Beteiligung an Europaweitem Projekt zur Linderung chronischer Krankheiten

Universität Ulm

Das Institut für Datenbanken und Informationssysteme (DBIS) der Universität Ulm ist in einem weiteren Forschungsprojekt der Europäischen Union beteiligt. Im Projekt CHRODIS+ soll in verschiedenen Studien europaweit untersucht werden, wie chronische Krankheiten künftig besser versorgt oder ganz vermieden werden können. DBIS wird im Projekt mobile Apps, welche die Rolle eines Gesundheitshelfers einnehmen sollen, entwickeln.

115 Milliarden Euro – diesen Preis zahlen aktuellen Schätzungen zufolge die europäischen Staaten jährlich für chronische Krankheiten. Eine enorme Belastung, an der nun das europaweite Forschungsvorhaben CHRODIS+ ansetzt.Vor wenigen Wochen wurde mit einem dreitägigen Kick-Off-Meeting der Startschuss für das Gemeinschaftsprojekt gegeben, in dem sich in den nächsten 3 Jahre insgesamt 42 Institutionen aus 18 europäischen Ländern in verschiedenen Teilprojekten engagieren. Für Deutschland arbeiten die Universitäten in Ulm, Regensburg und Magdeburg in einer übergreifenden Arbeitsgruppe für CHRODIS+ zusammen. 

Das deutsche Team (s. Foto), das bereits im von der EU geförderteten Innovative Training Network ESIT  (2017 – 2020) zusammenarbeit, wird im CHRODIS+-Projekt eine mobile App für Tinnitus-Patienten entwickeln. „Mit der mobilen App hoffen wir, die Therapiestrategie für Betroffene zu optimieren. Wenn sich dies bewährt, kann das Konzept auf viele weitere chronische Krankheiten übertragen werden“, erläutert Dr. Rüdiger Pryss, Leiter des an der Universität Ulm angesiedelten Teilprojekts. Die Smartphone-App wurde bereits im Vorfeld konzipiert und wird nun im Rahmen von CHRODIS+ weiterentwickelt. Patienten sollen durch kurze diagnostische Fragebögen mehrmals täglich ihren Tinnitus-Status messen können. Durch die höhere Diagnosefrequenz ist es den behandelnden Medizinern möglich, den Verlauf engmaschig zu kontrollieren und dadurch die Behandlung genau anzupassen. „Uns stehen aktuell nur die Daten zur Verfügung, die wir punktuell beim Behandlungstermin des Patienten erfassen. Der Tinnitus kann sich aber im Laufe des Tages verändern. Diese Änderungen können nur durch eine erhöhte Messfrequenz aufgezeichnet werden, wie es durch die App ermöglicht wird“, so Dr. Schlee von Projektpartner aus Regensburg. 

Hintergrund:
Das Gemeinschaftsprojekt CHRODIS+ soll dazu beitragen, das Gesundheitsbewusstsein in der Europäischen Union zu fördern. Finanziert wird es durch verschiedene Forschungsverbünde der einzelnen Mitgliedstaaten. Insgesamt werden in den nächsten 36 Monaten 16 politische Initiativen und 22 konkrete Pilotprojekte starten. Alle innerhalb von CHRODIS+ angestoßenen Projekte sollen dafür sensibilisieren, dass ein gesundheitsförderndes Engagement bei chronischen Krankheiten auf der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention, der Stärkung der Patientenautonomie, dem Erhalt der Lebensqualität und der Verlängerung der Überlebensdauer bei chronischen Krankheiten sowie der Schaffung eines nachhaltigen Gesundheitssystems, das adäquat auf eine alternde Gesellschaft vorbereitet ist, aufbaut.

Unterstützung von Tinnituspatienten mit der TrackYourTinnitus App
Das deutsche Team innerhalb des CHRODIS+ Projekts: Manfred Reichert (Uni Ulm), Winfried Schlee (Uni Regensburg), Myra Spiliopoulou (Uni Magdeburg), Rüdiger Pryss (Uni Ulm University) und Berthold Languth (Uni Regensburg)