
(3) Einsamkeit (Loneliness)
(4) Subjektives Wohlbefinden

Literatur:
Ekehammar, B. & Akrami, N. Gylje, M., & Zakrisson, I. (2004). What matters most to prejudice: Big Five personality, social dominance orientation, or right-wing authoritarianism? European Journal of Personality, 18, 463-482.

Hawkley, L.C., Burleson, M.H., Berntson, G.G., & Caciopppo, J. T. (2003). Loneliness in everyday life: Cardiovascular activity, psychosocial context, and health behaviors. Journal of Personality and Social Psychology, 85, 105–120.

Knežević, G., Lazarević, L.,  Bosnjak, M., Purić, D., Petrović, B., Teovanović, P., Opačić, G., & Bodroža, B. (2016). Towards a personality model encompassing a Disintegration factor separate from the Big Five traits: A meta-analysis of the empirical evidence. Personality and Individual Differences, 95, 214-222.

Knežević, G., Savić, D., Kutlešić, V., & Opačić, G. (2017). Disintegration: A Reconceptualization of Psychosis Proneness as a Personality Trait Separate from the Big Five. Journal of Research in Personality, 70, 187-201. http://dx.doi.org/10.1016/j.jrp.2017.06.001

 

Psychologischer Essentialismus: Der Glaube an metaphysischen Determinismus (Betreuung: Johannes Keller)

Viele Menschen haben die Überzeugung verinnerlicht, dass Menschen durch einen essentiellen Wesenskern in ihrem Verhalten und ihren Eigenschaften bestimmt sind. So glauben viele Personen daran, dass die genetische Ausstattung das Verhalten und die Merkmale von Menschen direkt bestimmen (Glaube an genetischen Determinismus). Ebenso ist der Glaube weit verbreitet, dass Menschen einen sozial geprägten Wesenskern besitzen, der ihr Verhalten und ihre Merkmale bestimmt (Glaube an sozialen Determinismus). Diese Überzeugungen spiegeln die Ansicht wider, dass es so etwas wie einen essentiellen Wesenskern gibt (genetische Ausstattung; sozial geprägter Charakter), der Menschen zu dem macht, was sie sind und was sie tun. In der Sozialpsychologie werden solche Überzeugungen unter dem Begriff des psychologischen Essentialismus behandelt.
In dieser Studie soll nun ein dritte Variante essentialistischer Überzeugungen untersucht werden: Der Glaube an metaphysischen Determinismus, der sich darin äußert, dass das zugrunde liegende Wesen von Menschen bzw. sozialen Gruppen als Resultat übernatürlicher oder göttlicher Kräfte aufgefasst wird. In einem ersten Schritt soll dabei eine Skala validiert werden, die den Glauben an metaphysischen Determinismus erfasst. Dazu werden in einer Befragung relevante Konstrukte erfasst (z.B. Vorurteile, Neigung zu stereotypem Denken und Urteilen), um die konvergente, diskriminante und inkrementelle Validität des neuen Instruments zu überprüfen. 

Literatur:
Keller, J. (2005). In genes we trust: The biological component of psychological essentialism and its relationship to mechanisms of motivated social cognition. Journal of Personality and Social Psychology, 88. 686-702. 

Rangel, U. & Keller, J. (2011). Essentialism goes social: Belief in social determinism as a component of psychological essentialism. Journal of Personality and Social Psychology, 100, 1056-1078

 

Bullshit Jobs (Betreuung: Johannes Keller)

Der Anthropologe David Graeber hat kürzlich das Konzept des „Bullshit Job“ vorgestellt und die These vertreten, dass ein großer Anteil der berufstätigen Bevölkerung in den Industrienationen ihren Beruf als Bullshit Job erlebt. Graeber definiert das Konzept wie folgt:
“A bullshit job is a form of paid employment that is so completely pointless, unnecessary, or pernicious that even the employee cannot justify its existence even though, as part of the conditions of employment, the employee feels obliged to pretend that this is not the case.” (Graeber, 2018, p. 9-10)
Bislang wurden die Verbreitung von Bullshit Jobs in der berufstätigen Bevölkerung und die damit in Verbindung stehenden sozialen und psychologischen Konstrukte noch nicht systematisch untersucht. Erste Studien unserer Abteilung (in den USA und Dtl.) zeigen, dass bis zu einem Drittel der befragten Berufstätigen ihren Beruf entweder frei heraus als Bullshit Job einschätzen oder zumindest nicht ausschließen, d.h. nicht verneinen, dass sie einen Bullshit Job ausüben. Es deutet sich dabei klar an, dass Berufstätige in bestimmten Berufsfeldern (z.B. in einigen Segmenten des Dienstleistungssektors) mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ihren Beruf als Bullshit Job erleben als solche in anderen Berufsfeldern.
In weiteren Studien soll (a) die Datenbasis hinsichtlich der Verbreitung von Bullshit Jobs vergrößert werden, (b) untersucht werden, welche Korrelate die (fortgesetzte) Tätigkeit in einem Bullshit Job aufweist, (c) analysiert werden, wie das Persönlichkeitsprofil von Personen in Bullshit Jobs beschrieben werden kann und (d) eine implizite Erfassung der Auffassung des eigenen Berufs als Bullshit Job umgesetzt werden (z.B. anhand des Sorting Paired Features Task, Bar-Anan, Nosek & Vianello, 2009).

Literatur:
Bar-Anan, Y., Nosek, B. A., & Vianello, M. (2009). The sorting paired features task: A measure of association strengths. Experimental Psychology, 56, 329–343. doi:10.1027/1618-3169.56.5.329

Graeber, D. (2018). Bullshit jobs: A theory. Ney York: Simon &Schuster.

 

Empathie und Perspektivenübernahme (Betreuung: Claudia Sassenrath)

Empathie wird häufig als Überbegriff verwendet und bezieht sich auf alle Reaktionen eines Individuums auf die beobachtbaren Erfahrungen/Reaktionen eines anderen Individuums. Es wird hierbei allerdings eine kognitive Komponente (Perspektivenübernahme) von einer affektiven Komponente (Mitgefühl) unterschieden. Perspektivenübernahme bezeichnet den (kognitiven) Prozess des Imaginierens der Sichtweise einer anderen Person – was denkt/fühlt diese Person, wohingegen Mitgefühl impliziert, dass eine affektive Verbindung zu einer anderen Person aufgebaut wird – es werden die Emotionen der anderen Person mitgefühlt. Sowohl Perspektivenübernahme als auch Mitgefühl gelten als zentrale Kompetenz für harmonische soziale Interaktionen und Kommunikation. So zeigen verschiedene Studien, dass die Übernahme der Perspektive einer Person, die einer Minderheit angehört, Vorurteile gegenüber dieser Minderheit reduziert. Mitgefühl mit anderen Personen, insbesondere Leidenden, erhöht die Bereitschaft, Hilfeverhalten zu zeigen. Allerdings gibt es neuere Studien, die diese positiven Effekte einschränken. In unsere Forschung beschäftigen wir uns damit, unter welchen Umständen Mitgefühl und Perspektivenübernahme zu positiven und unter welchen Bedingungen zu negativen Konsequenzen führen. Hierbei werden unterschiedliche Moderatoren berücksichtigt, z.B. die Gruppenmitgliedschaft oder die erlebten Emotionen des targets von Perspektivenübernahme/Mitgefühl sowie der Kontext, in dem Perspektivenübernahme oder Mitgefühl gezeigt werden soll. Darüber hinaus  untersuchen wir mittels psychophysiologischer Messmethoden, mit welchen körperlichen Reaktionsmustern Perspektivenübernahme/Mitgefühl einhergeht.

Literatur:
Sassenrath, C., Wagner, M., Keller, J., & Sassenberg, K. (2018). It's a challenge! Empathizing with sad but not with angry individuals results in cardiovascular reactivity consistent with a challenge motivational state. Emotion.

Sassenrath, C., Pfattheicher, S., & Keller, J. (2017). I might ease your pain, but only if you’re sad: The moderating role of empathized emotion in the empathy-helping association. Motivation and Emotion, 41, 96-106. 

Pfattheicher, S., Sassenrath, C., & Schindler, S. (2016). Feelings for the suffering of others and the environment: Compassion fosters proenvironmental tendencies. Environment and Behavior, 48, 929-945. 

Sassenrath, C., Diefenbacher, S., Siegel, A., & Keller, J. (2016). A person-oriented approach to hand hygiene behavior: Emotional Empathy Fosters Hand Hygiene Practice. Psychology & Health, 31, 205-227.

Sassenrath, C., Hodges, S. D., & Pfattheicher, S. (2016). It's all about the self: When perspective taking backfires. Current Directions in Psychological Science, 25, 405-410.

Olderbak, S., Sassenrath, C., Keller, J., & Wilhelm, O. (2014). An emotion-differentiated perspective on empathy with the emotion specific empathy questionnaire. Frontiers in Psychology, 5, 653.

 

Emotionales Weinen (Betreuung: Michael Barthelmäs)

Menschen sind die einzigen Lebewesen, die emotionale Tränen vergießen können. Emotionales Weinen kann als Ausdruck von Emotionen konzeptualisiert werden. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten, die dieses generisch menschliche Phänomen untersucht haben. Entsprechend gibt es verschiedene Fragestellungen, die im Rahmen einer Abschlussarbeit bearbeitet werden können.

Literatur:
Barthelmäs, M., & Keller, J. (2021). Adult emotional crying: Relations to personality traits and subjective well-being. Personality and Individual Differences, 177, 110790.
Vingerhoets, A. J., & Bylsma, L. M. (2016). The riddle of human emotional crying: A challenge for emotion researchers. Emotion Review, 8, 207-217.

 

Experience Sampling Method (Betreuung: Michael Barthelmäs)

Mit der Experience Sampling Method (ESM) lassen sich Daten im Alltag von ProbandenInnen sammeln. Dies ermöglicht es, psychologische Theorien "in der realen Welt" zu testen. Die Abteilung Sozialpsychologie hat eine zuverlässige Software entwickelt, um solche Studien durchzuführen. Auf diese Software können Sie im Rahmen Ihrer Abschlussarbeit zugreifen.  Da für die Datenauswertung Multi-Level-Modelle verwendet werden, sind solide Grundkenntnisse in Statistik nötig. Inhaltlich kann ein Thema vom Betreuer vorgegeben werden, es ist aber auch möglich eigene Studienideen einzubringen.