Sie ist eine Fachdisziplin, die sich mit der Versorgung von Menschen in sogenannten Großschadenslagen beschäftigt: die Katastrophenmedizin. Ihre weltweit große Bedeutung wurde nun bei der 17. Sommerakademie „Katastrophenmedizin und Humanitäre Hilfe“ in Ulm beispielhaft in den Fokus gerückt. Insgesamt 80 Teilnehmende lernten bei der fünftägigen Veranstaltung in zahlreichen Fachvorträgen und praktischen Übungen, wie man Menschenleben unter erschwerten Bedingungen retten kann.
Es ist dunkel, verraucht und sehr laut. Überall ist Blut. Die kreischenden Schreie „Bitte helft mir“ gehen durch Mark und Bein. Jetzt heißt es für die Ärzte und Notfallsanitäter Ruhe bewahren und ein Unfallopfer nach dem anderen zu begutachten und zu beurteilen. Die schlechte Nachricht: Es ist nicht einfach, denn den Ersthelfern stehen pro Verunglückten gerade einmal 20 Sekunden Zeit zur Verfügung, um den Grad der Verletzungen mit Triage-Karten für nachfolgende Rettungsteams zu kategorisieren. Dabei steht die Farbe Rot für schwerverletzte Personen, die schnellstmöglich versorgt werden müssen, vor gelb und auch der Farbe Grün, die noch gehfähigen Opfern zugeteilt wird. Die gute Nachricht: Das Zugunglück in einem Tunnel war eine sehr realistisch dargestellte Übung, die in der Turnhalle des Ulmer Schubart-Gymnasiums stattfand - im Rahmen der 17. Sommerakademie „Katastrophenmedizin und Humanitäre Hilfe“. 56 Medizinstudierende ab dem fünften Fachsemester aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, zwölf Ärzte und zwölf Mitarbeitende von Rettungsdiensten nahmen an der Veranstaltung teil. Diese wurde Ende September von der Tübinger Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in kooperativer Zusammenarbeit mit der Universität Ulm durchgeführt - und das bereits zum 13. Mal in der Donaustadt.
Erfahrene Referenten mit zahlreichen Auslandseinsätzen
Zweck der seit 2010 bestehenden Sommerakademie ist es, Studierende und medizinisches Fachpersonal noch besser auf Krisen- und Katastrophenfälle vorzubereiten. Nur so kann eine möglichst schnelle und suffiziente Erstversorgung der betroffenen Bevölkerung sichergestellt werden. „Die Idee ist, die nationalen Besonderheiten, spezielle medizinische Maßnahmen und die Herausforderungen von internationalen Einsätzen in einer kompakten Fortbildungswoche zu schulen“, so Dr. Stefan Gromer, Gründer und Geschäftsführer der Stiftung und des Instituts für Katastrophenmedizin. Die Themen umfassten die Versorgung unter katastrophenmedizinischen Bedingungen, Rechtsgrundlagen, Leitlinien, Ethik, psychische Erste Hilfe sowie Führungslehre und Krankenhausalarmplanung und wurden von Referenten vermittelt, die über langjährige Erfahrungen im Ausland sowie in der Entwicklungsarbeit verfügen.
Neben der Sichtungsprüfung mit 14 Schülerinnen und Schülern des Schubart-Gymnasiums und einem praktischen Parcours für technische Hilfeleistungen beim Technischen Hilfswerk (THW) Ulm, wurden die Teilnehmenden im Trainingshospital (TTU) der Universität Ulm unter anderem im Atemwegsmanagement und im Umgang mit Tourniquet, Beckenschlingen und Thoraxdrainagen geschult.
Gesundheitliche Lage-Analyse im Vorfeld wichtig
Im zweiten Teil der Sommerakademie wurden die unterschiedlichen Konzepte der Humanitären Hilfe erläutert, die in einem Zeitraum von maximal drei Monaten geleistet wird. „Sie beinhaltet vor allem direkte lebensrettende Maßnahmen nach einer wie auch immer gearteten Naturkatastrophe, die der betroffenen Bevölkerung die Überlebensgrundlage gänzlich oder teilweise geraubt hat“, so Dr. med. Johannes Schad, Ärztlicher Leiter der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin. Neben den in der Sommerakademie präsentierten medizinischen Maßnahmen wie die Installation mobiler Kliniken oder Feldhospitäler, sind laut Schad weitere Fachgebiete wie etwa die Errichtung von provisorischen Unterkünften oder noch wichtiger, die Bereitstellung von Trinkwasser und mobilen Toiletten, Bestandteil der humanitären Hilfe: „Sehr wichtig ist auch, dass immer zunächst eine orientierende gesundheitliche Lage-Analyse und eine fachkundliche Beurteilung einem möglichen Einsatz vorgeschaltet wird. Nur so kann auch situationsangemessen abgeschätzt werden, das richtige Tool in den Einsatz zu entsenden“, betonte der Allgemeinchirurg und Notarzt. Auf dem Vortragsprogramm im Bereich „Humanitäre Hilfe“ standen unter anderem Themen wie Katastrophenpharmazie, Pflege im Katastrophen- und Konfliktkontext, Sicherheitsaspekte in der Humanitären Hilfe sowie die zivil-militärische Zusammenarbeit.
Dr. Stefan Gromer freute sich am Ende der Veranstaltung über das positive Feedback von erneut hoch motivierten und wissensdurstigen Teilnehmenden: „So fällt es leicht, in die Planungen zur nächsten Sommerakademie zu gehen. Eine absolute Besonderheit war der diesjährige Veranstaltungsort.“ Das moderne Ausbildungs- und Trainingshospital „To train U“ der Universität Ulm sei von den Teilnehmenden, Referenten und dem Organisationsteam mit Begeisterung angenommen worden, so Stiftungsgründer Gromer: „Für die diesjährige Sommerakademie bestanden dadurch optimale Möglichkeiten, Theorie und Praxis zu schulen.“
Die medizinische Weiterbildungswoche orientiert sich inhaltlich am „Konzept zur katastrophenmedizinischen Ausbildung im studentischen Unterricht an deutschen Hochschulen“. Dieses wurde federführend von den beiden namhaften Katastrophenmedizinern Professor Bernd Domres (Universität Tübingen) und Professor Ernst Pfenninger (Universität Ulm) erstellt.
Weitere Informationen:
Pressestelle der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin
E-Mail: presse(at)stiftung-km.de
Webseiten: Deutsches Institut für Katastrophenmedizin
Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin
Das Programm als PDF gibt es hier!
Text: Stefan Löffler
Alle Fotos: Martina Hopfengärtner / Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin
