Werkstatt-Kreativ Nr. 15

März/Juni 2002

Aufbau der Zeitschrift im Internet als Fließtext.
Die Texte bitte durchlesen und die Korrekturen an Dieter Trüstedt mailen:
dieter.truestedt@echtzeithalle.de.
Bitte auch, wenn Fehler in Texten anderer Autoren gefunden werden.
Die Abbildungen sind hier im Internet in unterster JPG-Qualität. Sie werden in der Druckausgabe der Werkstatt-Kreativ natürlich in bester Qualität wiedergegeben.
Letzte Änderung: 1. Juli 2002


Inhalt:
(vorläufige Reihenfolge)

- Titelseite
- Zinnober, Dieter Trüstedt
- to be somebody, Frederick William Ayer (Dieser Text kommt auf die Rückseite der Zeitschrift)
- Die vier Hütten des Musischen Zentrums, Dieter Trüstedt
- Reflections in my world, Frederick William Ayer

- Report Berlin visit 4-8 July 2001, Atelier, Frederick William Ayer
- Berlin-Reise der Atelier-Klasse, Olga Teider und Henrik Kühn
- Kreative Zerstörung & Neue Nomaden, Dieter Trüstedt
- Clipboard in Terror, Studierende im Atelier
- Klangsteine mit PC, Pressebericht
- Experimentelle Musik, Dieter Trüstedt
- Steinmusik & 3 abstrakte Filme, Dieter Trüstedt & EMU

- Konzertreise des Universitätschors Ulm, Harry Haidl
- Die Jahreszeiten von Joseph Haydn, Dorothea Strothmann
- Joseph Haydn und seinWerk, Anne-Sophie u. Martin Pasch
- Die Mehrstimmigkeit in der Musik des Abendlandes, Heinz Schwarzer
- Pioniere unserer Maltherapie, Sibylle Herrlen-Pelzer
- Frankreichreise des Uniorchesters April 2002, Orchestergeige
- So funktioniert die Cineasta-Filmauswahl, Henrik Kühn
- Seniorstudiernende auf Spurensuche: Der Maler Richard Liebermann. Heinz Görlich
- Pipiden oder die Zungenlosen in der Universität Ulm. Yuki Imamichi und Dieter Trüstedt
- Ballett der Universität Ulm
- DaKini-News. Henrik Kühn
- Langos. Tontafelaktion 2002. Aniko Gerencser und Dieter Trüstedt


Titelseite der Zeitschrift als Entwurf

 

Die Aufnahmen sind aus der Tontafelaktion 2002: die ausgeformten Täfelchen beim Trocknen in Wiblingen (Keramikwerkstatt des Musischen Zentrums der Universität Ulm) und
das Kunstobjekt Unifix von Caius Burri im Kunstpfad der Universität Ulm (beim Institut für Unfallchirurgie)

Die Farbe der Titelseite ist schwarz/weiß und zinnober (siehe Text).

Aufnahmen: Dieter Trüstedt


TO BE SOMEBODY

For Caius Burri, a posthumous poem


"There's always room
They say
At the top"
Langston Hughes


So long and from
Not so far from Bern.
Not even memories alive
Save those that history books
Will create for this
City of Ulm.

And here comes this song
The song of an atavistic land
Without a place.

So we stand here, Caius
On the edge of the unknown
And look out on the world
And wonder-

What we've gonna do
In the face of
What we remember

Yes Caius-
In the arms of your
Love and generosity
We gather up-

Yes Caius-
You are mistaken that you
Will be in the valley of
The anonymous-
Subdued with time-lost


Yes Caius-
Your place is in the pantheon
By the river Danube
Your soul has known rivers ancient
As the world and older than
The flow of human blood
In human veins
Your soul is deep like the
Danube whose waters would carry further
Your name
The muddy waters of the University-
The Burri Institude from your bosom
Will turn all golden in the sunset

Yes Caius-
Your vision is a gift for mankind-
Your work, scientific, medical
And artistic are the greatest
Gift You have given your adopted
City of Ulm and its University

Teacher, educator, father, friend,
Patron of the Arts and philanthropist

Yes Caius
When I and my colleagues think about you
The difference lies between
Tears and crying

I personally used to wonder
About the distance which
Is nowhere-

We will remember what
You said to us-
"That there's always room
They say,
At the top"

May your soul rest in
Peace-Our Friend.

by frederick william ayer
the artist in residence/ university of ulm
monday march 18.200


Zinnober

Die Farbgebung der Titelseite unserer Zeitschrift ist immerwieder ein spannender Vorgang. Fred hat schwarz/weiß vorgeschlagen. Bei schwarz/weiß gehen aber die Abbildungen mit den Texten nicht zusammen: das Hintergrundsbild wird sehr unruhig und die Schriften lassen sich mühsam lesen.

Die Hauptfarbe ist jetzt Zinnober, eine eigentlich warme Farbe, ein Magenta-Rot mit viel Gelb. Durch die Struktur der Tontäfelchen bekommt die Farbe eine gewisse Schärfe, über die wir noch nachdenken müssen. Die Rückseite der Zeitschrift hat aus Kostengründen natürlich diesselbe Farbe. Hier wirkt die Farbe durch die geschlossene Form wirklich so warm, wie sie auch in der Pantone-Palette genannt wird: "Warm Red". Nach dem international bekannten Pantone-Farbkommunikationssystem ist die Zusammensetzung für den Vierfarben-Druck:: Cyan = 0, Magenta = 79, Yellow = 91 und Schwarz = 0. Diese Mischung heißt auch Pantone Process Farbe CMYK und läßt sich im Computer und im Farbdrucker gut simulieren. In der Pantone-Palette steht noch die Nummer 175-8. Diese Farben - die Druckereien sagen auch Schmuckfarben - werden extra zusammengemischt aus 14 Pantone-Grund-Farben. Die Grammengen der Mischungen sind in Farb-Paletten angegeben. Unser Zinnober ist eine dieser Grundfarben: "Pantone Warm Red C", also wird die Druckerei diese Farbe ungemischt verwenden.

Es gibt dann noch die sehr vereinfachte Farbtabelle HKS, die von den Druckereien am liebsten verwendet wird. Unser Zinnober ist ungefähr die Nummer HKS 22 N. Dieser Farbe fehlt aber etwas die Wärme.

Im Musischen Zentrum haben wir ein sehr gutes Taschenlexikon der Farben mit 1440 Farbnuancen und 600 Farbnamen. Die Farbnamen transportieren viel Anmutung der Farbgebung, wie zum Beispiel: Enzianblau, Erbsgrün, Fahl, Flamingorot, Ginstergelb, Kreideweiß, Leichenblaß, Lavendelgrün, Neapelgelb, Nebelblau, Saphirblau, Rabenschwarz. Jede der 1440 Farben hat eine Kennung, aufgeteilt in 10 Basistabellen mit jeweils 8 Helligkeitsstufen und 6 Dunkelstufen.

Im Folgenden der Text zur Farbe 9A8, dem Zinnober:

= kalypsorot = chinarot = chinesischrot = scharlachrot = vermillon. Wie das Mineral (das Pigment) Zinnober, das aus Mercurisulfid, nämlich Quecksilber und Schwefel besteht. In vorhistorischer Zeit in China, Indien und Ägypten bekannt. Synonyme: chinarot, chinesischrot und vermillon. Das Wort ist orientalischen Ursprungs: arabisch: zinjafr, aus persisch: zinjifrah oder shängraf (= Mennige), Sanskrit: chinnavari (?) (= Chinafarbe ?). Über griechisch: kinnabari, lateinisch: cinnabaris (ursprünglich = Drachenblut), vermiculus (aus vermes = Wurm, lateinische Bezeichnung für kermes (siehe scharlachrot), womit Zinnober unzweifelhaft im Altertum verwechselt worden ist) wird: französisch: cinabre, vermillon, vermeil (auch von der Gesichtsfarbe), italienisch: cinabro, deutsch: zinnober, spanisch: cinabrio, bermelon, englisch: cinnabar, vermilion (1289) entwickelt.
Im römischen Reich wurde Zinnober mit (griechisch:) ammion = Mennige (= 8A8, lateinisch: minium (siehe mennige), verwechselt. Das eigentliche Zinnober (von dem ursprünglichen Mineral (Bergzinnober) bis zum künstlich hergestellten Mercurisulfid) variiert in Farbton von etwas 7 biz zu 10 und im Schattengrad von A bis zu B, liegt aber hauptsächlich bei der angegebenen Farbe, 9A8.

Aus "Taschenlexikon der Farben", A. Kornerup und J. H. Wanscher, Muster-Schmidt Verlag, Zürich, Göttingen, ISBN 3-85814-003-1

Dieter Trüstedt


Die vier Hütten des Musischen Zentrums

Ein Rückblick, denn Caius Burri ist am 13. März 2002 gestorben -
Burri einer der Gründungsväter des Musischen Zentrums der Universität Ulm.

Dieser Rückblick ist spontan geschrieben, nur Schlaglichter, nicht vollständig, nur die Frühlingsmonate des Jahres 1991 – spontan, wie Burri gehandelt hat, gezielt, schnell und wissend.

Caius Burri, 1991
Einweihungsfeier des Musischen Zentrums
(im Hintergrund die Fenster des Musikhauses, hier noch ohne Gläser, nur die Windklappen)

Situation Frühling 1991 zwischen Mensa und Zahnklinik:
Toni kommt mit einem Hänger voll Gipsplatten und Arbeitsgerät. Burri hatte eine Firma gefunden, die uns die Platten sponserte. Einige Tage später kamen auf ähnlichem Weg Rollen mit Steinwolle und Folien. Aus München brachte ich elektrisches Werkzeug und Kreissägen. Die EMU, die Gruppe Experimentelle Musik Ulm, besprach sich mit Jo Waidmann vom Bauamt über das richtige Anbringen von Isolierungen. Baitsch brachte eine Fuhre Bretter, offenbar aus eigener Tasche finanziert. Unmengen von Spaxschrauben und Heftklammern wurden verarbeitet. Wir arbeiteten mit Mund- und Nasentüchern gegen Gips-Staub und Steinwolle. Dann kamen plötzlich schöne Fenster und eine Tür für das Musikhaus, wie auch immer bezahlt. Das Musikhaus und das Atelier wurden zuerst fertig.

Das Gelände zwischen Uni-Mensa und Zahnklinik.
Vorbereitungen für die vier Hütten des Musischen Zentrums. Winter 1990/1991

Dann das Kulturbüro. Zuletzt das Musiklabor. Burri lies große Glastore für das Atelier bringen, damit das Atelier Tageslicht bekommt. Mühsam war die Feinarbeit im Kulturbüro, die vielen Bretter und Brettchen. Wir lernten und werkelten. Das Bauamt hatte eingesehen, daß die Häuser Heizung, Strom und Datenleitungen brauchen. Es war wohl so etwas wie ein Wunder, wie die Handlungen ineinander liefen. Synergie. Da war ja auch noch Rudi Volz von Digital Zeit, der das Musiklabor mit Tür und Einrichtung versorgte, den Dach-Boden im Musikhaus einbaute und alle vier Hütten anstrich. Viel Arbeit, viel Hilfe, viel Engagement, viel Eigenleistung.

Musisches Zentrum im Frühling 1991

Die Initiativgruppe
bildete sich aus der Crew von Helmut Baitsch, dem Kunstkonzept (Kunstpfad) von Caius Burri, der aufgeschlossenen Verwaltung, Heinrich Staak und der Kanzler Eberhardt, der Rektor ........, das kreative und unkonventionelle Bauamt und die arbeitswillige Gruppe EMU. Aus diesen Kräften entstand das Musische Zentrum, eine einmalige Einrichtung in ganz Deutschland.

Helmut Baitsch
war der Initiator des Musischen Zentrums. Die Idee geht auf das Projekt „Musik in Prävention und Therapie“, 1983, zurück, ursprünglich auf dem Kuhberg angesiedelt, als Vorprojekt zu Musiktherapie. Helmut Baitsch und Gerlinde Sponholz besuchten mich 1984 in München, um sich merkwürdige Musikinstrumente anzuschauen und anzuhören: Ballastsaiten, Lambdomas, Windharfen, Ch’in-Instrumente, Elektronische Musik, Laserlichtzeichnungen etc. Wir spielten spontan zusammen und merkten, dass das ganz gut zusammengeht. Dann kamen 6 Jahre intensive Gruppenarbeit mit monatlichen Berichten.

Helmut Baitsch und Caius Burri,
die Gründungsväter des Musischen Zentrums.
Klassische und experimentelle Musik im Atelier. Frühjahr 1991.

Wir schrieben ein Buch über unsere Erfahrungen und Entdeckungen, die Theorien der Musiktherapie, die Musikbeispiele, die Instrumente und Gruppenimprovisationen. Gegen Ende des Projektes entwickelten wir die Idee eines Musischen Zentrums – eingerichtet in der Mitte der Universität. Es wurde gerade die Uni West gebaut. Das Zentrum sollte zwischen die beiden Universitätsteile im Verbindungstrakt als eigenes Gebäude.
Diese Pläne waren aus Kostengründen nicht zu realisieren.

Burri-Institut, Science Parc Universität Ulm, entworfen
gebaut, eingerichtet und durchgeführt von Caius Burri.
Im Vordergrund die Paradies-Gruppe von Niki de Saint Phalle,
ständiges Exponat im Kunstpfad.
Aufnahme: Jutta Wolf, 1991/92

Beginn der Musischen Tage
Gemeinsam mit Helmut Baitsch veranstalteten wir Klanginstallationen und öffentliche Gruppenimprovisationen im Hörsaal auf dem Kuhberg. Dann kam das künstlerische Happening im UFO in der Uni auf dem Eselsberg, eine Mischung aus bildender Kunst und improvisierter Musik. Wir entwickelten und veranstalteten die Winter- und Sommerwerkstätten experimenteller Musik. Die Musischen Tage zunächst im Mensa-Bereich, organisierten wir schließlich gemeinsam mit allen künstlerischen und kreativen Gruppen der Universität Ulm. Seit 2 Jahren findet dieses künstlerische Fest im Stadthaus Ulm statt.

Caius Burri
war im Musischen Zentrum vor allem für den Bereich der bildenden Kunst zuständig. Er organisierte das Atelier, entwickelte das Konzept „Artist in Residence“, half auch bei der Fotogruppe von Jutta Wolf und legte die Grundlagen für das Ton-Atelier in Wiblingen (der Brennofen und der Raum). Das Besorgen von Geldern für diesen Bereich machte er zu seiner Aufgabe.
Und er half immer wieder bei Performances der Experimentellen Musik, der EMU, mit Räumen, sei es in seinem berühmten Institut für Unfallchirurgie, sei es in seiner Galerie pro Arte in der Hafengasse. Viele Aufführungen und Werkabende wurden auf diese Weise ermöglicht.
Burri war auch an den Musischen Tagen sehr interessiert. Er regte in seinem eigenen Institut zu graphischen Computerarbeiten und elektronischer Musik an. Es entstanden Zusammenarbeiten mit der EMU.
Burri hat den Kunstpfad mit seinen unermesslichen Kunstschätzen gebaut, bestückt und weiterentwickelt.

Aufführung der Gruppe Experimentelle Musik EMU im Burri-Institut, 1992. Butoh-Tanz: Helga Kast zur Computermusik LOAD von Jörg Schäffer, Steinmusik: Dieter Trüstedt, Federgong: Rudi Volz, Elektronische Geige: Ulrich Hahnel, Synthesizer: Christian Voecks, Graphische Computer-Musik TREE.H.17: EMU
Aufnahme: Jutta Wolf

Und noch einmal die Hütten.
Wie allgemein bekannt, sind die vier Hütten Fundstücke aus dem Badenwürttembergischen, gefunden vom Leiter des Bauamtes Prof. Wolf. Die Hütten sollten auf den Müll. Das Recyceln war zwar aufwendig, hatte aber den Vorteil, dass eine Baugenehmigung zunächst nicht notwendig war. Auf anderem Wege wäre es nie zur Musischen Werkstatt gekommen. Wie gründlich und umfassend gebaut wurde, hat Jutta Wolf auf ihren Fotos festgehalten.

Ein Konzept zum Schluss:
Neugierig auf das Experimentelle statt Bestätigung des Etablierten.

Dieter Trüstedt
Fotos: Jutta Wolf


 

REFLECTIONS IN MY WORLD

LAßT ALLE VÖLKER UNTER GLEICHEM HIMMEL
SICH GLEICHER FARBE WOHLGEMUT ERFREUN.
GOETHE 1827

1. The twoness - dr. Dubios in the souls of black folk (1903)
2. Measuring one's soul through the eyes of the other
3. As ground to start this talk - I will deposit in your mind these concepts as a magnifying glass.

A Take an imaginary abstract line - some three hundreds years ago - (1) Quebeck (feudal) religion catholic, language, french has an organic culture just as Lichtenstein in Europe.
B But in the United States or Africa - there were and are different cultures etc.

4. The African American forefathers were snatched from their homelands - transported in cringing ships, torn from their roots and culture as Dostovesky observed, one must realize their pain and pathos, the drama and tragedy that was their lot.

5. The Europeans contrarily were not torn from their culture they went to America voluntarily with their culture.

6. Coming back to this abstract line let us imagine that at one end we have a simple culture - call it catholic feudal or tribal. In this imaginary line we see that it is bigger than the individual but the individual finds his meaning on his society. At the other end of this imaginary line in contrast to entity we have a constant striving for identity. Each individual lives in his own world - and this world generates entity versus identity (pre - individualism versus individualism) and the symbiosis of the determined unfree versus the free.

