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Stellungnahme des Trauma-SFBs zu "Ärzte gegen Tierversuche"
Traumaforschung hilft, Leben zu retten

Universität Ulm

Stellungnahme des Sonderforschungsbereichs 1149 „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potential nach akutem Trauma“ zur Pressemitteilung „Ärzte gegen Tierversuche enthüllen: Tiere werden zum Rauchen gezwungen – immer noch!“ und zur Nominierung für den Negativpreis „Herz aus Stein“.

In einer Pressemitteilung schreibt der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, dass an der Universität Ulm „Tiere zum Rauchen gezwungen werden“. Weiterhin hat der Verein die Forschenden für die Auszeichnung „Herz aus Stein“ nominiert. Tatsächlich sind im Trauma-Sonderforschungsbereich rund 50 Mäuse in genehmigten Experimenten Rauch (im Sinne eines Passivrauchens) ausgesetzt. Anders als von „Ärzte gegen Tierversuche“ dargestellt, werden diese Versuche jedoch nicht durchgeführt, um „vorgeblich“ die Folgen von Tabakkonsum besser zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um klinisch hochrelevante Traumaforschung im Bereich Thoraxverletzungen - dem häufigsten Verletzungsmuster bei Traumata.

Jedes Jahr erleiden Millionen Deutsche einen Unfall – darunter auch ältere Menschen mit chronischen Leiden. Solche Vorerkrankungen – wie beispielsweise die bei langjährigen Rauchern häufig auftretende chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – haben einen negativen Einfluss auf die Überlebenschance nach Trauma. Bei einem schweren Verkehrsunfall etwa haben COPD-Patienten ein dreifach erhöhtes Risiko, ein Lungenversagen zu erleiden. Warum das so ist, und wie Traumapatienten mit COPD optimal behandelt werden können, ist bisher nicht ausreichend verstanden.

Im Jahr 2014 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Trauma-Sonderforschungsbereich an der Universität Ulm bewilligt, in dem unter anderem die Rolle von Vorerkrankungen bei der Gefahrenantwort und Regeneration nach schweren Verletzungen untersucht wird. In diesem Verbund aus grundlagenorientierten sowie klinisch tätigen Forschenden werden auch Alternativen zu Tierversuchen erforscht – für Lungenerkrankungen etwa das System „Lung on a Chip“. Allerdings lässt sich in diesem tierversuchsfreien Modell keineswegs das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen
Gefahrenmoleküle sowie Faktoren und Zellen der Lunge mit anderen lebenswichtigen Organen bzw. mit dem Gesamtorganismus erforschen. Prinzipiell finden die traumatischen Belastungen in den Mausmodellen des SFB ausschließlich in tiefer Narkose und unter ausreichender Schmerzmittelgabe statt.  

Die ethische Abwägung zwischen diesen Experimenten und den Erkenntnissen, die mittel- bis langfristig zu einer verbesserten Behandlung und Lebensqualität von (COPD-) Patienten führen können, ist auch aus Sicht der genehmigenden Behörde ausgewogen. Vor jeder experimentellen Serie wird ein Antrag beim Regierungspräsidium Tübingen für die Genehmigung dieser Versuchsvorhaben gestellt. Dort wird die Plausibilität, die Unerlässlichkeit und die ethische Abwägung überprüft und von einer Kommission, bestehend aus Wissenschaftlern und Vertretern des Tierschutzes, beurteilt. Erst nach einem positiven Votum entscheidet das Regierungspräsidium über die Genehmigung. Selbstverständlich sind alle Tierversuche im Trauma-SFB und an der Universität Ulm vorab genehmigt und stehen unter ständiger behördlicher Kontrolle.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen zum Einfluss der Vorerkrankung COPD auf die Gefahrenantwort und Regeneration nach schweren Verletzungen werden nicht nur in Fachjournalen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie finden auch Eingang in Leitlinien zur Behandlung von Patientinnen und Patienten, die ein schweres Trauma erlitten haben.