Software-Spezialisten tagen in Ulm
Doppeltagung der Gesellschaft für Informatik

Universität Ulm

Software durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Diese umfassende Digitalisierung unserer Lebenswelt bietet die Basis für immer komplexere Softwaresysteme, die völlig neue Möglichkeiten bieten. Die exponentiell steigende Komplexität hat aber auch Auswirkungen auf Entwicklungszeiten und -kosten. Mit welchen innovativen Konzepte, Prozessen und Techniken Software auch bei höchsten Anforderungen leistungsfähig, zuverlässig und sicher bleibt, diskutieren Informatiker in diesen Tagen (5. bis 9. März) an der Universität Ulm. Anlass ist die Doppeltagung der Gesellschaft für Informatik zum Software Engineering und Software Management.

 "Vor 50 Jahren fand die erste Tagung zu Thema Software Engineering statt, und zwar in Garching, nicht weit von Ulm. Die NATO hatte die damalige Konferenz organisiert, um Wege aus der sogenannten `Softwarekrise´ zu finden", erinnert Prof. Matthias Tichy. Der Leiter des Instituts für Softwaretechnik und Programmiersprachen an der Universität Ulm ist Gastgeber der diesjährigen Tagungen in Ulm. Hintergrund der damaligen Konferenz: Die Softwareentwicklung konnte nicht mehr mithalten mit dem steigenden Umfang und der Komplexität der Programme. Die wirtschaftlichen Folgen waren brisant, weil die Kosten für die Software plötzlich die Hardwarepreise überstiegen. Eine Podiumsdiskussion blickt noch einmal zurück auf diese Krise und die großen Fortschritte und Erfolge, die seitdem auf diesem Gebiet erreicht wurden. Zu den Podiumsteilnehmern gehört Professor Gerhard Goos (jetzt KIT und FZI Karlsruhe). Der Wissenschaftler gilt als einer der Gründerväter der Informatik in Deutschland und war Teilnehmer der ersten Konferenz.

 Auf dem Programm stehen eine Vielzahl von Workshops und Vorträgen. Der Fokus liegt dabei auf innovativen Konzepten und Strategien zur Verbesserung der Prozesse und Techniken bei der Softwareentwicklung. Dabei geht es unter anderem um die besonderen Herausforderungen von eingebetteten Echtzeitsystemen. Dazu gehören Anwendungsbereiche wie die Robotik, das autonome Fahren oder die Prozessautomatisation, die die Software-Entwickler vor große Herausforderungen stellen. Weitere Themenfelder sind langlebige Software-intensive Systeme oder E-Learning-Technologien. Ein spezieller Track widmet sich dem Thema "Erklärbare Software". Das Ziel: ein besseres Verständnis der Software und ihrer Auswirkungen. So will man beispielsweise herausfinden, warum ein hochautomatisiertes Fahrzeug bestimmte Objekte falsch erkennt.

Eine starke Innovationskultur und hohe Agilität sichern den Unternehmenserfolg

 "Software ist ein Schlüsselfaktor für Innovationen", sagt Tagungsleiter Tichy. Die Konferenz widmet sich daher nicht zuletzt speziellen Themen an der Schnittstelle zwischen Softwaretechnik und wirtschaftlicher Verwertung. "Gerade eine starke Innovationskultur und hohe Agilität sind heutzutage entscheidend für den Erfolg eines jeden Unternehmens, ob in der Softwarebranche oder nicht", so der Wissenschaftler. Auch wenn viele der knapp 150 Tagungsteilnehmer aus der Wissenschaft kommen, sind viele der Beiträge in Zusammenarbeit mit der Industrie entstanden. "Teilnehmer aus der Wirtschaft erfahren hier die neuesten Ergebnisse aus der Forschung der Softwaretechnik", so Prof. Tichy.

 Und auch die universitäre Lehre soll nicht zu kurz kommen. In den letzten Jahren steigen in der Informatik die Studierendenzahlen und stellen die Dozenten vor ungewohnte methodische und organisatorische Herausforderungen. Hier sind innovative Lehrkonzepte gerade für Online-Kurse und Praxisseminare gefragt. Wie gut die Arbeit der Lehrenden in diesem Bereich ist, zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse des jährlich stattfindenden GI-Studierendenwettbewerbs. Beim InformatiCup müssen Programmieraufgaben "ganzheitlich" gelöst werden, also theoretisch und praktisch. 8000 Euro Preisgeld insgesamt winken den Siegern. Finale und Preisverleihung finden während der Tagung statt.

 Eine detaillierte Progammübersicht findet sich hier!

Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann

Prof. Matthias Tichy leitet an der Universität Ulm das Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen (Foto: Elvira Eberhardt / Uni Ulm)
Vor allem Anwendungsbereiche wie die Robotik und die Prozessautomatisation stellen höchste Anforderungen an die Qualität der Software (Foto: Shutterstock)