7. Here is the Bedrock of our situation.

8. Now the dilemma of the African in the diaspora - diaspora means areas in the five contintents were people of color abound. Whether in Africa, USA, the Caribean, South America, India, etc.
What conflicts?
These conflicts can be summarized thus:
A The public He/She comes into contact with
B The environment

9. The rationalizations are that He/She must be freed of all race consciousness before he can understand the true nature of human experience the African American may attempt to return to the Africa culture not as a source but as an escape and say this is my culture. "I have no culture" but He/She will find that He/She cannot accomplish this departure because he is an American (see beyond the angry black by John A. Williams)

10. The double sided mirror

a Observe Alexander Dumas (French) 1812/1870 the author of "The Count of Monte Cristo" inter alia.
b Alexander Puschkin 1799/1877, russian.
c Phillis Wheatley - 12 year old African - who wrote poetry in England like Pope etc.
These three writers were at one with the culture they lived in.
11. Thinking about the history in America the Black Church.

A Portrays a sense of a whole universe, to society and man were the only guide to personal dignity. Which comes through the archaic morphology of christian saluation.
B Folklore, Blues, Spirituals Gospel Music, Folktales through the Griots in Africa (see roots by Alex Haley).

12. The racial Mountain
a The Harlem Renaissance
1 What is Africa to me, by Countee Cullen.
2 If we must die by, Claude Mckay.
3 The negro speaks of rivers, by Langston Hughes.

13. Renaissase is a word sometimes used to denote a lively movement in people's mind after a period of oppression or depression.
The triumvirate of McKay, Cullen and Hughes did well to promote the Harlem Renaissance.
If we must die - McKays Poem cinvinced America as quoted by Winston Churchil to enter the second World War.
Also the negro speaks of river, by Langston Hughes.

14. In this context of renaissance Jazz, Blues, Paintings etc. were included.
The seeds of this renaissance were planted around 1917.
White Patrons - Carl Vaw Vechten
Jazz Age - Apollo Theater NYC. In Harlem and about this period - think about the lost generation in Europe and the Irish Renaissance.

15. Marcus Garvey - came from Jamaica thrilled African Americans about the pride in Blackness and of dreams to return to Africa.

16. But then the great deppression and crash of the Wall Street brought certain problems - we had the workers progress administration to support and sponsor art projects in big cities such as Chicago.
Notable author was Richard Wright and then came Jams Baldwin and Ellison.
a The other Problem is the Communist influence. In the light of the marxist critique people began to regard the African American not so much as a victim of racial prejudice but rather as a proletarian victimized by economic exploitation.
Observe - Practice Lumumba, Kwame Nkrumah, Sekou Tuore.
b Writer using the black physics
1 William Faulkner light in August - (Joe Christmas)
2 The White Negro by Norman Mailer.
3 Black writer James Baldwin - Letter to my nephew on the 100 anniversary of the emancipatic
4 Invisible man by Ralph Ellison.
In this book - the private truth is the Colort of the protagonist threatens his individuality and the public truth is that all men have been deprived of their individuality in this computer age.
Compare this with James Joyce's Stephen in Ullyses who had to confront his being Irish, Catholic and Family Traditions.
17. If we run into hibernation we seem to be like Dostovesky's hero and we cry "Who knows but on that lower frequencies I speak for you".

18. The 60's.
The political freedom of India, Pakistan, Ghana, Nigeria, Kenya brought some influence for example.

a The reemergence pride in blackness
b The need for a new direction.
c The theoretical prophesy of Frantz Fanon.

19. The revolution of the sixties brought a new array of writers who began writing daunting prose, poetry.
Writers began creating a new mythology out of conciousness that was long damaged and which was chiefly responsible for the duality in America or anywhere in Diaspora.

20. Language of a region is often associated with positive qualities the language of a state where non natives are is proned to be oppressive and dehumanizing if the non natives are not able to express themselves.

Mirrors by Nikki Giovanni.
Expressed that the face in the window is not the face in the mirror but basicaly and emotional view (Read - those who ride the night wind)

21. Zero image.
You see the African American grew up with a zero image something like this.
Little white boy - I'm white, I'm German, I'm Irish, I'm French, I'm English.
Little Black Boy, I'm nothing.

Concluding let us have hope in the children of tomorrow because they will be the leaders of tomorrow.
let us not forget the starving children whatever color or race. Let us build a world where everyone will be judged by His/Her merits.
The dislike and hate for people is as old as Cain and Abel, Jacob and Esau.
You and I know that time changes but do people really change. From so long ago there has been so many bridges across the Zambesi or Mississipi Rivers.
We are proud of the most beatiful woman in the world who is from Nigeria:
We are proud of the President of The United Nations who is from Ghana.
We are proud of the secretary of State of the United States of America.
We are proud of the Nobel Peace Receipient who is African.
We are proud of the Nobel Literature Receipient who is from the Carribean.
We are proud of the fastest man on earth who is from United States of America.
Finally we are proud of the achievements of our forefathers who will make us proud as humans in this world.

And I'll end with a poem of exhortation and celebration

Frederick William Ayer


 

Report
Berlin visit 4-8 July 2001

Students of the University of Ulm, active members in the Musische Werkstatt, section "Bildende Kunst"

Thursday, July 5th 2001, 09.00-1 2.30

Professor Joachim Beckmann welcomed our students and outlined the history of the Humboldt University of Berlin. The role that it played during the war years. Students, teachers and workers entering the university were placed under constant surveillance and check. As one of the oldest university of Germany it is playing a role in this modern multicultural City and its position as the center stage for the east and west part of Europe. The Humboldt University is in the city of about 3.5 million people with 35,000 students compared to our university with 5,500 students. Prof. Beckmann seems to have make a complete research on our university because he was formerly at the University of Konstanz.
The counter parts of our students engaged themselves in vigorous discussions about their various studies and student affairs. lt was a very illuminating experience and I am very pleased with the attentiveness of our students.

Friday, July 6th 2001, on the Reichstag

09.00 am we had a separate entrance as invited guests through a tight security check with our small sparrow. We were in the visitors lobby during the debate of our Macedonian engagement. Thereafter we were ushered in room C where we were greeted by Prof. Meyer and Dr. Kramer. There was a question and answer period. Prof. Meyer discussed his book an the European Charter and gave the students some pamphlets on the workings of the Bundestag. We were then given a guided tour through the Reichstag to the very top with a lot of informations. We then left for Potsdammer Platz to conduct our other programs. We breezed through the Jewish Synagogue and then a few other galleries of the eastern part of Berlin where we were greeted by Catherine David former directress of the documenta X and Jean Baptiste Joly director of the Schloß Solitude Academy in Stuttgart which was founded by Lothar Spät about ten years ago.

Saturday, July 7th, 2001

We left for Potsdam about 09.00 am to visit the Einstein House in Caputh. As we arrived we were unable to get in because lt was under renovation. Same of us went to the City of Potsdam to Schloß Sans Soucie. In the evening we were invited to Just Art Gailery in Berlin for a welcoming party. After that we went to the celebrated A-Train Jazz Club in Savigny where André Müller waited until 04.00 am to take part in a jam session with an American jazz saxophonist. The wait, I suppose was weil worth it for him because he was able to experience and compare his forte in playing saxophone. The main thing was he was able to consolidate contact. He succeeded.

Sunday, July 8th 2001

To avoid an artistic limbo we decided to go straight to the famed Pergamon Museum where we were able to experience cultural histories from Greece, Rome, Turkey, Persia and Babylon. lt was a worthwhile visit to observe this transportation of ancient time in this museum. I suppose mordern culture goes back to ancient times. As we decide to go forward in a changing cultural world inspite of its advancement in technology we ought to know and remember where we came from. This museum is a must for every visitor 10 Berlin. In the afternoon after lunch we set back home, some students worked on their laptop during the eight hours journey to Ulm.

Conclusion

I want to thank the Rector and the Kanzler for allowing us and financing this educational and cultural trip to Berlin. One thing is certain, our students have made a linkage with Humboldt University and we were the first university students from the south to visit the Reichstag. Now have a look 10 the reports of the students attached.


Frederick William Ayer
August, 31st 2001


 

Bericht der Atelier-Klasse Frederick William Ayer
über die Berlin-Reise vom 4.7. bis 8.7.2001


Mittwoch, 4.7.: Anreise
Die Abfahrt erfolgte zu der Künstler- und Studenten-kompatiblen Uhrzeit von 9.40 Uhr mittels eines ICE-Zuges vom Ulmer Hauptbahnhof aus. Durch die Nutzung des ICE konnte die Reisezeit auf 6 Stunden beschränkt werden (im Vergleich: Regionalbahn: 10 mal Umsteigen, Reisezeit ca. 48 Stunden). Dank Freds hausgemachten Chicken Wings konnte der amerikanische Independence Day unterwegs angemessen gefeiert werden.
Bei der Ankunft am Bahnhof Zoo in Berlin, bekamen wir einen ersten Eindruck von dieser Großstadt. Per S-Bahn erreichten wir unsere Herberge, das Clubhouse in Berlin-Mitte, direkt neben dem Friedrichstadtpalast gelegen.

Während der Zugfahrt entstanden diese Bilder:
die Zeichnerin (Olga Teider),
die Zeichnung,
das Modell (André Müller)
der Fotograf (Henrik Kühn)


Donnerstag, 5.7.: Besuch der Humboldt-Universität
Zu Fuß erreichten wir das Hauptgebäude der Humboldt-Universität ‚Unter den Linden 6'. Dort
erwarteten uns Fred und der stellv. Rektor der Uni, Prof. Joachim Bäckmann. In einem sehr interessanten Einführungs-Vortrag stellte Prof. Bäckmann die Humboldt-Universität vor. Er schilderte die vielfältigen Probleme und Chancen, die sich nach der Vereinigung ergaben, aber auch die Unterschiede einer Großstadt-Uni zu einer kleineren Universität wie Ulm oder Konstanz. In der anschließenden Diskussion mit Vertretern der studentischen Gremien fand ein reger Erfahrungsaustausch statt. Themen wie Studienbedingungen, Fachschaftsarbeit und studentische Selbstverwaltung standen im Vordergrund. Das Ulmer Modell der Studierendenvertretung (StuVe) wurde von uns erklärt und stieß auf großes Interesse bei den Berlinern, die in ihrem Studierendenparlament (StuPa) z.B. keine Direktmandate aller Fachschaften kennen. Auch eine mit der Musischen Werkstatt vergleichbare Einrichtung ist an der HU-Berlin nicht vorhanden.
Ähnlich zu Ulm gibt es dort Probleme mit fakultätsübergreifenden Studienfächern wie Lehramt, wo die Interessen der Studierenden in keiner Fakultät richtig wahrgenommen werden.
Wir stellten mit Verwunderung fest, dass uns von einem Besuch der Mensa abgeraten wurde, stattdessen wurde uns eine nahgelegene Pizzeria gezeigt, mit um 50% verbilligten Mittagspreisen.
Nach Prof. Bäckmanns Tipp haben wir uns das Mahnmal gegen die Bücherverbrennung im Dritten Reich vor der Bibliothek der HU angeschaut.
Danach konnte jeder für sich Berlin erkunden, Fred ging mit interessierten Studenten zum Check-Point-Charly.
Abends sind wir mit Fred durch mehrere kleine Galerien gestreift, um die aktuelle Kunstszene zu erkunden. Fred stellte uns der international bekannten Ausstellungsleiterin Catherine David vor.

Der Dom, Berlin, 2001. Aufnahme: Henrik Kühn


Freitag, 6.7.: Besuch des Bundestages
Mit dem schweren Ulmer Spatzen im Gepäck sind wir zu Fuß zum Reichstagsgebäude gewandert. Fred, wir und der Spatz sind erfolgreich durch die skeptische Begutachtung der Sicherheitskontrolle gekommen. Danach konnten wir eine Plenarsitzung über den eventuellen Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr miterleben. Anschließend trafen wir uns mit dem Bundestagsabgeordneten Prof. Jürgen Meyer (SPD), auf dessen Einladung wir im Bundestag waren. Es ergab sich eine interessante Diskussion über EU-Grundrechte-Charta, die Problematik der informationellen Selbstbestimmung im Spannungsfeld von Abhörmaßnahmen zur Verbrechensbekämpfung und dem Grundrecht des Post-/Fernmeldegeheimnis (auch im Internet), als auch die aktuelle Frage von Bundeswehreinsätzen im Rahmen einer gesamteuropäischen Sicherheits- und Außenpolitik.
Prof. Meyer führte uns danach auf die Aussichtsplattform des Reichstagsgebäudes, wo wir die neue Foster-Kuppel begehen konnten.
Am Potsdamer Platz gab's noch ein gemeinsames Mittagsessen.

Samstag, 7.7.: Potsdam
Mit unserem 5-tages Besucherticket konnten wir Busse, Tram, U- und S-Bahn nutzen und auch nach Potsdam fahren. In Potsdam-Caputh wanderten wir zum Einstein-Haus, das leider zur Zeit nicht von innen besichtigt werden kann. Am Nachmittag besuchten wir in Potsdam den Schlosspark, mit Schloss Sanssoucis und anderen historischen Gebäuden.
Am Abend lud uns Fred nach dem Besuch einer Finnisage in der Galerie "Pro Arte" noch in den Jazz Club "A-Trane" ein, wo ein Konzert mit brasilianischem Jazz stattfand. Bei der anschließenden Jam Session bot sich für unseren Star-Saxophonisten André die Gelegenheit, mit Berliner Jazzmusikern zu spielen.

Frederick William Ayer, Reiseleiter.
Zwei Studentinnen ( N.N. & Olga Teider).
Aufnahme: Henrik Kühn


Sonntag, 8.7.: Pergamon Museum und Abreise
Nach dem Auschecken aus der Jugendherberge sind wir zur nahe gelegenen Museumsinsel spaziert und haben das weltberühmte Pergamon Museum besichtigt. Neben dem Pergamon Altar hat uns vor allem das babylonische Ischtar-Tor beeindruckt. Interessant ist auch die Abteilung für islamische Kunst.
Nach einer letzten Stärkung in Berlin erfolgte die Rückreise ohne nennenswerte Ereignisse.

Autoren: Olga Teider und Henrik Kühn (DaDa)


 

wissensnavigator.europop.net/lebenswelt/sinnfindung/index.txt

Kreative Zerstörung

Der Aufstieg und Fall von Firmen ist charakteristisch für das kapitalistische Wirtschaftssystem. Die Gründungs- und Liquidationszyklen von Unternehmen beschreiben ähnliche Kurven: In Krisen, wenn die Zahl der Konkurse am höchsten ist, erreicht auch die Zahl der Neugründungen einen Höchststand. Ein Kollaps ist deshalb keine Katastrophe, sondern ein ökonomisch sinnvoller Prozeß, da er zu einer Erneuerung von Organisationen führt. Sowohl Schumpeter (1943) als auch Alchian (1950) stellten die Gleichgewichtstheoreme der Ökonomen in Frage und schlugen evolutionäre Ansätze vor, die schöpferisches Handeln berücksichtigen. Schumpeter prägte den berühmten Ausdruck von der »kreativen Zerstörung«, womit er die Notwendigkeit von Innovationen für eine funktionierende Volkswirtschaft beschrieb. Der Prozeß der schöpferischen Zerstörung bedeutet industrielle Selbstorganisation, bei der die Unternehmer die Funktion haben, die Produktionsstruktur durch Erfindungen oder Innovationen zu reformieren oder zu revolutionieren. Durch Innovationen werden die Wirtschaftsstrukturen und -prozesse aus sich selbst heraus, d.h. aus einer Endo-Perspektive, verändert und nicht im Rahmen einer Anpassung an Veränderungen von außen.

Neue Nomaden

In den letzten 30 Jahren sind fünf Prozent der Menschheit zum Nomadentum zurückgekehrt: Arbeitsmigranten, politische Flüchtlinge, ihres Grunds und Bodens beraubte Bauern, aber auch Angehörige der virtuellen Klasse. Jeder fünfte Amerikaner zieht das ganze Jahr umher; in Europa ist es jeder zehnte. In weiteren 30 Jahren werden mindestens 10 Prozent der Menschheit zu den neuen Nomaden gehören.
Laut Jacques Attali lassen sich drei Typen von neuen Nomaden unterscheiden: Angehörige des Jet-Sets, die dem chronischen Unterwegssein auf Kosten von Langzeitjob-Stabilität ergeben sind; zweitens die notleidenden, die sich ihr ganzes Leben lang, ihr Überleben vor Augen, herumtreiben; und schließlich die ungeheure Mehrzahl der »virtuellen« Nomaden, seßhaft, eingesponnen im eigenen Heim, aber beseelt von der Hoffnung, eines Tages die Mittel für ein Jet-Set-Nomadentum zu besitzen, und gleichzeitig getrieben von der Angst, dem Elend anheimzufallen.

