Abschlussarbeiten

Hier finden Sie die aktuellen Themen für Abschlussarbeiten. Weitere Informationen finden Sie auch auf moodle (https://moodle.uni-ulm.de/login/index.php#section-5). Wenn Sie sich für eines der Themen interessieren, bitten wir Sie um Kontaktaufnahme mit dem/der jeweiligen Ansprechpartner/-in: 

  • Kurzes Motivationsschreiben, aus dem hervorgeht, warum Sie sich für ein spezielles Thema interessieren
  • Aussage zum zeitlichen Rahmen, in dem Sie die Abschlussarbeit schreiben möchte (z.B. WS19/20; SS20; Deadline aufgrund von Universitätswechsel bzw. Auslandsaufenthalt)
  • Aktuelles Transcript of Records

Wir werden dann auf Sie zukommen, um gegebenenfalls ein persönliches Treffen zu vereinbaren. 

Die Themenvergabe wird dann innerhalb der Abteilung koordiniert und eine definitive Vergabe erfolgt ca. Anfang August.

Mögliche Themen

Psychophysiologische Analyse des Flow-Erlebens (Betreuung: Johannes Keller, Michael Wagner) 

„Im Flow sein“ - das tiefe Versunkensein bzw. das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit - ist ein scheinbar erstrebenswerter Zustand, der in der psychologischen Ratgeber-Literatur zunehmend als Rezept für ein erfülltes Leben angepriesen wird. Die zugrundeliegende Flow-Theorie geht dabei davon aus, dass Flow dann entstehen kann, wenn eine Passung zwischen den Anforderungen einer Tätigkeit und den Fähigkeiten einer Person besteht. In einer experimentellen Studie soll untersucht werden, welche psychophysiologischen Merkmale den Zustand des Flow-Erlebens kennzeichnen. Dabei wird ein gut erprobtes experimentelles Paradigma verwendet, durch das Personen in den Flow-Zustand versetzt werden können. Parallel werden verschiedene psychophysiologische Parameter erfasst (z.B. Hautleitwiderstand, kardiovaskuläre Parameter wie Herzrate, Blutdruck und Impedanz, endokrinologische Indikatoren wie Kortisol etc.). Erste Studien belegen, dass der Flow-Zustand mit potentiell problematischen physiologischen Reaktionen einhergeht (ähnlich wie in Situationen starker Belastung). Insofern muss vermutlich die einseitig positive Darstellung des Flow-Zustands in der relevanten Fachliteratur relativiert werden. Um diesbgzl. eine substantielle Einschätzung zu ermöglichen, sind jedoch noch systematische weitere Studien und relevante Analysen erforderlich. 

Relevante Literatur: 

Keller, J., Bless, H., Blomann, F. & Kleinböhl, D. (2011). Physiological aspects of flow experiences: Skills-demand-compatibility effects on heart rate variability and salivary cortisol. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 849-852. 

Keller, J., & Landhäußer, A. (2011). Im Flow sein: Experimentelle Analysen des Zustands optimaler Beanspruchung. Psychologische Rundschau, 62, 213-220. 

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer. 

Ulrich, M., Keller, J., Hönig, K., Waller, C., & Grön, G. (2014). Neural correlates of experimentally induced flow experiences. NeuroImage.

 

Flow-Erleben im Alltag:  Vergleich von Experience Sampling und Day Reconstruction Method (Betreuung: Johannes Keller, Michael Wagner)

„Im Flow sein“ - das tiefe Versunkensein bzw. das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit - ist ein scheinbar erstrebenswerter Zustand, der in der psychologischen Ratgeber-Literatur zunehmend als Rezept für ein erfülltes Leben angepriesen wird. Die zugrundeliegende Flow-Theorie geht dabei davon aus, dass Flow dann entstehen kann, wenn eine Passung zwischen den Anforderungen einer Tätigkeit und den Fähigkeiten einer Person besteht. Im Rahmen einer Untersuchung von Episoden aus dem alltäglichen Leben der Studienteilnehmer/innen sollen in dieser Studie Befunde aus zwei prominenten Verfahren zur Erhebung von Alltagsepisoden verglichen werden, wobei insbesondere das Auftreten des Flow-Erlebens in den Episoden im Mittelpunkt der Betrachtung steht. 

