Mit einem prominent besetzten Festakt am Freitag, 26. Juni, hat die Universität Ulm ihren langjährigen Kanzler Dieter Kaufmann in den Ruhestand verabschiedet. 21 Jahre lang hat er als Chef der Verwaltung und als Verantwortlicher für die Finanzen die Entwicklung der Universität maßgeblich mitgestaltet. Auch über Ulm hinaus war Kaufmann als Wissenschaftsmanager und Bundessprecher der Universitätskanzlerinnen und -kanzler aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und großen Expertise gefragt.
In seiner Abschiedsrede blickte der scheidende Kanzler, Dieter Kaufmann, auf mehr als 40 Jahre im Wissenschaftsmanagement zurück, davon 21 Jahre an der Universität Ulm. Universitäten seien für ihn besondere Orte der Freiheit von Forschung und Lehre, der Innovation und des gesellschaftlichen Fortschritts. „Bei allen Freiheiten, die die Hochschulen genießen, muss der Kanzler dafür Sorge tragen, dass die rechtlichen Regeln eingehalten werden“, hob Kaufmann hervor.
Mit Stolz verwies er auf die Entwicklung der Universität Ulm in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Neue Studiengänge, Forschungsverbünde, internationale Kooperationen und zahlreiche Bauprojekte stünden für eine erfolgreiche gemeinsame Arbeit. Entscheidend für diesen Erfolg seien die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die engagierten Beschäftigten in Wissenschaft, Technik und Verwaltung gewesen. Sein besonderer Dank galt den Präsidien, den Universitätsgremien und den vielen Partnern innerhalb und außerhalb der Hochschule, mit denen ihn über Jahre eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbunden habe.
Zum Abschluss richtete der Kanzler den Blick nach vorn. Der Wissenschaft werde er auch im Ruhestand verbunden bleiben, zugleich freue er sich auf neue Freiräume und gemeinsame Zeit mit seiner Familie, die er vor allem mit Reisen und dem Besuch von Opern, Theaterstücken und Konzerten verbringen möchte. Mit großer Dankbarkeit verabschiedete er sich von der Universität Ulm und seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern.
Zahlreiche hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Politik begleiteten die Verabschiedung, darunter aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Hochschulrektorenkonferenz, den Kanzlervereinigungen sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Vielzahl der Beiträge unterstrich die große Anerkennung, die Kaufmann auch überregional genießt. Moderiert wurde die Festveranstaltung vom Vorsitzenden der Ulmer Universitätsgesellschaft, Manfred Oster.
„Ungeheuer viel geleistet für die Universität Ulm“
Universitätspräsident Professor Michael Weber zeichnete die erfolgreiche Entwicklung der Universität Ulm während Kaufmanns Amtszeit nach. So stieg die Zahl der Absolventinnen und Absolventen von 800 im Jahr 2005 auf 1.800 im Jahr 2025. Die Professuren wuchsen um 30 Prozent, die Landesmittel um 60 Prozent und die Drittmittel sogar um 150 Prozent. Kaufmann habe zudem wichtige Initiativen wie die Internationale Graduiertenschule für Molekulare Medizin IGradU und den Exzellenzcluster POLiS mit vorbereitet. „Kaum jemand an der Uni Ulm kennt die Universität ohne Kanzler Kaufmann“, so Weber. Kaufmann habe die administrativen Prozesse in Finanz- und Personalplanung nachhaltig professionalisiert und die bauliche Entwicklung der Universität entscheidend begleitet. Sein Wirken beschränkte sich aber nicht auf Zahlen und Strukturen. Zugleich setzte er Akzente für das Campus- und Kulturleben, etwa mit dem Biergarten am Botanischen Garten und der Theater-Flatrate für Studierende.
Ministerialdirektor Dr. Hans J. Reiter aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst würdigte Dieter Kaufmann als verlässlichen und erfahrenen Partner des Landes. „Sein Anspruch war stets, qualitätsvolle Dienstleistungen für exzellente Forschung und Lehre zu ermöglichen“, sagte Reiter. Der Jurist steht seit mehr als 30 Jahren in regem Austausch mit Kaufmann und schätzt den gebürtigen Tübinger sehr, der für seine Abneigung gegen unnötige Ausgaben weit über die Universität hinaus bekannt ist. „Ich danke Ihnen sehr – auch im Namen des Landes – für alles, was Sie geleistet haben“, so der MWK-Amtschef.
„Eine Universität wird nicht stärker, wenn man ihr ständig neue Aufgaben gibt“
Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Walter Rosenthal, würdigte Kaufmanns Einfluss auf die deutsche Hochschulpolitik. Durch seine langjährige Tätigkeit als Bundessprecher der Universitätskanzler und -kanzlerinnen habe er immer wieder verdeutlicht, welche Auswirkungen politisch-juristische Regelungen auf den Alltag der Universitäten haben. „Sie haben stets darauf hingewiesen, dass eine Universität nicht stärker wird, wenn man ihr neue Aufgaben überträgt, sondern wenn man ihr ermöglicht, die bestehenden Aufgaben gut zu erfüllen“, sagte Rosenthal. Er hob zudem Kaufmanns Verlässlichkeit hervor, seine Beharrlichkeit, Verbindlichkeit und nicht zuletzt seinen Humor.