Gewisse Eigenschaften teilen jedoch alle Nomaden:
·
Unbekümmertheit: das Herz nicht an materielle Besitzstände zu hängen; statt dessen Ideen, Erfahrungen, Wissen und Beziehungen zu sammeln;
·
Freiheit: kreativ zu sein und sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren; die eigene Identität nicht durch eine Muttersprache oder ein Vaterland bestimmen zu lassen, das notfalls verteidigt sein will, sondern durch eine Kultur, die sich mitnehmen läßt;
·
Gastfreundschaft: höflich, offen gegenüber anderen, aufmerksam zu sein; zu wissen, daß von der Freundlichkeit, die einem im Tausch gegen den Beweis des eigenen Könnens entgegengebracht wird, das Überleben abhängen kann;
· Wachsamkeit: in jedem Moment zum Aufbruch bereit zu sein, im Wissen davon, daß die eigene Position und der aktuelle Aufenthaltsort jederzeit gefährdet sind;
·
Vernetzt-sein: sich informelle Strukturen zu schaffen, die auf Interessenteilung beruhen und sich in lockeren, jedoch jederzeit aktualisierbaren Bindungen äußern.

http://wissensnavigator.europop.net/lebenswelt/sinnfindung/index.txt

p.s.
Die beiden Definitionen habe ich unter der oben angegebenen Adresse gefunden. Diese Adresse enthält ziemlich zeitgenössische Definitionen zu Begriffen unserer Zeit. Die Zusammenhänge sind oft merkwürdig. Im Fernsehen sprach ein Professor, angestellt beim zentralen Arbeitsamt in Nürnberg, durchaus kritisch über sein eigenes Haus. Da hörte ich überrascht den Begriff der Kreativen Zerstörung. Hinter dem wissensnavigator steht die Deutsche Verlagsanstalt DVA, die z.B. die Zeitschrift Bild der Wissenschaft herausgibt. Querverweise laufen u.a. zu Telepolis im ct-Verlag - den wohl jeder Informatikstudierende kennt - http://www.heise.de/tp/ als sehr informative virtuelle Kulturpolitik-Zeitschrift.

Dieter Trüstedt


 

Clipboard in Terror
or "Kunst und Krieg"

Works by Members of the Musische Werkstatt

Ausstellung Musische Tage 2001
Stadthaus Ulm, 15. Nov. 2001

 

Joachim Beck, Faces, 2001, 35/35 cm, Acryl collage on canvas

 

Henrik Kühn, Nach vorher, 2001, 200/160 cm, Mixed technique on canvas

 

Collective Works, David & Goliath, 2001, 200/68/54 cm, Sculpture

 

Ursula Bertele, Titel, 2001, Grösse, Material

 

Olga Teider, Total Composition, 2001, 90/90 cm, Mixed technique on canvas


 

Klangsteine mit PC

Musische Tage um Gründungsvater Helmut Baitsch

... so lautet die Überschrift in der Neu-Ulmer-Zeitung am Freitag 16. Nov 2001 zu den Musischen Tagen, die am Abend vorher stattfanden. Das „Redaktionsmitglied“ Roland Mayer, hatte sich die Sache schon am frühen Nachmittag am Donnerstag angeschaut. Er war schneller als anderen Zeitungen. Sein Text:

„Mein Stein ist eine Stradivari“, schmunzelt Henrik Kühn, Informatik-Student und begeisterter Performance-Teilnehmer der Musischen Werkstatt der Universität Ulm.
Gestern bestellte Dieter Trüstedt die Musischen Tage 2001 im Stadthaus. Und saß abends mit Kühn und anderen Experimentier-Begeisterten auf dem Podium, um nach der Partitur, die wie eine Regieanweisung aussieht, eine strukturierte Improvisation mit richtigen Klang-Steinen aus der Iller zu elektronischen Klängen aus dem PC lautmalerisch über die Runden zu bringen.
Die Partitur hat man sich per Internet zugeschickt. „Fast wie eine Choreographie“, Kommentiert Trüstedt das steinverzierte Meeresbrandungs-Rauschen, das bei der Performance mit einem spätmittelalterlich nachempfundenen Trompetenhals, genannt „Trumscheit“ in der Mitte, unter dem heimatlich verbundenen (und verfremdeten) Motto „Klopfsteinhöhle“ über die Bühne geht.
Mit von der Partie im Stadthaus-Saal: Die von Frederick William Ayer geleitete Atelierklasse, die ja in den vier Holzhütten auf dem Oberen Eselsberg ihre schöpferischen Akte vollzieht. Ayer hat dem Gründungsvater der Musischen Werkstatt, Helmut Baitsch, der am Buß- und Bettag seinen 80. Geburtstag feiert und gestern die Hauptperson im Stadthaus war, ein Bild gewidmet.

„Wenn ich alles weiß ...“: Frederick William Ayer (links) hat dem Initiator der Musichen Werkstatt, Helmut Baitsch, ein Bild gemalt. Foto: Mayer

Darauf ist der Geburtsort Karlsruhe per Pkw-Schild gekennzeichnet. Fluxus-Lettern zieren die linke Bildnische, ein Gedicht das Schreibtisch-Szenarium zwischen Himmel und Hölle. „Kunst und Krieg“, ist das Motto der Ausstellung, die den 11. September und Afghanistan thematisieren, aber auch mit kaligraphischen Netzwerken um die Friedenstaube am „Tower von New York“ von Ursula Bertele mutigen Eindruck hinterlässt.


 

Experimentelle Musik

Im Musiklabor des Musischen Zentrums "spielt" jeden Freitag die Gruppe Experimentelle Musik EMU. Das Wort spielt ist nicht wie im normalen Musikbetrieb gemeint, d.h. Partituren von bekannten Komponisten üben und aufführen, sondern suchen, entdecken, entwickeln von eigenen Musikstücken und Klangereignissen. Die "Musikinstrumente" sind durchweg selbst entworfen und gebaut oder es sind selbst entwickelte elektronische Klänge. Letzteres hat zur Zeit den Vorang: Wir bauen unsere Klänge mit den Mitteln der elektronischen Musik, so wie sie in den 70er Jahren entstanden ist: Sinustöne, Sinusgruppen, Filter, Rauschen, statistische Generatoren, Vocoder, Ringmodulatoren und so weiter. Der Zugriff während des Musizierens ist das Mikrofon, die Tastatur oder das interaktive Spiel mit Internet-Programmen.

Wir sind so ungefähr sieben Experimentatoren und Spieler oder Musiker. Unsere Aufführungen sind Zwischenberichte aus unseren Klangentdeckungen. Das Konzert während der Musischen Tage 2002 im Stadthaus Ulm, die Steinmusik, ist im folgenden Artikel beschrieben.

Helga spielt Schilfflöte, ein Instrument, das in der EMU vor ca. 11 Jahren entwickelt wurde. Die Schilfflöte ist ein historischen Instrument aus der Frühzeit der Menschheit. Der Klang ist recht klagend, so wie bei vielen Zungeninstrumenten.

Dieses Streichpsalter, das Henrik hier während einer Gruppenimprovisation zupft, ist aus einer Schenkung von Helmut Baitsch. Das Streichpsalter wird normalerweise mit einem Bogen gestrichen. Die Stimmung ist pentatonisch. Der Klang ist sehr zart, irgendwie himmlisch, spielen doch meist Engel dieses Instrument (in den Bildern barocker Kirchen).

Axel spielt hier mit dem Nord Micromodular, einer kleinen roten Kiste, in ein ganzes Studio elektronischer Musik untergebracht ist. Wir lieben diese Kiste, weil die Klänge schier unbegrenzt und vollkommen frei herstellbar sind. Der Computer dient nur als Programmierhilfe. Die rote Kiste an auch ohne PC leben.

Dieter Trüstedt


 

Steinmusik & 3 abstrakte Filme

(Die Partitur zur Steinmusik der Gruppe Experimentelle Musik Universität Ulm, siehe auch Pressebericht. Vielleicht wie eine moderne Lyrik lesen. Es kann ja sein, dass wie das Stück nochmal spielen wollen. Dann wissen wir wo die "Partitur" zu finden ist. Die zugehörigen 3 Filme kommen noch ins Internet. Sie lassen sich hier nicht wiedergeben. Es sind reine Computerfilme im Flash-Format.)

Anfang: Weiss nach Schwarz „Anfang“ / warten bis „Anfang“ verschwindet

1. Waagerechte Balken in Pink
Reiben gleichmäßig, leise, verfärben - zwischen den Handflächen halten
> > konstantes andauerndes Bild, ruhige Haltung
> > nicht unbedingt auf den Film schauen, besser: Kontakt untereinander
Froschteich einzeln, dann dichter, dann heftig und chaotisch, verfärben in der Hand
> > erst Duette, dann heftiges Chaos STOP & PAUSE
Landschaft erst Henrik-Klick, dann kleiner Frosch, dann zweiter kleiner Frosch,
dann 2 Spieler reiben, dann ein Specht etc. / sehr durchsichtig, seltsam etc.
> > zartes lebendiges Bild
Klopfsteinhöhle Klick (Steine am Ende fassen & am anderen Ende mit Schwung scharf treffen)
sehr offenes gleichmäßiges Zeitmaß, jeder unabhängig, absolut konstant
> > durchgehend spielen - auch im Schwarz - bis gelbe Säule sichtbar wird

2. Senkrechte Balken in Gelb, Magenta und Schwarz
Stimmen unmerklich beginnen, bleibt unterhalb der Landschaft, wie von sehr weit her
Summen > einzelne Laute > Sprechbilder > Ruf-Bilder
Trumscheit beginnt !! spielt die Kreissäge - SOLO - relativ lang ausgehalten
Werkstatt Steine klopfen auf den Stuhl und Metall der Stühle und aneinander etc.
> > wildes lautes Bild
Fallen Steine fallen auf den Boden (aus der Werkstatt heraus), immer mehr und dichter
Spieler auf den Knien > > ziemliches Gegrummel

3. Kreisbild in Schwarz und Weiß bis ganz Weiß
Trommel Steine fallen auf das Trommelfell > > äußerer Bereich des Fells
Steinhaufen Steine fallen auf die Trommel-Mitte und vermischen sich - helle und tiefe Töne
2. Steinpärchen (liegt vorbereitet bei der Trommel) mitverwenden
Hände 1. mit den Händen trommeln und die Steine tanzen lassen
2. mit den Fingern wie Regen trommeln
Feuerwerk erster Blitz, ein zweiter, immer mehr / Rhythmus wie Klopfsteinhöhle: sehr offen, sehr konstant, jeder sein Mass ohne Koordination mit den anderen

Ende: immer noch die Blitze / „Ende“ taucht im dunkler werdenden Hintergrund auf
Stop ! wenn graues „Ende“ im grauen Hintergrund untertaucht,
ganz still bleiben, nach einiger Zeit gemeinsam aufstehen & verbeugen

Das Spielmaterial der EMU:
links die Rabuna (Durchmesser 90 cm !) - eine große Rahmentrommen, im blauen Eimer die Klingsteine aus der Iller (für jeden Spieler ein Pärchen und etliche Ersatzsteine), ebenfalls im blauen Eimer die uralten Feueranzünder für den Funkenregen am Schluß) und schließlich das Trumscheit mit Bogen. Alles im Stadthaus auf der Bühne am Donnerstag 15. November 2001. Foto: Dieter Trüstedt (etwas im Stress).



KONZERTREISE
des UNIVERSITÄTSCHORS ULM

...Ob auch Göttinger Griechen unsere Art von Musik wohl mögen .... ?

Diese Frage wird wohl bis auf weiteres - zumindest von Göttinger Griechen - nicht beantwortet werden können.
Denn bevor diese Frage an den Wirt des griechischen Speiselokals gestellt werden konnte, war dieser flugs in der Küche verschwunden, um bei der Zubereitung von 58 leckeren, teilweise nach landesüblicher Weise (mit viel Knoblauch!) mit zu helfen. So fand zwar der gute Zaziki, das Souvlaki und die gefüllten Weinblätter, samt dazu gehörigen Lammfleisches in unsere Mägen, aber die entscheidende Erkenntnis nicht in unser Bewußtsein...

Doch wie kam es soweit ?

Hier ist die Antwort !
Prof. Hütterman, Dozent an der Uni Göttingen, der übrigens auch der Vater eines damaligen Mitsängers im Universitätschor Ulm ist, hatte uns eingeladen. Wir sollten Gast der katholischen St. Paulus-Gemeinde sein und als Botschafter der Universitätsstadt Ulm herzlich willkommen sein ! Große Ereignisse werfen - wie immer - ihren langen Schatten voraus: diese Reise mußte wohl vorbereitet sein ! Eine Woche zuvor hatte eine Delegation des Universitätschor Ulm (Dirk und Harry) bereits die Städte Göttingen und Fulda besucht, um von dem großen Ereignis zu künden. Plakate und Handzettel wurden verteilt, die Jugendherberge und die St. Paulus-Kirche so wie der Bischofsdom zu Fulda inspiziert und letzte technische Details mit den Verantwortlichen besprochen.
Am 14. Juli 01 war es soweit! Endlich Abfahrt um 8:00 Uhr in einem komfortablen Reisebus der Firma Rösch. Der Chauffeur brachte uns sicher nach Göttingen, wo wir Gelegenheit hatten diese alte, von Kriegszerstörung verschont gebliebene Universitätsstadt doch auch einmal näher kennen zu lernen.. Prof. Hüttermann ließ es sich nicht nehmen, uns Ulmern "SEIN" Göttingen zu zeigen. Mit kundigem Sachverstand und gut vorbereitet führte er durch seine Stadt. Um 15:30 Uhr nun war es Zeit, sich in der Generalprobe ein zu stimmen auf den festlichen Abend. Eine großartige Akustik in der St. Pauluskirche, wie auch UMD Albrecht Haupt begeistert feststellte.
Schnelles Einquartieren in der Jugendherberge, leichtes Abendbrot und erste Nervosität:
Wird auch alles gutgehen ?
Ein tolles Kirchenkonzert entfaltete sich der anwesenden Kirchengemeinde von St.Paulus.
UMD Albrecht Haupt, Hannes Kalbrecht am Klavier, Conrad Schütze an der Orgel und unser gern gehörter Tenor Stephan Frieß, so wie der Chor gaben ihr Bestes. Einziger Wermutstropfen: Es hätten gerne mehr Zuhörerinnen und Zuhörer sein können!
Sätze von Liszt und Cesar Franck und Benjamin Brittens "Jubilate in Deo" wurden in überzeugender Verbindlichkeit und Schönheit als Bekenntnis des christlichen Glaubens vorgetragen. Janaceks´ "Vaterunser" bildete den Abschluß des Konzertes das Romantische Klänge nach Göttingen bringen sollte.
Nach so einem Erlebnis waren wir alle hungrig und durstig: Und nun kommt der "Grieche" ins Spiel.....!
Stärkung auf griechisch, lebhafte freudige Unterhaltung, Lachen, Wein, fröhlich sein...Ja, stolz darauf, dabei gewesen zu sein!
Pünktlich konnte dann am nächsten Morgen die Weiterreise nach Fulda beginnen. Nach dem Einsingen im bereits gut gefüllten Bischofsdom konnten wir die sonntägliche Pfarrmesse mitgestalten. Zum Antwortgesang gaben wir Mendelssohns`"Laudate Pueri", zur Gabenbereitung. C.Francks`"Alleluja, laudate", Sanctus und Kommunion: Mendelssohns`"Heilig ist Gott" und Liszts`"Osanna". Feierlich endete der Auszug mit B.Brittens
"Jubilate in Deo" in der kolossalen Weite des Bischofdoms.
Nicht enden wollender spontaner Beifall der am Gottesdienst teilnehmenden Gäste krönten eine gelungene Konzertfahrt des Universitätschors Ulm und werden sie uns unvergessen machen.
Sicher bis zur nächsten Fahrt im Juli 02 nach Leipzig?
Zeit genug sich bis dahin auf die entscheidende Frage vor zu bereiten :
...Ob auch die Leipziger Griechen unsere Art von Musik mögen... ? Ich glaube schon ! Denn Musik verbindet - immer und überall!

Harry Haidl

p.s. Die Reise nach Göttingen und Fulda war am 14. und 15. Juli 2001

Der Universitätschor Ulm im Chorraum St.Paulus, Göttingen


 

"Die Jahreszeiten" von Joseph Haydn

Über die Probenarbeit und das Konzert aus der Sicht eines Chor-Mitglieds

Dieses Mal bin ich an der Reihe: ich soll für die "Musische Zeitung eine kurze Betrachtung" anstellen, die Auskunft über das letzte Projekt des Uni-Chors gibt, "Die Jahreszeiten" von Joseph Haydn.
Da ich nicht die Gefühle der anderen Chor-Mitglieder kenne, kann ich natürlich nur meine persönlichen Eindrücke niederschreiben und hoffen, daß sie möglichst repräsentativ für die Anderen sind.

Heute ist der Tag nach dem Konzert und es fällt mir schwer "abzuschalten": es gehen mir ständig die unterschiedlichsten Melodien dieser wunderschönen Musik durch den Kopf. Man-che entpuppen sich als richtige "Ohrwürmer", z.B. das schmetternde Krachen des Gewitters oder aber die Bitte des Landmannes an den Himmel, er möge doch Regen schicken. Ich fühle mich etwas zwiespältig: eigentlich würde es mir Freude machen, diese wunderschöne Musik noch einmal aufzuführen, andererseits bin ich aber auch erleichtert, daß nun erst einmal bis Anfang März keine Proben mehr anstehen (dann gibt es ein Paar Proben zwischen den Semes-tern). Die Erleichterung ist zu erklären: Seit Oktober 2001 haben wir regelmäßig jeden Mitt-woch geprobt; dazu kamen noch zwei ganze Wochenenden Probenarbeit. Rechnet man das mal zusammen, so ergibt das mehr als 50 Stunden. Bei dieser Zahl kann man schon von einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Werk von Haydn sprechen. Aber - ohne diese konzentrierte Arbeit kann ein solches Werk nicht aufgeführt werden.

