Dozentin: Prof. Dr. Miriam Erlacher, Ärztliche Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm
Leukämien entstehen – wie andere Krebserkrankungen – schrittweise über längere Zeit. Deshalb ist es denkbar, ihr Auftreten zu verhindern, wenn Vorstufen früh erkannt werden. Voraussetzung dafür ist ein tiefes Verständnis dieser Vorstufen. Besonders gut erforscht ist die Leukämie-Entstehung bei Menschen mit genetischer Veranlagung. Solche Prädispositionssyndrome sind selten, Betroffene brauchen lebenslange Betreuung, etwa durch regelmäßige Blut- und Knochenmarkuntersuchungen. Wie lassen sich Leukämien vermeiden? Neben Stammzelltransplantation gibt es für wenige Erkrankungen eine Gentherapie.
Auch hilft eine darwinistische Perspektive bei der Entwicklung neuer Behandlungen: Zufällig entstehende somatische Veränderungen können die Fitness von Blutzellen erhöhen und damit das Leukämie-Risiko steigern. Stark wirksame Veränderungen führen schnell zur Leukämie, schwächere können lange bestehen, ohne das Risiko zu erhöhen. Ziel ist es, solche schwächeren Veränderungen medikamentös nachzuahmen, damit eine frühe ungefährliche Vorstufe stabil bleibt. Dieses Wissen soll künftig Prävention und Therapie zufällig entstehender Leukämien verbessern.
