Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat gleich zwei Sonderforschungsbereiche der Universität Ulm verlängert. Der SFB 1506 „Alterung an Schnittstellen“, der jetzt in die zweite Förderphase geht, untersucht molekulare Mechanismen der Alterung an biologischen Schnittstellen. Grünes Licht gab die DFG auch für die dritte Förderphase des SFB/TRR 234 „CataLight“. Der Transregio-SFB der Universitäten Ulm und Jena widmet sich der lichtgetriebenen Katalyse, bei der Sonnenenergie zur nachhaltigen Herstellung von Wasserstoff genutzt wird.
„Wir freuen uns sehr über diesen doppelten Fördererfolg. Er ist das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Spitzenleistungen und stärkt unser Profil als Forschungsuniversität in den Bereichen `Green Energy´ und ‚Life Long Health‘. Für ihre herausragende Arbeit und Ausdauer möchte ich mich bei den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausdrücklich bedanken“, sagt Universitätspräsident Professor Michael Weber.
Alterungsprozesse auf molekularer Ebene verstehen
Im Sonderforschungsbereich 1506 „Alterung an Schnittstellen“ der Universität Ulm forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 lebenswissenschaftlichen Fachgebieten zu den molekularen Prozessen des Alterns. Das übergeordnete Ziel ist es, Alterungsprozesse aufzuhalten und die Entstehung altersbedingter Erkrankungen zu verhindern. Besonders im Fokus der Forschung stehen biologische Schnittstellen, über die der Informationsaustausch zwischen Molekülen, Zellen und Organen koordiniert wird. Im Blick haben die Forschenden dabei insbesondere Organe wie Gehirn, Haut, Lunge und Knochen, die altersbedingte Erkrankungen prägen und Schrittmacher des organischen Alterns sind, sowie Stammzellen und das Immunsystem. Die DFG fördert den Alterns-SFB, der von der Ulmer Universitätsmedizin getragen wird, bis Ende 2029 mit rund 14 Millionen Euro.
„Alterung ist kein festgelegtes biologisches Programm, sondern ein plastischer Prozess, der sich genetisch, pharmakologisch und durch Umgebungsfaktoren beeinflussen lässt“, betont das Ulmer SFB-Sprecherduo Professor Hartmut Geiger und Professorin Karin Scharffetter-Kochanek. Die Ulmer Forschung soll in neue Anti-Aging-Strategien und individuelle Therapien einfließen. „Unsere Ergebnisse werden den behandelnden Ärztinnen und Ärzten helfen, die besten therapeutischen Entscheidungen zu treffen“, so die beiden Forschenden.
Aus der ersten Förderphase gibt es bereits vielversprechende Erkenntnisse – beispielsweise aus der Stammzellforschung – zu regenerativen Schlüsselmechanismen, die Hinweise geben auf elementare molekulare Stellschrauben des Alterns. Beteiligt am Ulmer Alterns-SFB sind neben der Universität Ulm und dem Universitätsklinikum weitere Ulmer Kliniken sowie Forschungspartner aus München, Tübingen und Aachen.
„Grüner“ Wasserstoff nach dem Vorbild der Natur
Wie sich nach dem Vorbild der Photosynthese Energie aus dem Sonnenlicht umwandeln und in chemischer Form speichern lässt, daran forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Jena im SFB/TRR 234. Der Transregio-Sonderforschungsbereich „CataLight – Lichtgetriebene molekulare Katalysatoren in hierarchisch strukturierten Materialien“ wird bereits seit 2018 gefördert und erreicht nun die dritte und damit letzte Förderphase. Die DFG stellt dafür 12,3 Millionen Euro zur Verfügung. Der chemische Prozess, der bei CataLight im Mittelpunkt steht, ist die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mit Hilfe von Sonnenlicht. Die lichtgetriebene Katalyse ist ein Schlüsselprozess für die Herstellung von ‚grünem‘ Wasserstoff, der für eine klimafreundliche Energieversorgung genutzt werden kann.
Aus den ersten beiden Förderphasen gibt es bereits Erfolge: So ist es gelungen, photokatalytische Prozesse schützend in polymere Materialien einzubetten und diese zu stabilisieren. Fortschritte gab es außerdem bei der Suche nach nachhaltigen Materialien und der Entwicklung von Photosystemen, die sich selbst reparieren. Hinzu kommen „Solarbatterien“, die gespeicherte Sonnenenergie auf Knopfdruck freigeben können. In der kommenden Förderphase wollen die Forschenden nun katalytische Teilprozesse, die bislang getrennt erforscht wurden, miteinander verknüpfen und untersuchen, wie unterschiedliche Halbreaktionen am besten ineinandergreifen.
„Wir wollen Sonnenlicht als Energiequelle für chemische Katalysen nutzbar machen, um unserer Gesellschaft eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen“, so Professor Sven Rau von der Universität Ulm und Professor Felix H. Schacher von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die beiden Chemiker bilden das Sprecherteam für die dritte Phase des SFB zur Photokatalyse. An „CataLight“ sind neben den Universitäten Jena und Ulm die Universität Wien, die Universität Mainz, das Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, das Helmholtz-Institut für Polymere in Energieanwendungen Jena und das Leibniz-Institut für Photonische Technologien beteiligt. Forschende der Universität Oldenburg sowie Mercator Fellows aus den USA und Tschechien verstärken den Verbund.
Weitere Informationen zum SFB 1506 „Alterung an Schnittstellen“
Prof. Dr. Hartmut Geiger (Sprecher), Leiter des Instituts für Molekulare Medizin an der Universität Ulm, E-Mail: hartmut.geiger(at)uni-ulm.de // Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, (Stellv. Sprecherin), Ärztliche Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm, E-Mail: Karin.Scharffetter-Kochanek(at)uniklinik-ulm.de
Weitere Informationen zum SFB 234 „CataLight“
Prof. Dr. Sven Rau (Sprecher), Leiter des Instituts für Anorganische Chemie I der Universität Ulm, E-Mail: sven.rau(at)uni-ulm.de
Prof. Dr. Felix H. Schacher (Co-Sprecher), Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Universität Jena, E-Mail: felix.schacher(at)uni-jena.de
Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann
