Innovative Lehre

Erwerb ärztlicher Schlüsselkompetenzen:
Das spezielle Ausbildungsangebot in der Humanmedizin Ulm

Das Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät Ulm bereitet Sie bestens auf Ihren zukünftigen Berufsalltag als Ärztin oder als Arzt vor. Dazu gehören neben dem medizinischen Fachwissen die Aneignung praktischer Fertigkeiten für einen selbstverständlichen Umgang mit Patientinnen und Patienten sowie wichtiger Soft Skills wie Gesprächsführung.

Das Wissen um die geschlechterspezifischen Ausprägungen von Krankheiten, Training im Umgang mit wissenschaftlichen Themen und Daten zur Vorbereitung auf die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen sowie der Einsatz moderner Technik runden das Ausbildungsprogramm ab.

Schlüsselqualifikation "Praktische ärztliche Fertigkeiten"

Die Ausbildung praktischer Fähigkeiten ist ein zentraler Bestandteil des Ulmer Ausbildungskonzepts med@ulm. Von Anfang an sollen unsere Studierenden klinische Erfahrungen sammeln und ärztliche Tätigkeiten und Handlungsabläufe einüben, die auch Hygiene, Kommunikation und Dokumentation berücksichtigen. Das im Herbst 2021 fertiggestellte moderne Trainingshospital TTU bietet dafür einzigartige Möglichkeiten. Unsere Studierenden trainieren hier Behandlungen ebenso wie Gesprächsführung in sehr realitätsnahen Simulationen, die exakt auf den jeweiligen Ausbildungsstand zugeschnitten sind. Ziel ist es, Sie stufenweise an die medizinische Praxis im Alltag heranzuführen und eine Brücke zwischen Theorie aus dem Lehrbuch und der Praxis „am Patienten“ zu bauen.

Medizinstudierende in Ulm trainieren in nahezu realistischer Umgebung

Das Ulmer Trainingshospital bietet alle Möglichkeiten einer modernen Ausbildung in der Humanmedizin: Es verfügt über ein voll ausgestattetes Sprechzimmer eines Hausarztes, bildet die Situation in Klinikzimmer, Schockraum und OP ab und zusätzlich wird neben den Trainingsräumen auch ein Rettungswagen zur Verfügung stehen, in dem Studierende die Behandlung und den Weitertransport von Patienten aus dem Wagen in die Notaufnahme üben können.

An Modellen lassen sich einfache Grundfertigkeiten, wie z.B. die korrekte Blutentnahme einüben. An technisch hochentwickelten Simulationspuppen, sog. High Fidelity Simulation Manikins, die auf die Behandlung adäquat reagieren können, lassen sich komplexe Behandlungsabläufe bis zu ihrer sicheren Beherrschung trainieren.

Medizinische Gespräche mit ausgebildeten "Simulationspersonen"

Für das Interaktionstraining mit dem Patienten oder der Patientin stehen ausgebildete Schauspielerinnen und Schauspieler, sog. „Simulationspersonen“ bereit, die je nach Aufgabenstellung unterschiedlichste Krankheitsbilder präsentieren können. Ablauf und Qualität der „Behandlung“ werden im anschließenden Feedback-Gespräch mit den Lehrenden besprochen. Zu den kommunikativen Aspekten des simulierten Arzt-Patienten-Gesprächs geben dann auch die Simulationspersonen selbst ein persönliches Feedback.

Zahlreiche Übungmöglichkeiten in den medizinischen Skills Labs

Auch außerhalb des Trainingshospitals TTU stehen unseren Studierenden spezielle dezentrale, mit unterschiedlichen Trainingsgeräten und Simulatoren ausgestattete Skills Labs zur Verfügung. Hier werden unter der Anleitung der betreuenden Kliniker während der jeweiligen Blockpraktika abteilungsspezifische Fertigkeiten trainiert, wie beispielsweise Geburtshilfe, Augen- und HNO-Heilkunde.