Literatur: 

Csikszentmihalyi, M., & Hunter, J. (2003). Happiness in everyday life: The uses of experience sampling. Journal of Happiness Studies, 4, 185-199. 

Kahneman, D., Krueger, A. B., Schkade, D. A., Schwarz, N. & Stone, A. (2004). A survey method for characterizing daily life experience: The day reconstruction method. Science, 306, 1776-1780. 

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer.

 

Rahmenbedingungen des Flow-Erlebens (Betreuung: Michael Wagner, Johannes Keller) 

Flow tritt vor allem dann auf, wenn Personen einer Tätigkeit nachgehen, bei der ihre eigenen Fähigkeiten zu den Anforderungen der Tätigkeit passen.  Das Flow-Channel-Model, das in der Flow-Forschung häufig als Theorie zugrunde gelegt wird, formuliert genau diese Passungs-Hypothese und mittlerweile gibt es eine Reihe von empirischen Befunden, die diese Annahme stützen. Die Flow-Theorie ist demnach eine sehr einfache und sparsame Theorie, was einerseits wünschenswerte Eigenschaften einer Theorie sind, andererseits drängt sich die Frage auf, ob das Modell nicht zu simpel ist. Ist das Vorliegen einer Passung zwischen Anforderungen und Fähigkeiten wirklich die einzige Voraussetzung für das Erleben von Flow? Die Vermutung liegt nahe, dass weitere Faktoren berücksichtigt werden sollten. Eine These, der bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, besagt, dass der subjektive Wert, der einer Tätigkeit zugeschrieben wird, ebenfalls einen Einfluss auf das Erleben von Flow haben sollte. Diese Überlegung lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Eine Person, die dem Musikmachen wenig subjektiven Wert zuschreibt, sollte trotz Passung von Anforderungen und Fähigkeiten, weniger wahrscheinlich Flow erleben, als eine Person, die für das Musizieren brennt (ihr also einen hohen subjektiven Wert zuschreibt). Im Rahmen der Abschlussarbeit soll zunächst eine experimentelle Manipulation validiert werden, die den subjektiven Wert einer Tätigkeit beeinflusst. Weiterhin soll dann experimentell getestet werden, ob der subjektive Wert der Aufgabe einen Einfluss auf das Erleben von Flow hat. 

Literatur:

Keller, J., & Landhäußer, A. (2012).  The flow model revisited. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 51-64). New York: Springer. 

Landhäußer, A., & Keller, J. (2012). Flow and its affective, cognitive and performance-related consequences. In S. Engeser (ed.), Advances in flow research (pp. 65-85). New York: Springer.

 

Psychosis proneness (disintegration) als basale Persönlichkeitsdimension (Betreuung: Johannes Keller)

Disintegration wird als grundlegende Persönlichkeitseigenschaft angenommen, die jedoch von den so genannten Big Five Persönlichkeitsfaktoren abzugrenzen ist (Knežević et al., 2016).  Nach Knežević et al. (2017) beinhaltet der Faktor Disintegration neun Facetten, darunter Paranoia, somatische Dysregulation und Wahrnehmungsverzerrungen. In einer Reihe von Studien sollen die Zusammenhänge des erst kürzlich in der Persönlichkeitsforschung etablierten Konstrukts Disintegration mit den folgenden Merkmalen bzw. Verhaltenstendenzen korrelativ sowie experimentell untersucht werden:

(1) Big Five Persönlichkeitseigenschaften
(2) Vorurteilstendenzen
(3) Einsamkeit (Loneliness)
(4) Subjektives Wohlbefinden

Literatur:

Ekehammar, B. & Akrami, N. Gylje, M., & Zakrisson, I. (2004). What matters most to prejudice: Big Five personality, social dominance orientation, or right-wing authoritarianism? European Journal of Personality, 18, 463-482.

Hawkley, L.C., Burleson, M.H., Berntson, G.G., & Caciopppo, J. T. (2003). Loneliness in everyday life: Cardiovascular activity, psychosocial context, and health behaviors. Journal of Personality and Social Psychology, 85, 105–120.

Knežević, G., Lazarević, L.,  Bosnjak, M., Purić, D., Petrović, B., Teovanović, P., Opačić, G., & Bodroža, B. (2016). Towards a personality model encompassing a Disintegration factor separate from the Big Five traits: A meta-analysis of the empirical evidence. Personality and Individual Differences, 95, 214-222.

Knežević, G., Savić, D., Kutlešić, V., & Opačić, G. (2017). Disintegration: A Reconceptualization of Psychosis Proneness as a Personality Trait Separate from the Big Five. Journal of Research in Personality, 70, 187-201. http://dx.doi.org/10.1016/j.jrp.2017.06.001


Psychologischer Essentialismus: Der Glaube an metaphysischen Determinismus (Betreuung: Johannes Keller)

Viele Menschen haben die Überzeugung verinnerlicht, dass Menschen durch einen essentiellen Wesenskern in ihrem Verhalten und ihren Eigenschaften bestimmt sind. So glauben viele Personen daran, dass die genetische Ausstattung das Verhalten und die Merkmale von Menschen direkt bestimmen (Glaube an genetischen Determinismus). Ebenso ist der Glaube weit verbreitet, dass Menschen einen sozial geprägten Wesenskern besitzen, der ihr Verhalten und ihre Merkmale bestimmt (Glaube an sozialen Determinismus). Diese Überzeugungen spiegeln die Ansicht wider, dass es so etwas wie einen essentiellen Wesenskern gibt (genetische Ausstattung; sozial geprägter Charakter), der Menschen zu dem macht, was sie sind und was sie tun. In der Sozialpsychologie werden solche Überzeugungen unter dem Begriff des psychologischen Essentialismus behandelt.
In dieser Studie soll nun ein dritte Variante essentialistischer Überzeugungen untersucht werden: Der Glaube an metaphysischen Determinismus, der sich darin äußert, dass das zugrunde liegende Wesen von Menschen bzw. sozialen Gruppen als Resultat übernatürlicher oder göttlicher Kräfte aufgefasst wird. In einem ersten Schritt soll dabei eine Skala validiert werden, die den Glauben an metaphysischen Determinismus erfasst. Dazu werden in einer Befragung relevante Konstrukte erfasst (z.B. Vorurteile, Neigung zu stereotypem Denken und Urteilen), um die konvergente, diskriminante und inkrementelle Validität des neuen Instruments zu überprüfen. 

Literatur: 

Keller, J. (2005). In genes we trust: The biological component of psychological essentialism and its relationship to mechanisms of motivated social cognition. Journal of Personality and Social Psychology, 88. 686-702. 

Rangel, U. & Keller, J. (2011). Essentialism goes social: Belief in social determinism as a component of psychological essentialism. Journal of Personality and Social Psychology, 100, 1056-1078

 

Bullshit Jobs (Betreuung: Johannes Keller)

Der Anthropologe David Graeber hat kürzlich das Konzept des „Bullshit Job“ vorgestellt und die These vertreten, dass ein großer Anteil der berufstätigen Bevölkerung in den Industrienationen ihren Beruf als Bullshit Job erlebt. Graeber definiert das Konzept wie folgt:
“A bullshit job is a form of paid employment that is so completely pointless, unnecessary, or pernicious that even the employee cannot justify its existence even though, as part of the conditions of employment, the employee feels obliged to pretend that this is not the case.” (Graeber, 2018, p. 9-10)
Bislang wurden die Verbreitung von Bullshit Jobs in der berufstätigen Bevölkerung und die damit in Verbindung stehenden sozialen und psychologischen Konstrukte noch nicht systematisch untersucht. Erste Studien unserer Abteilung (in den USA und Dtl.) zeigen, dass bis zu einem Drittel der befragten Berufstätigen ihren Beruf entweder frei heraus als Bullshit Job einschätzen oder zumindest nicht ausschließen, d.h. nicht verneinen, dass sie einen Bullshit Job ausüben. Es deutet sich dabei klar an, dass Berufstätige in bestimmten Berufsfeldern (z.B. in einigen Segmenten des Dienstleistungssektors) mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ihren Beruf als Bullshit Job erleben als solche in anderen Berufsfeldern.
In weiteren Studien soll (a) die Datenbasis hinsichtlich der Verbreitung von Bullshit Jobs vergrößert werden, (b) untersucht werden, welche Korrelate die (fortgesetzte) Tätigkeit in einem Bullshit Job aufweist, (c) analysiert werden, wie das Persönlichkeitsprofil von Personen in Bullshit Jobs beschrieben werden kann und (d) eine implizite Erfassung der Auffassung des eigenen Berufs als Bullshit Job umgesetzt werden (z.B. anhand des Sorting Paired Features Task, Bar-Anan, Nosek & Vianello, 2009).
 
