Projekt

Ethik der Medizin in historischer und kulturtheoretischer Perspektive: Wertediskurse und Ethikkonflikte im Gesundheitswesen der Sowjetunion und DDR

Das Projekt untersucht medizinethische Signaturen des 20. Jahrhunderts im Kontext staatssozialistisch verfasster Gesellschaften. Damit verfolgt es ein dreifaches erkenntnistheoretisches Ziel. Erstens möchte es die (zeit)historische Dimension medizinethischer Wertekonflikte im Sinne einer Histoire croisée vertiefen. Dabei geht es von einem Verständnis der gesamteuropäischen und der gesamtdeutschen Kulturgeschichte der Gesundheit als einer Verflechtungsgeschichte aus, deren Erweiterung um Russland bzw. DDR längst überfällig ist. Zweitens gilt es via Medizinethik neue Erkenntnisse über die Gesellschaften sowjetischen Typs selbst zu gewinnen, und so zu einer Theorie des Staatssozialismus beizutragen. Betrachtete doch die sowjetische Führung das Gesundheitswesen als dasjenige Vorzeigeprojekt des „entwickelten Sozialismus“, in dessen Rahmen die „kommunistische Zukunft“ bereits realisiert worden ist. Drittens gibt die spezifische Konstellation einer „anderen Moderne“, wie sie sich in den Weltanschauungsregimes Sowjetunion und DDR idealtypisch realisierte, Gelegenheit, das methodisch-theoretische Instrumentarium der medizinethischen Historiographie kritisch zu reflektieren. Dabei soll versucht werden, eine kulturtheoretisch fundierte Alternative sowohl gegenüber totalitarismustheoretisch geprägten oder auch gegenüber apologetisch gefärbten Ansätzen zu entwickeln.

 

Verantwortlich für das Projekt:

Dr. Igor Polianski, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Universität Ulm

 

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