In einer Videobotschaft betonte Albert Berger, Kanzler der Technischen Universität München und früherer Bundessprecher, die prägende Rolle Kaufmanns für die Bundesvereinigung. „Du hast die Flagge hochgehalten für die Universitätsverwaltung und zwischen Gesellschaft, Politik und Wissenschaft vermittelt“, so Berger. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft würdigte Kaufmanns Engagement. Generalsekretärin Dr. Heide Ahrens dankte ihm für seine Arbeit als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses der DFG und hob seine hohe Urteilsfähigkeit, seine lösungsorientierte Arbeitsweise sowie seine pragmatische Vorliebe für schlanke Prozesse hervor.
Im Namen der Kanzler und Kanzlerinnen des Landes Baden-Württemberg sprach die stellvertretende Sprecherin der Landesvereinigung, Dr. Katrin Schoppa-Baur. Die Kanzlerin der Universität Mannheim überbrachte die Abschiedsgrüße und -wünsche aus den Landesuniversitäten. Für die konstruktive Zusammenarbeit dankte auch der ehemalige Vorsitzende des Universitätsrats, Dr. Klaus Dieterich: „Schon bei meiner ersten Sitzung ist mir aufgefallen, dass wir es hier mit einem sehr professionellen Kanzler zu tun haben. “Mit seinem Engagement weit über das Amt des Verwaltungschefs hinaus habe Kaufmann der Universität Ulm in wichtigen Gremien eine starke Stimme gegeben und umgekehrt Themen, die bundesweit diskutiert wurden, in der Uni bekannt gemacht.
Thomas May, ehemaliger Generalsekretär des Wissenschaftsrats, würdigte in seiner Videobotschaft Kaufmanns langjähriges Engagement im Medizinausschuss des Wissenschaftsrats. 13 Jahre lang habe er sich auf vielfältige Art und verbunden mit viel Arbeit in das Gremium eingebracht. Besonders beeindruckt habe ihn dessen Beharrlichkeit und Souveränität, mit der er seine Auffassungen in die Arbeitsgruppe eingebracht habe, sowie sein Interesse an Struktur- und Grundsatzfragen der Universitätsmedizin. „Als Kanzler einer Medizin-führenden Universität warst du für dieses Gremium ein großer Gewinn“, so May. In Anlehnung an ein Schillerzitat aus Don Carlos schloss May seine Rede mit den Worten „70 Jahre erst und schon so viel für die Unsterblichkeit getan“ sowie mit Grüßen an dessen Frau und Familie.
Dass der Ulmer Kanzler stets das große Ganze im Blick behalte, ohne die Menschen aus den Augen zu verlieren, die diese Universität jeden Tag mit Leben füllten, ließ der erkrankte Personalratsvorsitzende Magnus Wuggazer vertreten durch Personalratsvorstandsmitglied Moritz Biber ausrichten. „Unsere Zusammenarbeit war stets von Offenheit, Respekt und Verlässlichkeit geprägt, selbst dann, wenn wir nicht einer Meinung waren“, so Wuggazers Worte. Biber wünschte Dieter Kaufmann noch persönlich, er möge den Abschied als neue Freiheit sehen, um neue Wege gehen zu dürfen.
Für die Verwaltung und im Namen der Dezernentenrunde dankte Heidi Krolopp, Leiterin von Dezernat I, dem scheidenden Universitätskanzler. Kaufmann habe die Finanzen der Universität stets mit großer Sorgfalt und strategischer Weitsicht gesteuert. „Sie haben jeden Euro dreimal umgedreht, und damit der Universität finanzielle Spielräume für Zukunftsthemen geschaffen“, sagte Krolopp. Als symbolisches Geschenk erhielt der Kanzler eine „Ulmer Gulden“-Torte.
Am Ende der Verabschiedungsfeier, die von Mirko Rossini (Klarinette) und Marco Trenti (E-Piano) musikalisch begleitet wurde, gab es für den scheidenden Kanzler, der zum 30. Juni in Ruhestand geht, minutenlangen Applaus – als stehende Ovationen. So viel Ehre musste sein.
Zu Dieter Kaufmann
Dieter Kaufmann, 1956 in Tübingen geboren, studierte an der Universität Stuttgart Betriebswirtschaftslehre mit technischer Orientierung. Direkt im Anschluss an sein Studium wurde er dort Referent für Planungs- und Strukturfragen und übernahm bereits nach einem Jahr die Leitung des Finanzdezernats. 21 Jahre lang war er dort für das Finanzmanagement und den Personalhaushalt der Stuttgarter Universität zuständig, seit 1996 fungierte er als stellvertretender Kanzler. 2005 schließlich wechselte er an die Universität Ulm und übernahm dort das Amt des Kanzlers. Als Chef der Verwaltung, Herr der Finanzen und hauptamtliches Mitglied des Präsidiums hat er seitdem die Geschicke der Universität Ulm erfolgreich mitbestimmt. Sein Anspruch, mit dem er das Amt angetreten ist: die Professionalisierung der Verwaltung und die Einführung betriebswirtschaftlicher Prozesse in die universitäre Finanz- und Personalplanung.
Auch über die Universität Ulm hinaus bekleidet Dieter Kaufmann Ämter und Funktionen im Forschungs- und Wissenschaftsmanagement. So ist der Betriebswirt seit 2008 Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Wissenschaftsmanagement (ZWM) in Speyer. Von 2013 bis 2021 war er Mitglied im Medizinausschuss des Wissenschaftsrates und von 2015 bis 2025 Bundessprecher der Vereinigung der Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten. Im Jahr 2020 wurde er außerdem von der Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses berufen.
Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, andrea.weber-tuckermann(at)uni-ulm.de, Tel. (0731) 22024