Bar-Anan, Y., Nosek, B. A., & Vianello, M. (2009). The sorting paired features task: A measure of association strengths. Experimental Psychology, 56, 329–343. doi:10.1027/1618-3169.56.5.329

Graeber, D. (2018). Bullshit jobs: A theory. Ney York: Simon &Schuster.

 

Empathie und Perspektivenübernahme (Betreuuung: Claudia Sassenrath)

Empathie wird häufig als Überbegriff verwendet und bezieht sich auf alle Reaktionen eines Individuums auf die beobachtbaren Erfahrungen/Reaktionen eines anderen Individuums. Es wird hierbei allerdings eine kognitive Komponente (Perspektivenübernahme) von einer affektiven Komponente (Mitgefühl) unterschieden. Perspektivenübernahme bezeichnet den (kognitiven) Prozess des Imaginierens der Sichtweise einer anderen Person – was denkt/fühlt diese Person, wohingegen Mitgefühl impliziert, dass eine affektive Verbindung zu einer anderen Person aufgebaut wird – es werden die Emotionen der anderen Person mitgefühlt. Sowohl Perspektivenübernahme als auch Mitgefühl gelten als zentrale Kompetenz für harmonische soziale Interaktionen und Kommunikation. So zeigen verschiedene Studien, dass die Übernahme der Perspektive einer Person, die einer Minderheit angehört, Vorurteile gegenüber dieser Minderheit reduziert. Mitgefühl mit anderen Personen, insbesondere Leidenden, erhöht die Bereitschaft, Hilfeverhalten zu zeigen. Allerdings gibt es neuere Studien, die diese positiven Effekte einschränken. In unsere Forschung beschäftigen wir uns damit, unter welchen Umständen Mitgefühl und Perspektivenübernahme zu positiven und unter welchen Bedingungen zu negativen Konsequenzen führen. Hierbei werden unterschiedliche Moderatoren berücksichtigt, z.B. die Gruppenmitgliedschaft oder die erlebten Emotionen des targets von Perspektivenübernahme/Mitgefühl sowie der Kontext, in dem Perspektivenübernahme oder Mitgefühl gezeigt werden soll. Darüber hinaus  untersuchen wir mittels psychophysiologischer Messmethoden, mit welchen körperlichen Reaktionsmustern Perspektivenübernahme/Mitgefühl einhergeht.

Literatur:

Sassenrath, C., Wagner, M., Keller, J., & Sassenberg, K. (2018). It's a challenge! Empathizing with sad but not with angry individuals results in cardiovascular reactivity consistent with a challenge motivational state. Emotion.

Sassenrath, C., Pfattheicher, S., & Keller, J. (2017). I might ease your pain, but only if you’re sad: The moderating role of empathized emotion in the empathy-helping association. Motivation and Emotion, 41, 96-106. 

Pfattheicher, S., Sassenrath, C., & Schindler, S. (2016). Feelings for the suffering of others and the environment: Compassion fosters proenvironmental tendencies. Environment and Behavior, 48, 929-945. 

Sassenrath, C., Diefenbacher, S., Siegel, A., & Keller, J. (2016). A person-oriented approach to hand hygiene behavior: Emotional Empathy Fosters Hand Hygiene Practice. Psychology & Health, 31, 205-227.

Sassenrath, C., Hodges, S. D., & Pfattheicher, S. (2016). It's all about the self: When perspective taking backfires. Current Directions in Psychological Science, 25, 405-410.

Olderbak, S., Sassenrath, C., Keller, J., & Wilhelm, O. (2014). An emotion-differentiated perspective on empathy with the emotion specific empathy questionnaire. Frontiers in Psychology, 5, 653.

 

Gewohnheitsbildung und Gewohnheitsmessung (Betreuung: Svenja Diefenbacher)

Bei der Steuerung von Verhalten spielen neben Intentionen (Sheeran, 2002) auch Gewohnheiten eine mindestens ebenso große Rolle (Gardner, Bruijn, & Lally, 2011; Verplanken, 2018). Gewohnheit wird dabei definiert als ein automatischer Prozess, bei dem das Auftreten eines bestimmten Hinweisreizes in einer Situation eine bestimmte Verhaltensoption anbahnt (Gardner, 2015). Die aktivierte Verhaltensoption wird in der Folge ohne kognitive Anstrengung ausgeführt, sofern weder Unterbrechung durch externe Faktoren noch willentliches Eingreifen erfolgen (Gardner, 2015; Wood & Rünger, 2016). Bei positiven Gewohnheiten kann somit Verhaltensregulation ohne bewusste Entscheidungsprozesse und damit anstrengungsarm im Sinne bestimmter Ziele erfolgen (Verplanken, 2018).
Für die Entstehung von Gewohnheit ist ein wiederholtes Ausführen eines bestimmten Verhaltens in Reaktion auf einen bestimmten Kontextreiz erforderlich, um eine entsprechende Verknüpfung im assoziativen Gedächtnis auszubilden (Gardner, 2015; Wood & Rünger, 2016). Erste Modellierungen legen nahe, dass bis zur Etablierung einer Gewohnheit eine tägliche Wiederholung des Verhaltens im Zielkontext über bis zu 36 Wochen benötigt werden kann (Lally, van Jaarsveld, Potts, & Wardle, 2010). Die Frage, inwieweit Gewohnheitsbildung durch direktes Training der Kontext-Verhaltens-Assoziationen künstlich beschleunigt werden kann, besitzt daher große praktische Relevanz (vgl. Lin, Wood, & Monterosso, 2016).
Die Messung von Gewohnheit erfolgt hauptsächlich über Selbstberichtsmaße, die in unterschiedlicher Güte die Definition von Gewohnheit umsetzen (Rebar, Gardner, Rhodes, & Verplanken, 2018). Reaktionszeit-basierte Messinstrumente stellen hier eine vielversprechende Alternative dar (Gardner, 2015; Hargadon, 2017).
Es sind mehrere Abschlussarbeiten möglich, welche jeweils die Konzeption, Durchführung und Auswertung einer Studie zur Erprobung und/oder Validierung von Interventionsmaßnahmen zur beschleunigten Gewohnheitsbildung oder von präzisen Operationalisierungen von Gewohnheit beinhalten. Im Fokus der Studie sollen Verhaltensweisen stehen, die mindestens einmal täglich in einem bestimmten Kontext im Alltag vieler Menschen auftreten können.

Literatur:

Gardner, B. (2015). A review and analysis of the use of ‘habit’ in understanding, predicting and influencing health-related behavior. Health Psychology Review, 9, 277-295.

Gardner, B., de Bruijn, G. J., & Lally, P. (2011). A systematic review and meta-analysis of applications of the self-report habit index to nutrition and physical activity behaviours. Annals of Behavioral Medicine, 42, 174-187.

Gardner, B., Phillips, L. A., & Judah, G. (2016). Habitual instigation and habitual execution: Definition, measurement, and effects on behaviour frequency. British Journal of Health Psychology, 21, 613-630.

Hargadon, D. (2017). Developing an implicit measure of habit strength: The habit IAT (Doctoral dissertation). Kingston, ON: Queen’s University.