Die Probenarbeit ist zwar anstrengend, ich bin aber der Meinung, das sie geeignet ist, einen echten Ausgleich zu dem täglichen, beruflichen Streß bzw. zum Studentenalltag zu schaffen, und sie macht natürlich auch viel Freude. Insbesondere die sog. "Probenwochenenden" sind ein gesellschaftliches Ereignis für den Chor. Dort wird nicht nur gesungen, sondern auch so manche "Kuchenschlacht" geschlagen und die neuesten Tratsch- und Klatschgeschichten aus-getauscht. Natürlich - und darauf legt Albrecht Haupt größten Wert - nur in den Pausen! Ein besonderer Höhepunkt ist immer das Wochenende in Babenhausen. Das ist eine Jugendbil-dungsstätte, in der wir immer - auch in diesem Jahr - im Wintersemester ein Wochenende verbringen, um das gerade anstehende Werk "konzertreif" zu proben.

Im Vorfeld dieses Wochenendes gibt es immer etwas Streß, weil nach Aussage von Albrecht Haupt eine Konzertteilnahme nur für die Chormitglieder möglich ist, die auch in Babenhausen waren. Entsprechend drängend wird daher auch in jeder Probe die Frage nach der Zahl der Anmeldungen gestellt: "Wer hat sich noch nicht angemeldet?" Herr Haupt hat Recht: ohne eine Teilnahme wären "Die Jahreszeiten" vermutlich kein Erfolg geworden.

Besonders beliebt ist dann immer der Samstagabend in Babenhausen, wenn es gilt, die restli-che Freizeit (nach Beendigung der Probe gegen 22.00 Uhr) mit "Wein, Weib, Musik und Tanz und dem Verzehr des restlichen, von den Chor-Mitgliedern mitgebrachten Kuchens" zu verbringen. Dieses Mal wurde der Tanz von lateinamerikanischen Klängen eingeleitet: Martin legte mit Rita einen flotten Tango aufs Parkett. Andere gesellten sich dazu. Dabei kamen al-lerdings die Jüngeren nicht auf "ihre Kosten"; sie haben daher zu etwas vorgerückter Stunde etwas "Rockiges" zum Tanzen aufgelegt.

Wie einfallsreich die Chormitglieder sein können, wenn es darum geht, die verspannten Mus-keln zu lockern, muß ich kurz beschreiben, weil der Anblick doch etwas sonderbar war. Da wurde eine Art Massage-Schlange gebildet: jeder massierte dem Vordermann bzw. der Vor-derfrau die Nackenmuskulatur; dabei stand der letzte in der Schlange auf einem Stuhl, weil er wesentlich kleiner war als sein Vordermann. Eine tolle Therapie, man sollte sie auch für den Büroalltag vorschlagen.

Im Großen und Ganzen war Babenhausen mal wieder eine "runde Angelegenheit": das Essen war wieder sehr gut, das Wetter war fast frühlingshaft und die Proben sehr vielversprechend. Wir fuhren am Sonntag zuversichtlich nach Hause; nun konnten wir dem Konzert beruhigt entgegen sehen.

Bevor das Konzert endlich beginnen konnte, standen noch eine Haupt- und Generalprobe an (obligatorisch). Beide mit Solisten und Orchester. Dabei müssen sich alle Beteiligten anein-ander gewöhnen und kleinere Unebenheiten können "ausgebügelt" werden. Das Konzert selbst ist immer etwas Besonderes. Ob und wie gut es gelungen ist, sollen andere beurteilen. Der tosende Beifall, der nach dem letzten Ton erklang, läßt aber vermuten, daß es den Zu-schauern sehr gut gefallen hat. Im übrigen spreche ich bestimmt für alle, wenn ich sage, daß der Unichor diese Musik mit ganz besonders viel Freude gesungen hat.

Dorothea Strothmann



Joseph Haydn und seinWerk
- eine Einführung zur Arbeit des Universitätschors Ulm
im Wintersemester 2001/2002

Zu Lebzeiten war Joseph Haydn sowohl als Musiker, als auch als Mensch sehr geschätzt. Mozart sagte über ihn: "Der Komponist, der unterhält und erschüttert, der das Gelächter und tiefes Gefühl hervorruft, wie kein Anderer." Am 31.März 1731wurde er im niederösterreichischen Ort Rohrau geboren. Die Nähe zur tschechischen und ungarischen Grenze brachte ihn mit der Musik anderer ethnischer Herkunft in Kontakt. Früh erkannte man sein musikalisches Talent und seinen schönen Sopran. Mit sechs Jahren wurde er nach Hainburg zur Schule geschickt. Dort wurden ihm erste Grundkenntnisse der Musik vermittelt. Später erzählte er von dieser Zeit: "Ich verdanke es diesem Manne noch im Grabe, dass er mich zu so Vielerlei angehalten hat, wenn ich gleich dabei mehr Prügel, als zu Essen bekam." Seiner Entdeckung durch den Kapellmeister im Dom zu St. Stephan in Wien folgten neun Jahre als Chorknabe im Stephansdom. Die Ausbildung dort war jedoch so schlecht, dass er sich seine musikalischen Kenntnisse ausschließlich selbst aneignen musste. Aufgrund disziplinärer Schwierigkeiten wurde er entlassen, es folgten Jahre der Armut. Er verlor jedoch nie den Mut und meinte später: "Durch diese elende Brode gehen viele Genies zugrund, da ihnen die Zeit zum Studieren mangelt. Die Erfahrung traf mich leider selbst, ich würde das Wenige nie erworben haben, wenn ich meinen Kompositionseifer nicht in der Nacht fortgesetzt hätte." Trotz allem schien er jedoch glücklich gewesen zu sein: "Ich konnte auf meinem von Würmern zerfressenen Klavier arbeiten und beneidete keinen König um sein Glück." In dieser Zeit machte er die Bekanntschaft mit dem Komponisten und Gesangslehrer Nicola Porpora, der ihn die italienische Sprache und das Komponieren beibrachte, und ihm zudem erste Kontakte zum musikinteressierten Adel vermittelte. Er schrieb seine ersten Streichquartette für den Grafen Fürnberg, später wurde er von dem Wiener Grafen Morzin als Kapellmeister engagiert, was ihm endlich ein regelmäßiges Einkommen verschaffte. Er heiratete, doch scheiterte die Ehe an dem fehlenden Musikverständnis seiner Frau. 1761 trat Haydn zunächst als Vizekapellmeister in die Dienste des Fürstenhauses Esterházy. Der hohe musikalische Anspruch des Fürsten trieb Haydn zu zahlreichen Symphonien, Opern, Messen, Streichquartetten, Sonaten und Kammermusik. Später sagte er über diese Zeit: "Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selber irremachen und quälen, und so musste ich original werden." Im Jahre 1790 starb der Fürst und Haydn, 58 Jahre alt, siedelte nach Wien über, in der Hoffnung, ein paar ruhige Jahre zu verleben. Der Höhepunkt seines Schaffens folgte jedoch. erst 1791 mit seine erste Reise nach England, wo er binnen kürzester Zeit zum Mittelpunkt des musikalischen Lebens in London wurde. Die "Londoner Zeitung" 1792: "Nie hatten wir einen reicheren musikalischen Genuss. Freilich ist nicht zu verwundern, dass Haydn den für die Musik empfänglichen Herzen ein Gegenstand der Verehrung, ja Anbetung sein muss; denn gleich unserem Shakespeare bewegt und regiert er die Leidenschaften nach seinem Willen." Seine zweite Reise nach London 1794 stellte den Höhepunkt seines symphonischen Schaffens da. Er lebte in London ein freies und ungezwungenes Leben: "Wie süß schmeckt doch eine gewisse Freiheit, ich hatte einen guten Fürsten, musste aber zu Zeiten von niedrigen Seelen abhangen, ich seufzte oft um Erlösung, nun ahnte ich sie einigermaßen." 1796 begann Haydn mit dem Komponieren seines wichtigsten Werkes, dem Oratorium "Die Schöpfung". Die Anregung hierfür, wie auch für "Die Jahreszeiten", holte er sich in London:
Baron van Swieten, kaiserlicher Bibliotheksdirektor, bot ihm einen Gedichtszyklus an, der die Jahreszeiten aus Sicht der Landbevölkerung beschreibt. Die Zusammenarbeit mit dem Baron erwies sich als schwierig: "Die Jahreszeiten haben mir den Rest gegeben, ich hätte sie nicht schreiben sollen. Ganze Tage habe ich mich mit einer Stelle plagen müssen". Menschen und Natur einer niederösterreichischen Landschaft spiegeln sich in der Sicht des Pächters Simon (Bass), seiner Tochter Hanne (Sopran) und des jungen Bauern Lukas (Tenor), denen ein aus "Landvolk" und "Jägern" zusammengesetzter Chor gegenübersteht.. Der Frühling ist die Zeit der Saat und der Hoffnung. Im Vorspiel zeigt der sich zurückziehende Winter nochmals seine stürmische Macht. Mit unserem ersten Chor "Komm, holder Lenz !" hat sich der Frühling jedoch endgültig durchgesetzt. Er endet mit einer machtvollen Fuge zum Lob Gottes. In der Einleitung zum Sommer bricht das Morgenlicht an. Naturalistische Tonmalereien bestimmen die Beschreibung eines Sommertages vom Weckruf des Hahns über die Darstellung der drückenden Mittagshitze. Die Schwüle entlädt sich schließlich im Gewittersturm, den wir auch stimmlich donnern ließen. Nach Abzug des Gewitters klingt der Sommer friedlich-heiter aus. Der Herbst erzählt von Ernte, Jagd und Weinlese. Im Mittelpunkt steht ein Liebesduett, von unseren Solisten wunderschön gesungen. Zu dem Chor "Juhe, der Wein ist da" sagte Haydn: "Mein Kopf war so voll von dem tollen Zug, "Es lebe der Wein" dass ich alles drunter und rüber gehen ließ. Ich nenne daher die Schlussfuge "die besoffene Fuge." Unser Dirigent sprach immer vom "Saufchor", der übrigens ein Höhepunkt in unserem Konzert wurde. Der Wintereintritt kündigt sich durch Nebel, Eis, Schnee und Dunkelheit an. Ein einsamer Wanderer irrt in der Kälte umher und findet dann Licht und Behaglichkeit in der Spinnstube. Die große Fuge "Uns leite deine Hand, o Gott" ist der hymnisch krönende und zugleich zuversichtliche Abschluss der "Jahreszeiten". Der begeisterte Beifall danach zeigt uns, dass unsere Darbietungen "angekommen" waren und unsere eigene Begeisterung übersprungen ist.

Anne-Sophie u. Martin Pasch


 

Die Mehrstimmigkeit in der Musik des Abendlandes

Teil 1: Von den Anfängen bis Heinrich Schütz


Die frühe Musikgeschichte des Abendlandes ist im wesentlichen eine Geschichte von Funktion und Entwicklung der Musik im Rahmen der katholischen Kirche. Auch in ihrer musikalischen Praxis lehnte sich die katholische Liturgie an die jüdisch-synagogale Gottesdienstordnung an, bei der einstimmige Psalmgesänge und Lesungen aus der Heiligen Schrift im Mittelpunkt standen.
Erste Ansätze zur Zweistimmigkeit finden sich im 7./8. Jahrhundert in den als altrömisches Repertoire bezeichneten Gesängen. Dessen Melodien sind so gebaut, daß sie sich um einen für den jeweiligen Modus - man spricht auch von "Kirchen-Tonarten" - charakteristischen Grundton herum bewegen, den es hervorzuheben gilt, damit der Klangcharakter wirklich deutlich wird. Dies kann durch das Ison genannte Aushalten der Grundtöne in der Baßstimme erreicht werden; die Tonwechsel im Baß heben so die Übergänge von einem Modus in den anderen hervor.

Hörbeispiel 1: Offizium der Kreuzverehrung ( 307 KB)

Anders als vielfach angenommen, ist keineswegs erwiesen, daß der mehrstimmige Gesang (mit zwei oder mehr verschiedenen Melodielinien) eine Erfindung des europäischen Abendlandes ist, denn er begegnet uns auch in anderen Kulturen.
Als ältester Beleg des abendländischen mehrstimmigen Gesangs gilt ein Musiktraktat aus dem 9. Jahrhundert mit dem Titel Musica Enchiriadis, in dem der Autor das sogenannte parallele Organum erläutert. Es handelt sich dabei um eine gregorianische Choralmelodie (vox principalis) in gleichmäßigen Notenwerten, die durch eine konsonante "organale" Stimme (vox organalis) ergänzt wird. Dabei wird die obenliegende vox principalis entweder durch paralelle Unterquinten (Quintorganum), oder - beim Quartorganum - durch Unterquarten begleitet. Im letzteren Fall wurden nicht ausschließlich Quarten, sondern auch andere Intervalle benutzt, wobei der Tritonus (die übermäßige Quart nach unserer heutigen Musiklehre, z. B. f - h) wegen seines sehr dissonanten Klangs vermieden wurde.
Als konsonant - also gut klingend - wurden neben Quart und Quint hauptsächlich die Oktave und der Einklang betrachtet; diese Intervalle waren häufig Ausgangspunkt oder Schluß eines Organums. Terz und Sext wurden erstaunlicherweise nicht verwendet.
In Weiterentwicklung dieser strikten Paralellität der Stimmen bildete sich nach und nach die Idee der Gegenbewegung heraus, die eine aufsteigende Melodielinie einer absteigenden entgegensetzt, wobei trotz häufiger Kreuzung der Stimmen die vox principalis die tiefere Stimme blieb.
Diese Entwicklung erfolgte ab dem ausgehenden 12. Jahrhundert an den großen Kirchen Europas, von denen insbesondere die Singschule von Notre Dame besondere Bedeutung gewann. Von den großen Meistern, die in dem sehr kleinen Kreis der Domschule einander im Amt nachfolgten, sind uns nur drei namentlich bekannt: Albertus, von dem lediglich eine dreistimmige Komposition überliefert ist, Leoninus, der Mitte des 12. Jahrhunderts an Notre Dame wirkte, und Perotinus, der um die Wende zum 13. Jahrhundert sein Nachfolger wurde.
Die zweistimmigen Kompositionen werden zumeist Leoninus zugeschrieben. Das Graduale Viderunt omnes aus der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandenen Weihnachtsmesse - möglicherweise ein Werk des Leoninus - ist eines der bekanntesten "figurierten" Organa der Notre-Dame-Schule, bei dem jeder einzelne Ton der gregorianischen Melodie (Tenor) unendlich lange ausgehalten wird, während die organale Stimme melismatische Verzierungen dazu ausführt, die immer ausgedehnter und glanzvoller werden:

Hörbeispiel 2: Weihnachtsmesse, Graduale "Viderunt omnes" (826 KB)

Perotinus schrieb drei- und vierstimmige Organa, höchst eindrucksvolle, glänzende Kompositionen. Abgesehen von Anfang und Ende der musikalischen Phrasen, wo vollkommene Konsonanzen die Regel sind, bewegen sich bei seinen Werken die Stimmen frei, ohne aufeinander zu achten. Einklangs- und Oktav-Paralellen finden sich ebenso oft wie Fortschreitungen von Dissonanz in Dissonanz. Stimmführungsregeln, wie sie später entwickelt wurden, gab es also nicht.
Zum weiteren Verständnis seien hier einige Begriffe erläutert: Die Stimmen eines mehrstimmigen Satzes haben eine horizontal melodische Dimension; ihr Zusammenklang eine vertikal harmonische. Überwiegt die vertikale Dimension, ergibt sich Homophonie (griechisch Gleichstimmigkeit): eine führende Melodie-Stimme mit harmonisch ergänzenden Begleitstimmen (ohne melodische Funktion).
Bildet der Satz ein mehr horizontal orientiertes Liniengeflecht, entsteht Polyphonie (griechisch Vielstimmigkeit) mit rhythmisch und melodisch weitgehend selbständigen Stimmen.
Auf Perotins kontrastreiche Musiksprache unter Verwendung von Homophonie und Polyphonie können sich sowohl die Polyphonie Josquins oder Bachs als auch die mehr homophone Musik der Klassik als Ausgangspunkt ihrer Kompositionstechnik berufen.
Im weiteren Verlauf der Musikgeschichte wurden sehr unterschiedliche Satztechniken entwickelt. Aus diesen hat der Musikwissenschaftler Diether de la Motte [1] drei selbständige, unabhängige Lehrgebäude destilliert:
¨ Josquin des Prés / Giovanni Pierluigi da Palestrina
¨ Johann Sebastian Bach
¨ Neue Musik
Einen Überblick über die Entwicklung der Mehrstimmigkeit und die hauptsächlichen Vertreter der genannten "Schulen" gibt Bild 1:



Bild 1: Schulen der Mehrstimmigkeit und deren Vertreter

Wir wollen uns zunächst auf die erste dieser drei Schulen beschränken und die Entwicklung der Mehrstimmigkeit und der Satztechnik bis Heinrich Schütz betrachten.
250 Jahre nach Perotin hat sich die Musik vielfältig, nicht nur in einer Richtung geradlinig, entwickelt. Bei der "fließende Varietas" genannten Kompositionstechnik des aus Flamen stammenden Guillaume Dufay (um 1400 - 1474) werden Wiederholungen von Notengruppen oder Figuren, ebenso die Wiederkehr eines Rhythmus, vermieden.

