Am 18. September 2026 fand am KIT der HND-BW Workshop “Schriftliche (Abschluss-)Prüfungen im Zeitalter von KI” statt. In drei Impulsvorträgen mit anschließenden Kleingruppendiskussionen wurden zentrale Fragen rund umPrüfungen, Abschlussarbeiten und Hochschullehre im Zeitalter generativer KI diskutiert: Wie prüfen wir (noch) eigenständige Leistungen? Was bedeutet „gute Lehre“ in einer Welt, in der KI analytische und sprachliche Aufgaben übernimmt? Und wie können Hochschulen rechtlich, didaktisch und organisatorisch verlässlich handeln?
Worum ging es – und warum ist das für uns relevant?
In den Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich: Generative KI ist längst Teil der Hochschulrealität –und stellt insbesondere schriftliche, unbeaufsichtigte Prüfungen und Abschlussarbeiten grundlegend infrage. Die Beiträge vonProf. Dr. Thomas Hoffmeister (Konrektor für Lehre und Studium, Universität Bremen), Prof. Dr. Sarah Rachut (Direktorin des Instituts für Rechtswissenschaften, TU Braunschweig) und Prof. Dr.Henner Gimpel (Universität Hohenheim und Fraunhofer FIT) lassen sich in drei Kernbotschaften zusammenfassen:
1. Ein reines KI-Verbot bei (unbeaufsichtigten) schriftlichen Prüfungen ist weder realistisch noch rechtssicher.
Bei unbeaufsichtigten Prüfungen ist der Nachweis verbotener KI-Nutzung kaum möglich, auch KI-Detektoren und Wasserzeichen liefern keine belastbare Grundlage für Täuschungsvorwürfe. Die Beweislast im Fall vermuteter Täuschungsversuche liegt bei den Hochschulen. Insofern wird ein KI-Verbot kaum durchsetzbar und vor allem nicht kontrollierbar sein.
2. Wir müssen stärker „prüfen, was Maschinen nicht können“ – und was wir wirklich mit Hochschulbildung erreichen wollen.
Generative KI übernimmt zunehmend einfache und mittlere Anforderungsbereiche (Reproduktion, strukturierte Darstellung, sprachliche Optimierung. Hochschullehre sollte daher gezielt Kompetenzen fördern, die weiterhin genuin menschlich sind: Analyse, Synthese, Kreation, kritische Reflexion und begründete Entscheidungen.
3. Statt Verbote braucht es einen Prüfungskulturwandel und innovative Formate.
Prüfungen und Abschlussarbeiten sollten die Ko-Kreation von Mensch und KI sichtbar machen, ohne Eigenständigkeit unsichtbar werden zu lassen. Dies erfordert neue Aufgaben, neue Bewertungsraster und teilweise auch neue Formen von Abschlussarbeiten.
Was bedeutet das konkret? Handlungsempfehlungen für Lehrende
Für Lehrende ergeben sich aus den Vorträgen und Diskussionen aus unserer Sicht folgende praktische Ansätze:
Beziehen Sie die KI-Nutzung bewusst ein und gestalten Sie die Bedingungen transparent.
Geben Sie klar an, ob und wie KI in einer Prüfungsleistung oder einer schriftliche Aufgabe genutzt werden darf. Fordern Sie von Studierenden eine Reflexion zur KI-Nutzung (z. B. im Anhang, als kurzer Reflexionsteil oder im Kolloquium).
Richten Sie Aufgaben stärker auf höhere Kompetenzen aus.
Setzen Sie weniger auf reine Reproduktion von Wissen und dafür stärker auf Analyse, Beurteilung, Synthese und Kreation. Gestalten Sie Aufgaben so, dass eine kritische Auseinandersetzung mit KI-Ergebnissen nötig wird (z. B. “Bewerten Sie die Vorschläge von Tool X und begründen Sie Ihre Entscheidungen.”)
Bewerten Sie Prozesse statt nur Produkte.
Lassen Sie Studierende Zwischenschritte dokumentieren (Versionen, Rechercheschritte, Entscheidungsbegründungen) und nutzen Sie kurze Kolloquien, Präsentationen oder mündliche Ergänzungsprüfungen, um Verständnis und Eigenanteil sichtbar zu machen.
Empfehlungen für Studiengangverantwortliche
Auf der Ebene von Studiengängen rücken andere Fragen in den Vordergrund: Wie können Studiengänge gestaltet werden, um einerseits zukunftsrelevante Kompetenzen für eine Arbeitswelt mit KI zu vermitteln und anderseits Prüfungen zu gestalten, die diese Kompetenzen der Studierenden adäquat abzubilden?
Planen Sie KI-robuste vs. KI-integrierende Prüfungen planen
Prüfen Sie, in welchen Modulen KI-freie Prüfungen (z. B. Aufsichtsklausuren, mündliche Prüfungen) sinnvoll und nötig sind. Definieren Sie gleichzeitig Module, in denen KI bewusst integriert wird - mit klaren Lernzielen zur kompetenten KI-Nutzung.
Überprüfen Sie Prüfungsformate und entwickeln Sie sie weiter.
Überlegen Sie, ob klassische Take-Home-Prüfungen in ihrer bisherigen Form noch geeignet sind. Diskutieren Sie auch alternative Formate, z. B.:
- Portfolioprüfungen mit Peer-Review
- Kombination aus schriftliche Arbeit und ergänzender Reflexionsprüfung (mündlich oder schriftlich unter Aufsicht)
- stärker prozessorientierte Bewertung (z. B. Projektverläufe mit Kolloquien).
Und wie geht es weiter im ZLE?
Das ZLE wird die im Workshop diskutierten Ansätze aufgreifen und für die Universität Ulm weiterdenken, u. a. durch die Entwicklung von Workshops und Fortbildungen zu Prüfungsformaten und zur sinnvollen KI-Nutzung in der Lehre. Studiengangverantwortliche und Lehrende unterstützen wir auch jetzt schon bei der Weiterentwicklung von Lernzielen, Methoden und Prüfungsformaten. Wenn Sie Interesse an diesen Themen haben, eigene Beispiele teilen möchten oder Unterstützungsbedarf sehen, freuen wir uns über Ihre Rückmeldungen.
Hinweis: Dieser News-Beitrag ist mit Hilfe von P19 aus den Workshop-Notizen entstanden, die von P19 vorgeschlagene Version wurde von der Autorin gekürzt und angepasst.
