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Nachhaltiger Textilkonsum im Schulunterricht
Online-Materialien des BNTextillabors stehen bereit

Universität Ulm

Das BNTextillabor ist ein Forschungsprojekt im Reallaborformat. Die Abkürzung BNT steht hier für „Bildung für nachhaltigen Textilkonsum“. Bei dem Projekt geht es nicht nur darum, das Konsumverhalten von Jugendlichen zu erforschen, sondern auch darum, bei den 14- bis 17-Jährigen ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit Mode zu schaffen. Die für den Einsatz im Unterricht entwickelten Materialien werden nun allen interessierten Schulen und Lehrkräften kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wie lassen sich Jugendliche für einen nachhaltigen Textilkonsum begeistern? Welche Rolle kann die Schule dabei spielen? Das BNTextillabor ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Ulm und der TU Berlin, das genau dies an Schulen in beiden Städten untersucht. Das Besondere daran: Schüler und Schülerinnen sollen sich aktiv und mit eigenen Ideen beteiligen. Realisiert wird das Projekt im Format eines Reallabors. Über das letzte Schulhalbjahr hinweg sollten die Jugendlichen an den Schulen mit Co-Design Workshops und Realexperimenten einen bewussteren und verantwortungsvollen Umgang mit Mode entwickeln.
Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schulschließungen im letzten Schuljahr, konnte das Reallabor für einen nachhaltigen Textilkonsum allerdings nicht wie geplant durchgeführt werden. Daher haben die Verantwortlichen beschlossen, das Unterrichtsmaterial bereits jetzt allen interessierten Schulen und Lehrkräften in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören Infoflyer, Broschüren, Lehrfilme und Aufgabenblätter. Das Schulmaterial, das sowohl Hintergrundinformationen enthält als auch Projektvorschläge und Anleitungen für die Unterrichtspraxis, steht ab sofort auf der projekteigenen Webseite zum Download bereit.

„Unser Ziel ist es einerseits, das Projekt online weiterzuführen und den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufrecht zu erhalten sowie andererseits, viele weitere Schulen für das Thema nachhaltiger Textilkonsum zu gewinnen“, erklärt Anja Hirscher, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Ulm, die das Projekt von Ulmer Seite aus wissenschaftlich betreut. Die Forscherinnen und Forscher wollen mit dem Material junge Menschen dazu anregen, sich mit den ökologischen und sozialen Folgen von Fast Fashion zu befassen und ihr eigenes Konsumverhalten kritisch zu reflektieren. Fast Fashion bedeutet günstige Produktion, häufiger Konsum und eine kurze Lebenszeit der Textilien. „In Deutschland werden pro Jahr und Person etwa 16,7 kg neue Kleidung gekauft. Im selben Zeitraum landen 1,35 Millionen Tonnen an Kleidung auf dem Müll. Ein Großteil davon wurde nur selten oder gar nicht getragen“, informiert die Broschüre „Fashion Alternatives“, die für das BNTextillabor erstellt wurde. Für den Einsatz im Unterricht wurden zudem mehrere Lehrfilme erstellt. Diese informieren über ökonomische, soziale und ökologische Probleme in der Textilindustrie, decken den Zusammenhang zwischen Modeindustrie und Klimawandel auf und zeigen den Einfluss, den der Einzelne als Konsument in diesem System hat. Didaktisch aufbereitete Aufgabenblätter helfen den Lehrerinnen und Lehrern dabei, das Thema gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu bearbeiten. Wertvolle Tipps und viele Ideen finden sich unter den Tutorials beispielsweise für Upcycling- und Reparatur-Workshops oder die Gestaltung individueller Mini-Garderoben nach dem Capsule Wardrobe-Konzept.  

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Reallabor für Nachhaltigen Textilkonsum waren im Februar und im März – also vor dem Lockdown – noch vor Ort an den beteiligten Schulen in Berlin und Ulm. Jetzt gibt es viel Feedback von Schülerinnen und Schülern zu den Online-Angeboten: „Wir sind selbst überrascht von der großen Resonanz, die das BNTextillabor an den Schulen hervorruft. Die Schülerinnen und Schüler zeigen Interesse an der Fast Fashion-Problematik. Das ist ein Thema, das Jugendliche beschäftigt“, so Dr. Samira Iran vom Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin. Deshalb haben sich die Projektverantwortlichen des Reallabors entschieden, die Schulmaterialien zum BNTextillabor jetzt allen Schulen in Deutschland kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und wer sich privat für das Thema interessiert, kann sich auf der Projekt-Webseite ebenfalls schlau machen und Anregungen holen, um den persönlichen Textilkonsum nachhaltiger zu gestalten.

Unterrichtsmaterial des BNTextillabors
Dazu gehören die Broschüre „Fashion Alternatives“, der Flyer für Lehrkräfte „Mit Realexperimenten Kompetenzen vermitteln für einen kritischen Modekonsum bei Jugendlichen“, drei Lehrfilme sowie zahlreiche Tutorials und Aufgabenblätter

 

Hintergrund:
Das „BNTextillabor“ ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Ulm und der Technischen Universität Berlin. Die Abkürzung BNT steht in diesem Zusammenhang für „Bildung für nachhaltigen Textilkonsum“. Im Mittelpunkt des Projektes, das in Form eines Reallabors bearbeitet wird, steht der nachhaltigere Modekonsum von Jugendlichen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt, das von Anfang August 2019 bis Ende Juli 2021 läuft, mit 270 000 Euro. Ziel ist es, zum einen das Kaufverhalten von 14- bis 17-Jährigen zu erforschen und andererseits das Bewusstsein für einen nachhaltigeren Textilkonsum zu stärken. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse sollen schließlich Lehr- und Lernformate für verschiedene Schulformen entwickelt werden.
Sechs Schulen sind an dem Projekt beteiligt. In Ulm und Umgebung sind dies die Friedrich-List-Schule und das Anna-Essinger-Gymnasium, sowie die Realschule Kißlegg. In Berlin wird mit der Röntgen-Schule, der Bertolt-Brecht-Oberschule und der Carlo-Schmid-Oberschule zusammengearbeitet. Durch sogenannte Co-Design Methoden werden die Schülerinnen und Schüler in den Entwicklungs- und Umsetzungsprozess der Realexperimente integriert. Das BNTextillabor wird von regionalen nachhaltigen Textilherstellen und Vereinen unterstützt.

 

Medienkontakt: Pressestelle Uni Ulm

Blick in einen Kleiderschrank
Blick in einen Kleiderschrank (Foto: Catalin Apostol/Unsplash)
Capsule Wardrobe
Bei der Capsule Wardrobe geht es darum, eine persönliche Mini-Garderobe aus einer beschränkten Zahl vielfältig kombinierbarer Einzelteile zusammenzustellen (Foto: BNTextillabor)
Upcycling Mütze
Diese Upcycling Mütze wurde aus einem alten T-Shirt hergestellt (Foto: BNTextillabor)