Hörbeispiel 3: Dufay, Sanctus Papale (562 KB)

Johannes Ockeghem (ca. 1430 - 1495), ein weiterer Vertreter des Varietas-Prinzips, war wegen seiner ausdrucksstarken Musik hochberühmt. Seine Satztechnik unterscheidet sich nur in der Art der Kompliziertheit, nicht in ihrem Grad, vom Johann Sebastian Bachs Kontrapunkt-Kunst.
Die Kompositionen des Gilles Binchois (ca. 1400 - 1460) kann man demgegenüber als "Melodie mit Begleitung" charakterisieren; sie erschließen sich unserem Musikverständnis unmittelbar. Seine Melodien sind motivisch durchgestaltet, immer wieder fast dasselbe. Weit entfernt sind wir hier vom Reichtum der Varietas-Musik.
Ein halbes Jahrhundert später entwickelte Josquin de Prés (um 1450 - 1521) seine motivisch-imitatorische Polyphonie; im Gegensatz zu Dufay wird nun die Wiederholung kurzer melodischer Abschnitte eines der Prinzipien der Satztechnik. Josquins Imitationen liegen hauptsächlich im Quint-, Quart-, oder Oktavabstand und gehen meist in freie Polyphonie über.
Josquins Tonmaterial sind die Töne des heutigen C-dur - wobei als "Zwischenleittöne" zusätzlich Cis, Fis, und Gis vorkommen -, sowie die Töne des heutigen F-dur - mit den zusätzlichen Zwischenleittönen Fis, H und Cis. Die chromatische Erhöhung von Tönen zur Bildung von Zwischenleittönen wurde nicht notiert; sie beim Musizieren einzusetzen war selbstverständliche Musikerpraxis.
Josquins Kompositionen klingen wegen ihrer Besetzung - eine Knaben- und zwei bis vier Männerstimmen! - recht dunkel und sind aus Besetzungsgründen heute leider nur wenig präsent. Die vierstimmige Motette "Ave Maria, gratia plena" demonstriert seine Satztechnik:

Hörbeispiel 4: Josquin de Prés, "Ave Maria, gratia plena" (378 KB)

Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525 - 1594) hat die Sprache Josquins geglättet und verfeinert und so eine gleichsam dialektfreie musikalische Weltsprache kreiert. Seine Kompositionen drängen bei den Satzanfängen schnell zur Drei- und Mehrstimmigkeit; zweistimmige Passagen sind selten und bleiben kurz. Bei Palestrina findet die Sprachmelodie in der Musik eine deutlichere Entsprechung als bei Josquin.
Durch stärkere Verwendung höherer Stimmen erreicht Palestrina im Vergleich zu Josquin einen helleren Klang. Durch "Zähmung" der Choralmelodien, auf die sich auch seine Kompositionen beziehen, zeichnet sich seine Musik durch hohe Sanglichkeit aus. Damit sind seine Werke auch heutigen gemischten Chören gut zugänglich.
Die von Josquin als Zwischenleittöne bis zur Dauer einer Halben eingesetzten Töne Cis, Fis und Gis emanzipieren sich bei Palestrina in der Tondauer und können eine ganze Note oder gar Brevis dauern. Damit werden sie nun auch klanglich relevant und führen zu einer außerordentlichen Bereicherung der Klangwelt.
Einschließlich der freier verwendbaren Töne B und Es ergibt sich so eine Klangwelt von großer Breite; möglich sind nun Durdreiklänge auf Es, B, F, C, G, D, A und E - auch ohne die frühere Beschränkung auf Leittonfunktion. Die Töne Cis, Fis und Gis muß Palestrina jetzt mit Vorzeichen notieren.
In seiner "Missa Pape Marcelli" benutzt er in den kurzen Teilen des Ordinariums (Kyrie, Sanctus und Agnus Dei) eine komplexe Polyphonie - bis hin zum sechsstimmigen Kanon des zweiten Agnus Dei - , während er die längeren Teile (Gloria, Credo) in den Dienst einer schlichten homophonen Textdeklamamtion stellt.

Hörbeispiel 5: Palestrina, Missa Pape Marcelli, Kyrie, 6-stimmig (760 KB)

Hörbeispiel 6: Palestrina, Missa Pape Marcelli, Credo (Ausschnitt), 6-stimmig (702 KB)

Heinrich Schütz (1585 - 1672), auf dem Gebiet der Vokalmusik der bedeutendste Komponist des 17. Jahrhunderts im deutsch-protestantischen Bereich, setzte bei seinen Kompositionen sowohl den stylus gravis, als auch den stylus luxurians ein. Während es sich beim stylus gravis um einen wenig erweiterten Palestrina-Stil handelt, geht der stylus luxurians, den Claudio Monteverdi für seine Opern geschaffen hat, über diesen weit hinaus; er ist eine von den Gesetzen der alten Satztechnik befreite neue eigengesetzliche Sprache. Beide Stile hat Schütz bei längeren Studienaufenthalten in Italien bei Gabrieli und Monteverdi kennengelernt.
Heinrich Schütz bildet den Sprachakzent des Textes mittels deklamatorischer Rhythmik und Melodik nach, was ihm dank des inzwischen erfundenen Bindebogens erleichtert wird.
In seiner doppelchörigen Motette "Du tust Guts deinem Knechte", SWV 486, verwendet er alternierend beide Stile, den linear-polyphonen stylus gravis und den akkordisch-homophonen oder konzertierenden stylus luxurians. Die sorgfältige Textbehandlung führt zu einer wortgezeugten, affektvollen Inhaltsausdeutung und Deklamation, in deren Dienst Rhythmik und Melodik gleichermaßen stehen.

Hörbeispiel 7: Heinrich Schütz, Motette "Du tust Guts deinem Knechte", SWV 486 (826 KB)

Literatur
[1] Diether de la Motte, Kontrapunkt. dtv/Bärenreiter 1994
[2] dtv-Atlas zur Musik, Band 1, dtv/Bärenreiter

Heinz Schwarzer



Pioniere unserer Maltherapie

Die Maltherapie mit Krebspatienten in der Medizinischen Klinik
hatte 2001 ihr 10-jähriges Jubiläum


Die Medizinische Klinik der Universität Ulm ist im Herbst 1988 aus alten, zusammengeflickten Bauten am Safranberg in den schönen Neubau am Oberen Eselsberg umgezogen. Die großzügigen Eingangshallen mit der offenen Cafeteria und dem begrünten Innenhof wirken einladend. Die Kapelle mit ihren blau ausgeleuchteten Scheiben regt zur Meditation an und mit ihrer angenehmen Akustik auch zum Musizieren.

Ich war damals Oberärztin der Psychiatrischen Ambulanz, die in das neue Klinikgebäude umgezogen ist, nachdem sie zuvor in der ehemaligen HfG auf dem Kuhberg untergebracht war. Unsere kleine Arbeitsgruppe versorgte Patienten der Medizinischen Klinik konsiliarisch, sofern sie psychische Probleme hatten. Inspiriert durch die großzügigen Räumlichkeiten fanden sich beim Einzug spontan Mitarbeiter/innen aus der Seelsorge und dem Sozialdienst mit mir zum Arbeitskreis "Angebote für Patienten" zusammen, die Verwaltungsreferentin kam noch dazu. Engagierte Teilnehmer/innen gesellten sich "von draußen" dazu, Freunde, Bekannte. Es ging - und geht bis heute - darum, mit kreativen Angeboten einen Ausgleich zur High-Tech-Medizin zu schaffen. So gelang es bei bescheidenen finanziellen Mitteln, im Lauf weniger Jahre für jeden Wochentag eine regelmäßige Veranstaltung einzurichten, das Wochenprogramm (Abb. 1). In diesem Rahmen übernahm ich die Aufgabe, wöchentlich eine Abendmusik mit Liebhaber-Musikanten zu veranstalten.

Abb.1: Wochenprogramm "Angebote für Patienten" in der Medizinischen Klinik

Eines Tages kam Christa Schneider auf mich zu, eine gute Bekannte im fortgeschrittenen Alter. Sie hatte gerade die Ausbildung zur Kunsttherapeutin absolviert und wollte unbedingt mit Krebspatienten malen. Nebenbei deutete sie an, dass sie selbst unter einem Tumorverdacht stand und sich regelmäßig untersuchen lassen musste. Auf der Basis eines Werkvertrags ließen sich Maltherapiestunden für einen Nachmittag in der Woche auf den onkologischen Stationen einrichten. Die Finanzierung gelang dadurch, dass übrig gebliebene Mittel der Psychiatrischen Ambulanz, die recht großzügig für die neuen Räume vorgesehen waren, für Personal-Kosten umgewidmet werden konnten. Der Beginn der Maltherapie war schwierig. Für die Therapiesitzungen mussten wir mit dem Besucherraum der Stationen
4c / 4d vorlieb nehmen. Es kostete einige Mühe, einen abschließbaren Schrank für die Materialien zu ergattern. Ein besonderes Problem war es für die Maltherapeutin als externe Mitarbeiterin, die wichtigsten Informationen über den Krankheitszustand der Patienten zu bekommen. Christa Schneider hat sich mit bewundernswerter Energie durch alle Widerstände hindurch gekämpft. Regelmäßige Ausstellungen der Bilder in den Eingangshallen machten die Maltherapie allmählich publik.

Als die Mittel der Psychiatrischen Ambulanz 1993 zuende gingen, musste die Maltherapie unterbrochen werden. Aber wir hatten ein reichhaltiges Material an Bildern gesammelt und dokumentiert, das in Beziehung zu den Krankheitsverläufen gebracht wurde. Daraus ergab sich das Projekt für eine Studie: Evaluation von Maltherapie mit Krebspatienten. Sie wurde 1994/95 durchgeführt, finanziert von der Deutschen Krebshilfe e.V., dem Tumorzentrum der Universität und der Klinikverwaltung. Jetzt fand die Maltherapie wieder statt, sie war zunächst für 6 Monate 2x wöchentlich abgesichert. Bilder und Krankheitsverläufe der Patienten aus der Studie wurden - im Einverständnis mit den Betroffenen - von einer Expertengruppe durchgearbeitet. Diese setzte sich aus 8 Fachleuten zusammen: Kunsttherapeutinnen, Psychiater/in und Psychotherapeut/innen verschiedener Ausrichtung. Die Bilder wurden gemeinsam bei Tageslicht betrachtet und nach künstlerischen wie psychotherapeutischen Kriterien durchgearbeitet. Ausserdem wurden die Patienten psychologisch untersucht.

Bei einem Abendkonzert im Herbst 1994 sprach mich Herr Linde an, er stellte sich als Krebspatient vor und lüftete seine Kappe, um den kahlen Kopf zu zeigen (vgl. werkstatt kreativ Nr. 11, 1996). Als Schreiner suchte der 38-Jährige eine Werkstatt um Leiern zu bauen, die er beim Basar der Waldorfschule anbieten wollte. Er stand der Anthroposophie nahe, seine beiden Töchter gingen zur Waldorfschule. Wir suchten die nahegelegene Musische Werkstatt auf, wo Herr Linde bei Simone Heüveldop (werkstatt kreativ Nr.12, 1997 und Nr.13, 1998) ein herzliches Willkommen und reges Interesse fand. Der Patient baute mehrere Leiern und hatte damit überraschende Erfolge, Ärzte und Mitarbeiter seiner Station kauften ihm einige Instrumente ab. Herr Linde hatte einen Schlüssel zur Werkstatt, den er bei seinen Beurlaubungen in der Psychiatrischen Ambulanz abgab und den er sich holte, sobald er wieder da war. So lernten meine Mitarbeiter/innen ihn kennen und es entstanden freundschaftliche Beziehungen.

Unser Patient strahlte auf eindrucksvolle Weise eine positive Lebenseinstellung aus. Er glaubte an seine Heilung mit Hilfe der modernen Medizin und schöpfte Kraft aus der Unterstützung durch die Familie und seine anthroposophisch geprägte Spiritualität. An der Maltherapie hatte er besondere Freude und nahm regelmäßig teil - war aber in Sorge, sie könnte wegen zu geringer Beteiligung beendet werden. Daher interessierte er immer wieder seine Mitpatienten dafür und brachte sie zu den Malstunden mit. Mir gegenüber äußerte er mehrmals: "Ihr müsst unbedingt weitermachen, bitte hört nicht auf, die Malstunden sind überaus wichtig".

Herr Linde kam gerade zu dem Zeitpunkt zur Maltherapie, als die oben erwähnte Studie einsetzte, an der er gerne teilnahm. Dadurch wurden seine Bilder von der Expertengruppe durchgearbeitet. Er brachte in seinen Aquarellen (sog. Naß-in-Naß-Technik) häufig schlimme Gefühle wie Trauer, Angst, Schmerz, sogar auch Schmutz und Kot zum Ausdruck, was er verbal konsequent vermieden hat. Sein Bild Mondgesicht (Abb. 2) ist eine abstrakte Darstellung. Auf der linken Bildhälfte finden sich starke Farbakzente in Blau und Rot. Ein trauriges Mondgesicht blickt mit undeutlich begrenzten blauen Augen aus der linken oberen Ecke eher nach innen als nach unten. Ein Mund ist nicht eindeutig auszumachen - eher ist da ein Wurm, der sich mühsam nach rechts durcharbeitet (die rechte Seite gilt beim Linkshänder als zukunftweisend). Künstlerischer Kontrapunkt ist eine leuchtend rote Kugel in der linken unteren Ecke. Die rechte Bildhälfte ist bis auf eine zarte Farbgebung in hellroten und gelben Schichten wenig strukturiert, wirkt leer. Bei mehreren Bildern von Herrn Linde überwiegt dieses transzendente, spirituelle Gelb.

Abb.:2: Uwe Linde Mondgesicht 30 x 40 cm, Naß-in-Naß-Technik

Das Tumorleiden (Non- Hodgkin- Lymphom) schritt bei Herrn Linde währenddessen weiter fort, es wuchsen neue Knoten, die operiert, bestrahlt und mit hoch dosierter Chemotherapie behandelt wurden, längerfristig leider erfolglos. In seinem unerschütterlichen Lebenswillen setzte der Patient dann durch, dass schließlich noch die Knochenmark-Transplantation als letzte Chance bei ihm durchgeführt wurde, trotz schlechter Heilungs-Aussichten. Er war im Sommer 1995 mehrere Wochen vom Krankenhaus beurlaubt, bis der geeignete Spender gefunden war. Herr Linde suchte währenddessen ambulant eine Kunsttherapeutin auf, bei der er eindrucksvolle Skulpturen gestaltete (Abbildungen in werkstatt kreativ Nr. 11, 1996).

An einem Spätnachmittag im Herbst 1995 kam mir auf dem dunklen Ambulanz-Flur ein aus der Entfernung kräftig wirkender Mann mit zügigem Schritt entgegen, er hatte volles blondes Kopfhaar. Erst aus der Nähe und als er mich ansprach, erkannte ich ihn als Herrn Linde. Unterwegs von der Ganzkörperbestrahlung zur Knochenmarktransplantation suchte er für seinen bevorstehenden schweren Weg die seelische Betreuung durch unsere Ambulanz. Ich verstand diese Bitte als eine persönliche Vertrauenssache und habe ihn gerne begleitet. Die nochmals notwendige Chemotherapie zerstörte allerdings in den folgenden Tagen die inneren Organe, so dass der Patient aufgedunsen und gelb wurde. Die Knochenmarktransplantation wurde noch durchgeführt, aber sie konnte ihm nicht mehr helfen. Er klagte über Fratzen auf dem Fußboden, die ihn ängstigten und die er als Todesboten verstand, zum ersten Mal sah ich ihn weinen. Zwar wollte sich der Kranke damit abfinden, dass er Abschied vom Leben nehmen musste, desto mehr jedoch trauerte er für seine Töchter. Etwas Trost gewann Herr Linde bei dem Gedanken, dass er sich mit den Kindern bis zuletzt so viel wie möglich beschäftigt hatte: "Wir haben zusammen noch kurz vor meiner Einweisung einen wunderbaren Kaninchenstall gezimmert". Die Familie ermöglichte es, dass er sich von den Kindern verabschieden konnte, wenige Stunden später fand er - betreut von seiner Frau - ein friedliches Ende.

Bei der Konzeption des Abschlußberichtes unserer Studie ergaben sich erneute Fragen an die Maler/innen bzw. ihre Hinterbliebenen. Daraus entwickelten sich intensive Kontakte, die dazu führten, dass einige Patienten eigene Ausführungen zu ihren Bildern formulierten, sodass zusätzliche Texte entstanden. Der Bericht weitete sich dadurch aus und es entstand ein Buch: Malen mit Krebspatienten (erschienen 1988 bei Gustav Fischer, s. Abb.3).

Abb.3: Der Berichtband zur Studie in Buchform

Nach dem Abschluss der Studie stellte sich bei Christa Schneider ein Hirntumor heraus, der operiert und bestrahlt wurde. Auch ihr konnte mit der medizinischen Kunst nicht lange geholfen werden, sie verstarb ein Jahr nach Herrn Linde. Beider Vermächtnis ist in "unserem Buch" dokumentiert und der Grundstein dafür, dass die Maltherapie auf den onkologischen Stationen der Medizinischen Klinik fortgesetzt wird. Inzwischen ist sie in Form von festen Werkverträgen etabliert und findet 2x wöchentlich statt. Zwei Maltherapeutinnen - Brigitte Hirlinger und Karin Blaul - teilen sich in diese Aufgabe (s. Abb. 4), sodass übers Jahr hin keine Versorgungslücken entstehen.

