Preisverleihung Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft 2017

Anlässlich des Festaktes zum Dies academicus am 02.02.2018 wurde der Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft des Jahres 2017 verliehen. Der Verteilungsausschuss hatte beschlossen, für das Jahr 2017 drei Preise zu je 3.000 € zu vergeben.

Die Preisträger und Ihre Projekte:

Prof. Dr.-Ing. Knut Graichen, Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik, für die Kooperation mit der Firma MTU Friedrichshafen GmbH GmbH, in Würdigung der Entwicklung eines neuartigen modelprädiktiven Regelungskonzepts für Schwerlast-Dieselmotoren

Das Projekt befasst sich mit der ganzheitlichen Regelung von Schwerlast-Dieselmotoren zur Entwicklung neuer Reglungskonzepte, welche die teilweise konträren Ziele von Verbrauchsoptimierung, dynamischem Ansprechverhalten und gleichzeitigem Einhalten von Beschränkungen auf Motorenkenngrößen und Emissionen bestmöglich erfüllen. Auf solche technisch komplexen Dieselmotoren, die zum Beispiel in Zugwägen, Yachten und Notstromgeneratoren eingesetzt werden, lassen sich klassische Verfahren der Regelungstechnik kaum anwenden. Im Jahr 2016 gelang eine erstmalige Prüfstandumsetzung eines Regelungsansatzes an einem Dieselgroßmotor bei der Firma MTU. Seit dem Jahr 2017 laufen zwei weitere Projekte mit dem Ziel, das entwickelte Regelungskonzept auf die nächste Motorengeneration zu erweitern. Bislang sind aus der Kooperation vier Erfindungsmeldungen bei der Universität Ulm angemeldet und von MTU übernommen worden. Einer dieser Erfindungsmeldungen wurde zum Patent eingereicht und veröffentlicht; weitere Erfindungsmeldungen sollen zur Patentanmeldung gebracht werden. Aus dem Projekt sind mehrere Publikationen erschienen. Es handelt sich um eine klassische Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie zu einer gesellschaftlich relevanten Thematik (Verbrauchsoptimierung und Einhalten der Beschränkungen der Emissionen bei Dieselmotoren), wobei die wissenschaftliche Expertise direkt in die industrielle Anwendung mündet.

Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa und Patrick Fissler, Institut für Psychologie und Pädagogik, Abteilung Klinische und Biologische Psychologie, sowie Prof. Dr. Christine von Arnim, Klinik für Neurologie, für die Kooperation mit der Firma Ravensburger Spieleland GmbH in Würdigung der Erforschung von Puzzeln als Training multipler kognitiver Fähigkeiten, als Entspannungstätigkeit zur Stressreduzierung sowie als Demenz-Screening

Die Kooperation mit dem Ravensburger Spieleverlag GmbH zielt darauf ab, Puzzeln als eine "serious activity" einzusetzen, die einerseits visuoräumliche kognitive Fähigkeiten trainiert und andererseits als Entspannungstechnik zur Reduktion von psychologischem und oxidativem Stress auf Zellebene eingesetzt werden kann. Dies kann zum langfristigen Erhalt der psychischen und geistigen Gesundheit beitragen. Ein erstes Teilprojekt im Rahmen des Projekts "Jigsaw Puzzles As Cognitive Enrichment" (PACE) untersuchte die kurzfristigen Effekte von 30 Tagen Puzzeln und zeigte, dass Puzzeln alle untersuchten kognitiven Fähigkeiten - einschließlich des schlussfolgernden Denkens, des Gedächtnisses, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Wahrnehmung - beansprucht. Ein Folgeprojekt untersuchte die Auswirkungen einer längerfristigen Puzzleintervention über 1,5 Jahre auf die geistigen Fähigkeiten und die psychische Gesundheit. In einem weiteren Schritt sollen die biomolekularen Mechanismen der positiven Effekte von puzzeln untersucht werden. Als unerwarteter Nebenbefund des Projektes zeigte sich, dass ein neu entwickelter Puzzletest das Potenzial hat, geistige Abbauprozesse früher zu erkennen als bisherige Demenzscreenings und möglicherweise ein deutlich besserer Prädiktor geistiger Leistungsfähigkeit darstellt als der seit Jahrzehnten verwendete Goldstandard des Demenz-Screenings, der Mini-Mental Status Test. So ist es durchaus möglich, dass das Projekt zu einem zuvor nicht angedachten Anwendungsgebiet des Puzzelns als Demenz-Screening führen kann.

Prof. Dr. Boris Mizaikoff, Institut für Analytische und Bioanalytische Chemie, für die Kooperation mit der Firma Labor Dr. Merk & Kollegen GmbH, Ochsenhausen in Würdigung der Entwicklung synthetischer Rezeptoren zur selektiven Bindung von Proteasen

Inhalt der Kooperation ist die Entwicklung synthetischer Erkennungsmaterialien auf der Basis molekular geprägter Polymere, die langfristig in der biotechnologischen Produktion als sogen. Scavenger zur gezielten Abreicherung von Proteasen und als neuartige Erkennungsarchitekturen in Protease-Bioassays eingesetzt werden sollen. Bereits der erste gemeinsame Projektantrag (Projekt PROTSCAV) an das BMBF im Rahmen der "KMU-Innovativ"-Ausschreibung wurde mit über 1 Mio. € für einen dreijährigen Zeitraum (2009 - 2012) gefördert. Diesem Projekt folgte ein weiterer erfolgreicher Antrag (2014 - 2017) mit einer Förderung von über 1,4 Mio. €. Neben der angestrebten kommerziellen Verwertung der entwickelten Technologie seitens des Labors Dr. Merk sind aus der Kooperation zahlreiche Publikationen entstanden. Die Kooperation läuft bereits seit dem Jahr 2009 und stellt eine langfristige und fruchtbare Partnerschaft im Sinne des Stiftungszwecks mit signifikanter externer Förderung und Publikationen in renommierten Zeitschriften dar.