Der Schwerpunkt im zentral gelegenen Skills Lab Chirurgie liegt auf dem selbstbestimmten Einüben grundlegender ärztlicher Fertigkeiten. Hier können Sie im eigenen Rhythmus und nach persönlichem Interessen unter ca. 25 verschiedenen Stationen auswählen und "Skills in context" üben, d.h. im Rahmen realistischer Handlungsabläufe. Dabei werden Sie von fachlich und didaktisch geschulten studentischen Peer-Teachern, überwiegend AbsoventInnen des „Lehre-Tracks“, angeleitet und unterstützt. An jeder Skills Lab-Station kann eine standardisierte Erfolgskontrolle, der „Praxis-Check“, abgelegt werden.

OP-Simulationen im Theatrum Anatomicum

Das „Theatrum anatomicum“ ist ein real nachempfundener Operationssaal im Zentralgebäude der Universität Ulm. Hier entsteht in Zusammenarbeit mit erfahrenen, klinisch tätigen Ärzten eine besondere Verknüpfung der Lerninhalte der Vorklinik mit den noch folgenden fachlichen Inhalten der klinischen Semester.

Der detailgetreu ausgestattete Demo-Operationssaal mit einer Stehtribüne für rund 70 Zuschauer, ist eine Besonderheit der Medizinischen Fakultät: Er wurde komplett aus Studiengebühren finanziert.

Hier findet der fakultative Kurs „Fit für den OP“ statt, der eine perfekte Verbindung der vorklinischen mit der klinischen Ausbildung im Medizinstudium darstellt und unsere Studierenden intensiv auf die erste Famulatur vorbereitet. Sie üben das korrekte Verhalten im OP und werden durch Themen wie Instrumentenkunde, Nahttechniken, chirurgische Händedesinfektion auf zukünftige Handlungsabläufe im OP vorbereitet.

Für das sichere und korrekte Verhalten im OP werden durch den Umgang mit dem menschlichen Körper und das Einüben der Hygieneregeln im Demo-OP Fertigkeiten vermittelt, die nicht am Rechner simuliert werden können. So wird der Transfer von anatomischen Fachkenntnissen in den OP-Kontext veranschaulicht und die Studierenden bringen selbst die gerade erlernten anatomischen Kenntnisse in einen Zusammenhang mit der (späteren) klinischen Anwendung.

 

Schlüsselqualifikation "Wissenschaftlichkeit im Studium wise@ulm"

wise@ulm – Wissenschaftlich arbeiten im Studium der Humanmedizin

Ein weiterer grundlegender Bestandteil der Ausbildung in der Humanmedizin ist das wissenschaftliche Arbeiten  – insbesondere die Kompetenz, sich kritisch und ausführlich mit einem Thema oder einer speziellen medizinischen Fragestellung auseinanderzusetzen. Unsere Studierenden werden deshalb an die Fähigkeit herangeführt, ärztliches Handeln mit wissenschaftlichen Erkenntnissen abzusichern und mit eigenen Veröffentlichungen selbst zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen.

wise@ulm enthält obligatorische Basisanteile zu wissenschaftlichen Grundkompetenzen, ohne die der ärztliche Beruf nicht seriös ausgeübt werden kann. Hier werden beispielsweise der verantwortungsbewusste Umgang mit Leitlinien und mit wissenschaftlichen Publikationen oder fundierte Recherchekompetenzen zur eigenen lebenslangen Fortbildung vermittelt.

Für besonders interessierte oder fortgeschrittene Studierende, die eine Perspektive in der Forschung oder eine akademische Laufbahn mit Promotion oder Habilitation anstreben, bieten wir in einzelnen Modulen eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Themen aus Wissenschaft und Forschung an.

Konkret wird die Schlüsselkompetenz „Wissenschaftliches Arbeiten wise@ulm“ an der Medizinischen Fakultät Ulm in unterschiedlichen Veranstaltungsangeboten vermittelt, die über das gesamte Studium hinweg verteilt sind. Detaillierte Informationen zu den Angeboten in den einzelnen Semestern finden Sie auf Moodle.