Abb.4: Maltherapie mit Karin Blaul (links) und Brigitte Hirlinger

Unsere Ausstattung ist noch immer dürftig. Allerdings ist die Kunsttherapie im Rahmen der Psychoonkologie neuerdings aktuell geworden - im Städtisches Krankenhaus Harlaching wurde sie vor kurzem etabliert, wobei unser Modell eine Rolle gespielt hat (Prof. Almuth Sellschopp, mündliche Mitteilung). Das lässt uns weitere Fortschritte erhoffen!

Sibylle Herrlen-Pelzer


Frankreichreise des Uniorchesters im April 2002

Ein launiger Bericht einer Orchestergeige

Am Ostersonntag Abend trudelten nach und nach immer mehr Musiker und Bratscher an der Haltestelle Bundeswehrkrankenhaus ein. Als zu guter Letzt auch unser Dirigent Burkhard Wolf abgeliefert worden war, konnte es losgehen. Die zwei netten Busfahrer Wolfgang & Wolfgang von Baumeister Knese machten alle zunächst mit den Fluchtwegen und Sicherheitsvorkehrungen des Doppeldeckers vertraut, und unser vollbepackter Bus setzte sich in Bewegung Richtung Süden, Sonne, Sandstrand (oder so ähnlich), also in Richtung Provence.
Irgendwann gegen Mitternacht verebbten die Gespräche im Bus. Hitzige Diskussionen darüber, ob ein durchdachterer Einsatz des Herz-Königs einen Spielverlauf grundlegend hätte ändern können, wurden beigelegt. Ein paar, die sich lobenswerterweise schon einmal mental auf das Reiseziel einstellen wollten, hatten zu viel Rotwein getrunken und klagten nun über das unangenehme Gefühl, das man hat, wenn einem die Blase fast platzt. Doch die nächste nächtliche Pinkelpause brachte Erleichterung- auch wenn das Aussteigen zu einer Kletterpartie wurde, da sich manch eine Schnarchnase im Schlafsack mitten in den Weg gelegt hatte... Doch diese Unachtsamkeit wurde mit blauen Flecken belohnt.
Frühmorgens kamen wir dann in Aix-en-Provence an, der Stadt, auf die man ständig anstiess ("auf Aix!"). Anfänglich gab es doch auch Probleme meist sprachlicher Art, wobei das die Ergebnisse der PISA-Studie leider nicht widerlegte. Aber die Kommunikation mit den Einheimischen war dank koordinierter Gestikulation zumindest ausreichend für den Einkauf eines Baguettes oder einer Flasche Rotwein. Mit einem Baguette unter dem Arm durch die malerische Altstadt, da fühlte man sich schon fast wie ein echter Franzose.
Am nächsten Tag stand eine wirklich informative Stadtführung auf dem Programm, die von einem netten gemeinsamen Mittagessen abgerundet wurde. Es gab Pizza- das typisch französische Nationalgericht- in einer Variante, die gleichsam die ganze Palette ungesättigter Fettsäuren präsentierte. Nachmittags war noch eine Probe in der Eglise de la Madeleine angesetzt.

Das Orchester der Universität Ulm in Frankreich, April 2002

Als wir am Mittwoch dann einen Ausflug ans Meer machten gab es viel Schönes zu sehen, nicht nur in landschaftlicher Hinsicht... Unser Dirigent und ein paar andere Mutige gingen im noch recht frischen Wasser baden! Später gab es an einem Aussichtspunkt Gegrilltes wahlweise mit selbstgepflückten Kräutern der Provence oder mit Ketchup. Viele hatten nach diesem Ausflug von der Sonne eine rote Nase J.
Abends zurück in Aix war die Generalprobe angesetzt und es folgte das überraschend gut besuchte Konzert in der Eglise de la Madeleine. Der Nachhall brachte es auf Rekordzeiten, und unsere Solisten Frank und Maik spielten ihr Stamitz-Doppelkonzert sehr schön. Und das trotz einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der Kleiderordnung( Krawatte ja oder nein?)...
Auch den scheinbar unterforderten CellistInnen gelang es im Konzert schliesslich, ihren drei Tönen noch eine besondere Note zu verleihen.
Am Donnerstag fuhren wir weiter nach Egletons. Die kompetenten Busfahrer machten einen zeitweise durch ihre Ansagen glauben, man sei gerade auf einer Sightseeingtour. Die anderen im Bus machten einen dagegen glauben, sie hätten ihre Füsse nicht gewaschen, indem sie sich an sicherlich vorzüglichen französischen Käsen delektierten. Aus Rücksicht gegenüber manch einer Zitternden hielt der Bus zwischendurch am Tabakladen. Als eine Revolte im oberen Busteil drohte, wurde noch rechtzeitig erkannt, dass es auch wichtig war, in der Nähe eines hungerstillenden Supermarché zu rasten.
Am Freitag schliesslich konzertierten wir noch einmal im Centre Ventadour von Egletons. Zuvor in der Generalprobe brachten wir Burkhards Geduldsfaden endlich zum reissen, er zog sogar Parallelen zu einem Schulorchester, inspiriert von seinem knurrenden Magen und unserer Spielweise, die durch die trockene Akustik sehr gut rauskam. Sein später Ehrgeiz fruchtete aber im Konzert, und im letzten Satz der Schubertsymphonie folgte er einer plötzlichen Eingebung und nahm das Tempo fast doppelt so schnell. Leider hatten wir keine Zeit ihm beim Grinsen zuzuschauen. Das Publikum, das sich während der ersten Viertelstunde des Konzerts auf geheimnisvolle Weise vermehrte, war jedoch zufrieden mit der Darbietung.
Dieser Erfolg wurde danach noch kulinarisch und anderweitig gebührend gefeiert.
Ein Tag später, und wir fuhren schon wieder fast nach Hause. Zunächst aber war ein Zwischenstopp in Limoges eingeplant. Beim Bummel durch die Stadt konnte man zum Beispiel Marktstände mit glotzäugigen Fischen, lebendigen Krebsen oder auch langhälsigem Federvieh á la Witwe Bolte bewundern, und ein botanischer Garten diente als Ort der Ruhe und Meditation.
Nach einer so verlebten Woche fiel es uns schwer, Abschied zu nehmen von Frankreich und allen damit verknüpften Erlebnissen...
In diesem Sinne vielen Dank an alle, die an der wirklich gelungenen Organisation dieser Reise beteiligt waren! J Ohne Euch wäre das alles nicht möglich gewesen und wir hätten so viel Spass verpasst. Vielleicht kommt nächstes Jahr wieder etwas Ähnliches zustande- die Planung läuft zumindest schon...

Bilder unserer Frankreichreise unter www.uni-ulm.de/uni/intgruppen/uniorch/


So funktioniert die Cineasta-Filmauswahl

Das AStA/StuVe Filmreferat, auch als Cineasta bekannt, besteht nicht nur aus den offiziellen Referenten, sondern viele Leute arbeiten und entscheiden mit. In der zweiten Semesterhälfte ist das Thema der Treffen dann meist: “Was zeigen wir nächstes Semester?“

Eine grosse Vorlaufzeit in der Planung ist notwendig, da für Absprachen mit dem Kino, Gestaltung und Druck des ‘Filmkalenders’ und Reservierung der Kurzfilme einiges an Zeit eingeplant werden muss.

Jeder Cineast trägt Filmvorschläge zusammen, von Filmen, die er gerne zeigen würde. Die meisten davon hat man selbst noch nicht gesehen. Zur Inspiration dienen Filmmagazine, Lexika, das Internet und Programme von Kinos im Bundesverband kommunaler Kinos. Nachdem man vor allem über das Internet viel Information zu den Filmen gesammelt hat, macht man auf dem Treffen eine allgemeine Vorstellungsrunde: jeder versucht seine Filme den Anderen Cineasten zu ‘verkaufen’.

Dann werden natürlich auch noch die Vorschläge von der Wunschfilmseite der Cineasta-Homepage ausgewertet, die interessierte Kinogänger dort gemacht haben. Da es oft sehr viele Vorschläge von einzelnen Personen gibt, musste man sich dieses Semester auf fünf Vorschläge pro Person und fünf Web-Vorschläge einigen. Jeder hat also aus seinen Ideen fünf Favoriten ausgesucht und in der Gruppe werden durch informelle Abstimmungen fünf Web-Vorschläge gewählt.

Damit man sich eingehender mit den zur Wahl stehenden Filmen beschäftigen konnte, wurde für all diese Filme eine Web-Seite im internen Bereich von Cineasta.de erstellt mit Rechercheergebnissen - vor allem viele Links, Daten zum Verleiher, Bilder, usw. Dann wurde das elektronische Wahlformular ausgegeben und jeder konnte drei Wochen in Ruhe im Web nachlesen, und die Filme bewerten.

Zum Wahlverfahren ist folgendes anzumerken: in den gut sieben Semestern, die ich schon beim Filmreferat aktiv bin, gab es viele verschiedene Auswahlverfahren. Anfangen von Regeln wie „jeder sucht einen Film aus und fertig“ bis zu „Wir vergeben soundsoviel Pluspunkte, jeder hat einen Wunschfilm oder ein Veto und den und den Film müssen wir gesondert behandeln wegen dieser oder jener Filmreihe und Sonderveranstaltung XYZ...“.

Besonders toll war, wenn dann 30% der ausgewählten Filme gar nicht mehr aufzutreiben waren und dann in den Semesterferien unter Zeitdruck vom Kalender-Team kurzerhand durch andere Vorschläge ersetzt wurden.

Auf jeden Fall haben Abstimmungsverfahren und die Frage nach dem Sinn sogenannter ‘Filmreihen’ irgenwann sehr heftige Diskussionen in der Gruppe ausgelöst, an denen ich (Henrik) nicht ganz unschuldig war.

Es kam folgendes Verfahren raus: ‘Reihen’ gibt es nicht mehr und alle Filmvorschläge werden von jedem Wähler quantitativ bewertet (z.B. 0.0 für Murks bis 10.0 für geniale Filme).

Film-Vorschlags-Site: www.cineasta.de

Die Wertungen werden pro Film addiert und so ergibt sich eine Prioritätenliste. Die n Filme pro Semester stehen fest; fällt einer raus (weil er nicht zu bekommen ist), so kann man einfach den Nachrücker bestimmen. Eventuell können einzelne Filme wegen Sonderveranstaltung hochquotiert werden (z.B. dieses Semester der Sartre-Film). Am besten prüft man die Verfügbarkeit von Filmen schon, bevor man sie überhaupt vorschlägt. Erst recht, wenn man nur fünf Vorschläge hat.

Um nicht selbst Rechnen zu müssen, erledigt ein kleines Programm die Auswertung der Punkte. Dieses Jahr war die Wahl öffentlich (jeder schickte seinen Wahlzettel an die interne Mailingliste) und jeder konnte das Programm auf Korrektheit überprüfen und die Berechnung des offiziellen Endergebnises nachprüfen. Leider haben wir noch kein Verfahren zur sicheren, anonymen Online-Wahl mit automatischer Auswertung.

Nachdem wir dieses tolle Verfahren für Sommersemester 2001 zum ersten mal angewendet hatten, haben wir uns für WS 2001 dann doch wieder eine Reihe - oder ein Motto - ausgedacht: Reise durch Europa; mit einem Film pro Land. Aber welche Länder gehören dazu (nur EU, Russland (Sibirien?), Türkei?) und welche Länder wählt man aus und nach welchem Verfahren?

Nun, die Einzelheiten erspare ich dem Leser lieber. Es ist wieder sehr viel ‘händisch’ über Plus- und Minuspunktlisten gelaufen und im Endeffekt haben zwei Leute gegen Ende des Semesters anhand dieser Listen eine endgültige Auswahl getroffen. Nicht aus undemokratischer Gesinnung heraus, sondern weil die meisten Anderen schon weg waren.

Für dieses Semester kam aber wieder das ordentliche Wahlverfahren für die Hauptfilme zum Einsatz und das Ergebnis war zur allgemeinen Zufriedenheit. Das Programm ist schön bunt geworden - viele Länder und Filmgattungen sind drin und im grossen und ganzen ist es nicht zu esoterisch.

Die Kurzfilme wurden dann wieder diktatorisch von jenen besagten zwei Leuten in letzter Sekunde vor Filmkalender-Abgabetermin bestimmt und bestellt.

Henrik Kühn


Seniorstudierende auf Spurensuche:

Der Maler Richard Liebermann

vor zwei Jahren kannte ihn kaum jemand, den vor 102 Jahren in Neu-Ulm als Sohn eines jüdischen Hopfenhändlers geborenen Maler Richard Liebermann. Vom Schicksal hart gebeutelt wurde der gehörlose Künstler verfemt, verfolgt eingekerkert und ... vergessen. Eine Handvoll Menschen war es, die sich daran machte, den Lebensweg des Malers mit dem berühmten Namen aufzuspüren, der mit dem prominenten Namensvetter Max Liebermann nicht verwandt war.

Selbstportrait Richard Liebermann
Aus dem Katalog zur Ausstellung im Edwin Scharff Museum (5)

Hinter dem Titel der ersten deutschen Richard-Liebermann-Ausstellung „Spurensuche“ verbarg sich eine Fülle von Initiativen und mühevoller, geduldiger Kleinarbeit. Verwandte, Freunde, Kollegen aus den ersten 33 Jahren des 20. Jahrhunderts existierten nicht mehr.

Richard Liebermann, Porträt Albert Einstein. 1930. Bleistift. Edwin-Scharff-Museum, Neu-Ulm.

Dr. Helga Gutbrod, Leiterin des Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Museums, stellte sich trotzdem der Herausforderung, Licht in die Vergangenheit des Gutmenschen und Künstlers Richard Liebermann zu bringen. Sie war findig und kam auf die Idee, Seniorstudierende der Ulmer Universität um ihre Mithilfe zu bitten. Einige Mitglieder der Zeitzeugen-Gruppe hatten bereits Erfahrungen gesammelt bei ihrem Projekt, für den früheren Neu-Ulmer Kinderarzt Dr. Neuhaus im Internet ein Denkmal zu errichten: mit den Kindern des ausgewanderten Juden in den USA per Fax Kontakt aufzunehmen und frühere Patienten in der Region Ulm/Neu-Ulm ausfindig zu machen, war kein leichtes Unterfangen.

Das Wohlwert-Warenhaus in Ulm im April 1933. Katalog (5)

Aber Liebermann, du liebe Güte! Der letzte ihm nahegestandene Mensch, seine Schwester Gertrud, war 1995 gestorben. Da blieb nur die „Wühlarbeit“ in den Archiven Augsburg, Freiburg, Konstanz und München, die immerhin „eine erhebliche Zahl von bisher unbekannten Akten zu Tage förderte“, wie im Katalog nachzulesen ist. Dieses zeitaufwendige Recherchieren wurde zudem ergänzt durch ein Interview der Senioren mit der jüdischen Musikerin Esther Bejarano, die dem Mädchenorchester von Auschwitz angehört hatte.

Richard Liebermann. Der Zeitungsleser. 1933.
Aus dem Katalog zur Ausstellung (5).

Und als die Ausstellung kurz bevorstand, folgte der nächste Abschnitt des in dieser Form erstmaligen musischen Engagements einer Gruppe des ZAWiW: (Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung) die Seniorstudierenden saßen wieder auf der Schulbank bei einem Seminar der Museumsleitung mit vorwiegend pädagogischem Inhalt. Wie man ein Erzähl-Café vorbereitet, bei dem Zeitzeugen vor einer Schulklasse über eigene Erfahrungen mit Krieg, Hunger und Nazis berichten, das war den älteren Menschen vertraut. Doch fremde Besucher durch eine Ausstellung zu führen und dabei womöglich knifflige Fragen zu beantworten, das will gelernt sein. Immerhin fassten sich zwei der Senioren ein Herz und beteiltigten sich an den Führungen der Ausstellung Anfang 2002, die viel Echo fand und verlängert wurde. Zu den Ereignissen besonderer Art wurden zwei Erzähl-Cafés, bei denen nach dem Besuch der Ausstellung in kleinen Gruppen Alt und Jung das Gesehene vertieften. Schüler wollten nicht nur wissen, wie ein gehörloser Kunstlehrer im Herrlinger Landschulheim sich 1935 seinen Schülern verständlich machen konnte. Zu Sprache kam auch, wie soziale Ausgrenzung und Rassismus sich heute darstellen.

Quellenangaben:
1.
http://www.egu.schule.ulm.de/wsignal6/liebrmn.html
Nach der Führung durch die Richard-Liebermann-Ausstellung fand mit den eingeladenen Gästen im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Museum ein Erzählcafé mit Seniorenstudenten von ZAWiW statt.
Ausstellung eines jüdischen Künstlers in Neu-Ulm: Richard Liebermann – Ein Erzählcafé mit Zeitzeugen.
2.
http://www.uni-ulm.de/LiLL/3.0/D/zeit/
Beitrag zur Zeitzeugen-Arbeit im ZAWiW.
3.
http://www.uni-ulm.de/LiLL/lerncafe/lerncafe10/lernprojekte/liebermann/content_content_frameset.htm
Details zum Leben und Werk von Richard Liebermann
4.
http://www.taubenschlag.de/SSH/1068.htm
Sendung des Bayerischen Rundfunks (9. Dezember 2001 SEHEN STATT HÖREN, Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e. V.) über Richard Liebermann.
5.
Spurensuche: Richard Liebermann. 1900-1966. Lebenslinien eines gehörlosen, jüdischen Künstlers. Edwin Scharff Museum Neu-Ulm. 9.Nov. 2001 - 3. Febr. 2002. Katatlog. Hrg. Helga Gutbrod, Städtische Sammlungen Neu-Ulm.

