Dem Forschungsnachwuchs eine Bühne geben für die Themen, für die er brennt! Das ist der Anspruch des Young Researchers‘ Science Day, der auch bei der 6. Auflage des Wissenschaftswettbewerbs wieder voll erfüllt wurde. Das Spektrum der Science Pitches reichte von der Molekularen Medizin und Biologischen Psychologie über die Quantenwissenschaften bis zur Chemie. Die ersten beiden Plätze gingen an die Physiker Dr. Tobias Haas und Dr. Mirko Rossini.
Welche Aufgaben haben Universitäten in Zeiten fortlaufender Krisen? Welche Rolle spielt dabei die Wissenschaft? Eine zentrale, aber keine ausschließliche: „Wir müssen unseren Fokus mehr auf die jungen Menschen richten. Denn wir sind verantwortlich, die richtigen Rahmenbedingungen für sie zu schaffen“, sagte Professor Dieter Rautenbach, Vizepräsident für Karriere und Digitalisierung. „Unsere Studierenden sollen lernen, eigenständig zu denken und selber Fragen zu stellen. Wir vermitteln ihnen Wissen, Methoden und Technologien, die dafür nötig sind“, so der wissenschaftliche Leiter der Nachwuchsakademie ProTrainU. Wie gut das an der Uni Ulm gelingt, bewiesen die jungen Postdocs, die zum 6. Science Day der Uni mit einem fünfminütigen Pitch-Vortrag zu ihrem Forschungsprojekt angetreten waren. Ausgewählt von der Jury wurden drei Männer und drei Frauen, die zuvor einen schriftlichen Antrag eingereicht hatten. Organisiert wurde der Science Day wie in den Jahren zuvor vom ProTrainU-Team unter der Leitung von Clarissa Gobiet und Dr. Cornelia Estner. Die beiden Geschäftsführerinnen der Nachwuchsakademie haben die Veranstaltung außerdem moderiert.
Bei den Vorträgen ging es unter anderem um den gesunden „Winterschlaf“ blutbildender Stammzellen im Knochenmark, um metabolische Ressourcen zur Bewältigung von Stresseffekten und Alterungsprozessen, um Mutationen, die gefährliche Formen der Leukämie hervorrufen sowie um Graphen-basierte Katalysatoren, mit deren Hilfe klimaschädliches Kohlendioxid zur Speicherung von Energie genutzt werden könnte – nicht zuletzt auf dem Mars.
Wie verhält sich Information in einem schwarzen Loch?
Den Science-Pitch gewonnen hat Dr. Tobias Haas. Der Physiker ist Postdoc im Institut für Theoretische Physik. Mit einem Schlüssel, einem schwarzen kugelförmigen Gefäß und einem beklebten Papier auf einem Flipchart führte er die zentrale Fragestellung seiner Forschung ein: Wie verhält sich Information in einem schwarzen Loch? Folgt sie den Gesetzmäßigkeiten der von Albert Einstein postulierten Gravitationstheorie und verliert Materie, oder verhält sie sich nach Maßgaben der Quanteninformationstheorie und bleibt unverändert? Um das herauszufinden, kooperiert der Wissenschaftler mit der Arbeitsgruppe von Professorin Christine Silberhorn (Uni Paderborn). Gemeinsam wollen sie ein entsprechendes Testprotokoll implementieren, und zwar für einen lichtbasierten Quantencomputer, der zu den weltweit führenden photonischen Rechenplattformen der Welt gehört. Mit dem Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro will Haas das Projekt nun auf den Weg bringen.
Den zweiten Platz – dotiert mit 30.000 Euro – erreichte Dr. Mirko Rossini vom Institut für Komplexe Quantensysteme. Der Physiker forscht auf dem Gebiet der Quantengenetik zu DNA-Reparaturprozessen. Rossini möchte mit seinem Projekt herausfinden, wie Reparatur-Proteine schadhafte Stellen in der DNA aufspüren, um sie zu reparieren. Der Forscher vermutet, dass quantenmechanische Effekte dafür verantwortlich sind, dass elektrische Ladungen die DNA entlangwandern und auf diesem Weg Informationen über Defekte „kommunizieren“, sodass diese gezielt von den Reparatur-Proteinen angesteuert werden können.
Und auch die Plätze 3 bis 6 gingen nicht leer aus. Für sie gab es Reisegutscheine im Wert von bis zu 1.800 Euro für den Besuch von Tagungen oder von Kollaborationspartnern. Ausgezeichnet wurden damit Dr. Rezan Nehir Mavioglu, Dr. Carolin Seeling, Francesca Boffa PhD und Surya Solanki PhD. Übergeben wurden die Preise und Urkunden am Ende der Veranstaltung vom neuen Präsidenten der Universität Ulm, Professor Michael Kühl, der noch einmal klarstellte: „Gute Wissenschaftskommunikation ist wichtiger denn je. Wir müssen erklären, woran wir mit öffentlichen Geldern forschen und was die Menschen davon haben.“
Ein zweiter Höhepunkt der Veranstaltung war der Keynote-Vortrag von Maciej Tusz, CEO von Magnitude Innovations. Unter dem Titel „Critical Thinking – When AI Does the Work“ zeigte der Ingenieur und Unternehmensgründer an konkreten Beispielen auf, wie sehr der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Produktivität in Unternehmen und in Forschungseinrichtungen steigern kann. Andererseits blickt er sehr kritisch auf die Folgen für einzelne Berufsfelder wie Programmierer – in großen Unternehmen übernimmt die KI bereits zu 95 Prozent das Coding – aber auch allgemein für die jüngere Generation: „Von den Jungen im Unternehmen wird erwartet, dass sie ihren Job genauso gut machen wie die Alteingesessenen – aber ohne deren Erfahrung“, so Tusz, der in seinem Technologie-Consulting-Unternehmen zur additiven Fertigung Künstliche Intelligenz nutzt und schon sehr früh in seiner Karriere mit neuronalen Netzen gearbeitet hat. Der Ingenieur geht fest davon aus, das AI in Zukunft weiterhin an Bedeutung gewinnt: „Umso wichtiger wird der kritische Umgang damit. ‚Critical Thinking‘ wird ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor.“ Gut, wenn die Universität Ulm auch das ihrem Nachwuchs mit auf dem Weg gibt.
Weitere Informationen:
Clarissa Gobiet (E-Mail: clarissa.gobiet(at)uni-ulm.de) und Dr. Cornelia Estner (E-Mail: cornelia.estner(at)uni-ulm.de), Geschäftsführerinnen der Nachwuchsakademie ProTrainU
Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann
Alle Fotos: Elvira Eberhardt / Uni Ulm
