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Professor Michael Kühl zum neuen Präsidenten der Universität Ulm gewählt
Bisheriger Vize im ersten Wahlgang erfolgreich

Universität Ulm

Der Ulmer Biochemiker Professor Michael Kühl tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Professor Michael Weber an. In einer gemeinsamen Sitzung von Universitätsrat und Senat am gestrigen Mittwoch wurde der derzeitige Vizepräsident für Kooperationen und Leiter des Instituts für Biochemie und Molekulare Biologie im ersten Wahlgang zum neuen Präsidenten der Uni Ulm gewählt.

Mit überwältigender Mehrheit haben Senat und Universitätsrat Professor Michael Kühl zum neuen Präsidenten der Universität Ulm gewählt. Zuvor hatte sich der Kandidat im Hörsaal des Trainingshospitals TTU den Gremien und der Hochschulöffentlichkeit vorgestellt und seine Ideen für seine Präsidentschaft skizziert. „Gerne möchte ich als neuer Präsident auf die erfolgreiche und dynamische Entwicklung der Universität Ulm seit ihrer Gründung aufbauen und diese in eine positive Zukunft führen“, warb Kühl für sich.

Herausforderungen und Risiken wie stagnierenden Studierendenzahlen, Sanierungsstau und Wissenschaftsskepsis in der Gesellschaft müsse man sich stellen. Hinzu komme die Auseinandersetzung mit den teils verfehlten Zielen in der Exzellenzstrategie sowie die Notwendigkeit, neue Sonderforschungsbereiche einzuwerben. Kühl warb dafür, die Forschung strategisch aufzustellen: mit Gebieten, in denen die Universität Ulm an ihrem Standort Alleinstellungsmerkmale aufweist, beispielsweise in der Quantenkryptographie und der Traumaforschung, mit noch mehr themenspezifischen Verbundprojekten und mit einem strategischen Berufungsmanagement. Damit will er den erfolgreichen Weg seines Vorgängers fortsetzen.

Die forschungsorientierte Lehre diene nicht nur dem Aneignen von Fachwissen, sondern auch der Persönlichkeitsbildung künftiger Führungskräfte. Aufgrund der hohen Nachfrage soll ein neuer Studiengang Pharmazie eingerichtet werden. Auch KI-Kompetenz soll fester Bestandteil des Curriculums sein. Zudem will Kühl die Bemühungen um ausländische Studierende intensivieren, etwa mit bilingualen Studiengängen. Der Wissenstransfer soll gestärkt, transferfähige Forschungsergebnisse sollen systematisch sichtbar gemacht werden. Der Entrepreneurs Campus soll zu einem Technology Transfer Office weiterentwickelt werden. „Gesellschaftliche Verantwortung ist nicht nur Wissenserzeugung, sondern auch dessen gezielte Weitergabe in der Gesellschaft“, ist Professor Michael Kühl überzeugt. Der künftige Präsident betonte, sich für eine aktive, wertschätzende Hochschulkultur und ein gutes Miteinander einsetzen zu wollen.

Der Präsident ist Vorsitzender des Präsidiums, also des Vorstands der Universität, und vertritt diese nach innen und außen. Dabei wird Professor Kühl seine langjährige Erfahrung in diesem Gremium zugutekommen: Bereits seit 2021 ist er Vizepräsident für Kooperationen. In seinen Aufgabenbereich fallen strategische Kooperationen, Wissens- und Technologietransfer sowie Innovations- und Gründungsaktivitäten. Auch in zahlreichen weiteren Ämtern gestaltet Michael Kühl seit rund 20 Jahren die Uni Ulm mit. Professor Michael Weber, der zum 30. September in den Ruhestand geht, beglückwünschte seinen Nachfolger: „Ich gratuliere Michael Kühl von ganzem Herzen zu seiner Wahl und wünsche ihm eine glückliche Hand bei der erfolgreichen Weiterentwicklung unserer Universität gemeinsam mit all ihren Mitgliedern.“