Heinz Görlich


Pipiden
oder die Zungenlosen in der Universität Ulm

Familie Pipidae (Zungenlose) gehört zu den Froschlurchen und ist am Nächsten mit den Nasenkröten (Rhinophrynidae) verwandt. Die Gattung Xenopus umfaßt 15 Arten, alle in Afrika beheimatet. Der systematische Baum im Tierreich, der zu den Pipiden führt,
nach dem ORTONschen System von 1957:

Stamm (phyllum): Chordata - (Chordatiere)
––Unterstamm (subphyllum): Vertebrata - (Wirbeltiere)
––––Klasse (classis): Amphibia LINNAEUS, 1758 - (Lurche, Amphibien)
––––––Unterklasse (subclassis): Lissamphibia HAECKEL, 1866
––––––––Überordnung (superordo): Salientia LAURENTI, 1768
––––––––––Ordnung (ordo): Anura RAFINESQUE, 1815 - (Froschlurche, Anuren)
––––––––––––Unterordnung (subordo): Archaeobatrachia - (Primitive Froschlurche)??? nicht sicher
––––––––––––––Überfamilie (superfamilia): Pipoidea - (Pipoide Frösche)
––––––––––––––––Familie (familia): Pipidae GRAY, 1825 - (Zungenlose, Pipiden)
––––––––––––––––––Unterfamilie (subfamilia): Xenopodinae FITZINGER, 1843 Krallenfrösche
––––––––––––––––––––Gattung (genus): Xenopus WAGLER, 1827 Eigentliche Krallenfrösche
––––––––––––––––––––––Art (species): Xenopus laevis DAUDIN 1802, Großer Krallenfrosch, Glatter Krallenfrosch
––––––––––––––––––––––––Unterart (subspecies): Pipiden in der Universität Ulm, Raum:

Text: Yuki Imamichi
Foto: Dieter Trüstedt


Ballett der Universität Ulm

Deutschlandweit ist das Ballett der Universität Ulm das einzige Ballett, das ausschließlich aus Akademikern besteht. Es ist kein Profi-Ballett, sondern die Tänzerinnen und Tänzer sind hauptberuflich in den Naturwissenschaften zu Hause. Mediziner, Biologen, Physiker, Mathematiker, Maschinenbauer, Wirtschaftsingenieure und andere Sparten treffen sich da im Training. Die meisten befinden sich noch im Studium, einige promovieren, andere arbeiten schon oder noch. Die jüngste Mittänzerin ist 19, der älteste sogar 77 Jahre (Gasttänzer)! Das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 20, das ist ein Alter, in dem man sonst entweder Profitänzer ist oder gar nicht mehr tanzt.
Es gibt verschiedenste Motivationen, Uni-Ballett-Tänzerin bzw. Tänzer zu werden. Es können die Ballettstunden der Kindheit bzw. Jugend sein, die mit Beginn des Studiums nicht einfach so aufhören sollen. Die Freude am Tanzen und der Bewegungsdrang im doch meist einseitigen Studium rufen nach einem Ausgleich. Womöglich gar findet ein unerfüllter Kindheitswunsch, einmal eine richtige Ballerina zu sein, zu einer späten Erfüllung. Auch immer mehr Männer finden Spaß an dieser Form der Körperbeherrschung und lassen sich auch als Anfänger auf akrobatische Übungen ein.

Das Uni-Ballett hat einen Weg gefunden, Kunst und Beruf/Studium angemessen zu verbinden. Im Anschluss an die Arbeitstage oder auch Nachtdienste findet man sich regelmäßig im provisorischen Ballettsaal (Uni-Mensa!) wieder, um besagtem „Zweitberuf“ nachzugehen. Klar, dass mit einem Mal Training in der Woche keinen großen Schritte möglich sind. Der Körper muss geschmeidig bleiben, die alten Muskeln brauchen Pflege. Deshalb ist es nicht so ungewöhnlich, auch mal auf sieben Mal Training pro Woche zu kommen!

Bei vielen besteht auch der Wunsch, sieben Stunden pro Tag Zeit zum Training zu haben, was aber tatsächlich äußerst ungewöhnlich bleibt in der Uni-Ballett-Realität. Leider!? Da man ja nicht mehr zu den Jüngsten zählt, hat jeder neben Zeitproblemen auch körperliche.

Das macht nichts - dank Tanzmedizin wird so gesund wie möglich trainiert. Großer Wert wird auf Ausdauer gelegt, sinnvolle Übungsabfolge, Stretching mit Hilfestellung, Aufbau von Bauch- und Rückenmuskulatur durch Pilates-Technik und zur Entspannung gibt es auch Shiatsu. Hilfestellung und Tipps gibt es untereinander, da es keine streng hierarchisch gegliederte Truppe mit Konkurrenzkampf um die Solopartien ist. Jeder tanzt nach seinem Ermessen, Können und Fleiß. Jede/jeder wird choreographisch so eingebaut, wie es dem Typ am passendsten entspricht. Also können auch Anfänger mit auftreten, und mit einiger Übung ist ein schneller Aufstieg in „schwindelnde Höhen“ möglich.

Alle MittänzerInnen sind mit großem Einsatz dabei. Jede/jeder plant Zeit für Extra-Proben ein. Solopartien oder Pas de Deux, Pas de Trois werden einstudiert, und nicht nur Lernprogramme werden bewältigt, sondern auch Studium, Arbeit und Kind.

Noch ungewöhnlicher

Mittlerweile tanzt das Uni-Ballett seit 2000 regelmäßig im Ulmer Münster, auf Wunsch und mit der Unterstützung der Münsterpfarrer. Damit bleibt es bisher das einzige Ballett, das in der Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt tanzt. Von der ganz besonderen Atmosphäre schwärmen die TänzerInnen und erwarten jedes Mal von Neuem mit größter Spannung das Gefühl, abends in dem majestätischen Bauwerk neue Erfahrungen zu machen. Das sind natürlich andere Eindrücke, als „nur“ auf einer Opernhausbühne zu tanzen. Das ist im Ulmer Münster eine ganz andere Verbindung von Tanz - Raum - Religion - Bewegung.

Das Uni-Ballett hat aber genauso Freude, außerhalb des Münsters zu tanzen. Man sieht es auf Bällen, Geburtstagsfeiern, und an Orten wie dem Ulmer Museum, im Haus der Begegnung, im Zeughaus, im Saal der Evangelischen Studentengemeinde... Und jedes Mal repräsentieren sie eine Universität, die dieses kulturelle Schaffen mitermöglicht.


Neue Projekte

Den Sommer 2002 eröffnet das Uni-Ballett mit einem fröhlichen, sommerlichen Stück: „Un truc joyeux“. Die schwungvolle und so wunderbar gleichmäßige Musik Johann Sebastian Bachs passt da hervorragend. Es ist das Konzert für 4 Klaviere BWV 1065, das Bach nach einer Vorlage von Vivaldi bearbeitet hat. Das Stück soll überraschen und den Zuschauer fröhlich stimmen. Die Uraufführung dieses Balletts in drei Teilen findet am Dienstag, den 16. Juli 2002 im Rahmen eines Gottesdienstes im Ulmer Münster statt. Den zweiten sommerlichen Höhepunkt, am 21. Juli 2002 ebenfalls im Ulmer Münster, bildet eine Improvisation zu Orgelmusik von Louis Vierne aus den „Pieces en style libre“ op.31, live vorgetragen von Münsterorganist Philipp Hartmann.

Weitere Termine und Ballettkurse

Schon bis ins Jahr 2004 hat das Uni-Ballett Termine vorgemerkt! Zum Jahresende wird eines der in Europa weniger bekannten Stücke ertanzt. Es wird das klassische Stück „Raymonda“ mit der Musik von Glazunov sein. Das Uni-Ballett ist also kein Schulballett mit den einmal zu Weihnachten aufgeführten Klassikern in choreographischen Adaptationen nach Petipa. Es ist vielmehr ungewöhnlich und möchte es bleiben, indem eher fremde Stücke in eigenen Choreographien, eigenen Inszenierungen und nach eigenen Ideen ertanzt werden. Es wird pro Semester mindestens eine neue Hauptchoreographie einstudiert, kleinere Stücke und persönliche Wünsche kommen hinzu, was für eine Ballettgruppe ohne Profis eine außergewöhnliche Leistung ist.

Alles in allem ist das Uni-Ballett also eine hochmotivierte Gruppe netter, ballettbesessener Frauen und Männer, die für Zuwachs an Gleichgesinnten und jede Art der Unterstützung höchst dankbar ist.


Interview von Harald Müller mit Mitgliedern des Balletts

Wie kommt ein Mann zum Ballett?
Martin: Zuerst hatte ich auch nicht damit gerechnet, aber nach einer Schnupper-Saison und den ersten Auftritten war’s um mich geschehen.

Wie fühlt man sich in so einer Kompanie?
Martin: Super. Ballett ist sehr harte Arbeit, aber mit dieser tollen Truppe gehe ich durch dick und dünn.

Wie oft trainiert Ihr?
Silke W.: Also, mindestens 3x die Woche, wenn möglich öfter. Wir kommen aber auch schon mal auf 7x die Woche, wenn es gut läuft.

Macht das dann noch Spaß, sich so oft zu quälen?
Silke W.: Es macht ziemlich viel Spaß (wenn Knochen und vor allem die Muskulatur mitmachen), denn man merkt dann auch schnell Fortschritte.

Was hält dich als älteste Mittänzerin im Ballett?
Silke B.: Erstens, macht Spaß! Zweitens, verhindert übermäßige Verfettung.

Was sagen über 50-jährige Knochen dazu?
Silke B.: Au weia! Nein, im Ernst, mir tun die Knochen wahrscheinlich nicht mehr weh als den anderen. Und Ballett grenzt sowieso immer etwas an Masochismus.

Wie lange hast du gebraucht, um als Anfänger plötzlich eine „fliegende Bayadère“ zu werden?
Silke W.: Ca. 4 oder 5 Semester, weiß nicht mehr so genau.

Der Preis dafür?
Silke W.: Der Preis? Viel Training und Motivation sind natürlich nötig, aber das würde ich nicht als Preis bezeichnen. Wenn man erst mal die Höhenangst überwunden hat, kann man vom Fliegen nicht mehr genug bekommen.

Wie sieht Dein Zeitplan aus als Tänzerin, Medizinstudentin und Mami?
Aeio: Tja, recht eng gesteckt ist er schon manchmal... Es kommt immer darauf an, was gerade so miteinander kollidiert, aber irgendwie schafft man es doch, alles zu kombinieren. Außerdem hat Tanzen etwas von einer Therapiewirkung, man kann abschalten und sich so wieder frisch und flockig den täglichen Herausforderungen stellen.

Wie studiert man eigentlich Medizin, TCM/Akupunktur, gibt mindestens 4x pro Woche Ballettunterricht, dazu auch noch 3 verschiedene Tangokurse, promoviert nebenbei, choreographiert usw.?
Astrid: Eiserne Disziplin! Gute Organisation in allen Bereichen des täglichen Lebens!

Ihr wart ja bis jetzt bei allen Münster-Auftritten tänzerisch dabei. Wie ist das?
Julia: Es ist immer schön, wenn man zeigen kann, wofür man trainiert, und das Ulmer Münster bietet dafür einen besonderen Rahmen.
Nataliya: Ich bin ganz glücklich dabei und genieße es, Anderen Freude zu bringen.

Was fühlt Ihr dabei?
Julia: Die Atmosphäre ist einmalig und es macht sehr viel Spaß, den Gottesdienst zu bereichern, außer es ist Winter, dann zittern die Arme etwas vor Kälte.

Astrid: An dieser Stelle bedankt sich das Ballett der Universität Ulm bei Studentenpfarrer Herrn Metzger, bei Herrn Erlewein und Herrn Kerließ vom Hochschulsport, bei unserem Rektor Herrn Wolff und all den anderen, die uns tatkräftig unterstützen.

Ihr seid erst ganz frisch dabei, seit März 2002. Was studiert Ihr gerade ein?
Meike + Kathrin: Hauptsächlich Bach, aber nebenbei noch so ein paar andere Sachen.
Viktoria: Bach und „Schwänchen“.

Wie stressig ist es, gleich mehrere Choreographien in kürzester Zeit zu lernen?
Meike: Wenn man regelmäßig ins Training kommt, ist es gut zu schaffen.
Kathrin: Es ist eigentlich ganz gut zu schaffen. Nur mein Freund motzt, dass ich sooo oft im Ballett bin.

Die „Dienstkleidung“ für Tänzer?
Silke: Am Anfang reichen eigentlich ein Paar Socken, aber dann sind zum einen Ballettschläppchen und zum anderen Spitzenschuhe nötig. Aus tanzmedizinischen Aspekten tanzen wir in Spitzenschuhen nur mit speziellen Silikoneinlagen, welche die Zehen schützen und zur Dämpfung dienen. Trainingskleidung kann alles sein, was wärmt und in dem man sich gut bewegen kann, ohne die Korrektheit der tänzerischen Haltung zu verbergen. Für die Auftritte braucht man natürlich passende Kostüme. Diese sind mitunter eine bedeutende Investition.

Wie lange halten Ballettschuhe?
Die Spitzenschuhe halten ca. eine Saison, das kommt auch immer auf das Trainingspensum an, dann sind sie „ausgetanzt“ und man hat keinen Halt mehr in ihnen. Eigentlich sollte eine Tänzerin mindestens zwei Paar benutzen, eines für das Training und eines für Auftritte.

Was kostet so was?
Tja, das alles ist nicht ganz billig. Ballettschläppchen sind für ca. 20 Euro zu haben, Spitzenschuhe kosten um 75 Euro und die Einlagen ca. 25 Euro. Die Trikots, die wir bei unseren Auftritten tragen, kosten zwischen 35 und 45 Euro. Die größten Kosten verursachen aber Tutus, Röcke, Kleider und Kostüme für die Herren. Ganz einfache Tutus sind für ungefähr 80 Euro zu haben, ein richtig schönes Tutu mit Oberteil, wie es die Profis tragen, gibt es aber erst ab ca. 250 Euro, nach oben gibt es da keine Grenzen. Bei Röcken, Kleidern und Herrenkostümen sieht das ähnlich aus.

Wer stattet euch aus?
Bis vor Kurzem hat jede Tänzerin und jeder Tänzer seine Schuhe und Kostüme selbst gekauft, was bei Studenten eigentlich nicht im Budget liegt. Viele Teile, wie Accessoires, Corsagen und Hosen kaufen wir, wenn sie im Angebot sind, oder wir setzen uns selbst an die Nähmaschine. Für Tutus, Kleider und Herrenkostüme haben wir unsere Kontakte in ganz Deutschland, Italien und sogar in Moskau und St. Petersburg bei Ballettausstattern und Kostümherstellern. Es ist ziemlich schwierig, günstige, aber dennoch schöne Kostüme zu bekommen.

Kann man solche aufwendigen Kostüme nicht mieten?
Auch das haben wir versucht. Nach vielen Telefonaten und e-Mails mit Kostümverleihern in ganz Deutschland sind wir nur auf einen, nämlich auf Herrn Stegemann in München gestoßen, der überhaupt Ballett-taugliche Kostüme hat. Diese zwar wirklich traumhaften Kostüme vom Fernsehballett haben aber leider auch ihren Preis, ca. 100 Euro pro Stück für eine Woche. Bei mindestens zwei Choreographien pro Jahr mit ca. 16 Tänzern ist das nahezu unerschwinglich.

Seit Kurzem bemühen wir uns daher verstärkt um Sponsoren und konnten auch schon erste vielversprechende Beziehungen knüpfen.

Weitere Informationen

Mailadressen, aktuelle Ankündigungen und weitere Informationen zu Terminen, Tänzerinnen und Tänzern und Fördermöglichkeiten sind der Homepage www.ballett.org zu entnehmen. Dort sind auch ausführliche Beschreibungen zu den 4 Ballettklassen und Bilder aus dem Training und von den Aufführungen zu sehen.
Das Ballett der Universität Ulm freut sich über jeden Besuch bei den Aufführungen, im Training oder auf der Homepage!

E-Mail:
info@ballett.org

V.i.S.d.P.:
Martin Hasch, Kay Astrid Müller und Silke Walter

Mai 2002


DaKini-News


23.06.2002 Oberdada:
Wahlergebnis
Auf mehrfache Nachfrage: das Wahlergebnis von 2002 ist auf der StuVe-Homepage/Wahlen zu sehen. Und wird hier nicht dupliziert. Erfreulich, dass mein Design von 2001 wieder übernommen wurde :)

23.06.2002 OberDada:
Einige Dada und DaKini Wahlplakate...
Einige Dada und Dakini Wahlplakate sind nun Online zu sehen. Mit der Zeit sollen es mehr werden. Leider haben einige besonders nette Exemplare die Wahlen nicht überlebt :-(

16.06.2002 OberUnterDada:
Gedichteabend
OberUnterDaDa Henrik würde gerne mal einen Dada-Gedichte-Abend im Cafe Einstein abhalten. Völlig unpolitisch (soweit das mit Gedichten von verkappten Kommunisten machbar ist). Allerdings fürchte ich, dass da eh niemand kommt. Wer Interesse hat, maile mir mal! eMail: Henrik

10.06.2002 DadADa:
Skandal in Tal
Hallo, die letzten Skandalmeldungen des „DADA“ sind nun auch als HTML verfügbar. Wir DaKinisten sind aber gar nicht so korrupt. Z.B. ist unsere Wahlkampffinanzierung sehr transparent(e): 3*Riso-Master = 3*0.6 = 1.80EU 2*166*A3 Öko (4*A5) Flyer = 332*2,6c = 8.64EU 80*A3 Öko Plakat = 80*2,6c = 2.08EU Summe: 12.52 EU

10.06.2002 OberDaDa:
Mehr ist einfach mehr
Beim weiteren Auszählen wurden noch einige DaKini-Stimmen unter dem Meeresspiegel gefunden. Aktueller Stand: 1277 Stimmen, das sind 5.3 %. Womit DaKini locker die nicht eingeführte 5%-Hürde genommen hat.