 

Schlüsselqualifikation "Gender Medicine"

Mit Beginn des Studiums werden die Studierenden für geschlechter- und genderspezifische Aspekte im medizinischen Kontext sensibilisiert. Hierzu bieten wir das Basiscurriculum „Gender Medicine“ an. Gender Medicine hat sich als wichtiges Fachgebiet innerhalb der Medizin längst etabliert. Es verfolgt die systematische, evidenzbasierte Untersuchung von Geschlechterunterschieden oder -gemeinsamkeiten in der Medizin.

Das Basiscurriculum umfasst ein Angebot an Vorlesungen, die unsere Studierenden der Humanmedizin während ihres Studiums zwischen dem 1. und 10. Semester besuchen können und die wichtige Schlüsselqualifikation „Gender-Kompetenz“ erwerben.

Das Aufbaucurriculum wurde als klinisches Wahlfach für Studierende ab dem 7. Fachsemester entwickelt. Unter dem Titel „Lebensphasen – geschlechts- und gender­spezifische Aspekte“ geben wir besonders interessierten TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich interdisziplinär und fallbasiert mit geschlechts- und genderspezifischen Unterschieden in den Lebensläufen von Männern und Frauen auseinanderzusetzen und Konsequenzen für die eigene ärztliche Tätigkeit abzuleiten. Alle Bestrebungen der Gender-Medizin dienen dem übergeordneten Ziel der Qualitätssteigerung durch eine optimierte individuelle Patientenversorgung.

Die gender-medizinischen Inhalte sind longitudinal angelegt und werden in der jeweiligen Pflichtlehre der verschiedenen Fachgebiete sichtbar gemacht und sollen mittelfristig zu einer selbstverständlichen Dimension des Medizinstudiums werden.

eEducation auf hohem Niveau

Dem Angebot an innovativen Lehrformaten messen wir an der Medizinischen Fakultät Ulm einen großen Stellenwert bei. Speziell für die Konzeption von virtuellen Lehrangeboten haben wir das Kompetenzzentrum eEducation in der Medizin eingerichtet. Innerhalb des Kompetenznetzes der Medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs ist diese Expertise in Ulm verankert. Daher gehören eLectures, eine innovative, fakultätseigene Lern-App eMED und das Virtual Reality Lab zum Ausbildungsstandard der Medizinischen Fakultät Ulm.

Lernen im 3D-Raum: Das VR-Lab auf dem Campus der Medizinischen Fakultät

Mit Virtual Reality erhält die medizinische Ausbildung eine neue Facette. Hier lassen sich Vorlesungsinhalte an virtuellen, dreidimensionalen Modellen üben. Sie können unter Anleitung von Tutorinnen und Tutoren in verschiedenste Szenarien eintauchen und relevante Prozessabfolgen auf hohem Standard virtuell lernen.

Das Modul "Cyber-Herz" bietet beispielsweise die Möglichkeit, sich die Schnittebenen am Modell des Herzens in 3D anzeigen zu lassen und durch den Blick ins Innere eines Herzens eine bessere Vorstellung für die räumliche Komplexität dieses Organs zu erhalten. Auch können die Funktionen, wie beispielsweise Blutfluss und Herzschlag, animiert werden.

Ganz besondere Möglichkeiten bietet die klinische Notfallsimulation des Moduls STEP.VR. Hier schlüpfen die Studierenden in die Rolle eines Stationsarztes und üben die korrekten Handlungsabläufe in einer Notfall-Simulation ohne den Druck einer realen Situation in der geschützten VR-Umgebung.

STEP.VR bietet verschiedene Notfall-Szenarien an, zu denen für die Übungssituation Patientendaten zur Verfügung stehen und die jeweils richtige Behandlungsmethode und Medikamentengabe zu wählen ist. Die Fälle fordern interdisziplinäres Denken und reagieren adaptiv auf die Entscheidungen der Studierenden.