Lally, P., van Jaarsveld, C. H., Potts, H. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40, 998-1009.

Lin, P. Y., Wood, W., & Monterosso, J. (2016). Healthy eating habits protect against temptations. Appetite, 103, 432-440.

Neal, D. T., Wood, W., Labrecque, J. S., & Lally, P. (2012). How do habits guide behavior? Perceived and actual triggers of habits in daily life. Journal of Experimental Social Psychology, 48, 492-498.

Rebar, A. L., Gardner, B., Rhodes, R. E. & Verplanken, B. (2018). The Measurement of Habit. In B. Verplanken (Ed.). The Psychology of Habit: Theory, Mechanisms, Change, and Contexts. (pp. 31-49). Cham, Switzerland: Springer. ProQuest Ebook Central, ebookcentral.proquest.com/lib/kiz-uniulm/detail.action.

Sheeran, P. (2002). Intention-behavior relations: A conceptual and empirical review. European Review of Social Psychology, 12, 1-36.

Verplanken, B. (2018). Introduction. In B. Verplanken (Ed.). The Psychology of Habit: Theory, Mechanisms, Change, and Contexts. (pp. 1-10). Cham, Switzerland: Springer. ProQuest Ebook Central, ebookcentral.proquest.com/lib/kiz-uniulm/detail.action.

Wood, W., & Rünger, D. (2016). Psychology of habit. Annual Review of Psychology, 67, 289-314.

 

Anwendungsforschung zu Händehygiene im Gesundheitswesen: Einflussfaktoren und Maßnahmen zur Erhöhung der Händehygiene-Compliance (Betreuung: Svenja Diefenbacher)

Mangelnde Händehygiene stellt nach wie vor eine zentrale Ursache für nosokomiale Infektion in deutschen Krankenhäusern dar. Die Schätzungen gehen von 400.000 bis zu 1 Million nosokomialer Infektionen pro Jahr aus (Gastmeier et al., 2016; Walger, Popp & Exner, 2013). Die Wirksamkeit von Händehygiene zur Prävention von Keimübertragungen und zur Vermeidung von während eines Krankenhausaufenthalts erworbener Infektionen ist empirisch gut belegt (Allegranzi & Pittet, 2009). Dennoch weist das tatsächlich gezeigte Händehygieneverhalten von KlinikmitarbeiterInnen vielfach Lücken auf (Erasmus et al., 2010; Wetzker et al., 2016).

Im Rahmen einer Abschlussarbeit können unterschiedliche Aspekte psychologischer Grundlagenforschung für das Thema Händehygiene im Gesundheitswesen nutzbar gemacht werden und theoretisch vielversprechende Einflussfaktoren empirisch auf ihre Relevanz hin überprüft werden. Dabei sind korrelative oder experimentelle Fragestellungen zu potentiellen Einflussfaktoren ebenso möglich wie die Testung von neu entwickelten oder adaptierten Interventionen. Einen Schwerpunkt unserer bisherigen Forschung stellte beispielsweise die Rolle von Empathie bei der Erklärung und Verbesserung des Händehygieneverhaltens (Sassenrath, Diefenbacher, Siegel & Keller, 2016) dar. Ebenso spielt Gewohnheit (s.o.) auch für das Händehygieneverhalten eine wichtige Rolle.

Die Erhebung soll idealerweise als Feldstudie auf mehreren Krankenhausstationen erfolgen. Eine wichtige Aufgabe im Rahmen der Abschlussarbeit ist daher der Kontakt und die Koordination mit den Entscheidungsträgern der Einrichtung, wobei existierende Kontakte nahezu unabdingbar sind angesichts des zeitlichen Rahmens. Darüber hinaus sollen der Einrichtung die Ergebnisse in geeigneter Form zugänglich gemacht werden (üblicherweise als Vortrag).

Literatur:
Allegranzi, B., & Pittet, D. (2009). Role of hand hygiene in healthcare-associated infection prevention. Journal of Hospital Infection, 73, 305-315. 