07.06.2002 Kini-Wahlkampfmanage:
DaKini in neuer StuVe
DaKini hat nach dem vorläufigen Endergebnis den Einzug in die nächste StuVe geschafft und erhält einen Platz. Diesen Platz werden Dada und Kini teilen. Kini will extra abnehmen, damit es nicht zu eng wird.
Ergebnis: 1220 Stimmen, 5.23%

06.06.2002 Dada:
Kunst zum Wegwerfen
Dada ist ja auch eine Kunstrichtung und deshalb haben wir einen Expertenstreit zum Thema Wegwerfkunst angezettelt. PS: Es geht nicht um die Kunst des Wegwerfens, sondern um die alte dada-Tradition, nicht für’s Museum zu fabrizieren, sondern für Aktion und danach für die Tonne.

06.06.2002 Dada:
unsinnige Beschuldigungen
Angeblich wären wir eine Chauvinisten-Liste, weil auf unsere Liste keine Frauen stehen. BlaBla! Was können wir dafür, das die Frauen nicht auf uns stehen und alle Mädels vor uns wegrennen? Wir haben extra eine potentielle Königin per Aushang gesucht. Ergebnis: nix. Wenn die Mädels halt nur in so Softie-Pseudo-Listen gehen... nicht unser Fehler. Basta!

06.06.2002 Kini:
Gewicht
Wie ich erfahren habe, reisst der Oberdada dumme Witze ueber mein Gewicht. Nun, sagte nicht schon Caesar: „Lasst wohlbeleibte Maenner um mich sein.“ Ich wuerde mir mehr Sorgen um so eine Hungerharke wie den Oberdada Gedanken machen. Die sorgen immer fuer Unruhe.

05.06.2002 Kini:
Basis
Wir meinen, dass es besser waere, wenn die Basis nur den Oberdada abwaehlen wuerde. Endlich wieder Ruhe und Frieden, keine Gedicht- abende mehr (Ich nenne sowas eigentlich eine Sauftour, aber naja). Klingt nach dem Paradies, oder?

05.06.2002 Kini:
Alkohol
Ich moechte an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass ich nicht der Saeufer auf unserer Liste bin. Ich frische nur gelegentlich meine Lebensgeister etwas auf.

05.06.2002 OberDada:
erste (inoffizielle) Hochrechnung
Ich habe die erste inoffizielle Hochrechnung für die aktuellen StuVe-Wahlen fertig.

05.06.2002 der Echte Kin:
alles Fake hier
Der Dada will mich wohl fertig machen. Die Aussagen, die unten als ‘Kini’ stehen, sind gar nicht von mir. Diese hier übrigends auch nicht.

05.06.2002 Kini:
Gutgut. Listenlästern 4
Apropos StuPDS: wie wollen die (bzw.: der) denn das Spektrum noch nach links erweitern. Die StuVe ist doch schon voller Kommunisten. Einer mehr macht da auch nix schlimmer. Und dann gibt es ja auch noch die LHG: gelb angemalte rote Socken!

05.06.2002 OberDada:
Ist ‘Euch’ der pluralis majestatis?
Ihr (3.Pers.Pl. d.h. die Basis) meint doch mit „Euch“sicher nur den Kini!? Ihr werdet doch nicht euern guten, alten OberDada degradieren?

05.06.2002 Die Basis:
Kriegt Euch wieder ein!
Sonst sehen wir uns gezwungen, Euch abzuwählen!

05.06.2002 Kini:
Dada is zu blöd...
‘ne primitiv-Datenbank zu bewachen. Und überhaupt, dieser HTML-Code - grauslig. Fasst nur HTML V1.0. Der hat doch seit 8 Jahren nix mehr dazu gelernt. Das ist ja fast so schlimm, wie www.stuPDS.de !!

05.06.2002 Dada:
Kini & Alk (war Dada und Alk)
Ich trinke doch gar kein Bier. Bier ist was für Fussballfans und andere seltsame Leute. (OT: Deutschland kommt nie wieder ins Viertelfinale.) Der wirkliche Säufer is doch Kini. Unter 3 Liter Sprit (nur Super, also Wodka und so) tut der doch gar nix mehr.

05.06.2002 Admin:
Datenbankräuber gefasst
Wer heute morgen hier vorbeigeschaut hat, wird nicht viel gesehen haben. Ein Datenbankräuber hat alle Nachrichten geklaut. Er konnte aber dingfest gemacht werden, und nun ist aller Quatsch wieder da oder sogar dada.

04.06.2002 OberDada:
Geheime StuVe-Protokolle
Meine geheimen, dadaistischen Sitzungs-Mitkritzeleien sind nun Online. Dada

04.06.2002 DieBasis:
Doofe Sprüche
Welchem Hirni sind eigentlich so kranke Wahlkampfsprüche eingefallen, wie z.B. „Ulmer, klaut nicht bei Luden!“ oder „Atomkrieg in Indien: Endlich tun sie was gegen die Übervölkerung“. Wir haben die Plakate vernichtet.“Nie wieder wählen. Dank Kini“ finden wir auch scheisse. Die Basis

04.06.2002 OberDada:
Kini ist mega-reaktionär
Der Kini ist gar nicht konservativ, der ist total reaktionär! Wenn es nach dem ginge, würde die Menschheit bald wieder auf den Bäumen leben und er wäre Alpha-Männchen oder so... Aber mal realistisch gedacht: Welcher Ast würde den aushalten?

04.06.2002 Kini:
Dada und Alk
Ich weiss nicht, wieso mein lieber Oberdada den Alkohol so ablehnt. Nach 2-20 Bieren, je nach Fassungsvermoegen, redet jeder einen solchen Bloedsinn, das es als dadaistisches Gedicht durchgeht. Er sollte lieber froh sein, dass Alkohol noch frei erhaeltlich ist.

03.06.2002 OberDada:
Listenlästern 3
Habe ich eigentlich schon darauf hingewiesen, dass ich einige Leute bei der LHG für verkappte Kommunisten halte? Unser Motto bleibt:“Stoppt die rot-rot-rot-rote Koalition in der StuVe!“

03.06.2002 DADA-Chefredakteur:
Queen in Finanznot...
Die Queen ist fast pleite und Disney plant schon die feindliche Übernahme. Lesen sie Alles zum Untergang der Monarchie in Grossbritannien. Mit Experten-Interview.

03.06.2002 Dada:
Listenlästern
So, ich muss noch etwas über die Konkurrenz lästern: Erstmal zur sogenannten StuPDS: wir wissen zu 200% aus eigener Erfahrung, dass Einmann-Listen völlig unseriös sind. Und zu Buntespritze: das Bild des Spitzenkandidaten, dass auf einigen Plakaten zu sehen ist, ist völlig falsch.
Jörg. B. sieht überhaupt nicht so aus.

31.05.2002 DieBasis:
Kram auch als HTML
DerDada3, Partei- und Wahlprogramme stehen nun je als HTML und PDF zur Verfügung.

31.05.2002 DieBasis:
Parteiprogramme als PDFs
Wahlprogramm und Parteiprogramm sind nun jeweils als PDF auf der unter Über DaKini zu finden.

31.05.2002 OberDada:
Verbietet endlich ‘Völkerball’
Gewaltverherrlichende Spiele sind seit Erfurth ein grosses Thema. Doch das Problem fängt nicht mit 19 jährigen Ballerspiel-Freaks an. Schon in der Grundschule wird ein brutales, herzloses Kriegsspiel im Sportunterricht geübt: Völkerball! Mit Gummigeschossen sollen die Mitschüler der ‘feindlichen’ Truppe ins ‘Jenseits’ befördert werden. Übelst!

31.05.2002 OberDada:
Alk is Trumpf?
Wenn ich mir so die Wahlwerbung vom RCDS anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass die voll auch die Macht des Bieres setzen. Freibier und Cocktails inside (reingeschüttet) - braucht man das, um diese Liste gut zu finden oder was?

31.05.2002 Kini:
Wahn und Wirklichkeit
Was der Oberdada für Größenwahn hält, ist einfach nur Genialität. Bei manchen Menschen ist der geistige Horizont einfach der Abstand zwischen Kopf und Brett.


30.05.2002 OberDada:
Rekorde über Rekorde
Manche Leute behaupten, Dada hätte in der StuVe nichts geleistet. Das ist nicht wahr. Dada hat sogar Rekorde aufgestellt:
· keine Fraktion war so oft vollzählig anwesend wie Dada
· keine andere Fraktion war so oft geistig abwesend
· der OberDada hat durch häufiges Schweigen die Länge der Situngen enorm verkürzt
· Dada hat viel Pizza gegessen und sicher e

29.05.2002 OberDada:
aktueller Dada als PDF
Die aktuelle Ausgabe der Dadaistengazette DeR dAdA ist nun als PDF-Datei zu haben.

29.05.2002 OberDada:
Koalition mit Kini
Hiermit geben Kini und DADA bekannt, dass wir
uns zur ‘Liste der reinen Vernunft’ zusammen getan haben und zu den StuVe-Wahlen gemeinsam antreten werden.
Die neusten Nachrichten werden sie hier nun täglich auf dieser Seite finden.

MfG Henrik ‘Dada’ Kühn

 

    Henrik im MUZ Juni 2002


LANGOS

Über die Herstellung von Langos in der Tontafelaktion und ein Vergleich

Die Crew beim Herstellen der Tontäfelchen für die Erstsemester im Jahr 2002 war wieder international besetzt: Rumänien, Ungarn, Badenwürttemberg, Bayern, USA. Aniko - eine Ungarin - hat uns, da wir Hunger hatten, beigebracht, wie Langos hergestellt werden. Interessant dabei war außerdem, dass wir viele Ähnlichkeiten zu Arbeiten in der Keramik entdeckten. Mag sein, dass Menschen immerwieder ähnliche Handlungsmuster entwickeln.

Hier erstmal das diesjährige Motiv: Unifix von Caius Burri. Unifix steht im Kunstpfad in der Nähe des Burri-Institutes (Unfallchirurgie).

Das Formen der Tontäfelchen geschieht in sogenannten Models: ein Silikonabdruck der hölzernen Vorlage. Das Silikon liegt vertieft in einem Edelstahlrahmen. Dadurch bekommt das Täfelchen die Dicke und die Oberflächenform. Frederick William Ayer ist hier der formende Künstler.

Jetzt zu den ungarischen Küchlein, genannt LANGOS. Der Teig ist ein ganz normaler Hefeteig: Mehl mit etwas Salz mischen, in der Mitte eine Kuhle, dort hinein etwas warme Milch und die gebröselte Hefe, dazu etwas Zucker, abgedeckt stehen lassen bis die Hefe gegangen ist, alles ausgiebig mischen und wieder gehen lasen, den Teig auf einer mit Mehl bestreuten Platte gut 1 cm dick ausrollen (also nicht zu dünn), dann mit einem Trinkglas runde Formen ausstechen oder Formen scheiden (ca. 6 cm im Durchmesser), diese runden Teile zwischen den Fingern unterhalb des Randes leicht drücken und weiterdrehen - solange bis die Innenfläche möglichst dünn und der Rand stabil dick ist, dann dieses Teil - jetzt im Durchmesser bestimmt 15 cm groß, in eine Pfanne geben, in der ca. 2 cm hoch einfaches Sonnenblumenöl erhitzt wurde (die Hitze gerade so, dass die Küchlein brutzeln) und braun werden lassen.

Die Küchlein gut abtropfen lassen und möglichst bald essen.

Und damit jeder sieht, wie schön es in Wiblingen vor der Keramik-Werkstatt ist, hier der Tisch mit Essschalen, die ebenfalls in der Werkstatt entstanden sind.

Die Küchlein werden mit einer Knoblauch-Soße (Olivenöl, Salz und Knoblauch fein gewürfelt) bestrichen. Die Qualität dieses Gerichtes ist erstaunlich hoch. Die abgebildete Tasse ist ebenfalls in der Werkstatt entstanden und der Pinsel sollte eigentlich zum Glasieren sein.

Die angedeutete Ähnlichkeit der Handlungsabläufe beim Zubereiten von Essen und beim Töpfern braucht wegen der Offensichtlichkeit nicht weiter ausgeführt zu werden.

Vielen Dank an Aniko, die uns das ungarische Rezept vorgeführt hat. Gewisse Ähnlichkeiten gibt es sicher zu den bayerischen "Auszognen", die aber vor dem Verspeisen meist mit Puderzucker behandelt werden.

Die Leitung der Tontafel-Aktion liegt wieder in den Händen von Astrid Schürmann.

Rezept: Aniko Gerencser, Studentin der Medieninformatik Ulm/Tübingen
Fotos und Text: Dieter Trüstedt


SoNaFe & EMU

Experimentelle Musik auf dem Sommernachtsfest der Universität Ulm am 27. Juni 2002

1500 Studenten und Studentinnen im Innenhof der Zahnklinik, zwischen drei lautstarken Bands wandelnd, froh, dass es nicht mehr regnete, sondern sommerlich warm geblieben ist, froh, dass sie überhaupt eine Eintrittskarte bekommen haben, essend, trinkend und mit dem Versuch fast scheiternd, sich verständigen zu können ......... für die experimentelle Musik nicht gerade die geeignetste Szene.

Dennoch: Der Experiment hat sich gelohnt. Wir hatten unsere Musik oder besser experimentelle Kunst bei der SoNaFe-Organisation angemeldet. Wir wurden vorher gefragt, ob wir eine kleine Probe unserer Arbeit zeigen wollen. So bauten wir unser Gerät noch bei Regen unter dem Zelt der Ton-Techniker auf:
Mikrofon, Mischpult, Laptop, zwei Nord-Modular-Synthesizer, zwei Tastaturen mit Midi-Regler, ein Trumscheit, etliches Material für Klangexperimente (siehe Abbildung).

Die Besetzung war wie folgt:
Henrik Kühn: große Tastatur und die selbst entworfenen Programme Kranker Vogel, Steeldrummäßig und Fischgeblubber
Andi Papst: kleine Tastatur und die ebenfalls selbst entwickelten Programme Brummen und Rauschen
Dieter Trüstedt: Almas Zeitwurzel als interaktive Lyrik auf dem Laptop zum direkten Einspielen und das Trumscheit
Alex Baune: Mikrofon, Alufolie, Plastikbecher, 2 Schwämme, Papier, Gräser, Gummibänder, dicker Metalldraht und Mund.

Alex Baunes Spiel-Equipment für SoNaFe.

Der Aufbau mit Trumscheit, Laptop, Mixer und Synthesizer unter dem Technik-Zelt.

Blick vom Aufführungsort in die Szene. Das Wetter war besser geworden.

Unsere Musik begann kurz vor 22 Uhr und dauerte ca. 9 Minuten. Wir verwendeten die Lautsprecher-Anlage der Pop-Band. Die anderen "Bands" spielten weiter: Techno im unteren Bereich des Geländes und Salsa im höher Bereich zwischen Mensa und Zahnklinik. Zunächst hatten wir Schwierigkeiten, unsere Klänge im akustischen Umfeld der 1500 laut sich unterhaltenden Studies und der 2 Bands überhaupt wahrzunehmen. Die Worte der Lyrik kamen dann ganz gut. Die Rauschbilder von Andi konnten nicht gleich als akustische Kunst identifiziert werden, vereinigten sich dann aber prima mit dem kranken Vogel von Henrik. Axels akustisches Instrumentarium verlangte viel Imagination, kam aber gut. Das Trumscheit war optisch gut zu sehen, war aber kaum zu hören.

Die Reaktion des Publikums: Die meisten hatten wohl gar nicht verstanden, dass da was war. Andere fragten, ob die Klänge von einer CD gekommen seien und waren erstaunt, dass alles live gespielt war. Und wieder andere fragten, ob wir schon gespielt hätten und waren betrübt, dass wir schon beim Abbauen waren.

Gedanken zur Verbesserung beim nächsten Mal: Scheinwerfer für uns und unser Handeln, die anderen Bands wenigstens in der Lautstärke herunterfahren, Trumscheits und andere akustischen Instrumente verstärken, Programm-Zettel mit Erklärungen verteilen, die experimentelle Musik etwas der Situation anpassen, d.h. die Klänge höher setzen, damit sie sich etwas mehr abheben, vielleicht kurze rhythmische Elemente, mehr einzelne Laute, die drüber schweben und vor allem: eine Leinwand für unsere Computer-Film-Projektionen.

Mir hat es gefallen - auch der Mut der Veranstalter, uns ins Party-Gelände zu lassen. Mal sehen, ob wir das wiederholen. Warum nicht. Andi war wohl eher enttäuscht. Axel stand drüber und so auch Henrik.

Dieter Trüstedt