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AIDS, Ebola, SARS: Umweltzerstörung begünstigt Infektionskrankheiten
ZDF-Team begleitet Ulmer Forscher bei der Spurensuche im Regenwald

Universität Ulm

Offenbar trägt der Mensch eine Mitverantwortung für Infektionskrankheiten wie Ebola, SARS und HIV/AIDS. Die Entstehung eben solcher „Zoonosen“, das sind Krankheiten, die von Tieren auf den Mensch übertragen werden, erforschen Professorin Simone Sommer und Professor Marco Tschapka vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Universität Ulm. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit im Regenwald von Panama hat sie ein ZDF-Team begleitet. Am Sonntag, 8. November, werden erste Forschungsergebnisse in der Reihe Opens external link in new windowplanet e. (ZDF, 14:50 Uhr) vorgestellt.

Viren sind allgegenwärtige Bestandteile natürlicher Ökosysteme. Dabei sind die meisten Erreger auf kleine Tiergruppen beschränkt, die sie normalerweise kaum beeinträchtigen. Verschlechtern sich jedoch die Bedingungen, beispielsweise durch die Zerstörung der Lebensräume durch den Menschen, geraten die Tiere unter Stress: Ihr Immunsystem kann die Viren nicht mehr bekämpfen und somit treten verstärkt Krankheitssymptome auf. Bei starker Vermehrung der Erreger steigt auch die Mutationsrate. So wird es immer wahrscheinlicher, dass der Virus vom Tier auf den Menschen überspringt. Bekannte Beispiele solcher Zoonosen sind die Infektionskrankheiten AIDS – der Erreger ging vom Affen auf dem Menschen über – und Ebola, übertragen von Fledermäusen.

Die Ulmer Forscher untersuchen seit 2013 in einem interdisziplinären Projekt die komplexen ökologischen Beziehungen zwischen Veränderungen des Regenwaldes durch den Menschen und dem Gesundheitszustand von Kleinsäugern und Fledermäusen. Diese Gemeinschaften können als „Virenreservoirs“ eine wichtige Rolle für menschliche Infektionskrankheiten spielen.
Ihre Feldforschung haben die Ökologen rund um den Panamakanal anhand von Nagetieren, Opossums und Fledermäusen durchgeführt. Dabei kooperierten sie mit dem Smithsonian Tropical Research Institute und wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. „Eine besondere Herausforderung des Projektes bestand darin, unter den widrigen Umständen des Regenwaldes, mit Hitze, Schlamm und tropischen Regengüssen, einwandfrei saubere Blut- und Kotproben der Tiere zu konservieren“, erzählen Simone Sommer und Marco Tschapka. Diese Proben wurden dann in Speziallabors der Universitäten Ulm und Bonn analysiert. Dieses Projekt verdeutlicht auch das arten- und länderübergreifende Konzept „Ecohealth“ des Ulmer Instituts: Zwischen Biologie und Medizin untersuchen die Wissenschaftler, wie die Gesundheit von Mensch und Tier durch Umweltveränderungen beeinflusst wird.

„Erste Ergebnisse zeigen klare Zusammenhänge zwischen dem Infektionsgrad einzelner Tierarten und den jeweiligen Umweltbedingungen“, erklären die Biologen.
Der Schutz natürlicher Lebensräume sei also nicht nur wichtig für das Überleben der Tiere, sondern verhindere auch eine übermäßige Virenvermehrung und dadurch den erleichterten Übersprung von Erregern vom Tier auf den Menschen. Daraus folgt, dass Umweltschutz womöglich Infektionskrankheiten wie Ebola vermeiden hilft.
 
Das ZDF hat die Ulmer Forscher bei den Feldarbeiten in Panama begleitet und ihr speziell ausgestattetes Labor an der Universität Ulm besucht. Der Filmbeitrag wird am Sonntag, 8.11., um 14:50 Uhr im Rahmen der Reihe planet e. im ZDF gesendet.