Erasmus, V., Daha, T. J., Brug, H., Richardus, J. H., Behrendt, M. D., Vos, M. C., & van Beeck, E. F. (2010). Systematic review of studies on compliance with hand hygiene guidelines in hospital care. Infection Control & Hospital Epidemiology, 31, 283-294.

Kingston, L., O'Connell, N. H., & Dunne, C. P. (2016). Hand hygiene-related clinical trials reported since 2010: A systematic review. Journal of Hospital Infection, 92, 309-320.

Gastmeier, P., Geffers, C., Herrmann, M., Lemmen, S., Salzberger, B., Seifert, H., ... & Fätkenheuer, G. (2016). Nosokomiale Infektionen und Infektionen mit multiresistenten Erregern–Häufigkeit und Sterblichkeit. DMW-Deutsche Medizinische Wochenschrift, 141, 421-426.

Sassenrath, C., Diefenbacher, S., Siegel, A., & Keller, J. (2016). A person-oriented approach to hand hygiene behaviour: Emotional empathy fosters hand hygiene practice. Psychology & Health, 31, 205-227.

Walger, P., Popp, W., & Exner, M. (2013). Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013. Hygiene & Medizin, 38, 329–338.

Wetzker, W., Bunte-Schönberger, K., Walter, J., Pilarski, G., Gastmeier, P., & Reichardt, C. (2016). Compliance with hand hygiene: reference data from the national hand hygiene campaign in Germany. Journal of Hospital Infection, 92, 328-331.

 

Einfluss von Werten auf das Erleben von Situationen im Alltag (Betreuung: Rebekka Kesberg)

Universelle menschliche Werte können als abstrakte transsituationale kognitive Repräsentation von erstrebenswerten Zielen, die als Leitlinien im Leben dienen, definiert werden. Das Schwartz Wertemodell postuliert 10 universelle, motivational verschiedene Werte, die auf zwei Hauptdimensionen angeordnet werden können: Selbststärkung vs. Selbsttranszendenz sowie Offenheit für Veränderung vs. Bewahrung des Bestehenden. Bisherige Forschung konnte zeigen, dass bestimmte Werte unter anderem auf prosoziales Verhalten in sozialen Dilemmasituationen sowie politische Einstellungen und Wahlverhalten beeinflussen können. In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, ob und inwieweit sich Werte auch auf das Erleben und Verhalten von Alltagssituationen auswirken. Zudem untersuchen, welche Faktoren zu kurzfristigen als auch dauerhaften Veränderungen in persönlichen Werten führen (z.B. Auslandsaufenthalten).

Zudem zeigt sich, dass über verschiedene Kulturen hinweg die gleiche relative Anordnung der Wichtigkeit der Werte existiert (z.B. wird Benevolence in jeder Kultur die höchste Priorität gegeben), während man große Unterschiede in der absoluten Wichtigkeit der Werte findet. Daher möchten wir auch untersuchen, ob sich im Einfluss von Werten auf Alltagsverhalten kulturelle Unterschiede zeigen.

Bardi, A., & Schwartz, S. H. (2003). Values and behavior: Strength and structure of relations. Personality and social psychology bulletin, 29(10), 1207-1220.

Schwartz, S. H. Basic Human Values: An Overview.

Schwartz, S.H., & Bardi, A. (2001). Value Hierarchies Across Cultures: Taking a Similarities Perspective. Journal of Cross-Cultural Psychology (32) 268-290.

 

Umweltverhalten als soziales Dilemma (Betreuung: Laila Nockur)

Obwohl das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt und viele Menschen positive Umwelteinstellungen berichten, steigt der Ressourcenverbrauch von Jahr zur Jahr an. Ein Erklärungsansatz betrachtet Umweltverhalten als soziales Dilemma, da die Gesamtheit vom Beitrag des Einzelnen profitiert (z.B. können alle die sauberere Luft genießen, wenn eine Person auf das Autofahren verzichtet), während nur diese eine Person die Kosten (z.B. körperliche Anstrengung, erhöhter Zeitaufwand) trägt. Dabei können Ressourcen-Spiele (Take-Some-Dilemmas) oder Beitrags-Spiele (Give-Some-Dilemmas) umgesetzt werden.
In unserer Forschung interessiert uns, welche Randbedingungen und Faktoren das Verhalten in sozialen Dilemmas bestimmen, um daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten, die Umweltverhalten begünstigen.

Literatur:
Van Lange, P. A., Joireman, J., Parks, C. D., & Van Dijk, E. (2013). The psychology of social dilemmas: A review. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 120(2), 125-141.

Gardner, R., Ostrom, E., & Walker, J. M. (1990). The nature of common-pool resource problems. Rationality and Society, 2(3), 335-358.

Hauser, O. P., Rand, D. G., Peysakhovich, A., & Nowak, M. A. (2014). Cooperating with the future. Nature, 511(7508), 220.

Chen, A., & Gifford, R. (2015). “I wanted to cooperate, but...”: Justifying suboptimal cooperation in a commons dilemma. Canadian Journal of Behavioural Science/Revue Canadienne des Sciences du Comportement, 47(4), 282.

 

Environmental Amotivation (Betreuung: Laila Nockur)

Eigenmotivation könnte einer der wichtigsten Faktoren sein, um Umweltverhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Dabei wird der Fokus der Forschung oft auf motivierte Personen gelegt. In unserer Forschung beschäftigen wir uns mit dem unteren Ende des Motivations-Spektrums, der Amotivation. Amotivation kann ausgelöst werden durch mangelnde (wahrgenommene) Kompetenz oder der Erwartung, dass eine Handlung nicht das gewünschte Ergebnis bringen wird. Bisher wenig untersucht ist der Fall, in dem Amotivation auf die Nicht-Relevanz eines Themas zurückgeht. Einfach gesagt: Gibt es auch Menschen, denen die Umwelt tatsächlich einfach egal ist? Und was sind Möglichkeiten amotivierte Personen zu nachhaltigem Verhalten zu bewegen?

Literatur:
Ryan, R. M., & Deci, E L. (2000). Intrinsic and extrinsic motivations: Classic definitions and new directions. Contemporary Educational Psychology, 25, 54-67.

Pelletier, L. G., Tuson, K. M., Green‐Demers, I., Noels, K., & Beaton, A. M. (1998). Why are you doing things for the environment? The motivation toward the environment scale (MTES). Journal of Applied Social Psychology, 28(5), 437-468.

Pelletier, L. G., Dion, S., Tuson, K., & Green‐Demers, I. (1999). Why do people fail to adopt environmental protective behaviors? Toward a taxonomy of environmental amotivation. Journal of Applied Social Psychology, 29(12), 2481-2504.

 

Intuition and reflection in the evolution of cooperation (Betreuung: Laila Nockur)

Belohnung, Bestrafung und Reputation sind Faktoren, die kooperatives Verhalten in sozialen Dilemmas beeinflussen können. Wir untersuchen die Wirkweise dieser Faktoren in Interaktion mit Intuition und Reflektion, um unter anderem folgende Fragen zu beantworten: Wird die Belohnung kooperativer bzw. die Bestrafung unkooperativer Gruppenmitglieder intuitiv oder deliberativ ausgeführt? Verändern Personen bei Einführung eines Belohnungs- oder Bestrafungssystems oder Reputation cues ihr Verhalten durch intuitive oder deliberative Prozesse?

Literatur:

Balliet, D., Mulder, L. B., & van Lange, P. A. (2011). Reward, punishment, and cooperation: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 137, 594-615.

Keller, J., & Pfattheicher, S. (2011). Vigilant self-regulation, cues of being watched and cooperativeness. European Journal of Personality, 25, 363-372.

Rand, D. G., Peysakhovich, A., Kraft-Todd, G. T., Newman, G. E., Wurzbacher, O., Nowak, M. A., & Greene, J. D. (2014). Social heuristics shape intuitive cooperation. Nature Communications, 5: 3677.

Verkoeijen PPJL, Bouwmeester S (2014) Does intuition cause cooperation? PLoS ONE, 9, e96654.