Lange Verbindung zur Universität Ulm
Den 60-jährigen Kühl verbindet eine lange Geschichte mit der Universität Ulm: Nach seinem Studium der Biochemie an der Freien Universität Berlin promovierte er in Berlin und Ulm. Im Anschluss trat er 1995 eine PostDoc-Stelle in der Stadt an der Donau an. Seine wissenschaftliche Karriere führte ihn weiter nach Seattle und Göttingen, wo er sich habilitierte. 2002 wurde Michael Kühl C3-Professor in Ulm und erhielt hier 2006 schließlich die Professur auf Lebenszeit. Seitdem leitet er das Institut für Biochemie und Molekulare Biologie. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit molekularen Mechanismen der frühen embryonalen Entwicklung und intrazellulären Signalübertragung sowie Fragen der Systembiologie. Zu seinen größten Erfolgen gehört die Einwerbung der International Graduate School in Molecular Medicine Ulm im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, deren Sprecher er von 2006 bis 2019 war. Gemeinsam mit seiner Frau Professorin Susanne Kühl setzt er sich zudem für die Kommunikation von aktuellen Forschungsergebnissen in die breite Öffentlichkeit ein, insbesondere zu den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Klimawandel.

Neben Forschung und Lehre engagiert sich Michael Kühl seit Langem in verschiedenen Ämtern in und außerhalb der Universität: Als Studiendekan der Molekularen Medizin (2016 bis 2021) prägte er den Studiengang, der Naturwissenschaften und Medizin kombiniert, maßgeblich. Von 2014 bis 2021 war der Biochemiker gewähltes Mitglied des Senats der Universität, von 2011 bis 2016 Mitglied der Ethikkommission der Uni Ulm. Von 2016 bis 2022 war Kühl auch Mitglied im Senats- und Bewilligungsausschuss für die Graduiertenkollegs bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 2021 ist er Mitglied in den Klimabeiräten der Städte Ulm und Neu-Ulm.

Vorbereitung durch Findungskommission
Die Wahl des neuen Präsidenten hatte eine Findungskommission vorbereitet. Geleitet wurde sie von Dr. Klaus Dieterich als damaligem Vorsitzenden des Universitätsrats. Die Stelle wurde im November 2025 öffentlich ausgeschrieben, woraufhin 14 Bewerbungen eingegangen sind. Vier Bewerberinnen und Bewerber wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Die Findungskommission – bestehend aus jeweils vier Mitgliedern des Universitätsrats und des Senats sowie einem Vertreter des Wissenschaftsministeriums mit beratender Funktion – hat daraufhin zwei Personen ausgewählt. Nachdem eine Kandidatin ihre Bewerbung zurückzog, verblieb der Name von Professor Michael Kühl auf dem Wahlvorschlag der Findungskommission. Diesem stimmte die Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Petra Olschowski, zu. Kühl war demzufolge der einzige Kandidat im Wahlverfahren und musste die absolute Mehrheit jedes Wahlgremiums auf sich vereinen. Der Universitätsrat hat die Amtszeit auf sechs Jahre festgelegt. 

Text und Medienkontakt: Christine Liebhardt

Fotos: Elvira Eberhardt / Uni Ulm 

Uni-Präsident Prof. Dr. Michael Weber (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Prof. Dr. Michael Kühl zur Wahl
Uni-Präsident Prof. Dr. Michael Weber (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Prof. Dr. Michael Kühl zur Wahl
Prof. Dr. Michael Kühl stellt sich der Hochschulöffentlichkeit vor (Fotos: Elvira Eberhardt / Universität Ulm)
Mitglieder der Universität konnten Fragen an den Kandidaten stellen
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Die Vorsitzende des Universitätsrates, Prof. Dr. Angelika Vollmar, informiert über das Wahlprozedere
Präsident und Kanzler bei der Stimmabgabe
Der amtierende Präsident Prof. Michael Weber (Mitte links) und der Kanzler der Universität Dieter Kaufmann geben Ihre Stimme ab
Mitglieder des Senats der Universität Ulm bei der Stimmabgabe