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„Wie sag ich‘s dem Patienten?“
Realitätsnahe Ausbildung stärkt Gesprächskompetenz bei Medizinstudierenden

Universität Ulm

Ein verständliches Arztgespräch ist wichtig für den Erfolg einer medizinischen Behandlung und deshalb ein grundlegender Unterrichtsteil des Medizinstudiums. Eine Studie an der Universität Ulm zeigt, dass ein simuliertes Arzt-Angehörigen-Gespräch in einer realitätsnahen Simulationspraxis nicht nur die kommunikativen Fähigkeiten der Studierenden verbessert, sondern auch die Motivation und die Zufriedenheit der angehenden Ärztinnen und Ärzte steigert. Erschienen ist die Auswertung in der Fachzeitschrift „GMS Journal for Medical Education“.

Ein Gespräch beim Arzt oder der Ärztin kann heikel sein, vor allem wenn es um eine schwerwiegende Diagnose mit lebensverändernden Problemen geht. Die Frage lautet daher: Wie das ärztliche Gespräch führen, damit das Gegenüber die Informationen versteht, sich mit Fragen ernst genommen fühlt und Vertrauen fasst? „Der ärztlichen Gesprächsführung wird deshalb im Humanmedizinstudium ein großer Stellenwert eingeräumt und die Ausbildung darin stets systematisch weiterentwickelt,“ sagt Professorin Susanne Kühl von der Universität Ulm. Sie leitete die Studie am Institut für Biochemie und Molekulare Biologie, die zeigt, dass sich die Kommunikationskompetenz der Studierenden verbessert, wenn das ärztliche Trainings-Gespräch in einer realitätsnahen Simulationspraxis stattfindet. Auch sind die angehenden Ärztinnen und Ärzte motivierter und zufriedener.

Seit zehn Jahren wird das Biochemie-Seminar „Vom Gen zum Protein“ im vorklinischen Teil des Humanmedizinstudiums an der Uni Ulm schrittweise optimiert und stetig evaluiert. „In einem ersten Schritt haben wir das traditionelle Lehrkonzept in ein eLearning-basiertes ‚Inverted Classroom-Konzept‘ umgewandelt. Die Studierenden eignen sich im Selbststudium das theoretische Wissen an und die dadurch gewonnene gemeinsame Zeit im Seminar wird für interaktive Übungen sowie Diskussionen genutzt“, erklärt Professorin Kühl. So kann im Präsenzunterricht nun auch die ärztliche Kommunikationskompetenz trainiert werden. 

Konkret hatten die Studierenden die Aufgabe, in einer simulierten Gesprächssituation in der ärztlichen Rolle einem Eltern- oder Großelternteil, dargestellt von Laienschauspielerinnen und -schauspielern, den komplexen biochemischen Hintergrund der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta) ihres Kindes einfach und verständlich zu erklären. Bei der Glasknochenkrankheit handelt es sich um eine seltene angeborene Erkrankung, die zu stark erhöhter Knochenbrüchigkeit und Skelettdeformierungen führt. Die simulierten Gespräche fanden anfangs in einem Seminarraum im Beisein der gesamten Gruppe statt. Seit der Eröffnung des Trainingshospitals ToTrainU (TTU) im Jahr 2021 werden sie in den dort eingerichteten High-Fidelity-Simulationspraxen geführt. Diese bestehen aus Arztzimmer für das Gespräch zwischen Studierenden in der ärztlichen Rolle und der oder dem Angehörigen sowie Beobachtungsräumen, in denen Dozierende und Studierende das Gespräch verfolgen können. 

Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat Leonard Saitta nun den Nutzen und die Effektivität dieser Neuerung untersucht. Ziel war es, sowohl die Zufriedenheit der Studierenden, als auch den Kompetenzerwerb in der ärztlichen Kommunikation zu erheben. Dafür fand das ärztliche Gespräch für einen Teil der Studierenden in der Simulationspraxis des TTU als Experimentalgruppe und für den anderen Teil der Studierenden traditionell im Seminarraum statt. 

„Die Studierenden, die ihr Gespräch in der Simulationspraxis durchführten, waren zufriedener und empfanden die Situation als realitätsnäher und lernfördernder als die Studierenden im Seminarraum. Bei beiden Gruppen steigerte sich die allgemeine Kommunikationskompetenz, wobei sich die Studierenden der Experimentalgruppe bei der Kompetenzstufe ‚Analysieren‘ signifikant verbesserten“, schildert Erstautor Leonard Saitta. Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass das Trainingshospital TTU eine innovative Umgebung schafft, die auch in einem vorklinischen Studienfach sinnvoll eingebunden werden kann. „Künftige Studien sollten prüfen, ob ein solches Training auch nachhaltige Effekte auf die ärztliche Praxis hat“, so Professorin Susanne Kühl, die auch Mitglied der Akademie für Ausgezeichnete Hochschullehre ist. 

Publikationshinweis: 
Saitta LK, Meral M, Böckers TM, Schneider A, Kühl SJ. Simulation einer ärztlichen Sprechstunde in einem vorklinischen Biochemie-Seminar: Bringt das Training in einer High-Fidelity Simulationspraxis einen Vorteil gegenüber dem im traditionellen Seminarraum? GMS J Med Educ 2026, Vol. 43(4) 10.3205/zma001845

 

Text und Medienkontakt: Daniela Stang

 

Eine Studierende (rechts) in der Rolle der Ärztin klärt eine Mutter (Laienschauspielerin) in der Simulationspraxis des TTU über die Glasknochenkrankheit der Tochter auf (Foto: Prof. Susanne Kühl/Uni Ulm)
Studierende und Dozierender können das ärztliche Aufklärungsgespräch durch eine Spiegelwand und mittels Lautsprecher verfolgen (Foto: Prof. Susanne Kühl/Uni Ulm)